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Wednesday, January 6, 2010

Einmal al-Qaida, immer al-Qaida - der Fall al-Balawi


"I
hr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen" - ein Vers des Johannes-Evangeliums, prangt lesbar in den heiligen Hallen von Amerikas "Schattenkriegern", dem Eingangsbereich des CIA-Hauptquartiers in Langley.
Nicht für Freiheit sondern für Schock und Ensetzen sorgen hingegen neue Informationen über die Hintergründe des Selbstmordattentats, bei dem vergangene Woche im afghanischen Khost sieben CIA-Agenten, darunter zwei Mitarbeiter der Blackwater-Nachfolgefirma Xe Services, getötet wurden.


Der Attentäter Humam Khalil Abu Mulal al-Balawi konnte am 30.Dezember 2009 völlig ungehindert den Fitnessraum der CIA-Basis "Forward Operating Base Chapman" (Camp Chapman) betreten, weil die Geheimdienstler ihn für einen vertrauenswürdigen Informanten hielten.
Nur wenige Stunden vor seinem Anschlag in der amerikanischen Geheimdienstanlage war im pakistanischen Grenzland abgeholt worden. In einem Fahrzeug wurde der Araber zum Camp Chapman gebracht, in der Hoffnung er liefere entscheidende Informationen für einen Sieg im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida. Stattdessen brachte al-Balawi den Tod. Kaum hatte er den Raum voller CIA-Agenten betreten, zündete er seine Sprengstoffweste.

Schon kurze Zeit nach dem Anschlag, bekannten sich die afghanischen Taliban und ihr Pressesprecher erklärte, der Attentäter sei ein uniformierter afghanischer Soldat gewesen. Er habe sich als Informant ausgeben und so Zutritt zu Camp Chapman bekommen.
Hätte sich diese Behauptung als wahr erwiesen, wäre sie skandalös genug. Doch die Wahrheit, die erst jetzt langsam aus Geheimdienstkreisen zu erfahren ist, wirkt wie aus einem Agententhriller und bedeutet einen schweren Rückschlag in Amerikas Anti-Terror-Krieg.

Der Attentäter war kein Afghane, weder Polizist noch Soldat. Er erhielt auch nicht Zugang zur CIA-Basis weil er eine afghanische Uniform trug. Humam Khalil al-Balawi war ein Informant, ein Spitzel von dem die Amerikaner glaubten, er arbeite für sie und gegen al-Qaida.
In Wahrheit aber spielte der 32jährige Arzt monatelang ein falsches Spiel. Kein verärgerter afghanischer Guardist, sondern ein al-Qaida Doppelagent ermordete dieamerikanische Geheimdienstler und einen jordanischen Militäroffizier, sondern ein islamistischer Maulwurf.



Mittlerweile ist bekannt dass der Suizidbomber vor etwa einem Jahr vom jordanischen Geheimdienst GIP verhaftet und als al-Qaida Sympathisant drei Tage inhaftiert wurde.
Die Agenten des Königshauses waren auf ihn aufmerksam geworden, als er kurz nach der israelischen Offensive im Gaza-Streifen, in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Zarqa arbeitete.
Die ärmlichen Industriestadt ist der Geburtsort von Abu Mussab al Zarqawi, dem getötete irakische al-Qaida Chef. Ihn soll al-Balawi, den ein ehemaliger Schulkamerad als "tiefgläubig" und "unsozial" beschreibt, heldenhaft verehrt haben.

Der 1977 in Kuwait geborene Spross eines saudischen Beduinenstammes, floh 1990 vor Saddam Husseins Truppen nach Jordanien. Nach dem Abschluss an der High School von Amman ging Humam al-Balawi zum Medizinstudium in die Türkei, wo er seine spätere Frau, eine türkische Journalistin, kennenlernte.
In Dschihad-Kreisen war al-Balawi nur unter einem Decknamen eine feste Größe an der Internetfront des Dschihad.
Als "Abu Dujana al Khorasani“ betrieb er äußerst aktiv Propaganda über das Internet. Über Jahre hinweg etablierte er sich als einer der einflussreichsten Dschihad-Ideologen des Cyberspace. Jarret Brachman, Terrorismus-Experte am zählt ihn zu den "Top 5 Online-Dschihadisten".

Al-Balawi betrieb einen eigenen Blog, den er auf der britischen "Isle of Man" angemeldet hatte und auf dem er sein Idol Osama Bin Laden pries.
Dutzende Schriften, hunderte Einträge und Kommentare hinterlies der virtuelle Gotteskrieger in passwortgeschützten Internetforen. Sein Intellekt, die Wortwahl seiner Schriften und seine theologische Kompetenz beeindruckten viele Online-Islamisten und brachten al-Balawi wohl in Kontakt mit Vertretern von al-Qaida im Nahen Osten.

Junge Islamisten für den Krieg in Afghanistan, Irak und Palästina zu begeistern, war das Hauptanliegen al-Balawis. Muslime aus allen Schichten und Nationen rief er auf, sich den Mudschaheddin anzuschließen. Dabei, so machte er als "al-Khorasani" deutlich, seien die muslimischen Immigranten in Europa und allen anderen Erdteilen nicht ausgeschlossen.
Er selbst verließ Jordanien im März 2009 Richtung Afghanistan, mit dem Ziel endlich selbst in den Dschihad zu ziehen.
Der Familie hatte er erzählt, er reise in die Türkei, wolle dort seine Frau und die beiden gemeinsamen Töchter besuchen.

"Er hat uns reingelegt", berichtet ein Angehöriger al-Balawis, "er hat gesagt er wollte seine humanitäre Arbeit fortsetzen, stattdessen hat er eine Selbstmordaktion verübt."
In einem Interview, das die Taliban in einem Online-Magazin veröffentlichten, berichtete er im September 2009 unter seinem Pseudonym "Abu Dujana al-Khorasani", er habe den Schritt gewagt und sich persönlich dem Dschihad angeschlossen.
"Wenn die Liebe zum Dschihad das Herz eines Mannes erobert", schwärmte er, "wird ihn nichts davon abhalten, selbst wenn er dies wollte." Die Nachricht von einem Selbstmordanschlag im Irak oder eine neue Botschaft Bin Ladens würde jeden Dschihad-Willigen an seine Pflicht erinnern, so der Extremist.

Zu dieser Zeit war sich der jordanische Geheimdienst überzeugt, al-Balawi wäre erfolgreich "umgedreht" worden und einer von ihnen, der seine Rolle als Gotteskrieger perfekt spielte.
Kurz nach seiner Entlassung aus der Haft Anfang 2009, hatten die Geheimdienstler damit begonnen den gefeierten Dschihad-Blogger anzuwerben. Es gab zunächst regen Email-Austausch, bei dem al-Balawi brisante, teilweise sogar gefährliche Insider-Informationen lieferte und immer wertvoller für die Sicherheitsdienste zu werden schien.

"Wir blieben in Kontakt mit ihm, um weitere Informationen zu bekommen", berichtet eine anonyme, jordanische Geheimdienstquelle, "wir haben die Informationen mit anderen Geheimdiensten geteilt."
Humam al-Balawi, so der Plan der jordanischen Geheimdienstler sollte arabische al-Qaida Zellen in Afghanistan infiltrieren. Falls möglich sollte er an die Führungsspitze des Terrornetzwerkes, die sich im pakistanischen Grenzland aufhalten soll, herankommen.

Nachdem es al-Balawi gelungen war Kontakt zu al-Qaida Elementen in Pakistan herzustellen, boten die Jordanier ihren wertvollen Informanten den amerikanischen Kollegen an. Die nahmen das Angebot dankbar ihn an und setzten al-Balawi begeistert auf al-Qaidas Nr.2, Ayman al Zawahiri an. Ihn sollte der jordanische Informant in Waziristan aufspüren und an die CIA verraten.
Entgegen der Annahmen seiner jordanischen Anwerber, legte al-Balawi jedoch nie seine Sympathie für al-Qaida ab. Im Gegenteil.
Dem Terrornetzwerk und den pakistanischen Taliban bot er begeistert seine Dienste an und gab über Monate hinweg gezielt gesetzte Informationen über die Terroristen an den jordanischen GIP und die CIA weiter. Einiges erwies sich für die Antiterror-Einheiten sogar als korrekt und brauchbar. Keiner der westlichen Spione ahnte dabei, dass sie es mit einem Doppelagenten zutun hatten.

Wenige Tage vor dem blutigen Attentat in Khost, kontaktierte Humam al-Balawi seine jordanischen Mittelsmänner. Er habe "dringende Informationen über Zawahiri", erklärte er und müsse sie schnellstmöglich an die Amerikaner weitergeben.
Jordaniens Geheimdienst entsandte daraufhin Captain Sharif Ali Bin Zeid, einen Cousin des Königs und Vertrauten al-Balawis. Bin Zeid brachte den vermeintlichen Überläufer zur US-Basis, wo der Terrorist ohne Sicherheitscheck bis in die Sporträume der CIA-Mitarbeiter vordringen und seine Bluttat ausführen konnte.

Die pakistanischen Taliban (TTP) kündigten an, es werde bald einen Videobeweis geben, der zeige dass der Attentäter ein Jordanier war. Hakimullah Mehsud, Anführer der TTP prophezeite schon vor wenigen Tagen: "Dies werden bald die CIA und die jordanische Regierung zugeben." Gleichzeitig feiern die Islamisten das Attentat als Rache für die Ermordung von Baitullah Mehsud im August 2009.
Daheim in Jordanien erfuhr die Familie des Attentäters bereits am Tag nach der Tat von dessen Tod. Ein anonymen Anrufer, der behauptete im Namen der Taliban zu sprechen, gratulierte zum Märtyrertod al-Balawis.
Später kontaktierte Jordaniens Geheimdienst die Eltern und Verwandten und schärfte ihnen ein, mit niemandem über den Vorfall in Afghanistan zu sprechen. Selbst eine Beerdigungsfeier, so berichtet ein Angehöriger, sei ihnen verboten worden und der jüngere Brüder al-Balawis wurde laut Al Jazeera kurzzeitig verhaftet.

Der jordanische Geheimdienstler Captain Bin Zeid kam ebenfalls beim selbstmörderischen Anschlag seines Schützlings ums Leben. Das Königshaus ließ verlauten Bin Zeid sei "als Märtyrer im Dienst einer heiligen Pflicht für sein Land" gefallen. Bei der Trauerfeier des Agenten waren neben mehreren Mitgliedern der jordanischen Königsfamilie auch König Abdullah II. und dessen Ehefrau Königin Rania anwesend.

Monday, December 21, 2009

Zawahiri`s Mutter stirbt in Ägypten


Islamistische Internetforen trauern (bzw. feiern) den Tod von Umayma Bint Abdul Wahab Azzam, der Mutter von Dr.Ayman al Zawahiri. Sie verstarb eine Woche nachdem sie in das Krankenhaus der Stadt Maadi eingeliefert wurde am Sonntag im Alter von 75 Jahren.
Die Beerdigung fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen am Sonntag in Helwan, 30km südlich von Kairo, statt.


Umayma Azzam war die Tochter von Dr.Abdul Wahab al Azzam, dem früheren Direkter der University of Cairo und Mitbegründer der König Saud Universität in Riad, Saudi-Arabien.
Ihr Vater diente als ägyptischer Botschafter u.a. im Jemen, Pakistan und Saudi-Arabien. Sein Onkel war einer der Gründungsväter der Arabischen Liga.
Seit über 150 Jahren ist der Azzam-Klan Teil der ägyptischen Politik und in jedem Parlament vertreten.

Umayma heiratete den Pharmazie-Professor und Sprössling einer alten Ärzte-Dynastie, Prof.Rabia al Zawahiri. Dieser verstarb bereits 1995.
Die ersten Kinder des Ehepaares waren die 1951 geborenen Zwillinge Ayman und Umnaya.

Thursday, December 17, 2009

Gestatten Sie? Das Ehepaar Zawahiri - zwei seltene Dokumente


Zwei Dokumente veröffentlichte al-Qaida vergangene Nacht. Eines ist ein bereits im November 2008 entstandenes Buch von Bin Ladens Vize Dr.Ayman al Zawahiri mit dem Titel "Der Morgen und der Abend", in dem er anhand der pakistanischen Verfassung erläutert, weshalb Pakistan aktuell auf dem Weg der Ungläubigen ist.


Das zweite Dokument ist ein Brief von Zawahiris Ehefrau Umayma Hassan Ahmad Muhammad Hassan. Unter "Brief an die Schwestern" erläutert die Islamistengattin, Musliminnen weltweit seien aufgefordert sich dem Dschihad anzuschließen und ihre Ehemänner zu unterstützen. Dies könne mit Geld, körperlich und der bloßen psychologischen Unterstützung geschehen. Islam sei Pflicht, so wie es einst von Abdallah Azzam, dem großen Vordenker des Dschihad in Afghanistan, identifiziert worden.
Umayma nennt außerdem die Prophetenehefrau Khadijah als bestes Beispiel für alle Musliminnen der Ummah.


Bislang habe ich noch keinerlei Informationen über diese Ehefrau von Ayman al Zawahiri ausfindig machen. Bekannt ist, dass der Ägypter sehr früh schon Azza heiratete, eine Ägypterin die ihm vier Kinder schenkte, darunter eines mit Down-Syndrom.
Azza Rabia starb zusammen mit drei Kindern beim amerikanischen Bombardement am 03.Dezember 2001 nahe Dschalalabad.

Informationen aus Pakistan besagten bei einem Luftangriff am 28.Juli 2008 sei eine weitere Ehefrau Zawahiris getötet worden, um wen es sich dabei handelt ist unklar.

Sunday, September 20, 2009

In eigener Sache...


Liebe Leserschaft,

bitte entschuldigt dass ich nicht mehr regelmäßig bloggen kann. Die Gründe dafür sind recht banal: das Studium und die Arbeit fressen Zeit.
Dennoch möchte ich mich hier regelmäßig zu aktuellen Ereignissen in der Thematik äußern. Größere Berichte werden sicher maximal zweimal pro Woche erscheinen.
Wer ein kleines Newsupdate zum Thema islamistische Propaganda und Dschihad-News bekommen möchte, sei bitte auf meinen Twitter Account verwiesen. Dort findet ihr täglich aktuelle, informative Kurznachrichten, meist schneller als über die Nachrichtenagenturen.


Hier nun einen kurzen Überblick über die Ereignisse der vergangenen Tage.


Besonders interessant waren natürlich die beiden Veröffentlichungen von Bekkay Harrach alias "Abu Talha al Almani", einmal mit kurioser Aufmachung (Al Fajr Media, Titel: "Sicherheit - ein geteiltes Schicksal") als eine Art Mischung aus Mafiosi und Staatsmann, und dann die 40minütige Preisung des Märtyrertodes (As Sahab Media, Titel: "Oh Allah Ich Liebe Dich") und Harrachs theologische Interpretation sich durch den Dschihad von jeglicher Schuld freiwaschen zu können.

Weiter gab es pünktlich zum Ende des Ramadan eine große Produktion der Al Shabaab Miliz aus Somalia.

Unter dem Titel "Zu deinen Diensten, oh Osama" schwören die somalischen Dschihadisten dem Al Qaida Führer die Treue. Das Video zeigt, teilweise unterlegt mit englischen Untertiteln, Trainingslager in Somalia, einheimische und ausländische Kämpfer im Einsatz und die übliche Propaganda zu politischen Themen.
Mit diesem Videostatement dürfte Shabaab nun endgültig Teil des Al Qaida Franchise Systems sein, eine Reaktion von Seiten Zawahiris oder Bin Ladens (oder auch Al Libis) ist zu erwarten.


Ungewöhnlich aktiv ist dieser Tage auch die Medienabteilung der "Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" sprich des jemenitischen Ablegers der Organisation. Nach einem Video zum Angriff auf die US Botschaft von Sanaa 2008 und einer Produktion über einen Hinterhalt auf jemenitische Regierungstruppen im Sommer diesen Jahres, kündigte AQAP heute ein weiteres Video an.

Anders als viele erwarteten kam zum Abschluss des Ramadan keine neue Botschaft Bin Ladens. Der meistgesuchte Terrorist der Welt beließ es bei einer verspäteten "Ansprache an das amerikanische Volk", anlässlich des achten Jahrestages von 9/11. Es bleibt abzuwarten was die nächsten Tage bringen, Analysen zu Harrachs Videowelle und den möglichen Konsequenzen für die deutsche Sicherheitspolitik in den kommenden Tagen...

Thursday, September 10, 2009

Das große Warten


Zum 8.Jahrestag von 9/11 wartet die Dschih@d-Szene auf ein Zeichen von Al Qaida. In den vergangenen Tagen wurden die meisten großen islamistischen Internetforen Opfer von Hackerangriffen, wie üblich kurz vor dem Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington versuchen westliche Geheimdienste dem Terrornetzwerk die Plattform für ihre Propaganda zu nehmen.


As Sahab kündigte diesmal keine große Produktion an, ein Geschenk zum Ramadan in Zusammenarbeit von As Sahab und der Global Islamic Media Front wurde allerdings bereits promotet. Die Gerüchteküche der Dschih@dis brodelt, alle sind sich einige: im achten Jahr nach den 9/11-Anschlägen wird Al Qaida nicht schweigen, es wird eine Veröffentlichung der Propagandaabteilung geben.


Was könnte also am heutigen Tag den Sympathisanten, Unterstützern und den feindlichen "Ungläubigen" präsentiert werden? Eine neue Videobotschaft von Osama Bin Laden gilt als wahrscheinlich, eventuell auch nur ein Audiostatement. Mit großer Sicherheit werden sich die wichtigsten Propagandaköpfe, Ayman al Zawahiri, Abu Yahya al Libi, Mustafa Abu al Yazid und Azzam al Ameriki zu Wort melden.
Es wird gemunkelt Al Qaida werde ein Märtyrervideo eines weiteren 9/11-Attentäters veröffentlichen, möglicherweise sogar jenes des Anschlags-Anführers Mohammed Atta.

Regelmäßig kam bisher von As Sahab unbekanntes Material zum Jahrestag, es wäre ein Zeichen der Schwäche Al Qaidas komme dies heute nicht zustande.

Saturday, August 22, 2009

Sheikh Issa al Masri - Al Qaida schickt einen Profi in den Irak


Ein Tanklastwagen, wie er im Irak oft zur Trinkwasserversorgung eingesetzt wird, nähert sich dem Außenministerium in Bagdad. Normalerweise sind die Straße blockiert durch riesige Betonwälle und Checkpoints, Schutzvorrichtungen gegen Autobomben. Doch nach dem Rückzug der US-Truppen aus den Städten des Landes, möchte die irakische Regierung Normalität in den Alltag der Menschen zurückbringen. Alles was sie tagtäglich an den Terror und die Gewalt erinnert soll verschwinden, so auch die Mauern und Barrieren.



Der Fahrer des Tanklastwagens nutzt dieses Umstand aus, er fährt direkt vor den Parkplatz des Außenministeriums und zündet seine tödliche, fast 2Tonnen schwere Sprengstoff-Last. Die gigantische Explosion reist einen metertiefen Krater in den Asphalt, umstehende Autos werden durch die Luft geschleuert, brennen komplett aus, die Fassade des mehrstöckigen Hauses bricht teilweise ein.
Ein weiterer Selbstmordattentäter detoniert eine nur geringfügig kleinere Autobombe vor dem Finanzministrium Bagdads.
Insgesamt sterben an diesem Tag 95 Menschen, mehr als 1,300 weitere werden verletzt.


Der Fingerzeig richtig sich auf Al Qaida. Wieder einmal sollen es die Dschihadisten gewesen sein, die versuchen durch solch spektakuläre Anschläge den Irak weiter ins Chaos zu bomben. Al Qaida im Irak, unter dem Decknamen "Islamischer Staat im Irak" operierend, ist nach dem Tod ihres charismatischen Führers Abu Mussab al Zarqawi 2006, auf dem Rückzug. Wöchentlich nehmen irakische und amerikanische Einheiten bei Razzien wichtige Zellen hoch, Logistiker, Bombenbauer, Finanziers und Ausbilder verschwinden in den irakischen Kerkern oder sterben bei Schusswechseln. Feinde hat sich die Organisation an allen Fronten gemacht - Schiiten und ihre Milizen, kurdische Peshmerga, die US-Armee, irakisches Militär, sunnitische Söldner der Awakening Councils, iranische und jordanische Geheimdienste. Durch extreme Brutalität verloren die Al Qaida Kämpfer zudem die passive Unterstützung der lokalen, sunnitischen Bevölkerung.

Nun soll es ein Mann richten. Al Qaida´s Führung in Pakistan hat entschieden Sheikh Issa al Masri, mit richtigem Namen Abu Amro Abdul Hakim nach Syrien zu versetzen. Al Masri gehört zu den ägyptischen Kadern, aus denen auch die Generation der Dschihadis um Ayman al Zawahiri hervorging. Ursprünglich lehnte der salafistische Hardliner die Ziele und Vorgehensweise von Bin Laden´s Al Qaida ab. Seine religiöse Autorität innerhalb der Dschihadi-Szene versetzte ihn jedoch bereits in den 1990er Jahren in die Lage in Afghanistan und Pakistan ideologische Vorarbeit zu leisten. Er ließ sich im Waziristan nieder, gründete die Gruppe "Al Dschihad fi Waziristan" und nahm großen Einfluss auf die pakistanischen Warlords und Taliban-Fürsten, wie Jalahuddin Haqqani und Sadiq Nour. Durch seine missionarische Tätigkeit konvertierten sie zum politischen Salafismus. Sheikh Issa al Masri ging sogar über Waziristan hinaus. Kashmirische Punjabi Gruppen von Dschihadisten wollte er zum ägyptisch geprägten Islamismus führen, was ihm teilweise auch gelang.

Al Masri erließ angeblich mehrere Fatwen die einen Mord am ehemaligen pakistanischen Diktator Musharraf zuließen. Auch Benazir Bhuttos Ermordung im Dezember 2007 soll er religiös authorisiert haben. Wenige Tage später wurde er selbst Ziel eines CIA-Drohnenangriff auf sein Haus in Nord-Waziristan. Verletzt aber am Leben erlitt Al Masri eine Art Komazustand, er war angeblich paralysiert, unfähig sich zu verständigen oder zu reisen.

Dies scheint der Ägypter nun hinter sich gelassen zu haben, denn im Frühjahr diesen Jahres machte er sich auf Befehl Osama Bin Ladens auf in den Iran und von dort aus im Juni 2009 nach Damaskus. Von der syrischen Hauptstadt aus soll Sheikh Issa al Masri die Reorganisation der irakischen Al Qaida Organisation übernehmen. Als erfahrener Dschihadi und charismatische Autorität übertrug ihm die Al Qaida Shura in Pakistan die Aufgabe dem Heiligen Krieg im Irak neuen Aufwind zu verleihen.

Geschehen soll dies über die Einrichtung neuer Trainingslager und einer Reiseroute für ausländische Rekruten über Ost-Syrien.
Al Masri´s wichtigster Mann für diesen Job ist Saad Uwayyid Ubaid Mujil al Shammari alias "Abu Khalaf", ein 37jähriger Iraker aus dem nördlichen Tal Afar.
Im Oktober 2008 übernahm er die Leitung eines Netzwerkes von Schleusern und Finanziers in Syrien von einem Al Qaida Mann namens "Abu Ghadiyah", den ein Team amerikanischer Spezialeinheiten auf syrischem Bomben tötete.


Abu Khalaf ernannte das US-Militär im Mai 2009 zu einen der wichtigsten Faktoren des Al Qaida Netzwerkes. Eine gemeinsame Operation von irakischen und amerikanischen Truppen sollte ihn im Mai im syrischen Grenzgebiet ausschalten, es konnten jedoch nur drei enge Berater und Mitarbeiter festgenommen werden.
Das neuorganisierte Netzwerk arbeitet nun aus Syrien heraus, hat einen Strom ausländische Kämpfer in Bewegung gesetzt die vor allem aus Nordafrika in den Irak kommen und dort zu Selbstmordattentätern werden. Einige Islamisten aus Saudi-Arabien, Kuwait, Algerien, Libyen und Ägypten brachten die Schleuser über Damaskus in den Libanon wo sie Teil der Fatah al Islam Bewegung wurden.

Die jüngsten, großen Anschläge im Irak könnten bereits ein Vorgeschmack auf das sein was Sheikh Issa al Masri und seine Leute für die kommenden Monate geplant haben.
Ihre Aufgabenstellung ist klar, der Welt zu zeigen dass der Dschihad im Irak nicht gescheitert ist, dass man weiterhin fähig ist in großen Stil zu töten.
Der Ramadan hat heute erst begonnen...

Saturday, August 8, 2009

Anschlag auf französische Botschaft in Mauretanien


Ein "junger, dunkelhäutiger Selbstmordattentäter" hat sich heute Abend in der Nähe der französischen Botschaft im westafrikanischen Maurentanien in die Luft gesprengt, dabei zwei französische Wachleute und eine Zivilisten verletzt.


Der Anschlag kommt wenige Tage nach einem Video von As Sahab in dem Ayman al Zawahiri direkt Frankreich drohte es werde dafür "bezahlen" dass man dort die Burqa verboten hat und gegen den Islam arbeite. Ende Juni hatte die nordafrikanische Al Qaida Frankreich "die Mutter allen Übels" genannt und sie für das Kopftuchverbot abgestraft. Nur einen Monat später schwor der Ableger des Terrornetzwerkes Abu Yahya al Libi´s Aufruf zum ausgedehnten Dschihad in Nordafrika Folge zu leisten.
Al Libi hatte dem algerisch dominierten Zweig der Al Qaida befohlen den Kampf auszuweiten auf andere Regionen des Kontinents. Mit Maurentanien findet dieser Aufruf jetzt seine praktische Umsetzung. Dass keine andere Gruppierung außer Al Qaida für den heutigen Anschlag verantwortlich ist, dürfte kein Kenner der Szene bezweifeln.
Frankreich ist, wie Zawahiri erst jüngst bestätigte, eindeutiges Ziel des Dschihad, im Ausland genauso wie auf dem europäischen Festland.

Im Juni hatte Al Qaida im Islamischen Maghreb zum ersten Mal in Mauretanien zugeschlagen. Der amerikanische Lehrer Christopher Leggett wurde von Islamisten in der Hauptstadt erschossen, das Bekennerschreiben kam knapp eine Woche später.

Wednesday, August 5, 2009

Deutschland ist nicht Al Qaidas nächstes Ziel - Frankreich schon


Ich habe heute endlich Zeit gefunden mir das 90minütige Interview mit
Ayman al Zawahiri in voller Länge anzusehen.


Al Qaida´s Nummer #2 geht dabei über die Themen US-Weltpolitik, "Obama der neue Bush", Israels leere Versprechungen an die Palästinenser und die Rolle des Iran hinaus, und macht interessante Bemerkungen zu Frankreich. Seine Aussagen über Präsident Sarkozy, das Kopftuchverbot, die Diskussion über Frauenrechte für muslimische Französinnen und die immer weitreichenderen militärischen Operation Frankreichs (Afghanistan und Somalia) deuten in die Richtung dass das Terrornetzwerk hier sein nächstes Ziel gefunden hat.

Frankreich habe immer die jüdischen Versuche unterstützt Palästina an sich zu reißen, erklärt Zawahiri. Weiter sagt er "Frankreich behauptet ein sekularer Staat zu sein, aber in seinem Herzen fließt der Hass auf den Islam". Nun werde es für all seine Verbrechen bezahlen.

Überraschenderweise rückt damit Frankreich noch vor Deutschland oder Großbritannien in das Visier der Dschihadisten. Bin Laden´s Vize rechtfertig Anschläge gegen französische Staatsbürger und Interessen, er legitimiert durch seine Autorität als ideologische und religiöse Führungsperson Terror gegen Frankreich. Anders als ich erwartet hatte bleibt der Fall der in Dresden ermorderten Ägyterin Marwa al Sherbini ohne Erwähnung. Al Qaida schlachtet diesen sich aufgrund der antiislamischen Motive des Täters angebietenden Fall nicht propagandistisch aus.


Aller Terrorwarnungen in Deutschland zum Trotz, scheint wie bereits durch die nordafrikanische Al Qaida erklärt, der französische Staat im Visier der Dschihadisten zu stehen.

Monday, August 3, 2009

"Iran ist der Feind" - neues Interview mit Ayman al Zawahiri


In einem heute neu veröffentlichten Video-Interview von As Sahab, äußert sich Zawahiri 1 Stunde 30min zu verschiedenen Themen der Weltpolitik.
Zwei Hauptpunkte seiner propagandistischen Weltreise sind:

1. Obama ist nicht besser als Bush, seine Versprechen an die Palästinenser sind leer, seine Unterstützung gilt Israels Interessen.

2. Iran ist ein Freund Amerikas im Kampf gegen die islamische Ummah (zu denen Zawahiri ideologisch nicht die Schiiten zählt). Vor dem Krieg der USA gegen Afghanistan habe das iranische Regime bereits durch ihren Söldner Ahmed Shah Massud Unruhe und Gewalt in Afghanistan geschürt, nach dem 11.September hätten sich Iran und Amerika verbündet um die Taliban zu stürzen.
Später habe man auch Saddam Hussein entmachtet und damit dem Iran zu neuer geopolitischer Stärke verholfen.

Zu sehen sind neben Zawahiri und alten Frequenzen aus verschiedenen Konfliktzonen u.a. der ehemalige britische Außenminister Jack Straw, Präsident Obama bei seiner Kairoer Rede Anfang des Jahres, der ehemalige iranische Präsident Khatami und sein damaliger Außenminister.

Thursday, July 30, 2009

Bald neues von Al Qaida: der weise Zawahiri


Al Qaidas Medienabteilung As Sahab kündigte heute ein neues Video an, welches bald veröffentlicht werden soll.


Dem Werbebanner zu entnehmen ist dass es sich um ein Interview mit Ayman al Zawahiri handelt.
Man darf gespannt sein zu welchen Themen sich der Bin Laden Vize äußern wird, das Erscheinen der Staatsoberhäupter Putin, Obama und Chatami lässt einiges vermuten.

Monday, June 22, 2009

Nuklearer Dschihad könnte Realität werden


“Dies ist unsere Auffassung von Frieden…und da ich nicht denke dass sie sich darauf einlassen werden sollten wir uns für den Kampf vorbereiten”

- mit einem Grinsen erläuterte dies Al Qaida´s Führer in Afghanistan/Pakistan, Sheikh Mustafa Abu al Yazid, vor der Kamera eines Al Jazeera Reporters.



Ausführlich und gelassen beantwortete al Yazid erstmals für einen Vertreter der Massenmedien Fragen in einem Interview welches der arabische TV Sender an einem geheimen Ort irgendwo in Afghanistan filmen durfte. Geschützt von einer Truppe Leibwächter äußerte sich Al Qaidas Nr.3 zu verschiedenen Themen. Auf die Frage nach möglichen Gesprächen mit den Amerikanern erklärt er, man sei sehr wohl dazu bereit, falls die USA die Bedingungen der Al Qaida akzeptierten:

1. Abzug aus allen muslimischen Staaten
2. Unterstützung für Israel beenden
3. Unterstützung für die arabischen Regime beenden
4. Kein Ermorden von Muslimen mehr
5. Freilassung aller muslimischer Gefangener

Danach sei man bereit einen zehnjährigen Waffenstillstand anzubieten. Natürlich würde die Aufforderung folgen den Islam anzunehmen. Würden die USA dies ablehnen, müssten sie die Steuer für Andersgläubige an die islamischen Herrscher entrichten, anderenfalls müsse man den Dschihad gegen sie erklären.

Bezüglich des pakistanischen Atom-Arsenals hofft al Yazid dass die Al Qaida Islamisten vor den Amerikanern in den Besitz der Nuklearwaffen kommen und diese dann gegen die USA einsetzen können. Al Qaida´s Griff nach der Atombombe, eine Befürchtung der Geheimdienste weltweite, ist demnach Teil der offiziellen Strategie.

Mustafa Abu al Yazid stieg in den Rang eines Regionalkommandeurs des Terrornetzwerkes auf, nachdem der Ägypter zunächst das weltweite Finanznetz der Organisation leitete und u.a. verantwortlich sein soll das Geld für die Planung und das Flugtraining der 9/11 Attentäter beschafft zu haben. Ähnlich wie Ayman al Zawahiri soll al Yazid in seiner Heimat Mitglied in einer islamitischen Gruppierung gewesen sein, einige Quellen geben an er sei an der Ermordung von Ägyptens Präsident Sadat beteiligt gewesen.

Wednesday, June 3, 2009

Dschihad News VIII


Propaganda

Neues Video von Eric Breininger alias "Abdul Ghafar al Almani"





Abu Yahya al Libi in As Sahab Video der Al Qaida:



Erneut meldet sich ein deutschsprachiger Dschihad-Kämpfer in einem Video der Islamic Jihad Union zu Wort. Das letzte Mal als man von Eric Breininger hörte war vor fast einem halben Jahr, seitdem tauchten die beiden Bonner Brüder Abu Adam und Abu Ibrahim mehrfach in Propagandavideos auf, einige davon wurden komplett in Deutsch verfasst und richteten sich primär an die Bundesrepublik.
Die deutschen Behörden gehen seitdem davon aus dass sich die deutschen Mujaheddin, die unter der Flagge der IJU kämpfen, im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet aufhalten, vermutlich in den Trainingslagern der Organisation in Nord- und Süd-Waziristan. In der nächsten Veröffentlichung der IJU-Medienabteilung zeigt sich Eric Breininger mit einer Kalaschnikow posierend in einer Felsschlucht. “Wir befinden uns hier in Afghanistan, um uns gegen die Kuffar vorzubereiten”, so der mittlerweile bundesweit gesuchte Islamist. Datiert wird das Video auf den 28.Mai 2009, und widmet sich mit knapp 12 Minuten Länge vor allem dem usbekischen Kommandeur Abdullah Fatih der IJU, der erstmals zusammen mit bekannten Al Qaida Größen wie Abu Yahya al Libi und Abu Laith al Libi zu sehen ist. Eine Szene zeigt den offiziellen militärischen Emir der Al Qaida in den FATA zusammen mit dem usbekischen IJU Führer. Ebenfalls zu sehen ist der inzwischen getötete Chef-Ausbilder der Al Qaida Abu Laith al Libi, der im Januar 2008 durch einen US-Drohnenangriff ums Leben kam.



Bedeutung für die Sicherheitslage der Bundesrepublik und der deutschen Soldaten in Afghanistan dürfte das Video nur sofern haben dass durch die Person Breininger selbst sein Aufenthaltsort genannt wird, er sich vermutlich in Afghanistan aufhält und nicht mehr in der pakistanischen Grenzregion. Klarer denn je wird außerdem das Verhältnis der IJU zur Al Qaida. Durch das Auftauchen von Abu Yahya al Libi kann man darauf schließen dass Al Qaida die Islamic Jihad Union als Teil ihres länderübergreifenden Netzwerkes der Allianzen versteht. Al Libis Predigten an der Seite des IJU Kommandeurs Fatih stellen in der Dschihadi-Szene so etwas wie einen religiös abgesegneten Qualitätsstempel für die Organisation dar, seine Funktion als Chef-Ideologe auf dem Schlachtfeld und als selbsternannte Imam verleiht der IJU eine gewisse Autorität und adelt sie in die Ränge der obersten Dschihad-Riege. Anzumerken ist dass Al Libi zum ersten Mal mit einer weißen Kopfbedeckung zu sehen ist, sonst erschien die Person des dunkelhäutigen Predigers in Uniform nur mit schwarzem Turban, ein Zeichen für die aktive Teilnahme am Heiligen Krieg.

Warum die Islamische Dschihad Union die Szene von Breiningers-Auftritt, die bereits im Oktober 2008 in einem Video verwendet wurde, wieder in ein Propagandavideo einbaut ist fraglich, vermutet werden kann ein Zusammenhang mit der Europa- und Bundestagswahl.


Propaganda

Wenn einer eine Reise tut...



Gespannt und wartungsvoll beobachtet die arabische Welt seit Tagen den ersten Besuch des neuen US-Präsidenten Obama in den Nahen Osten. Zunächst reist der Hoffnungsträger Nr.1 nach Saudi-Arabien, dann weiter nach Kairo.
Worum es bei den Gesprächen mit dem saudischen Königshaus geht, dürfte außer Frage stehen. Alte Pakte müssen erneuert werden, es geht Obama darum den arabischen Royals zu versichern dass Amerika weiterhin an einem stabilen Öl-Lieferanten interessiert ist, und dass man gemeinsam die islamistische Gefahr, den Hauptfeind der saudischen Monarchie, bekämpfen will. Interessanter dürfte Obamas Auftritt im Millionen-Moloch am Nil sein. Hier im Herzen der arabischen Welt (die Araber nennen Kairo auch “Mutter der Welt”) muss der schwarze Mann im Weißen Haus diplomatisches Geschick beweisen. Ägyptens unangefochtenes Staatsoberhaupt Mubarak ist nicht gerade für seine Liebe zur Demokratie und Menschenrechten bekannt, politische Gegner aller Facetten vegetieren in seinen Kerkern dahin und das radikalislamische Potential des arabischen Megastaates unter Kontrolle zu halten bedarf eines gewaltigen Polizei- und Geheimdienstapparates. Die Annäherung an Israel, gerade während der Gaza-Offensive Anfang des Jahres, ließ Mubarak aus Sicht der meisten Muslime weiter moralisch versinken. Obamas Administration weiß darum wie wichtig Ägypten als Sicherheitsgarant in der Region ist, welche Rolle die Ägypter vor allem in Bezug auf den Nahostkonflikt spielen können. Trotzdem wird sich es Mr.President nicht nehmen lassen Demokratiedefizite und eingeschränkte Freiheitsrechte anzusprechen.
Im Kern verändert sich durch Obamas Tour nichts am Verhältnis zwischen den absolut proamerikanischen Regimen von Riad und Kairo und Washington. Rational gesehen ist es ein Besuch bei Freunden, denen der Rückhalt in der Bevölkerung schon sehr lange fehlt. Meist sind die Partner im Anti-Terror-Kampf eben jene die besonders dadurch auffallen dass die von ihnen verteidigten Werte und Rechte in den eigenen Ländern und für die eigenen Völker nicht gelten. Einst sagte Donald Rumsfeld sogar über den Ex-Diktator von Bagdad: “Saddam ist ein Schwein, aber er ist unser Schwein!” Change kann auch ein Barak Hussein Obama nicht in die arabische Wüste und an den Nil bringen.
Noch bevor er überhaupt dort eintraf schickten ihm zwei weniger freundlich gesinnte Personen ein paar unnette Worte mit auf den Weg.

Gleich zwei Tonbandbotschaften der Al Qaida Führung tauchten auf, das eine von Ayman al Zawahiri war gestern auf islamistischen Websites erschienen. Darin verweist der ägyptische Al Qaida Vize auf Obamas anstehende Reise und bezeichnet die Staatsoberhäupter die ihn treffen werden als “Sklaven und Folterknechte Amerikas”. Unter Obama, so Zawahiri, werde sich an der amerikanischen Nahost-Politik nichts ändern, das Gerade vom Wandel und einem neuen Kurs sei eine “PR-Lüge”. Den Ägyptern riet Zawahiri den US-Präsidenten nicht willkommen zu heißen, man brauchte keine neue Botschaft aus Washington, die Muslime hätten die “blutige Botschaft” der Obama-Politik längst erhalten. Weiterhin betreibe Amerika Foltergefängnisse wie Bagram in Afghanistan, weiterhin seien US-Soldaten im Irak, zusätzliche Truppen seien auf dem Weg nach Afghanistan. Klares Ziel der Tonbandnachricht ist: Obamas Image zu zerstören, die Araber darauf aufmerksam zu machen dass sich vielleicht das Gesicht der US-Politik geändert habe, die Inhalte aber die gleichen bleiben.
Nachdem der Stellvertreter seine Rede als MP3 verbreitet hatte, lieferte heute Al Jazeera den nächsten Ruf aus dem Verborgenen. Mit krankwirkender, müder, geschwächter Stimme meldete sich Osama Bin Laden zu Wort. Nur schwer lässt sich sagen ob die heute ausgestrahlte Audiobotschaft tatsächlich aktueller Natur ist oder bereits vor Wochen aufgezeichnet wurde.
Konkret zum Obama-Besuch in Ägypten und Saudi-Arabien äußert sich der Terrorchef nicht, sehr wohl aber greift er den neuen amerikanischen Präsidenten an. Es sei der von ihm ausgeübte Druck auf die pakistanische Regierung gewesen, beteuert
Bin Laden, der zum “Morden, Kämpfen, Bombardierung und Zerstörung” im Swat-Tal geführt habe, die USA seien verantwortlich für den Tod von Muslimen und die Vertreibung Hunderttausender aus Nord-Pakistan und den Stammesgebieten. Obama habe eine neue Saat für Hass in der muslimischen Welt gesät, und damit bewiesen dass er den gleichen Weg einschlage wie sein Vorgänger Bush. Durch den direkten Verweis auf die pakistanische Militäroperation in Swat und die Flüchtlingswelle kann die Aufnahme unmöglich vor Anfang Mai gemacht worden sein. Höchstwahrscheinlich besitzt Al Jazeera das 25minütige Band schon seit längerer Zeit, entschied sich aber erst jetzt, kurz vor dem Eintreffen Obamas in Kairo, zur Veröffentlichung. Stimmanalysen werden zeigen dass es sich bei dem Sprecher tatsächlich um Bin Laden handeln, dessen Gesundheitszustand wohl heftig debattiert werden wird. Fakt ist dass der Al Qaida Gründer lebt, die Botschaft selbst ist weniger neu, sie enthält keine neuen Drohungen, richtete sich hauptsächlich an die Muslime von Pakistan, erläutert dass das Blutvergießen Teil eines amerikanischen Plans ist das Land zu destabilisieren und die islamische Nation zu zerstören.

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Ankündingung: Exklusive Fotos und Videomaterial von Abu Mussab al Zarqawi

Aus der Dschih@d-Szene ist zu erfahren dass in naher Zukunft (höchstwahrscheinlich im Laufe der nächsten 48 Stunden) bisher unveröffentlichtes Foto- und Videomaterial des getöteten Al Qaida Führers im Irak, Abu Mussab al Zarqawi, zugänglich sein wird. Diese Nachricht ist nicht ungewöhnlich bedenkt man die vielen Gerüchte die im Internet seit der Ermordung des gefeierten Märtyrers kursieren. Immer wieder wurde berichtet die irakische Al Qaida Medienabteilung besäße bislang unbekannte Videoaufnahme von Zarqawi, darunter Szenen die den Islamistenführer während aktiver Kampfeinsätze zeigen. Nach dem ersten medialen Erscheinen Zarqawis ohne die übliche Maskierung blieben ihm nur wenige Wochen bis seine amerikanischen Jäger der geheimen Taskforce 145 Erfolg hatten und ihn in der Nähe von Baquba töteten.

Westafrika
Es zahlte niemand.


30.Mai 2009, 19:30 Ortszeit soll Edwin Dyers Todeszeitpunkt sein. Der nordafrikanische Zweig der Al Qaida “Al Qaida im Islamischen Maghreb” (AQIM) ließ in einem zweiseitigen Statement verlauten man habe die britische Geisel, Edwin Dyer, nach Ablauf eines Ultimatums hingerichtet “damit er und der britische Staat ein kleines Stückchen von dem spüren was unschuldige Muslime tagtäglich durch die Kreuzritter und Juden von Ost nach West erleiden müssen.” Dyer war im Januar 2009 zusammen mit zwei kanadischen Diplomaten, einer deutschen und zwei schweizer Touristen im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali entführt worden als sie von einer Reise ins Tuareg-Gebiet zurückkehrten. Sowohl die beiden Kanadier als auch die deutsche Geisel und eine Schweizerin wurden inzwischen von den Islamisten freigelassen. Angeblich, so hieß es aus Westafrika in den letzten Wochen, verlangten die Entführer 14 Millionen Dollar Lösegeld für Dyer und den Schweizer. Offiziell versuchte die Al Qaida in Nordafrika den in Großbritannien inhaftierten Hassprediger Abu Qatada freizupressen. Dieser Forderung war die britische Regierung nicht nachgekommen, Sicherheitskräfte in der Region hatten mehrfach versucht islamistische Kämpfer festzunehmen und zu töten, in Mauretanien und Libyen erlitt die Al Qaida schwere Verluste, so dass man nervös reagierte und anscheinend mehrfach den Aufenthaltsort wechselte. Das Dokument welches über das Internet veröffentlicht wurde enthält keine Fotos, also lässt sich der tatsächliche Tod von Edwin Dyer, der an einer organisierten Reise in Westafrika teilnahm und in Österreich beruflich tätig war, nicht bestätigen.

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Exportschlager




Wahhabitische und salafistische Auslegung des islamischen Glaubens verlangen nach einer Reinigung der Religion von allen modernen, fremden und äußeren Einflüssen. Angestrebt wird ein puritanischer Islam ohne westliche Beeinflussung, eine reine, erzkonservative Lehre deren einzige Grundlage Koran und Sunnah in ihrer wortwörtlichen Form sein sollen. Jede Form von Schmuck, von Überfluss, Luxus oder Ausdruck von Kreativität die einem anderen Zweck dient als der Liebe zu Allah und seinem Propheten sind untersagt. Solche Verbote führen dazu dass die Dschihad-Szene teilweise zu einer sehr kargen, schmucklosen Kultur geworden ist, in der man sich oft auf das nötigste beschränkt. Sichtbar wurde dies unter dem Regime der Taliban in Afghanistan als sowohl Filme als auch Musik, Tanz, Gesang, Malerei und Fotografie untersagt wurde. Interessanterweise findet dieser islamistische Puritanismus auch Ausdruck in der Wahl der Logos dschihadistischer Gruppierungen. Dem afghanischen Staat verliehen die Koranschüler eine simple Nationalflagge, das islamische Glaubensbekenntnis in schwarzer Kalligrafie auf weißem Grund, Saudi-Arabien besitzt heute noch eine ähnliche, grün-weiße Variante mit zusätzlich abgebildetem Säbel. Einst soll der Prophet selbst die sogenannte “Kalimah-Flagge” eingeführt haben, ein Banner das in zwei verschiedenen Versionen den Hoheitsanspruch des Islam repräsentieren soll. Die einfache Flagge mit dem Bekenntnis “Ich bezeuge dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Mohammed sein Prophet ist” (Shahada genannt) soll an der Spitze der islamischen Heerscharen getragen worden sein und zwar mit weißer Schrift auf schwarzem Grund, die sogenannte “Dar al-Harb”-Flagge. Dar al-Harb beschreibt das “Land des Krieges”, so wurden und werden Regionen bezeichnet in denen das islamische Recht der Sharia noch nicht eingeführt wurde, d.h. in denen der Islam noch nicht offiziell Staatsreligion ist sondern erst durch die Muslime zum Sieg gebracht werden muss. Anders symbolisiert die weiße Flagge mit schwarzer Schrift (Dar al-Salam = “Haus des Friedens”), wie in Afghanistan ab 1996 bis 2001, ein Land in dem der Islam bereits herrscht und nach Sharia-Recht regiert wird. In jüngster Zeit machten sich einige militante islamistische Bewegung diese Symbolik zu nutzen und verwenden sie als Logo und Erkennungszeichen. Bekannt wurde hier besonders das Logo des “Islamischen Staat im Irak” (kurz ISI). In einem weißen Kreis auf schwarzem Grund steht hier in schnörkellosen, extrem einfach gehaltenen Buchstaben das islamische Glaubensbekenntnis. Verwendet hat es die irakische Al Qaida nachdem die Organisation ihre Metamorphose von der “Al Qaida im Zweistromland” über den “Mujaheddin Shura Council” bis zum ISI durchmachte. Heute ist die Flagge Symbol für die verbliebene Al Qaida im Irak, tauchte jedoch seitdem in einer Reihe anderer Länder ebenfalls auf. Zunächst veröffentlichten im Internet islamistische Gruppen aus Gaza Statements und Fotos die die ISI-Flagge in den palästinensischen Gebieten zeigt, dann folgten die somalischen Mujaheddin der Shabaab und schließlich die im Jahr 2008 neu gegründete “Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel”, der jemenitisch-saudische Ableger des weltweiten Terrornetzwerks. Aber nicht nur in Somalia, dem Jemen, Irak und den Palästinensergebieten findet die ISI-Flagge Verwendung. Durch ihren universellen, nicht an eine Region oder einen Konflikt gebundenen Charakter, wird sie zu Propagandazwecken vor allem im Internet benutzt um Dschihad-Unterstützung per Mausklick und Photoshop zu ermöglichen. Banner, Werbeposter und Fanmaterial ziert sie tausendfach, in Indonesien sah man sie während der Prozesse gegen die Hintermänner der Bali-Bomber sogar vor den Gerichtssälen im November 2008.

Hier einige Beispiele für den Exportschlager des ISI Logos:



US Soldaten finden bei einer Razzia in der irakischen Al Qaida Hochburg Diyala eine professionell angefertigte Flagge des “Islamischen Staat im Irak”.


Der DVD-Stand eines palästinensischen Dschihad-Unterstützers in einem Laden in Gaza wird mit einer ISI-Flagge verziert. Und auch beim Verteilen von Flugblättern der Al Qaida in Palästina kommt die Flagge im Mini-Format zum Einsatz.


Indonesiens Islamistenführer und Hassprediger Abu Bashir spricht im November 2008 anlässlich des Bali-Bomber-Prozesses vor einem Gerichtsgebäude während einer seiner Anhänger die ISI-Flagge als Symbol für die Al Qaida Sympathie in die Kameras der Journalisten hält.



Kaum hatten die somalischen Extremisten der Shabaab Anfang Mai 2009 strategisch wichtige Städte wie Baidoa und Vororte von Mogadischu gewaltsam eingenommen, tauchte die Fahne des ISI in der somalischen Hauptstadt auf.


Anfang des Jahres gab der jemenitische Al Qaida Chef al Wahayshi einem einheimischen Journalisten ein Interview. Von diesem Treffen existiert nur ein einziges Foto das den Reporter und den Dschihadi vor der ISI-Flagge zeigt.

Aserbaidschan
Vergeltung vom Nil bis zum Kaukasus (?)



International wenig beachtet spielt sich im Nahen Osten eine diplomatische Krise ab, die ein Theater offenbart das sich zwischen Geheimdiensten, kulturellen und politischen Allianzen abspielt. Hauptakteure sind Hisbollah und die iranische Führung auf der einen, der ägyptische Staat, israelische und amerikanische Politik auf der anderen Seite. Anfang April nahm das Spiel seinen Lauf, als die ägyptischen Behörden mitteilten man habe eine Terrorzelle der Hisbollah auf der Sinai-Halbinsel gesprengt. Die mehr als 30köpfige Gruppe sei damit beauftragt worden Orte für mögliche Anschläge auf israelische Staatsbürger in Ägypten auszukundschaften. Aus Beirut folgte sofort das Dementi, es gäbe keine Pläne für Terroranschläge am Nil, es seien normale Verbindungsleute der Hisbollah festgenommen worden, keine geheimen Agenten. Ägyptens Präsident Mubarak reagierte verärgert und drohte man werde keinerlei terroristische Aktivität dulden und auf Anschläge werde Vergeltung folgen. Vergeltung, darum soll es der Hisbollah gegangen sein als sie ihre Männer nach Ägypten entsandte. Ihr Auftrag sollte angeblich eine Racheaktion für die Ermordung des Hisbollah-Chefplaners Mughniyeh gewesen sein, den der Mossad im Frühjahr 2008 in Damaskus tötete. Im Streit zwischen Ägypten und der libanesischen “Partei Gottes” ging es letztendlich um mehr als nur um die unschöne Tatsache dass hochprofessionelle Terroristen im Staate Mubarak aktiv sind und israelisches Leben bedrohen. Auf gar keinen Fall wollte Ägypten als arabischer Vorreiter und populationsmäßiger Riese in der sunnitischen Welt Opfer einer Terrorkampagne werden deren Fäden in Teheran gezogen werden. Hinter der Hisbollah steckt der Iran, daran hat kaum ein Araber Zweifel. Der Widerstand der libanesischen Gotteskrieger gegen die verhassten Israelis wird von einer Mehrheit der arabischen Bevölkerung von Marokko bis Damaskus, und sogar deren Führern unterstützt, Sheikh Hassan Nasrallah stieg im Ansehen der Muslime weltweit nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Invasion Israels 2006. Womit sich aber nur wenige abfinden können ist die Tatsache dass Hisbollah weniger eine arabische, mehr aber eine schiitische und persisch kontrollierte Organisation ist. Vom Mullahstaat aus kommen Geld und Waffen, damit auch Befehle und Richtlinien, Nasrallah folgt den Anweisungen aus Teheran, schiitische Söldner der Iraner, so sagen böse Zungen, hätten den Libanon als Geisel genommen, politisch wie militärisch. Seit dem Irakkrieg und dem dort köchelnden und immer wieder aufflammenden Bürgerkrieges zwischen den ethnischen Parteien, droht sich ein Flächenbrand auf die gesamte islamische Welt auszubreiten. Schiismus gegen den sunnitisch, arabischgeprägten Islam, so sieht der neue “Kalte Krieg” von Nordafrika bis Südostasien aus. Jahrhunderte nach der konfessionellen Spaltung bilden sich neue Fronten aus alten Konflikten und die Spirale von Gewalt, Rache und Vergeltung beginnt wieder. Diesmal jedoch mit weltpolitischen Strategien, mit Ländergrenzen, Geheimdiensten und neuen Mitspielern. Ägypten sieht sich zusammen mit dem saudischen Königreich als eine Front in dieser Auseinandersetzung, man möchte die arabische Welt vereinen gegen den aufstrebenden, immer stärker werdenden Iran. Auf der anderen Seite strebt die iranische Großmacht nach der ultimativen Waffe, möchte als Globalplayer ernst genommen werden, die politische Führung um Ahmadinejad reizt nicht nur die USA mit provokanten Aussagen, und ganz allgemein arbeitet man an der Expansion der Khomeini-Revolution. Dank der Beseitigung Saddam Husseins, bietet sich der chaotische Irak wie ein Lamm auf der Schlachtbank den iranischen Mullahs auf dem Silbertablett, der Libanon mit seiner schiitischen Mehrheit droht zu einer Art iranischen Kolonie zu werden und insgesamt fürchtet man in den arabischen Staaten einen zunehmenden schiitischen Einfluss. Diesen zu bekämpfen und sich gegen ihn zu wappnen schließt für einige Staaten, vor allem Ägypten, nicht aus sich mit historischen Erzfeinden wie Israel einzulassen. Nur enger israelischer-ägyptischer Zusammenarbeit ist es zu verdanken dass es Mubaraks Sicherheitskräften gelang die Hisbollah-Truppe ausfindig zu machen, die im Sinai bereits Einheimische angeworben hatte. Die nächste Runde in diesem Diplomatiekrieg, in dem niemand irgendetwas zugeben oder offen aussprechen will, findet weit entfernt vom Nil statt, zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer. Behörden in Aserbaidschan verhafteten im Mai 2008 mehrere Männer die beschuldigt wurden für ausländische Kräfte zu arbeiten und Anschläge im Land zu planen. Genaue Informationen hatte man wohl nicht, denn einige kamen sehr schnell wieder aus der Haft und verließen daraufhin Aserbaidschan in Richtung Iran, Türkei und Libanon. Einige kehrten zurück, bildeten zwei Terrorzellen die in der Hauptstadt Baku besonders das Botschaftsviertel ins Auge gefasst hatten. Am 27.Mai 2009 begann der Prozess gegen zwei Libanesen und vier Aserbaidschaner denen vorgeworfen wird für Hisbollah zu Anschläge geplant zu haben. Israels Vertretung in Aserbaidschan befindet sich in einem Buisness-Tower in Baku, zusammen mit verschiedenen anderen Botschaften, nahe einer militärischen Radarstation. Dort sollten laut der vermeintlichen Pläne der Zelle mehrere Autobomben zur Explosion gebracht werden, alles Teil einer weltweiten Rache-Kampagne für die Mughniyeh-Ermordung. Ali Karaki und Ali Najemeddin, zwei libanesische Staatsbürger seien von der iranischen Revolutionsgarde über die iranisch-aserbaidschanische Grenze geschleust worden um in Baku Kontaktmänner anzuwerben. Vier schiitische Aserbaidschaner hätten als Unterstützer Informationen, Sprengstoff und Fahrzeuge für Hisbollah besorgt. Bis zum 10.Juni soll das Gericht entschieden haben was mit den Angeklagten geschehen soll. Von der Hisbollah kam bislang kein Statement zum Status der Festgenommenen oder der Anschuldigungen.


Pakistan
Ein Gesicht der neuen Taliban-Generation



Osama Bin Laden, Ayman al Zawahiri, Mullah Omar - fallen diese Namen wissen die meisten um wen es sich in etwa handelt. Sie sind die international meist gesuchten Terroristen, die Gesichter des islamistischen Terrors im neuen Jahrtausend. Ihre amerikanischen Jäger zweifeln im achten Jahr nach 9/11 nicht mehr daran dass sich die drei hochkarätigsten Terrorführer in Pakistan aufhalten, eventuell in den unkontrollierten Stammesgebieten an der afghanischen Grenze, vielleicht in den Metropolen Quetta oder Peshawar oder in den Slums von Karachi. Fest steht: Sie halten sich nicht mehr in Afghanistan auf, Pakistan ist zu einem “Safehaven” für Dschihadis geworden. Anders aber als für die NATO-Truppen im Nachbarland und Amerika ganz allgemein stellen diese Männer keine reale Bedrohung für den pakistanischen Staat dar. Ihre Aktionen haben globalen Charakter, ihre Ambitionen kennen keine Ländergrenzen, sie schließen Allianzen und Bündnisse, solange es ihren Interessen dient. Gefährlich für Pakistans Führung werden andere Personen, die außerhalb des Landes kaum jemandem bekannt sind. Diese inner-pakistanische Liste der Top-Terroristen wird immer länger, seit Jahren wächst die Zahl der pakistanischen Taliban-Gruppierungen, ihre Netzwerke wechseln ständig Namen, junge, charismatische Führer rufen immer neue Kampfgruppen ins Leben, radikalere Islamisten übernehmen die Befehle über Terrorcamps oder ganze Distrikte. Nach der Offensive im Swat-Tal stand fest dass der Terror inzwischen 100%ig pakistanisch ist, junge Männer aus den Armenvierteln Islamabads, aus den Dörfern Waziristans werden in Madrassas entsandt, erhalten ihre islamistische Gehirnwäsche und werden in den Trainingslagern zu Suizidbombern. Dabei haben die Taliban die ursprünglichen Methoden und Taktiken der Al Qaida übernommen, eine neue, gefährlichere Generation der Koranschüler ist im Begriff den Terrorismus zu reformieren. Fida Ullah gehört zweifellos zu jener Taliban-Generation. Pakistanische Sicherheitskräfte verhafteten den auch als “Abdul Rahman, Sohn von Fazl Hadi” bekannten Kommandeur der “Tehrik e-Taliban” am 27.Mai 2009 zusammen mit einem ehemaligen Abgeordneten aus den Stammesgebieten. Ihm wird vorgeworfen ein Selbstmordattentäter-Camp geleitet zu haben und direkt verantwortlich zu sein für große Anschläge in Islamabad (04.April 2009, acht Paramilitärs getötet/ 23.März 2009 Anschlag auf Basis der Spezialkräfte der Polizei). Insider nennen Fida Ullah einen der Top-Kommandeure von Baitullah Mehsud. Nach seinem Vorschlag entsandte die “Tehrik e-Taliban” 20 Selbstmordattentäter in die pakistanische Hauptstadt um spektakuläre Operationen auszuüben. Erst im Sommer 2007 verhaftete man den jungen, bärtigen Pakistani während des Aufstandes rund um die Rote Moschee von Islamabad, später entließ man ihn mit anderen Aufständischen. Im Gedenken an den während der Auseinandersetzungen um die Moschee getöteten Predigers Ghazi Abdul Rashid, baute Fida Ullah im Hangu-Distrikt der Stammesgebiete die “Ghazi-Einheit” auf, deren Basiscamp inzwischen zur “Tehrik e-Taliban” gehört. Ullah, geboren in Buner, schloss eine Madrassa-Ausbildung ab und gelangte im Zuge eines religiösen Seminars nach Islamabad wo er sich Maulana Abdullah Aziz und Ghazi Abdul Rashid anschloss. Laut der pakistanischen Polizei spielte er eine entscheidenden Rolle bei er Übernahme von Buner durch die Taliban im Frühjahr 2009. Seine Biografie ist beispielhaft für die Taliban-Bewegung der post-9/11 Zeit. Vertrieben und in ihren Strukturen aufgelöst gelang es den Koranschülern in den letzten Jahren in Pakistan eine Basis zu errichten, die das Ergebnis eines umfassendes ideologischen und politischen Kampfes ist. Islamistische Gruppierungen von Belutschistan bis Kashmir schmieden seit geraumer Zeit Bündnisse und Allianzen die vorher nicht denkbar erschienen. Geeint im Kampf gegen die proamerikanische Regierung von Islamabad, zunächst unter General Musharraf, jetzt unter der Administration Zardari, bildete sich ein mächtiges Netzwerk, in dem die einzelnen pakistanischen Warlords und Taliban-Anführer ihre Differenzen beiseite gelegt haben, und das zu einer geopolitischen Herausforderung nicht nur für Pakistan selbst sondern auch für die NATO und die Anrainerstaaten wird. Die neuen Köpfe dieser Taliban-Fürsten erscheinen kaum in internationalen Medien, ihre Namen stehen für einen chaotischen Nuklearstaat am Rande des politischen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs.

Wednesday, May 13, 2009

Next Stop: Quetta - Wo steckt Ayman al Zawahiri?



Niemand konnte ernsthaft glauben dass Pakistans Geheimdienst ISI, ein Apparat aus tausenden Spionen, Agenten und Informanten, keinerlei Hinweise auf den Verbleib von Osama Bin Laden und der restlichen Al Qaida Spitze nach dem 11.September 2001 hatte.
Schwere Gefechte rund um die Berge von Tora Bora zwangen den Terroristenführer und seinen Stellvertreter Ayman al Zawahiri über Gebirgspfade nach Pakistan zu flüchten. Das anliegende Gebiet der “Federal-Administrated Tribal Areas” kurz FATA bot sich der Al Qaida als idealer Rückzugsort an, die hier lebenden paschtunischen Stämme befolgen die heiligen Regeln der Gastfreundschaft und fühlten sich geehrt die als heldenhaft verklärten Araber in ihren Dörfern willkommen zu heißen. Jahrelang nun rätselt die Welt wo sich der Hintermann von 9/11 und sein Vize verstecken, Millionenkopfgelder (25 Millionen US$ für Zawahiri) konnten bisher keinen Erfolg bringen, die Jagd der CIA mit Predatordrohnen in den Stammesgebieten, die Arbeit des ISI und des pakistanischen Militärs scheint hoffnungs- und wirkungslos zu sein.
Speziell Osama Bin Laden machte sich rar, seine Videoauftritte wurden weniger, es gab kaum noch hinweise auf seinen Aufenthaltsort. Mehr Informationen kamen über den Verbleib von Zawahiri, Pakistans Geheimdienst hatte den Chef-Ideologen der Al Qaida wohl spätestens seit Mitte 2003 im Visier. Während Bin Laden mit aller Kraft versucht seinen Verfolgern so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen übt Zawahiri weiterhin praktisch seine Tätigkeit als Organisator des weltweiten Dschihad aus, er traf sich immer wieder in abgelegenen Dörfern Waziristans mit ranghohen Taliban-Führern und Gesandten islamistischer Gruppierungen aus Nordafrika, dem Kaukasus und Somalia. Bestimmt und selbstsicher, so hieß es vom ISI, trete der Ägypter auf, er sei auf Sicherheit bedacht, jedoch verhalte er sich nicht paranoid und übervorsichtig wie es beispielsweise der ehemalige irakische Al Qaida Emir Zarqawi. Bin Laden´s Stellvertreter sei weiterhin die treibende Kraft hinter vielen strategischen Entscheidungen, mahnte ein ISI Insider schon im August 2004, seine Bedeutung innerhalb der Al Qaida sei nicht nur auf propagandistische Wirkung beschränkt, sondern er gebe maßgeblich den Ton innerhalb des Terrornetzwerkes an.
Trotz dieser fast monatlich erworbenen Informationen über mögliche Aufenthaltsorte gelang es der CIA nicht ihn beispielsweise durch Drohneneinsätze zu töten. Zum ersten Mal versuchte man es am 13.Januar 2006 in der Provinz Bajaur. Predatordrohnen feuerten mehrere Raketen auf einen Gebäudekomplex im Dorf Damadola. CIA Informanten hatten berichtete Ayman al Zawahiri sei am Abend zum Essen mit einem lokalen Taliban-Führer verabredet gewesen, später stellte sich heraus dass bei dem Angriff zwar 60 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder starben, das eigentlich Ziel jedoch an diesem Tag nie in Damadola erschien. Al Qaida´s Nr.2 entging seinen Häschern vielleicht nur knapp, die Drohnenangriffe die seit Jahren in den Stammesgebieten zum Alltag gehören zwangen ihn aber spätestens im August 2008 die Region zumindest zeitweise zu verlassen. Schon einen Monat später, Anfang September 2008 schlugen die amerikanischen Jäger erneut zu, US Spezialeinheiten landeten mit Helikoptern in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nahe der Ortschaft Angoor Adda in Süd-Waziristan und lieferten sich Feuergefechte mit mutmaßlichen Al Qaida Kämpfern. Wieder gelang es nicht einen der gesuchten Terrorführer ausfindig zu machen, sowohl Bin Laden als auch Zawahiri blieben verschwunden.
Regelmäßig tauchen seitdem Gerüchte auf der ägyptische Dschihad-Mentor sei außerhalb Pakistans gereist und habe sich in Somalia mit Führern der Shabaab-Organisation getroffen, mal wurde Zawahiri in Algerien gesichtet, mal im Irak. Den Geheimdiensten in Pakistan war klar dass er die Region nie verlassen habe, Berichte wonach er sich in der Millionenmetropole Karachi aufhalten soll wollten pakistanische Terror-Ermittler nicht bestätigen. Jetzt gab ein anonymer, hochrangiger ISI-Mitarbeiter in einem Interview mit einem pakistanischen Journalisten preis, dass Zawahiri Ende August 2008 über die Grenzstadt Zhob nach Afghanistan gereist sei und sich dort mit einer kleinen Zahl von Leibwächtern geschützt in einem 800-Seelen Dorf aufhielt, bevor er im Dezember 2008 oder Januar 2009 zurück in die nördlichen Stammesgebiete kam. Inzwischen seien Informationen aufgetaucht die belegen dass sich Zawahiri mit einer Gruppe von vier bis fünf ägyptischen Bodyguards in den Außenbezirken der Provinzhauptstadt Quetta aufhalten soll. Sich hier aufzuhalten wäre taktisch weitaus klüger als weiterhin in FATA Ziel der Drohnenangriffe zu sein, in den Gassen und Hinterhöfen Quettas wird die Jagd nach dem Bin Laden Vize zum Katz-und-Maus-Spiel für die Geheimdienste, eine Operation von Predatordrohnen oder geheime Einsätze der Special Forces gestalten sich hier unmöglich ohne große zivile Opferzahlen in Kauf zu nehmen.
Pakistans Geheimdienst bemüht sich sehr dem Islamistenführer auf den Versen zu bleiben, sie wissen inzwischen dass er sich traditionell gekleidet und sich den örtlichen Sitten anpasst wenn er unterwegs ist, immer beschützt von einem kleinen Kreis loyaler Anhänger denen er vertrauen kann.

Tuesday, March 31, 2009

Dschihad News V


Propaganda

Ein amerikanischer Gotteskrieger in Somalia



Er nennt sich Sheikh Abu Mansur al Amriki, er spricht amerikanisches Englisch und fließend, beinahe akzentfreies Arabisch. Kaum eine Woche nachdem Osama Bin Laden eine Tonbandnachricht exklusiv an Somalia und die dortigen Mujaheddin-Verbände der Shabaab richtete mit dem Aufruf zum Dschihad gegen all diejenigen die der Einführung der wahren Sharia entgegenstünden, veröffentlichten die somalischen Islamisten heute ein professionelles Propagandavideo, in seiner Bearbeitung von herausragender Qualität die auf eine Unterstützung durch die As Sahab Medienabteilung der Al Qaida schließen lässt. Highlight des etwa halbstündigen Videobandes ist die Person des Abu Mansur, Kommandeur einer Shabaab Mujaheddin Einheit in der Region Baidoa, südlich von Mogadischu. Der bärtige junge Mann stammt aus den USA, zeigt das erste Mal offen sein Gesicht, und spricht ohne Zurückhaltung über geplante Aktionen der islamistischen Miliz gegen äthiopische Truppen. Datiert ist das Video auf den Juli 2008, also eine Zeit in der sich das Militär Äthiopiens noch als Besatzungsmacht in Somalia aufhielt und ständiges Ziel der somalischen Al Qaida Verbündeten war.

Gezeigt wird der amerikanische Gotteskrieger an der Seite von Shabaab Führer Sheikh Mukhtar bei der Planung eines Hinterhaltes an der Straße nach Bardale. Abu Mansur berichtet detailliert über den Verlauf des Angriffs und erzählt von zwei Mitkämpfern die zu „Märtyrern“ sprich von den äthiopischen Streitkräften getötet wurden. Unter diesen „Shuhada“ befand sich ein junger Kenianer namens Abu Qaqa dessen Beerdigung das ebenfalls zeigt Video zeigt. Außer Abu Mansur erscheinen in der Propagandaaufnahme noch drei weitere, maskierte Somalis die aus den USA in das Bürgerkriegsland am Horn von Afrika gereist sind und ihre „Brüder und Schwestern“ auffordern ebenfalls dem Ruf des Dschihad zu folgen und mit den Mujaheddin zu leben.

Nach Informationen der CIA handelt es sich bei dem amerikanischen Dschihadi um einen Ex-Soldat der US Army der bereits in den frühen 1990er Jahren mit den Mujaheddin in Bosnien gekämpft hat. Mehrere muslimische Angehöriger amerikanischer Spezialeinheiten trainierten damals islamistische Kämpfer in deren Dschihad gegen die serbische Armee und erhielten dabei Unterstützung vom amerikanischen und saudischen Geheimdienst.


Jüngst hatten die Shabaab Führer gegenüber arabischen Medien eingeräumt dass in ihren Reihen einige Ausländer, darunter Muslime aus Europa und den USA, kämpfen. Zudem bestätigten Kommandeure der militärischen Einheiten dass eine kooperative Verbindung zu Al Qaida bestehen. Somalische Experte zufolge sei die Zahl der ausländischen Islamisten von ca.100 im Jahr 2008 auf inzwischen mindestens 450 angestiegen. Am 27.März berichtete die AFP von einer steigenden Zahl so genannter "foreign fighters" in Somalia. Zitate:


"Everyone here knows that many foreign fighters are among those who fought us in Bay and Bakol regions," said Colonel Adan Abdullahi, a police officer from the Baidoa region, where clashes have killed dozens in recent months.

"A young man who talked to me said he was from Morocco but the group leader is called Mohamed and he is a white American," a local shop owner who said his life would be in danger if his name was published told AFP.

Residents say many white men are among the newly-arrived Islamic fighters in Baidoa, a town 250 kilometres (155 miles) south of Mogadishu where the country's transitional parliament normally sits.




Sudan/Israel

Sie kamen nachts…



Vom Zeitpunkt als der Mossad über einen Informanten im Iran über die bevorstehende Aktion erfuhr bis zum ausgeführten Luftschlag vergingen nur knapp neun Tage.

Etwas über eine Woche hatte der israelische Geheimdienst Zeit einen Plan für eine militärische Operation zu entwickeln die äußerst riskant und politisch sehr heikel einzustufen ist. Es war die Zeit des Gazakrieges, Mitte Januar, die ganze Welt hatte ihre medialen Augen auf den schmalen Streifen palästinensisches Gebiet an der Grenze zu Ägypten gerichtet. Die Hamas verlor durch hunderte israelische Luftschläge etliche ihrer Waffen-, Munitions- und Raketenlager, ein großer Teil ihres militärischen Materials wurde zerstört, dazu kamen noch hunderte getötete Kämpfer, darunter hochrangige Kommandeure, Bomben- und Qassam-Raketen-Bauer.

Anders als viele erwarteten griff die libanesische Hisbollah nicht zur Unterstützung der palästinensischen Militanten in den Konflikt ein, es entstand keine zweite Front im Norden Israels, Hamas schien alleine der übermächtigen israelischen Armee widerstehen zu müssen. Ernsthaft konnte man aber nicht davon ausgehen dass der Hamas-Gönner und Finanzier Iran tatenlos zusehen würde wie ihre Marionetten in Gaza vernichtet wurden. Mehrfach hatten die Israelis darauf hingewiesen dass die Islamischen Republik versuchen würde über Umwege Waffen und Material in die Palästinensergebiete zu schmuggeln. Einer dieser Umwege führt über den Sudan, einem Nachbarstaat zu Ägypten unter islamischer Herrschaft des Diktators Omar Hassan al Bashir.

Iran plane eine große Waffenlieferung über sudanesisches Gebiet nach Ägypten und von dort aus über die Grenze nach Gaza zu transportieren, diese Information bekam der Mossad Anfang Januar 2009. Ohne große Verzögerung entschied sich das israelische Militär für einen Angriff auf diese Bedrohung die auf keinen Fall in die Hände der Hamas gelangen durfte. Erst jetzt, fast drei Monate nach der Aktion, sickerte zu den Medien die Informationen über einen israelischen Luftangriff im Sudan auf einen Konvoi von Waffenschmuggeln, durch. Dutzende Tote, viele zerstörte Fahrzeuge, ein angeblich versenktes Frachtschiff – so etwa lauteten die ersten Meldungen über die Geheimoperation.

Von israelischen Quellen kommen nun präzisere Angaben über das was sich da Mitte Januar in der sudanesischen Wüste abspielte.

Eine große iranische Lieferung an Waffen, Sprengstoffen, Munition, Minen und Raketen traf Anfang des Jahres 2009 in Port Sudan per Frachtschiff ein. Wahrscheinlich durch den iranischen Geheimdienst, vielleicht auch durch sudanesische Kräfte, sei dann von dort aus ein LKW-Konvoi organisiert worden, bestehend aus Schmugglern und bezahlten Fahrern, die 120 Tonnen Material von der Küste aus durch die Wüste Richtung Ägypten transportieren sollte. Neben dem üblichen Kriegsgerät sprich Kalaschnikwos, RPG-Panzerfäusten, Handgranaten und Scharfschützengewehren gehörten zu den iranischen „Geschenken“ für die Gaza-Militanten lenkbare Anti-Panzer-Geschosse, hochexplosive Sprengstoffe, panzerbrechende Minen, mehrere Gradraketen und Geschosse vom Typ „Fajir“ mit einer 25 Meilen Reichweite und 45kg Sprengköpfen. Israels Führung wollte die Lieferung dieser Waffen an die Hamas um jeden Preis verhindern, kam schnell zu dem Schluss dass ein militärischer Angriff verhindern könnte dass der Konvoi Gaza erreicht. Um eventuelle Soldaten aus Feindgebiet retten zu können verlegte die israelische Marine zwei Schiffe mit Rettungshubschraubern in das Rote Meer vor die sudanesische Küste. Der eigentliche Angriff erfolgte von Israel aus durch die Luftwaffe der IDF. Mit „dutzenden“ F-16 Kampfjets attackierte der jüdische Staat nachts den aus 23 Trucks bestehenden Konvoi, der Port Sudan verlassen hatte und sich in der Wüste nördlich der Staat auf dem Weg nach Ägypten befand. Überwachen ließen die Israelis den Angriff aus der Luft durch mehrere High-Tech-Dronen. Nach der ersten Welle der Angriffe konnte man so ausmachen dass der Konvoi nicht komplett zerstört worden war, und ließ einen zweiten Luftschlag ausführen der letztendlich sämtliche Fahrzeuge zerstörte, laut verschiedener Berichte kamen etwa 40 Personen darunter Fahrer aus Ägypten, Eritrea, Äthiopien und dem Sudan ums Leben. Angeblich begleiteten auch Angehörige des iranischen Geheimdienstes den Trupp und starben durch die israelischen Bombardements.

Israel hatte zuvor die amerikanische Seite von der Geheimoperation unterrichtet, die mitwissend weder eingriff noch unterstützte. Wie nicht anders zu erwarten stießen die israelischen Kampfjets nicht auf sudanesische Gegenwehr, konnten ohne Probleme wieder über das Rote Meer nach Israel zurückkehren.

Zwar will man bis heute in Jerusalem und Tel Aviv nichts mit der Zerstörung des Schmugglerkonvois zutun haben, trotzdem frohlocken israelische Beobachter und werten diese Meldung als symbolische Geste in Richtung Teheran.



Irak/Afgh-Pakistan

Krisensitzung bei Al Qaida?



Wie einigen Medienberichten letzte Woche zu entnehmen war gibt es Hinweise darauf dass der Führer der irakischen Al Qaida Abu Ayyub al Masri Mitte März 2009 in das pakistanische Stammesgebiet gereist sei um sich dort mit der Al Qaida Führung rund um Ayman al Zawahiri zu treffen.

Mulla Nazim al Juburi, ein ehemaliger Kommandeur der Al Qaida im Irak, berichtet in einem Interview mit arabischen Medien davon dass Al Qaida´s Dachorganisation „Islamic State of Iraq“ eine Allianz mit der konkurrierenden Ansar al Sunnah eingegangen sei um den Dschihad im Irak künftig effektiver zu organisieren. Beide Gruppen haben seit über einem Jahr schwer unter den Anti-Terror-Einsätzen der US Armee und der irakischen Sicherheitskräfte gelitten, unzählige ihrer Kämpfer konnten getötet, hunderte inhaftiert werden. Erst jüngst meldete ein amerikanisches Institut in einer Analyse, Al Qaida im Irak sei im Begriff auszusterben, das Netzwerk funktioniere nur noch in Teilen und sei nicht mehr in der Lage die Sicherheitslage des Landes dramatisch zu beeinflussen. Dies mag ein Grund sein warum der Bin Laden Vertraute al Masri und der kurdische Ansar al Sunnah Führer Abi Abdullah al Shafai vom Irak aus über den Iran nach Pakistan gereist seien um sich dort mit der Nr.2 der Al Qaida Führung zu treffen. Um nichts anderes als um die Zukunft der Organisation im Irak wird es bei dieser Krisensitzung gehen, sollten die Berichte korrekt sein. Immer häufiger hieß es Zawahiri sei mit der Situation im Irak unzufrieden, seit dem Tod von Abu Mussab al Zarqawi habe die Organisation der Gruppe gelitten, Rivalitäten zwischen verschiedenen Kommandeuren und Emiren haben dazu geführt dass absurde Hierarchien und Abteilungen entstanden unter denen die Effektivität des Netzwerkes litt. Al Qaida kämpft heute im Irak an zu vielen Fronten, die Stärke die die Gruppe zu Zarqawis Zeiten aufwies ist längst Geschichte. Nicht nur amerikanische und irakische Truppen, auch kurdische Sicherheits- und Geheimdienste, schiitische Milizen und sunnitische Söldner der „Awakening Councils“ machen Jagd auf die Dschihadisten. Verstärkte Aktivitäten der syrischen und jordanischen Geheimdienste machen es zudem immer schwieriger für Al Qaida Rekruten über die Nachbarländer in den Irak zu schleusen. Die ausländischen Kämpfer sind dabei besonders wichtig denn sie stellen einen Großteil der Selbstmordattentäter, die für große, spektakuläre Aktionen nötig sind.
So hat sich die irakische Al Qaida in den letzten Jahren das eigene Grab geschaufelt und wird nun in dem von ihr selbst angezettelten Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zerrieben. Daran werden wohl die Ratschläge und Anweisungen der Organisationsspitze die sich im Stammesgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan aufhält, nichts ändern können.



Jemen/Saudi-Arabien

Ehemaliger Dschihadi: „Iran finanziert Al Qaida!“



Noch vor wenigen Monaten gehörte er zu den meistgesuchten Terroristen der Arabischen Halbinsel. Inzwischen gilt Mohammed al Qufi alias Abu al Hareth als „geheilter Dschihadi“ der seine Ideologie abgeschworen habe. Zu Beginn des Jahres sorgte sein Name für Aufsehen denn er war einst Häftling in Guantanamo und kehrte nach seiner Entlassung in die Reihen der Al Qaida zurück um den Dschihad gegen die Ungläubigen fortsetzen zu können. Al Qufi schloss sich dem jemenitischen Ableger der Terror-Netzwerkes an, schwor dem „Emir der Arabischen Halbinsel“ Al Wahayshi die Treue und tauchte dann in einem Propagandavideo an der Seite gesuchter saudischer und jemenitischer Terroristen auf. Lange hielt die zweite Dschihad-Karriere nicht, der 35jährige ergab sich den saudischen Behörden nachdem sein Name auf einer Liste der 85 meistgesuchten Islamisten des Landes auftauchte.

Letzten Freitag erzählte der Ex-Dschihadi einer arabischen Zeitung mit Sitz in Paris, seinen Weg von Guantanamo bis in die „Rehabilitations-Zentren“ des saudischen Königreichs. Zudem verriet er dass angeblich der Iran Hauptfinanzier der Al Qaida sei. Das Netzwerk fahre eine neue Strategie, nutze den Jemen als Trainingscamp und Rückzugsort von dem aus Anschläge gegen die Öl-Industrie Saudi-Arabiens gestartet werden sollen. Unterstützung für Al Qaidas Pläne im Jemen käme hauptsächlich von zwei Staaten, dem Iran und Libyen. Beide hätten großes Interesse daran das vor 1962 existierende schiitische Zaiditen-Emirat wieder zu errichten und deshalb die jemenitische Regierung zu stürzen. Aus diesem Grund wären bereits Millionengelder über die zaiditischen Klans an Al Qaida Islamisten geflossen um damit Anschläge gegen die Regierung von Präsident Abdullah Saleh durchzuführen.

An dieser Darstellung regen sich einige Zweifel, schließlich gelten die Schiiten, gerade die verschiedenen heidnischen Sekten wie die Zaiditen und Yaziden, unter den salafistischen Sunniten der Al Qaida als „Teufelsanbeter“, „ungläubige Ketzer“ und „Gotteslästerer“. Wo immer Al Qaida in den letzten Jahren aktiv wurde erschienen die dort lebenden Schiiten als absolute Todfeinde. Zarqawi rief zum grenzenlosen Krieg gegen die „Perser“, die Taliban massakrierten nicht nur einmal die afghanischen Hazara-Schiiten, in Pakistan vergeht keine Woche ohne dass eine schiitische Moschee brennt oder ein Selbstmordattentäter schiitische Pilger oder Hochzeitsgesellschaften in die Luft sprengt. Wie also sollte eine solche Allianz zwischen Osama Bin Ladens Netzwerk und der Mullah-Theokratie in Teheran entstehen? Sollte man hier und da vielleicht gemeinsame Feinde ausmachen können dürfte das wohl kaum für eine Überbrückung der konfessionellen Differenzen ausreichen. Zuviel Blut floss auf beiden Seiten als dass der Iran Al Qaida all die Massaker und Hinrichtungen im Irak vergeben könnte und die radikalen Sunniten hinwegsehen über die Gräueltaten der schiitischen Milizen.
Viel sinnvoller erscheint eine propagandistische Ausschlachtung des Dissidenten Al Qufi, der ganz bewusst Iran und Al Qaida in einem Atemzug nennt. Nichts käme dem saudischen Regime mehr gelegen als die iranischen Erzfeinde mit den weltweit geächteten Terroristen in Verbindung zu bringen. Wenn selbst aus den inneren Kreisen der Al Qaida nun Hinweise auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Iran und den Islamisten käme dann reihte sich dies nur ein auf der Liste der Gründe weshalb ein Regime-Wechsel in Teheran nötig wird. Saudi-Arabien hat großes Interesse daran den Iran in einem möglichst negativen, gefährlichen Licht darzustellen. Zu diesem Zweck wird jetzt sogar auf billigste Art und Weise ein angeblicher, ehemaliger Gegner der saudischen Führung präsentiert der von einer „Terror-Allianz“ von Tripolis bis Teheran.