Thursday, January 14, 2010

Die Jagd auf Mehsud II. beginnt


Er ist so ganz anders als sein Vorgänger. Baitullah Mehsud, getötet im August 2009 von einer CIA gesteuerten Drohne in Süd-Waziristan, hat es zu Lebzeiten verabscheut vor die Kameras zu treten. Ähnlich einer Mafia-Größe war der angehörige eines mächtigen Paschtunen-Stammes der pakistanischen Grenzregion, zu einer mysteriösen Führerfigur aufgestanden. Tausende Kämpfer unterstanden ihm, der kein Gesicht zu haben schien. Aus Angst vor Spionen und vor allem den lautlosen Killerdrohnen der Amerikaner, hielt er sich fern von Journalisten und auch Propagandakameras. Letztendlich nützte ihm die Geheimniskrämerei nicht viel, denn aus seinen Reihen kam wohl der Verrat, der die amerikanischen Raketen schließlich ins Ziel führte.


Baitullahs Nachfolger ist ebenfalls ein Mehsud, stammt aus dem nördlich gelegenen Bezirk Arakzai und gilt als "Herrscher des Khyber-Passes". Bis zum August stand Hakimullah Mehsud stets im Schatten des Taliban-Fürsten von Waziristan. Mit dem Tod von Baitullah aber kletterte der schmächtige Islamist die Karriereleiter nach oben und die pakistanischen Tehrik e-Taliban ernannten ihn zu ihrem neuen Anführer.

Hakimullah Mehsud steht gern im Rampenlicht. Er lud schon vor seiner "Amtszeit" gerne die Presse in die von ihm beherrschten Regionen der Stammesgebiete ein, führte erbeutete amerikanische Humvee-Fahrzeuge vor, die eigentlich als NATO-Nachschub in Konvois über den Khyber-Pass nach Afghanistan gebracht werden sollte. Stolz setzte sich der Taliban-Chef selbst ans Steuer und ließ keinen Zweifel dass er weder die Amerikaner noch die pakistanische Armee fürchtet.

Selbst als die CIA-Raketen seinen Vorgänger zerfetzten, scheute Hakimullah Mehsud nicht davor zurück Journalisten zu kontaktieren. Als Tage später Gerüchte gestreut wurden die Taliban-Fürsten Pakistans hätten sich bei einem Treffen gestritten und seien im gegenseitigen Kugelhagel gestorben, griff Hakimullah erneut zum Telefon und ließ die Welt wissen dass er am Leben war.

Pakistanische Beobachter bezweifelten dass der jüngere Mehsud tatsächlich in der Lage sein würde, die zerstrittenen Taliban-Führer zu einen. Dieses Meisterstück gelang einst Baitullah Mehsud, der so die Tehrik e-Taliban schuf, den wohl größten Gegner des pakistanischen Staates.
Wie Schakale würden die Islamisten übereinander herfallen, frohlockten Geheimdienstkreise nach dem Tod Baitullahs. Nichts davon trat ein.
Erstaunlich gelassen und organisiert übernahm Hakimullah zusammen mit seinem Stellvertreter, Wali ur-Rahman, das Oberkommando und seine Gruppe überstand im Oktober und November 2009 sogar die Militäroffensive Islamabads in Süd-Waziristan.

Zum letzten Mal mediengerecht inszenieren konnte sich der Taliban-Chef vergangene Woche, als das Abschiedsvideo des Khost-Selbstmordattentäters Humam al Balawi veröffentlicht wurde. Der Jordanier, dessen Bombe sieben CIA Mitarbeiter tötete und der als Doppelagent agiert haben soll, ist darin in einem verdunkelten Raum an der Seite Hakimullahs zu sehen.
Der Talibanführer schweigt, lässt den Attentäter seine feurige Rede halten. Was das Video beweisen sollte war, dass es der Taliban-Führung selbst gelang eine lebende Bombe in die CIA einzuschleusen und die Amerikaner hart zu treffen. Die Racheschwüre für Baitullah Mehsud sollten nicht ohne Taten bleiben, das war die Botschaft des Balawi-Videos.

Seitdem sich der jordanische Arzt vor seiner Tat an der Seite des Taliban-Chefs präsentierte und die Islamisten voller stolz, zusammen mit al-Qaida, die Verantwortung für das Attentat übernahmen, dürfte sich die CIA in ihren Anti-Terror-Operationen auf Hakimullah Mehsud konzentrieren.
Acht Mal schlugen die Predatordrohnen seit Jahresbeginn in Pakistan zu, zum letzten Mal am heutigen Morgen. In Süd-Waziristan trafen die Raketen ein Gebäude das als ehemalige Koranschule der Ausbildung von Taliban-Kämpfern dient. Angeblich sei Mehsud vor Ort gewesen.

Während der pakistanische Geheimdienst die Vermutung äußerte, Hakimullah könnte getötet worden sein, dementierten die Taliban zügig und unmissverständlich. Ihr Anführer lebe und sei nicht einmal verletzt.
Dass die Schläge heftiger werden und in kürzeren Abständen kommen, dürfte in Waziristan niemanden verwundern. Hatte die CIA doch kurz nach Weihnachten ein komplettes Einsatzteam und unersetzliches Wissen über al-Qaida & Co im Anschlag von Khost verloren. Die Agency will Rache für diese Schmach, Rache in Form von Blut und rollenden Köpfen.

Nord-Waziristan trafen die meisten Hellfire-Raketen der vergangenen 14 Tage. Hier, so vermuten die Geheimdienstler seit Monaten, verstecken sich die höchsten Kader von al-Qaida. Abdullah Said al-Libi, al-Qaidas Militärchef in Afghanistan, schaltete die CIA bereits aus, kurz darauf starb auch der Jordanier Sheikh Mansour al-Shami in einem Drohnenangriff.
Doch das ist nicht genug, die Amerikaner wollen Mehsud II., besser heute als morgen. Sein Auftreten im Märtyrervideo des Khost-Angreifers war aus Sicht der CIA Hakimullahs Todesurteil. Er wollte Amerika demütigen und hat sich damit ins Visier von Dutzenden Drohnen geschoben.

Heute war Allah dem Taliban-Führer wohlgesonnen, die nächsten Wochen aber dürften für die Menschen der pakistanischen Grenzregion unangenehm werden. Die Predators und Reapers werden neu bewaffnet und ziehen schon bald wieder ihre Bahnen am Himmel über Waziristan. Mit über 180 Drohnenangriffen müssen die Pakistaner im Jahr 2010 rechnen, so ermittelte jüngst ein findiger Beobachter, falls die CIA im gleichen Takt zuschlagen wird, wie sie es in seit dem 1.Januar tat.

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