Monday, February 9, 2009

Dschihad News I


Libanon,Syrien:


Der Tod Imad Mughniyeh – Protokoll einer Ermordung




Als am 12.Februar 2008 eine Autobombe im Viertel Kfar Suzeh von Damaskus explodierte dauerte es nicht lange bis der Name des prominenten Opfers durch die Medien ging.

Im brennenden Autowrack starb Imad Mughniyeh, einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, Militär-Chefstratege der Hisbollah und Kronjuwel der iranischen Geheimdienste. Von israelischer und amerikanischer Seite wurde Mughniyeh für etliche Anschläge und Entführungen verantwortlich gemacht, die meisten davon fanden im Libanon während der 1980er Jahre statt. Unter anderem soll der 45jährige Libanese für die Hisbollah-Anschläge auf die Militärkasernen und die US-Botschaft in Beirut 1983 verantwortlich gewesen sein, bei denen über 350 Menschen starben. Israel hatte mit Mughniyeh mehr als nur eine alte Rechnung offen. Als Rache für die Tötung des Hisbollah-Führers Mussawi soll Imad Mughniyeh die Selbstmordattentate auf israelische Ziele in Argentinien 1992 und 1993 geplant und organisiert haben.

Imad Fayez Mughniyeh alias Hajj Radwan soll insgesamt für mehr amerikanische und israelische Tote verantwortlich sein als jeder andere bekannte Terrorist. Grund genug für die USA eine Belohnung von 5 Millionen US-Dollar auf seinen Kopf auszusetzen. Trotz Jahrzehnte der Jagd gelang es weder CIA noch Mossad Mughniyeh zu fassen. Mehrfach wechselte er Identitäten, einige behaupten sogar er habe sein Aussehen operativ verändern lassen. In den Reihen der Hisbollah stieg das „Phantom“ zu einer legendären Helden-Figur auf, unsichtbar, nicht zu fassen, trotzdem im Untergrund aktiv und vor allem extrem gefährlich. In Teheran, Damaskus und bei der Hisbollah wusste man wo Mughniyeh war, schützte ihn vor den amerikanischen und israelischen Jägern, ließ ihn sogar weiter an militärischen Strategien und Terrorplänen arbeiten.

Im Februar 2008 kam die Karriere Mughniyehs zu einem plötzlichen und für die meisten unerwarteten Ende. Dass die Autobombe nur Werk des Mossad hat sein können wurde von niemandem ernsthaft angezweifelt. Von Seiten Israels gab es jedoch keine Bestätigung, man rühmte sich jedenfalls nicht offiziell mit der Ermordung des No1 Killers. Eine Verschwörungstheorie nach der anderen geisterte durch die arabische Welt, tauchte im Internet und in Zeitungensartikeln auf, während Hisbollah schon blutige Rache für den Tod ihres Militärstrategen schwor. Als der Leichnam Mughniyehs einen Tag nach seiner Ermordung in Beirut beigesetzt wurde erklärte Hisbollah-Führer Sheikh Nasrallah vor versammelter Trauergemeinde Israel müsse jetzt mit einem "offenen Krieg" rechnen der die Existenz des jüdischen Staates bedrohe.

Mit saudischen Geldern sei die Tötung Mughniyehs bezahlt worden hieß es aus verschiedenen Quellen, der amerikanische Geheimdienst hätte ihn ausfindig gemacht, israelische Spitzel in Damaskus hätten syrische Geheimdienstler bestochen den „Gast“ zu ermorden. Alles nur Theorien, Vermutungen über eine der wohl spektakulärsten Geheimdienstoperation der letzten Jahre. Ein Jahr danach sickert aus Kreisen der Geheim- und Nachrichtendienste immer mehr über den Tathergang durch. Wie sicher die jüngsten Information sind ist schwer zu sagen, sie zeichnen jedoch ein glaubwürdiges Bild dass es erst noch zu widerlegen gilt.

Die CIA habe im Januar 2007 einen hochrangigen Hisbollah-Agenten im Irak festgenommen, der dort die Schiiten-Miliz der „Jaish al Mahdi“ trainiert hatte und als Mittelsmann zwischen den irakischen Gotteskriegern und der Hisbollah eingesetzt wurde. Ali Moussa Daqdoud habe bei den Verhören durch die Amerikaner einige sehr kostbare Informationen über Imad Mughniyeh preisgegeben, u.a. Telefonnummern, Decknamen, Angewohnheiten und Informationen über den gesundheitlichen Zustand und Aufenthaltsort. Mit diesem Material ausgestattet begann der israelische Mossad eine Operation zu planen die Mughniyeh ausschalten sollte. Ein Team von Mossad-Agenten wurde in das nordirakische Kurdengebiet entsandt und reiste von dort aus in drei Zivilfahrzeugen nach Syrien ein. Der Aufenthaltsort der Zielperson wurde ausfindig gemacht und Mughniyeh Tage vor seiner Ermordung beobachtet. Am Abend des 12.Februar 2008 fand in Damaskus eine Feier zu Ehren des 29.Jahrestages der Islamischen Revolution im Iran statt, Gastgeber war der neue iranische Botschafter in Syrien.

Mughniyeh nahm an diesem Treffen überraschenderweise ohne Fahrer und ohne Leibwächter teil, ein tödlicher Fehler. Während er sich mit den besagten Personen traf, tauschten Mossad-Agenten die Kopfstütze am Fahrersitz seines Mitsubishi Pajero durch eine identische Kopie mit präpariertem Sprengsatz aus.

Sobald Imad Mughniyeh das Gebäude verließ und hinter dem Steuer seines Wagens Platz genommen hatte, zündeten die israelischen Agenten die Bombe per Fernsteuerung und töteten das „high-value“ Ziel.

Eine Geschichte für ein Drehbuch, auch wenn sie in Wahrheit noch viel spektakulärer gewesen sein dürfte.


Afghanistan,Pakistan:


Al Qaida´s Eliteeinheit ist zurück













Wenige haben jemals von der „Brigade 055“ gehört, selbst langjährigen Beobachtern der Dschihad-Szene ist dieser Begriff fremd. Unter dem Regime der Taliban welches aus dem afghanischen Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre nach dem Dschihad gegen die Sowjets hervorging konnte Osama bin Laden seinen Traum von einer internationalen Brigade der Gotteskrieger verwirklichen, Trainingslager aufbauen, Freiwillige aus aller Herren Länder im terroristischen Handwerk ausbilden und abseits der von Geheimdienst kontrollierten arabischen Königreiche und Staaten Anschläge planen und den weltweiten Dschihad gegen die Ungläubigen organisieren. Nach tausenden Mujaheddin die nach Afghanistan gekommen waren um gegen die Russen zu kämpfen, bildeten Bin Ladens Leute im Afghanistan der 1990er Jahre eine neue Generation der Gotteskrieger aus die für internationale Einsätze vorbereitet werden sollten.

Etwa 1,800 junge Männer, die meisten Araber, aber auch Muslime aus Zentralasien, Südostasien, Afrika und Europa, formten eine Al Qaida Einheit die „Brigade 055“ genannt wurde, und ab 1995 als Art „Fremdenlegion“ und arabische Sondereinheit in die regulären Taliban-Streitkräfte integriert war. Besser ausgerüstet, professioneller trainiert und hoch motiviert kämpfte diese Einheit nun Seite an Seite mit den Taliban gegen feindliche Stammesmilizen und Warlords, 2001 und 2002 dann auch gegen die Nordallianz und das US-Militär.

Seitdem gilt die Brigade als praktisch nicht mehr vorhanden. Sie wurde aufgesplittert und ihre Mitglieder verstreuten sich, flohen nach Pakistan, in die Stammesgebiete an der Grenze oder wurden von US-Einheiten getötet oder gefangen genommen.

Aus Geheimdienstkreisen in den USA heißt es jetzt die Brigade 055 existiere wieder, diesmal unter anderem Namen, neuer Führung und in größerem Ausmaß. „Lashkar al Zil“ („Schattenarmee“) nennt sich diese paramilitärische Gruppe nun und operiert im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet unter Führung ranghoher Al Qaida Kommandeure. Innerhalb Pakistan sei die Lashkar al Zil inzwischen in den Provinzen Nord- und Südwaziristan, in Bajaur, Peshawar, Khyber und im Swat-Tal aktiv. In Kooperation mit den Taliban haben Lashkar-Kämpfer in jüngster Zeit mehrere erfolgreiche Operationen gegen die pakistanische Armee, afghanisches Militär und US-Truppen durchgeführt. In Afghanistan sei es besonders in Kunar, Paktika, Kandahar, Ghazni, Nuristan, Logar, Nangahar und Khost zu Einsätzen der neuen Al Qaida Truppe gekommen. Überall in diesen Provinzen, auf pakistanischer wie auf afghanischer Seite, haben Taliban Gruppen des Haqqani- und des Mehsud-Netzwerks Kämpfer in die Brigade der Lashkar al Zil entsandt und so eine multiethnische Kampfeinheiten mit lokalen Strukturen gebildet, die von Ausrüstung und Training her alles übertrifft mit die Koalitionstruppen der NATO bisher zu kämpfen hatten. Mehrere schwere Anschläge gehen auf das Konto der Al Qaida Brigade, darunter ein komplexer Angriff auf einen US-Außenposten in Wanat in der Provinz Nuristan im Juli 2008, der mit neun toten US-Soldaten der schwerste Einzelanschlag auf die amerikanischen Truppen seit Beginn des Konflikts war. Ebenfalls Werk der Lashkar al Zil soll der Hinterhalt sein in den im August 2008 eine Einheit französischer Soldaten nahe Kabul geriet. Den Al Qaida Dschihadis gelang es die Franzosen in stundenlange Gefechte zu verwickeln in denen zehn Soldaten starben und ein Großteil der Ausrüstung in die Hände der Terroristen fiel.

Im pakistanischen Grenzgebiet lehrte die wiederauferstandene Brigade 055 mehrfach die pakistanische Armee das Fürchten, bezwang sie dort in tagelangen Kämpfen in Nord- und Südwaziristan. Letztes Jahr stießen pakistanische Einheiten in der Provinz Bajaur auf ein ausgeklügeltes Tunnel- und Bunkersystem dass die „Schattenarmee“ Al Qaidas dort angelegt hatte. Schützengräben, Wälle, Waffenlager und Versorgungstunnel zeugten hier von der neuen Qualität dieser terroristischen Bedrohung. „Sogar ihre Scharfschützengewehre“, so einer der pakistanischen Offiziere, „sind besser als unsere. Ihre Strategien sind unglaublich und sie haben Verteidigungsanlagen von denen wir nur träumen können.“

Schwierig für die Geheimdienste und Militärs gezielt Al Qaidas neue Elitetruppe zu jagen macht es eindeutig das Verschmelzen der arabischen und asiatischen Dschihadis mit Taliban-Elementen. Nur mehr oder weniger zufällig tauchen Indikatoren auf die die Präsenz der Lashkar al Zil beweisen. Anhand der Kleidung behaupten einigen Experten eindeutig Al Qaida Kämpfer in verschiedenen Regionen Afghanistans und Pakistans ausgemacht zu haben. Die Länge der Hosen beispielsweise kann Indiz dafür sein dass es sich nicht um einheimische, afghanischen Kämpfer handelt sondern um sogenannte „Al Muhjiroun“ (arabisch für „Immigranten“ und in der Dschihad-Sprache ein Begriff für ausländische Helfer). Die wahhabitischen Al Qaida Leute tragen Hosen mit einer bestimmten Beinlänge weil laut einer Aussage des Propheten Mohammed (Hadith) ein bis zum Boden reichendes Gewand ein Zeichen für „übertriebenen Stolz und Arroganz“ seien. Turnschuhe, moderne Militärrucksäcke, ausgestattet mit sogenannten „Camelbacks“ (Wasserbehältern), komplett schwarze, extrem verdeckende Gesichtsmasken und mit Henna gefärbte Bärte stellen zusätzliche Hinweise dar dass es sich um ausländische Kämpfer aus den arabischen Ländern, Pakistan oder zentralasiatischen Regionen handelt. Organisiert und strukturiert, so pakistanische und amerikanische Quellen, sei Lashkar al Zil wie ein Paramilitär, einheitliche Ausrüstung, Bewaffnung, Kleidung, klare Befehlsstrukturen, abgrenzte Einsatzgebiete und verschiedene Stufen der Ausbildung. Letztere findet in mindestens drei Camps in Nord- und Südwaziristan unter dem Kommando ranghoher Organisationsmitglieder statt.

Einer dieser Ausbilder war Khalid Habib, ein marokkanischer Al Qaida Militärstratege und inoffizielle Nr.4 oder Nr.5 in der Hierarchie des Netzwerks den im Oktober 2008 ein US-Drohnenangriff nahe Taparghai, im pakistanischen Nord-Waziristan tötete. Mehrere amerikanische Angriffe mit Predatordrohnen galten im letzten Jahr Al Qaida Kommandeuren in den Stammesgebieten die verantwortlich sind für den Aufbau der neuen Kampftruppe der „Schattenarmee“.


Pakistan:


Enthauptung vor laufender Kamera



Sieben Minuten dauert das Video. Die letzten sieben Minuten im Leben des Piotr Stanczak. Am 28.September 2008 hatte man den 42jährigen Geologen nahe der Grenze zu Afghanistan gekidnappt. Drei pakistanische Begleiter waren bei dem Überfall erschossen worden. Nun ermordeten Islamisten auch ihn bestialisch, köpften ihn vor laufender Kamera.

Kein Lebenszeichen von dem entführten Polen kam seit den vergangenen Monaten aus Pakistan. Wer ihn entführt hatte, was die Entführer wollten, alles blieb zunächst Spekulation. Als dann aber im November 2008 klar war dass es sich bei den Kidnappern nicht nur um gewöhnliche Kriminelle handelt die auf ein schnelles Lösegeld aus sind, war die polnische Regierung alarmiert und setzte alles an den pakistanischen Geheimdienst Stanczak freizubekommen. Der befand sich in den Händen Tehrik e-Taliban, dem pakistanischen Taliban-Netzwerk geführt von Baitullah Mehsud, Pakistan´s inoffizieller Staatsfeind Nr.1. Von seiner Basis in Nord-Waziristan aus kontrolliert Mehsuds Truppe ein riesiges Gebiet entlang der afghanischen Grenze. Tausende Kämpfer hat die Tehrik e-Taliban unter Waffen, Spitzel und Netzwerke in jeder größeren pakistanischen Stadt. Offen und ehrlich bezeichnen sie sich als Kampfgenossen Al Qaidas. Ein Aufenthalt in einem von Baitullah Mehsud kontrollierten Gebiet endet für Ausländer und unerwünschte Gäste meist mit dem Tod. Hinrichtungen und öffentliche Auspeitschungen sind in den Stammesgebieten Pakistans inzwischen Alltag, die Sharia regiert weite Teile des kargen Berglandes. Wer sich hier hin wagt ist entweder lebensmüde, extrem mutig oder will sich den Mujaheddin im Kampf gegen die US-Truppen in Afghanistan anschließen.

Piotr Stanczak wollte nur arbeiten. Ein in Krakow ansässiges Unternehmen hatte im letzten Jahr nach Pakistan geschickt um dort geologische Untersuchungen an möglichen Öl- und Gasfeldern durchzuführen. Vielleicht getrieben von einem höheren Lohn, vielleicht aber auch aus purer Unwissenheit oder gar Abenteuerlust ließ sich der zweifache Vater auf das Risiko ein.

Vor wenigen Tagen erreichte die Familie in Polen dann die Nachricht, die Taliban hätten ihre Geisel hingerichtet. Polens Regierung sei nicht auf die Forderungen der Islamisten eingegangen deshalb habe man Stanczak enthauptet.

Tatsächlich hatte die polnische Führung jegliche Zahlungen an Terroristen verweigert, Bedingungen der Taliban würden unter keinen Umständen erfüllt. Zuletzt hatte es geheißen die Forderung der Tehrik e-Taliban sei ein Abzug der polnischen NATO-Truppen aus Afghanistan gewesen. Sonntagabend dann gelangte ein polnischer Fernsehsender in den Besitz des Videos welches die Tötung der Geisel Piotr Stanczak zeigt. Zuvor hatten die Taliban einem Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP einen USB-Stick mit der besagten Videodatei übergeben. Längst war klar dass die Behauptung der Taliban nicht nur Propaganda war sondern bitterer ernst. Im Stich gelassen von den Verantwortlichen in Warschau und Islamabad musste sich die Geisel letztendlich dem Schicksal fügen. Ein Taliban-Sprecher erklärte heute, man habe den Polen enthauptet weil die pakistanische Regierung sich geweigert hatte 28 Gefangene, deren Namen man ihr genannt habe, aus dem Gefängnis freizulassen. Desweiteren sei man nicht auf die Forderung eingegangen die pakistanischen Truppen aus den Stammesgebieten abzuziehen.


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