Tuesday, August 10, 2010

"Herzlich Willkommen auf dem Boden des Dschihad" - Deutscher Islamist begrüßt neue Rekruten


Lange gab es nichts Neues von der Propagandafront der "Islamischen Bewegung Usbekistans" (IBU). Dabei hatten gerade die letzten Videoproduktionen bewiesen: Die IBU versteht es perfekt moderne Technik für effektive Rekrutierungs-Videos zu nutzen. Qualitativ stachen und stechen die Filme aus Waziristan aus der Masse heraus.


Die zentralasiatische Dschihad-Truppe IBU ist insofern für die deutschsprachigen Terror-Beobachter interessant, als das in ihren Reihen mindestens fünf Islamisten aus der Bundesrepublik kämpfen, einer von ihnen (Javad Sediqi) starb bereits seinen ersehnten "Märtyrertod. Darüber hinaus ist die IBU im Norden Afghanistans an der Grenze zu Usbekistan, primär in der Region Kunduz, aktiv, und spielte eine entscheidende Rolle beim blutigen Karfreitag-Anschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille Anfang des Jahres.



Nun gibt es ein neues deutschsprachiges Propagandavideo der IBU. Hauptakteur ist darin der Bonner Islamist Mounir Chouka alias "Abu Adam". In einer Begrüßungsrede heißt der ehemalige Drogendealer und wortgewandte Amateur-Prediger, angeblich neue deutsche Terrorrekruten in Waziristan ("Land des Dschihad") willkommen.
Auf dem Boden sitzend, mit der Kalaschnikow an die Wand einer Lehmhütte gelehnt, hält Mounir Chouka im Schein von Kerzen- und Öllampen eine nächtliche, knapp 40minütige Ansprache, in der er die Vorzüge des Dschihad preist.

An einer Stelle geht der aus Bonn stammende Islamist explizit auf die beschwerliche Reise der neu angereisten Dschihad-Rekruten ein. "Lasst uns einige Tage, Wochen und Monaten zurückblicken und sehen wie unsere Situation damals war", so Chouka, "wir haben unter den Ungläubigen gelebt, im Land der Sünde und des Unglaubens." Aufgrund ihrer islamischen Kleidung und ihrer Überzeugung seien sie in ihren westlichen Heimatländern verachtet und unterdrückt worden: "Erinnert ihr euch meine Brüder, wie unsere Lage war, als wir unter den Kuffar lebten?"

Es ist unklar ob seine Zuhörerschaft tatsächlich aus deutschsprachigen Terrorrekruten besteht. Das Video, das angeblich vom Juni 2010 stammen soll, könnte letztlich auch völlige Propaganda sein, die auf die Rekrutierung von Islamisten aus der BRD abzielt.
Immerhin hat der Fall des Hamburgers Rami M., der sich im vergangenen Jahr der IBU angeschlossen hat und dann wohl reumütig dem Dschihad den Rücken gekehrt hat, für einige Negativ-PR für die IBU gesorgt.
Die deutschen Dschihadisten hätten genug von Waziristan und flüchteten reihenweise nach Deutschland zurück, berichteten einige Medien. Abgehörte Telefonate und E-Mail-Austausch ließen dies vermuten.

Jetzt aber holt die IBU zum Gegenschlag aus und präsentiert ihren wohl charismatischsten Sprecher, Mounir Chouka, der eine feurige Rede hält, in der er keinen Zweifel daran lässt, dass der Dschihad eine Ehre und Gnade Allahs ist, und diejenigen die zu diesem Zweck auf beschwerlichen Wegen auswanderten, seien die auserwählten. Sie würden die höchsten Stufen des Paradieses erklimmen.

Hier einige Zitate aus Choukas Begrüßungsrede:

"An dieser Stelle meine lieben Geschwister, nochmals an die neuen Geschwister: Herzlich Willkommen auf dem Boden der Gnade, auf dem Boden der Auswanderung und des Dschihads! Willkommen im Urlaub dieser Ummah!

Die ihr vor mir sitzt meine lieben Geschwister: Allah bevorzugte euch gegenüber den zuhause gebliebenen! (sitzen geblieben sind und sich nicht an diesem gesegneten Dschihad beteiligen). Und so Allah will habt ihr auch eine höhere Rangstufe (im Paradies)! Die Auswanderung für Allah und der Dschihad auf dem Wege Allahs sind der beging der Blütezeit des Dieners! Die Auswanderung für Allah ist eine Auswanderung ZU Allah! ...Wer also für Allah auswandert findet nur Gutes. Er findet Frieden, er findet innere Geborgenheit und Wohlergehen!

Ein kleiner Rückblick auf die Zeit vor unserer Auswanderung. Wir lebten in einer Gesellschaft, die sich völlig vom Glauben abwandte. Vielgötterei, Unglaube und Korruption bestimmen das Leben dieser Gesellschaft und befleckten täglich unsere Herzen! Unsere Herzen schrieen nach Heilung und unsere Moral wurde gebrochen. Wir hielten uns mit Moscheebesuchen und Gruppentreffen über Wasser um nicht in diesem Werke Satans zu ersticken! Wir lebten in Erniedrigung obwohl wir Gefährten der Wahrheit sind!

Erinnert ihr euch noch wie sehr wir Allah darum, baten uns einen Weg in den Dschihad zu ebnen. Wie oft haben wir die Landkarte aufgeschlagen, um zu schauen wo wir hingehen können und wie wir dort hinkommen.

Wir waren bereit alles zu geben. Wir waren bereit alles zu opfern. Wir waren bereit in Höhlen zu übernachten. Auf Essen und Trinken zu verzichten. Wir waren bereit uns jeder Gefahr auszusetzen. Unsere einzige Sorge war dieser Ausweg, ein Weg zum Dschihad. Und: Allah zeigte uns einen Weg...Ein Weg der nicht gerade mit Rosen geschmückt ist oder einem roten Teppich.

An jedem Grenzübergang, an jedem Flughafen, und bei jeder Durchsuchung baten wir Allah, die Feinde dieser Religion blind zu machen. Und dann: Allah antwortete all unseren Bittgebeten! Der Beweis: Wir sind hier!

Allah wählte uns aus, um mit seiner Hilfe die Lage der Ummah zu verändern. Eine gewaltige Verantwortung gegenüber der Ummah! Wir sind hier um unsere geliebten Geschwister aus den Gefängnissen der Amerikaner zu befreien. Wir sind hier, um uns für unsere Schwestern zu rächen, wir sind hier um Rache zu nehmen an den Pharaonen unserer Zeit. Wir sind wegen den Beleidigungen gegen unseren geliebten Propheten. Wir sind hier für die Rückeroberung von Jerusalem. Und wir sind hier um mit unserem Blut einen islamischen Staat zu gründen!"

Choukas Propaganda-Auftritt, der nur ein Teil einer neuen Videoserie ist, kommt nicht zufällig. Das Video soll den heiligen Monat Ramadan einläuten und ist vielleicht sogar eine PR-Reaktion der IBU auf die Schließung der Hamburger "Masjid Taiba" am Montag.
Zehn Personen aus dem Besucherkreis der Moschee im Stadtviertel St.Georg, haben sich im Frühjahr 2009 auf verschiedenen Reiserouten auf den Weg in Richtung Terrorlager an der afghanisch-pakistanischen Grenze gemacht. Über die genaue Zahl derer, die tatsächlich ihr Ziel erreichten, liegen widersprüchliche Angaben vor. Nur der Iraner Shahab D. hat zweifelsfrei in die Reihen der IBU gefunden und kämpft nun als "Abu Askar" an der Seite von Mounir und Yassin Chouka in den pakistanischen Stammesgebieten.

Zwei Personen aus dem Hamburger Dschihadisten-Zirkel kehrten bisher vom Hindukusch zurück, eine Person wurde von pakistanischen Behörden abgeschoben, eine weitere (Rami M.) befindet sich in Gewahrsam deutscher Behörden in Pakistan. Nach dieser Rechnung könnten sich neben Shahab D. maximal fünf weitere Islamisten aus Hamburg in den Ausbildungscamps der IBU aufhalten. Sollte dies der Fall sein, dürften sie bald in den Propaganda-Filmen der Gruppierung zu sehen sein.

Das jüngste IBU-Video liefert im Schlussteil interessante Einblicke in die Geschichte der "Islamischen Bewegung Usbekistans", die Anfang der 1990er Jahre entstand. Videoausschnitt aus den vergangenen 18 Jahren zeigen den Anführer der Gruppe, Taher Yuldashev und seine Kämpfer in den unterschiedlichen Episoden des bewaffneten Kampfes in Zentralasien.
Begonnen hat die IBU als eine Gruppe islamischer Revolutionäre in Usbekistan, die nach Ende des Kalten Krieges die Errichtung eines islamischen Staates in Zentralasien durchsetzen wollte.
Zu diesem Zweck zogen ihre Anhänger 1992-1997 in den Dschihad in Tadschikistan, bis im Jahr 2000 kämpften sie auch in Kirgisien.

Im aktuellen Video zu sehen ist eine Archiv-Aufnahme eines IBU-Trainingslagers in Afghanistan, noch während der Herrschaft der Taliban ("Zeit des Islamischen Emirates"), das von einem Pakistaner namens "Abu Abdullah al-Pakistani" geführt wurde.
Seit der NATO-Invasion in Afghanistan leben die IBU Anhänger verstreut in den pakistanischen Stammesgebieten und haben ihren "Heiligen Krieg" nach Waziristan verlangert, wo ihr Hauptfeind die pakistanische Armee ist.

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