Tuesday, January 27, 2009

Der eine lebt noch...


Wieder ein Terrorvideo aus der Region Afghanistan-Pakistan, wieder ein maskierter Sprecher der auf Deutsch mit Anschlägen gegen die Bundesrepublik droht. Benutzen die Jünger Bin Ladens vermehrt die deutsche Sprache weil sie glauben wir verstünden ihre Botschaften nicht? Zuviel sollte man nicht hinein interpretieren, die notwendige Vorsicht ist dennoch geboten.




Sie kommen mittlerweile im Wochentakt, die islamistischen Propagandavideos mit Bezug auf Deutschland und die Stationierung der Bundeswehr in Afghanistan. Zunächst stürzten sich die Medien im Herbst 2008 auf zwei Videobotschaften aus den Bergen Zentralasiens in denen ein deutscher Konvertit, ein 20jähriger Saarländer namens Eric B. alias „Abdel Ghaffar al Almani“, der erst im Januar 2007 zum Islam konvertiert war und seitdem eine rasante Radikalisierung durchgemacht haben muss, die ihn vom unauffälligen Schüler aus Neunkirchen zum überzeugten Dschihadi werden ließ. Mittlerweile wird dieser in Deutschland rekrutierte, selbsternannte Gotteskrieger polizeilich und geheimdienstlich gesucht, seine Anschlagsdrohungen gegen die Bundesrepublik werden ernst genommen wobei sein Aufenthaltsort höchstwahrscheinlich immer noch die Bergregion im Grenzgebiet zu Afghanistan ist. Zusammen mit seinem deutsch-libanesischen Freund Houssein al-M. reiste „Abdel Ghaffar der Deutsche“ über Ägypten in die Ausbildungslager der „Islamic Jihad Union“ (IJU), einer islamistischen Organisation die ihren Ursprung in Usbekistan hat und eine Folgeerscheinung des Afghanistankrieges der 1980er Jahre ist. Mujaheddin dieser Vereinigung trainieren und kämpfen seitdem auf dem Schlachtfeld Afghanistan/Pakistan gegen US-Truppen, das internationale NATO-Kontingent und deren einheimische Verbündete. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht die IJU Propagandavideos die aber von der Qualität her ein niedrigeres Niveau aufweisen als die Al Qaida Video der As Sahab Production.

Heute nun tauchte ein weiteres, halbstündiges Video der Islamic Jihad Union auf, Anlass diesmal der israelische Krieg gegen Gaza und die Untätigkeit des Westens. Gezeigt werden dramatische Bilder aus den Palästinensergebieten, verletzte und getötete Kinder, Zivilisten die von israelischen Soldaten misshandelt werden und immer wieder das Bild der Jerusalemer Al Aqsa Moschee. Erst zum Ende hin spricht der schwarz-maskierte, deutschsprachige Islamist. Wo sei Frau Merkel und ihr Kabinett während der israelischen „Massaker“ in Gaza gewesen, wo sei Amerika gewesen und die Menschenrechte. Deutschland und die anderen Verbündeten der USA würden bekämpft werden durch die Mujaheddin der Islamic Jihad Union und für das Jahr 2009 halte man einige „Überraschungspakete für die Besatzungsmächte“ bereit.

Der deutsche Islamist ist nicht der einzige Ausländer in der Runde der bewaffneten Kämpfer, die allesamt amerikanische Militäruniformen tragen, wie sie mit stolz betonen, oder zumindest Jacken mit ähnlichem Tarnmuster wie das der US-Armee. Andere Mitglieder der IJU kommen ebenfalls zu Wort, sprechen u.a. Türkisch und Russisch, eine internationale Truppe des Dschihad, viel kleiner als die Al Qaida Truppen, aber ähnlich entschlossen und fanatisch.

Ändert sich durch das vermehrte Auftauchen der Propagandafilme mit deutschsprachigen Mujaheddin die Gefahrenlage in der BRD? Von offizieller Seite, BKA, Verfassungsschutz und BND heißt es man beobachte die Lage, analysiere die Gefahr die von den bekannten Personen aus der islamistischen Szene ausgehe und betone immer wieder dass Deutschland längst im Visier der Dschihad-Terroristen sei. Insgesamt dürfte oft man in diesen Kreisen ein Gefühl des Aufatmens empfinden, denn diese Personen befinden sich (noch) weit entfernt, in einer auch für sie lebensgefährlichen Region, einem Kriegsschauplatz an dem tagtäglich Personen aus ihren Reihen erschossen, weggebombt und inhaftiert werden. Solange sich Eric B., Bekaay Harrach, Houssein al-M. und andere noch irgendwo im Niemandsland entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze aufhalten, geht von ihnen in Deutschland selbst keine unmittelbare Gefahr aus.

Die in den Trainingslagern in den pakistanischen Stammesgebieten und im südlichen Helmand Afghanistans erlernten Fähigkeiten zum Bombenbau müssen hingegen die Alarmglocken deutscher Behörden auslösen. Durch ihre Reise in die Ausbildungsstätten des modernen Dschihad werden aus den anfänglich oft naiven, unfähigen dennoch absolut überzeugten und todeswilligen Terror-Anwärtern geschulte, schlachterprobte, fanatisierte, potentielle Selbstmordattentäter oder neue Rekrutierer für den heiligen Krieg.

Verhindert werden soll deshalb nicht unbedingt die Aktivität dieser jungen Männer in den Ländern ihres derzeitigen Aufenthalts, sondern stattdessen ihre Rückkehr in die ehemalige Heimat. Aus Sicht der Bundesregierung wäre es eher erstrebenswert den „deutschen Mujaheddin“ ihren ersehnten Tod auf dem Schlachtfeld Afghanistan oder Pakistan zu bereiten und damit die von ihnen ausgehende Bedrohung für Deutschland auszuschalten.

Um wen es sich letztendlich in der neusten Terrorbotschaft an die Bundesrepublik Deutschland handelt kann mit Gewissheit noch nicht gesagt werden, der Verdacht liegt nahe dass es sich um den gesuchten Houssein al-M. handelt, einem Kameraden von Eric B. der bereits in zwei Videos der Islamic Jihad Union auftauchte und ein großes mediales Echo in Deuschland auslöste. Wo sich der deutsche Konvertit im Moment aufhält kann jetzt nur noch gemutmaßt werden.


Warum taucht Eric B., der Vorzeige "German Mujahed" nicht in der aktuellsten Veröffentlichung der Islamic Jihad Union auf? Vielleicht starb er mittlerweile im Kampf gegen US- und andere NATO-Truppen, vielleicht verübte er ein Selbstmordattentat irgendwo zwischen Herat und Peshawar, wobei dann wahrscheinlich ein Video seiner Tat oder zumindest seine Abschiedsbotschaft ("martyr-will) veröffentlicht worden wäre. Fairerweise muss die Wahrscheinlichkeit erwähnt werden dass Eric B. an der Planung von Anschlägen in Deutschland beteiligt ist oder schon auf dem Weg zurück in die alte Heimat ist...

Die Panzer rollen wieder

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Ein Vorfall an der Grenze zum Gazastreifen könnte die Gewalt im Nahen Osten wieder aufflammen lassen. Israel wird sich nicht mit der Opferrolle abfinden, Strafaktionen gegen die militanten Palästinenser werden bald schon der Tagesordnung angehören. Versteht man in Tel Aviv wie wenig der Gazakrieg zur Sicherheit des jüdischen Staates beigetragen hat? Nicht Israel ist Sieger, sondern die Unvernunft und die Gefühle der Rache.

In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages befand sich eine Gruppe israelischer Soldaten direkt am Grenzzaun zu Gaza, in der Nähe der Kissifum-Grenzübergangs auf Patrouille als eine nach Medienangaben, ungewöhnlich große Roadside-Bomb, eine selbstgebastelte Sprengfalle am Straßenrand explodierte, den IDF-Jeep schwer beschädigte und einen der Soldaten tötete, drei andere verletzte, einen davon schwer. Es kam zu einem kurzen Feuergefecht zwischen Soldaten und militanten Palästinensern und wenig später flog die israelische Luftwaffe wieder Einsätze, Kampfhubschrauber nahmen Ziele in Gaza ins Visier, palästinensische Quellen berichten von Merkeva-Panzern die wieder in den Gaza-Streifen eingedrungen wären und mehrere Geschosse auf Gebäude abfeuerten.
So sieht also die Definition von Waffenruhe in Nahost aus, kaum eine Woche nach Ende der offiziellen Kampfhandlungen und dem Abzug der israelischen Streitkräfte aus Gaza. Natürlich kommen wieder Fragen auf wer zuerst den brüchigen Frieden zwischen Hamas und IDF gebrochen hat. Wer legte den Sprengsatz? Bis jetzt gibt es keine offiziellen Bekennerbotschaften, Hamas äußert sich nicht dazu und erklärt lediglich die „Zionisten“ seien verantwortlich für die neue Gewalteskalation.
Erst gestern hatten israelische Medien gemeldet Hamas feuere bereits wieder Qassam-Raketen, diesmal aber aufs offene Meer um die Reichweite der Geschosse zu testen. Nicht ob, sondern nur wann es wieder zu einem Zwischenfall kommt war die Frage die sich nach dem Ende des Gazakrieges am 18.Januar stellte. Ob Hamas hinter dem Anschlag heute Morgen steckt wird sich zeigen, es kann nur vermutet werden dass es sich um eine Racheaktion der militärischen Abteilung der Organisation handelt die eine Chance Israelis zu töten nicht einfach ungenutzt lassen wollte.
Wie man von Seiten der IDF darauf reagieren würde ist für die Militanten keine Überraschung, es sind die Gesetze der Regelmäßigkeit in Nahost, die unabdingbare Spirale von Aktion und Reaktion.
Entsetzt oder verblüfft dürfte darüber kein Beobachter sein, immerhin betonte Hamas stets, es handle sich nicht um eine offizielle Waffenruhe, eine arabische „Hudna“ (der eindeutige Begriff spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle), sondern nur um eine kurzfristige Einstellung der Kampfhandlungen, ein „Abschwächen der Angriffe“. In dieser Situation zeigt sich die oftmals uneinige Zusammenarbeit zwischen der Exil-Führung der Hamas, die traditionell zwar politisch-diplomatisch agiert, aber einen Hardliner-Kurs fährt der nicht auf Einsicht und Vernunft beruht sondern viel zu oft den Weg von Rache, Vergeltung und Provokation einschlägt. In Gaza selbst würde man sich wohl eher eine Phase der Entspannung und Ruhe wünschen, in der sich die Organisation selbst erholen, militärisch wieder aufrüsten und Wiederaufbau leisten kann. Aktionen wie der Anschlag auf die IDF-Patrouille heute wirken diesem Wunsch ganz klar entgegen und schaden Hamas in der jetzigen Lage mehr als dass sie der eindeutig angeschlagenen Gruppe nutzen.
Angesicht der recht chaotischen Situation im Gazastreifen muss aber auch in Betracht gezogen werden dass eine andere Organisation als Hamas hinter dem Vorfall stecken könnte. Islamischer Dschihad, naturgemäß weniger kompromissbereit und logisch agierend, das Popular-Resistance-Comittee (PRC Salahuddin-Brigaden), eine Gruppe bestehend aus ehemaligen Angehörigen von Dschihad, Hamas und Fatah oder auch noch extremistischere Islamisten wie beispielsweise die Al Qaida – anhängende Jaish al-Islam, die in den letzten Jahren häufiger im Nahostkonflikt auftrat, könnten die Bombe gelegt haben. Ebenfalls denkbar wäre eine provozierende Aktion der in Gaza verfolgten und schwächelnden Fatah und ihrer etlichen militanten Ableger, die darauf hoffen ein erneuter Krieg zwischen Hamas und israelischer Armee würde der herrschende Partei der Hamas endgültig den Todesstoß versetzen.

In Israel spielt die Täterschaft zunächst keine Rolle, Fakt ist dass eine palästinensische Bombe nach Abzug der IDF aus Gaza einen Israeli tötete. Vergeltung dafür folgte und wird in den nächsten Tagen weiter geübt werden. Jede Aggression aus Gaza heraus wird von Israels Armee mit Bestrafungsaktionen geahndet werden, wahrscheinlich sogar von bisher ungekannter Härte. Wer die Lektion der letzten Woche in Gaza nicht verstanden hat wird härteres zu spüren bekommen, eine Strategie mit System, jedoch ohne Logik.
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EDIT: Die arabische Zeitung Al Ahram berichtete heute dass es kurz nach Beginn der Operation "Gegossenes Blei",Ende Dezember letzten Jahres eine Warnung Israels an Syrien gab. Über europäische Diplomaten ließ die israelische Führung an Syriens Präsident Assad wissen, dass, falls Hisbollah in den Konflikt mit der Hamas eingreifen und israelische Städte mit Raketen beschießen werde, die israelische Luftwaffe als Vergeltung Ziele in Damaskus angreifen werde. Eine ähnliche Warnung erhielt anscheinend auch der Hisbollah-Führer Sheikh Nasrallah. Von israelischer Seite wollte man jeden Zweifel auf Seiten der libanesischen Miliz und ihrer syrischen Unterstützung ausräumen, dass Israel nicht auch bereit wäre an zwei oder sogar drei Fronten gleichzeitig zu kämpfen um israelisches Leben zu schützen.Diese Drohung bzw. Signale in Richtung Beirut und Teheran dürften eine mögliche Erklärung sein weshalb Hisbollah sich nicht aktiv auf Seite der Hamas schlug und in Nordisrael eine zweite Kriegsfront eröffnete. Raketenangriffe aus dem Südlibanon heraus gab es trotzdem, wenn auch nicht von Nasrallah befohlen, sondern ausgeführt von palästinensischen Milizen, dennoch mit Wissen der Hisbollah die den gesamten südlichen Teil des Libanons in jeder Hinsicht kontrolliert und nichts was eine militärische Auseinandersetzung mit dem "zionisten Gebilde" (Israel) angeht dem Zufall überlässt. Im Moment erscheint Hisbollah stärker denn je in der libanesischen Innenpolitik, ihre Macht als Partei hat Ausmaße erreicht die man nicht riskieren möchte durch einen möglichen neuen Krieg mit dem jüdischen Nachbarn zu verlieren. Hamas dürfte enttäuscht gewesen sein von der Passivität und den halbherzigen Solidaritätbekundungen aus dem Libanon, in Teheran hätte man sicherlich gerne gesehen wie Israel mit einem Zweifrontenkrieg fertig werden würde.
Assads Interessen liegen im Moment wohl eher in einer Annhäherung an die Vereinigten Staaten und in der Verbesserung des Verhältnisses zur EU, eine militärische Auseinandersetzung mit Israel käme ihm jetzt sehr ungelegen, weshalb Hisbollah diesmal anscheinend von Damaskus an die Kette gelegt wurde.

Monday, January 26, 2009

Einmal Guantanamo und zurück


Al Qaida hat zwei neue Helden. Helden nicht wegen ihrer Taten, sondern weil sie der lebende Beweis sind dass Amerikas Anti-Terrorkriege gescheitert sind. Ihr Erscheinen aber führt gerade jetzt vor Augen welche Probleme der Fall "Guantanamo" aufwirft.


Kein Richter sieht es gerne wenn der von ihm verurteilte wieder auf freien Fuß kommt, und wenn er ihm dann auch auf irgendeine Weise wieder über den Weg läuft sorgt das verständlicherweise für Wut und Zorn.

In Camp X-Ray (später Camp Delta), dem weltbekannten Gefangenenlager der US-Army auf Guantanamo gibt es keine offiziellen Gerichte, lediglich Militärtribunale. Die Einrichtung wurde auch, das muss fairerweise gesagt werden, nicht zur juristischen Abhandlung von Verbrechen errichtet sondern eher als eine Art Gulag, ein extrem gesicherter Ort. Wenige Gebäude, Zellen,

Verhörräume, Militärbaracken für das Personal, Überwachungskameras, Zäune und wieder Zäune und vor allem Drahtkäfige – das ist Guantanamo im Wesentlichen.

Niemand gelingt hier die Flucht, sicherer als Alcatraz, berüchtigter und sagenumwobener als jedes andere Gefängnis der Welt. Keiner der anfänglich ca.1000 Insassen konnte entkommen, keiner konnte der Welt auch nur in irgendeiner Art Botschaften zukommen lassen. Weggeschlossen, gefesselt, eingepfercht, ohne Gerichtsverfahren, ohne Anklage, ohne internationale Beobachter und ohne Einhaltung von Menschenrechten und Rechtsgrundlagen für Strafgefangene fristeten seit Errichtung des Lagers im Jahr 2002 sogenannte „feindliche Kombattanten“ ihr Dasein, Gefangene der amerikanischen Kriege gegen den Terror, im Irak und Afghanistan, aber auch von der CI

A entführte Verdächtige aus dutzenden anderen Ländern. Aus 40 Nationen stammten die Muslime als das Lager die höchste Zahl an Insassen hatte, darunter einige Minderjährige (der jüngste 13 Jahre alt).

Die Administration von George W. Bush betrachtete alle in Guantanamo sitzenden Personen als Islamisten der radikalsten Sorte, Hardliner der Al Qaida, extrem-gefährliche Fanatiker, jeder von ihnen eine Bedrohung für die Bürger der Vereinigten Staaten und der freien Welt.

Was mag wohl in den Soldaten und Geheimdienstler, generell in den Verantwortlichen, vorgegangen sein als sie vor wenigen Tagen zwei ehemalige Guantanamo-Häftlinge wieder zu sehen bekamen, fröhlich grinsend, mit Patronengürtel um die Brust gebunden, Kalaschnikow in der Hand, posierend vor der Flagge des Dschihad? Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigt die Szene die im Moment Politiker und besonders Geheimdienstler Magenschmerzen bereiten dürfte: Vier Männer sitzen auf dem Boden eines hel

len Raumes, irgendwo in einem arabischen Land. In der Dschihad-Szene dürfte keiner von ihnen große Popularität genießen, anders als die üblichen Video-Prediger Osama bin Laden, Ayman al Zawahiri, Abu Yayha al Libi oder Mustafa Abu al Yazid. Interessant wird die Videobotschaft erst wenn einem klar wird wer dort zu sehen ist. Rechts im Bild sitzt, eine Panzerfaust geschultert, Guantanamo-Häftling Nr.333, Name: Abu Hareth Mohammed al-Oufi, zweiter von links ist Häftling Nr.372, Abu Sufyan Said al-Shahri, beide sind saudische Staatsbürger.

Bei den anderen beiden militanten Islamisten handelt es sich um Abu Baseer Nasir al-Wahayshri und Abu Hureira Qassim al-Raimi, Anführer des jemenitisch-saudischen Al Qaida-Flügels. In fröhlicher Runde erscheinen diese gesuchten Terroristen nun vor der Kamera und erklären man werde absofort eine gemeinsame Organisation mit dem Namen „Al Qaida der Arabische Halbinsel“ (Tanzim al-Qaidat fil Jazeera tul Arab), eine Vereinigung zwischen der Al Qaida in Saudi-Arabien und Jemen, anführen im Dschihad gegen die Ungläubigen die weiterhin islamischen Boden besetzt halten. „Hier beginnen wir…und wir treffen uns in Al Aqsa wieder“, lautet der kämpferische, selbstbewusste Titel der Videobotschaft.

Zwei hochrangige saudische Al Qaida Mitglieder schafften anscheinend den Weg aus Amerikas Terrorknast zurück in die Heimat, in die Reihen der alten Kampfkameraden. Al-Shahri wird inzwischen von amerikanischen Quellen als der neue Führer der jemenitisch-saudischen Al Qaida gesucht, sein Ex-Mithäftling al-Qufi fungiert als Kommandeur der Truppe und soll maßgeblich in die Planung von Anschlägen gegen westliche Ziele auf der arabischen Halbinsel beteiligt sein. Wie konnten diese beiden Hardliner des internationalen Dschihad in die eigenen Reihen zurückkehren und ihren heiligen Krieg gegen Amerika und seine Verbündeten wieder aufnehmen? Ein formaler juristischer Fehler dürfte ausgeschlossen werden. Eher ist davon auszugehen dass das US-Militär gewillt war die beiden in ihre Heimat abzuschieben, da man davon ausging dort werde man sie weiterhin in Haft behalten oder sogar wegen terroristischer Aktivitäten v

erurteilen. Falsch gedacht. Al-Shahri und Al-Qufi wurden tatsächlich von Guantanamo aus vor etwa einem Jahr in das Königreich Saudi-Arabien abgeschoben und dort in eine Rehabitilationsstätte, eine Art Umerziehungscamp für Dschihadis gesteckt. Diese mehrwöchige psychologische Wäsche soll aus überzeugten Islamisten lammfromme, gesetzestreue und brave muslimische Mitbürger machen. Eine Erfolgquote lässt sich nicht ermitteln, nur eines steht fest: viele derjenigen jungen Männer die durch diese Seminare gingen fanden sich danach wieder auf den Schlachtfeldern des Irak, Afghanistan oder sonst wo auf dem Globus wo ein Dschihad im Gange ist.

Im Fall der beiden Guantanamo-Häftlinge half die Therapie offensichtlich nicht mal ansatzweise, aus den Gefangenen Nr.373 und 333 wurden wieder gefährliche Terroristen die eine Gefahr nicht nur für amerikanische und israel

ische Interessen im Nahen Osten darstellen. Nacheinander reisten die beiden im Jahr 2008 aus der saudischen Heimat in das südliche Jemen, einem Land in dem die Zahl der Al Qaida Kämpfer nach Geheimdienstangaben nicht ermittelbar hoch ist. Von den heute in Guantanamo einsitzenden Häftlingen (etwa 300), machen jemenitische Staatsbürger mit 100 Insassen die größte Volksgruppe aus. Wie viele bereits entlassen wurden und nun wieder ihrer „Berufung zum Gotteskrieger“ nachgehen kann nur geschätzt werden. Vom US-Verteidigungsministerium heißt es zehn ehemalige Guantanamo-Häftlinge seien in Afghanistan und im Irak wieder gefasst und inhaftiert worden - die Zahl der getöteten dürfte mindestens genauso groß sein.

Dass das Video der arabischen Al Qaida genau jetzt auftauchte kann entweder als purer Zufall oder als beabsichtigte Tat der Organisation gewertet werden. Immerhin verkündete der neu gewählte US-Präsident Barak Obama wenige Tage zuvor man werde Guantanamo, ein Schandfleck in Amerikas Geschichte, innerhalb eines Jahres schließen. Nur was soll mit den noch Inhaftieren pas

sieren? Zurück in die Heimatländer? Abschieben in Staaten wie Syrien, Libyen, China oder Tschad bedeutet für solche erklärten Feinde der dortigen „unislamischen“ Regime die Todesstrafe oder zumindest Folter und Qualen in dunklen Kellerverliesen. Was also tun mit ihnen? Barak Obama und seine Regierung muss schnellst möglich eine Antwort auf diese und andere Fragen finden, denn einfach laufen lassen oder es riskieren dass einige dieser absolut fanatischen Extremisten jemals wieder die Gelegenheit bekommen menschliches Leben abgesehen von ihrem eigenen zu vernichten, kann keine Option sein, erst recht nicht nach dem je

tzt aufgetauchten Video der beiden Ex-Guantanamo-Häftlinge die inzwischen wohl wieder an neuen Anschlägen planen.

Heute nun ließ das US-Außenministerium eine Warnung für die US-Botschaft und alle US-Bürger im Jemen herausgeben. Man habe Hinweise auf einen geplanten Anschlag in naher Zukunft hieß es. Wenige Stunden später kam es tatsächlich an einem Checkpoint in der Nähe der amerikanischen Botschaft in Sanaa zu einem Feuergefecht mit unbekannten Militanten, die daraufhin flüchten konnten.

Guantanamo bleibt ein schwieriger Fall. Das Ziel scheint klar, eine Schließung des Lagers. Das Schicksal der Insassen allerdings bleibt ungewiss. W

elche Staaten sind bereit islamistische Terroristen aufzunehmen? Und selbst wenn man sich in der EU darauf einigt einige der verbleibenden Jemeniten, Saudis, Kuwaitis, Uiguren, Afghanen, Tschetschenen, Iraker, Algerier oder Ägypter aufzunehmen, muss geklärt werden ob und wenn ja unter welchen Bedingungen, nach welchen Maßstäben ihnen ein Prozess gemacht werden kann. Dies alles ist die Herausforderung einer neuen Form des Krieges die zu Beginn dieses Jahrtausends zur dominierenden geworden ist, der asymmetrische Krieg. In den Anfängen der Kriege gegen Partisanen, Rebellen und Guerillas machten sich die überlegenen Kriegsparteien keinerlei Gedanken über Militärgerichte und den Status der gefangenen genommenen Kämpfer. Im Polen und Frankreich der 1940er Jahre, im Vietnam-Krieg, im Afghanistanabenteuer der Sowjets, im Libanonfeldzug der Israelis und in den zahllosen Buschkriegen Afrikas und des südamerikanischen Kontinents exekutierte man aufgegriffene „Kämpfer ohne Uniform“ (amerikan

isch = „feindliche Kombatanten) meist an Ort und Stelle, übte oft sogar noch Rache an den umliegenden Dörfern, an Familienangehörigen und Mitwissern. Unter den Augen der heutigen globalen Medienfront kann eine solche systematische Partisanen-Bekämpfung im Irak und Afghanistan ausgeschlossen werden.


Die Inhaftierung in Guantanamo scheint, und dies dürfte zu denken geben, trotz aller Horrorgeschichten über Folter und Misshandlung, nicht den Kampfeswillen der überzeugten Mujaheddin gebrochen zu haben. Jahre der Haft konnten das ideologische Rückgrat nicht bre

chen, im Gegenteil, eher noch stärken. Die Beweise hierfür grinsen quicklebendig vor einer Kamera - man wird von ihnen hören.





Abu Sufyan Said al-Shahri (Nr.372) Abu al-Hareth Mohammed al-Qufi (Nr.333)

Die Letzten ihrer Art

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In Sri Lanka stirbt eine Rebellenorganisation mit langer Tradition, kaum jemand im Westen nimmt Notiz davon. Dabei lohnt der Blick auf Asiens meist gefürchtete Terrororganisation - die Tiger von Sri Lanka.


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Kaum ein Tag vergeht ohne dass in den internationalen Nachrichten über eine der schrecklichsten, furchterregendsten Waffen der moderneren Menschheit berichtet wird. Spätestens seit dem Irakkrieg im Jahr 2003, in den Jahren zuvor bereits im Wochentakt aus Israel kommen die Meldungen über Selbstmordattentate, in seltenen Fällen gegen militärische Ziele, meist gerichtet gegen Zivilisten. „Waffe der Verzweifelten“, sagen einige, andere nennen es ein „feiges, hinterhältiges, grausames Verbrechen“. Der eigene Körper als Waffe, die Tötungskraft einer Bombe gepaart mit menschlichem Verstand wurde in den letzten 10-15 Jahren zur Taktik der Terroristen von Cassablanca über Beirut und Tel Aviv, Bagdad, Kandahar bis nach Bali, New York und London. Hunderte, wahrscheinlich tausende Menschen begingen so einen rituellen Selbstmord für die Nation, das Volk, aus persönlichen Gründen und natürlich für den selbstdefinierten Gott. „Sie (die Selbstmordattentäter) sind unsere F-16“, sagte einst der Hamas-Führer Abdel Aziz al Rantisi. Etliche junge Männer schickte seine Organisation seit Beginn der 2.Intifada im September 2000 in israelische Cafés, Restaurants, Busse, Discotheken und Fußgängerzonen. Von Gaza bis Jenin entwickelte sich ein regelrechter Märtyrerkult der eine ganze Generation von Palästinensern infizierte. Es herrschte nie ein Mangel an jungen Männern und auch Frauen die bereit waren als lebende Bomben in Israel Tod, Vernichtung und vor allem Angst und Terror zu verbreiten. Gelobt als die „Prinzen des Himmels“ feiert man in den Palästinensergebieten die Attentäter der zahllosen Anschläge, ihre Portraits säumen die Gassen der Flüchtlingslager und erwecken in der nächsten Generation den Wunsch nach dem Märtyrertod für Gott, Volk und Vaterland. Niemand wird jemals die Bilder der ausgebrannten Busse in den Straßen Israels vergessen, die in den Jahren der Intifada al Aqsa um die Welt gingen. Wie Walgerippe liegen sie in den Straßen, wurden zu Särgen für hunderte Israelis.
Doch auch wenn Hamas mit der Taktik der Selbstmordanschläge die Medien dominierte, danach abgelöst wurde durch die tagtäglichen Attentate der Al Qaida und anderer islamistischer Gruppen im Irak, bleibt die Methode selbst keine Erfindung der radikalen Islamisten. Um den Ursprung der modernen Selbstmordattentate als gezielte Kriegstaktik zu finden muss man sich nicht in die Flüchtlingslager von Gaza und Westbank, die Stadtränder von Fallujah oder in die Dörfer des Südlibanon begeben sondern in den stinkigen, tropisches Dschungel Sri Lankas.
Dort fand die Geburt der lebenden Bombe statt und ihre systematische Verwendung beginnt hier. Zu Beginn des ceylonesischen Bürgerkrieges Ende der 1970er Jahre zwischen der Volksgruppe der buddhistischen Singhalesen die die Oberschicht Sri Lankas darstellt und über die ethnische Gruppe der Tamilen (mehrheitlich Hindus, jedoch aus Muslime und Christen) herrscht, entwickelte sich im Norden der Insel eine Organisation deren Ziel es war einen souveränen, unabhängigen, sozialistischen Staat „Tamil Eelam“ zu errichten und sich somit vom Rest Sri Lankas abzuspalten. Unterstützt wurde diese Bewegung von der Mehrheit der unterdrückten, nach Unabhängigkeit strebenden Bevölkerung der Tamilen in Nord-Sri Lanka. Dank der Unterstützung aus Indien und anderen Staaten mit ethnisch tamilischer Bevölkerung entwickelte sich aus der sporadisch agierenden Freiheitsbewegung eine strukturierte, extrem hierarchisch organisierte Gruppierung mit dem Namen „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ kurz „LTTE“. Ihr Gründer Velupillai Prabhakaran entwickelte sich vom jungen Revolutionär und Rebellenführer zu einer Art Gottesfigur für seine Anhänger. Nach anfänglichen kleinen Angriffen gegen die Regierungspolizei, das Militär, die Ermordung und Entführung von Beamten und anderen Offiziellen des Staates gelang es der LTTE eine schlagkräftige Armee auszubauen die ab 1983 zum stärksten Gegner der ceylonesischen Regierung heranwuchs. Tausende Tamilen schlossen sich den „Tigers“ an, wurden militärisch gedrillt, bewaffnet und in Einheiten organisiert mit denen man schnell die Kontrolle über den gesamten tamilischen, also nördlichen Bereich Sri Lankas errang. Dabei agierten die LTTE wie eine reguläre Armee mit Infanterieeinheiten und sogar einer Seeflotte aus kleinen Kampfbooten. Im Jahr 1987 gründete die Führungsriege der Gruppe eine Spezialeinheit mit Namen „Black Tigers“ deren Aufgabe darin bestand Selbstmordattentate auszuführen. Am 05.Juli 1987 tötete der erste LTTE-Bomber in einem ceylonesischen Militärlager knapp 100 Soldaten der Regierungsarmee. Ihm folgten mehr als 350 weitere LTTE-Attentäter und Attentäterinnen (fast 50% waren junge Frauen) die neben Militärs und Polizisten auch den damaligen Präsidenten von Sri Lanka Premadasa und die indische Premierministerin India Gandhi ermordeten.
Über 70,000 Menschen, die meisten Zivilisten fielen dem Bürgerkrieg in Sri Lanka zum Opfer, viele davon durch den Terror der LTTE, die im Westen schnell ihr Image als Widerstandsorganisation verlor und heute sowohl von der EU (seit 2006) als auch von den USA als Terrorgruppe eingestuft wird. Man wirft ihr Kriegsverbrechen, die Verwendung von Kindersoldaten, Terror, ethnische Säuberungen, Waffen- und Drogenhandel, Geldwäsche, Geldfälscherei, Piraterie, organisiertes Verbrechen auch außerhalb Sri Lankas und Verbrechen an der tamilischen Bevölkerung vor, die im Laufe des Bürgerkrieges zu einer Geisel der LTTE wurde. Unterstützt von der finanzstarken tamilischen Exil-Bevölkerung, besonders aus Indien, und durch massive Aufrüstung zusammen mit einer fanatischen Ideologie die religiöse Züge aufweist, gelang es den Befreiungstigern schon Anfang der 1990er Jahre den nördlichen Teil der ceylonesischen Insel zu kontrollieren und einen Herrschaftsbereich aufzubauen indem eigene Gesetze, Polizei, Banken und eine nicht gewählte Führung regiert. Verzweifelt versuchte die Regierung in Colombo den Tigern Herr zu werden, was nie gelang.
Sri Lanka wurde 2004 von der gewaltigen Tsunami mit voller Härte getroffen. Weite Teile des tamilischen Nordens wurden überschwemmt, die Küstenregion zerstört, Fischerdörfer und Häfen vernichtet. LTTE musste es zähneknirschend hinnehmen dass verschiedene Hilfsorganisationen in ihren Machtbereich eindrangen um dort humanitär zu helfen. Ein Großteil der Spendengelder für diesen Teil Sri Lankas dürfte durch LTTE-Hände gegangen sein und ist damit im Schlund der Organisation verschwunden, kam nie bei den hilfsbedürftigen Tamilen an. Natürlich liegt auch die Vermutung nahe dass die Regierung versucht hat im Zuge der Tsunami-Hilfe LTTE zu unterwandern, in ihr Gebiet einzudringen und Geheimdienstarbeit getarnt als NGOs zu verrichten.
Das neue Jahrtausend hatte für Sri Lanka mit einem Aufatmen begonnen, die Gewalt des jahrzehntelangen Bürgerkrieges war abgeklungen, LTTE baute ihren Einflussbereich im Norden aus, dieser wurde zur Sperrzone für Touristen und Journalisten erklärt. Lange sollte dies nicht anhalten, denn schon kurz nach der Tsunami-Katastrophe gab es wieder erste Angriffe der LTTE gegen srilankisches Militär, welches sich in den folgenden Jahren vermehrt Gefechte mit den Rebellen lieferte, dabei einige Erfolge verbuche konnte was sicher auf die ausgereiftere Satellitentechnik und die Unterstützung der US-Regierung im Zuge des „Kampfes gegen den Terror“ zurückzuführen ist. Eine Schlacht nach der anderen gewannen die Regierungstruppen gegen die einst so gefürchteten Tiger. LTTE verlor Kampfboote, Ausbildungslager, hunderte Kämpfer, Material und in erster Linie sank die Kampfmoral. Aus ersichtlichen Gründen ist Sri Lankas Bevölkerung den ewigen Bürgerkrieg leid, freiwillig tritt kaum noch jemand den LTTE bei, Kinder und Jugendliche werden in den Krieg gezwungen und als Selbstmordbomber missbraucht. Diese Waffe bleibt den Tigern noch und sie nutzen sie wieder vermehrt in den letzten zwei bis drei Jahren um Angst und Schrecken zu verbreiten. So geschwächt LTTE heute sein mag, dem Attentäter bleibt das Überraschungsmoment welches immensen psychologischen Effekt hat, egal in welchem Land und in welcher Kultur.
Zum Jahreswechsel konnten die Regierungstruppen nun entscheidende Städte am sogenannten „Elephant-Pass“ zwischen der Hauptinsel und der Halbinsel Jaffa erobern und die LTTE zurückdrängen bis auf ihre Hauptstadt Mullaittivu, die sie 1996 eingenommen hatten und seitdem dort ihre Kommandozentrale unterhalten. Vorgestern nun konnte die „Sri Lankan Army“ genau diese Festung für sich einnehmen. Nach stundenlangen Gefechten in einem 40km langen Dschungelabschnitt teilte Lt. Gen. Sarath Fonseka am Sonntag in einer Fernsehansprache mit die LTTE-Hochburg sei gefallen. Augenzeugen berichteten von einem kleinen Flugzeug welches Mullaittivu in der Nacht verlassen habe. Vermutet wird dass sich an Bord der einmotorischen Maschine, die zur LTTE eigenen Flotte von Zwerg-Bombern (umfunktionierte, einmotorige Leichtflugzeuge) gehört, der heilige Führer und Gründer der LTTE, Velupillai Prabhakaran befand. Ceylonesische Medien berichten er sei höchstwahrscheinlich auf dem Weg ins Ausland, Behörden in Malaysia, Thailand und Vietnam sind alarmiert.

Mit der Flucht des großen Anführers, der den tamilischen Selbstmordattentätern vor ihrer Mission ein „heiliges Abendmahl“ und ein Foto mit ihm gewährte und somit zur göttlichen Führerfigur, einem Sektenführer, aufstieg der sich in der Öffentlichkeit rar machte, ist das Ende der LTTE als herrschende Rebellenbewegung eingeleitet. Die Tiger sterben aus, ihre Führung wird in ceylonesischen Gefängnissen landen, oder getötet werden. Einige werden aus dem Exil heraus versuchen den Krieg gegen die Regierung weiterzuführen. Militärisch sind die LTTE besiegt, ihre Ära geht zu Ende, eine Ära der Gewalt und des Krieges. Wie die namensgebenden Raubtiere stehen die "Tigers of Sri Lanka" kurz vor dem Aussterben…eine gute Nachricht für das srilankische Volk.

Koran, Kalaschnikow, Krautsalat - Dschihad auf Deutsch


Nur etwa zwei Stunden nach dem Selbstmordanschlag gegen die deutsche Botschaft in Kabul, welches glücklicherweise relativ glimpflich verlief, wurde in diversen islamistischen Internetforen ein Video veröffentlicht das die deutschen Behörden knapp 24 Stunden später als authentisch, gefährlich und von „neuartiger Qualität“ einschätzen. Titel: „Ein Sicherheitspaket für Deutschland – von Abu Talha dem Deutschen“.


Im 30minütigen Video das von Al Qaidas Medienabteilung, der „As Sahab Productions“ produziert wurde und tatsächlich für islamistische Propagandafilme eine hohe Qualität sowohl in Bild als auch in der Aufmachung aufweist, ist ein vermummter Mann zu sehen, der ganz offensichtlich die deutsche Sprache perfekt beherrscht. Das erste Mal seit Beginn des „Krieges gegen den Terror“, an dem die Bundesrepublik durch Bundeswehreinsätze in Afghanistan, Djibouti und Libanon beteiligt ist, ist Al Qaida eine Drohung an die deutsche Regierung und Bevölkerung ein komplettes Video wert.

Ausführlichst erklärt der maskierte Mujahed, der nach Titel des Videos den Kampfnamen „Abu Talha der Deutsche“ gibt, weshalb sich Deutschland im Visier des internationale Dschihad befinde. Man sei „naiv“ und „fehlgeleitet“ wenn man in der BRD glaube Al Qaida würde Deutschl

and verschonen. Mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, der Tötung von Zivilisten und generell der militärischen Unterstützung für die amerikanischen Kreuzfahrer habe sich Deutschland zum Feind der Muslime gemacht. Hinzu komme die Unterstützung der Bundesregierung für Israel, besonders jetzt in Zeiten des Gaza-Krieges.

Auf mathematischer Logik beruhend seien Ursache und Wirkung zu verstehen wird erklärt. Ein Anschlag in Deutschland sei unausweichlich, es sei nicht die Frage ob Al Qaida zuschlage oder nicht, sondern lediglich wann dies passieren werde. Er selbst, so der Sprecher, habe bereits seit 1993 den Wunsch sich als Märtyrer für Allah zu opfern und sich in die Luft zu sprengen.

Neben all den Drohungen und Anschuldigungen des anscheinend sehr gut informierten, recht gebildeten jungen Mannes muss man das Material als brisant einstufen da der Sprecher ganz eindeutig aufzeigt dass die deutschen Behörden ihn kennten bzw. kannten und um seine Motivation wussten. Der Bundesverfassungsschutz habe sich eines Tages bei ihm gemeldet, so Abu Talha, und ein Treffen wurde vereinbart, im Maritime-Hotel in Bonn. Zwei Männer des Verfassungsschutzes habe er dort getroffen, einer von ihnen, Tilo Karov mit Namen (Dienstausweis), habe Arabisch mit deutschem Akzent gesprochen. Dieser habe deutlich gemacht dass sein Amt kein polizeiliches sei, dass er also weder Waffe tragen, noch Drohungen aussprechen dürfe. Abu Talha sei dann angeworben worden, da er als zweisprachiger Muslim für den deutschen Staat große Dienst leisten könne. Auf die Frage des Beamten was er denn im Irak gemacht habe, antwortete der Sprecher nicht, woraufhin man ihm mit Haft drohte. Hier nennt der Vermummte den Namen „Harrach“, welcher der korrekte Nachname des Dschihadisten ist. Wie so oft in der dschihadistischen Szene handelt sich es bei „Abu Talha al Almani“ nur um einen Kampfnamen der nur Auskunft gibt über die Nationalität des Gotteskriegers. Beekay Harrach, so ist aus Quellen des Verfassungsschutzes zu hören, sei der vollständige Name des etwa 30jährigen gebürtigen Marokkaners, der wohl einige Zeit (2002-2004) an der Fachhochschule in Koblenz Wirtschaftsmathematik und Lasertechnik studiert hat und in Bonn wohnhaft war. 2004 sei er dann in den Irak gereist um dort gegen die US-Truppen zu kämpfen. Als er danach nach Reisen einreiste wurde er verhaftet und saß einige Zeit in einem syrischen Gefängnis. Anfang des Jahres 2007 verließ Harrach schließlich Deutschland in Richtung Pakistan von wo aus er in die Stammesgebiete an der afghanisch-pakistanischen Grenze gelangte. Hier anscheinend nahm er Kontakt zu den höheren Kreisen der Al Qaida Führung auf, die sicherlich die Anweisung zur Produktion des recht aufwendigen Videos gaben. Anscheinend folgten dem Islamisten im Frühjahr 2008 auch seine zum Islam konvertierte deutsche Frau und sein wenige Monate altes Kind in die Region rund um Nord- und Südwaziristan.

Wie aus den Angaben verschiedener Medien zu entnehmen ist wussten die deutschen Behörden um die Kontakte und Motivationen Beekay Harrachs schon bevor er sich in die Bergregion am Hindukusch absetzte und dort heute wohl zu den wichtigeren Personen in der Al Qaida Führung gehört. Laut eigener Aussage Harrachs wusste zumindest der Verfassungsschutz von seinem Aufenthalt im Irak. Es bestand kein Zweifel dass „Abu Talha“ ein Anhänger der Al Qaida Ideologie ist und den bewaffneten Dschihad gegen die Ungläubigen nicht nur befürwortet sondern anscheinend auch praktiziert hat. Wie lange er schon unter Beobachtung der Sicherheitsorgane stand kann man nur vermuten, aber wenn bereits 1993 der dringliche Wunsch bestand ein Selbstmordattentat zu verüben dürfte Herr Harrachs Dschihad-Bertreiben nicht erst 2004 begonnen haben.

Seine Biografie zeigt das Versagen verschiedener Behörden und eben auch der Politik. Falls das was die wenigen Details aus dem Leben Beekay Harrachs vermuten lassen der Wahrheit entspricht handelt es sich um einen durch und durch fanatisierten Salafisten der dem militanten Islam anhängt und Dschihad als Pflicht betrachtet. Leute wie er lassen Geheimdienstler unruhig schlafen. Hochgradig motivierte, intelligente Fanatiker die es perfekt verstehen sich in westlichen Gesellschaften zu bewegen, mehrsprachig sind, und selbst die praktische Ausführung ihrer krankhaften Ideologie nicht fürchten sondern anstreben. Jene Dschihad-Veteranen des Irakkrieges bereiten den europäischen Behörden die größten Sorgen. Diejenigen die sich nicht bei einem Selbstmordattentat gegen US-Truppen und deren Verbündete opfern, von der US-Armee getötet oder gefangen genommen werden und wieder in ihre Heimatländer zurückkehren bilden ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential. Ihre Rückkehr in europäische Staaten müsste verhindert werden und darf nicht als unwichtiger Nebeneffekt abgetan werden. Arabische Staaten inhaftieren die ihnen bekannten „Dschihad-Touristen“ sofort nachdem sie wieder einen Fuß nach Saudi-Arabien, Syrien, Ägypten oder Tunesien setzen, weil man dort um die Bedrohung weiß die diese ausbildeten, radikalisierten Terroristen darstellen. Deutschland hätte im Fall Harrach ähnlich reagieren müssen. Ein junger Muslim der in den letzten Jahren in den Irak reiste und unter dubiosen Umständen in einem syrischen Knast landete war nicht auf Familienbesuch oder Sightseeing-Tour im Zweistromland, sondern praktizierte dort den lang ersehnten Dschihad gegen die ungläubigen Besatzer. Anstatt Harrach in Haft zu nehmen bot man ihm, falls seine Aussagen korrekt sind, sogar einen Job als Agent, Spitzel, Mittelsmann oder was auch immer, in der islamistischen Szene an. Laut Harrach sollte ihm die Arbeit mit einem Stundenlohn von 200€ entlohnt werden. Als er dieses Angebot ablehnte, verloren die Behörden mutmaßlich seine Spur bis er wieder vor knapp einer Woche in der besagten Internetbotschaft auftauchte, Dschihad gegen Deutschland predigt, den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan fordert und Osama bin Laden preist.

Es stellt sich die Frage: Wieso kam dieses Video jetzt? Deutschland ist Teil des ISAF-Kontingents seit Beginn des Einsatzes im Jahr 2002. Wenige Monate nach Stationierung der ersten Bundeswehreinheiten in Kabul bombte bereits ein saudischer Selbstmordattentäter einen Bundeswehrbus und tötete mehrere Soldaten. Von Anfang an war klar dass das deutsche Militär Ziel von Al Qaida, Taliban & Co ist und bleibt, niemand hatte ernsthaft daran gezweifelt. Aussagen der Regierung wonach „keine Kampfeinsätze“ sondern lediglich „humanitärer Einsatz im Zuge der Befriedung und des Wiederaufbaus“ Teil der Bundeswehrarbeit seien trösteten da wenig und ändern nichts an der Tatsache dass die islamistische Bewegung alle NATO-Truppen in Afghanistan und deren Zusammenarbeit mit den USA als Ziel betrachtet, egal ob nun kanadisch, britisch, deutsch, australisch oder spanisch. Verstärkt wurde das Engagement der ohnehin schon überstrapazierten Bundeswehr mit der Stationierung außerhalb Kabuls, in neuen Außenlagern im nördlichen Mazar i-Sharif und Kunduz, sowie durch die umfangreiche Bereitstellung der Luftaufklärung durch deutsche Tornado-Kampfflugzeuge und den Einsatz der Spezialeinheit KSK in diversen Regionen des Landes. Mehr und mehr rückt die Bundesrepublik in das Visier der Dschihad-Kämpfer, nah und fern. Eine herausragende Besonderheit stellt jedoch die Tatsache der neuen Videodrohung nicht da. Der gezeigte Gotteskrieger spricht fließend Deutsch, das dürfte allerdings nur diejenigen beeindrucken die sich mit der Thematik des internationalen Dschihad nicht umfangreich auseinandergesetzt haben. Al Qaida ist tatsächlich wie Peter Scholl Latour einmal sagte, eine Organisation der „grünen (islamischen) Brigaden“ aus aller Herren Länder. Deutsche Staatsbürger und Konvertiten kämpfen mit großer Wahrscheinlichkeit seit den Anfängen des modernen Dschihad sprich des Krieges gegen die Sowjetunion in Afghanistan in den 1980er Jahren auf Seiten der Mujaheddin. Dies setzte sich Anfang und Mitte der 1990er Jahre auf dem Balkan fort wo hunderte, wenn nicht tausende Islamisten aus der ganzen Welt zusammenkamen und einen „heiligen Krieg“ gegen die serbischen Massenmörder ausriefen.

Wirklich überraschend und erstaunlich bleibt nichtsdestotrotz die Tatsache dass „Abu Talha der Deutsche“ kein bloßer Fußsoldat der Al Qaida zu sein scheint sondern höhere Positionen innerhalb des sehr losen Netzwerkes einzunehmen scheint, sonst hätte man ihn wohl kaum eine 30minütige Videonachricht verfassen lassen die aus der Feder der gleichen Leute kommen mag die auch diverse Botschaften Bin Ladens und Ayman Zawahiris kreativ bearbeiten und veröffentlichen.

Sunday, January 25, 2009

"Aus Ruinen auferstanden...


So oder so ähnlich könnte man bezeichnen was sich derzeit im Gaza-Streifen abspielt. Wochenlanger Krieg, nicht mehr zu zählende israelische Luftangriffe, ein massiver, gründlich geplanter Einsatz von Bodentruppen - all das konnte Hamas nicht vernichten geschweigedenn mundtot machen.

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Wie auch? Wer genau war das Ziel der israelischen Militäroperation "Gegossenes Blei": der militärische Arm der Hamas, die "Izzaddin al Qaddam-Brigaden", die politische Führung, die Raketenteams, die Waffenlager, die Schmugglertunnel, die Sicherheitsdienste der Hamas, die Infrastruktur der Terrorzellen...? Was genau wollte Israel zerstören, wen wollte Verteidigungsminister Ehud Barak mit seinem "Krieg bis zum bitteren Ende" besiegen?
Im Westen als Terrororganisation, als Verein radikalislamischer Extremisten, arabischer Fanatiker bekannt hat der Begriff Hamas für die Palästinenser, gerade im Gaza-Streifen, eine völlig andere Bedeutung. In erster Linie ist Hamas hier karikative Einrichtung. Ihre Leute versorgen die Armen, die Kranken, die Alten, die Witwen, die Opfer israelischer Militärgewalt, sorgen für Kindergärten und Schulen und damit für die geringe aber dennoch vorhandene Bildung der Kinder. Erst in zweiter Linie wird Hamas von der Bevölkerung mit Krieg und Kampf, dann aber auch nur mit Widerstand gegen eine verbrecherische Besatzungsmacht und ein terrorisierendes Militär, wahrgenommen. Oftmals geht das erste Gesicht der Hamas mit dem zweiten Hand in Hand, Hilfe für Dienst an der Waffe, Schule als islamistisches Indoktrinationslager.
Hatte Israel versucht Hamas als Organisation zu zerschlagen so war dies bereits vor Beginn der Offensive zum Scheitern verurteilt. Selten war eine politische, eine ideologisch-religiöse Bewegung so mit der zivilen Bevölkerung einer Region vernetzt wie in Gaza. Der Begriff "Hamastan" den proisraelische Stimmen gerne benutzen um den winzigen Streifen Land an der Grenze zu Ägypten zu beschreiben trifft in vielen Bereichen absolut zu. Hamas ist Gaza und Gaza ist Hamas. Genau das dürfte genügen um zu erklären weshalb Hamas militärisch nicht zu vernichten ist. Darum ging es Israel im Endeffekt sicherlich nicht. Es ging um eine Schwächung, eine militärische und auch eine politische. Israels Luftwaffe zerbombte einen großen Teil der Waffenlager, Munitionsdepots, Raketenwerkstätten, Tunnelsysteme und Ausbildungslager der Hamas. "Terroristische Infrastruktur" wie es Militärs nennen konnte durch die massive Bombardierung ausradiert werden. Was die F-16, Apaches und Artillerie nicht vermochte zu zerstören übernahmen die Infantrieeinheiten der IDF. Nach israelischen Angaben töteten die IDF etwa 300 Hamas-Kämpfer, nahmen etliche gefangen.
Selbst das reichte jedoch nicht aus die Organisation an sich unschädlich zu machen.
Kaum verkündete man in Tel Aviv das Ende der erfolgreichen Militäroffensive trat der Gaza-Führer der Hamas Ismail Haniyeh vor die Fernsehkameras und verkündete stolz: "Gott hat uns einen großen Sieg geschenkt, nicht ein Sieg einer Fraktio oder einer Partei oder eines Gebietes sondern des ganzen Volkes!".
Dies war zu erwarten. Man wartete in der Hamas-Führung nur darauf sich wie Hassan Nasrallah im Jahr 2006 zu präsentieren und sich als Sieger zu deklarieren. Nur das Statement eines verzweifelten Fanatikers? Gaza liegt in Schutt und Asche, tausende Häuser sind zerstört, ganze Wohnblocks dem Erdboden gleich gemacht, 1300 Palästinenser wurden getötet, viele mehr verloren ihre Häuser und ihren gesamten Besitz. Israel hingegen verlor kaum ein dutzend Soldaten, Hamas konnte keine großen militärischen Überraschungen wie Hisbollah herbeizaubern, das Häusermeer von Gaza-Stadt wurde eben nicht zum "Friedhof der Zionisten" wie Hamas geschworen hatte. Wie also kann ein Sieg angesichts dieser Bilanz verbucht werden. Ziemlich einfach wenn man dem Credo folgt dass der SIeger derjenige ist der nicht verloren hat. Am Ende hat Hamas vieles verloren, aber die entscheidenden Faktoren konnte Israels Militärmacht ihr nicht nehmen. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist vorhanden wie nie, Waffenlager sind versteckt überall im Gazastreifen noch verhanden, die Tunnelsysteme werden derzeit wieder repariert und der Schmuggel von Waffen und Material hat längst wieder begonnen, international wird Israel als Kriegsverbrecher angeprangert, pro-palästinensische Demonstrationen von Los Angeles bis Teheran und London bis Sydney geiseln den Judenstaat als Terrorist und - das ist von entscheidender Bedeutung- die Qassams flogen über den gesamten Verlauf des Kleinkrieges hinweg nach Sderot, Ashdod und Ashkelon. Kaum jemand hätte erwartet dass Hamas der Übermacht der IDF so lange standhalten und weiterhin Raketen nach Israel schießen kann, aber es ist die bittere Realität für Israels Militärführung. Ja, man konnte Hamas empfindlich treffen und großen Schaden zufügen, aber nur um den Preis eines eigenen, immens hohen Imageschadens. Es fließen bereits wieder Gelder nach Gaza, aus Saudi-Arabien, den Golfstaaten, Syrien und besonders aus dem Iran. Innerhalb weniger Monate wird Hamas sich erholt haben vom Gaza-Krieg. Raketen werden wahrscheinlich jetzt bereits wieder gebaut, neue Geschosse sind bereits wieder auf dem Weg vom Libanon und vom Iran aus Richtung Gaza. Hamas muss ihre Wunden lecken, verblutet jedoch ist sie nicht. Eine Woche nach Ende der Kampfhandlungen patroullieren ihre Kämpfer wieder in den Straßen von Rafah, Beit Lahia und Khan Younis, Bulldozer räumen die Straßen frei, großzügig verspricht die Hamas-Führung rund um Khalid Mashaal aus Damaskus hohe Entschädungszahlungen für jede Familie die eine Person oder ihr Haus im Krieg verloren hat. Auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen man habe Israel nicht die Stirn bieten können. Schon gratulieren Assad und Ahmadinejad zum "Sieg über die Zionisten".
In Gaza bastelt man gerade am neuen Heldenepos der ruhmreichen Widerstandskämpfer die ohne Unterstützung der arabischen Nachbarn, ohne internationale Hilfe, ganz auf sich alleine gestellt der gewaltigsten Militäroffensive im Nahen Osten seit Beginn des Konflikt, standgehalten haben. Israel zog ab, nicht die Hamas - aus diesem Faktum wird ein Zerrbild für die Israelfeinde dieser Welt gemalt. Dass Hamas sich so selbst feiern wird kann Israel nicht verhindern. Gefährlich in einer Region in der Symbole und Gesten oft wichtiger sind als reale Gegebenheiten.

Israel gegen Teherans Söldner

Knapp eine Woche schweigen nun die Waffen in Gaza, eine Woche der angespannten Ruhe, eine Woche der Bestandsaufnahme, der Analyse und eines ernüchternden Fazits. -->
Was geschah da in Nahost in den letzten Wochen? Warum läutete Israel das neue Jahr 2009 mit der blutigsten Militäroperation seit Bestehen des jüdischen Staates ein?
So unfassbar für viele Beobachter die Bilder aus dem Gaza-Streifen wenige Tage nach Weihnachten waren, so klar muss auch sein dass dieser Krieg keine spontane Reaktion auf den Dauerbeschuss israelische Grenzstädte durch die Qassams der Hamas war. Sderot wurde nicht erst seit jenen Wochen in Dezember 2008 mit den selbstgebauten, ungelenkten Kleinraketen beschossen. Der Qassam-Regen der letzten Jahre wurde von vielen israelischen Beobachtern als die nächste Stufe der Intifada interpretiert. Nach dem Abzug der IDF und sämtlicher jüdischer Siedler aus Gaza im Jahr 2005 und der demokratischen Machtübernahme der Hamas 2006 wurden die Raketen zur favorisierten Waffe der Militanten die damit dem israelischen Staat aus ihrem Machtbereich im Gazastreifen heraus tagtäglich empfindliche Nadelstiche versetzten. Stetig stieg die Zahl der Raketenangriffe, die Geschosse wurden von der Hamas ständig weiterentwickelt, ihre Reichweiten erhöht, die Sprengköpfe noch explosiver und tödlicher präpariert. Trotzdem starben nicht mehr Israelis als sonst auch durch den Raketenhagel. Für die Einwohner von Sderot und sämtlicher Grenzstädte musste der Alltag zwangsläufig zur Qual werden. Nichts und niemand wurde verschont. Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Seniorenheime, Supermärkte, Spielplätze, Wohnhäuser, alles ist Ziel der Raketen.
Ähnlich wie bei der Taktik der Selbstmordanschläge setzt die Hamas bei ihrem Qassam-Einsatz mehr auf den psychologischen Faktor als auf die reale Praxis der Bedrohung. Niemand in Israel soll sich sicher fühlen, keiner soll verschont bleiben von Racheaktionen der Hamas und vor allem soll kein Israeli jemals das Gefühl verspüren ihre Regierung könnte den Bürgern Sicherheit und Schutz gewährleisten. Zu kurz sind die Qassams in der Luft als dass man sie durch moderne Militärtechnologie ausschalten, vernichten oder nur aufspüren könnte. Lediglich eine Vorwarnzeit von wenigen Sekunden bleibt den Bewohnern Sderots bevor irgendwo, irgendwann wieder eine der Raketen einschlägt. Hamas will triumphieren über die israelische Allmacht und Überlegenheit Zahals.
Dass diese Strategie von ständiger Bedrohung und penetranten Angriffen von Erfolg gekrönt sein kann durfte die Welt im Jahr 2006 mehrere Wochen lang beobachten als Israel in den Krieg gegen die Hisbollah zog. An jedem einzelnen Tag des Krieges gelang es den libanesischen Gotteskriegern dutzende Raketen auf israelische Städte abzufeuern. Hamas fährt nun genau diese Taktik. Aus dem Libanonkrieg ging Hisbollah als Siegerin hervor, denn wie so oft in einem Kampf gegen eine Guerilla siegt nicht derjenige der den anderen schlägt, sondern David siegt gegen Goliath indem er der militärischen Übermacht standhält und durch die Luftschläge und Einsätze der Bodentruppen nicht vernichtet wird. Wie so oft in der Geschichte des Nahostkonflikts sieht man hier deutlich wie Hamas den modus operandi der libanesischen Widerstandskämpfer übernommen hat. Hisbollah erfand in den 1980er Jahren das moderne Selbstmordattentat mit Dschihad-Motivation, Hamas übernahm diese Taktik und perfektionierte sie in perverser Form zu ihrem Hauptinstrument während der 2.Intifada. Es folgte die Intifada der Raketen. Womit wir beim Thema wären.
Unbestritten kann Hisbollah als der verlängerte Arm des Iran im Nahen Osten bezeichnet werden. „Iranische Fremdenlegion“ sagen manche amerikanischen Nahostexperten, andere sehen die Beziehung zwischen der Schiiten-Miliz und der Mullah-Regierung etwas lockerer, im Kern dennoch wie ein Mutter-Tochter-Verhältnis. Seit ihrer Gründung im libanesischen Bürgerkrieg hängt Hisbollah finanziell und materiell an der über Syrien führenden Lebensader aus dem Ayatollah-Staat. Niemand wird bezweifeln dass Teheran die Befehle Hassan Nasrallahs an seine Kämpfer kontrolliert wenn nicht sogar direkt Order nach Beirut gibt wenn es darum geht den verhassten „Zionisten“ empfindliche Schläge zu versetzen. Durch das gewaltige Raketenarsenal, die militärisch gedrillte Guerilla und immensen Rückhalt in der libanesischen - vor allem schiitischen – Bevölkerung stellt Hisbollah eine ständige und nicht zu unterschätzende Gefahr für den jüdischen Staat dar. Israels Norden war und bleibt im Fadenkreuz Hisbollahs. Wie sollte man in Tel Aviv da akzeptieren dass durch Hamas im Süden eine vom Iran massiv unterstützte zweite Front entsteht. Man muss davon ausgehen dass die israelischen Geheimdienste weit mehr über die Hilfe Teherans an Hamas wissen als bisher in den westlichen Medien wahrgenommen wurde. Mehr als nur moralische und diplomatische Unterstützung für die Waffenbrüder in Gaza ist es was seit Jahren aus dem Iran in die palästinensischen Autonomiegebiete fließt. Mit dem Sturz Saddam Husseins fiel auch der größte Gönner der Hamas im Nahen Osten. Nun dürften die iranischen Hardliner den Platz des irakischen Diktators eingenommen haben und sowohl Geld als auch Waffen, Material und logistische Unterstützung an die militanten Palästinensergruppen, allen voran der Hamas, schleusen.
Während man durch die Medien den Eindruck erhält Ismail Haniyeh sei Befehlshaber und Herrscher über Gaza sind sich Kenner einig dass der gedrungene, volksnahe Hamas-Führer in Gaza nur als eine Marionette Khalid Mashaals fungiert. Der Hamas-Funktionär gibt seit der Ermordung Sheikh Yassins und seines Nachfolger-Hardliners Abdel Aziz al Rantisi von seinem syrischen Exil aus den Ton in der Organisation an. Seine Treffen mit syrischen und iranischen Offiziellen verdeutlichen den Einfluss fremder Regime auf Hamas und in die Politik in Gaza. Selbst in Kreisen der radikalsten Israel-Gegner, in salafistischen Bewegungen und selbstverständlich im Lager der patriotischen, entmachteten Fatah sieht man Hamas heute als Söldner Teherans, als Gehilfen der persischen, schiitischen Ungläubigen. Ohne Teheran wäre Hamas nicht in der Lage tausende Kämpfer, deren Ausbildung, Ausrüstung und Bewaffnung zu finanzieren, immer effizientere Raketen zu entwickeln und die Guerillapraktiken zu verbessern. Hunderte Hamas-Kämpfer seien in den letzten Jahren im Iran und im Bekaa-Tal des Südlibanon ausgebildet worden, von Kommandeuren der Hisbollah und der iranischen Revolutionsgarden heißt es von israelischen und amerikanischen Geheimdienstquellen. Was ist dran an diesen Behauptungen? Vielleicht sind die Ausmaße nicht korrekt, aber die Fakten sind es wohl. Präsident Ahmadinejad möchte Hamas zur zweiten Hisbollah ausbauen, eine schlagkräftige Miliz mit der Israel nun von Süden her unter Druck gesetzt werden kann.
In der israelischen Administration plante man schon lange einen Militärschlag gegen Irans willige Helfer in unmittelbarer Nachbarschaft, Libanon 2006 war der Anfang, Gaza 2008/2009 war die Fortsetzung. Beides waren Signale in Richtung Teheran. Beim ersten Mal hatte man militärisch einige Fehlschläge wegstecken müssen, die Luftwaffe hatte nicht schnell und massiv genug eine Vielzahl von Zielen im Südlibanon angegriffen, die Bodenoffensive verlief sich aufgrund einer fehlenden Strategie zur Bekämpfung der Miliz stockend und enttäuschend. In Gaza wollte man diese Fehler nicht begehen. Härter als jemals erwartet werden konnte, schneller und umfangreicher schlug die israelische Armee zu. Hunderte Kampfflugzeuge und Helikopter griffen zahllose Ziele an die mit Hamas direkt oder indirekt in Verbindung standen, Bodentruppen teilten das Häusermeer der Flüchtlingslager und erkämpften Straße um Straße, Wohnblock um Wohnblock, Tunnel um Tunnel mit überraschend wenig Verlusten in eigenen Reihen.
In Realität dürfte jedoch niemand, weder Verteidigungsminister Barak, noch Ex-Geheimdienstlerin Livni, damit gerechnet haben mit Operation „Gegossenes Blei“ das Rückgrat der Hamas zu brechen. Es ging um etwas anderes als die Vernichtung einer fest in der Millionen-Bevölkerung von Gaza verankerten Organisation, es ging darum das Bild der israelischen Stärke wieder zurecht zu rücken. Mit dem Libanon-Disaster vor zwei Jahren verlor Israel in den Augen der arabischen, muslimischen Welt den letzten Funken Allmacht. Die „Superpower“ des Nahen Ostens war in Galiläa am zermürbenden Partisanenkrieg und am Zerbröckeln der Heimatfront gescheitert. Gaza musste anders verlaufen. Diesmal stand die israelische Bevölkerung bis zuletzt hinter ihrer Regierung und der Armee. IDF verteidigte israelische Bürger die in ihrem Alltag durch Hamas terrorisiert wurden. Mit nichts konnte Hamas ihre andauernden Raketenangriffe rechtfertigen, kein Siedler lebt mehr in Gaza, kein israelischer Soldat tat dort seinen Dienst, die Qassams sind reine Provokation Ein Waffengang war aus israelischer Sicht unausweichlich, er kam im Wahlkampf und vom Zeitpunkt des politischen Vakuums in den USA sehr recht und diente dem Zweck der Wiederherstellung Israels militärischer Stärke, eine andere Motivation ist reine Fassade.
Drei Wochen, 1300 tote Palästinenser, tausende zerstörte Gebäude, vernichtete Infrastruktur und nicht erfassbaren Imageschadens später wird man beim Mossad wohl Bilanz ziehen: Hat Hassan Nasrallah, hat Damaskus, hat vor allem Teheran die Botschaft der „Operation Gegossenes Blei“ verstanden? Schlagkräftig wie nie, aber auch erbarmungslos wie selten bombte sich Israel zur militärischen Allmacht die jederzeit wieder bereit zu sein scheint gegen ihre Feinde schonungslos loszuschlagen. Dafür opferte Israel viel, vor allem palästinensisches Leben.