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Thursday, August 19, 2010

Israels kleine Abu Ghraibs



Israelische Soldaten posieren für ein "Trophäenfoto"

E
den Abargils Fotoalbum auf ihrer Facebook-Seite klang zunächst recht harmlos: "Army...the best time of my life". Die junge Israeli wollte Freunden und Bekannten zeigen, wie sehr sie ihren 22monatigen Wehrdienst in den "Israeli Defense Forces" (IDF) genossen hat. Viele Fotos zeigen Abargil in komischen Posen, bei neckischen Spielen mit Kameraden und beim Grimassenschneiden.
Doch mindestens zwei Fotos erregten vor wenigen Tagen das Interesse der israelischen Medien. Sie zeigen IDF Lieutenant Eden Abargil posierend neben gefesselten Palästinensern, denen die Augen verbunden wurden.

Von einem Einzelfall spricht nun das israelische Militär. Eine junge Soldatin, die verantwortungslos, geschmacklose Dokumente ihrer Armee-Zeit öffentlich machte. Alltäglich seien solche Aktionen innerhalb der israelischen Streitkräfte keinesfalls, betonen die IDF-Sprecher. Anders sieht das die Menschenrechtsorganisation "Breaking the Silence", die 2004 über 700 israelische Soldaten und Veteren zu ihren Einsätzen in den Palästinenser-Gebieten befragt hat. Die Interviews dokumentieren auf erschreckende Weise, welche moralischen Abgründe sich stellenweise auch in Israels Militär auftun.

"Breaking the Silence" errang im Frühjahr 2009 einige Aufmerksamkeit, als die Gruppe israelischen Soldaten Erfahrungsberichte und Geschichten von angeblichen Kriegsverbrechen während der Gaza-Offensive "Operation Cast Lead" entlockte. Damals sollen Zivilisten als Schutzschilder gegen Hamas-Kämpfer eingesetzt worden sein. Israelische Soldaten hätten Teenager in verminte Häuser geschickt, so ein Vorwurf von "Breaking the Silence". Zudem hätten Scharfschützen berichtet, sie seien gezielt darauf gedrillt worden Zivilisten in Gaza zu erschießen.



Nach der Veröffentlichung von Eden Abargils Fotos am Wochenende, verschafft sich "Breaking the Silence" nun erneut Gehör. Die Facebook-Fotos der jungen Soldaten, die grinsend vor gefesselten greisen Palästinensern posiert, seien nur "die Spitze des Eisberges", so die Mitarbeiter von "Breaking the Silence".
Sie sei geschockt gewesen, so ein Sprecher der Menschenrechtsgruppe, als die IDF behauptete, Abargils Fotos seien "isolierte Einzelfälle". "Wir haben solche Fotos seit sechs Jahren immer wieder präsentiert", so Yehuda Shaul.

Gleichzeitig veröffentlichte "Breaking the Silence" weitere Aufnahmen der vergangenen Jahre, in denen zu sehen ist, wie israelische Soldaten vor palästinensischen Gefangenen, und offenbar auch vor schwerverletzten und toten Palästinensern posieren. Ein Bild erinnert an ein Trophäenfoto - drei bewaffnete israelische Soldaten knien stolz hinter der Leiche eines palästinensischen Mannes.

Mindestens eintausend solcher Aufnahmen will "Breaking the Silence" besitzen. "Die Reaktionen der letzten Tage zeigen, dass sich niemand über die Realitäten der Besatzung im Klaren ist", erklärte BtS-Sprecher Shaul. Seine Gruppe habe bereits vor Jahren in Tel Aviv ähnliche Fotos ausgestellt, damals, in der Phase der palästinensischen Selbstmordanschläge, habe jedoch kaum jemand davon Notiz genommen.

Die Tatsache, dass die IDF ein sehr junges Militär sind, so sagen Beobachter sei wohl ausschlaggebend für das unverantwortliche Handeln der Soldaten und Soldatinnen. Israelische Männer dienen ab ihrem 18 Lebensjahr mindestens drei Jahre in der Armee, Frauen sind zu einem 22monatigem Wehrdienst verpflichtet. Den jungen IDF-Soldaten scheint die Tragweite ihrer lustig gemeinten Fotodokumente nicht klar zu sein. In Zeiten von Facebook, Twitter und MySpace werden die Momentaufnahmen einer langen Zeit im Dienste und zur Verteidigung eines ständig bedrohten Staates, wie Lauffeuer verbreitet.

In Israel hat die Diskussion über Moralverfall und Menschenverachtung innerhalb der Streitkräfte gerade erst begonnen. Von einem echten "Abu Ghraib" möchte niemand sprechen. Was auf den Fotos zu sehen sei, seien vielmehr Kinder, denen jeglicher Respekt und auch die oft innerhalb der IDF so hochgelobte Disziplin fehle.
Unweigerlich stellt sich dennoch die Frage: Findet durch die Besetzung palästinensischer Gebiete, durch die jahrelange Terrorangst und die andauernden Feindseligkeiten nicht eine Abstumpfung statt? Wird der palästinensische Gefangene nicht entmenschlicht durch die Order von Oben Terror gegen den israelischen Staat um jeden Preis zu unterbinden?

"Was soll daran falsch sein? Ich versteh das nicht", fragte Lieutenant Abargil vorgestern im israelischen Armee-Radio, "Es ist keine Gewalt auf den Bildern zu sehen." Was nicht bedeutet, dass es keine Gewalt gab.

Die Soldatin deren Facebook-Fotos den medialen Sturm der Entrüstung losgetreten haben, hat eine eigene Erklärung: "Die Leute werden immer irgendetwas finden, was sie gegen Eretz Israel sagen können - wir sind kein Volk mit vielen Freunden und die Leute werden uns bei kleinster Gelegenheit angreifen."

Tuesday, June 8, 2010

Tod auf hoher See - Die Frage nach der Wahrheit vor Gaza


David gegen Goliath - das alte Spiel vom schwachen Zwerg gegen den übermächtigen Riesen wiederholte sich jüngst vor der Küste des Gaza-Streifens. Der Konvoi der türkischen Organisation IHH planten mit mehreren Booten die von Israel 2007 verhängt Blockade des dichtbesiedelsten Flecken der Erde zu durchbrechen und Hilfslieferungen in Gaza abzuliefern. Die eigentlich Intention jedoch lag in der Symbol der provozierenden Aktion.

Sich der Sympathie der Israel-Kritiker wie Gegner im Rücken sicher zu fühlen, steuerte der Trupp Friedensaktivisten, darunter auch ein Friedensnobelpreisträger und deutsche Politiker der Linkspartei, auf den Hamas-Staat Gaza zu. Noch auf hoher See, wohlgemerkt in internationalen Gewässern, wurde der Trupp ("Flotilla" genannt) von israelischen Marinesoldaten aufgebracht. Per Hubschrauber und Boot enterten die Soldaten die Schiffe der IHH, die zuvor die Warnung Israels ignoriert hatten und sich weigerten den Hafen von Ashkelon anzusteuern.

Was dann an Bord der türkischen Schiffe geschah ist weiterhin unklar wie umstritten. Eine Propagandaschlacht entbrennt seitdem zwischen Israel und seinen Kritikern/Feinden. Fakt ist: acht türkische und amerikanische Aktivisten kamen durch israelische Kugeln ums Leben, alle Opfer weisen Schussverletzungen im Rücken und Kopf auf.



In der Türkei feierten zehntausende Unterstützer in der vergangenen Woche die Toten des Gaza-Konvoi-Zwischenfalls als Märtyrer für die palästinensische Sache und als Opfer der jüdischen Killer. Durch die Pro-Palästina-Lobby Europas ging ein Aufschrei der Entrüstung. Von einem Kriegsverbrechen, von einem Massaker, kaltblütigem Mord und maßloser Brutalität war die Rede. Aus Washington kamen harsche Forderungen nach einer Untersuchung des Vorfalls, aus Ankara hingegen folgte Säbelrasseln und Kriegsgebrüll in Richtung Jerusalem.

Israel konterte mit der Freigabe eines Teils der von der israelischen Marine aufgenommenen Videos, die zeigen, wie Friedensaktivisten mit Eisen- und Holzstangen auf die israelischen Soldaten einprügelten, als diese die Schiffe enterten. Soldaten wurden von den Aktivisten über Bord geworfen, einige gingen mit Messern und Dolchen auf die Israelis los.

Zuvor hatte bereits der arabische TV-Sender Al-Jazeera Tonbandaufnahmen von Bord der Schiffe gesendet. Was die angeblichen Friedensaktivisten dort sangen, klang alles andere als friedlich. "Khaibar, Khaibar ya Yehud" - ein Slogan zur Erinnerung der Juden an die Schlacht von Khaiber, bei der eine islamische Armee unter Befehl des Propheten Mohammed einen jüdischen Stamm angriffen und töteten.

Inzwischen hat Israel eine internationale Untersuchung der Ereignisse an Bord der türkischen Schiffe abgelehnt und hat eine eigene Analyse der Geschehnisse eingeleitet. Innerhalb des israelischen Militärs wird die Frage zu klären sein, weshalb martialisch uniformierte Soldaten sich per Hubschrauber hollywoodreif auf Boote verhältnismäßig leichtbewaffneter Aktivisten abseilen mussten, und weshalb Schüsse fielen die zum Tod mehrerer Menschen führten.

Mehr als 400 palästinensische und ausländische Flotten-Aktivisten, darunter auch Deutsche, hielt Israel tagelang fest, soll Berichten zufolge Foto- und Videoaufnahmen von Kameras gelöscht haben. Was die türkische Organisation IHH nun vor wenigen Tagen veröffentlichte, sind die wohl einzigen dokumentierten Aufnahmen, die offensichtlich verletzte, am Boden liegende und blutende israelische Soldaten zeigen.
Verängstigt, entstellt durch Platzwunden und von gleich einem Trupp Männer am Boden gehalten, wirken die israelische Soldaten geradezu hilflos und vollkommen überrumpelt. Wie Trophäen präsentiert die IHH-Mannschaft die bloßgestellten Militärs.
Reuters verbreitete einige der Aufnahmen, die von der türkischen Zeitung Hürriyet als erstes öffentlich gemacht wurden. Anders jedoch als auf den Original-Fotos zeigt die Reuters-Variante in einigen Fällen nicht, was sich in eben jenen Szenen abspielte. Am Bildrand der Originale sind Messer zu sehen, die den außer Gefecht gesetzten Soldaten entgegen gehalten werden.

Von Manipulation und Fälschung spricht man in Israel. Die Nachrichtenagentur habe wissentlich Bildmaterial verändert und dadurch die IHH-Flotte verharmlost. Tatsächlich seien viele der Aktivisten mit Messern auf die Soldaten losgegangen, hätten teilweise von Kameraden sogar davon abgehalten werden müssen ihnen schlimmere Verletzungen anzutun oder sie zu ermorden.

Aus Sicht der türkischen Organisatoren der Gaza-Flotte stellt sich die Frage nach der Bewaffnung nicht. Es habe sich um eine Aktion in internationalen Gewässern gehandelt, Israel habe sich damit der Piraterie schuldig gemacht und die Waffen seien nur zur Verteidigung eingesetzt worden.

Wie so oft starb auch an Bord der "Mavi Marmara" die Wahrheit zuerst. Diejenigen die jetzt nach ihr rufen, haben die Geschehnisse durch Propaganda, Fehlinformation oder blanke Lügen selbst derart beeinflusst, dass eine schwarz-weiß Beurteilung unmöglich ist.

In Zeiten der modernen Medien sprangen nur kurz nach dem Vorfall vor Gaza, Sympathisanten beider Seiten in die Presche. Ein israelisches Satire-Team produzierte ein Video, in dem Schauspieler Friedensaktivisten nachstellen und aus Michael Jacksons "We are the World" eine Comedy-Version namens "We con the World" (Wir verarschen die Welt) machen.



Auf Facebook, über Twitter und diverse Blogs und Internetforen rührt die Gegenseite die Märtyrertrommel. Unterstützt vom iranischen Präsidenten und weiterer populistischer Stimmen aus der islamischen Welt, werden die Rufe nach neuen Hilfskonvois für Gaza laut.

Iran versichert, man werde die Freunde Palästinas auf dem See- und Luftweg eskortieren und sogar eigene Boote nach Gaza schicken. Tausende Iraner schrieben sich dafür bereits in Freiwilligenlisten ein - mehr Wunschtraum als Realität.

Dass in Israel heftig über den Einsatz auf der Mavi Marmara diskutiert wird zeigt, dass die Aktion wohl vollkommen aus dem Ruder lief und von Seiten der Soldaten überreagiert wurde. Ohne Zweifel werden innerhalb der IDF Kopfe rollen müssen für den Tod der türkischen Aktivisten.

Das eigentliche Fazit aber ist ein altes. Israel ging ein weiteres Mal auf eine bewusste Provokation ein und tötete im Namen der Selbstverteidigung. Damit verliert die einzige Demokratie im Nahen Osten Freunde und kreiert zweifelsohne neue Feinde. Die Gleichgültigkeit mit der Israels Streitkräfte agieren macht Angst und beweist: die Roadmap ist tot.
Wann immer Israel auf das Recht auf Selbstverteidigung pocht und in den Krieg zieht, werden die IDF-Soldaten zu Mördern abgestempelt und der Araber-Hass des Judenstaates beschworen. In einer Situation in der Israel, egal wie es agiert, nur verlieren kann, setzt eine kompromisslose Politik ein. Der Schutz jüdischen, israelischen Lebens steht an erster Stelle, ein Einlenken gegenüber den Palästinensern erscheint sinnlos.

Spätestens seit der Januar 2009-Offensive in Gaza, ist Israels Image als eigentlich friedenssuchende Nation begraben und vergessen. Und weil keine Meinung mehr zählt und der schwarze Mann im Weißen Haus trotz der Lippenbekenntnisse kein verlässlicher Partner ist, wartet Israel ab. Ohne Rücksicht auf weiteren Imageschaden und weitere diplomatische Krisen morden Mossad und IDF, ob in einem Hotelzimmer in Dubai, in den Straßen von Damaskus oder vor der Küste Gazas. "Wir haben nichts zu verlieren, deshalb erledigen wir die Drecksarbeit" - diesem Credo scheint man in Jerusalem derzeit zu folgen.
Ob man letztendlich einsieht, dass Hamas die einzige Partei auf palästinensischer Seite sein wird, mit der man irgendwann Verhandlungen aufnehmen muss (alle anderen reden ja bereits), hängt jedoch mehr von den Ereignissen in Washington ab als von jenen vor und in Gaza.

Obama hat kaum Chancen auf eine Wiederwahl, im eigenen Land verteufelt ein Teil der Bevölkerung ihn als muslimischen Kommunisten, der die Wirtschaft verstaatlichen und Immigration Tür und Tor öffnen will. Auf wen also sollte Israel hören, wenn die Rufe nach einem Siedlungs-Stop an die Tore der Knesset dröhnen? "Israel first" - dies gilt im Jahr 2010 mehr als jemals zuvor.

Sunday, January 31, 2010

Getöterer Hamas-Funktionär war Waffenschmuggler


Mahmoud al-Mabhouh war mehr als nur ein im Exil lebender Hamas-Funktionär. Er starb nicht zufällig am 20.Januar in einem Dubaier Hotelzimmer vermutlich durch Elektroschocks und einen Draht um seinen Hals.


Al-Mabhouh war, so zumindest erklärte jetzt ein anonymer israelischer Geheimdienstler, der wichtigste Waffenschmuggler der Hamas. Durch seine Arbeit wurden große Mengen Raketen, Sprengstoffe, Munition und Schusswaffen vom Iran aus über Land- und Seewege nach Gaza gebracht.

Für Hamas ist die Sache klar: Israel ließ al-Mabhouh ermorden. Der Führer der Organisation im Gaza-Streifen, Mahmoud az-Zahar erklärte vermutlich seien die Mörder in der Delegation eines israelischen Diplomaten in die Vereinigten Arabischen Emirate gekommen, der Dubai am 15. und 16.Januar besuchte.

Die Ermittler in den Vereinigten Arabischen Emiraten vermuten derweil eine "professionelle, europäische Gangsterbande" stecke hinter dem Mord an al-Mabhouh. Einige Namen seien bekannt und man habe einen Interpol Haftbefehl beantragt.
Mittlerweile wurde auch bekannt dass sich keine Leibwächter in der Nähe befanden als der Hamas-Funktionär umgebracht wurde. Vermutlich seien Profikiller am Werk gewesen.

Israelische Medien zitieren ehemalige Mossad-Agenten, die berichten al-Mabhouh sei im internationalen Waffenhandel tätig gewesen. Dort verkehre man gewöhnlich auch mit sehr fragwürdigen und gefährlichen Personen, und Geschäfte könnten schnell lebensgefährlich enden. Wahrscheinlich sei auch der Palästinenser Opfer eines misslungenen Deals geworden.

Al-Mabhouhs Familie will derweil nichts von dessen dunklen Geschäften wissen. Sein Bruder, habe nie irgendeine Straftat begangen oder unrechtes getan, versicherte der jüngere Brüder al-Mabhouhs in Gaza.
Die palästinensische Heimat hatte der Mitbegründer des militanten Hamas-Flügels bereits 1989 verlassen, nachdem er zusammen mit anderen Islamisten zwei israelische Soldaten entführt und ermordet hatte.

Friday, January 29, 2010

Die Hamas-Leiche im Dubaier Hotelzimmer - Mossad´s späte Rache


K
halid Mashal war am 25.September 1997 gerade auf dem Weg zu seinem Büro, als er auf zwei Männer traf, die beinahe zu seinen Mördern wurden.
Der Chef des jordanischen Zweiges der Hamas hatte seine Heimat, das Westjordanland, bereits 1967 verlassen und lebte zunächst in Kuwait danach in Amman. Er hatte sich der Fatah angeschlossen bevor er 1987 nach Gründung der islamistischen Hamas Funktionär und im Jahr 2004 schließlich Politchef der Organisation wurde.

An jenem Septembertag im Jahr 1997 bedrängte ihn auf offener Straße urplötzlich ein fremder Mann und stellte sich dem bulligen Palästinenser in den Weg. Von hinten trat eine zweite Person an ihn heran, packte seinen Kopf und stach ihm eine Spritze knapp hinter sein Ohr. Der Angreifer injizierte ein hochtoxisches Gift bevor er mit seinem Kollegen in einem Fluchtauto davon raste.
Was die beiden Attentäter anscheinend nicht ahnten war, dass Khalid Mashal von zwei Leibwächtern observiert wurde, die auf dem Fußgängerweg einigen Abstand zu ihrer schutzbefohlenen Person gehalten hatten.

Mashal brach zusammen und fiel schließlich ins Koma. Herbeigerufene Notärzte brachten ihn in ein Krankenhaus, während die beiden Angreifer von jordanischen Sicherheitskräften gestellt werden konnten. Ihre Herkunft war unklar, aber man fand gefälschte kanadische Pässe mit denen die beiden Männer das Land verlassen wollten.
Es bedurfte keiner großen Ermittlungswunder um herauszufinden dass die beiden überraschen stümperhaften Killer Agenten des israelischen Mossad waren.

Noch als Khalid Mashal im Krankenhaus mit dem Tod rang, fühlte sich Jordanien´s König Hussein durch die dreiste Aktion der Israelis direkt vor seiner Haustür derart beleidigt dass er erzürnt forderte, Israel solle auf der Stelle das Gegengift liefern. Anderenfalls würden die Mossad-Männer für ewig in den jordanischen Kerkern schmoren. Und König Hussein ging noch weiter. Er verlangte zudem hunderte Hamas-Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freizulassen.

Israels Premier Benjamin Netanyahu weigerte sich zunächst, gab dann jedoch auf Druck von US-Präsident Clinton nach, lieferte das Antiserum und entließ die Islamisten aus ihrer Haft, darunter den blinden Sheikh Ahmed Yassin.
Jordanien ließ die Mossad-Agenten nach Israel zurückkehren und Khalid Mashal überlegte den Mordanschlag. Heute lebt er im syrischen Exil und leitet von Damaskus aus die politische Führung der Hamas.

Dreizehn Jahre nach dem misslungene und peinlichen Attentatsversuch des israelischen Geheimdienstes erschüttert ein Verbrechen das Golf-Emirat Dubai. Wieder scheint es ein politischer Mord gewesen zu sein, und wieder soll der Mossad seine Finger im Spiel gehabt haben. Opfer diesmal: ein guter Freund Khalid Mashals und Untergrundkämpfer der Hamas.

Was ist passiert? Mahmud al Mabhouh wurde am 20.Januar tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Am Tag zuvor war der Palästinenser zu einem Treffen in Dubai angekommen. Seine Mörder beobachteten ihn anscheinend bereits zu diesem Zeitpunkt.
Al-Mabhouh war nicht irgendwer, sondern ein Mitbegründer des militärischen Flügels der Hamas, der Izzaddin al Qassam Brigade, die verantwortlich ist für einen Großteils des Terrors innerhalb Israels und gegen israelische Soldaten.

Mediziner entnahmen Blutproben des getöteten Hamas-Funktionärs und ließen sie in einem französischen Labor untersuchen. Dies förderte das gleiche Ergebnis zu Tage wie die Untersuchungen der Obduktion. Al-Mabhouh starb durch einen heftigen Stromschlag im Kopf und Nackenbereich, und weißt zudem Würgemale am Hals auf. Die Familie des 50jährigen bestätigte dies inzwischen.

Bei der heutigen Beerdigung in einem palästinensischen Flüchtlingscamp außerhalb von Damaskus begleiteten tausende Syrer und Palästinser den Sarg des toten Hamas-Kommandeurs, der seit 1989 im Exil lebte.
Laut Angaben der Familie war vor sechs Monaten einer von zwei Mordanschläge auf al-Mabhouh gescheitert. Bei einem Besuch im Libanon habe man ihn vergiftet, was dazu führte dass Mahmoud al-Mabhouh über 30 Stunden lang im Koma lag. Er überlebte.

Aus Angst vor israelischen Killern reiste der Palästinenser ständig umher und ließ meist größte Sorgfalt walten. Ehefrau und Kinder hatten zuletzt im Jahr 2007 den Gaza-Streifen besucht. Al-Mabhouh´s Bruder gab er habe ihn das letzt Mal im Mai 1989 gesehen.

Dubais Ermittler haben nach eigenen Angaben inzwischen die Mörder des Hamas-Funktionärs identifiziert. Sie verfügten "größtenteils über europäische Pässe" und seien Angehörige einer kriminellen Vereinigung, die auch Auftragsmorde übernehmen soll. Nach ihnen werde nun per Interpol-Haftbefehl gesucht.

Derweil hat Hamas längst die Hintermänner des Mordes ermittelt. Der "zionistische Mossad", so erklärten die Sprecher der Organisation habe al-Mabhouh umgebracht. Israel schweigt.
Grund zur Tat hätte Israel allemal.
Al-Mabhouh hatte israelisches Blut an seinen Händen. Er war 1989, vor seiner Flucht ins arabische Exil, an der Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten beteiligt. Aus Furcht vor der Rache Israels war al-Mabhouh damals untergetaucht.

Sunday, September 6, 2009

Israels verschollene Söhne


In Israel sind ihre Gesichter so bekannt wie sonst nur Popstars. Gemäß einer inoffiziellen, fast schon heiligen Regelung verpflichtet sich das Oberkommando der israelischen Streitkräfte keinen Soldaten des jüdischen Staates jemals, tot oder lebendig, auf dem Schlachtfeld zurück zu lassen.

Aus diesem Grund wiegen die Schicksale von drei IDF Soldaten besonders schwer in der jungen aber turbulenten militärischen Geschichte Israels
Jeweils im Abstand von fast genau einem Jahrzehnt verschwanden drei israelische Armeeangehörige. Ihre Rückkehr zu sichern oder im Falle ihres Todes die Umstände ihres Schicksals aufzuklären, hat für die israelischen Regierung seit den frühen 1990er Jahren höchste Priorität. Hinter den Kulissen finden diplomatische Deals statt, es wird geschachert um Zettel, Briefe, Verhörprotokolle, Fotos, Videoaufnahmen oder nur kleinste Fetzen Stoff die auf den Verbleib der Personen Aufschluss geben könnten.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet kommt nun zumindest in den ältesten Fall von Israels verlorenen Söhnen ein wenig mehr Licht ins Dunkle:

Ron Arad


Der 1958 geborene Waffensystemoffizier der israelischen Luftwaffe wurde am 16.Oktober 1986, während des Libanonkrieges nahe der Stadt Sidon abgeschossen. Während der Pilot gerettet werden konnte, gelangte Arad in die Hände der schiitischen AMAL-Miliz. Sie nahmen den verletzten israelischen Soldaten gefangen und forderten Lösegeld von Israel. Mustafa al Dirani entführte Arad in einer Nacht und Nebel-Aktion aus den Händen der AMAL und lief zur proiranischen, neugegründeten Hisbollah über.
Im Jahr 1987 drehen die schiitischen Gotteskrieger in ihrem Versteck, irgendwo in der Bekaa-Ebene des Zentrallibanon, ein Video welches ihre wertvolle Geisel zeigt, bärtig und ausgemergelt. Zu jener Zeit entstehen wohl auch die Briefe an seine Familie, die Hisbollah später an Israel im Zuge eines Gefangenenaustausches übergeben wird.

Nabi Shith, ein kleines Dorf in der Bekaa wurde zum Gefängnis für Ron Arad. Hisbollah-Leute des dortigen Schukur-Familienklans halten den Israeli gefangen. Es herrschte noch Krieg zu jener Zeit, die israelische Luftwaffe bombardierte Hisbollah-Ziele im Süd-Libanon, u.a. das Dorf Nabi Shith. Aus Angst flohen die Wachen Ron Arads, der in einem Verließ zurückgelassen wurde. Als sie am nächsten Tag nach ihrer Geisel sehen wollte war Arad verschwunden.

Mustafa al Dirani wurde 1994 Opfer einer israelischen Spezialeinheit. Sie entführten den ranghohen Hisbollah-Kommandeur aus seinem Dorf und verhörten ihn jahrelang. Dirani sagte den Israelis er habe mit iranischen Pasdaran-Vertretern (Revolutionsgarden) über den gefangenen Israeli gesprochen. Diese, so vermutet Dirani, hätten Ron Arad aus dem Libanon in den Iran gebracht. Quellen aus der Hisbollah bestätigen dies.
Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht der israelischen Ermittler heißt es jedoch Arad sei höchstwahrscheinlich krank geworden und die Pasdaran hätten ihn auf halber Strecke wieder in den Libanon zurück geschafft. Im Bekaa-Tal soll er irgendwann zwischen 1994 und 1997 verstorben sein, vermutlich 1995. Kämpfer der Hisbollah hätten seinen Leichnam verscharrt und Stillschweigen darüber bewahrt um den Fall “heiß” zu halten. Arad sollte als Verhandlungsmasse weiterhin zur Verfügung stehen, obwohl er längst tot war.

Selbst Hisbollah-Chef Nasrallah betonte stets er wisse nichts genaues über das Schicksal von Ron Arad, seine Organisation habe schon sehr früh nicht mehr die Verantwortung über die israelische Geisel gehabt.

Noch fehlen die DNA Beweise aus dem Libanon, Knochen die Hisbollah 2004 präsentierte erwiesen sich nicht als jene von Ron Arad. Iranische Geheimdienstler konnten keinerlei sichere Beweise für den Tod des israelischen Navigators liefern. Ausrüstungsgegenstände, Teile seiner Uniform und persönliche Notizen übergab die "Partei Gottes" in den letzten Jahres an Israel, jüngst gelangte dann auch die Videoaufnahme aus den späten 1980er Jahren an die Öffentlichkeit.
Der Abschlussbericht des Untersuchungskomitees besagt nun, Ron Arad sei bereits Mitte der 1990er Jahre gestorben, und zwar nicht durch die Hände der Hisbollah, wohl aber in ihrem Einflussgebiet.

Guy Hever
Vor 12 Jahren, am 17.August 1997 gegen 09:30 Uhr verließ der IDF Soldat Guy Hever seine Basis an den Golanhöhen nahe der syrischen Grenze. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört. Er gilt als MIA, “missing in action”.
Als er verschwand trug Hever seine Militäruniform und hatte sein Sturmgewehr bei sich. Familie und Freunde rätseln seit jenem Tag genauso wie Geheimdienste und die israelische Bevölkerung über das Schicksal des 1977 geborenen Soldaten.

Eine Theorie besagt Hever habe nach einem Streit mit dem Kommandeur der Artillerieeinheit, in deren Reihen er stationiert war, die Basis aus Zorn und Verärgerung verlassen und sei eine Klippe hinunter gestürzt und tödlich verunglückt. Manche sagen es sei Selbstmord gewesen, andere Kameraden sprechen von Leichtsinn. Ein Leichnam wurde jedoch bis heute nicht gefunden.
Guy Hevers Familie glaubt der Vermisste habe die Grenze zu Syrien übertreten und sei von den Syrern gefangen genommen worden. In einem Kerker irgendwo in Damaskus, so glauben die Hevers, sitzt der Soldat seitdem als Geisel des Assad-Regimes.
Im April 2008 überbrachte Ex-US Präsident Jimmy Carter dem syrischen Machthaber ein Foto von Guy Hever und bat um Aufklärung. Syrien bestreitet irgendetwas mit dem verschwinden des damals 20jährigen zutun zu haben.
Das “Widerstandskomitee für die Befreiung der Golan-Höhen”, veröffentlichte im Februar 2007 ein Statement in dem es behauptet Hever entführt zu haben. Für seine Freilassung fordere man die Herausgabe von mehreren drusischen Gefangenen in israelischer Haft. Nie zuvor war diese Gruppe aufgetreten, es gibt keinerlei Hinweise der Behauptung glauben zu schenken. Israels Geheimdienste verwerfen das Statement als Wichtigtuerei.

Russlands Nahost-Vermittler soll für mehr Aufklärung sorgen. Auf Bitten der Mutter von Guy Hever, Rina Hever, übergab er dem syrischen Außenminister Walid Moallem vor knapp zwei Wochen eine Anfrage Israels. Syrien antwortete man werde das möglichste tun Licht ins Dunkle zu bringen, aber man habe nichts mit dem Verschwinden von Guy Hever zutun.

Insgesamt 10 Millionen Dollar bietet die israelische “Born for Freedom”-Foundation für brauchbare Informationen über die Schicksale von Ron Arad und Guy Hever. Bislang konnte kein abschließender Durchbruch erreicht werden.

Gilad Shalit
Der jüngste Fall ist der des entführten Gilad Shalit. Palästinensische Militanten der Hamas verschleppten den 19jährigen am 25.Juni 2006 am Kerem Shalom Grenzposten am Gaza-Streifen. Shalit ist seitdem Gefangener der Hamas und ständiges Thema von mal geheimen, mal offiziellen Verhandlungen.

Seine Familie übt Druck auf Israels Regierung aus den Sohn endlich nach Hause zu holen. Hamas möchte im Gegenzug Mitglieder aus israelischen Gefängnissen freipressen, und zwar gleich hunderte, inklusive verurteilter Terroristen, Mörder und Bombenbauer. In Israel sorgt der Fall regelmäßig für Schlagzeilen weil kurioserweise feststeht wo sich Shalit befindet. Er hat Gaza nie verlassen, Hamas hält ihn irgendwo in den Kellerräumen ihrer Verstecke gefangen und dies erfolgreich seit drei Jahren. Trotz der Offensive “Gegossenes Blei” im vergangenen Januar und mehrerer Luftangriffe auf den Gaza-Streifen scheint Hamas den israelischen Soldaten erfolgreich von Geheimdiensten und Militär abzuschirmen.

Thursday, August 13, 2009

Dschihad News X


Propaganda

Neuer Lesestoff für westliche "home-grown Jihadis"

Nach einiger Pause tauchte vor wenigen Tage ein für nicht-arabisch sprechende Dschihad-Sympathisanten wichtiger Blog wieder auf. Gleich mit dem Wiederbetritt der Al Qaida Unterstützer-Website veröffentlichte der Betreiber die dritte Auflage des englischsprachigen Magazines ""Jihad Recollections". Über 82 Seiten äußern sich verschiedenen Autoren zu Themen wie "Chinas Krieg gegen den Islam", die Gefahren der Schweinegrippe bis hin zu der Frage ob 2012 eine Apokalypse der Welt bevorsteht.
Wichtige Elemente des Online-Magazines sind aber in erster Linie die Übersetzungen verschiedener Transkipte der arabischsprachigen Al Qaida Videos.
Titelstory der August-Ausgabe ist die Geschichte eines angeblichen US Soldaten der zum Überläufer geworden ist und nun auf Seiten der Dschihadisten kämpft. Gleich zu Anfang informieren die Publizisten die Leserschaft über eine Änderung, das Magazin soll ab sofort nur noch alle zwei Monate erscheinen.

"Jihad Recollections" ist weniger ein ideologisches Hetzblatt, ein Wegbereiter für den militanten Islamismus oder ein besonders intellektuelles Basispapier für den Dschihad, als vielmehr eine hoch professionell gestaltete Zusammenfassung wichtiger und teils weniger wichtiger Veröffentlichungen aus der Dschihad-Szene die für das nicht-arabische Publikum ihre Wirkung durch den Mangel an Übersetzung verfehlt haben.
Mit diesem Online-Magazin bietet sich der Generation der sogenannten "home-grown" Dschihadisten aus Europa und Nordamerika, ein Einblick in die Propagandawelt die ihnen durch die Sprachhindernisse üblicherweise verschlossen bleibt. Aus Sicht von Sicherheitsdiensten geht von der englischsprachigen Propaganda von "Jihad Recollections" eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Selbstradikalisierung junger Muslime in westlichen Staaten aus. In wie weit direkte Kontakte zu den Machern des Dokuments und den Terrornetzwerken bestehen ist nicht bekannt, "Jihad Recollection" und der dazugehörige Blog überraschten bisher nicht mit unbekannten Informationen und Fakten zu Al Qaida.

Indonesien
Jagd auf einen mörderischen Geist


Es begann mit der Verhaftung von zwei Terrorverdächtigen. Indonesiens Anti-Terroreinheit schlug nahe der Hauptstadt Jakarta zu, verhaftete zwei Mitglieder der Jemaah Islamiyah Splittergruppe "Al Qa´ida im Malayischen Archipel" und stellte bei der Razzia vor knapp zwei Wochen eine fertig präparierte Autobombe und einige Kilogramm Sprengstoff sicher. Was dort aufgeflogen war, war eine Aktion die die Ermittler "17.August-Vorhaben" nennen. Vermutet wird dass die Dschihadisten planten mit mehreren Autobomben am indonesischen Unabhängigkeitstag u.a. Präsident
Susilo Bambang Yudhoyono zu ermorden.

Die Aussagen der beiden Bombenbastler führten die Anti-Terror-Einheit "Detachment 88" schließlich zu einem kleinen Bauernhaus nahe Temanggung, in Zentral-Java. Hier hofften sie auf den Chefplaner und meistgesuchten Terroristen des Landes, Noordin Mohammed Top, zu treffen. Am 07.August begann ein fast 17stündiges Gefecht zwischen Soldaten der Spezialeinheit, das Haus umstellten, und dem sich darin verschanzten Terroristen.
Als am Ende der bewaffnete Islamist tot war, gingen die Ermittler zunächst davon aus Top zur Strecke gebracht zu haben. Alle Hinweise und der Umstand dass die Person erbitterten Widerstand bis zum eigenen Tod geleistet hatte, deuteten darauf hin dass es tatsächlich der ehemalige Chef-Bombenbauer der Jemaah Islamiyah und mutmaßliche Hintermann der Jakarta-Bombenanschläge vom Juli war.

DNA Untersuchungen zeigten aber schnell, der getötete Terrorist ist nicht Noordin Mohammed Top, sondern Amir Ibrohim, Kampfname "Abdullah", ein ebenfalls gesuchtes Mitglied der islamistischen Gruppierung die für die Anschläge auf das Ritz Carlton und Hilton Hotel in Jakarta die Verantwortung übernommen hatte. Ibrohim soll die Attentäter unterstützt haben und auch auf einem Überwachungsvideo im Hotel zu sehen sein. Er selbst arbeitete als Florist dort und hatte so Zugang zu den Luxusherbergen.

Schon bevor die Polizei offiziell bekannt geben musste dass sich Top weiterhin auf der Flucht befindet, bestätigten Angehörige des Islamistenchefs, der erschossene Mann sei nicht Noordin Mohammed Top. Indonesiens Polizei hatte extra DNA Material der Kinder Tops genommen um es mit dem Leichnam zu vergleichen.
Der Anführer des bisher wenig bekannten Al Qaida Flügels in Südost-Asien bleibt also weiter der meistgesuchte Mann des bevölkerungsreichsten, muslimischen Staates der Erde. Auch wenn seine ehemalige Basis-Organisation Jemaah Islamiyah inzwischen eher den politischen als den militanten Weg eingeschlagen hat, folgen Top einige Hardliner in die neue Gruppierung die weiterhin Anschläge auf Ausländer und den indonesischen Staat plant. Gespeist wird Top´s Gruppe auch durch die fundamentalistischen Islam-Schulen, in denen auch die Attentäter von Jakarta verkehrt haben sollen.
Noch hat Indonesien seine Festtage zum 17.August nicht hinter sich, und noch befinden sich einige als extrem gefährlich geltende Sprengstoffexperten inklusive Noordin Mohammed Top, auf freiem Fuß. Anschläge könnte es jederzeit geben, genug westliche Ziele ließen sich finden zwischen Bali und Jakarta wohl finden.

Gaza
Extrem vs Radikal


Was sich gestern im südlichen Gaza-Streifen abspielte lässt sich einordnen in die Kategorie: Bruderkampf oder Herrschaft der eisernen Hand.
Eine außerhalb des kleinen Zipfels zwischen Israel und Ägypten kaum bekannte Gruppe ultraorthodoxer, militanter Salafisten hatte zum Freitagsgebet in der Masjid Ibn Tahmed gerufen. Ihr spiritueller Führer, Sheikh Abdel Latif Moussa alias "Abu Nour al Maqdisi" verkündete in einer feurigen Rede, eingerahmt von bewaffneten, schwarz gekleideten Kämpfern, seine Gruppe werde zunächst in Gaza, dann in ganz Palästina ein islamisches Emirat errichten.
Dies sei eine Reaktion auf den Kurswechsel der Hamas, die immer mehr abweicht vom islamischen Weg des Dschihad und zu einer säkularen, nationalistischen Bewegung verkomme. Absofort werde in Rafah die Sharia nach Prophetentradition umgesetzt, sollte Hamas sich ebenfalls dazu bekennen werde man sich ihrer Führung unterordnen. Wohl wissend dass die Gründung eines Staates im Staate Gaza von den Machthabern der Hamas nicht akzeptiert werden würde, warnte Sheikh Al Maqdisi: "Diejenigen die unsere Kinder zu Waisen machen, deren Kinder machen wir zu waisen, diejenigen die unsere Frauen zu witwen machen, deren Frauen machen wir ebenfalls zu Witwen!"

Bereits während der Khutba hatten Einheiten der Hamas das Viertel umstellt. Etwa 100 Kämpfer der Jund Ansar Allah sicherten die Moschee zu diesem Zweck ab, einige mit Sprengstoffwesten um den Oberkörper geschnallt.



Die Führung der Hamas reagierte verärgert auf die Aktion der noch radikaleren Spalter, die offen bekennen dass sie sich nicht dem palästinensischen Kurs verpflichtet fühlen sondern einzig Osama Bin Laden und Mullah Omar als die Führer eines globalen Dschihad anerkennen. Ein Sprecher der Hamas nannte den salafistischen Sheikh und seine Gründung eines eigenen Emirats "geisteskrank".

Bei Worten sollte es nicht bleiben, denn die Einheiten der Izzadin al Qassam Brigade, des militärischen Flügels der Hamas, machten nach der Freitagspredigt kurzen Prozess mit den Al Qaida Sympathisanten. Es kam zu blutigen Gefechten bei denen bis Samstagmorgen 22 Menschen starben, darunter Zivilisten und wohl auch Sheikh Al Maqdisi selbst. Angeblich legte die Hamas in seinem Haus eine Bombe, tötete ihn und seine Leibwächter.
Zuvor hatten sich die schwerbewaffneten Militanten in den Straßen von Rafah verlustreich niedergemetzelt. Einer der ranghöchsten Kommandeur der Qassam Brigaden, Abu Dschibril al Shimali, den Israel u.a. für die Entführung des Soldaten Gilat Shalit verantwortlich macht, kam dabei ums Leben. Auf der anderen Seite tötete Hamas auch den militärischen "Emir" der Jund Ansar Allah, Abu Abdullah al Suri.

Die Aktion war in den Augen der Hamas die notwendige Reaktion auf die Spaltungsversuche einer Gruppierung die in ihrem ideologischen und politsichen Kurs noch extremer Ansichten vertritt als Hamas selbst. Musik, Kino, Hochzeitsfeiern, Geburtstagspartys, CD und DVD Verkauf, Zigaretten, Fastfood, Internetcafes - all das will Jund Ansar Allah aus dem Leben der Menschen in Gaza verbannen, die härteste, talibanähnliche Form der Sharia durchsetzen und zum allgemein gültigen Strafrecht machen.
Vor dieser Form der ultraorthodoxen Herrschaft erzittern sogar die Hardliner der Hamas. In ihren Augen sind die an Anhängerschaft zunehmenden Salafisten ein Krebsgeschwür im eigenen Land. Durch Hilfe aus dem Ausland, durch Kontakte zu ägyptischen, nordafrikanischen und jordanischen Extremisten, Al Qaida und anderer Gruppen, haben sich in Gaza diejenigen, die Hamas Verrat am Glauben und Kooperation mit dem schiitischen Teufel Iran verwerfen, zusammengeschlossen und werden zu lästigen Rivalen. Die salafistischen Zwerg-Organisation sind für Israel Anlass von der Präsenz des internationalen Terrorismus in Gaza zu sprechen, sie provozieren mit ihrem unterbitterlichen, selbstmörderischen Kurs neue israelische Militäroffensiven.

Absolut einmaliges geschah gestern, ein Kämpfer der Jund Ansar Allah soll sich direkt neben einer Hamas-Einheit in die Luft gesprengt haben. Ein palästinensischer Suizidbomber tötet palästinensische Militante, das ist eine erschreckende Premiere in "Hamastan" und schließt einen zukünftigen Bruderkrieg um Vorherrschaft nicht aus.
Die weltweite Dschihad-Szene äußert sich in den Internetforen erzürnt über die gewaltsame "Aufräumaktion" der Hamas. Für die meisten Anhänger des gewaltsamen Islamismus ist die Massenbewegung zu einem Söldner Irans geworden, Jund Ansar Allah hingegen werden als die "wahren Mujaheddin" verehrt und ihre gefallenen Krieger als Märtyrer gepriesen.



Tuesday, March 31, 2009

Dschihad News V


Propaganda

Ein amerikanischer Gotteskrieger in Somalia



Er nennt sich Sheikh Abu Mansur al Amriki, er spricht amerikanisches Englisch und fließend, beinahe akzentfreies Arabisch. Kaum eine Woche nachdem Osama Bin Laden eine Tonbandnachricht exklusiv an Somalia und die dortigen Mujaheddin-Verbände der Shabaab richtete mit dem Aufruf zum Dschihad gegen all diejenigen die der Einführung der wahren Sharia entgegenstünden, veröffentlichten die somalischen Islamisten heute ein professionelles Propagandavideo, in seiner Bearbeitung von herausragender Qualität die auf eine Unterstützung durch die As Sahab Medienabteilung der Al Qaida schließen lässt. Highlight des etwa halbstündigen Videobandes ist die Person des Abu Mansur, Kommandeur einer Shabaab Mujaheddin Einheit in der Region Baidoa, südlich von Mogadischu. Der bärtige junge Mann stammt aus den USA, zeigt das erste Mal offen sein Gesicht, und spricht ohne Zurückhaltung über geplante Aktionen der islamistischen Miliz gegen äthiopische Truppen. Datiert ist das Video auf den Juli 2008, also eine Zeit in der sich das Militär Äthiopiens noch als Besatzungsmacht in Somalia aufhielt und ständiges Ziel der somalischen Al Qaida Verbündeten war.

Gezeigt wird der amerikanische Gotteskrieger an der Seite von Shabaab Führer Sheikh Mukhtar bei der Planung eines Hinterhaltes an der Straße nach Bardale. Abu Mansur berichtet detailliert über den Verlauf des Angriffs und erzählt von zwei Mitkämpfern die zu „Märtyrern“ sprich von den äthiopischen Streitkräften getötet wurden. Unter diesen „Shuhada“ befand sich ein junger Kenianer namens Abu Qaqa dessen Beerdigung das ebenfalls zeigt Video zeigt. Außer Abu Mansur erscheinen in der Propagandaaufnahme noch drei weitere, maskierte Somalis die aus den USA in das Bürgerkriegsland am Horn von Afrika gereist sind und ihre „Brüder und Schwestern“ auffordern ebenfalls dem Ruf des Dschihad zu folgen und mit den Mujaheddin zu leben.

Nach Informationen der CIA handelt es sich bei dem amerikanischen Dschihadi um einen Ex-Soldat der US Army der bereits in den frühen 1990er Jahren mit den Mujaheddin in Bosnien gekämpft hat. Mehrere muslimische Angehöriger amerikanischer Spezialeinheiten trainierten damals islamistische Kämpfer in deren Dschihad gegen die serbische Armee und erhielten dabei Unterstützung vom amerikanischen und saudischen Geheimdienst.


Jüngst hatten die Shabaab Führer gegenüber arabischen Medien eingeräumt dass in ihren Reihen einige Ausländer, darunter Muslime aus Europa und den USA, kämpfen. Zudem bestätigten Kommandeure der militärischen Einheiten dass eine kooperative Verbindung zu Al Qaida bestehen. Somalische Experte zufolge sei die Zahl der ausländischen Islamisten von ca.100 im Jahr 2008 auf inzwischen mindestens 450 angestiegen. Am 27.März berichtete die AFP von einer steigenden Zahl so genannter "foreign fighters" in Somalia. Zitate:


"Everyone here knows that many foreign fighters are among those who fought us in Bay and Bakol regions," said Colonel Adan Abdullahi, a police officer from the Baidoa region, where clashes have killed dozens in recent months.

"A young man who talked to me said he was from Morocco but the group leader is called Mohamed and he is a white American," a local shop owner who said his life would be in danger if his name was published told AFP.

Residents say many white men are among the newly-arrived Islamic fighters in Baidoa, a town 250 kilometres (155 miles) south of Mogadishu where the country's transitional parliament normally sits.




Sudan/Israel

Sie kamen nachts…



Vom Zeitpunkt als der Mossad über einen Informanten im Iran über die bevorstehende Aktion erfuhr bis zum ausgeführten Luftschlag vergingen nur knapp neun Tage.

Etwas über eine Woche hatte der israelische Geheimdienst Zeit einen Plan für eine militärische Operation zu entwickeln die äußerst riskant und politisch sehr heikel einzustufen ist. Es war die Zeit des Gazakrieges, Mitte Januar, die ganze Welt hatte ihre medialen Augen auf den schmalen Streifen palästinensisches Gebiet an der Grenze zu Ägypten gerichtet. Die Hamas verlor durch hunderte israelische Luftschläge etliche ihrer Waffen-, Munitions- und Raketenlager, ein großer Teil ihres militärischen Materials wurde zerstört, dazu kamen noch hunderte getötete Kämpfer, darunter hochrangige Kommandeure, Bomben- und Qassam-Raketen-Bauer.

Anders als viele erwarteten griff die libanesische Hisbollah nicht zur Unterstützung der palästinensischen Militanten in den Konflikt ein, es entstand keine zweite Front im Norden Israels, Hamas schien alleine der übermächtigen israelischen Armee widerstehen zu müssen. Ernsthaft konnte man aber nicht davon ausgehen dass der Hamas-Gönner und Finanzier Iran tatenlos zusehen würde wie ihre Marionetten in Gaza vernichtet wurden. Mehrfach hatten die Israelis darauf hingewiesen dass die Islamischen Republik versuchen würde über Umwege Waffen und Material in die Palästinensergebiete zu schmuggeln. Einer dieser Umwege führt über den Sudan, einem Nachbarstaat zu Ägypten unter islamischer Herrschaft des Diktators Omar Hassan al Bashir.

Iran plane eine große Waffenlieferung über sudanesisches Gebiet nach Ägypten und von dort aus über die Grenze nach Gaza zu transportieren, diese Information bekam der Mossad Anfang Januar 2009. Ohne große Verzögerung entschied sich das israelische Militär für einen Angriff auf diese Bedrohung die auf keinen Fall in die Hände der Hamas gelangen durfte. Erst jetzt, fast drei Monate nach der Aktion, sickerte zu den Medien die Informationen über einen israelischen Luftangriff im Sudan auf einen Konvoi von Waffenschmuggeln, durch. Dutzende Tote, viele zerstörte Fahrzeuge, ein angeblich versenktes Frachtschiff – so etwa lauteten die ersten Meldungen über die Geheimoperation.

Von israelischen Quellen kommen nun präzisere Angaben über das was sich da Mitte Januar in der sudanesischen Wüste abspielte.

Eine große iranische Lieferung an Waffen, Sprengstoffen, Munition, Minen und Raketen traf Anfang des Jahres 2009 in Port Sudan per Frachtschiff ein. Wahrscheinlich durch den iranischen Geheimdienst, vielleicht auch durch sudanesische Kräfte, sei dann von dort aus ein LKW-Konvoi organisiert worden, bestehend aus Schmugglern und bezahlten Fahrern, die 120 Tonnen Material von der Küste aus durch die Wüste Richtung Ägypten transportieren sollte. Neben dem üblichen Kriegsgerät sprich Kalaschnikwos, RPG-Panzerfäusten, Handgranaten und Scharfschützengewehren gehörten zu den iranischen „Geschenken“ für die Gaza-Militanten lenkbare Anti-Panzer-Geschosse, hochexplosive Sprengstoffe, panzerbrechende Minen, mehrere Gradraketen und Geschosse vom Typ „Fajir“ mit einer 25 Meilen Reichweite und 45kg Sprengköpfen. Israels Führung wollte die Lieferung dieser Waffen an die Hamas um jeden Preis verhindern, kam schnell zu dem Schluss dass ein militärischer Angriff verhindern könnte dass der Konvoi Gaza erreicht. Um eventuelle Soldaten aus Feindgebiet retten zu können verlegte die israelische Marine zwei Schiffe mit Rettungshubschraubern in das Rote Meer vor die sudanesische Küste. Der eigentliche Angriff erfolgte von Israel aus durch die Luftwaffe der IDF. Mit „dutzenden“ F-16 Kampfjets attackierte der jüdische Staat nachts den aus 23 Trucks bestehenden Konvoi, der Port Sudan verlassen hatte und sich in der Wüste nördlich der Staat auf dem Weg nach Ägypten befand. Überwachen ließen die Israelis den Angriff aus der Luft durch mehrere High-Tech-Dronen. Nach der ersten Welle der Angriffe konnte man so ausmachen dass der Konvoi nicht komplett zerstört worden war, und ließ einen zweiten Luftschlag ausführen der letztendlich sämtliche Fahrzeuge zerstörte, laut verschiedener Berichte kamen etwa 40 Personen darunter Fahrer aus Ägypten, Eritrea, Äthiopien und dem Sudan ums Leben. Angeblich begleiteten auch Angehörige des iranischen Geheimdienstes den Trupp und starben durch die israelischen Bombardements.

Israel hatte zuvor die amerikanische Seite von der Geheimoperation unterrichtet, die mitwissend weder eingriff noch unterstützte. Wie nicht anders zu erwarten stießen die israelischen Kampfjets nicht auf sudanesische Gegenwehr, konnten ohne Probleme wieder über das Rote Meer nach Israel zurückkehren.

Zwar will man bis heute in Jerusalem und Tel Aviv nichts mit der Zerstörung des Schmugglerkonvois zutun haben, trotzdem frohlocken israelische Beobachter und werten diese Meldung als symbolische Geste in Richtung Teheran.



Irak/Afgh-Pakistan

Krisensitzung bei Al Qaida?



Wie einigen Medienberichten letzte Woche zu entnehmen war gibt es Hinweise darauf dass der Führer der irakischen Al Qaida Abu Ayyub al Masri Mitte März 2009 in das pakistanische Stammesgebiet gereist sei um sich dort mit der Al Qaida Führung rund um Ayman al Zawahiri zu treffen.

Mulla Nazim al Juburi, ein ehemaliger Kommandeur der Al Qaida im Irak, berichtet in einem Interview mit arabischen Medien davon dass Al Qaida´s Dachorganisation „Islamic State of Iraq“ eine Allianz mit der konkurrierenden Ansar al Sunnah eingegangen sei um den Dschihad im Irak künftig effektiver zu organisieren. Beide Gruppen haben seit über einem Jahr schwer unter den Anti-Terror-Einsätzen der US Armee und der irakischen Sicherheitskräfte gelitten, unzählige ihrer Kämpfer konnten getötet, hunderte inhaftiert werden. Erst jüngst meldete ein amerikanisches Institut in einer Analyse, Al Qaida im Irak sei im Begriff auszusterben, das Netzwerk funktioniere nur noch in Teilen und sei nicht mehr in der Lage die Sicherheitslage des Landes dramatisch zu beeinflussen. Dies mag ein Grund sein warum der Bin Laden Vertraute al Masri und der kurdische Ansar al Sunnah Führer Abi Abdullah al Shafai vom Irak aus über den Iran nach Pakistan gereist seien um sich dort mit der Nr.2 der Al Qaida Führung zu treffen. Um nichts anderes als um die Zukunft der Organisation im Irak wird es bei dieser Krisensitzung gehen, sollten die Berichte korrekt sein. Immer häufiger hieß es Zawahiri sei mit der Situation im Irak unzufrieden, seit dem Tod von Abu Mussab al Zarqawi habe die Organisation der Gruppe gelitten, Rivalitäten zwischen verschiedenen Kommandeuren und Emiren haben dazu geführt dass absurde Hierarchien und Abteilungen entstanden unter denen die Effektivität des Netzwerkes litt. Al Qaida kämpft heute im Irak an zu vielen Fronten, die Stärke die die Gruppe zu Zarqawis Zeiten aufwies ist längst Geschichte. Nicht nur amerikanische und irakische Truppen, auch kurdische Sicherheits- und Geheimdienste, schiitische Milizen und sunnitische Söldner der „Awakening Councils“ machen Jagd auf die Dschihadisten. Verstärkte Aktivitäten der syrischen und jordanischen Geheimdienste machen es zudem immer schwieriger für Al Qaida Rekruten über die Nachbarländer in den Irak zu schleusen. Die ausländischen Kämpfer sind dabei besonders wichtig denn sie stellen einen Großteil der Selbstmordattentäter, die für große, spektakuläre Aktionen nötig sind.
So hat sich die irakische Al Qaida in den letzten Jahren das eigene Grab geschaufelt und wird nun in dem von ihr selbst angezettelten Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zerrieben. Daran werden wohl die Ratschläge und Anweisungen der Organisationsspitze die sich im Stammesgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan aufhält, nichts ändern können.



Jemen/Saudi-Arabien

Ehemaliger Dschihadi: „Iran finanziert Al Qaida!“



Noch vor wenigen Monaten gehörte er zu den meistgesuchten Terroristen der Arabischen Halbinsel. Inzwischen gilt Mohammed al Qufi alias Abu al Hareth als „geheilter Dschihadi“ der seine Ideologie abgeschworen habe. Zu Beginn des Jahres sorgte sein Name für Aufsehen denn er war einst Häftling in Guantanamo und kehrte nach seiner Entlassung in die Reihen der Al Qaida zurück um den Dschihad gegen die Ungläubigen fortsetzen zu können. Al Qufi schloss sich dem jemenitischen Ableger der Terror-Netzwerkes an, schwor dem „Emir der Arabischen Halbinsel“ Al Wahayshi die Treue und tauchte dann in einem Propagandavideo an der Seite gesuchter saudischer und jemenitischer Terroristen auf. Lange hielt die zweite Dschihad-Karriere nicht, der 35jährige ergab sich den saudischen Behörden nachdem sein Name auf einer Liste der 85 meistgesuchten Islamisten des Landes auftauchte.

Letzten Freitag erzählte der Ex-Dschihadi einer arabischen Zeitung mit Sitz in Paris, seinen Weg von Guantanamo bis in die „Rehabilitations-Zentren“ des saudischen Königreichs. Zudem verriet er dass angeblich der Iran Hauptfinanzier der Al Qaida sei. Das Netzwerk fahre eine neue Strategie, nutze den Jemen als Trainingscamp und Rückzugsort von dem aus Anschläge gegen die Öl-Industrie Saudi-Arabiens gestartet werden sollen. Unterstützung für Al Qaidas Pläne im Jemen käme hauptsächlich von zwei Staaten, dem Iran und Libyen. Beide hätten großes Interesse daran das vor 1962 existierende schiitische Zaiditen-Emirat wieder zu errichten und deshalb die jemenitische Regierung zu stürzen. Aus diesem Grund wären bereits Millionengelder über die zaiditischen Klans an Al Qaida Islamisten geflossen um damit Anschläge gegen die Regierung von Präsident Abdullah Saleh durchzuführen.

An dieser Darstellung regen sich einige Zweifel, schließlich gelten die Schiiten, gerade die verschiedenen heidnischen Sekten wie die Zaiditen und Yaziden, unter den salafistischen Sunniten der Al Qaida als „Teufelsanbeter“, „ungläubige Ketzer“ und „Gotteslästerer“. Wo immer Al Qaida in den letzten Jahren aktiv wurde erschienen die dort lebenden Schiiten als absolute Todfeinde. Zarqawi rief zum grenzenlosen Krieg gegen die „Perser“, die Taliban massakrierten nicht nur einmal die afghanischen Hazara-Schiiten, in Pakistan vergeht keine Woche ohne dass eine schiitische Moschee brennt oder ein Selbstmordattentäter schiitische Pilger oder Hochzeitsgesellschaften in die Luft sprengt. Wie also sollte eine solche Allianz zwischen Osama Bin Ladens Netzwerk und der Mullah-Theokratie in Teheran entstehen? Sollte man hier und da vielleicht gemeinsame Feinde ausmachen können dürfte das wohl kaum für eine Überbrückung der konfessionellen Differenzen ausreichen. Zuviel Blut floss auf beiden Seiten als dass der Iran Al Qaida all die Massaker und Hinrichtungen im Irak vergeben könnte und die radikalen Sunniten hinwegsehen über die Gräueltaten der schiitischen Milizen.
Viel sinnvoller erscheint eine propagandistische Ausschlachtung des Dissidenten Al Qufi, der ganz bewusst Iran und Al Qaida in einem Atemzug nennt. Nichts käme dem saudischen Regime mehr gelegen als die iranischen Erzfeinde mit den weltweit geächteten Terroristen in Verbindung zu bringen. Wenn selbst aus den inneren Kreisen der Al Qaida nun Hinweise auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Iran und den Islamisten käme dann reihte sich dies nur ein auf der Liste der Gründe weshalb ein Regime-Wechsel in Teheran nötig wird. Saudi-Arabien hat großes Interesse daran den Iran in einem möglichst negativen, gefährlichen Licht darzustellen. Zu diesem Zweck wird jetzt sogar auf billigste Art und Weise ein angeblicher, ehemaliger Gegner der saudischen Führung präsentiert der von einer „Terror-Allianz“ von Tripolis bis Teheran.




Saturday, March 21, 2009

Wieviel ist ein Leben wert?


In einer Region in der ein neuer Tag Krieg bedeuten kann bekommt der Wert eines Lebens eine völlig andere Bedeutung. Israel stellt sich zurzeit die Frage weshalb die Politik nicht das Leben eines jungen Soldaten, eines Staatsdieners in Militäruniform, gegen 1,000 Palästinenser eintauscht. Diesen Preis ist die israelische Bevölkerung bereit zu zahlen um den verlorenen Sohn Gilad Shalit nach Hause zu holen, der vor 1,000 Tagen von der Hamas im Gazastreifen entführt wurde und seitdem Spielball und Faustpfand der Politik. Freiheit für einen israelischen Soldaten bedeutet vielleicht bald schon die Freiheit für hunderte, vielleicht tausend palästinensische Terroristen. Hier endet rationale Politik, hier endet interessengesteuerte Diplomatie, kommen Prinzipien zum erliegen. Niemand will Henker sein, ein Volk ist vereint in einem gemeinsamen Appell an Menschlichkeit und Vernunft.



Es geschah früh morgens, die Sonne war noch kaum zu erahnen, die Umgebung wirkte in den frühen Stunden ruhig und friedlich. Sie kamen durch einen selbst gegrabenen Tunnel, kaum schmal genug um sich durch ihn kriechend zu zwängen. Wie viele Angreifer es waren kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, aber sie waren schwer bewaffnet und hatten eine klare Mission: Kidnapping. Mehrere maskierte militante Palästinenser gelangten an jenem Morgen des 25.Juni 2006 vom südlichen Gaza-Streifen aus durch einen unterirdischen Gang auf die israelische Seite des Grenzzauns, nach Kerem Shalom, einem Grenzübergang direkt an der israelisch-ägyptischen Grenze.

Auf der anderen Seite waren israelische Soldaten in einem Außenposten stationiert. Sie ahnten nichts von der Gefahr, hatten keine Hinweise auf bevorstehende Anschläge erhalten und wähnten sich auf ihrem Terrain sicher. Einer der jungen Männer die an diesem Morgen ihren Dienst für die Israeli Defense Force taten war Gilad Shalit, damals 19 Jahre alt und frisch beim Militär, ein unerfahrener Soldat der sich ein Jahr zuvor freiwillig einer Kampfeinheit angeschlossen hatte um dem Beispiel seines älteren Bruder zu folgen der ebenfalls in der israelischen Armee diente.

Den palästinensischen Angreifer gelang es die Soldaten aus dem Hinterhalt anzugreifen, das Überraschungsmoment war auf ihrer Seite. Es kam zu einem Feuergefecht zwischen IDF Soldaten und Terroristen bei dem zwei Palästinenser und zwei Israelis ihr Leben ließen. Gilad Shalit erlitt Verletzungen am Rücken und brach sich die linke Hand. Als verwundeter war er für das palästinensische Terrorkommando ein leichtes Opfer die ihn nicht töten sondern lebend kidnappen wollten. Sie schleppten den jungen Soldat durch den Tunnel aus dem sie gekommen waren in den Gazastreifen, verschwanden mit ihm im Häusermeer und Gassengewirr der Flüchtlingslager jenseits des Grenzzauns.

Seit jenem Tag vor drei Jahren beschäftigt der Fall des entführten Armeeangehörigen nicht nur Israel sondern beeinflusst den gesamten Nahostkonflikt und zieht sogar weltweite diplomatische Kreise. Heute genau vor 1000.Tagen wurde Gilad Shalit Geisel der Hamas, seitdem wird um sein Schicksal verhandelt, Politiker bemühen sich um seine Freilassung, seine Familie kämpft entschlossen für seine Rückkehr.

Ganz Israel kennt das Gesicht des Entführten inzwischen, viele kennen seine Lebensgeschichte, wissen um den Schmerz seiner Eltern und das Versprechen der israelischen Armee keinen ihrer Soldaten jemals zurückzulassen, tot oder lebendig. Das letzte Mal geriet 1994 ein israelischer Soldat in die Gewalt palästinensischer Entführer, damals starb die Geisel beim Versuch der israelischen Armee ihn aus den Händen der Hamas zu befreien.

Bis jetzt hat Israel keinen Befreiungsversuch unternommen, kein Lösegeld ist geflossen, keine Forderung wurde erfüllt. Am Tag nach der Entführung bekannte sich die Hamas zusammen mit dem Popular Resistance Committee und der Jaish al Islam zu der Aktion und erklärte man habe erfolgreich einen zionistischen Soldat entführt der gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen ausgetauscht würde. Frauen und Minderjährige wolle man mit der Geiselnahme freipressen. Vorbild für diese Form der terroristischen Kriegsführung fand die Hamas eindeutig im Libanon. Vielfach versuchte Hisbollah in der Vergangenheit israelische Soldaten lebend zu entführen, ihr gelang es sogar Körperteile getöteter IDF Mitglieder gegen inhaftierte Hisbollah-Kämpfer auszutauschen. Nun versucht Hamas sich den Kodex der israelischen Armee zu nutze zu machen. Immer wieder beschwören die Kommandeure der IDF dass kein Soldat der auf dem Schlachtfeld getötet oder verwundet wird jemals im Stich gelassen werden kann, koste es was es wolle. Im Jahr 2004 war dem israelischen Staat eine Rückgabe von drei Soldaten-Leichnamen durch Hisbollah die Freilassung von insgesamt 450 palästinensischen und libanesischen Gefangenen wert. Ähnliches erhofft sich seit 2006 die Hamas.

Erste Reaktionen auf die Entführer Shalits bekam die radikalislamische Palästinenserbewegung schon drei Tage nach dem Überfall zu spüren. Mit der Operation „Sommerregen“ hofften die israelischen Militärs die Geisel so schnell wie möglich aus den Händen der Islamisten zu befreien. Luftschläge auf Einrichtungen der Hamas und die Infrastruktur in Gaza ebneten den Weg für eine Bodenoffensive in deren Verlauf Gilad Shalit jedoch nicht aufgespürt werden konnte. Für die Regierung Israels stand fest dass der Befehl für die Entführung israelischer Armeeangehöriger nicht von der Hamas-Führung in Gaza sondern von der ausländischen Exil-Leitung der Organisation in Damaskus kam. Hamasführer Khalid Mashaal habe, so hieß es aus israelischen Quellen, den bewaffneten Flügel in Gaza dazu aufgefordert nach Hisbollah-Vorbild Soldaten zu verwunden und danach lebend zu kidnappen. Wie Todesengel flogen deshalb am 28.Juni 2006 vier israelische F-16 Kampfjets über den Wohnsitz von Syriens Präsident Bashar al Assad. Israel warnte damit direkt den syrischen Herrscher davor weiterhin Terroristen zu unterstützen. Weiter sollte diese symbolische Aktion natürlich auch die Auslandsführung der Hamas einschüchtern und klar machen dass man auch bereit ist außerhalb der palästinensischen Gebiete zuzuschlagen.

Ägypten, als direkter Nachbar zum Gaza-Streifen schickte währenddessen 2,500 Polizisten an die Grenze um eine Verschleppung Gilad Shalits in den Sinai zu verhindern. Verhaftungen von palästinensischen Offiziellen, Bombardierung von Hamas-Infrastruktur, Tötung von gesuchten Terroristen, Druck auf die Palästinenserregierung von Mahmud Abbas, all das brachte den entführten Soldaten nicht zurück, Israel musste die Militäroperation beenden in der Einsicht dass nun wohl doch die Waffen schweigen und die Diplomatie einsetzen müsse.

Hamas war es gelungen während der gesamten Phase israelischer Angriffe und Razzien im Gaza-Streifen ihre Geisel zu verbergen. Zunächst hieß es Shalit werde in Rafah festgehalten, wenig später kamen Meldungen er sei von einem palästinensischen Arzt in Gaza-Stadt aufgrund seiner gebrochenen Hand behandelt worden.

Es folgte eine Zeit der Ungewissheit, der politischen Verhandlungen und der Geheimdienste.

Im westlichen Galiäa, im kleinen Siedlung Mitzpe Hila nahe der libanesischen Grenze, wartet Familie Shalit nun seit Jahren auf die Rückkehr ihres Sohnes. Hier wuchs Gilad auf, weit weg von den großen israelischen Städten, in einer Region in der man die Spannungen des Nahostkonflikts immer wieder hautnah erlebte. Sein älterer Bruder Yoel trat ebenfalls mit 18 der israelischen Armee bei und diente in einer kämpfenden Einheit in den Palästinensergebieten, Gilad trat in seine Fußstapfen, unterstützt von den Eltern und der jüngeren Schwester. Da sein Vater Noam Shalit mit der Großmutter aus Frankreich nach Israel immigrierte besitzt Gilad neben der israelischen auch eine französische Staatsbürgerschaft. Frankreichs Präsident Sarkozy ist deshalb höchst engagiert an der Freilassung des Verschleppten mitzuwirken. Inzwischen wurde der entführte Israeli sogar zum Ehrenbürger von Paris und Rom ernannt, die internationale Diplomatie bemüht sich mit größtem Einsatz für seine Rückkehr, bisher ohne Erfolg.

Wieder und wieder starteten verschiedene Seiten des Konflikts Gesprächsversuche, ägyptische, französische, britische, deutsche und jordanische Mittelsmänner versuchten zwischen der israelischen Regierung und der Hamas zu vermitteln. Monate nach seinem Verschwinden tauchte dann das erste Lebenszeichen auf, Indiz dafür dass Shalit die israelischen Militäraktionen in Gaza im Juni und Juli 2006 unbeschadet überstanden hat. Ägyptische Unterhändler übergaben der Familie des Entführen einen handgeschriebenen Brief, im Oktober dann soll es erstmals zu konkreten Verhandlungen gekommen sein die aber schnell scheiterten.

Aus Syrien kam dann von Hamas Führer Mashaal im November 2006 die Nachricht der israelischen Geisel gehe es gut, Gilad Shalit sei gesund und werde gut behandelt. Nur wenig später bot Hamas an ein Video an Israel zu übergeben wenn der jüdische Staat im Gegenzug alle palästinensischen Frauen und Minderjährigen aus den Gefängnissen entließe. Sowohl die Regierung als auch Gilads Vater lehnten dieses Angebot ab. „Ich möchte meinen Sohn wieder haben, nicht irgendein Video von ihm oder einen Brief“, so Noam Shalit im Januar 2007.

Monate vergingen ohne große Ergebnisse, dann meldete eine israelische Zeitung im März 2007 Hamas und Jerusalem seien sich einig über die Konditionen einer Freilassung, es gehe bei den Verhandlungen nur noch um einige wenige palästinensische Häftlinge deren Übergabe Hamas verlange. Eine Liste mit 1,300 Namen sei über Ägypten an die israelische Seite übergeben worden hieß es im April 2007, diese Inhaftierten wolle Hamas gegen Shalit austauschen. Israels politische Führung lehnte diese Forderung wohl ab, jedenfalls wurden die Gespräche kurze Zeit später auf Eis gelegt, wohl auch weil sich auf der Namensliste einige hochrangige Terroristen und mehrfache Mörder befanden die Israel unter keinen Umständen auf freien Fuß setzen wollte.

Zwei weitere Briefe schrieb Shalit im Jahr 2008 an seine Familie, Ex US-Präsident Jimmy Carter reiste in den Nahen Osten, traf den Vater des Entführten und versprach sich für ihn einzusetzen als er nach Damaskus reiste und die dortigen Hamas-Vertreter zum Gespräch lud. Wenig ergebnisreich verkündete Hamas am 12.August 2008 man werde die Verhandlungen über das Schicksal der Geisel so lange nicht fortführen bis Israel die Blockade des Gaza-Streifens aufhebe. Der Sicherheitsrat der UN schlug auf seiner Tagung eine Woche später vor Gilad Shalit für die Begnadigung von 200 palästinensischen Häftlingen freizulassen. Von Seiten der Hamas kam eine klare Absage, denn die 200 zu entlassenen Palästinenser waren überwiegend Anhänger der Fatah und somit würden die internen Kämpfe der palästinensischen Fraktionen nur verstärkt.

Über all die Jahre hat sich in Israel selbst eine Gruppe von Aktivisten zusammengetan die Druck auf die Politik ausüben möchte. Mit Anzeigen in Zeitungen, Auftritten in den Medien und Demonstrationen vor Regierungsgebäuden wollen die Anhänger der „Free Gilad Shalit“ Bewegung auf das Schicksal des inzwischen 22jährigen Israeli aufmerksam machen. Durch Fotos und ständige Appelle an die Politik bleibt Gilad Shalit im Gedächtnis der Israelis und ist sogar ein bestimmendes Thema der Innenpolitik geworden. Kaum ein Politik der nicht verspricht der Entführte müsse nach Hause zurückkehren selbst wenn dadurch Zugeständnisse an Terroristen nötig seien.

Fatalerweise musste Shalits Familie Ende 2008 erleben wie Israel mit seiner Operation „Gegossenes Blei“ einen noch nie zuvor erlebten Bomben- und Raketenregen über dem Gaza-Streifen niedergehen ließ. Die massiven Luftschläge forderten hunderte Tote am Boden, zerstörten unzählige Gebäude, Straßen, Tunnel, Waffenlager und Werkstätten der Hamas. Israels Armeeführung konnte noch so oft beteuern man habe die Ziele sorgfältig ausgewählt und gehe mit bis dahin ungeahnter Präzision gegen die terroristische Infrastruktur vor, die Gefahr bestand dass möglicherweise Gilad Shalit durch israelisches Feuer verletzt oder getötet wurde. Hunderte Ziele griff die IDF in den Wochen bis Ende Januar 2009 an, vom südlichen Gaza-Streifen bis in das nördliche Khan Younis. Wo genau Hamas den Israeli gefangen hielt ließ sich nur erahnen, vielleicht wussten die Quellen des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet genaueres über den Aufenthaltsort, alles andere wäre ein gefährliches Spiel mit dem Leben der Geisel gewesen.

Der Vize-Chef des Politibüros der Hamas Abu Marzuk sagte am 11.Januar 2009 der Londoner Zeitung Al Hayat Shalit sei eventuell verwundet worden, oder auch nicht. Es spiele keine Rolle mehr wie es ihm gehe, man habe kein Interesse mehr darin ihn gut zu behandeln denn er sei nicht mehr wert als eine Katze oder sogar weniger. Bei dieser Aussage spielte natürlich die Wut angesichts der über 1,400 palästinensischen Opfer der Militäroperation eine große Rolle, denn Hamas weiß sehr genau welchen Wert der gefangene Israeli hat. 1,000 Palästinenser sei man bereit für Gilad Shalit auszutauschen, bot Israel am 26.Januar 2009 an. Die für Hamas äußerst schmerzliche Operation „Gegossenes Blei“ hat sicherlich dazu beigetragen die palästinensische Organisation an den Verhandlungstisch zu bomben. Unter dem Druck des Militärs, der tagtäglichen Verluste und der sich abzeichnenden Hilflosigkeit gegenüber den israelischen Angriffen würde sich Hamas zu weitaus geringeren Konditionen auf einen Deal einlassen, soweit die Hoffnungen der Israelis. Dass nach den Waffen wieder die Diplomatie sprechen würde war klar, dass man sich über Gilad Shalit einig werden würde jedoch reine Utopie. Für die neue israelische Führung geht es jetzt nach dem Wahlkampf um neue Ansätze im Nahostkonflikt, erst jetzt kann man Verhandlungspartner wählen und ernsthafte Gespräche beginnen.
Hinter den Verhängen dürften diese bereits begonnen haben, immer wieder sickert nach außen es gebe ständig ein Thema bei dem sich beide Seiten nicht einigen können, die Frage der so genannten „hochkarätigen Häftlinge“, dabei handelt es sich meist um Terrorführer, Kommandeure bestimmter Hamas-Einheiten, Bombenbauer auf deren Konto dutzende tote Israelis gehen. Zudem inhaftierte Israeli im Laufe der letzten Jahre mehrfach palästinensische Politiker unter dem Verdacht der Terrorunterstützung, darunter viele Hamas-Funktionäre und Fatah-Offizielle. 450 dieser hochkarätigen Gefängnisinsassen möchte die Hamas nach Hause in den Gaza-Streifen und in die Westbank holen, nur ein Bruchteil der insgesamt 8,300 Palästinenser in israelischen Zellen. Ob Israel bereit ist diesen Preis für Gilad Shalit zu zahlen fragen sich dieser Tage viele Beobachter. Das Versprechen den jungen Soldaten heim zu bringen steht, die Forderungen der Hamas ändern sich zwar kreisen aber trotzdem immer wieder um diesen einen Punkt. Im Fall der Hisbollah war man nicht nur einmal bereit hunderte teilweise hochrangige Terroristen freizulassen nur um Körperteile getöteter IDF Soldaten wieder zu bekommen, anders verhält sich dies wenn die Verhandlungen mit dem direkten Nachbarn geführt werden und einer Gruppierung die anders als Hisbollah keine Gesetze des Krieges respektiert und sich kaum an offizielle Abmachungen hält.

Aus Sicht der palästinensischen Führung kann ein Gefangenenaustausch schwerwiegende Folgen haben. Etliche Personen auf der Wunschliste gehören zur Gruppe der ehemaligen Fatah-Mitglieder die zu Beginn der 2.Intifada einen radikaleren Kurs eingeschlagen haben als die Parteimehrheit. Der prominenteste Name dürfte Marwan Barghouti sein, der im Volksmund genannte „Vater der Intifada“. Israels Armee verhaftete den mittlerweile 49jährigen Hardliner im April 2002 in seinem Heimatort bei Ramallah. Im anschließenden Gerichtsverfahren wegen Beteiligung terroristischer Aktivitäten und Anklage wegen mehrfachen Mordes wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt. Barghouti gilt als Gründer und ranghöchster Führer der Al Aqsa-Brigaden, die als militärische Einheit der Fatah den nationalistischen Terror gegen Israel während der 2.Intifada intensivierte. Über die Jahre in Haft entfernte sich der ehemalige Vertraute Yassir Arafats mehr und mehr ideologisch von der Fatah und der PLO. Insider berichten er es mittlerweile zwar auf keinem Pro-Hamas-Kurs aber lehne dennoch die Politik von Mahmud Abbas ab. Wichtig bei der Diskussion um die Person Barghouti ist dass es sich bei ihm wohl um den bekanntesten und beliebtesten palästinensischen Politaktivisten in Israels Gewahrsam handelt. Sollte er frei kommen hat er gute Chancen aus den nächsten Wahlen als neuer palästinensischer Premier hervorzugehen. In der PLO hält sich die Freude über eine bevorstehende Freilassung Marwan Barghoutis in Grenzen, das „schwarze Schaf der Fatah-Familie“ könnte zur verhängnisvollen Konkurrenz für die Palästinenser-Regierung werden. Gerade Israel müsste besorgt sein dass eine neue Hardliner-Generation des patriotisch-palästinensischen Lagers nach Freilassung des charismatischen Führers Barghouti in der Westbank dominierende Kraft werden könnte.

Unabhängig davon unter welchen Konditionen ein Deal zu Stunde kommen wird stellt sich die Frage wie es der Hamas gelang über drei Jahre lang eine Person vor den israelischen Geheimdiensten, Aufklärungsflugzeugen, Drohnen, Spitzeln und Agenten zu verstecken. Vor zwei Jahren war zu erfahren dass zwar zwei weitere palästinensische Widerstandsgruppen an der Entführung beteiligt waren, der militante Flügel der Hamas, die Izzaddin al Qassam Brigaden allerdings diejenigen seien die Shalit in ihrer Gewalt haben. Dem straf organisierten militärischen Teil der Organisation scheint es gelungen zu sein einige Einheiten aufzubauen die exklusiv mit der Bewachung und Verwahrung der israelischen Geisel beauftragt sind. Im Gaza-Streifen, einem der dichtbesiedelsten Orte der Welt, einem Landstrich von der Größe Hessens, eine Nadel im Heuhaufen zu finden ist keine einfache Aufgabe, trotzdem für die allgegenwärtigen israelischen Geheimdienste kein Ding der Unmöglichkeit. Anscheinend verzweifeln diese an der Strategie der Hamas ihre wertvolle Beute ständig von einem Versteck zum anderen zu schaffen, keine Mobiltelefone und sonstige Elektronik in seiner Umgebung zu benutzen und den Kreis derer die den Aufenthaltsort kennen so klein wie möglich zu halten.

Hamas möchte so schnell wie möglich einen Gefangenenaustausch stattfinden lassen, dies lässt sich eindeutig an Aussagen und Reaktionen ihrer Vertreter ablesen. Lange wird man nicht mehr geheim halten können wo sich Gilad Shalit befindet und das ewige Geschacher um palästinensische Namenslisten dürfte langsam aber sicher zu Frustration führen denn die vorangegangenen Deals mit Hisbollah ließ Israel wesentlich zügiger über die Bühne gehen. Während Abu Marzuk, Vize von Exil-Führer Mashaal heute verlauten ließ man möchte so schnell wie möglich zu einem Ergebnis bei den Verhandlungen kommen, tönt sein ranghöherer Kampfgenosse sollte Israel sich nicht bereit erklären die Forderungen der Hamas zu erfüllen, werde man noch mehr Soldaten entführen.


Tagelang campen die Familie des Verschleppten und ihre Unterstützer nun vor dem Haus des israelischen Premiers Olmert in Jerusalem und verlangen eine finale Entscheidung von der Politik. Deren Gespräche mit Vertretern der Hamas in Kairo wurden diese Woche abgebrochen, weil man sich nicht sofort einigen konnte. Ehud Olmert entscheidet sich wohl nun eine Frist zu setzen bis zu der die neue israelische Regierung eine Unternehmung beschlossen haben soll. Solange muss sich die Familie Shalit noch gedulden, etwas was nach 1000.Tagen Geiselhaft noch zu verkraften wäre, gebe es denn auch nur das kleinste Anzeichen einer Bewegung, einen Hoffnungsfunken anstatt ständig nur negative Meldungen aus den dutzenden Verhandlungsrunden. Gilad Shalits Angehörige durchleben einen unvorstellbaren Albtraum der endlich zu einem guten Ende kommen muss. Zeit kann ein gefährlicher, tödlicher Gegner sein, das beweist das Schicksal von Ron Arad, dem israelischen Navigator der 1986 über dem Libanon mit seinem Kampfflugzeug abgeschossen wurde, sich mit dem Fallschirm retten konnte, dann aber von Hisbollah-Kämpfern verschleppt wurde und nicht mehr aufgetaucht ist. Briefe und Videoaufnahmen sind neben inzwischen freigetauschten Militäruniformen und Ausrüstung das einzige was die schiitische Miliz von ihrer ehemaligen Geisel übergeben kann. Arad sei, das behauptete Hisbollah im letzten Jahr, schon kurz nach seiner Entführung an iranische Geheimdienstler und Militärs übergeben worden die ihn über Syrien in den Iran gebracht hätten, dort verliert sich die Spur, wahrscheinlich verstarb die Geisel dort in Haft oder erlag erlittenen Verletzungen auf dem Weg dorthin.

Gleiches darf Israel im Fall Gilad Shalit nicht zulassen. Die ethische Kodex der IDF, so betonte es auch der Premierminister, kann nicht gebrochen werden, Israel lässt keinen Soldaten zurück.

Lehrreich dürfte der Ausgang dieser Entführung und des jahrelangen Martyriums wohl für die Palästinenser sein. Wieder einmal beweist Israel, dass jüdisches Leben mehr wert ist als arabisches, dass Prinzipien keine mehr sind wenn es um eigene Staatsbürger geht. Jerusalem wird einen hohen Preis zahlen um den verlorenen Sohn nach Hause zu holen, die terroristischen Feinde des Judenstaates haben längst ihre Lehren gezogen aus dieser Taktik.