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Friday, September 3, 2010

"Hackt seinen Kopf ab!" - Prediger ruft zur Enthauptung von Geert Wilders auf



Feiz Mohammad gehört zu den Predigern, deren englischsprachige Ansprachen selbst aus dem Exil noch Ozeane überwinden und junge Muslime im Westen mit der salafistischen Ideologie fesseln. Der 40jährige gebürtige Libanese lebte lange, bis zum November 2005, in Australien und schockte dort mit seinen internen Predigten, bei denen er u.a. behauptete ein junges Mädchen, das vergewaltigt wird, trage selbst die Schuld für die Tat, durch ihre aufreizende Kleidung, Make-Up und ihr Verhalten.
Mehrfach rief Mohammad dazu auf, muslimische Kinder zu Dschihadisten zu erziehen. "Wir wollen viele Kinder haben und sie zu Soldaten machen, die den Islam verteidigen", so Mohammad.

Australische Sicherheitsbehörden sahen in ihm ein Risiko, beschlagnahmten mehrfach DVDs und CDs des Predigers. Letztendlich verließ der charismatische Salafisten-Prediger Downunder und lebt seitdem im Libanon. Per Video-Live-Schaltung erreicht Feiz Mohammad weiterhin seine Anhängerschaft in Europa, Nordamerika und Australien, auch in Moscheen und Kulturzentren.

Eine solche Predigt wurde nun der niederländischen Zeitung "Telegraaf" zugespielt. Darin zu hören ist Mohammad mit seinem australischen Akzent, der erklärt, ein "dreckiger Politiker in Holland", womit er höchstwahrscheinlich den Rechtspopulisten und Islam-Feind Geert Wilders meint, müsse getötet werden, weil er den Islam und den Propheten Mohammad beleidigt habe.


MusicPlaylist
Music Playlist at MixPod.com



"...das ist der Grund warum dieser Satan, dieser Teufel, dieser Politiker in Holland dies tut, solche abscheulichen Dinge sagt", so Mohammad, "Jeder der den Islam beleidigt, jeder der über den Islam lacht und ihn erniedrigt, seine Bestrafung ist: der Tod". Unter einer islamischen Regierung würde der niederländische Politiker "enthauptet ihn, hackt seinen Kopf ab", erklärt der libanesische Prediger weiter.

Bislang ist unklar, von wann Feiz Mohammads Predigt stammt, die offenbar versucht zu vermitteln, weshalb Geert Wilders den Tod verdient hat.
Der niederländische Politiker und Vorsitzende der "Partei für Freiheit" sorgt seit Jahren durch seine kontroversen Aussagen über den Islam und den Propheten Mohammad für Aufsehen. Nun äußerste sich Wilders besorgt über die Hasspredigt aus dem Libanon. Er stehe mit dem niederländischen Geheimdienst in Kontakt, so Wilders, dieser besäße die Tonbandaufnahme schon längere Zeit, habe ihn bislang aber nicht darüber informiert.

Tuesday, August 3, 2010

Trommeln des Krieges in Galiläa



Vielen Beobachter hatten es kommen sehen, geradezu heraufbeschworen. Es lag in der Luft über dem Heiligen Land, eine Stimmung am Siedepunkt, ein Fass das nur auf den letzten Tropfen wartete. Heute nun kam er - in Form eines Baumes.
Ein Grenzgefecht zwischen israelischen und libanesischen Soldaten verlief blutig und forderte Tote und Verletzte. Innerhalb weniger Minuten war die ohnehin zerbrechliche Ruhe in den Hügeln und Tälern Nord-Galiläas beendet, es dröhnten Schüsse und Sirenen, Hubschrauber evakuierten die Verletzten, Rettungskräfte löschten brennende Militärfahrzeuge.

Was war passiert? Für eine routinemäßige Kontrolle der Überwachungssysteme, die Israel direkt an der Grenze zum Süd-Libanon platziert hat, hatten am Vormittag israelische Soldaten eine Patrouillenfahrt entlang des Grenzzauns absolviert. Dabei bemerkten sie offenbar, dass eine kleinen Zeder das Sichtfeld einer israelischen Überwachungskamera verdeckte. Die Soldaten riefen ein Kranfahrtzeug heran und beschlossen, das Gestrüpp, dass sich jenseits des Grenzzauns befand, zu stutzen.
Nach israelischer Darstellung informierte die IDF zuvor die UNIFEL-Friedenstruppen, die im Süden des Libanon stationiert sind und den Frieden zwischen dem von der Hisbollah kontrollierten Teil der Zedernrepublik und Nord-Israel wahren sollen.

Mit Hilfe eines Krans machten sich die israelischen Militärs nun auf, den Baum zu beseitigen, der nach israelischen Angaben noch auf Territorium des Judenstaates wuchs. Der Grenzzaun, der an manchen Stellen lediglich ein einfacher Maschendrahtzaun ist, repräsentiere nicht überall zwangsläufig auch den korrekten Verlauf der israelisch-libanesischen Grenze. Der Baum soll also ein israelischer gewesen sein, kein libanesischer.

Die Einheiten der libanesischen Armee sahen dies wohl anders, und eröffneten ersten Berichten zufolge während der Baum-Beseitigungsaktion das Feuer auf die israelischen Soldaten. Dabei wurde der 45jährige Battalionskommandeur Lt.Col. Dov Harari getötet. Der Platoon commander Cpt. Ezra Lakia (30) erlitt schwerer Verletzungen.

Blitzschnell reagierten die IDF auf den Beschuss aus dem Libanon und schossen zunächst mit Artillerie zurück. Die explosiven Geschosse schlugen neben einem libanesischen Truppentransporter ein, dieser brannte vollständig aus. Zwei libanesische Soldaten starben sofort, ein weiterer erlag wenig später seinen Verletzungen.

Kurz darauf attackierten israelische Kampfhubschrauber einen Außenposten der libanesischen Streitkräfte im Dorf Al-Taybeh mit Raketen. Mehrere Militärfahrzeuge wurden bei dieser Vergeltungsaktion zerstört.

Ebenfalls tot sein soll nach dem heutigen Scharmützel, ein arabischer Journalist der libanesischen Zeitung "Al Akhbar", der sich augenscheinlich in der Nähe der libanesischen Truppen aufgehalten hatte.

Israel erkennt im heutigen Zwischenfall eine klare Verletzung der UN Resolution 1701, die seit dem Libanon-Krieg 2006 für den Frieden zwischen den beiden Nachbarstaaten sorgen soll. Man habe die UN vor der Beseitigung des Baumes über die Arbeiten am Grenzzaun informiert, so ein Sprecher des israelischen Militärs. Der Angriff von libanesischer Seite habe ohne Provokation stattgefunden.

Interessanterweise spielte Hisbollah im jüngsten Schusswechsel keine Rolle. Die schiitischen Extremisten hatten in den vergangenen Monaten mehrfach mit scharfer Rhetorik auf die Berichte aus Israel reagiert, die libanesische Miliz sei mit iranischer und syrischer Hilfe massiv aufgerüstet worden. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah beschwor, ein neuer Krieg mit Israel würde für die "Zionisten-Feinde" äußerst verlustreich enden. Seine Gruppe sei jederzeit bereit für einen erneuten Schlagabtausch.

Nasrallah erklärte jüngst bei einer Rede am 25.Juli, der Krieg im Jahr 2006 sei Teil einer Verschwörung gewesen, eine von Israel dominierte Region zu schaffen. "Mit dem Blut dieser glorreichen Märtyrer ist es uns gelungen, diesen Plan zunichte zu machen", so Nasrallah. Der libanesische Widerstand habe damals einen Sieg errungen und den Respekt von Schiiten und Sunniten, aber auch von Christen, sowohl im Libanon als auch anderswo gewonnen.



Nach dem blutigen Zwischenfall verhält sich Hisbollah noch überraschend ruhig. Beobachter hatten eine weitere Konfrontation zwischen ihr und Israel in den kommenden Monaten vorausgesagt. Ein Säbelrasseln auf politischer Ebene war schon seit langem zu hören gewesen, nun musste nur noch ein passendes Ereignis den Kriegstreibern auf beiden Seiten die Gelegenheit bieten, den Abzug zu drücken.

Bislang regnete es keine Raketen auf Nord-Israel. Der Tod dreier libanesischer Soldaten ist für Hisbollah wohl noch kein ausreichender Grund einen ausgewachsenen Krieg vom Zaun zu brechen. Sie wartet ab, und genießt offenbar, wie nervös und sensibel Israel auf die Ereignisse an seiner Nord-Grenze reagiert.

Tuesday, November 10, 2009

Wetten werden angenommen... Wann kommt der nächste Krieg?


Die Säbel rasseln lauter denn je, und zwar auf beiden Seiten des Atlantik.
Im Nahen Osten herrscht immer eine gewisse Ruhe vor dem Sturm. Beobachter warten nur darauf bis sich eine neue Runde im Kampf zwischen Israel und den Palästinensern ankündigt, eine zweite Runde Gaza vielleicht oder eine neue Intifada aus der Westbank.
Doch dort scheint erstmal Ruhe eingekehrt zu sein, Hamas bekämpft salafistische Gegner in Gaza, die Fatah versucht sich neu zu ordnen und alles wartet gespannt auf eine Geste Obamas die wieder frischen Wind in die Segel des Nahost-Friedensplan bringt.


Im Norden aber brodelt es. Vor einer Woche erst brachten Spezialeinheiten der israelischen Navy einen Frachter auf, der aus dem Iran tonnenweise Kriegsmaterial an Hisbollah liefern wollte. Noch auf hoher See stürmten die Israelis das Schiff und brachten es nach Israel, wo in geradezu demütigender Weise Waffen und Munition vorgeführt wurden, die das Mullah-Regime von Teheran an ihre libanesische Fremdenlegion geschickt hatte.
Dass Hisbollah aufrüstet ist längst bekannt, offiziell geht Israels Geheimdienst sogar davon aus dass die Schiiten-Miliz wieder alte Stärke gewonnen und neue Kraft getankt hat, genug um den nächsten Krieg mit dem verhassten Judenstaat zu überstehen.

Beinahe wöchentlich dringen neue Aussagen israelischer Geheimdienstler an die Öffentlichkeit. Von zehntausenden neuer Kurzstreckenraketen in den Hisbollah-Arsenalen ist da die Rede, von ganzen Raketenbatterien, die mehrere hundert Kilometer Reichweite besitzen, damit auch Tel Aviv und den Nuklearrektor von Dimona in der Negev erreichen könnten.
Innenpolitisch hat sich Hisbollah mit den Wahlsiegern der Hariri-Partei geeinigt, zwei Hisbollah-Minister wird es zukünftig im libanesischen Kabinett geben, trotz der herben Niederlage bei der Parlamentswahl im Frühjahr.
Kam dieser überraschend schnelle Schritt, die Einwilligung das Angebot des Hariri-Sohns anzunehmen, weil man die innenpolitschen Wogen geglättet haben möchte, bevor der nächste Krieg mit Israel droht? Fest steht bis jetzt nur, Hisbollah will nichts dem Zufall überlassen. Seit dem blutigen Schlagabtausch 2006 hat die "Partei Gottes" ihre Wunden geleckt, der Ziehvater Iran hat kräftige Unterstützung geleistet um Bunkeranlagen neu aufzubauen und Waffenlager wieder zu füllen.

In der Zedernrepublik will man nichts dem Zufall überlassen. Man rechnet immer mit dem Schlimmsten, hofft dabei das beste. Hisbollahs Chef Nasrallah hat noch die Mughniyeh-Rechnung mit Israel offen. Der Mord am ehemaligen Militärchef der Hisbollah ist noch nicht gerächt, alle Versuche der Organisation Israel Schaden zuzufügen verliefen in den vergangenen Jahren erfolglos. Ein israelisches Luftwaffenkommando zerstörte einen Konvoi voller Waffen für Hamas, als dieser sich auf dem Weg durch die sudanesische Wüste befand. In Syrien attackierte Israel eine geheime Nuklearanlage völlig überraschend und stellte damit Assads Atompläne bloß. Hinzu kommt ein mysteriöser Flugzeugabsturz nahe Teheran, bei dem ungewöhnlich viele Angehörige der iranischen Revolutionswächter starben, möglicherweise transportierte das Flugzeug auch Material für Hisbollah.

Derzeit jedenfalls stehen die Zeichen in Galiläa auf Krieg. Keiner scheint ihn zu wollen, alle tun ihr möglichstes um ihn herbeizureden. Schuld an einem Ausbruch der Gewalt wird sowieso immer die Gegenseite haben, was spielt es dann für eine Rolle wer tatsächlich den ersten Schuss abfeuert? Hisbollah ist nicht dumm und wird keine Provokation durchführen und den Konflikt eskalieren lassen.

Für Israel geht es um mehr. Der Süd-Libanon ist trotz UN-Stationierung von Blauhelmsoldaten, trotz der internationalen Truppe in den Gewässern vor der libanesischen Küste, ein Staat im Staat. Hier existiert der Iran im Miniatur-Format. Was dort in den Bunkern liegt, was auch zum Einsatz kommt, findet sich auch im tausende Kilometer entfernten Mullah-Staat wieder. Israel will dass Hisbollah die Karten auf den Tisch legt, und es will die Schmach des verlorenen Krieges von 2006 wieder wettmachen.

Damals regierten noch die Neocons der Bush-Ära im Weißen Haus, heute ist es ein schwarzer Demokrat. Wie Barak Obama auf eine neue Auseinandersetzung zwischen Israel und Hisbollah reagiert, ist eine äußerst spannende Frage. Die Solidarität mit Israel wird standhalten, auch wenn der jüdische Staat wieder einmal über die Grenzen seines Rechts auf Selbstverteidigung hinausschießt.

Egal welche Argumente das Ausland hervorbringt, egal welche Strategie Washington, London, Paris und Berlin zwischen Jerusalem und Beirut spielen, der Libanon ist und bleibt das permanente Opfer der israelischen Aggression - so jedenfalls die arabisch-muslimische Sicht. Niemand soll glauben Hisbollah rechne nicht mit einer Auseinandersetzung. Es dürfte Nasrallahs Jünger eher wundern weshalb es solange dauert bis Israel die Glocke zur Runde 2 schlägt. Kurz dem Rückzug aus dem Süd-Libanon 2006 hätte Israel der Hisbollah den Todesstoß versetzen können, stattdessen kam das Warten, die innenpolitischen Stürme der Entrüstung über die Fehler von Militär und Regierung.

Mit der Zurückhaltung gewann Hisbollah mindestens die alte Stärke zurück. Der Kampfeswille ist ungebrochen, der Säbelrasseln wird in Nahost nur zu gern mit Säbelrasseln beantwortet. Armer Libanon, wieder wirst du bluten müssen.

Sunday, September 6, 2009

Israels verschollene Söhne


In Israel sind ihre Gesichter so bekannt wie sonst nur Popstars. Gemäß einer inoffiziellen, fast schon heiligen Regelung verpflichtet sich das Oberkommando der israelischen Streitkräfte keinen Soldaten des jüdischen Staates jemals, tot oder lebendig, auf dem Schlachtfeld zurück zu lassen.

Aus diesem Grund wiegen die Schicksale von drei IDF Soldaten besonders schwer in der jungen aber turbulenten militärischen Geschichte Israels
Jeweils im Abstand von fast genau einem Jahrzehnt verschwanden drei israelische Armeeangehörige. Ihre Rückkehr zu sichern oder im Falle ihres Todes die Umstände ihres Schicksals aufzuklären, hat für die israelischen Regierung seit den frühen 1990er Jahren höchste Priorität. Hinter den Kulissen finden diplomatische Deals statt, es wird geschachert um Zettel, Briefe, Verhörprotokolle, Fotos, Videoaufnahmen oder nur kleinste Fetzen Stoff die auf den Verbleib der Personen Aufschluss geben könnten.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet kommt nun zumindest in den ältesten Fall von Israels verlorenen Söhnen ein wenig mehr Licht ins Dunkle:

Ron Arad


Der 1958 geborene Waffensystemoffizier der israelischen Luftwaffe wurde am 16.Oktober 1986, während des Libanonkrieges nahe der Stadt Sidon abgeschossen. Während der Pilot gerettet werden konnte, gelangte Arad in die Hände der schiitischen AMAL-Miliz. Sie nahmen den verletzten israelischen Soldaten gefangen und forderten Lösegeld von Israel. Mustafa al Dirani entführte Arad in einer Nacht und Nebel-Aktion aus den Händen der AMAL und lief zur proiranischen, neugegründeten Hisbollah über.
Im Jahr 1987 drehen die schiitischen Gotteskrieger in ihrem Versteck, irgendwo in der Bekaa-Ebene des Zentrallibanon, ein Video welches ihre wertvolle Geisel zeigt, bärtig und ausgemergelt. Zu jener Zeit entstehen wohl auch die Briefe an seine Familie, die Hisbollah später an Israel im Zuge eines Gefangenenaustausches übergeben wird.

Nabi Shith, ein kleines Dorf in der Bekaa wurde zum Gefängnis für Ron Arad. Hisbollah-Leute des dortigen Schukur-Familienklans halten den Israeli gefangen. Es herrschte noch Krieg zu jener Zeit, die israelische Luftwaffe bombardierte Hisbollah-Ziele im Süd-Libanon, u.a. das Dorf Nabi Shith. Aus Angst flohen die Wachen Ron Arads, der in einem Verließ zurückgelassen wurde. Als sie am nächsten Tag nach ihrer Geisel sehen wollte war Arad verschwunden.

Mustafa al Dirani wurde 1994 Opfer einer israelischen Spezialeinheit. Sie entführten den ranghohen Hisbollah-Kommandeur aus seinem Dorf und verhörten ihn jahrelang. Dirani sagte den Israelis er habe mit iranischen Pasdaran-Vertretern (Revolutionsgarden) über den gefangenen Israeli gesprochen. Diese, so vermutet Dirani, hätten Ron Arad aus dem Libanon in den Iran gebracht. Quellen aus der Hisbollah bestätigen dies.
Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht der israelischen Ermittler heißt es jedoch Arad sei höchstwahrscheinlich krank geworden und die Pasdaran hätten ihn auf halber Strecke wieder in den Libanon zurück geschafft. Im Bekaa-Tal soll er irgendwann zwischen 1994 und 1997 verstorben sein, vermutlich 1995. Kämpfer der Hisbollah hätten seinen Leichnam verscharrt und Stillschweigen darüber bewahrt um den Fall “heiß” zu halten. Arad sollte als Verhandlungsmasse weiterhin zur Verfügung stehen, obwohl er längst tot war.

Selbst Hisbollah-Chef Nasrallah betonte stets er wisse nichts genaues über das Schicksal von Ron Arad, seine Organisation habe schon sehr früh nicht mehr die Verantwortung über die israelische Geisel gehabt.

Noch fehlen die DNA Beweise aus dem Libanon, Knochen die Hisbollah 2004 präsentierte erwiesen sich nicht als jene von Ron Arad. Iranische Geheimdienstler konnten keinerlei sichere Beweise für den Tod des israelischen Navigators liefern. Ausrüstungsgegenstände, Teile seiner Uniform und persönliche Notizen übergab die "Partei Gottes" in den letzten Jahres an Israel, jüngst gelangte dann auch die Videoaufnahme aus den späten 1980er Jahren an die Öffentlichkeit.
Der Abschlussbericht des Untersuchungskomitees besagt nun, Ron Arad sei bereits Mitte der 1990er Jahre gestorben, und zwar nicht durch die Hände der Hisbollah, wohl aber in ihrem Einflussgebiet.

Guy Hever
Vor 12 Jahren, am 17.August 1997 gegen 09:30 Uhr verließ der IDF Soldat Guy Hever seine Basis an den Golanhöhen nahe der syrischen Grenze. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört. Er gilt als MIA, “missing in action”.
Als er verschwand trug Hever seine Militäruniform und hatte sein Sturmgewehr bei sich. Familie und Freunde rätseln seit jenem Tag genauso wie Geheimdienste und die israelische Bevölkerung über das Schicksal des 1977 geborenen Soldaten.

Eine Theorie besagt Hever habe nach einem Streit mit dem Kommandeur der Artillerieeinheit, in deren Reihen er stationiert war, die Basis aus Zorn und Verärgerung verlassen und sei eine Klippe hinunter gestürzt und tödlich verunglückt. Manche sagen es sei Selbstmord gewesen, andere Kameraden sprechen von Leichtsinn. Ein Leichnam wurde jedoch bis heute nicht gefunden.
Guy Hevers Familie glaubt der Vermisste habe die Grenze zu Syrien übertreten und sei von den Syrern gefangen genommen worden. In einem Kerker irgendwo in Damaskus, so glauben die Hevers, sitzt der Soldat seitdem als Geisel des Assad-Regimes.
Im April 2008 überbrachte Ex-US Präsident Jimmy Carter dem syrischen Machthaber ein Foto von Guy Hever und bat um Aufklärung. Syrien bestreitet irgendetwas mit dem verschwinden des damals 20jährigen zutun zu haben.
Das “Widerstandskomitee für die Befreiung der Golan-Höhen”, veröffentlichte im Februar 2007 ein Statement in dem es behauptet Hever entführt zu haben. Für seine Freilassung fordere man die Herausgabe von mehreren drusischen Gefangenen in israelischer Haft. Nie zuvor war diese Gruppe aufgetreten, es gibt keinerlei Hinweise der Behauptung glauben zu schenken. Israels Geheimdienste verwerfen das Statement als Wichtigtuerei.

Russlands Nahost-Vermittler soll für mehr Aufklärung sorgen. Auf Bitten der Mutter von Guy Hever, Rina Hever, übergab er dem syrischen Außenminister Walid Moallem vor knapp zwei Wochen eine Anfrage Israels. Syrien antwortete man werde das möglichste tun Licht ins Dunkle zu bringen, aber man habe nichts mit dem Verschwinden von Guy Hever zutun.

Insgesamt 10 Millionen Dollar bietet die israelische “Born for Freedom”-Foundation für brauchbare Informationen über die Schicksale von Ron Arad und Guy Hever. Bislang konnte kein abschließender Durchbruch erreicht werden.

Gilad Shalit
Der jüngste Fall ist der des entführten Gilad Shalit. Palästinensische Militanten der Hamas verschleppten den 19jährigen am 25.Juni 2006 am Kerem Shalom Grenzposten am Gaza-Streifen. Shalit ist seitdem Gefangener der Hamas und ständiges Thema von mal geheimen, mal offiziellen Verhandlungen.

Seine Familie übt Druck auf Israels Regierung aus den Sohn endlich nach Hause zu holen. Hamas möchte im Gegenzug Mitglieder aus israelischen Gefängnissen freipressen, und zwar gleich hunderte, inklusive verurteilter Terroristen, Mörder und Bombenbauer. In Israel sorgt der Fall regelmäßig für Schlagzeilen weil kurioserweise feststeht wo sich Shalit befindet. Er hat Gaza nie verlassen, Hamas hält ihn irgendwo in den Kellerräumen ihrer Verstecke gefangen und dies erfolgreich seit drei Jahren. Trotz der Offensive “Gegossenes Blei” im vergangenen Januar und mehrerer Luftangriffe auf den Gaza-Streifen scheint Hamas den israelischen Soldaten erfolgreich von Geheimdiensten und Militär abzuschirmen.

Monday, August 10, 2009

Im Wortgefecht mit der Partei Gottes


Am 14.Juli explodierte urplötzlich ein augenscheinlich verlassenes Gebäude im kleinen südlibanesischen Dorf Hirbit Salim. Die Ruine erschien unbewohnt und ungenutzt, in Wahrheit befand sich unter ihr ein Waffen- und Munitionslager der Hisbollah.
Laut der UN-Resolution 1701 ist es Hibsollah nicht erlaubt Militärgerät südlich des Litani-Flusses zu lagern. Angeblich ausgelöst durch ein Feuer soll der unterirdische Bunker in einer Explosion zerstört worden sein.

Für Hisbollah, so vermuten die Israelis, sei dieser Vorfall ein beschämendes Ereignis dass die Nicht-Einhaltung der UN-Bestimmungen beweist und gleichzeitig die Schwäche der Partei Gottes offenbart. Eine spektakuläre Aktion gegen israelische Ziele könnte nun nötig sein um das Bild der unbesiegbaren Guerilla-Streitmacht wieder zurecht zu rücken, dies befürchtet zumindest der israelische Mossad.
Immer noch ist es Hisbollah nicht gelungen Rache zu üben für ihren 2008 getöteten militärischen Chef Imad Mugniyeh. Letztes Jahr vereitelten wohl Sicherheitskräfte in Aserbaidschan einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Baku, ägyptische Ermittler sprengten eine Hisbollah Zelle auf der Sinai-Halbinsel die versucht haben soll Attentate auf israelische Touristen zu verüben. Jüngst erst stießen die Ägypter dann auf Pläne der Hisbollah den israelischen Botschafter in Kairo zu ermorden.

Israelis im Urlaub sind das Ziel

330,000 Israelis machten sich bereits in der ersten Augustwoche auf in den Sommerurlaub, weitere hunderttausend folgen noch bis Oktober. Die meisten Urlauber zieht es nach Ägypten oder in die Türkei, viele auch nach Frankreich, Deutschland, Italien, England, die USA und Thailand. Alleine durch den israelischen Grenzübergang Taba nach Ägypten reisten seit Anfang August 40,000 Israelis.
Die Sicherheitskräfte in den Urlaubsorten sind besonders wachsam, da der israelische Geheimdienst vermutet Hisbollah wolle genau dort zuschlagen wo es viele weiche israelische Ziele treffen könnte. Touristen werden besonders abgeschottet, Spezial-Shuttles bringen sie vom Flughafen in die Hotels.

Krieg der Worte

Israels Premier Netanyahu erklärte man hoffe in nächster Zeit nicht mit einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Hisbollah rechnen zu müssen. Er schickte aber auch harsche Worte gen Beirut. Man werde die libanesische Regierung "zur Verantwortung ziehen für jede Aggression die aus diesem Territorium kommt". Sollte Hisbollah Teil der neuen Regierung in Beirut werden müssten alle Parteien und Politiker wissen dass jede Handlung Hisbollah´s zu Konsquenzen für den gesamten Libanon führen wird.

Die Warnung kommt nur knapp eine Woche nachdem ein ranghoher Kommandeur der IDF Nordfront einer britischen Zeitung sagte der Konflikt im nördlichen Israel könnte "jederzeit explodieren". Über 40,000 Raketen, davon geht inzwischen auch der Mossad aus, befinden sich aktuell im Arsenal der Hisbollah, die Organisation hat nach dem Krieg 2006 mindestens wieder zur alten Stärke zurückgewonnen. Einige ihrer iranischen Geschosse sollen eine Reichweite bis Tel Aviv besitzen, neue Boden-Luft-Raketensysteme könnten für Israels Luftwaffe gefährlich werden.

Gestern ließ ein Hisbollah Sprecher verlauten, sollte Israel den Libanon erneut angreifen, würde die schiitische Guerillaorganisation in einem Maße reagieren welches den Krieg vor drei Jahren "wie einen Scherz" aussehen lassen würde.
Daniel Ayalon, stellvertretender Außenminister Israels reagierte prompt: "Wir auch nur ein Haar auf dem Kopf eines israelischen Repräsentanten oder Touristen gekrümmt werden wir Hisbollah in vollen Ausmaß verantwortlich machen!"

Vor wenigen Stunden dann die Meldung Augenzeugen berichten von israelischen Militärfahrzeugen die in der Nähe der umstrittenen Shabaa-Farmen nahe der libanesischen Grenze Stellung beziehen würden. Die libanesischen Streitkräfte seien daraufhin in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, meldete die Haaretz.

Runde 2 im Spiel "Hisbollah vs Israel"?

Israel rechnet fest damit dass Hisbollah Rache üben wird für Imad Mughniyeh´s Ermordung. Wo und wann diese Racheaktion stattfindet kann nur vermutet werden, dass sie aber demnächst kommen wird steht für den Mossad außer Frage. Gerade unter dem Druck die Schmach des vernichteten, illegalen Waffenlagers wieder gut zu machen, muss Hisbollah reagieren und Schlagkraft beweisen.

Im Moment ist es ein Schlagabtausch der Worte. Hisbollah ist auf die uneingeschränkte Unterstützung des Iran und Syriens angewiesen. Mit der protestierenden Opposition, dem Druck aus dem Ausland, den Gerichtsprozessen gegen westliche Botschaftsangehörige und verirrte Touristen könnte sich das Mullah-Regime eine mediale Ablenkung nur wünschen. Allerdings käme eine zweite Runde im Kampf David gegen Goliath, nur in vertauschten Rollen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Iran´s wirtschaftliche Lage entwickelt sich schlecht, Millionen für das libanesische Kriegsspiel aufzubringen fällt Teheran schwer.
Da Hisbollah nur als verlängerter Arm Ahmadinejads in der Region erachtet wird, geht es Israel bei einem Kampf gegen Partei Gottes um mehr als nur um territoriale Sicherheit, es geht um die Bewahrung vor weiterem, größeren Übel.
Die Kriegswochen des Jahres 2006 waren eine politische Niederlage für den jüdischen Staat, Soldaten wie Zivilisten verloren ihr Leben, Hisbollah hat die Raketenbatterien längst wieder aufgefüllt und ihren Staat im Staate mit aller Macht aufrecht erhalten. Nur alleine um dieses Bild aus israelischer Sicht wieder zurecht zu rücken würde man keinen zweiten Krieg wagen.

Alte Rechnungen und neue Schwäche

Viel gewichtiger ist Hisbollahs Situation in der libanesischen Politik. Anders als erwartet wurde sie bei der Wahl im Juni abgestraft. Rafik Hariri´s Sohn übernimmt das Erbe seines Vaters und bringt somit die Syrien-Gegner an die Macht im Zedernstaat. Hisbollah ist auf den zweiten Platz verwiesen worden, abhängig auch von der Gunst der Machthaber die immer weniger gewillt sind eine iranische Söldnerarmee im eigenen Land zu akzeptieren. Um die Unterstützung der nicht-schiitischen Libanesen, der Mittel- und Oberschicht nicht zu verlieren und Macht einzubüßen muss Hisbollah beweisen dass nur sie den Libanon vor der israelischen Bedrohung schützen kann. Dass sie gleichzeitig Auslöser und Bewahrer spielen wird ist den meisten Libanesen längst klar. Ihre Provokationen an der südlichen Grenze tragen dazu bei dass Israels Interesse am nördlichen Nachbarn nicht schwindet. Die schiitischen Gotteskrieger, bis an die Zähne bewaffnet und blind Teheran gehorchend, sind ein schmerzender Dorn im Auge Israels. Nur zähneknirschend konnte man die Kriegshandlungen beenden und das Gebiet bis zum Litani wieder den Partisanen überlassen.
Hassan Nasrallah schwor einst: "Gäbe es Hisbollah nicht, wäre Israel morgen wieder vor Beirut!" - gäbe es Hisbollah nicht müssten die Israelis nicht bis nach Beirut.

Monday, August 3, 2009

Iranisches Flugzeug soll Hisbollah-Waffen transportiert haben


Israelische Quellen melden das Passagierflugzeug welches amen 15.Juli 2009 nördlich von Teheran abstürzte, hatte u.a. eine große
Waffenlieferung für Hisbollah geladen. Unter den 168 Toten des Absturzes sollen Mitglieder der Al Quds Force, einer Sondereinheit der Revolutionsgarde gewesen sein.
Angeblich transportierte die Tupolev vor allem Sprengsätze, Fernzünder und Raketenteile, was die Augenzeugenberichte von mehreren Explosionen erklären könnte.
Die Maschine war auf dem Weg nach Armenien, wo die Waffenlieferung angeblich weiter nach Syrien, von dort aus in die Türkei und dann in den Libanon gebracht werden sollte.
Kurz nach dem Absturz erschienen an der Unglücksstelle bereits iranische Sicherheitskräfte und riegelten den Ort ab.
Normalerweise werden Lieferungen an die Hisbollah direkt über Syrien in den Süd-Libanon abgewickelt. Südlich des Litani-Flusses baute Hisbollah in den vergangenen Jahren mehrere Bunkersysteme und Waffenlager aus. Eines dieser Lager explodierte versehentlich am 14.Juli, weshalb die iranisch Führung angeblich beschloss die Lieferung in einem zivilen Passagierflugzeug über eine Route in das Zielgebiet nördlich des Litani zu bringen.

Iranische und libanesische Quellen spekulierten bereits kurz nach dem Absturz es könne es um ein gezieltes Attentat des israelischen Mossad gehandelt haben.

Wednesday, July 22, 2009

Dschihad News IX


Somalia
EXKLUSIV: Kriegsschiffe und Kampfhubschrauber vor Somalias Küste gesichtet

Die Website der somalischen Al Shabaab-Miliz meldete am Abend es seien Kampfschiffe und Hubschrauber an verschiedenen Küstenorten Somalias aufgetaucht. Augenzeugen berichten von kreisenden Helikoptern über der Hauptstadt Mogadischu und Schlachtschiffen vor der etwa 100km südlich gelegenen Stadt Merka.

Sollten sich die Berichte bewahrheiten könnte es sich um den Beginn einer französischen Militäroperation sein um zwei am 14.Juli entführte französische Sicherheitsbeamte zu befreien. Nachdem die beiden Regierungsangestellten in Mogadischu von Hizb e-Islami Milizen gekidnappt worden waren hatten diese sie an die größere islamistische Organisation Al Shabaab übergeben, die erst vor wenigen Wochen den Treueschwur auf Bin Laden leistete und so offiziell Vertretung der Al Qaida am Horn von Afrika wurde.
Französische Offizielle hatten eine sofortige Freilassung gefordert und eine militärische Befreiungsaktion nicht ausgeschlossen.


Israel
Im Schatten der Hamas

Am Wochenende fand hinter verschlossenen Türen eine Informationskonferenz des israelischen Inland-Geheimdienstes ShinBet statt. Der israelischen Regierung wurden dabei die jüngsten Erkenntnisse der Sicherheitsdienste im Bezug auf die palästinesische Terrorbedrohung und die Entwicklung des jüdischen Extremisten im eigenen Land unterbreitet.

Zur Sprache kam u.a. dass laut Informationen des ShinBet in Gaza inzwischen ein Netzwerk ausländischer Islamisten existiere die Verbindungen zu nordafrikanischen, syrischen und irakischen Terrorgruppen haben. ShinBet geht davon aus dass mehrere dutzend arabische Extremisten aus den Nachbarländern in den Gaza-Streifen gelangt sind, die meisten davon während der temporären und von Hamas durchgeführten Grenzöffnung zu Ägypten Ende 2008.
Basis für die ausländischen Dschihad-Kämpfer sei das Netzwerk der "Jaish al Islam", einer salafistischen Gruppe die sich selbst als Stellvertreter Al Qaidas in den Palästinensergebieten sieht und getrennt von Hamas und den militanten Flügeln der Fatah agiert. Ihre Anhänger sind teils ehemalige Kämpfer der Hamas, des Islamischen Dschihad oder des Popular Resistance Commitees die aus hauptsächlich ideologischen Gründen mit ihren Organisationen gebrochen haben. Gazas regierende Fraktion sieht in den ultraradikalen Hardlinern eine Konkurrenz und eigene Bedrohung. Unterstützer der Jaish al Islam beschuldigen Hamas nicht den "wahren Islam" zu praktizieren, mit dem Feind Bündnisse und Abkommen einzugehen und für eine nationalistische und daher nicht religiöse Überzeugung zu kämpfen. Im Gegensatz zur Massenbewegung Hamas sieht sich die wenige Dutzend zählende Untergrundorganisation als die "wahren Mujaheddin Palästinas" und Vertreter des globalen Dschihad. Von israelischer Seite kamen keine Informationen über die in der Dschihad-Szene von Gaza vertretenen Nationalitäten aber aus Expertenkreisen heißt es bei den palästinesischen Salafisten hätten Glaubensbrüder aus dem Jemen, Ägypten, Saudi-Arabien, Syrien, Jordanien und Algerien Unterschlupf gefunden. Deren Aktivitäten betrachtet der ShinBet mit größter Sorge da man in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen die Versuche Abu Mussab al Zarqawis gearbeitet hatte außerhalb des Irak, in den palästinensischen Gebieten oder im israelischen Nachbarland Terrorzellen aufzubauen. Der Einzug fanatischer Dschihadisten der Al Qaida könnte sicherheitspolitische zur Herausforderung werden, nicht so sehr für Israel, vielmehr für die palästinensischen Gruppierungen die in den Fanatikern eine unberechenbare Kraft sehen. Während des letzten Gaza-Feldzuges "Operation Gegossenes Blei" kam es bereits zu Exekutionen von Jaish al Islam Kämpfern durch Hamas-Einheiten. Im Chaos jener Kriegstage am Jahresanfang wollte man sich einiger unbeliebter Konkurrenten erledigen.

Propaganda
"Oh Abu Yahya" - Huldigung an Al Qaidas neuen Propaganda-Star


Letzten Samstag meldete sich die nordafrikanische Al Qaida Abteilung über das Internet zu Wort. Abu Anas al Shanqiti, ein Mitglied der Organisations Shura, richtete seine Audiobotschaft direkt an Abu Yahya al Libi, den propagandistischen Chef-Ideologen der Al Qaida. Unter dem Titel "Oh Abu Yahya, ich bin bereit deinen Befehlen zu folgen!" erklärte der Sprecher der Al Qaida im Islamischen Maghreb seine Gruppe werde dem Aufruf Al Libis vom Juni folgen und den Dschihad in ganz Nordafrika ausdehnen. Die Feinde, die unislamischen Regime und Marionetten Amerikas, die Sicherheitskräfte und Armeen der Maghreb-Staaten, würden von den Mujaheddin angegriffen bis der Banner des Islam über Nordafrika herrsche.

Erstmals richtete damit eine Al Qaida Abteilung außerhalb der Region AfPakistan einen Treueschwur auf den libyischen Militärführer des Netzwerkes. Abu Yahya al Libi ist in den vergangenen
Jahren zum wichtigsten Propagandakopf Al Qaidas aufgestiegen, erschien in dutzenden Videos und gilt als "Schlachtfeld-Prediger" dessen religiöse Weisungen maßgebend sind für die Gotteskrieger vom Hindukusch bis nach Marokko.
Nordafrikas Islamisten werden versuchen Zeichen zu setzen um der obersten Führung rund um Bin Laden zu beweisen dass Al Qaida südlich des Mittelmeers die schlagkräftigste Truppe außerhalb Pakistans darstellt. Selbstmordanschläge, Entführungen, Großangriffe auf algerische, marokkanische oder tunesische Sicherheitskräfte werden als Ausführung der Befehle vom Hindukusch folgen.


Libanon

Al Qaidas Krieger vor Israels Haustür


Wie ein Sprecher des libanesischen Militärs am Dienstag mitteilte konnten Sicherheitskräfte nach wochenlanger Geheimdienst-Observierung insgesamt zehn Personen festnehmen die Anschläge auf die UNIFIL-Truppe im Süden des Landes geplant hatte.
Bei den Festgenommenen soll es sich um neun Ausländer arabischer Herkunft und einen Libanesen handeln. Sie waren bei libanesischen Firmen in Beiruter Christenviertel angestellt, gehörten einer Zelle der Al Qaida nahen "Fatah al Islam" an.
Die Gruppe habe in den letzten Monaten mehrere gesuchte Terroristen aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Ain al Hilweh geschmuggelt und mit Hilfe der Fatah al Islam ein Netzwerk aus Zellen aufgebaut die damit beauftragt waren die Bewegungen der UN-Truppe im Süd-Libanon zu beobachten. Angeblich habe es konkrete Pläne für Hinterhalte und Selbstmordattentate gegen die ausländische Friedenstruppe gegeben.

Erst im Juni 2007 waren bei einem Autobombenanschlag auf eine Einheit des insgesamt 12,500 Mann starken UN Kontingents drei spanische und drei kolumbianische Soldaten getötet worden. Libanesische Sicherheitsdienste verdächtigten Mitglieder der islamistischen Fatah al Islam die Attentäter zu sein.
Über drei Monate hinweg lieferte sich die libanesische Armee im berüchtigten Ain al Hilweh Flüchtlingslager in dem über 45,000 palästinensische, syrische und libanesische Flüchtlinge, meist sunnitischen Glaubens, leben Gefechte mit den militanten Islamisten. 160 libanesische Soldaten und 400 Bewohner des Flüchtlingscamps kamen dabei ums Leben.

Fatah al Islam etablierte sich im Schatten der schiitischen Hisbollah als gefährlichste sunnitische Extremistenbewegung mit mehreren hundert Mitgliedern. Ihre Ideologie ist geprägt vom militanten Salafismus und ihre Ziele werden mit denen Al Qaidas gleichgesetzt. Israelische und libanesische Quellen sehen direkte Kontakte der Gruppe zum internationalen Dschihad, Kämpfer der Fatah al Islam starben im Irak an der Seite von Al Qaida Mitgliedern und im Libanon selbst tötete die Armee bei den Kämpfen um Ain al Hilweh mehrere ausländische Islamisten.

Aus heutiger Sicht ist Fatah al Islam zu einer Filiale der Al Qaida in Israels Hinterhof aufgestiegen. Ähnlich wie die Ableger
des Netzwerkes in Nordafrika, Jemen, Somalia oder Irak fungiert die Gruppe als Zweigstelle der Al Qaida Ideologie im Nahen Osten.
Es gibt Hinweise darauf dass die ursprüngliche Organisation geprägt von salafistischen palästinensischen Hardlinern inzwischen ganz offiziell zur "Al Qaidat al Jihad fi Sham"
(Al Qaida der Levante") geworden ist und direkte Befehle, Finanzen und Personal vom Terrornetzwerk Osama Bin Ladens erhält. Raketenangriffe aus dem Süd-Libanon auf israelische Ortschaften, Angriffe auf libanesische Sicherheitskräfte und UN-Einheiten sind dunkle Vorboten der Zukunft Al Qaidas. Längst hat die Expansion der Ideologie stattgefunden und Netzwerke entstehen die sich oft noch dem Griff der amerikanischen Geheimdienste und Terrorfahnder der Region entziehen.

Die Befreiung Palästinas von "zionistischer Herrschaft" bleibt eines der Hauptziele Al Qaidas, immer wieder beschworen durch Bin Laden selbst oder Al Zawahiri und Abu Yahya al Libi. Um dies zu verwirklichen bedarf es Fußsoldaten direkt an Israels Grenzen, eine Horrorvorstellung für den jüdischen Staat und seine Beschützer. Mit Fatah al Islam hat der globale Dschihad eine Front mit Blick auf Jerusalem errichtet.

Mali
In der Sub-Sahara ist Krieg


Alles begann Mitte Juni. Malis Regierung entschied eine Offensive gegen die militanten Islamisten, die über die letzten Monaten mehr und mehr in das westafrikanische Land von Norden her eingesickert waren, vorzugehen. Selbsternannte Gotteskrieger der Maghrebinischen Al Qaida nisten sich seit Anfang 2008 im nördlichen Mali ein, nutzen die kaum kontrollierte Wüstenregion als Rückzugsort und Unterschlupf, verschleppten Geiseln und planten Angriffe u.a. in der Hauptstadt gegen amerikanische und andere westliche Ziele.

Im äußersten Norden des Landes drängten malische Armeeeinheiten die Islamisten nun in die Offensive. Tagelange Kämpfe führten am 17.Juni schließlich dazu dass das Militär angab 26 islamistische Kämpfer getötet zu haben.
Was folgte waren Racheaktionen der Extremisten. Gehäuft gerieten Soldaten in Hinterhalte, Sprengfallen attackierten Konvois der Armee. Anfang Juli schickte die Regierung erneut hundert Soldaten in die umkämpfte Gegend nahe Timbuktu. Heftige Gefechte töteten dutzende Menschen auf beiden Seiten. Wie hoch die Verluste der Armee waren wurde nicht bekannt, Al Qaida vermeldete über ein Internet-Statement man habe über 20 malische Soldaten getötet und einige lebend als Geiseln genommen.

Am letzten Montag besuchte Spaniens Innenminister Alfredo Rubalcaba die Stadt Bamako und sicherte dem malischem Präsidenten Toure zu, die ehemalige Kolonialmacht werde Mali logistische, geheimdienstliche und militärische Unterstützung im Kampf gegen Al Qaida liefern. Sicherheitspolitisch werde man enger Zusammenarbeiten und neue Technologien einsetzen, außerdem weitere Polizei- und Anti-Terror-Einheiten der Armee ausbilden, um der islamistischen Gefahr zu begegnen. Spanien wird demnächst also eine Polizeiakademie speziell für Terrorjäger finanzieren.
US-Einheiten trainieren seit geraumter Zeit bereits in verschiedenen westafrikanischen Staaten südlich der Sahara Militärkommandos im Anti-Terror-Kampf. Die Befürchtungen Al Qaida könnte Algerien und die übrigen Gebiete der Maghreb als Sprungbrett nutzen um den Rest des schwarzen Kontinents zu infiltrieren sind groß.