Wednesday, April 15, 2009

Dschihad News VI

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Propaganda
Lebenszeichen der palästinensischen Al Qaida


Erstmals seit Monaten meldete sich letzte Woche die mysteriöse Gruppierung „Al Qaida in Gaza“ wieder über das Internet. Ein qualitativ minderwertiges Video wurde veröffentlicht welches den Abschuss zweier Kleinraketen vom Gaza-Streifen aus zeigt. Beide Geschosse sollen am 08.April 2009 nach Israel geschossen worden sein.
Die beiden im Video erscheinenden maskierten Militanten präsentieren neben den selbstgebauten Raketen die von der Bauart an die Qassams der Hamas erinnern die offizielle Flagge der irakischen Al Qaida „Islamischer Staat im Irak“. Die schlicht gehaltene, schwarz-weiße Fahne zeigt das islamische Glaubensbekenntnis und wurde vom „Islamischen Staat im Irak“ als Logo übernommen nachdem dieser aus dem „Mujaheddin Shura Council“, einem von Abu Mussab al Zarqawi als Dachorganisation gegründeten Netzwerk der Al Qaida im Irak.
Seit 2006 ist den Geheimdiensten in Israel bekannt dass es Al Qaida von Ägypten aus gelungen ist den Gaza-Streifen zu infiltrieren und zusammen mit lokalen salafistischen Gruppen, die in ihrer Ideologie noch extremere Ansichten als Hamas und der Dschihad al Islami vertreten, ein kleines Netzwerk aufzubauen dass seitdem versucht terroristische Aktivitäten gegen Israel durchzuführen. Aus Sicht der Al Qaida Hardliner hat sich die islamistische Hamas inzwischen von ihrem ursprünglichen orthodox-sunnitisch-islamischen Kurs abgewendet und durch ihre Zusammenarbeit mit der schiitischen Hisbollah und der iranischen Führung Verrat an der Gemeinschaft der Sunnah begangen die das Schiitentum als kerzerische und unislamisch ablehnt.
Geschätzt maximal 70 Personen gehören zur sogenannten „palästinensischen Al Qaida“ die sich in ihren offiziellen Statements und Videos „Al Qaidat al Dschihad fi Gaza“ nennt. Insbesondere der in Gaza ansässige Familienklan Dughmash gilt als Vertreter der Al Qaida Ideologie in den palästinensischen Gebieten. Über die vergangenen Monate kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen der regierenden Hamas und den salafistischen Extremisten die dabei mindestens 10 Opfer alleine zwischen Dezember und März 2009 zu verzeichnen haben. Immer häufiger gelangen über Internet-Foren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit die Hamas beschuldigen gezielt „sunnitische Mujaheddin“ zu exekutieren.
Bin Ladens verzweifelte Versuche den Erzfeind Israel durch ein palästinensischen Netzwerk in Gaza und Westbank angreifen zu können dürften weiterhin erfolglos verlaufen, die Präsenz der Al Qaida im Umland Israels, u.a. auch im südlichen Libanon und benachbarten Ägypten sowie in Syrien wird allerdings zu einer zunehmenden beunruhigenden Lage für israelische Sicherheitskräfte.




Großbritannien
-->Der Geist und sein Terrornetz

Selbst kleine Fehler im Anti-Terror-Krieg können fatale Folgen nach sich ziehen. Jüngst musste dies Bob Quick am eigenen Leib erfahren, als er am 08.April 2009 aus seinem Fahrzeug stieg um den britischen Premier Gordon Brown in seiner Residenz in London aufsuchte. Unter den Arm geklemmt hatte der oberste britische Anti-Terror-Polizist, Vater von fünf Kindern, mehrere Dokumente darunter eine schriftliche Planung für eine bevorstehende Anti-Terror-Operation. Unglücklicherweise hielt Quick dieses streng geheime Dokument nicht verdeckt sondern präsentierte es unabsichtlich den Kameras der anwesenden Paparazzi. „Operation Pathway“ hatten die Anti-Terror-Ermittler die geplante Razzia genannt bei der mutmaßliche Islamisten verhaftet werden sollten. Kaum kamen die Meldungen über den Patzer von Mr.Quick, der ihn schließlich den Posten kostete, an die Öffentlichkeit rotierten hinter den Kulissen die Zahnräder der Geheim- und Sicherheitsdienste.
Noch in der Nacht schlug die britische Polizei zu, die geplante Aktion musste vorverlegt werden da dringende Fluchtgefahr bestand.
Insgesamt nahmen die Ermittler 12 Verdächtige fest, die meisten rund um Manchester und an anderen Orten in Nordwest-England. Bei 11 der festgenommenen Männer handelt es sich um pakistanische Staatsbürger die sich mit Studentenvisa in Großbritannien aufhalten und unter Verdacht stehen mit Al Qaida Terroristen in Kontakt zu stehen und Anschläge geplant zu haben. Wie Premier Brown kurz nach den Festnahmen erklärte gebe es Verbindungen zwischen den Verdächtigen und terroristischen Elementen in Pakistan. Was genau die Männer geplant haben sollen und wer sich letztendlich beauftragt, angeworben oder ausgebildet hat wurde bisher nicht bekannt, nur dass die Terroraktionen am Osterwochenende stattfinden sollten und sich vermutlich gegen Einkaufszentren und verschiedene öffentliche Orte in Manchester und Umgebung richten sollten.
Die britische Polizei geht davon aus dass die ausgehobene Terrorzelle nicht unabhängig arbeitete sondern Instruktionen und Befehle aus dem Ausland bekam. Anführer der Gruppe soll der 22jährige Abid Nasir sein, ein Pakistani aus den Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze. Seine Wohnung in Cheetham Hill wurde genau wie Häuser in Liverpool, Manchester und Lancs und ein Internet-Cafe durchsucht.
Anders als bei den Attentätern vom 07.Juli 2005 scheinen die nun festgenommenen Islamisten keine „home-grown“ Terroristen zu sein sondern im Ausland aufgewachsene und radikalisierte junge Männer die aus dem Herzland des militanten Islamismus, den pakistanischen Stammesgebieten stammen. Mindestens einer von ihnen soll in Süd-Waziristan geboren worden sein und familiäre Kontakte in das Umfeld der lokalen Taliban-Kommandeure unter Kommando von Baitullah Mehsud haben.
Ob mit der „Operation Pathway“ des MI5 wirklich eine bevorstehende Serie von Al Qaida Anschläge in Großbritannien verhindert wurde werden erst die kommenden Wochen zeigen. Wie aus Medienquellen zu erfahren ist musste die britische Polizei zwei Verdächtige wieder aus der Untersuchungshaft entlassen, die Anschuldigungen gegenüber den übrigen zehn Studenten erscheinen kaum ausreichend für weitere Anklagen oder Festnahmen.
Vielleicht aber können die britischen Behörden diese Aktion doch als Erfolg verbuchen, denn Al Qaida´s pakistanische Führung gilt seit Monaten als absolut entschlossen große Anschläge in westlichen Staaten durchführen zu lassen. Spektakuläre Selbstmordattentate in Europa und den USA blieben in jüngster Vergangenheit aus, es mangelt dem Netzwerk weniger an Zielen oder Freiwilligen als viel mehr an Logistik und Planung. Aus Angst vor den westlichen Geheimdiensten hat man die präzise Strategie und Planungsphase von den Zielländern zurück nach Pakistan und Afghanistan verlegt. Ein kleiner Kreis erfahrener Al Qaida Kommandeure erhielt die Anweisung Ziele in Europa auszuwählen und Anschläge zu planen die besonders jene Staaten und deren Regierungen treffen sollen die einen Anteil am Anti-Terror-Krieg in Afghanistan haben. Hierbei rücken natürlich besonders das Vereinigte Königreich, die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich ins Visier der Fanatiker. Völlig unbeachtet bleiben aber auch Polen, Dänemark (das Heimatland des neuen NATO-Befehlshabers), Niederlande und Italien nicht.
Zum Planungsstab der Al Qaida gehört laut Informationen der Geheimdienste ein Mann den man letztes Jahr schon für tot gesagt hatte. Durch seine doppelte Staatsbürgerschaft (Pakistan/Großbritannien) gilt Rashid Rauf als Al Qaida´s Verantwortlicher für Aktionen in Großbritannien. Im August 2006 flog ein Al Qaida Plan auf Passagiermaschinen von England aus auf der Transatlantikstrecke zu entführen und zu sprengen. Nur einen Tag nachdem in mehreren britischen Orten mutmaßliche Terroristen verhaftet worden waren ging den pakistanischen Sicherheitskräfte der Chefplaner dieser Terroroperation Rashid Rauf ins Netz. Der 30jährige Bin Laden Anhänger wuchs als Kind pakistanischer Eltern in Birmingham auf, spricht fließend Englisch mit britischem Akzent und kennt beide Welten, die pakistanische Heimatregion der Familie im kaschmirischen Mirpur und die moderne europäische Gesellschaft. Verheiratet ist Rauf mit einer Verwandten des gesuchten pakistanischen Islamistenführers Maulana Masud Azhar, dem Gründer der in Kaschmir stationierten Jaish e-Mohammed Organisation. Nachdem ein Gericht in Pakistan keinerlei Beweise finden konnte die Rashid Rauf mit den geplanten Anschlägen von Großbritannien in Verbindung brachten wollte man freilassen, verlängerte seine Haft aber aufgrund des Drucks aus London. Mysteriöserweise gelang ihm im Dezember 2007 die Flucht aus dem Gefängnis in Islamabad. Von dort aus flüchtete Rauf in die Stammesgebiete wo er Schutz bei lokalen Taliban-Führern fand. Seinen vermeintlichen Tod fand der Islamist am 21.November 2008 durch einen US-Drohnenangriff auf ein Gebäude im nord-wazirischen Miramshah, bei dem neben Rauf und drei Pakistanis auch der ägyptische Al Qaida Kommandeur Abu Zubair ums Leben gekommen sein soll. US-Satellitenaufnahmen vom zerstörten Ziel kurz nach dem Angriff zeigten einen leblosen Körper zwischen den Trümmern bei dem es sich laut CIA um Rashid Rauf handelte. Entgegen dieser Meldungen behauptete seine Familie hartnäckig er habe den Luftschlag überlebt. Wie tatsächlich der aktuelle Status von Rauf aussieht ist nebulös. Nachdem in Belgien im letztem Dezember 14 Al Qaida Terroristen festgenommen wurden sagte einer der Festgenommenen aus er sei persönlich von Rauf in Pakistan ausgebildet und beauftragt worden ein Selbstmordattentat in Europa auszuführen. Zudem sei die belgische Zelle nur Teil eines Netzwerkes aus Suizid-Einheiten die in ganz Europa verstreut seien um eine geplante Anschlagsserie durchzuführen die von Al Qaida in Pakistan, u.a. von Rashid Rauf geplant wurde. Städte in Holland, Großbritannien, Frankreich und Belgien seien die Ziele gewesen. Mit diesem Hinweis aus Belgien gelang es jetzt den britischen Behörden die Manchester-Gruppe, wohl die „Nordwest-Zelle“ in Europa, festzusetzen. Während man in Pakistan mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgeht dass der gesuchte Rashid Rauf beim Drohnenangriff vom November 2008 in Nord-Waziristan ums Leben kam mussten amerikanische Geheimdienstler letzte Woche zugeben es gebe keine 100%ige Sicherheit, vielleicht werde es eine lange Zeit dauern bis man Gewissheit habe ob Rauf tot oder lebendig sei.
Bis dahin sieht man lediglich das Werk des Al Qaida Planers, der noch Monate vor dem Angriff auf seine Person, Selbstmordattentäter nach Europa sandte und ein erstaunlich umfangreiches Netzwerk errichten konnte, dass noch nicht vollkommen ausrottet zu sein scheint.












Propaganda
Die Brüder die den Tod suchen


Abu Adam und Abu Ibrahim – zwei Namen so ausdrucksstark wie nichtssagend. Wer in der Dschihad-Welt unterwegs ist legt vieles ab: Gewohnheiten, Laster, Charaktereigenschaften, vorherige Weltbilder, alte Überzeugungen, Moral und Ethik. Das erste aber was ein überzeugter Mujahed ablegt ist der Name der ihn an seine Vergangenheit, sein altes, „falsches“ Leben erinnert. Aus normalen Namen werden Kampfnamen, Pseudonyme die aus dem Zivilisten einen Krieger machen, die den Soldaten vom normalen Wesen unterscheiden. Jeder kennt Jossif Dschugaschwili nur unter seinem „nom de guerre“ Stalin, aus Nguyen Sinh Cung wurde der weltbekannte Ho Chi Minh.
In der islamistischen Szene wählen die Gotteskrieger Kampfnamen die meist in Tradition an eine bekannte Persönlichkeit der islamischen Geschichte erinnern soll, einen besonders mutigen, kämpferischen Mujahed oder einen erfolgreichen Kalifen. Meist bestehen die gewählten Namen aus zwei Teilen, wobei der erste ein freigewählter Rufname ist und aus dem letzten Teil oft ersichtlich wird woher der Kämpfer stammt. Beispielsweise lässt sich aus dem Namen „Abu Mohammed al Lubnani“ schließen dass es sich um „Abu Mohammed den Libanesen“ handelt.
Folglich müssten die Kampfnamen der Brüder Abu Adam und Abu Ibrahim vollständigkeitshalber auf „al Almani“ enden: der Deutsche. In ihrem alten Leben hießen die beiden Deutsch-Marokkoner Mounir (27) und Yassin (24) und stammen aus Bonn. Dort aber leben sie seit Jahren nicht mehr, ihre neue Heimat ist die Bergwelt Waziristans, wo sie seit geraumer Zeit an der Seite einer multi-ethnischen Dschihad-Truppe unter der Flagge der Islamischen Dschihad Union kämpfen und in regelmäßigen Abständen deutschsprachige Propaganda verbreiten.
Tauchten sie in ihrem ersten Video noch maskiert und verschleiert auf, predigen die Brüder heute unverhüllt vor laufender Kamera den Dschihad gegen die Ungläubigen und rufen die islamische Ummah auf den Tod für die „Sache Allahs“ auf. Bevor aus den gläubigen Muslimen, die als Musterbeispiele der Integration hätten dienen können, fanatische Extremisten wurden, beendeten beide erfolgreich die Schule in Deutschland, einer studierte Elektroingenieurtechnik an der Universität Koblenz, der andere begann eine Ausbildung beim Bundesamt für Statistik. Irgendwann setzte die Radikalisierung ein, der Einfluss extremistischer
Kräfte in der Moschee und im Freundeskreis wuchs, aus Mounir und Yassin wurden „Abu Adam“ und „Abu Ibrahim“, die Aushängeschilder der usbekischen Islamischen Dschihad Union und derzeit aktivisten deutschsprachigen Mujaheddin, die ihre Botschaften aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet per Internet in alle Welt schicken, wobei der Hauptadressat eindeutig die Bundesrepublik ist. Durch Besuche in einer Bonner Moschee sollen die Brüder mehrfach in Kontakt mit der mittlerweile bekannten deutschen Dschihad-Persönlichkeit Bekkay Harrach alias Abu Talha (Al Qaida Sprachrohr für Botschaften an Deutschland) gekommen sein.
Neustes Produkt der Propagandaabteilung der Islamischen Dschihad Union ist ein Video mit Titel „Sieg oder Märtyrertum“, bis auf arabische Gesänge komplett in deutscher Sprache gestaltet. Zu sehen sind Szenen der Mujaheddin-Ausbildung, Schieß- und Taekwondo-Übungen, Dschihad-Schulung von Kindern und Jugendlichen und Kampfszenen vom angeblichen Schlachtfeld in den Stammesgebieten Pakistans. Hauptteil des Videos ist jedoch eine Predigt von Abu Ibrahim, der im typischen Stil eines Imam gekleidet vor der weißen Shahada-Flagge des islamischen Kalifats berichtet welche Pflicht und zeitgleich Geschenk der Dschihad für die Muslime ist. Sein Bruder Abu Adam berichtet in seine kurzen, von Mujaheddin-Szenen untermalten Ansprache davon mit welcher Freunde man die Schlachten gegen die NATO Truppen erwarte und dass man als Mujahed den Tod ersehne und erstrebe.
Des Weiteren tauchen eine Reihe ausländischer Gotteskrieger auf die in verschiedenen Szenarien gefilmt wurden, u.a. ein 16jähriger Kämpfer der anscheinend eine Schussverletzung an der Hand erlitten hat und von seinen Kampfgefährten versorgt wird. Ein weiterer Kämpfer mit Namen Abdul Halim ist mit einem deutschen Gewehr des Modells „Blaser R 93 Offroad“ zu sehen, das als Scharfschützengewehr eingesetzt wird.

Ägypten/Libanon
Nasrallahs Racheengel


„Was er wirklich gemacht hat war die Unterstützung mit Material und Logistik für die Brüder des palästinensischen Widerstandes in Gaza zu sichern“ – mit dieser Aussage bestätigte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah letzten Freitag überraschend die Vermutung und Anschuldigung ägyptischer Behörden, die libanesische Organisation habe ein Netzwerk in Ägypten aufgebaut. Ägyptische Sicherheitskräfte hatten letzte Woche einen Libanesen namens Sami Shihab festgenommen der ein Agent der Hisbollah sein soll und für die Schiiten-Miliz Terrorzellen aufbauen sollte. Der Mann habe dem ägyptischen Geheimdienst im Verhör ausgesagt Hisbollah plane als Rache für die Ermordung ihres Kommandeurs Imad Mughniyeh im Februar 2008 israelische Ziele in Ägypten anzugreifen. Nasrallah hingegen erklärte Shihab sei bereits am 19.November 2008 inhaftiert worden und habe lediglich den palästinensischen Widerstand unterstützt, seine Gruppe plane keine Anschläge außerhalb des Libanon und schon gar nicht gegen ägyptische Einrichtungen.
Bei dem festgenommenen Libanesen handelt es sich nicht um irgendwen sondern um einen kampferfahrenen Logistiker der Hisbollah, der im Süd-Libanon gegen die israelische Armee gekämpft hat und dabei verwundet wurde. Seit März 2008 habe ihn die Hisbollah-Führung damit beauftragt ein Netzwerk aus kleinen Einsatztruppen aufzubauen und israelische und jüdische Ziele in Ägypten auszuwählen. Eingereist sein soll der schiitische Extremist mit gefälschtem Pass unter dem Decknamen Hassan al-Rol. Ausgewählt für die Mission haben soll ihn ein Mann namens Mohammed Qablan, ein Hisbollah-Nachrichtendienstmann der unter Anleitung des Organisationsvize Sheikh Naim Qassim steht und lange auf der Sinai gelebt hat und somit mit der ägyptischen Lage vertraut scheint. Shihab gehört zu einer 49köpfigen Gruppe schiitischer Hisbollah-Anhänger die sich derzeit in ägyptischer Haft befinden. Einige von ihnen gaben an über die letzten Wochen gefoltert und misshandelt worden zu sein. Nach mehrmonatiger Planung, so geht es angeblich aus den Aussagen Shihabs hervor, habe u.a. man die beliebten Touristenziele Dahab, Nuweiba und Taba als geeignete Ziele für Selbstmordanschläge und Attacken mit Autobomben ausgewählt und begonnen Sprengstoffe herzustellen.
Derzeit, so erklärten jüngst Sicherheitsdienste in Kairo, jage man 13 noch flüchtige Mitglieder des Hisbollah-Netzwerks die sich wohl in der Stadt Al Nakhl, auf der Sinai-Halbinsel aufhalten. Unter ihnen seien Libanesen, Palästinenser und Sudanesen, alle Teil einer Terroreinheit die Anschläge auf israelische Touristen geplant haben soll.
Zweifelsohne kann man den Anschuldigungen der ägyptischen Regierung Glauben schenken, soweit es die Aktivitäten der Hisbollah in den arabischen Staaten angeht. Lange schon ist bekannt dass die Organisation Teams im Nahen Osten verstreut hat, von Dubai bis Libyen. Keine dieser Einheiten wurde bis jetzt terroristisch aktiv, Hauptzweck dieser Truppen ist die Beschaffung von Informationen und das Auskundschaften von potentiellen Zielen. Unterstützt werden die ausländischen Agenten der Hisbollah dabei vom iranischen und syrischen Geheimdienst, lokale Unterstützer sorgen für den nötigen Schutz. Mubaraks Regime dürfte schon lange bekannt sein dass sich spätestens seit 2005 eine Zahl libanesischer Terroristen in Ägypten aufhält, immer dient die Sinai als Tor nach Gaza und somit in die palästinensischen Gebiete. Israelische Interessen zu treffen fällt am Nil auch nicht sehr schwer, immerhin reisen erheblich mehr israelische Staatsbürger in das Land der Pharaonen als in jeden anderen arabischen Staat.
Kurz nach der Ermordung Imad Mughniyehs in Damaskus, höchstwahrscheinlich ausgeführt vom Mossad, kündigte Hassan Nasrallah Vergeltung an. Israel habe, so der Hisbollah-Anführer damals, außerhalb des gewöhnlichen Schlachtfeldes (Libanon-Israel) zugeschlagen, daher werde auch Hisbollah den Radius ihres Kampfgebietes erweitern: „Ihr wollt diese Form des offenen Krieges, ihr sollt sie bekommen!“
Sowohl in Tel Aviv, wie in Beirut und Washington war klar dass auf Mughniyeh´s Tod Racheaktionen folgen würden. Experten gehen davon aus dass Hisbollah spektakuläre Anschläge im Ausland plant, sehr schmerzhafte Aktionen gegen israelische Bürger oder Interessen des jüdischen Staates durchführen wird. Dass Rache folgen würde war klar, nur wann lässt sich nicht sagen. Immer schon operierte Hisbollah nach dem Prinzip dass Vergeltung dann geübt wird wenn der Feind nicht damit rechnet. Auch während der Kriege gegen die israelischen Streitkräfte schlugen die libanesischen Gotteskrieger nie sofort dort zu wo ihnen Verluste beigebracht wurden. Sie zogen sich zurück und griffen die Israelis an einer völlig anderen, unerwarteten Stelle an. Nicht ohne Grund bezeichnen Geheimdienstler mit Nahost-Erfahrung Hisbollah als den gefährlichsten und kreativsten Gegner Israels. Nasrallahs Kronprinz Mughniyeh konnte ausgeschaltet werden, jetzt muss alles daran gesetzt werden dass der nächste Schachzug kein tödlicher Nadelstich für Israel wird.
Geopolitisch zeigen die Vorfälle in Ägypten wie weit inzwischen die politischen Differenzen zwischen dem iranischen Regime und den arabischen Staaten fortgeschritten sind. Die Führer und Despoten der arabischen Welt bekämpfen entschieden jeden iranischen Einfluss, Ägypten fürchtet um seine Machtstellung im Nahen Osten und sieht sich zusammen mit den Golfstaaten als Front gegen die „persische Bedrohung“. In der Hisbollah sehen inzwischen viele arabische Führer und weite Teile der Bevölkerungen zwischen Marokko und Syrien nicht mehr eine anti-israelische Widerstandsorganisation mit libanesischem Charakter sondern eine iranische Fremdenlegion die die Interessen Teherans nicht mehr nur gegen Israel sondern gegen die verhassten sunnitischen Regime vertritt. Netzwerke aus Hisbollah-Zellen sollen die Position der aufstrebenden iranischen Großmacht in der Region sichern und im aufkommenden, zukünftigen Konfessions-Krieg in der inner-islamischen Welt eine schlagkräftige Geheim-Einheit darstellen. Solche im Untergrund agierenden Gruppen zu infiltrieren und aufzuspüren ist seit mehreren Jahren hohe Priorität der arabischen Geheimdienste. Sicherlich mit Hinweis aus Israel ließen nun die Ägypter das bisher größte Hisbollah-Netzwerk außerhalb des Libanon auffliegen, Dementis von Seiten Hassan Nasrallahs werden in der arabischen Welt nicht wahrgenommen, zu offensichtlich erscheint mittlerweile die iranische Taktik der Unterwanderung und Expansion der iranischen Revolution auf die Staaten des Nahen Ostens. Als „Kriegsverbrecher“ brandmarkte die ägyptische Führung über ihre Presseabteilung jüngst Hisbollah-Chef Nasrallah und Präsident Mubarak schickte eine deutliche Warnung Richtung Beirut und Teheran, man werde es nicht dulden dass Ägyptens Grenzen und Souveränität verletzt würden.

1 comment:

Gordon said...

Hi, wollte mich nur mal für deine Artikel bedanken. Weiter so : )