Wednesday, April 29, 2009

Dschihad News VII


Pakistan/Propaganda
Swat unter den Taliban - Video aus dem pakistanischen Tal des Todes





Die Videoaufnahmen sind erst wenige Wochen alt, waren bisher nur als CDs auf den Basaren der pakistanischen Provinzen oder durch spezielle Kontakte zu bekommen. Alle darin gezeigten Szenen wurden in Pakistan aufgenommen, sie sind Teil einer Propagandaserie, gefilmt und bearbeitet von der “Fateh Studio”-Medienabteilung der “Tehrik e-Taliban”, der mächtigsten Taliban-Bewegung in Pakistan, angeführt von Baitullah Mehsud und derzeit im Rampenlicht der internationalen Medien weil sie den Atomstaat und Nachbar Afghanistans an den Rand des Kollapses bringen könnte.
Beinahe alle gezeigten Aktionen fanden in Swat statt, dem grünen, fruchtbaren Tal das früher als die “Schweiz Zentralasiens” galt und Anfang des Jahres in die Hände der Gotteskrieger fiel. Wochenlange Gefechte, Verhandlungsrunden und etliche Tote führten schließlich dazu dass die Regierung Zardari einwilligte in Swat die von den Taliban geforderte Sharia Rechtssprechung einzuführen. Seitdem existiert im Norden Pakistans ein eigenes kleines Emirat, erstmals außerhalb der von den Islamisten kontrollierten Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan.
Die Taliban halten, sie beschreibt es die westliche Presse, die Menschen in Swat als Geisel, sie spielten sich als Herren im Namen des Islam auf und entrissen der Zentralregierung von Islamabad jegliche Kontrolle über die Provinz.
Wie das jetzt exklusiv vorliegende Videomaterial aus der Region beweist, haben die Koranschüler nicht nur formal die Macht in Swat erlangt, sie verwandeln das vor wenigen Jahren noch friedliche Tal in einen Hort des Terrorismus, in dem eine ultraradikale Interpretation des Islam über Leben und Tod entscheidet.
Die Grausamkeit der Szenen stellt alles bisher von den Taliban an Propaganda gelieferte in den Schatten, die Islamisten filmen sich nicht nur bei Gefechten mit der pakistanischen Armee, sie zeigen wie ihre Scharfschützen Regierungssoldaten in ihren Außenposten und bei Patrouillen aus dem Hinterhalt erschießen, ihre Leichen misshandeln und wie Trophäen zur Schau stellen, dokumentieren Anschläge mit Sprengfallen auf Konvois der pakistanischen Armee und Paramilitärs und zeigen unverblümt die Ausübung der Sharia-Bestrafung auf offener Straße.
Spione die angeblich für die Regierung und die CIA arbeiten werden vor laufender Kamera enthauptet, ein Mann in dessen Laden angeblich Alkohol verkauft wird, wird von den Taliban am Straßenrand durch Kopfschüsse exekutiert.
In einer Szene sieht man einen gefesselt auf dem Boden sitzenden Mann in Uniform, laut Information aus dem Video handelt es sich um einen ranghohen Polizeioffizier aus Swat. Der Verängstigte wird von den Taliban verhört, danach schlägt ihm ein maskierter Gotteskrieger mit einem Säbel von hinten den Kopf vom Rumpf.
Selbstmordattentäter werden gefilmt, richten vor laufender Kamera ihre letzten Botschaften an die Angehörigen und die “Feinde Allahs”, bevor sie ihre Sprengstoffgürtel umlegen und die nächste Szene zeigt wie sie ihre tödliche Suizidmission gegen pakistanische Soldaten und Geheimdienstler ausführen.
Was durch dieses Material ersichtlich wird ist dass Swat nicht nur ein Krisengebiet geworden ist in dem es tagtäglich zu Angriffen auf die Regierungstruppen und Teile der Bevölkerung kommt, sondern dass in diesem Gebiet bereits Trainingslager errichtet wurde, junge Männer aus den Dörfern werden von den Taliban in die Koranschulen gebracht und von dort aus in die Ausbildungscamps in den Bergen.Noch bevor das Tal im Frühjahr 2009 in die Hände der Islamisten fiel, entdeckten Al Qaida und mit ihr allierter kashmirische Terrorgruppen die abgelegene Bergregion als idealen Ort um Kämpfer auszubilden, ohne die pakistanische Armee oder amerikanische Luftangriffe fürchten zu müssen. Nach dem Krieg gegen die Sowjets in Afghanistan und mit Beginn der politischen Spannungen zwischen Pakisten und Indien Mitte der 1990er Jahren errichteten die Islamisten rund um den kleinen Ort Peuchar, einem winzgen Nest hoch oben in den Bergen, geprägt von dichten Nadelwäldern und nur erreichbar über unwegsame Pfade, ein Höhlensystem und mehrere Ausbildungslager. Als Vorbild diente die Mujaheddin-Festung Tora Bora an der im Afghanistan-Krieg zuerst die Russen, dann die US-Armee verzweifelte. Bis zu vier verschiedene Camps sollen sich bis heute in Peuchar befinden, einige davon sollen bis zu 150 militante Islamisten beherbergen. In der Regel handelt es sich nur um kleine, improvisierte Einrichtungen, nur wenige Gebäude, Zelte, Schießanlagen, Exerzierplätze und Sportanlagen, sie dienen der militärischen Ausbildung islamistischer Gotteskrieger die dann auf die Schlachtfelder nach Afghanistan, in die pakistanischen Stammesgebiete oder nach Kashmir geschickt werden. Hatten bis 2005 hauptsächlich die kashmirischen Gruppen "Jaish e-Mohammed" und "Lashkar e-Toiba", damals mit Wissen des pakistanischen Geheimdienstes und Militärs ihre Fußsoldaten in diesen Kasernen ausgebildet, entdeckten nach ihrer Flucht aus Afghanistan Al Qaida und ihre nahestehenden lokalen Organisationen wie die "Islamic Jihad Union" und die "Turkestan Mujaheddin Army" das östliche Swat-Tal als Rückzugsmöglichkeit. Letztes Jahr kamen berichte aus dem Swat, arabische Kommandeure hätten hierarchische Strukturen in den Lagern aufgebaut, es gebe Trainingskurse und militärische Drills, keiner dürfe mehr von Peuchar aus in die Berge. Augenzeugen aus den umliegenden Dörfern berichten im Oktober 2008 sei Bin Ladens 16jähriger Sohn Hamza mit einem mehrköpfen Leibwächter-Trupp in einem der Ausbildungslager aufgetaucht. Inzwischen ist das Höhlensystem in den Bergwäldern des Swat fest im Griff der pakistanischen Taliban-Bewegung und derem dort geborenen Kommandeur Ibn Amin, einem radikalislamischen Hardliner der rund um die Uhr in ein weißes Totentuch gekleidet sein soll und von seinen Anhängern den Opfertod verlangt.
“Tehrik e-Taliban” möchte Swat als Sprungbrett für den Rest des Landes nutzen, sie wollen von dort aus die umliegenden Provinzen einnehmen und der Kontrolle Islamabads entreißen.




Irak

Zwei Gesichter eines Mannes?


ODER


Als der irakische Premierminister sein Statement an die Presse weitergab überwarfen sich dich Internet-Dschihadisten bereits seit Tagen mit Gerüchten, Mutmaßungen und Meinungen über die vermeintliche Festnahme des irakischen Staatsfeinds #1. Die Story begann letzte Woche: Sicherheitskräfte hätten in einem Bagdader Vorort bei einer Razzia einen Verdächtigen festgenommen der von der Presse als “Al Qaida Führer” Abu Omar al Bagdadi bezeichnet wurde. Genau genommen handelt es sich bei der Person die unter dem Nom de Guerre “Abu Omar al Bagdadi” bekannt ist, um den Anführer der Organisation “Islamischer Staat im Irak (ISI)” die als Dachorganisation eine transformierte Al Qaida darstellt. Von irakischen Quellen hieß es monatelange Geheimdienstarbeit habe letztendlich zur Verhaftung des meistgesuchten Terroristen des Landes geführt. Kein amerikanischer Nachrichtendienst, kein US-Militär soll Teil dieser geheimen Operation gewesen sein, es war laut Premier Maliki eine 100% rein-irakische Aktion. In einem Interview mit der BBC sprach Nouri al Maliki davon dass irakische Agenten “Elementen in al Bagdadis Nähe” über zwei Monate verfolgt hätten, die sie schließlich zum obersten Führer der militanten Dschihadis im Irak geführt hätten. Alles schien absolut sicher zu sein, nach mehrfachen Berichten über die Ergreifung und vermeintliche Tötung Al Bagdadis über die letzten Jahre, hatten die irakischen Terror-Jäger diesmal wohl Waidmannsheil gehabt zu haben.Nur vom US-Militär gab es bis zuletzt keine Bestätigung, man wollte nicht einmal bestätigen dass ein ranghoher Al Qaida Führer verhaftet worden sei, sollte es sich bestätigen, so ein amerikanischer Pressesprecher, würde man sich natürlich darüber freuen. Um ganz sicher zu gehen veranlasste das irakischen Innenministerium DNA Analysen des inhaftierten Mannes der angeblich bereits von vorher gefangenen Al Qaida Leuten positiv identifiziert sein soll. Am 27.April 2009 kam die offizielle Bestätigung aus dem Gen-Labor: beim Häftling Ahmad Abid Ahmad Khamis al Majmai handle es sich tatsächlich um den gesuchten ISI-Chef “Abu Omar al Bagdadi”. Zusammen mit dem genetischen Beweis lieferte das irakische Fernsehen zudem ein Foto der Person, die gute Kontakte zu Elementen des ehemaligen Saddam-Regimes, besonders zu Geheimdienstlern, und zudem zur Al Qaida Führung rund um Ayman al Zawahiri gehabt haben soll. Wie mysteriös die Figur “Al Bagdadi” in Wahrheit ist zeigen Meldungen aus den letzten Jahren. Zunächst hieß Abu Mussab al Zarqawi wollte die Al Qaida Organisation “irakisieren”, er übergab wichtige Posten im Terrornetzwerk an Iraker ab, wollte das Image wechseln, das seine Organisation immer als “Gruppe bestehend aus ausländischen Dschihad-Kämpfern” portraitierte. Aus diesem Grund stampften die Islamisten eine fiktive Über-Organisation aus dem Boden die sich zunächst “Mujaheddin Shura Council” nannte, dann unter dem Namen “Islamischer Staat im Irak” (ISI), eine Allianz verschiedener islamistischer Kampfgruppen, die dominierende darunter “Al Qaida im Zweistromland”, aktiv war. Zum Anführer dieses Phantasiestaates wurde ein Dschihadi namens “Abu Omar al Bagdadi” ernannt. Ihm unterstellt war nach Zarqawis Tod im Juni 2006 der neue Führer der irakischen Al Qaida “Abu Hamza al Muhajir”. Lange dauerte es nicht bis nach Angaben der CIA Abteilung im Irak der Zarqawi-Nachfolger identifiziert wurde. Der Ägypter Abu Ayyub al Masri sei “Abu Hamza al Muhajir”, und weiterhin die tonangebende Person im Netzwerk. Um den Kurs der “Irakisierung” der Al Qaida beizubehalten habe Al Masri letztendlich die Führung des Islamischen Staates im Irak erschaffen. Interessanterweise gab der im Jahr 2007 festgenommene Chef der Al Qaida- Propagandaabteilung Khaled al Mashadani zu Protokoll bei “Abu Omar al Bagdadi” habe man es nur mit einem Schauspieler namens Abu Abdullah al Naimi zutun, einem Iraker der von Al Masri ins Amt berufen wurde. Anders sahen es anscheinend die Geheimdienstquellen der irakischen Regierung, denn von ihrer Seite hieß es im Mai 2008 der ISI Führer “Al Bagdadi” existiere, es handle sich allerdings um die Hamed Dawud Mohammed Khalil al Zawi, einen ehemaligen Militär aus der Region Haditha unter Saddam Hussein, der wegen seiner extremistisch-religiösen Ansichten Ende der 1990er Jahre entlassen wurde. Jetzt also soll endgültig geklärt sein wer “Abu Omar al Bagdadi” ist, nämlich ein Angehöriger des Majmai-Klans, der anders als in Al Qaida Statements behauptet, keine Wurzeln bis zur Prophetenfamilie des Quraish-Stammes zurückreicht. Die Al Majmais, viele von ihnen traditionelle Angehörige der irakischen Armee, findet man in mehreren Dörfern nördlich von Bagdad, hauptsächlich aber in der Provinz Diyala die als letzte Hochburg der Dschihadis im Irak gilt. Viele Zweige der oft riesigen Familienklans haben Vorfahren die ethnisch Kurdisch, Turkomanisch und sogar Tatarisch sind. Gespannt erwartet die Dschihad-Szene jetzt eine Stellungnahme ds ISI. Bis jetzt gab es weder Bestätigungen für eine Festnahme, noch Dementis von Seiten der Internet-Community. Angebliche Kämpfer die sich derzeit im Irak befinden und in den Reihen der Al Qaida kämpfen meldeten sich über islamistische Foren und behaupteten “Abu Omar al Bagdadi” sei nicht gefasst und bei bester Gesundheit. Authentische Statements lassen weiterhin auf sich warten, Al Qaida selbst hatte nie Bildmaterial des besagten ISI Führers veröffentlicht wonach man ihn identifizieren könnte. Ausschließlich Audionachrichten verbreitete man über das Web im MP3 Format. Die dort zu hörende Person spricht eindeutig Arabisch mit irakischem Akzent, wer aber tatsächlich dahintersteht konnte niemand sagen. Sollte der Islamisten-Führer nun in Haft sein, leidet die Organisation darunter wohl kaum mehr als sie ohnehin schon unter Druck steht. Al Qaida und ihrer Dachorganisation ISI fehlt eine charismatische Führerperson a la Zarqawi. Abu Hamza al Muhajir meldet sich hin und wieder zu Wort, bröckchenweise werden Details aus seiner Biografie bekannt, wirklich zum Held des modernen Dschihad spielte er sich nicht auf, wohl auch aus Angst, immerhin hatte seinen Vorgänger Zarqawi kurz nach seinem ersten unmaskierten Medienauftritts sein bekanntes Schicksal ereilte.

Im folgenden werde ich einige bisher nicht veröffentlichte Fotos von Abu Mussab al Zarqawi posten, die den jungen "Prinzen der Al Qaida" in jüngeren Jahren zeigen. Mit ihm starb die wohl charismatischste Persönlichkeit des militanten Islam neben Osama Bin Laden, bis heute ist seine Internet -Fangemeinde riesig und immer wieder tauchen neue Informationen oder neues Bildmaterial auf.




Iran
“Warnungs”-Grüße aus Moskau?



18.April 2009, Iran

“Israeli Airforce destroyed over 100 Iranian fighter jets and airplanes during a military ceremony in Tehran. The unexpected attack by a large group of IDF jets resulted in the destruction of almost all planes used by the Iranian airforce”

So oder so ähnlich hätte die Nachrichtenmeldung vor wenigen Tagen wohl ausgesehen, zumindest falls die nun aufgetauchten Gerüchte der Wahrheit entsprechen. In der ersten Aprilwoche kündigte das Regime in Teheran eine gigantische Militärparade an, bei der vor allem die Luftwaffe eine große Rolle spielen sollte. Man wolle der Welt demonstrieren dass man für einen israelischen Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen gerüstet sei, hieß es. Mehr als 140 Kampffluge der iranischen Streitkräfte sollten am “Tag der Armee” Überflüge und Luftmanöver vorführen und damit ein Zeichen der Stärke Richtung Tel Aviv senden. Glaubt man den Stimmen aus Russland und dem Iran dann plante Israel bei dieser Gelegenheit etwa 140 Flugzeuge ( 80-90% der iranischen Luftwaffe) in einem einzigen Angriff auf die Basis Mehr Abad zu zerstören. Angeblich fanden seit Bekanntwerden der geplanten Militärparade Vorbereitungen in Israel statt mit einer großen Zahl eigener Kampfjets die iranische “Airpower” größtenteils zu vernichten. Stattgefunden hat die Geheimoperation wohl nur nicht, weil die iranische Führung aus Moskau Hinweise auf die israelischen Planungen bekam. Russische Spionagesatelliten- und “On-The-Ground”-Quellen hätten die Vorbereitungen auf israelischen Luftwaffenstützpunkten ausgemacht und dies am 17.April 2009 an die Iraner weitergegeben, die daraufhin die Zeremonie abänderte. Tatsächlich folgen trotz der Ankündigung einer “massiven Show der Luftwaffe” nur vier Kampfjets über die Köpfe der Anwesenden. “Ungünstiges Wetter und schlechte Sicht” hätten dafür gesorgt dass man nicht die gewünschte Anzahl an Flugzeugen starten lassen konnte. Dies passte nicht zur realen Gegebenheit, in Teheran war es sonnig, der Himmel strahlend blau und beinahe wolkenfrei. Weiter hieß es man habe die Airforce-Flotte auf mehrere abgelegene Stützpunkte verteilt und auch geplante Manöver und Trainingsflüge abgesagt. Hätte Israel tatsächlich eine solch spektakuläre Aktion durchgeführt wäre das iranische Militär nicht mehr in der Lage ausreichend Verteidigung für die Nuklearanlagen und Armeestützpunkte bereitzustellen. Im Sechstagekrieg von 1967 flog die israelische Luftwaffe einen vergleichbaren Angriff gegen die ägyptischen Streitkräfte, innerhalb weniger Stunden verfügten die Ägypter damals über keinerlei einsatzbereite Kampfflugzeuge mehr. Ob man von israelischer Seite aus eine solche Operation gewagt hätte ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht hätte man tatsächlich einen Großteil der iranischen Luftwaffe ausschalten können, die Atomreaktoren und Uran-Anreichungsanlagen stünden dennoch nicht wie wehrlose Lämmer vor der Schlachtbank. Zudem hätte Teheran auf eine solche Attacke reagieren müssen, möglicherweise mit Langstreckenraketen. Dieses Risiko einzugehen fiele Israel verständlicherweise äußerst schwer.






Tschetschenien/AfPakistan
Prominenter Dschihad-Tourist



“Wir beenden alle Anti-Terror-Operationen im Territorium Tschetschenien, ab Mitternacht” - mit diesem kurzen Statement des FSB-Chefs Bortnikow endete für Russland am 16.April 2009 offiziell der Krieg in Tschetschenien. Bis dahin hatte der russische Bär zweimal die kleine Kaukasusrepublik im Zuge des Anti-Terror-Kampfes gegen Separatisten und internationale Islamisten überfallen, schrecklichste Gräueltaten verübt, eine Hauptstadt in Schutt und Asche verwandelt und 1/5 der tschetschenischen Bevölkerung getötet. Wenige Jahre ist es her da machte der Kaukasus noch durch die Geiselnahme im Moskauer Stadttheater, die Belagerung der Schule im nordossetischen Beslan und durch Terrorakte verübt von islamistischen Hardlinern auf sich aufmerksam. Nun soll all dies auf einmal beendet sein, der Terror sei erfolgreich besiegt worden, die Regierung des Mafia- Kriegsfürsten Kadyrow haben alle militärischen Aufgaben übernommen, Russland beginnt mit dem Abzug der eigenen Truppen. Offiziell zumindest ist der tschetschenische Widerstand gebrochen, teilweise seien die Terrorelemente in andere Teilrepubliken Russlands, vor allem nach Dagestan, geflohen. Den Tatsachen entspricht dabei die Einschätzung dass der Terror weniger geworden ist, der bewaffnete Widerstand liegt noch lange nicht in den letzten Atemzügen. Beweis hierfür ist die seit Monaten wieder aufkommende Flut von Propagandavideos des tschetschenischen Dschihad. Beinahe wöchentlich erscheinen Aufnahmen aus den Bergen des Kaukasus, mal in den Wäldern aufgenommen, mal in irgendwelchen Dörfern und Verstecken. “Islamisches Emirat Kaukasus” nennen die Dschihadis die umkämpfte Region des heutigen Tschetschenien, Dagestan, Inguschetien, Nord- und Süd-Ossetien und Kabardino-Balkarien. Verschiedene Emire verwalten die einzelnen Sektoren, führen Kampftruppen an die immer noch Anschläge auf russische Soldaten und die Truppen des Kadyrow-Regimes ausführen. Bis zum Juli 2006 stand diese Bewegung des islamistischen Widerstandes unter Führung des legendären Tschetschenen Schamil Bassayew, den die Russen “unser Bin Laden” nannten. Nach seinem Tod führt nun ebenfalls ein lokaler Kämpfer und überzeugter Anti-Russe Dokka Umarow die Rebellen an. Beinahe wöchentlich müssen seine Gotteskrieger und selbsternannten Freiheitskämpfer Verluste einstecken, Kommandeure und Emire fallen in Gefechten mit Kadyrow-Milizen und russischen Anti-Terror-Einheiten. Was dem tschetschenischen Widerstand fehlt sind weniger die Rekruten, sondern vielmehr die finanzielle und materielle Ausrüstung. Dies mag ein Grund sein weshalb man an der Propagandafront wieder aktiver wird. Der Dschihad-Tourismus im Irak scheint zu versiegen, jetzt erhoffen sich die Kämpfer im Kaukasus neue Geldquellen und einen Aufschwung für ihren Heiligen Krieg, der einst tausende internationale Dschihadis anzog. Inzwischen sind es wenn überhaupt meist türkische Freiwillige die sich dem “Islamischen Emirat Kaukasus” anschließen, einige wenige Araber, Asiaten und Europäer ausgenommen. Einer dieser zugereisten Gotteskrieger ist Emir Abu Zar, ein Türke der seit Jahren auf der Seite der Islamisten kämpft und mehrfach von russischer und tschetschenischer Seite für tot erklärt wurde. Internet-Informationen zufolge ist er einer der ersten ausländischen Mujaheddin gewesen die nach Tschetschenien kamen und dem Ruf der inzwischen getöteten “Märtyrer” Ibn Khattab und Schamil Bassayew folgten. Gestern tauchten Fotos auf, die den Kommandeur der tschetschenischen Rebellen in Afghanistan/Pakistan zeigen. Dorthin sei er im Herbst 2008 gereist, nachdem er im Frühjahr den Kaukasus verlassen hatte und in die Türkei zurückkehrte. Aufgrund des Georgienkonflikts war es ihm nicht möglich nach Tschetschenien zurückzukehren weshalb er sich für den Weg ins afghanisch-pakistanische Stammesgebiet entschied. Wohl weniger um alte Freunde zu besuchen, viel mehr um neue Finanzquellen zu erschließen und die islamistischen Netzwerke in den Stammesgebieten um Unterstützung zu beten, machte sich Abu Zar auf den Weg an den Hindukusch. Zeigten ihn im März 2009 noch Aufnahmen in den Bergwäldern der Region Khasawyurt in Tschetschenien (wo Sicherheitskräfte ihn für getötet erklärten), sieht man den schmächtigen Ende 30jährigen, der in der Dschihad-Szene “Der Held der Türkei” genannt wird, nun an der Seite von pakistanischen und afghanischen Kämpfern in irgendeinem Trainingslager, wahrscheinlich in Süd-Waziristan.

Tuesday, April 28, 2009

Neuer Führer am Kap der Hoffnungslosigkeit


"Gott erwartet von uns dass wir dieses Land regieren weil wir die einzige Organisation sind die von einem Pastor gesegnet wurden als wir uns gründeten. Sie ist sogar im Himmel gesegnet! Das ist der Grund weshalb wir regieren werden bis Jesus wiederkehrt!” - so begründete einst ein Mann stolz die Herrschaft einer schwarzen Volksbewegung über Afrikas letzten Apartheids-Staat “Suidafrika”. Damals wie heute klingen diese Aussagen erschreckend, vielleicht sogar verrückt, auf jedenfall aber provokant und prophetisch zugleich.
Der Mann der sich für einen Führer von Gottes Gnaden, im Namen der Entrechteten und Machtlosen aufspielte, ist der letzte Woche neu gewählte Präsident der südafrikanischen Republik und damit Nachfolger des wohl bekanntesten afrikanischen Menschenrechtlers und Freiheitskämpfers Nelson Mandela. Sein Weg an die politische Spitze seiner Heimat ist gezeichnet von fragwürdigen, kontroversen Äußerungen, dubiosen Gerichtsverhandlungen, vom Kampf um Freiheit bis hin zum Machtkampf. Jacob Zuma führte den African National Congress von Mandela in der letzten Parlamentswahl zum Sieg. Sein Triumph kam für niemanden überraschend, dass seine Partei letztendlich doch nicht auf die eigentlich traditionellen und ungebrochene Zweidrittel-Mehrheit kam, verwunderte dennoch viele Beobachter.
Einst der fortschrittlichste Staat auf dem anscheinend hoffnungslosen Schwarzen Kontinent gibt Südafrika heute nur noch ein klägliches Bild dessen ab was die Welt so gerne als den bunten "Rainbow-State" Afrikas bezeichnet. Nichts von dem Erhofften scheint in Erfüllung gegangen zu sein, die Apartheid nahm ein friedliches Ende, ein neues Grauen nahm schleichend seinen Anfang. Nicht mehr staatliche Diskriminierung, Rassen-Hass und brutale Unterdrückung quälen die Menschen am Kap sondern unerträgliche Kriminalität, weiterhin bitterste Armut in wachsenden Slums und die allgegenwärtige Todesseuche AIDS.
Anders als nach Ende der Apartheid 1994 feierten die Südafrika diesmal nicht den Vorsitzenden des ANC wie einen Befreier und Helden, er galt lediglich als haushoher Favorit, hatte als Mitstreiter Mandelas und Urgestein der Partei von Anfang an hohe Sympathiewerte und mimte zu jeder Gelegenheit den starken Staatsmann der sich von niemandem etwas sagen ließ, “political correctness” nicht zu kennen schien und entschlossen war die Wahl trotz aller Hindernisse und Angriffe auf seine Person für sich zu entscheiden.
Südafrikas Wirtschaft richtet sich im Moment auf das Jahr 2010 aus, alles erwartet mit Freude die Fußball Weltmeisterschaft und von Seiten der Politik arbeitet man fieberhaft an einem Imagewechsel, weg vom Hort der Gewalt und Verbrechen, hin zu einer Heimat für Menschen aller Hautfarbe, Abstammung, Religion und Kultur. Nun steht fest dass Jacob Zuma derjenige sein wird der das Land in diese Zukunft führen soll. Was steht hinter diesem Phänomen, hinter einem Mann der so voller Lebensfreude wie Unberechenbarkeit sein soll?

Demokratie in Afrika, so sagt man, laufe letztendlich auf Herrschaftssystem der Stämme, Sippen, Klans und Familien hinaus. Politische Parteien vertreten meist bestimmte ethnische Gruppen, vermischen Ideologien mit Religion, Kultur und Tradition, gelten als verlängerter Arm von Stämmen.
Dabei zeigt sich dass diese alte Weisheit gebrochen werden kann, zumindest an einigen Orten des Kontinents. Während man im Norden, gleich auf der anderen Seite des Mittelmeers, also sehr nah bei den ehemaligen europäischen Kolonialherren, anscheinend nur durch ein Demokratie-Defizit funktionierende Staatensysteme erhalten kann, hat sich nach Jahrzehnten in denen Wahlen exklusive Privilegien der weißen Bevölkerung darstellten, seit den 1990er Jahren an der Südspitze Afrikas eine einigermaßen erfolgreiche demokratische Ordnung etabliert.

Erstaunlich viele politische Meinungen, Ideologien und Denkansätze ringen im politischen Geschäft Südafrikas um Macht und Einfluss, alle aber verständigen sich auf ein Versprechen was treibende Kraft im Wahlkampf wird: ein besseres Südafrika.
Von statistischer Seite aus betrachtet ist die Entwicklung des Staates in beinahe allen Bereichen des Lebens erschreckend negativ. Johannesburg gilt als die Welthauptstadt der Morde und Vergewaltigungen, Kriminalität ist keine Ausnahme sondern Teil des ganz regulären südafrikanischen Alltags. Einer Nation wurde allmählich bewusst in welche Misere sie abzurutschen droht, wer konnte verließ Südafrika schon vor Jahren. Schuld an dieser Entwicklung suchte die politische Führung steht´s bei anderen, sie warf den Kritikern Schwarzmalerei vor und zeichnete weiter das Bild eines Wunschlandes dass in der Realität für die Menschen, schwarz wie weiß, nicht mehr existiert. Angesichts all der Probleme, all der Fehlentwicklungen der letzten 15 Jahre, müsste man erwarten die Südafrikaner hätten längst erkannt dass eine korrupte, unfähige Riege von Politikern verantwortlich ist für die aktuelle Lage. Seit dem ersten Wahlsieg nach Ende der Apartheid-Ära regiert der ANC quasi ohne nennenswerte Konkurrenz als herrschende Partei über Südafrika, zunächst unter einem vernünftig und hoffnungserweckend agierenden Präsident Nelson Mandela, danach unter Führung des charismatischen Thabo Mbeki, einem Mann mit politischem Gespür aber nicht fähig zu großen Reformen und Wandel. Die Parteibasis stützt sich noch immer, wie zu Zeiten des Kampfes gegen die Rassentrennung auf die mehrheitlich arme, inzwischen wohl untere Mittelschicht, sie wird getragen von jenen die in ihren Köpfen noch nicht abgeschlossen haben mit der Apartheid und den Verbrechen der weißen Herrschaft. Geblendet durch den wieder und wieder beschworenen Freiheitskampf, gelockt mit Versprechen die heute genauso wenig der Realität versprechen wie vor zehn Jahren und getrieben von der Rhetorik charismatischer Führer und dem Wunsch endlich ein besseres Leben führen zu können, verhalf der schwarze Bevölkerungsanteil der unteren Schichten dem ANC mehrfach zum Wahlsieg. Für die älteren Generationen der Weißen, für die Nachkommen der britischen Kolonialherren und der burischen Afrikaaner, bedeutet das Kürzel ANC Terrorismus, gesetzloser Guerillakampf und immer öfter schwarzer Rassismus. Ihre Stimmen gehören in den seltensten Fällen dieser Partei die einige schon zur südafrikanischen Alleinherrscherin deklariert haben.
Mandelas Erbe führt eine politische Elite fort, die diese Bezeichnung kaum verdient haben. Die wenigsten von ihnen weisen wirkliche Politerfahrung auf, ihre Qualität in Sachen Staatsführung wurden nie geprüft oder auch nur hinterfragt. Was zählt war immer und ist Charisma, ein Auftreten das den Menschen Stärke und Hoffnung vermittelt, gepaart mit einem absurden Bedürfnis den längst gewonnenen “Freiheitskampf” weiterführen zu müssen. Vielen Südafrikanern scheint die Freiheit die sie seit über einem Jahrzehnt genießen dürfen noch nicht bewusst zu sein, sie leben in einem Umfeld in dem sie glauben die alten Machtstrukturen seien noch vorhanden und man bedürfe der Partei der Schwarzen um eine Wiederkehr der Apartheid zu verhindern.
Der ANC, so hört man immer wieder, müsse weiterhin die politischen Zügel in der Hand halten weil er ein Garant sei dass diejenigen die zur alten Zeit zurück wollen keine Chance mehr haben. Dabei scheint es kaum von Bedeutung dass die Wahlversprechen des ANC, die Hoffnungsmache und die illusionäre Vorstellung ein radikaler Wandel sei möglich, zerplatzen wie Seifenblasen wenn der Durchschnitts-Bürger in seinen Alltag zurückkehrt, dessen Probleme und Herausforderungen teilweise vom ANC zu verantworten sind.
In den Wochen und Monaten vor der diesjährigen Wahl gingen die Meinungen der Politologen, Beobachter und Journalisten zum ersten Mal erheblich auseinander wie der ANC die Wahl 2009 meistern werde. Kontroversen und Ereignisse rund um die Kandidaten machten den Urnengang diesmal außergewöhnlich interessiert und auch spannend. Die Frage die sich stellte war dabei nicht ob der ANC am Ende wieder stärkste Partei sein würde sondern es ging um die Details die als Zeichen für langsamen aber dennoch vorhandenen Wandel gedeutet werden. Gelingt es den Erben Mandelas wieder eine Zweidrittel-Mehrheit zu sichern? Wird es der umstrittene Kandidat Jacob Zuma schaffen einen Teil der ANC Anhängerschaft hinter sich zu bringen die sich nach den politischen Ereignissen der letzten Jahre mit der Partei überworfen hatten? Wie wird das neue Bündnis COPE als stärkste Oppositionspartei letztendlich abschneiden? Diese Fragen konnte bis zum Schluss niemand beantworten, Umfragen zeigten dass Zuma mit einem sicheren Sieg rechnen konnte, dabei musste die Partei insgesamt mit Rückschlägen in ehemaligen Hochburgen rechnen.
Die Vorboten für diese Wahl waren alles andere als hoffnungsvolle Aussichten. Begonnen hatte alles nachdem der ANC im September 2008 den amtierenden Präsident Südafrikas Thabo Mbeki von seinem Amt abberief. Schon im Jahr davor, am 18.Dezember 2007 verlor Mbeki beim Parteitag die ANC Präsidentschaftswahl mit knapp 800 Stimmen Unterschied gegen seinen größten Rivalen und Widersacher Jacob Zuma. Nur ein Jahr später hatte sich ein Teil des ANC weitestgehend gegen Mbeki gestellt und forderte seinen Rücktritt, der den Weg für Zuma freimachte.
Dessen Aufstieg an die Spitze der größten Partei Südafrikas und schließlich ins höchste Amt des Staates beginnt in der Provinz, in einem winzigen Dorf namens Ikandla, im nordöstlichen Natal gelegen. Hier wird Jacob Gedleyihlekisa Zuma am 12.April 1942 als Sohn einer Zulu-Familie geboren, der Vater ist ein Polizeibeamter und stirbt als Jacob drei Jahre alt war, damit war die Familie ohne Einkommen und den Kindern konnte keine Ausbildung ermöglicht werden. Nach der fünften Klasse (damals Stufe 3) verließ Jacob die Schule und besitzt deswegen bis heute keinen offiziellen Schulabschluss. Sein erstes Geld verdient der als Kind mit dem Hüten von Vieh und kleineren Gelegenheitsjobs in der nahegelegenen Großstadt Durban. Als Jugendlicher (im Alter von 17) schließt er sich der schwarzen Widerstandsbewegung ANC gegen das Apartheid-Regime an, zunächst wird er Mitglied der Untergrundorganisation “Umkhonto we Sizwe” (Speer der Nation), einer militanten Jugendorganisation des ANC, der 1961 offiziell verboten wird und in Südafrika nur noch unter Decknamen aktiv ist. 1963 wurde Zuma Mitglied in der Kommunistenpartei Südafrikas, noch im gleichen Jahr geriet er zusammen mit 45 anderen Aktivisten in Haft und wurde wegen des Verdachts auf Planung eines Regierungsumsturzes zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, wobei er einen Teil der Strafe auf der durch Mangelas Haft bekannten
gewordenen Insel “Robben-Island” mit einigen ANC Führern verbüßte.
Kaum auf freiem Fuß zog es Zuma zurück in die Provinz Natal wo er weiterhin als Widerstandskämpfer am Aufbau eines Untergrund-Netzwerkes des ANC arbeitete. Weil die Anti-Terror-Maßnahmen der Regierung die Arbeit zunehmend erschwerten verließ Zuma mit einigen Mitstreitern 1975 Südafrika und ging zunächst nach Swasiland, dann ins mosambikische Exil wo er half den Strom der schwarzen Flüchtlingen nach dem sogenannten “Soweto-Aufstand” zu versorgen. Durch seine ambitionierte Tätigkeit gelang es ihm schließlich 1977 Mitglied des ANC Führungskomitees zu werden. Es folgten eine Funktion als ANC Repräsentant in Mosambik 1984 und eine Flucht 1987 in das benachbarte Sambia, auf Druck der Apartheid-Regierung. In der sambischen Hauptstadt Lusaka ernannte ein Führungskader der Partei Zuma zum Chef der Geheimaktivitäten des ANC. Jahrzehnte des politischen und des militanten Kampfes gegen Unterdrückung und für die Freiheitsrechte der schwarzen Südafrika führten im Februar 1990 dazu dass die südafrikanische Regierung den ANC als legale Partei zuließ. Nur kurze Zeit später kehrte Jacob Zuma als einer der ersten Führungsmitglieder der Organisation in seine Heimat zurück und begann mit den Verhandlungen über die Zukunft Südafrikas. Bedingt durch seine Exil-Zeit verspürte er ein dringendes Bedürfnis in seine Heimatregion, das KwaZuluNatal zurückzukehren, wo er offiziell als ANC/Natal-Funktionär fungierte.
Politische Spannungen in dieser Gegend hatten zu Ausbrüchen der Gewalt zwischen dem ANC und der Inkatha Freiheitspartei (IFP) geführt. Zumas Interesse konzentrierte sich darauf den Konflikt friedlich zu lösen, seine Zulu-Zugehörigkeit half dabei entscheidend, denn die IFP verstand sich als Partei der Zulus und trat als Verfechter deren Rechte auf. Durch seine Gespräche mit den Rivalen im Natal gelang es Zuma die Zulu-Bevölkerung ein Stück näher an den ANC heranzurücken. 30 Jahre war er bereits Parteimitglied als Jacob Zuma im Alter von 50 Jahren beim ersten Parteitag des ANC zum Vizeparteisekretär gewählt wurde. Die anschließenden Wahlen 1994 sicherten ihm einen Platz in der Provinzregierung seiner Heimatregion. Mit seinem Sieg bei der Wahl zum ANC Vizepräsidenten wurde der charismatische, taktisch immer sehr klug agierende Zulu schließlich auch im Juni 1999 von Präsident und Mandela-Nachfolger Mbeki zu dessen Stellvertreter ernannt. Im Ausland war Zuma bis zu diesem Zeitpunkt wenig in Erscheinung getreten, mit Ausnahme der Friedensverhandlungen in Uganda wo er als Vermittler der ruandisch-burundischen Konfliktparteien nach dem Völkermord im Ländereck Ruanda, Burundi, Kongo auftrat. Damals konnte man erkennen dass sich Zuma als Überbrücker der kulturellen und ethnischen Differenzen, die oft so entscheidend sind in afrikanischer Politik, versteht. Seine Zugehörigkeit zum Zulu-Stamm war politisch nützlich gewesen, bildete zudem die Möglichkeit im ANC, einer Partei mit einer Minderheit an Zulus, als Verständigungsfigur zwischen den Volksgruppen aufzutreten.
Verraten hat Zuma dabei seine Herkunft nie, sein kulturelles Erbe ist ihm weiterhin heilig, er pflegt die Traditionen und Sitten seines Stammes in vielerlei Hinsicht. Polygamie beispielsweise hält er nicht etwa für sittenwidrig oder unmodern sondern für sein kulturelles und religiöses Recht als Zulu. Mittlerweile soll er Vater von 18 Kindern sein, geboren von neun verschiedenen Frauen. Auch Gesänge, Tanz- und Beschwörungsrituale gehören zum Alltag des lebensfrohen, meist lachend oder grinsenden Politikers. Kritiker sehen in ihn deshalb keinen Staatsmann der mit den Problemen der modernen, globalisierten Welt, noch dazu auf dem internationalen Parkett der Politik, zurecht kommt.
Niemand bestritt nach der Jahrtausendwende dass Jacob Zuma in seiner Funktion als Vize-Präsident des Landes auf dem Sprungbrett an die Spitze war, seine politische Laufbahn hinweg hatte er eine große Anhängerschaft hinter sich versammelt, Jahrzehnte des ANC-Kampfes gegen die Apartheid hatten aus ihm einen erfahrenen Kämpfer gemacht, über dem erst im Jahr 2005 dunkle Wolken aufzogen. Sechs Jahre zuvor hatte die südafrikanische Regierung begonnen an dubiosen Waffengeschäften teilzunehmen. Während der juristischen Aufarbeitung dieser Vorfälle kamen Korruptionsvorwürfe gegen Jacob Zuma auf, der angeblich Kontakt gehabt haben soll zum Hauptverdächtigen, dem Durbaner Geschäftsmann Shaikh, der gleichzeitig als Zumas Finanzberater tätig war. Um insgesamt fünf Milliarden Rand soll es damals gegangen sein, um Verkäufe südafrikanischer Marineboote und militärischen Materials. Wie weit Zuma tatsächlich in diese Geschäfte verwickelt war wurde aus den Verfahren nicht ersichtlich, sein Finanzberater wanderte für 15 Jahre hinter Gittern, nur 12 Tage später, am 14.Juni 2005 enthob Thabo Mbeki Zuma wegen der entstandenen Kontroverse und der Anklageschriften im Fall Shaik seines Amtes als Vize-Präsident.
Insider behaupten dieser Bruch mit Mbeki habe dafür gesorgt dass Zuma ab sofort entschieden daran arbeitete den Parteirivalen aus dem Amt zu trennen. Doch zunächst ging es für ihn um sein politisches Überleben was entscheidend von den Anklagen abhing. Das oberste Gericht Südafrikas konnte trotz mehrfacher Untersuchungen keine definitive Anklage vorbringen, die Anschuldigungen wurden von Zumas Anwälten vehement bestritten, es handle sich um eine politische Verschwörung. Da keine juristischen Folgen aus den Korruptionsuntersuchungen entstanden musste Präsident Mbeki Zuma am 15.Mai 2006 wieder in sein Amt als Stellvertreter zurückholen, im Dezember 2007 dann folgte der innerparteiliche Showdown zwischen den beiden Kontrahenten, die sich gegenseitig nicht mehr trauen
konnten und sich Loyalität absprachen. Jacob Zuma gelang es einen großen Teil des ANC zu formieren und gewann schließlich die Abstimmung. Ihm gelang es sich als starker Kämpfer zu präsentieren, Gerichsverfahren wegen Korruption, dann Ende 2005 Anklagen wegen Vergewaltigung, bestand Zuma unbeschadet, jedesmal schien er mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, die Stimmen die ihm weiterhin vorwarfen schuldig zu sein, persönliche Kontakte in die Politik, Wirtschaft und Judikative Südafrikas ausgenutzt zu haben um sich rein zu waschen, konnte Zuma jedoch nie mundtot machen. Der Schatten des korrupten Machtpolitikers der nach eigenen Gesetzen lebt und handelt, hängt seit jenen Jahren an ihm, speist seine politische Gegnerschaft und liefert Stoff für die internationale Presse, die ihn als “Afrikas Berlusconi” und “Der Unberührbare” bezeichnet.
Zu behaupten Zuma sei plötzlich und von einem Tag auf den anderen eine kontroverse Figur in der südafrikanischen Politik geworden wäre aber falsch. Immer schon stießen Aussagen des redegewandten Hobby-Predigers ins Fleisch verschiedener Weltansichten. Dass er sich als ein Politiker im Namen Jesu sieht, der ANC eine heilige Partei sei die bestimmt wurde Südafrika zu beherrschen, dass er dennoch die heidnischen Bräuche des Zulu-Volkes hegt und pflegt, die Vielweiberei als Grundrecht ansieht und vorgibt HIV durch eine “heiße Dusche nach dem Sex” verhindern zu können, empörten nicht Menschen in Südafrika, sondern rund um den Globus. Als klar wurde dass Thabo Mbekis Tage als ANC Führer gezählt waren, warf man im Westen mit Argwohn ein Auge auf den neuen starken Mann am Kap. Konnte dieser anscheinend schwulenfeindliche, spirituell durchtriebene Nationalist und ehemaliger Freiheitskämpfer die Zukunft Südafrikas sein? Die Mitglieder des ANC jedenfalls sahen 2007 in ihm die Lösung auf die Probleme des Landes.
Unterstellt wurde Jacob Zuma in der Vergangenheit viel, einiges waren erfundene Lügen politischer Feinde, anderes erwies sich als Halbwahrheit. Nicht gefälscht oder verdreht werden konnten die Äußerungen dieses bulligen Mannes, der keine Gelegenheit auslässt um auf Parteitagen und bei Wahlkampfveranstaltungen zu traditionellen Rhythmen das Tanzbein zu schwingen und ausgelassen die Lieder aus Zeiten des Anti-Apartheid-Kampfes zu singen. Darunter war so manches Wort, das Zuma im Nachhinein vielleicht bereut haben mag, sich jedoch nie davon distanzierte. “Als ich aufgewachsen bin hätte mir kein Schwuler begegnen. Ich hätte ihn umgehauen!”, solche Statements zum Thema der Homo-Ehe oder die Forderung Minderjährigen Müttern ihre Kinder wegzunehmen, sie auf die Schule zu schicken und sie zu zwingen einen Abschluss zu machen, entsetzten Bürgerrechtsgruppen im Laufe der letzten Jahre. Zum Thema Zimbabwe ermahnte Zuma im SPIEGEL Interview 2006 die Europäer sich zu sehr über tote Afrikaner aufzuregen, im Kongo, in Ruanda und Angola seien Millionen Schwarze gestorben, und es hätte niemanden in Europa interessiert bis in Zimbabwe einige wenige Weiße umgekommen sein. Außerdem müsse man doch einsehen dass Robert Mugabe von den Afrikanern als Held gefeiert werde der die Menschen von Zimbabwe befreit habe, wie also könne man ihn jetzt dafür verurteilen?
Derartige Ansichten, dazu noch die Behauptung er habe sich beim Sex mit einer HIV-positiven Frau nicht angesteckt weil er gleich nach dem Geschlechtsakt eine heiße Dusche genommen habe, verängstigten besonders die immerhin gut 4,5 Millionen weißen Südafrikaner, von denen viele zimbabwische Zustände in den kommenden Jahren befürchten, einige sich für einen Bürgerkrieg rüsten. Mit Jacob Zuma als Präsident, so hört man immer wieder, werde Südafrika einen Schritt näher in Richtung des Schicksals Zimbabwes bringen, dann setze eine Politik des Populismus, der Machtgier und Rücksichtslosigkeit ein, die Korruption, Vetternwirtschaft, schwarzen Rassismus und Gewalt fördere. Nicht nur die speziell im Fall Jacob Zuma aufgetauchten Anschuldigungen schadeten dem Ansehen des ANC, dessen Gesicht Mandela nach Ende der Apartheid in aller Welt als das “neue Afrika” verkauft wurde. Es sind vielmehr die unzähligen Fälle von Korruption, die Parteikader die über Nacht zu Millionen geworden sind, die vielen Verzweigungen zwischen Wirtschaft, Politik, Richtern (Zuma selbst soll eine Affäre mit der Tochter eines Richters gehabt haben der dann sein Verfahren leiten sollte) und Staatsanwälten, die alte Weisheit von “Wasser predigen aber Wein trinken”, die Südafrikas aufstrebende und wachsende Mittelschicht und die gebildete Oberschicht vor Zumas Partei zurückschrecken lassen. Weil die Herausforderungen der Realpolitik anscheinend eine Nummer zu groß sind für den ANC und seine politische Führung, konzentrieren sich die machtorientierten Parteifunktionäre nach unten, suchen Unterstützung bei der breiten Masse der Menschen die trotz 15 Jahre Post-Apartheid keine Verbesserung sehen, weiterhin in den Townships leben, Opfer der skrupellosesten Banden und Straßendiebe werden, sich Tag für Tag scharenweise durch Vergewaltigung und Drogensucht mit HIV infizieren. Bei den Armen und Hoffnungssuchenden finden die revolutionären Bewegungen, zu denen der 1923 gegründet ANC gehört, ihre Kraft, es ging auch bei den jüngsten Wahlen darum diese erdrückende Masse zu mobilisieren. Zuvor aber stand Zuma eine Hürde im Weg die er überwinden musste. Noch hatten die südafrikanischen Gerichte die Verfahren zur Korruption nicht beigelegt, es fehlte eine endgültige Entscheidung. Freigesprochen wurde der 67jährige bereits im September 2008, weil der zuständige Richter Verfahrensfehler für gegeben ansah. Ausdrücklich machte Hochwürden keine Angaben zur Schuld oder Unschuld Zumas.
Die Einstellung des kompletten Verfahrens wegen Beihilfe oder Komplizenschaft in einem Korruptionsfall folgte am 06.April 2009. Nichts konnte nun mehr die Kandidatur des ANC Vorsitzenden verhindern, obwohl mindestens zwei Oppositionsparteien ankündigten ebenfalls Strafanzeige stellen zu wollen. Beobachter werteten den absoluten Freispruch Zumas als dessen Freipass zur Präsidentschaft. Tausende seiner Anhänger belagerten wieder und wieder Gerichtsgebäude, bedrohten Wahlkampfveranstaltungen gegnerischer Parteien und beteuerten lauthals die Unschuld ihres Kandidaten. Mehr denn je hatte Zumas Wahlkampfteam vor allem junge Leute auf die Straßen gebracht, in ANC-farbige T-Shirts mit dem Konterfei ihres “Helden” gesteckt und vor jede vorhandene TV Kamera gezerrt. Entscheidend für den Ausgang der Wahl war sicherlich die parteieigene Jugendorganisation ANC Youth League, die immer wieder durch provokante Aktionen, teilweise rassistische und gewaltverherrlichende Äußerungen ihrer Anführer in die Schlagzeilen gerät und sich gerne als Parteibasis gibt, dabei bestehen ihre Mitglieder meist aus arbeitslosen, ungebildeten Jugendlichen aus den Armenvierteln Johannesburgs und anderer ANC Hochburgen. Zusammen mit der kommunistischen Partei und den Vereinigten Südafrikanischen Gewerkschaften sicherte die ANC YL Jacob Zuma die Unterstützung zu, jubelte ihm bei jedem seiner Auftritte zu. Man ließ nichts unversucht um Zuma den absoluten Sieg zu sichern, sogar der Held der Nation, Nelson Mandela trat bei einer Wahlkampfveranstaltung auf, mahnte die Partei nicht in die Vergangenheit zu blicken, auch mit Hinweis auf Zumas Biografie der gerichtlichen Verfahren. Immer wieder die Parole: es gehe um ein besseres Südafrika für alle.
Obwohl Führer der schwarzen, teilweise anti-weißen Mehrheitspartei reichte Zuma zuletzt auch den Afrikaanern die Hand. Die Nachfolger der Buren seien das “einzig wahre weiße Urvolk Afrikas” und somit Teil Südafrikas wie alle anderen Stämme und Ethnien des Landes auch. Überzeugen ließen sich die Weißen wohl eher weniger, ihre Stimmen fielen mehrheitlich auf die Oppositionsparteien,
vor allem auf die “Demokratische Allianz” (DA) angeführt von Kapstadts mittlerweile legendärer 58jährigen Bürgermeisterin Helen Zille, deutschstämmige Tochter des Berliner Malers Heinrich Zille, deren Eltern 1934 vor den Nazis nach Südafrika geflohen waren, die sich sehr stark für die Bekämpfung von Kriminalität, Drogenmissbrauch und Gewalt engagiert und schon in frühen Jahren gegen das Apartheid-System kämpfte. Vor drei Jahren bereits siegte ihr Parteienzusammenschluss mit 42% der Stimmen bei der Bürgermeisterwahl von Kapstadt und brach damit die Dominanz des ANC, von dessen Seite sie häufig als Rassistin beschimpft wird. Seit 2006 gilt die DA als eine zukunftsträchtige Bewegung der demokratischen Vereinigung, die Mitglieder sind multiethnisch und bunt gemischt, meist jedoch aus dem Mittelstand kommend.
Neben der DA machte vor allem die neue Partei COPE dem ANC Probleme bei der Umsetzung des Plans zum Erringen der Zweidrittel-Mehrheit. Bedingt durch den parteiinternen Kampf zwischen Zuma und Mbeki zeigte sich eine große Zahl von ANC Anhängern unzufrieden mit der korrupten Führung, der Art wie man Mbeki absetzte und Intrigen geschmiedet hatte. Dies führte im Jahr 2008 zur Abspaltung vom ANC und der Gründung einer Bewegung in Johannesburg die sich “Congress of the People” (COPE) nennt und seitdem der Mehrheitspartei die Anhängerschaft streitig gemacht hat. Ihr Kandidat Hamilton “Mvume” Dandala ist Priester und kämpft seit Jahrzehnten mit verschiedenen Kirchenbewegungen für den Frieden in Afrika. Politisch orientierte er sich nie an den radikalen afrikanischen Freiheitsbewegungen, bei denen durch ihre meist marxistische Ideologie die Kirche immer in einem sehr suspekten Licht stand.
Allen politischen Themen wie Sicherheitspolitik, AIDS-Bekämpfung, politische Reformen, Kampf gegen Korruption, Wirtschaft, Stellung zu Zimbabwe, zum trotz gab der Urnengang in Südafrika letztendlich das Preis was sich oft bewahrheitet wenn das afrikanische Polit-Theater auf den Boden der Realität zurückkehrt. Wie erwartet errang der ANC einen Wahlsieg (65,9%), nicht aber ohne Stimmen einbüßen (264 von 267 Parlamentssitzen zur Zweidrittel-Mehrheit) zu müssen die schon fast als gewonnen galten. Jacob Zumas größtes Problem wurde in einigen Provinzen ersichtlich, die ehemalige ANC Hochburgen sind: es lief auf die ethnische Zugehörigkeit hinaus. Sowohl Nelson Mandela als auch Thabo Mbeki sind Xhosas, Angehörige eines Viehhirten-Volkes welches vor allem im Süden, rund um Johannesburg, vertreten ist. Zum ersten Mal ist mit Zuma kein Xhosa sondern ein Zulu Vorsitzender des African National Congress. Im Herzland der Zulus sicherte er sich den Sieg problemlos, bei den patriotischen Xhosas hingegen fiel es dem charismatischen Führer schwerer Stimmen zu gewinnen. Immerhin 16,7% konnte sich Helen Zille´s DA sichern und wurde zweitstärkste Partei, COPE schaffte nur enttäuschende 7,4%, weit unter den prognostizierten Ergebnissen für die ANC Rivalen. Von den 26 zugelassenen Parteien erreichten am 22.April 2009 die Hälfte den Einzug ins südafrikanische Parlament, was zeigt welch breites politisches Spektrum antrat um die Alleinherrschaft des African National Congress zu brechen.

Sie sind vorhanden, die Zeichen für politisches Umdenken, für ein Art Aufwachen der Masse, aber sie sind zu wenige, zu klein und kaum gehört. Den erhofften Zweidrittel-Bonus nicht zu erringen wertet Präsident Jacob Zuma garantiert nicht als historischen Verlust, dass er es faktisch trotzdem ist, ändert auch der gedrungene Grinsemann nicht.
Nun hat Südafrika sich demokratisch und frei für seinen nächsten Führer entschieden, für eine Politik die jetzt noch niemand vorhersagen kann, die für einige zum Albtraum werden könnte. “Now we are really fucked up”, sagt jemand der Südafrika aus erster Hand kennt. Die Fußball WM steht vor der Tür, Stadien werden für Millionen gebaut, die Tourismus-Branche lässt den Motor heiß laufen um die Infrastruktur für einen Fan-Andrang zu gewährleisten, Nacht für Nacht operieren Notärzte in Johannesburg und Kapstadt Schuss- und Stichverletzungen wie in Kriegsgebieten, Sicherheitsfirmen können sich vor Aufträgen kaum retten, Hilfsorganisationen verzweifeln an der unaufhaltsamen AIDS-Epidemie, hunderte Flüchtlinge, einige erkrankt an tödlicher Cholera, durchqueren Woche für Woche den Limpopo aus Zimbabwe, die letzten verbliebenen weißen Farmer füllen ihre Waffenschränke und Munitionslager auf...alles während ein neuer Präsident eingeschworen wird, ein ehemaliger Guerilla, heute im Armani-Anzug, immer freundlich lächelnd, stolz und siegessicher seinen Gegnern in der Politik und im Gerichtssaal trotzend. Vier Ehrendoktortitel besitzt Jacob Zuma, alle ohne einen Schulabschluss, drei Frauen soll er aktuell haben, sein Stammesrecht erlaubt ihm weitere. Einst behauptete er sehen zu können, wann eine Frau mit ihm Sex wolle, ob die Südafrikaner vor einer Woche in seinen Augen sehen konnten welche Zukunft sie mit Präsident Zuma haben werden ist fraglich. “Lethu Mshini Wami” - “Hol mir mein Maschinengewehr”, dies ist sein Lieblingslied, das Lied der Widerstandskämpfer, eines was schon Nelson Mandela vor 40 Jahren gesungen hat. Zuma singt es heute noch...

Friday, April 24, 2009

Trotz Medieninteresse: Nur einer unter vielen



Stürzt sich die Presse auf reale, faktenbezogene, relevante Meldungen wenn es beispielsweise um die Sicherheitslage in der BRD geht oder die Herausforderungen durch den islamistischen Terrorismus? Eher weniger, wie sich heute wieder zeigte. Begonnen hatten die Berichte über ein angeblich neues Terrorvideo mit Bezug auf Deutschland im Nachrichtenticker von BILD.de am späten Nachmittag. Dem ARD-Hauptstadt Studio liege ein Video vor welches man der Al Qaida zuordne, in dem ein maskierter Mann mit Namen „Abu Hamza der Deutsche“ Anschläge in Europa ankündige.

Schnell folgten Artikel auf WELT.de und SPIEGEL Online die alle auf die Sensationsmache aufsprangen und trotz der wenigen wirklich gelieferten Informationen, auch ohne Bild- oder Videomaterial, wieder einmal das terroristische Schreckgespenst an die Wand malten:


"Die Mudschahidin sind unterwegs zu euch": In einem Propaganda-Video des Terrornetzwerks al-Qaida tritt ein bisher nicht identifizierter deutschsprachiger Mann auf. Er nennt sich "Abu Hamza" und droht mit Terroranschlägen in Europa - als Vergeltung für die dänischen Mohammed-Karikaturen.

Berlin - Das Video, in dem "Abu Hamza, der Deutsche" auftritt, ist fast anderthalb Stunden lang. Doch der junge Mann, der im Kreise ebenfalls vermummter Kämpfer gezeigt wird, ist nur für ganze zehn Sekunden zu hören. "An die Europäische Union und alle ihre Verbündeten, die die Amerikaner unterstützen", richtet er seine Worte. "Die Mudschahidin sind unterwegs zu euch und wir werden euch alle vernichten. Und an erster Stelle natürlich Dänemark und Holland, die unseren Propheten beschimpfen."

Außer seinem Kampfnamen werden keinerlei Details über "Abu Hamza, den Deutschen" präsentiert. Deutsch scheint nicht seine Muttersprache zu sein, trotzdem spricht er es flüssig."(SPIEGEL ONLINE)


Ganz real betrachtet ist das besagte Video bei dem es sich um eine Produktion von As Sahab handelt nicht um neues Material. Seit über einer Woche besitze ich das gut anderhalbstündige Video, ein qualitativ herausragende Aufnahme die professionell bearbeitet wurde und DVD Bild- und Tonqualität aufweist. Es ist eine der längsten As Sahab Produktionen überhaupt, ein propagandistischer Mix aus Pseudo-Geschichtsstunde, islamistischer Aufklärung, Predigten, Aufzählung der Dschihad-Erfolge und gefilmten Anschlägen, Feuergefechten und Waffenschau. Erst im letzten Drittel des Videos, nach dem Auftauchen von Al Qaida Größen wie dem Amerikaner Adam Gadahn („Abu Azzam al Amriki“), Abu Yayha al Libi, Mustafa Abu al Yazid, Audiobotschaften von Osama Bin Laden und seinem Vize Ayman al Zawahiri, erscheint eine Gruppe von vermummten Mujaheddin, die nachts, auf dem Boden sitzend gefilmt wurden. Vermutlich sind sie Teil der Al Qaida Kampfeinheiten die aus der ehemaligen „Brigade 055“ entstanden sind und inzwischen vereinzelt im Kampfgebiet Afghanistan und Pakistan zum Einsatz kommen, oft unterstützend an der Seite der Taliban, meist jedoch in schwierigeren, gefährlichen „Spezialmissionen“.

Afghanische und pakistanische Geheimdienste machten die Truppe vor etwa zwei Jahren als neu gegründete „Lashkar al Zil“ (Schattenarmee) aus, eine internationale Söldnereinheit von todeswilligen Dschihadis aus aller Welt die direkt dem militärischen Al Qaida Kommando unterstellt sind. Glaubt man den Berichten über die Schattenarmee handelt es sich dabei um die fähigsten, fanatischsten und best trainierten Gotteskrieger im Krisengebiet.

Als einer ihrer Kämpfer kommt im besagten Video eine maskierte Person vor, die als „Abu Hamza al Almani“ identifiziert wird und nur gut 10 Sekunden lang der europäischen Union, besonders Dänemark und den Niederlanden droht. Sein Deutsch scheint fließend zu sein, nicht jedoch ohne ausländischen Einfluss.

Anders als der bisher in As Sahab Videos als Sprecher fungierende Abu Talha (Bekkay H.) ist Abu Hamza Teil der kämpfenden Einheit, wird daher nicht propagandistisch ausgeschlachtet und zum Werkzeug von Al Qaida um neue Rekruten zu werden.

Dass ein europäischer Mujahed auf dem Schlachtfeld des Dschihad physisch kämpft, kein Propagandawerkzeug ist und anscheinend auch nicht als wertvoller Kandidat für internationale Anschläge ausgebildet wird kann nur ein Anzeichen dafür sein dass das Terrornetzwerk nicht unter einem Rekrutenmangel leidet. Vom Verfassungsschutz heißt es man beobachte eine stetige Zahl von deutschen Staatsbürgern die in die Ausbildungscamp in den pakistanischen Stammesgebieten reisen. Etwa 40 Islamisten seien bekannt die sich derzeit in dieser Region der Welt aufhalten, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Problematisch werden nicht diejenigen die sich filmen lassen, teilweise sogar ihre Identität preisgeben und dann eventuell ihren erhoffen „Märtyrertod“ in den Kugeln und Bomben der NATO und pakistanischen Armee sterben, sondern diejenigen die in keinem Video auftauchen, die in ihre Heimatländer zurückkehren mit dem Ziel dort Terror im Herzen der Anti-Terror-Allianz zu entfachen. Sie bleiben gesichts- und namenlos für die Geheimdienste und Sicherheitskräfte Europas bis ihre Bomben explodiert sind.

UPDATE zu "Die Brüder die den Tod suchen"


Nachdem hier im Zuge der „Dschihad News“-Serie über die Chouka-Brüder aus Bonn berichtet wurde , die mittlerweile im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet als Mujaheddin der Islamischen Dschihad Union kämpfen, möchte ich hier einige neue Informationen über die beiden Personen preisgeben.

Mounir Chouka alias Abu Adam, heute 27 Jahre alt, besuchte wie auch sein drei Jahre jüngerer Bruder Yassin, einen katholischen Kindergarten und eine katholische Grundschule, später dann das Gymnasium wo beide ihr Abitur erhielten.

Im Privatleben traf man sie häufig zusammen im Fußball- und Basketballverein. Beide absolvierten den Grundwehrdienst der Bundeswehr. Das Jahr 2004 veränderte die Brüder entscheidend, sie kehrten dem Leben als anscheinend integrierte Deutsch-Marokkaner den Rücken und wandten sich dem Islam intensiv zu. Zunächst veranstalteten sie Gebetskreise, Diskussionsrunden und Vorträge zum Thema Islam, Muslime und Politik in islamischen Ländern. Schnell entwickelte sich ihr Engagement zum Spendensammeln, anfangs für Hilfsorganisationen in arabischen und asiatischen Ländern, dann wohl im geheimen ging es darum Gelder an militante Gruppen in den Krisenregionen von Palästina bis Pakistan zu schleusen. Der jüngere Yassin brach nach seiner Hajj in Mekka das Studium zum Elektrotechniker und begann religiöse Schriften zu studieren.

2006 gründete das Duo eine Gruppe namens „Ghazwah Express“ deren Mitglieder angeblich „bewaffnete Operationen“ im Bundesgebiet ausführten sprich Diebstähle und Raubüberfälle um weiterhin Unterstützung für den Dschihad bereitstellen zu können. Deutschland verließen die beiden im Februar 2007, ihr Ziel war zunächst der Jemen. In der Region Hadramaut schlossen sich die Choukas der islamistischen „Al Murabitun“ an, die Teil der militanten Opposition zur jemenitischen Regierung ist und als Al Qaida Verbindung auf der südlichen Arabischen Halbinsel gilt. Wenige Wochen nach ihrer Ankunft im Jemen ernannte man beide schon zu Angehörigen des Führungskreises der Gruppe. Es fanden wohl mehrere Reisen zurück nach Deutschland statt mit dem Zweck der Geldbeschaffung und neue Kontakte zu knüpfen, u.a. auch zu wohlhabenden Geschäftsleuten aus den Golfstaaten.

Mitte 2008 führte eine Reise die Brüder schließlich nach Afghanistan wo sie sich der Dschihad-Bewegung der Taliban anschlossen und Mullah Mohammed Omar ihre Treue schworen.

Die letzte bekannte Etappe der beiden führte Ende 2008 in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet. Hier wurden sie Mitglieder der Islamischen Dschihad Union und kämpfen seitdem nicht nur auf afghanischem Territorium sondern laut Aussage von Quellen der IJU auch in Pakistan selbst.

Thursday, April 23, 2009

Der Mann mit 20 Leben - jetzt gefangen?


Über die letzten Jahre, seit der Tötung des Al Qaida Prinzen im Irak, Abu Mussab al Zarqawi, rätseln Geheimdienste über die Führungsstrukturen des irakischen Terrornetzwerks. Laut der Organisation selbst ist die Al Qaida im Irak mittlerweile in einem Dachverband mit anderen islamistischen Gruppierungen aufgegangen. Jene Über-Organisation namens „Islamischer Staat im Irak“ (ISI) steht unter der Führung einer Shura, einem Zirkel von Mujaheddin-Kommandeuren die sich aus den verschiedenen Untergruppen zusammensetzen. Nach Zarqawis „Märtyrertod“ im Jahr 2006 ernannten die Islamisten im Irak einen gewissen „Abu Hamza al Muhajir“, einer von vielen Kampfnamen des ägyptischen Al Qaida Funktionärs Abu Ayyub al Masri, zum Anführer der Al Qaida im Zweistromland. Damit unterstand Zarqawis Nachfolger allerdings dem Oberkommandierenden, dem Chef des „Islamischen Staates im Irak“ Sheikh Abu Omar al Bagdadi.

US Sondereinheiten machen in Zusammenarbeit mit der CIA und irakischen Geheimdiensten seitdem Jagd auf die Spitze irakischen der Al Qaida. Seit dem Bekanntwerden der neuen Organisation ISI meldeten irakischen Sicherheitskräfte mehrfach, insgesamt über 15 Mal die Verhaftung von Al Bagdadi und etwa fünf mal die Tötung von Abu Hamza al Muhajir. Jedes Mal dementierte Al Qaida über das Internet, es tauchten Audiobotschaften der Islamsitenführer die, die bewiesen dass sie noch unter den Lebenden weilen.

Heute meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Sprecher der Iraqi National Army dass Abu Omar al Bagdadi heute Vormittag in einem östlichen Vorort von Bagdad verhaftet worden sei. Nach einem Hinweis hätten irakische Sicherheitskräfte einen Gebäudekomplex umstellt und eine Razzia gestartet bei der es zu einem Schusswechsel zwischen Al Qaida Kämpfern und Soldaten kam. Anschließend sei unter den festgenommenen Personen Hamid Dawoud Mohammed Khalil al Zawi identifiziert worden, bei dem es sich um Abu Omar al Bagdadi handeln soll. Vor über einem Jahr schon vermuteten Geheimdienstler dass es sich bei Al Zawi, einem ehemaligen Mitglied von Saddams „General Security Directorate“, einer Mischung aus Geheimdienst und Spezialeinheit, um einen aus der Anbar Provinz stammenden Al Qaida Führer handeln soll. Warum sich der Terrorist aber trotz seiner Herkunft (vermutlich in der Region rund um Haditha und Anah) „al Bagdadi“ („der aus Bagdad stammende“) nennt war immer zweifelhaft. Vielleicht versuchte der Islamische Staat im Irak damit den Eindruck zu erwecken er sei 100% irakisch.

Amerikanische Militärs konnten und wollten heute nicht bestätigen dass der Anführer des ISI verhaftet wurde, verschiedene arabische und europäische Medien berichten jedoch schon über die Festnahme des „Al Qaida Führers im Irak“. Diese Bezeichnung, so lässt es sich auch aus den Diskussionen in islamistischen Internetforen entnehmen, ist und bleibt falsch. Sowohl von Seiten der Terrorgruppe selbst, wie von US Geheimdiensten und Experten, geht man davon aus dass Abu Ayyub al Masri alias Abu Hamza al Muhajir weiterhin Befehlshaber der Al Qaida Zellen ist und bleibt.

Bleibt abzuwarten was in den kommenden Tagen aus der Dschihadi-Szene zu erfahren sein wird.

Wednesday, April 22, 2009

Taliban Video zeigt Hubschrauber-Abschuss









Verändern sich ihre Taktiken im afghanischen und pakistanischen Schlachtfeld doch zusehends zu qualitativ immer hochwertigeren und tödlicheren Sprengfallen, ausgereifteren Hinterhalt-Strategien und dem Einsatz moderner Waffen, so veränderte sich die propagandistische Medienkampagne der Taliban in den vergangenen Jahren nur wenig. Islamistische Internetpropaganda professioneller Machart kam und kommt meist von der As Sahab Produktion, der Medienabteilung von Al Qaida, deren Kämpfer auf dem Schlachtfeld wohl maximal 10% der Anti-NATO Kräfte in Afghanistan ausmachen dürften.

Was Propaganda und die Ausschöpfung moderner Medienproduktion angeht hat die inzwischen stark angewachsene Taliban-Bewegung einigen Nachholbedarf. Diesen scheinen die Gotteskrieger nun aufholen zu wollen, denn die Zahl und besonders die Qualität der Taliban-Videos, die in den vergangenen Wochen und Monaten im Internet auftauchten, nimmt drastisch zu. Unterschiedliche Logos verschiedener produktiver Kräfte zieren die Aufnahmen, viele davon sind Rekrutierungsvideos in Pashto und Urdu, einige zeigen Trainingscamps, neuerdings auch in Swat, zeigen die Ausbildung von jugendlichen Selbstmordattentätern, Überfälle auf NATO-Truppen und das pakistanische Militär, Hinrichtungen und Bestrafungen von Kriminellen, Spionen und Sharia-Schuldigen, Bombenanschläge auf amerikanische Einheiten, die Abschiedsszenen junger Suizidbomber und immer wieder Predigten der unzähligen Taliban-Kommandeure.

Die Spitze der propagandistischen Arbeit der Koranschüler wurde am Montag erreicht, als der arabische Fernsehsender Al Arabiya in den Besitz eines Videos gelangte welches den Abschuss eines zweimotorigen Chinook-Transporthelikopters der US Armee in der ostafghanischen Provinz Kunar zeigt. Eine Taliban-Einheit griff wohl zunächst mehrere amerikanische Hubschrauber mit schweren Luftabwehr-Geschützen an, feuerte dann eine SAM-7 Luftabwehrrakete auf einen mit Nutzlast versehenen Transporthubschrauber ab, der daraufhin abstürzte und an einem Berghang zerschellte. Die spektakuläre Szene, welche von den Mujaheddin gleich aus mehreren Perspektiven gefilmt wurde, ist dabei nur Teil eines größeren Propagandafilms der „Nida al Jihad“ Produktion der afghanischen Taliban, der in den nächsten Tagen auf bekannten Internetseiten und in islamistischen Foren auftauchen dürfte.

Es gibt von Seiten der US Armee keinerlei Berichte über in letzter Zeit abgeschossene Hubschrauber in Afghanistan, und auch aus der Zahl und Details der gemeldeten Verluste lässt sich kein Absturz oder Abschuss ableiten. Wann genau die Aufnahmen der Taliban entstanden kann nicht gesagt werden.