Thursday, August 5, 2010

Faszination Somalia - Der Traum eines Amerikaners vom Dschihad


UPDATE:


Während ich den folgenden Blog-Eintrag verfasste, meldeten US-Fernsehsender dass insgesamt 14 Terrorverdächtige in den USA angeklagt würden, Al Shabaab zu unterstützen oder der Gruppierung beitreten zu wollen.

Auf einer Pressekonferenz erklärte US-Justizminister Eric Holder, dass in den vergangenen Tagen 12 Personen in Minnesota, und jeweils eine Person in Alabama und in Kalifornien festgenommen wurden. Ihnen würde vorgeworfen unter dem Deckmantel einer Wohltätigkeitsorganisation Gelder für Al Shabaab gesammelt und nach Somalia transferiert zu haben. Unter den Verdächtigen befinden auch zwei Frauen (eine von ihnen 63 Jahre alt), denen vorgeworfen wird, Spendenveranstaltungen organisiert zu haben, bei denen in Videokonferenz verschiedener Moscheen aufgerufen wurde für "die somalische Sache" und den "Dschihad" zu spenden. Fünf der festgenommenen

Erstmals klagen die USA in den neuen Terrorverdachtsfällen auch zwei amerikanische Staatsbürger an, die sich allerdings nicht in Haft befinden, da sie sich nach Erkenntnissen der US-Behörden in Somalia aufhalten.
Bei ihnen handelt es sich um Omar Hammami, besser bekannt unter dem Kampfnamen "Abu Mansour al Amrikki", und Jihad Mustafa alias "Amir Anwar"

Hammami, der in mehreren Propagandavideos der somalischen Islamistan auftauchte, ist Anführer der "Al Muhajiroun-Brigade" von Al Shabaab, den ausländischen Kämpfern, die sich dem somalischen Dschihad angeschlossen haben. Er kämpft bereits seit zwei Jahren am Horn von Afrika und wirbt mit englischsprachiger Propaganda, teilweise in Form von Dschihad-Raps, um westlicher Rekruten. US-Behörden sehen in ihm eine Schlüsselfigur für Al Shabaab´s Verbindung in die USA.

Ein weiterer US-Amerikaner, Jihad Serwan Mustafa (28) aus San Diego, Kalifornien, soll sich ebenfalls in Somalia aufhalten und dort inzwischen in die Führungsriege von Al Shabaab aufgestiegen sein. Mustafa war ein enger Berater des kenianischen al Qaida Kommandeurs Saleh Ali Nabhan, der 2009 bei einer Operation von US-Spezialeinheiten in Somalia getötet worden war. In einer San Diegoer Moschee hatte Mustafa vor Jahren den us-jemenitischen Prediger Anwar al-Awlaki kennengelernt und sich durch ihn massiv radikalisiert. Noch heute sollen die beiden Islamisten in Kontakt stehen.

Die jüngsten Ereignisse im Bezug auf die "home-grown" Terrorgefahr in den USA zeigen, welche Bedeutung Somalia inzwischen für die dschihad-willigen Muslime aus westlichen Staaten hat. Ein blutiger, 20 Jahre andauernder Bürgerkrieg, unterbrochen von ausländischer Besatzung, hat sich zu einem Magnet für Terrorrekruten aus Europa und Nordamerika entwickelt. Reihenweise pilgern junge Exil-Somalis, arabisch- und pakistanischstämmige Jugendliche und weiße wie schwarze Konvertiten ans Horn von Afrika und machen Somalia zu einem neuen Afghanistan. Diese Entwicklung ist definitiv eine weitere Blog-Analyse wert.

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Der Terrorist von heute hat´s nicht einfach. Noch vor 30 Jahren waren Sicherheitskontrollen an Flughäfen Science Fiction, an Nacktscanner wagten nichtmal die treuesten George Orwell Anhänger zu denken. Nichts erschien einfacher als eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine zu schmuggeln. Mit Ausnahme israelischer Fluggesellschaften.



Von derlei Freiheiten können islamistische Terroristen im neuen Millenium nur träumen. Geheimdienste, Sicherheitskräfte und auch ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft hat sich auf den "Moslem-Terror" eingeschossen. Alles wird gescannt, gespeichert, jeder ist verdächtig, und alles eine potenzielle Gefahr. Mögliche Spione und Spitzel der Geheimdienste lauern an jeder Ecke, infiltrieren jede Moschee.
Dies treibt die wirklich gefährlichen Individuen in die Enge. Terrorpläne zu schmieden ist schwierig geworden, zumindest wenn man teils transkontinentale Strecken mittels sich dabei elektronischer Kommunikation überbrücken muss. CIA, NSA, MI5, BND & Co. hören und lesen mit. Bin Ladens moderne Gotteskrieger müssen Codewörter erfinden, um selbst die einfachsten Absprachen per Telefon unverdächtig erscheinen zu lassen.

Teilweise führt diese Anpassung an den gewaltigen Anti-Terror-Sicherheitsapparat zu kuriosen Vorfällen. So geschehen am 28.Juli diesen Jahres. Ein junger Mann aus dem Großraum Chicago, Illinois, tätig einen nächtlichen Anruf (01:15 Uhr) ins britische London. Seine Gesprächspartnerin scheint noch vor dem Telefonat online kontaktiert worden zu sein. Daher beginnt der junge Mann das Gespräch mit: "Ich werde dir alles erklären." Was folgt ist ein Dialog, in dem der Anrufer der jungen Frau seine mehrfach seine Liebe beteuert, aber auch erklärt er wolle sich seinen Traum erfüllen. Er möchte sie über seinen Wunsch informieren in den Dschihad zu ziehen. Nur die Details, gehen durch die Paranoia des Möchtegern-Gotteskriegers und den Codewörter-Fetish irgendwie verloren.

"Willst du immer noch nach Saudi-Arabien reisen?", fragt die Dame in London den Amerikaner. Dieser antwortet, er wolle "lieber nach Merca, anstatt nach Medina" gehen. Die Gesprächspartnerin kann nicht folgen: "Mekka und Medina liegen beide in Saudi-Arabien. Du verwirrst mich."
"Merca. Merca liegt südlich, südlich von Saudi-Arabien", erklärt der Mann in den USA. "Okay", entgegnet die Frau am anderen Ende der Leitung, "also sprechen wir von zwei verschiedenen Orten im gleichen Land?" Genervt reagiert der amerikanische Anrufer: "Nein. Gleiche Welt, verschiedene Länder, kapierst du?"

Sie kapierte nicht. Deshalb begann sie eine Erklärung, warum und weshalb sie durch die ganzen Aussagen und Ortnamen vollkommen "verloren" sei. "Islamische Herrschaft. Islamische Herrschaft", zürnt der Amerikaner, "Verstehst du? Alles klar? Islamische Herrschaft." Es wird deutlich, dass er nicht offen über jenen Ort reden will, in den er plante zu reisen. "Ah, okay, okay", bestätigt die Frau am Telefon schließlich. Offenbar hatte sie nun verstanden, dass der Anrufer, ein 26jähriger Islamist namens Shaker Masri, die somalische Stadt Merca meinte, als er von einem ("wahrhaft") islamisch regierten Ort sprach, der südlich vom saudischen Königreich liegt.

Der Dialog dieses Telefonats entstammt den FBI Protokollen der Anklageschrift des US-Staatsbürgers Shaker Masri, der am vergangenen Dienstag in Chicago verhaftet wurde. Masri soll geplant haben, nach Somalia zu reisen um eine paramilitärische Ausbildung in den Terrorcamps der Al Shabaab Miliz zu erhalten. Diesen Wunsch äußerste er mehrfach gegenüber einem vermeintlichen Freund, der in Wahrheit ein FBI-Informant war und der Masri auf Geheiß der US-Ermittler im Herbst 2008 erstmals kontaktiert hatte. Von da an schmiedete der Islamist Masri mit dem oft verkabelten Informanten ("Source" in US-Ermittlersprache), Pläne in den Dschihad zu ziehen. Etwa 10.000 US-Dollar bräuchten die beiden, so Masri, um in den Heiligen Krieg ziehen zu können.



Bilder aus dem neuesten Propaganda-Video der Al Shabaab - ein amerikanischer Dschihad ist der Kommentator

Shaker Masri erklärte "Source", dass er im somalischen Bürgerkrieg kämpfen wolle, und auch die Intention habe, als Selbstmordattentäter zu sterben. Mehrere Reiserouten hatte Masri zu diesem Zweck bereits ausgewählt.
Zunächst plante er sich in Jordanien einen syrischen Pass zu besorgen, um damit zum Vorwand einer Pilgerreise oder als angeblicher Gold-Händler nach Saudi-Arabien und dann nach Somalia zu reisen. Weil Jordanien aber den "USA im Kampf gegen den Terror hilft", sei es besser mit einer Coverstory (beispielsweise ein Schmuck-Händler zu sein) von Chicago nach Los Angeles zu fliegen und von dort aus per Auto nach Mexiko zu fahren. In Mexiko wollte Masri einige Tage bleiben, das Schießen mit verschiedenen Waffen üben und dann weiter über Venezuela oder Panama, unbeobachtet von amerikanischen Geheimdiensten, in den Nahen Osten oder nach Tansania bzw. Zanzibar zu fliegen.

Der "Source" erzählte Masri, er habe einen Kontakt in Großbritannien, der ihnen die Reise nach Somalia ermöglichen könne. Damit meinte der US-Amerikaner augenscheinlich jene Frau mit Wohnsitz London, mit der er am 28.Juli telefonierte. In welcher Beziehung die beiden Personen stehen, ist den US-Ermittlern noch nicht recht klar. Offenbar hatte Masri die Absicht die Frau zu heiraten. Tatsache ist, dass der Islamist ihr mehrfach in Telefonaten, die vom FBI mitgeschnitten wurden, seine Liebe versicherte. Nur sein Wunsch in den Heiligen Krieg zu ziehen, hielt ihn ab, nach England zu fliegen. Er solle sie noch vor seiner Reise nach Somalia heiraten und mit ihr ein Kind zeugen, bevor er seine Pflicht gegenüber Allah erfülle, bat die Londonerin.

Masri aber wollte so schnell wie möglich ein Mujahid werden und schwärmte gegenüber dem FBI-Informanten von den al-Qaida Kämpfern in Somalia und vom Kampf für den Glauben gegen die Feinde Gottes. Er sei ein glühender Anhänger vom us-jemenitischen Sheikh Anwar al Awlaki, gab Masri gegenüber "Source" zu, und hoffe dass al Awlaki bald zum al-Qaida Führer aufsteige.

In den vergangenen Monaten waren FBI-Ermittler Masri längst auf der Spur. Sie hatten den US-Amerikaner ägyptischer Abstammung als potenziellen al-Qaida Rekruten ausgemacht und ihn mit Hilfe des verkabelten Informanten bei der Planung seiner Terror-Reise begleiten können. Insgesamt "40.000-45.000 US-Dollar" habe man dem Informanten für seine Dienste bezahlt, so heißt es in den FBI-Protokollen. Nach Einschätzung der US-Behörde war es diese Summe wert einen der zukünftigen amerikanischen Dschihad-Kämpfer noch vor seiner Ausreise aufzuspüren.

Shaker Masri war entschlossen ein Gotteskrieger zu werden. In Mexiko wolle er Märtyrer-Videos drehen, verriet er dem Informanten, er habe Kontakt zu Ausländern innerhalb der Al Shabaab. Außerdem bräuche er einen neuen Laptop, und seinen alten müsse er zerstören. Was darauf sei, könne ihn "hinter Gitter bringen." Dem vermeintlichen Mitstreiter gab er zu bedenken, dass man sie international suchen werde, sobald sie sich auf den Weg gemacht hätten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sie nicht mehr in die USA zurückkehren.

Als er an einem Nachmittag per Zufall eine vierköpfige Gruppe amerikanischer Soldaten in Uniform saß, erklärte Masri, er wünsche er könne zu ihnen gehen und sich in die Luft sprengen. Warum er dies für nur vier tote Soldaten tun würde, fragte ihn der FBI-Informant. "Du hast recht, es wäre besser wenn man gleich einen ganzen Bus voller Soldaten bomben könnte", so die Antwort des in Alabama geborenen Islamisten.

Am Abend des 29.Juli traf sich Masri erneut mit "Source" und buchte online zwei One-Way-Tickets vom Chicagoer Flughafen O´Hare nach Los Angeles am 04.August mit Southwest-Airlines. Masri wollte seinen Plan in die Tat umsetzen, über Mexiko irgendwie nach Nahost zu kommen und dann weiter ans Horn von Afrika.
Auf dem Weg zum Flughafen klickten schließlich die Handschellen. FBI-Beamte setzten dem Traum von Shaker Masri ein abruptes Ende.

Masri wird nun kein weiterer amerikanischer Söldner im Dienste der Al Shabaab werden. Bis zu 15 Jahre Haft drohen ihm für die Unterstützung ausländischer Terror-Organisationen und die Planung von Anschlägen gegen US-Bürger.

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