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Tuesday, August 3, 2010

Trommeln des Krieges in Galiläa



Vielen Beobachter hatten es kommen sehen, geradezu heraufbeschworen. Es lag in der Luft über dem Heiligen Land, eine Stimmung am Siedepunkt, ein Fass das nur auf den letzten Tropfen wartete. Heute nun kam er - in Form eines Baumes.
Ein Grenzgefecht zwischen israelischen und libanesischen Soldaten verlief blutig und forderte Tote und Verletzte. Innerhalb weniger Minuten war die ohnehin zerbrechliche Ruhe in den Hügeln und Tälern Nord-Galiläas beendet, es dröhnten Schüsse und Sirenen, Hubschrauber evakuierten die Verletzten, Rettungskräfte löschten brennende Militärfahrzeuge.

Was war passiert? Für eine routinemäßige Kontrolle der Überwachungssysteme, die Israel direkt an der Grenze zum Süd-Libanon platziert hat, hatten am Vormittag israelische Soldaten eine Patrouillenfahrt entlang des Grenzzauns absolviert. Dabei bemerkten sie offenbar, dass eine kleinen Zeder das Sichtfeld einer israelischen Überwachungskamera verdeckte. Die Soldaten riefen ein Kranfahrtzeug heran und beschlossen, das Gestrüpp, dass sich jenseits des Grenzzauns befand, zu stutzen.
Nach israelischer Darstellung informierte die IDF zuvor die UNIFEL-Friedenstruppen, die im Süden des Libanon stationiert sind und den Frieden zwischen dem von der Hisbollah kontrollierten Teil der Zedernrepublik und Nord-Israel wahren sollen.

Mit Hilfe eines Krans machten sich die israelischen Militärs nun auf, den Baum zu beseitigen, der nach israelischen Angaben noch auf Territorium des Judenstaates wuchs. Der Grenzzaun, der an manchen Stellen lediglich ein einfacher Maschendrahtzaun ist, repräsentiere nicht überall zwangsläufig auch den korrekten Verlauf der israelisch-libanesischen Grenze. Der Baum soll also ein israelischer gewesen sein, kein libanesischer.

Die Einheiten der libanesischen Armee sahen dies wohl anders, und eröffneten ersten Berichten zufolge während der Baum-Beseitigungsaktion das Feuer auf die israelischen Soldaten. Dabei wurde der 45jährige Battalionskommandeur Lt.Col. Dov Harari getötet. Der Platoon commander Cpt. Ezra Lakia (30) erlitt schwerer Verletzungen.

Blitzschnell reagierten die IDF auf den Beschuss aus dem Libanon und schossen zunächst mit Artillerie zurück. Die explosiven Geschosse schlugen neben einem libanesischen Truppentransporter ein, dieser brannte vollständig aus. Zwei libanesische Soldaten starben sofort, ein weiterer erlag wenig später seinen Verletzungen.

Kurz darauf attackierten israelische Kampfhubschrauber einen Außenposten der libanesischen Streitkräfte im Dorf Al-Taybeh mit Raketen. Mehrere Militärfahrzeuge wurden bei dieser Vergeltungsaktion zerstört.

Ebenfalls tot sein soll nach dem heutigen Scharmützel, ein arabischer Journalist der libanesischen Zeitung "Al Akhbar", der sich augenscheinlich in der Nähe der libanesischen Truppen aufgehalten hatte.

Israel erkennt im heutigen Zwischenfall eine klare Verletzung der UN Resolution 1701, die seit dem Libanon-Krieg 2006 für den Frieden zwischen den beiden Nachbarstaaten sorgen soll. Man habe die UN vor der Beseitigung des Baumes über die Arbeiten am Grenzzaun informiert, so ein Sprecher des israelischen Militärs. Der Angriff von libanesischer Seite habe ohne Provokation stattgefunden.

Interessanterweise spielte Hisbollah im jüngsten Schusswechsel keine Rolle. Die schiitischen Extremisten hatten in den vergangenen Monaten mehrfach mit scharfer Rhetorik auf die Berichte aus Israel reagiert, die libanesische Miliz sei mit iranischer und syrischer Hilfe massiv aufgerüstet worden. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah beschwor, ein neuer Krieg mit Israel würde für die "Zionisten-Feinde" äußerst verlustreich enden. Seine Gruppe sei jederzeit bereit für einen erneuten Schlagabtausch.

Nasrallah erklärte jüngst bei einer Rede am 25.Juli, der Krieg im Jahr 2006 sei Teil einer Verschwörung gewesen, eine von Israel dominierte Region zu schaffen. "Mit dem Blut dieser glorreichen Märtyrer ist es uns gelungen, diesen Plan zunichte zu machen", so Nasrallah. Der libanesische Widerstand habe damals einen Sieg errungen und den Respekt von Schiiten und Sunniten, aber auch von Christen, sowohl im Libanon als auch anderswo gewonnen.



Nach dem blutigen Zwischenfall verhält sich Hisbollah noch überraschend ruhig. Beobachter hatten eine weitere Konfrontation zwischen ihr und Israel in den kommenden Monaten vorausgesagt. Ein Säbelrasseln auf politischer Ebene war schon seit langem zu hören gewesen, nun musste nur noch ein passendes Ereignis den Kriegstreibern auf beiden Seiten die Gelegenheit bieten, den Abzug zu drücken.

Bislang regnete es keine Raketen auf Nord-Israel. Der Tod dreier libanesischer Soldaten ist für Hisbollah wohl noch kein ausreichender Grund einen ausgewachsenen Krieg vom Zaun zu brechen. Sie wartet ab, und genießt offenbar, wie nervös und sensibel Israel auf die Ereignisse an seiner Nord-Grenze reagiert.

Tuesday, November 10, 2009

Wetten werden angenommen... Wann kommt der nächste Krieg?


Die Säbel rasseln lauter denn je, und zwar auf beiden Seiten des Atlantik.
Im Nahen Osten herrscht immer eine gewisse Ruhe vor dem Sturm. Beobachter warten nur darauf bis sich eine neue Runde im Kampf zwischen Israel und den Palästinensern ankündigt, eine zweite Runde Gaza vielleicht oder eine neue Intifada aus der Westbank.
Doch dort scheint erstmal Ruhe eingekehrt zu sein, Hamas bekämpft salafistische Gegner in Gaza, die Fatah versucht sich neu zu ordnen und alles wartet gespannt auf eine Geste Obamas die wieder frischen Wind in die Segel des Nahost-Friedensplan bringt.


Im Norden aber brodelt es. Vor einer Woche erst brachten Spezialeinheiten der israelischen Navy einen Frachter auf, der aus dem Iran tonnenweise Kriegsmaterial an Hisbollah liefern wollte. Noch auf hoher See stürmten die Israelis das Schiff und brachten es nach Israel, wo in geradezu demütigender Weise Waffen und Munition vorgeführt wurden, die das Mullah-Regime von Teheran an ihre libanesische Fremdenlegion geschickt hatte.
Dass Hisbollah aufrüstet ist längst bekannt, offiziell geht Israels Geheimdienst sogar davon aus dass die Schiiten-Miliz wieder alte Stärke gewonnen und neue Kraft getankt hat, genug um den nächsten Krieg mit dem verhassten Judenstaat zu überstehen.

Beinahe wöchentlich dringen neue Aussagen israelischer Geheimdienstler an die Öffentlichkeit. Von zehntausenden neuer Kurzstreckenraketen in den Hisbollah-Arsenalen ist da die Rede, von ganzen Raketenbatterien, die mehrere hundert Kilometer Reichweite besitzen, damit auch Tel Aviv und den Nuklearrektor von Dimona in der Negev erreichen könnten.
Innenpolitisch hat sich Hisbollah mit den Wahlsiegern der Hariri-Partei geeinigt, zwei Hisbollah-Minister wird es zukünftig im libanesischen Kabinett geben, trotz der herben Niederlage bei der Parlamentswahl im Frühjahr.
Kam dieser überraschend schnelle Schritt, die Einwilligung das Angebot des Hariri-Sohns anzunehmen, weil man die innenpolitschen Wogen geglättet haben möchte, bevor der nächste Krieg mit Israel droht? Fest steht bis jetzt nur, Hisbollah will nichts dem Zufall überlassen. Seit dem blutigen Schlagabtausch 2006 hat die "Partei Gottes" ihre Wunden geleckt, der Ziehvater Iran hat kräftige Unterstützung geleistet um Bunkeranlagen neu aufzubauen und Waffenlager wieder zu füllen.

In der Zedernrepublik will man nichts dem Zufall überlassen. Man rechnet immer mit dem Schlimmsten, hofft dabei das beste. Hisbollahs Chef Nasrallah hat noch die Mughniyeh-Rechnung mit Israel offen. Der Mord am ehemaligen Militärchef der Hisbollah ist noch nicht gerächt, alle Versuche der Organisation Israel Schaden zuzufügen verliefen in den vergangenen Jahren erfolglos. Ein israelisches Luftwaffenkommando zerstörte einen Konvoi voller Waffen für Hamas, als dieser sich auf dem Weg durch die sudanesische Wüste befand. In Syrien attackierte Israel eine geheime Nuklearanlage völlig überraschend und stellte damit Assads Atompläne bloß. Hinzu kommt ein mysteriöser Flugzeugabsturz nahe Teheran, bei dem ungewöhnlich viele Angehörige der iranischen Revolutionswächter starben, möglicherweise transportierte das Flugzeug auch Material für Hisbollah.

Derzeit jedenfalls stehen die Zeichen in Galiläa auf Krieg. Keiner scheint ihn zu wollen, alle tun ihr möglichstes um ihn herbeizureden. Schuld an einem Ausbruch der Gewalt wird sowieso immer die Gegenseite haben, was spielt es dann für eine Rolle wer tatsächlich den ersten Schuss abfeuert? Hisbollah ist nicht dumm und wird keine Provokation durchführen und den Konflikt eskalieren lassen.

Für Israel geht es um mehr. Der Süd-Libanon ist trotz UN-Stationierung von Blauhelmsoldaten, trotz der internationalen Truppe in den Gewässern vor der libanesischen Küste, ein Staat im Staat. Hier existiert der Iran im Miniatur-Format. Was dort in den Bunkern liegt, was auch zum Einsatz kommt, findet sich auch im tausende Kilometer entfernten Mullah-Staat wieder. Israel will dass Hisbollah die Karten auf den Tisch legt, und es will die Schmach des verlorenen Krieges von 2006 wieder wettmachen.

Damals regierten noch die Neocons der Bush-Ära im Weißen Haus, heute ist es ein schwarzer Demokrat. Wie Barak Obama auf eine neue Auseinandersetzung zwischen Israel und Hisbollah reagiert, ist eine äußerst spannende Frage. Die Solidarität mit Israel wird standhalten, auch wenn der jüdische Staat wieder einmal über die Grenzen seines Rechts auf Selbstverteidigung hinausschießt.

Egal welche Argumente das Ausland hervorbringt, egal welche Strategie Washington, London, Paris und Berlin zwischen Jerusalem und Beirut spielen, der Libanon ist und bleibt das permanente Opfer der israelischen Aggression - so jedenfalls die arabisch-muslimische Sicht. Niemand soll glauben Hisbollah rechne nicht mit einer Auseinandersetzung. Es dürfte Nasrallahs Jünger eher wundern weshalb es solange dauert bis Israel die Glocke zur Runde 2 schlägt. Kurz dem Rückzug aus dem Süd-Libanon 2006 hätte Israel der Hisbollah den Todesstoß versetzen können, stattdessen kam das Warten, die innenpolitischen Stürme der Entrüstung über die Fehler von Militär und Regierung.

Mit der Zurückhaltung gewann Hisbollah mindestens die alte Stärke zurück. Der Kampfeswille ist ungebrochen, der Säbelrasseln wird in Nahost nur zu gern mit Säbelrasseln beantwortet. Armer Libanon, wieder wirst du bluten müssen.

Sunday, September 6, 2009

Israels verschollene Söhne


In Israel sind ihre Gesichter so bekannt wie sonst nur Popstars. Gemäß einer inoffiziellen, fast schon heiligen Regelung verpflichtet sich das Oberkommando der israelischen Streitkräfte keinen Soldaten des jüdischen Staates jemals, tot oder lebendig, auf dem Schlachtfeld zurück zu lassen.

Aus diesem Grund wiegen die Schicksale von drei IDF Soldaten besonders schwer in der jungen aber turbulenten militärischen Geschichte Israels
Jeweils im Abstand von fast genau einem Jahrzehnt verschwanden drei israelische Armeeangehörige. Ihre Rückkehr zu sichern oder im Falle ihres Todes die Umstände ihres Schicksals aufzuklären, hat für die israelischen Regierung seit den frühen 1990er Jahren höchste Priorität. Hinter den Kulissen finden diplomatische Deals statt, es wird geschachert um Zettel, Briefe, Verhörprotokolle, Fotos, Videoaufnahmen oder nur kleinste Fetzen Stoff die auf den Verbleib der Personen Aufschluss geben könnten.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet kommt nun zumindest in den ältesten Fall von Israels verlorenen Söhnen ein wenig mehr Licht ins Dunkle:

Ron Arad


Der 1958 geborene Waffensystemoffizier der israelischen Luftwaffe wurde am 16.Oktober 1986, während des Libanonkrieges nahe der Stadt Sidon abgeschossen. Während der Pilot gerettet werden konnte, gelangte Arad in die Hände der schiitischen AMAL-Miliz. Sie nahmen den verletzten israelischen Soldaten gefangen und forderten Lösegeld von Israel. Mustafa al Dirani entführte Arad in einer Nacht und Nebel-Aktion aus den Händen der AMAL und lief zur proiranischen, neugegründeten Hisbollah über.
Im Jahr 1987 drehen die schiitischen Gotteskrieger in ihrem Versteck, irgendwo in der Bekaa-Ebene des Zentrallibanon, ein Video welches ihre wertvolle Geisel zeigt, bärtig und ausgemergelt. Zu jener Zeit entstehen wohl auch die Briefe an seine Familie, die Hisbollah später an Israel im Zuge eines Gefangenenaustausches übergeben wird.

Nabi Shith, ein kleines Dorf in der Bekaa wurde zum Gefängnis für Ron Arad. Hisbollah-Leute des dortigen Schukur-Familienklans halten den Israeli gefangen. Es herrschte noch Krieg zu jener Zeit, die israelische Luftwaffe bombardierte Hisbollah-Ziele im Süd-Libanon, u.a. das Dorf Nabi Shith. Aus Angst flohen die Wachen Ron Arads, der in einem Verließ zurückgelassen wurde. Als sie am nächsten Tag nach ihrer Geisel sehen wollte war Arad verschwunden.

Mustafa al Dirani wurde 1994 Opfer einer israelischen Spezialeinheit. Sie entführten den ranghohen Hisbollah-Kommandeur aus seinem Dorf und verhörten ihn jahrelang. Dirani sagte den Israelis er habe mit iranischen Pasdaran-Vertretern (Revolutionsgarden) über den gefangenen Israeli gesprochen. Diese, so vermutet Dirani, hätten Ron Arad aus dem Libanon in den Iran gebracht. Quellen aus der Hisbollah bestätigen dies.
Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht der israelischen Ermittler heißt es jedoch Arad sei höchstwahrscheinlich krank geworden und die Pasdaran hätten ihn auf halber Strecke wieder in den Libanon zurück geschafft. Im Bekaa-Tal soll er irgendwann zwischen 1994 und 1997 verstorben sein, vermutlich 1995. Kämpfer der Hisbollah hätten seinen Leichnam verscharrt und Stillschweigen darüber bewahrt um den Fall “heiß” zu halten. Arad sollte als Verhandlungsmasse weiterhin zur Verfügung stehen, obwohl er längst tot war.

Selbst Hisbollah-Chef Nasrallah betonte stets er wisse nichts genaues über das Schicksal von Ron Arad, seine Organisation habe schon sehr früh nicht mehr die Verantwortung über die israelische Geisel gehabt.

Noch fehlen die DNA Beweise aus dem Libanon, Knochen die Hisbollah 2004 präsentierte erwiesen sich nicht als jene von Ron Arad. Iranische Geheimdienstler konnten keinerlei sichere Beweise für den Tod des israelischen Navigators liefern. Ausrüstungsgegenstände, Teile seiner Uniform und persönliche Notizen übergab die "Partei Gottes" in den letzten Jahres an Israel, jüngst gelangte dann auch die Videoaufnahme aus den späten 1980er Jahren an die Öffentlichkeit.
Der Abschlussbericht des Untersuchungskomitees besagt nun, Ron Arad sei bereits Mitte der 1990er Jahre gestorben, und zwar nicht durch die Hände der Hisbollah, wohl aber in ihrem Einflussgebiet.

Guy Hever
Vor 12 Jahren, am 17.August 1997 gegen 09:30 Uhr verließ der IDF Soldat Guy Hever seine Basis an den Golanhöhen nahe der syrischen Grenze. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört. Er gilt als MIA, “missing in action”.
Als er verschwand trug Hever seine Militäruniform und hatte sein Sturmgewehr bei sich. Familie und Freunde rätseln seit jenem Tag genauso wie Geheimdienste und die israelische Bevölkerung über das Schicksal des 1977 geborenen Soldaten.

Eine Theorie besagt Hever habe nach einem Streit mit dem Kommandeur der Artillerieeinheit, in deren Reihen er stationiert war, die Basis aus Zorn und Verärgerung verlassen und sei eine Klippe hinunter gestürzt und tödlich verunglückt. Manche sagen es sei Selbstmord gewesen, andere Kameraden sprechen von Leichtsinn. Ein Leichnam wurde jedoch bis heute nicht gefunden.
Guy Hevers Familie glaubt der Vermisste habe die Grenze zu Syrien übertreten und sei von den Syrern gefangen genommen worden. In einem Kerker irgendwo in Damaskus, so glauben die Hevers, sitzt der Soldat seitdem als Geisel des Assad-Regimes.
Im April 2008 überbrachte Ex-US Präsident Jimmy Carter dem syrischen Machthaber ein Foto von Guy Hever und bat um Aufklärung. Syrien bestreitet irgendetwas mit dem verschwinden des damals 20jährigen zutun zu haben.
Das “Widerstandskomitee für die Befreiung der Golan-Höhen”, veröffentlichte im Februar 2007 ein Statement in dem es behauptet Hever entführt zu haben. Für seine Freilassung fordere man die Herausgabe von mehreren drusischen Gefangenen in israelischer Haft. Nie zuvor war diese Gruppe aufgetreten, es gibt keinerlei Hinweise der Behauptung glauben zu schenken. Israels Geheimdienste verwerfen das Statement als Wichtigtuerei.

Russlands Nahost-Vermittler soll für mehr Aufklärung sorgen. Auf Bitten der Mutter von Guy Hever, Rina Hever, übergab er dem syrischen Außenminister Walid Moallem vor knapp zwei Wochen eine Anfrage Israels. Syrien antwortete man werde das möglichste tun Licht ins Dunkle zu bringen, aber man habe nichts mit dem Verschwinden von Guy Hever zutun.

Insgesamt 10 Millionen Dollar bietet die israelische “Born for Freedom”-Foundation für brauchbare Informationen über die Schicksale von Ron Arad und Guy Hever. Bislang konnte kein abschließender Durchbruch erreicht werden.

Gilad Shalit
Der jüngste Fall ist der des entführten Gilad Shalit. Palästinensische Militanten der Hamas verschleppten den 19jährigen am 25.Juni 2006 am Kerem Shalom Grenzposten am Gaza-Streifen. Shalit ist seitdem Gefangener der Hamas und ständiges Thema von mal geheimen, mal offiziellen Verhandlungen.

Seine Familie übt Druck auf Israels Regierung aus den Sohn endlich nach Hause zu holen. Hamas möchte im Gegenzug Mitglieder aus israelischen Gefängnissen freipressen, und zwar gleich hunderte, inklusive verurteilter Terroristen, Mörder und Bombenbauer. In Israel sorgt der Fall regelmäßig für Schlagzeilen weil kurioserweise feststeht wo sich Shalit befindet. Er hat Gaza nie verlassen, Hamas hält ihn irgendwo in den Kellerräumen ihrer Verstecke gefangen und dies erfolgreich seit drei Jahren. Trotz der Offensive “Gegossenes Blei” im vergangenen Januar und mehrerer Luftangriffe auf den Gaza-Streifen scheint Hamas den israelischen Soldaten erfolgreich von Geheimdiensten und Militär abzuschirmen.

Der Fall "Arctic Sea"


Ein 98m langer Holzfrachter mit einer Maximalgeschwindigkeit von 23km/h verschwindet vor der skandinavischen Küste, taucht erst Wochen später vor Westafrika wieder auf, angeblich entführt von estnischen Piraten die der russischen Mafia nahestehen.
Die Geschichte der “Arctic Sea” ist der Stoff für Gerüchte, Verschwörungstheorien und Spionage-Romane. Was hatte das Schiff tatsächlich geladen? Wurde es tatsächlich entführt oder deckten westliche Geheimdienste einen illegalen Waffenschmuggel auf?


Es beginnt Ende Juli im finnischen Jakobstad. Holz im Wert von 1,26 Millionen Euro wird auf den Frachter, der unter maltesischer Flagge fährt, verladen. 15 Crew-Mitglieder machen sich auf den geplanten Weg die Ware von Finnland an den algerischen Hafen Béjaia zu bringen.
Was dann geschah weiß niemand so genau. Irgendwann am 24.Juli 2009 befand sich die “Arctic Sea” zwischen Ötland und Gotland, als angeblich unbekannte Entführer das Schiff kaperten. Zunächst kam keine Meldung über einen Piratenangriff, und die Rederei wurde erst aufmerksam als der Frachter nicht wie erwartet Anfang August in Algerien ankam. Der Kontakt zur Besatzung war abgebrochen, es gab weder Hinweise auf Piraterie noch ein mögliches Unglück.

Die britische Küstenwache lokalisierte das Schiff zuletzt am 28.Juli in der Straße von Dover. Bis zum 30.Juli sendete die “Arctic Sea” weiter das automatische Ortungssignal. Mittlerweile wurde bestätigt dass die schwedischen Behörden Telefonkontakt zu einem Crew-Mitglied hatte, jedoch keine weiteren Informationen darüber preisgab. Bei Brest in Frankreich tauchte das Schiff auf einem Radarbild auf, bevor es schließlich das letzte Mal von einem Flugzeug der portugiesischen Küstenwache geortet wurde.
Am 03.August schließlich erhielt Interpol von der Rederei den Hinweis auf eine Entführung, woraufhin eine Suchaktion im westlichen Mittelmeerraum gestartet wurde. Kurioserweise gab es keinerlei Lösegeldforderungen, nichts was für eine gewöhnliche Kaperung sprach. Schon kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls spekulierten einige Stimmen über eine mögliche Entführung durch die Crew selbst. In Wahrheit hätte die “Arctic Sea” nicht nur Holz, sondern auch Drogen und Waffen geladen gehabt.

Es dauerte fast zwei Wochen bis der Frachter am 14.August nach seiner Geisterfahrt wieder auftauchte, vor den Kapverdischen Inseln. Die russische Marine setzte sich in Bewegung, erst drei Tage später jedoch wollte man bestätigen die “Arctic Sea” gefunden zu haben. Russland´s NATO-Botschaft erklärte man habe den Medien tagelang falsche Informationen geliefert um nicht die wahren Aktivitäten der russischen Suchmannschaften preiszugeben.

Quellen aus Brüssel und Moskau meldeten unterdes die zuständigen EU-Behörden hätten schon sehr viel länger gewusst wo sich das Schiff befindet und welchen Kurs es eingenommen hatte.
Alle 15 Crewmitglieder konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden, am 18.August bestätigte das russische Außenministerium zudem dass man acht Piraten festgenommen habe, darunter zwei russische Staatsbürger, ein Este und zwei Letten.
11 der 15 Crew-Mitglieder, inklusiv des Kapitäns wurden in Untersuchungshaft verhört. Keiner der an Bord anwesenden Personen ist es erlaubt über die Ereignisse zu sprechen, unter Androhung von sieben Jahren Haftstrafe in Russland. "Nicht verdächtiges wurde gefunden", verkündete Russlands Außenministerium am 25.August nach Durchsuchung des Schiffes. Der Chef-Ermittler Alexander Bastrykin hingegen erklärte es sei möglich dass die "Arctic Sea" nicht nur Holz geladen hatte. Eine illegale Lieferung sei denkbar.

Der Fall wirft dutzende Fragen auf: Wieso schickt Russland eine größere Marine-Suchmannschaft durch das Mittelmeer als für das somalische Piratenproblem aufgewendet wird? Warum dieser Aufwand für 1,26Millionen Euro finnisches Holz?
Warum dürfen die Crew-Mitglieder nicht offen über das Erlebte sprechen? Wieso sprach der Kapitän davon sein Schiff sei “nordkoreanisch”?

Der Kreml schickte zwei große Militärtransportmaschinen auf die Kapverden, angeblich für den Heimtransport der Frachter-Besatzung. Einige von ihnen wurden sogar mehrere Tage in russischen Gefängnissen festgehalten, und das als angebliche Opfer einer Entführung. Es wird behauptet die Rederei habe eine Lösegeldforderung von 1,5 Millionen Euro erhalten, dies dementiert das Unternehmen. Lediglich eine russische Quelle zitiert das Versicherungsunternehmen welches angeblich die Zahlungsforderung von den Kidnappern erhalten haben will.
Ganz allgemein scheint der Aufwand den Russland um den Fall betreibt auf mehr hinzudeuten als einen simplen Fall der Piraterie in nordeuropäischen Gewässern.
Eine Spur führt nach Israel. Die Fracht der “Artic Sea” so heißt es aus journalistischen Quellen in Tel Aviv und Jerusalem, sei kein Holz gewesen sondern Rüstungsgut. Ehemalige russische Militärs sollen sich in die Dienste der Mafia gestellt haben und an einem Deal zwischen der russischen Unterwelt und dem Regime von Teheran beteiligt sein. Der Iran habe Waffen geordert, die er nicht von direkt von Moskau bekommen würde und habe sich deshalb an die kriminellen Elemente gewandt. Bei einem Reperatur-Zwischenstop der “Arctic Sea” im russischen Kaliningrad seien Raketen an Bord des Frachters gebracht worden. Der dortige Hafen gilt als einer der größten illegalen Umschlagplätze für Waffen und Militärausrüstung im europäisch-russischen Raum. Nach Auflösung der Sowjetunion verkauften die dortigen Ex-Generäle auch schweres Kriegsgerät an den Meistbietenden. Dadurch entstanden in Kaliningrad finanzstarke, mächtige Mafia-Strukturen die weiterhin am Milliardengeschäft des Waffenhandels beteiligt sind.

Glaubt man den von Jerusalem Post und Times zitierten Quellen, dann steckt hinter dem angeblichen Entführungsfall der “Arctic Sea” eine hochbrisante Waffenlieferung an die iranischen Mullahs.
Das Schiff sei von der russischen Mafia als Transporter für Raketen benutzt worden, habe jedoch den ehemaligen Kurs fortsetzen wollen. Von Nordafrika aus sollten die Waffen dann ihren Weg über Syrien in den Iran finden.
Dem zuvor kam angeblich der israelische Mossad. Ein Agententeam entführte den Frachter nachdem die Israelis den Waffendeal entdeckt hatten. So bot man Moskau eine ideale Möglichkeit alles nach einer gelungenen Piraten-Befreiung aussehen zu lassen und nicht das eigene Gesicht zu verlieren.

Für Russland wäre ein solcher Vorfall höchst peinlich und außenpolitisch äußerst problematisch. Einen Tag nach der Befreiung der “Arctic Sea” reiste Israels Präsident Perez nach Moskau, sprach mit Präsident Medwedew über die Beziehungen Russlands zum Iran, die jüngsten Waffenlieferungen in den Nahen Osten und wohl auch über die vermeintliche Frachter-Entführung.
Das kriminelle Milieu verärgert durch seine Geschäfte mit dem iranischen Regime die russische Führung, bislang konnte Moskau bestimmen welche Ausrüstung und welche Form von Rüstungsgut Richtung Iran geliefert wird. Sollten die Mullahs diesen lästigen Mittelweg der immer vom aktuellen diplomatischen Weltklima abhängt umgangen haben, dürfte Russland ab sofort jede Lieferung doppelt und dreifach bedenken.
Welche Waffen könnten Israel zu einem derart drastischen Schritt und Moskau zu einer so umfangreichen Aktion veranlasst haben? Gerüchte nennen die S-300. Dieses Luftabwehrsystem gehört zu den modernsten der Welt und ist der ganze Stolz der russischen Rüstungsindustrie. Stationiert auf fahrbaren Transportern kann dieses Waffensystem mit einem hochmodernen On-Board-Radar bis zu 100 Ziele gleichzeitig Orten und 12 feindliche Flugkörper zeitgleich bekämpfen. In den 1990er Jahren lieferte Russland bereits mehrere Versionen der S-300PMU I an den Iran, ein Luftabwehrsystem dass Kampfflugzeuge und feindliche Langstreckenraketen in bis zu 110km Entfernung bekämpfen kann.
Irans Regime ist in jüngster Zeit an den neusten Versionen der S-300 interessiert, Systeme mit denen im Ernstfall amerikanische oder israelische Kampfflugzeuge auf bis zu 200km zerstört werden können. Auch gegen Israels Langstreckenraketen und Amerikas Cruise Missiles würden die neuen S-300 einen nie gekannten Schutz liefern. Im und mittleren Osten bedeutet diese Waffe eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zu Gunsten Irans. Aus israelischer Sicht entsteht dadurch ein Patt. Der iranische Luftraum wäre gegen einen möglichen Angriff auf die Nuklearanlagen geschützt, Israel müsste mit eigenen Verlusten im Fall eines großangelegten Luftschlages rechnen.
Iran wäre nicht unverwundbar aber die israelische Luftwaffe müsste im schlimmsten Fall mit einem Verlust von 20% ihrer Maschinen rechnen. Militärexperten in Israel sind sich sicher: das Regime von Teheran will die S-300 um jeden Preis.
Bislang zögerte Russland mit der Lieferung des Systems. US-Präsident Obama und die israelische Führung drängten Moskau immer wieder dazu die S-300 nicht zu liefern. 2007 schlossen Iran und Russland Verträge über den Kauf weiterer Luftabwehr-Raketen. In Jerusalem und Washington beobachtet man diese Entwicklung seit Jahren mit größter Sorge. Es liegt in russischen Händen ob Iran sich effektiv gegen Angriffe auf sein Atomprogramm schützen kann oder nicht.
Möglicherweise setzte Teheran diesmal alles auf eine Karte und hoffte darauf niemand würde den alten russischen Frachter bemerken, der sich von Finnland aus auf den Weg nach Nordafrika gemacht hatte.

Natürlich rutscht Moskau durch diese Aktion in die Ecke der peinlichen Schlafmützen, die den eigenen Waffenmarkt nicht kontrollieren können und auf die Hilfe ausländischer Geheimdienste angewiesen sind. Für die iranische Führung ist der Fall der “Arctic Sea” schwerwiegender. Wer sich als Staat illegal Waffen beschaffen will, katapultiert sich diplomatisch in eine Eiszeit.

Nordkoreanische Schiffe mit Kurs auf die iranische Küste, ein Konvoi voller Waffen der vom Sudan Richtung Gaza unterwegs war, ein Passagierflugzeug mit einer Fracht für Hisbollah, das nördlich von Teheran am Boden zerschellte - die Liste der Peinlichkeiten für das Regime Ahmadinejad reißt nicht ab. Es wird eng für Teheran. Israels wachsame Augen und Ohren waren in den vergangenen Monaten effektiver denn je, das Regime hat innenpolitisch stark zu kämpfen und außenpolitisch spielt es wenig erfolgreich den persischen James-Bond, der sich immer öfter eine blutige Nase holt.

Monday, August 10, 2009

Im Wortgefecht mit der Partei Gottes


Am 14.Juli explodierte urplötzlich ein augenscheinlich verlassenes Gebäude im kleinen südlibanesischen Dorf Hirbit Salim. Die Ruine erschien unbewohnt und ungenutzt, in Wahrheit befand sich unter ihr ein Waffen- und Munitionslager der Hisbollah.
Laut der UN-Resolution 1701 ist es Hibsollah nicht erlaubt Militärgerät südlich des Litani-Flusses zu lagern. Angeblich ausgelöst durch ein Feuer soll der unterirdische Bunker in einer Explosion zerstört worden sein.

Für Hisbollah, so vermuten die Israelis, sei dieser Vorfall ein beschämendes Ereignis dass die Nicht-Einhaltung der UN-Bestimmungen beweist und gleichzeitig die Schwäche der Partei Gottes offenbart. Eine spektakuläre Aktion gegen israelische Ziele könnte nun nötig sein um das Bild der unbesiegbaren Guerilla-Streitmacht wieder zurecht zu rücken, dies befürchtet zumindest der israelische Mossad.
Immer noch ist es Hisbollah nicht gelungen Rache zu üben für ihren 2008 getöteten militärischen Chef Imad Mugniyeh. Letztes Jahr vereitelten wohl Sicherheitskräfte in Aserbaidschan einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Baku, ägyptische Ermittler sprengten eine Hisbollah Zelle auf der Sinai-Halbinsel die versucht haben soll Attentate auf israelische Touristen zu verüben. Jüngst erst stießen die Ägypter dann auf Pläne der Hisbollah den israelischen Botschafter in Kairo zu ermorden.

Israelis im Urlaub sind das Ziel

330,000 Israelis machten sich bereits in der ersten Augustwoche auf in den Sommerurlaub, weitere hunderttausend folgen noch bis Oktober. Die meisten Urlauber zieht es nach Ägypten oder in die Türkei, viele auch nach Frankreich, Deutschland, Italien, England, die USA und Thailand. Alleine durch den israelischen Grenzübergang Taba nach Ägypten reisten seit Anfang August 40,000 Israelis.
Die Sicherheitskräfte in den Urlaubsorten sind besonders wachsam, da der israelische Geheimdienst vermutet Hisbollah wolle genau dort zuschlagen wo es viele weiche israelische Ziele treffen könnte. Touristen werden besonders abgeschottet, Spezial-Shuttles bringen sie vom Flughafen in die Hotels.

Krieg der Worte

Israels Premier Netanyahu erklärte man hoffe in nächster Zeit nicht mit einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Hisbollah rechnen zu müssen. Er schickte aber auch harsche Worte gen Beirut. Man werde die libanesische Regierung "zur Verantwortung ziehen für jede Aggression die aus diesem Territorium kommt". Sollte Hisbollah Teil der neuen Regierung in Beirut werden müssten alle Parteien und Politiker wissen dass jede Handlung Hisbollah´s zu Konsquenzen für den gesamten Libanon führen wird.

Die Warnung kommt nur knapp eine Woche nachdem ein ranghoher Kommandeur der IDF Nordfront einer britischen Zeitung sagte der Konflikt im nördlichen Israel könnte "jederzeit explodieren". Über 40,000 Raketen, davon geht inzwischen auch der Mossad aus, befinden sich aktuell im Arsenal der Hisbollah, die Organisation hat nach dem Krieg 2006 mindestens wieder zur alten Stärke zurückgewonnen. Einige ihrer iranischen Geschosse sollen eine Reichweite bis Tel Aviv besitzen, neue Boden-Luft-Raketensysteme könnten für Israels Luftwaffe gefährlich werden.

Gestern ließ ein Hisbollah Sprecher verlauten, sollte Israel den Libanon erneut angreifen, würde die schiitische Guerillaorganisation in einem Maße reagieren welches den Krieg vor drei Jahren "wie einen Scherz" aussehen lassen würde.
Daniel Ayalon, stellvertretender Außenminister Israels reagierte prompt: "Wir auch nur ein Haar auf dem Kopf eines israelischen Repräsentanten oder Touristen gekrümmt werden wir Hisbollah in vollen Ausmaß verantwortlich machen!"

Vor wenigen Stunden dann die Meldung Augenzeugen berichten von israelischen Militärfahrzeugen die in der Nähe der umstrittenen Shabaa-Farmen nahe der libanesischen Grenze Stellung beziehen würden. Die libanesischen Streitkräfte seien daraufhin in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, meldete die Haaretz.

Runde 2 im Spiel "Hisbollah vs Israel"?

Israel rechnet fest damit dass Hisbollah Rache üben wird für Imad Mughniyeh´s Ermordung. Wo und wann diese Racheaktion stattfindet kann nur vermutet werden, dass sie aber demnächst kommen wird steht für den Mossad außer Frage. Gerade unter dem Druck die Schmach des vernichteten, illegalen Waffenlagers wieder gut zu machen, muss Hisbollah reagieren und Schlagkraft beweisen.

Im Moment ist es ein Schlagabtausch der Worte. Hisbollah ist auf die uneingeschränkte Unterstützung des Iran und Syriens angewiesen. Mit der protestierenden Opposition, dem Druck aus dem Ausland, den Gerichtsprozessen gegen westliche Botschaftsangehörige und verirrte Touristen könnte sich das Mullah-Regime eine mediale Ablenkung nur wünschen. Allerdings käme eine zweite Runde im Kampf David gegen Goliath, nur in vertauschten Rollen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Iran´s wirtschaftliche Lage entwickelt sich schlecht, Millionen für das libanesische Kriegsspiel aufzubringen fällt Teheran schwer.
Da Hisbollah nur als verlängerter Arm Ahmadinejads in der Region erachtet wird, geht es Israel bei einem Kampf gegen Partei Gottes um mehr als nur um territoriale Sicherheit, es geht um die Bewahrung vor weiterem, größeren Übel.
Die Kriegswochen des Jahres 2006 waren eine politische Niederlage für den jüdischen Staat, Soldaten wie Zivilisten verloren ihr Leben, Hisbollah hat die Raketenbatterien längst wieder aufgefüllt und ihren Staat im Staate mit aller Macht aufrecht erhalten. Nur alleine um dieses Bild aus israelischer Sicht wieder zurecht zu rücken würde man keinen zweiten Krieg wagen.

Alte Rechnungen und neue Schwäche

Viel gewichtiger ist Hisbollahs Situation in der libanesischen Politik. Anders als erwartet wurde sie bei der Wahl im Juni abgestraft. Rafik Hariri´s Sohn übernimmt das Erbe seines Vaters und bringt somit die Syrien-Gegner an die Macht im Zedernstaat. Hisbollah ist auf den zweiten Platz verwiesen worden, abhängig auch von der Gunst der Machthaber die immer weniger gewillt sind eine iranische Söldnerarmee im eigenen Land zu akzeptieren. Um die Unterstützung der nicht-schiitischen Libanesen, der Mittel- und Oberschicht nicht zu verlieren und Macht einzubüßen muss Hisbollah beweisen dass nur sie den Libanon vor der israelischen Bedrohung schützen kann. Dass sie gleichzeitig Auslöser und Bewahrer spielen wird ist den meisten Libanesen längst klar. Ihre Provokationen an der südlichen Grenze tragen dazu bei dass Israels Interesse am nördlichen Nachbarn nicht schwindet. Die schiitischen Gotteskrieger, bis an die Zähne bewaffnet und blind Teheran gehorchend, sind ein schmerzender Dorn im Auge Israels. Nur zähneknirschend konnte man die Kriegshandlungen beenden und das Gebiet bis zum Litani wieder den Partisanen überlassen.
Hassan Nasrallah schwor einst: "Gäbe es Hisbollah nicht, wäre Israel morgen wieder vor Beirut!" - gäbe es Hisbollah nicht müssten die Israelis nicht bis nach Beirut.

Monday, August 3, 2009

Iranisches Flugzeug soll Hisbollah-Waffen transportiert haben


Israelische Quellen melden das Passagierflugzeug welches amen 15.Juli 2009 nördlich von Teheran abstürzte, hatte u.a. eine große
Waffenlieferung für Hisbollah geladen. Unter den 168 Toten des Absturzes sollen Mitglieder der Al Quds Force, einer Sondereinheit der Revolutionsgarde gewesen sein.
Angeblich transportierte die Tupolev vor allem Sprengsätze, Fernzünder und Raketenteile, was die Augenzeugenberichte von mehreren Explosionen erklären könnte.
Die Maschine war auf dem Weg nach Armenien, wo die Waffenlieferung angeblich weiter nach Syrien, von dort aus in die Türkei und dann in den Libanon gebracht werden sollte.
Kurz nach dem Absturz erschienen an der Unglücksstelle bereits iranische Sicherheitskräfte und riegelten den Ort ab.
Normalerweise werden Lieferungen an die Hisbollah direkt über Syrien in den Süd-Libanon abgewickelt. Südlich des Litani-Flusses baute Hisbollah in den vergangenen Jahren mehrere Bunkersysteme und Waffenlager aus. Eines dieser Lager explodierte versehentlich am 14.Juli, weshalb die iranisch Führung angeblich beschloss die Lieferung in einem zivilen Passagierflugzeug über eine Route in das Zielgebiet nördlich des Litani zu bringen.

Iranische und libanesische Quellen spekulierten bereits kurz nach dem Absturz es könne es um ein gezieltes Attentat des israelischen Mossad gehandelt haben.

Wednesday, June 3, 2009

Dschihad News VIII


Propaganda

Neues Video von Eric Breininger alias "Abdul Ghafar al Almani"





Abu Yahya al Libi in As Sahab Video der Al Qaida:



Erneut meldet sich ein deutschsprachiger Dschihad-Kämpfer in einem Video der Islamic Jihad Union zu Wort. Das letzte Mal als man von Eric Breininger hörte war vor fast einem halben Jahr, seitdem tauchten die beiden Bonner Brüder Abu Adam und Abu Ibrahim mehrfach in Propagandavideos auf, einige davon wurden komplett in Deutsch verfasst und richteten sich primär an die Bundesrepublik.
Die deutschen Behörden gehen seitdem davon aus dass sich die deutschen Mujaheddin, die unter der Flagge der IJU kämpfen, im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet aufhalten, vermutlich in den Trainingslagern der Organisation in Nord- und Süd-Waziristan. In der nächsten Veröffentlichung der IJU-Medienabteilung zeigt sich Eric Breininger mit einer Kalaschnikow posierend in einer Felsschlucht. “Wir befinden uns hier in Afghanistan, um uns gegen die Kuffar vorzubereiten”, so der mittlerweile bundesweit gesuchte Islamist. Datiert wird das Video auf den 28.Mai 2009, und widmet sich mit knapp 12 Minuten Länge vor allem dem usbekischen Kommandeur Abdullah Fatih der IJU, der erstmals zusammen mit bekannten Al Qaida Größen wie Abu Yahya al Libi und Abu Laith al Libi zu sehen ist. Eine Szene zeigt den offiziellen militärischen Emir der Al Qaida in den FATA zusammen mit dem usbekischen IJU Führer. Ebenfalls zu sehen ist der inzwischen getötete Chef-Ausbilder der Al Qaida Abu Laith al Libi, der im Januar 2008 durch einen US-Drohnenangriff ums Leben kam.



Bedeutung für die Sicherheitslage der Bundesrepublik und der deutschen Soldaten in Afghanistan dürfte das Video nur sofern haben dass durch die Person Breininger selbst sein Aufenthaltsort genannt wird, er sich vermutlich in Afghanistan aufhält und nicht mehr in der pakistanischen Grenzregion. Klarer denn je wird außerdem das Verhältnis der IJU zur Al Qaida. Durch das Auftauchen von Abu Yahya al Libi kann man darauf schließen dass Al Qaida die Islamic Jihad Union als Teil ihres länderübergreifenden Netzwerkes der Allianzen versteht. Al Libis Predigten an der Seite des IJU Kommandeurs Fatih stellen in der Dschihadi-Szene so etwas wie einen religiös abgesegneten Qualitätsstempel für die Organisation dar, seine Funktion als Chef-Ideologe auf dem Schlachtfeld und als selbsternannte Imam verleiht der IJU eine gewisse Autorität und adelt sie in die Ränge der obersten Dschihad-Riege. Anzumerken ist dass Al Libi zum ersten Mal mit einer weißen Kopfbedeckung zu sehen ist, sonst erschien die Person des dunkelhäutigen Predigers in Uniform nur mit schwarzem Turban, ein Zeichen für die aktive Teilnahme am Heiligen Krieg.

Warum die Islamische Dschihad Union die Szene von Breiningers-Auftritt, die bereits im Oktober 2008 in einem Video verwendet wurde, wieder in ein Propagandavideo einbaut ist fraglich, vermutet werden kann ein Zusammenhang mit der Europa- und Bundestagswahl.


Propaganda

Wenn einer eine Reise tut...



Gespannt und wartungsvoll beobachtet die arabische Welt seit Tagen den ersten Besuch des neuen US-Präsidenten Obama in den Nahen Osten. Zunächst reist der Hoffnungsträger Nr.1 nach Saudi-Arabien, dann weiter nach Kairo.
Worum es bei den Gesprächen mit dem saudischen Königshaus geht, dürfte außer Frage stehen. Alte Pakte müssen erneuert werden, es geht Obama darum den arabischen Royals zu versichern dass Amerika weiterhin an einem stabilen Öl-Lieferanten interessiert ist, und dass man gemeinsam die islamistische Gefahr, den Hauptfeind der saudischen Monarchie, bekämpfen will. Interessanter dürfte Obamas Auftritt im Millionen-Moloch am Nil sein. Hier im Herzen der arabischen Welt (die Araber nennen Kairo auch “Mutter der Welt”) muss der schwarze Mann im Weißen Haus diplomatisches Geschick beweisen. Ägyptens unangefochtenes Staatsoberhaupt Mubarak ist nicht gerade für seine Liebe zur Demokratie und Menschenrechten bekannt, politische Gegner aller Facetten vegetieren in seinen Kerkern dahin und das radikalislamische Potential des arabischen Megastaates unter Kontrolle zu halten bedarf eines gewaltigen Polizei- und Geheimdienstapparates. Die Annäherung an Israel, gerade während der Gaza-Offensive Anfang des Jahres, ließ Mubarak aus Sicht der meisten Muslime weiter moralisch versinken. Obamas Administration weiß darum wie wichtig Ägypten als Sicherheitsgarant in der Region ist, welche Rolle die Ägypter vor allem in Bezug auf den Nahostkonflikt spielen können. Trotzdem wird sich es Mr.President nicht nehmen lassen Demokratiedefizite und eingeschränkte Freiheitsrechte anzusprechen.
Im Kern verändert sich durch Obamas Tour nichts am Verhältnis zwischen den absolut proamerikanischen Regimen von Riad und Kairo und Washington. Rational gesehen ist es ein Besuch bei Freunden, denen der Rückhalt in der Bevölkerung schon sehr lange fehlt. Meist sind die Partner im Anti-Terror-Kampf eben jene die besonders dadurch auffallen dass die von ihnen verteidigten Werte und Rechte in den eigenen Ländern und für die eigenen Völker nicht gelten. Einst sagte Donald Rumsfeld sogar über den Ex-Diktator von Bagdad: “Saddam ist ein Schwein, aber er ist unser Schwein!” Change kann auch ein Barak Hussein Obama nicht in die arabische Wüste und an den Nil bringen.
Noch bevor er überhaupt dort eintraf schickten ihm zwei weniger freundlich gesinnte Personen ein paar unnette Worte mit auf den Weg.

Gleich zwei Tonbandbotschaften der Al Qaida Führung tauchten auf, das eine von Ayman al Zawahiri war gestern auf islamistischen Websites erschienen. Darin verweist der ägyptische Al Qaida Vize auf Obamas anstehende Reise und bezeichnet die Staatsoberhäupter die ihn treffen werden als “Sklaven und Folterknechte Amerikas”. Unter Obama, so Zawahiri, werde sich an der amerikanischen Nahost-Politik nichts ändern, das Gerade vom Wandel und einem neuen Kurs sei eine “PR-Lüge”. Den Ägyptern riet Zawahiri den US-Präsidenten nicht willkommen zu heißen, man brauchte keine neue Botschaft aus Washington, die Muslime hätten die “blutige Botschaft” der Obama-Politik längst erhalten. Weiterhin betreibe Amerika Foltergefängnisse wie Bagram in Afghanistan, weiterhin seien US-Soldaten im Irak, zusätzliche Truppen seien auf dem Weg nach Afghanistan. Klares Ziel der Tonbandnachricht ist: Obamas Image zu zerstören, die Araber darauf aufmerksam zu machen dass sich vielleicht das Gesicht der US-Politik geändert habe, die Inhalte aber die gleichen bleiben.
Nachdem der Stellvertreter seine Rede als MP3 verbreitet hatte, lieferte heute Al Jazeera den nächsten Ruf aus dem Verborgenen. Mit krankwirkender, müder, geschwächter Stimme meldete sich Osama Bin Laden zu Wort. Nur schwer lässt sich sagen ob die heute ausgestrahlte Audiobotschaft tatsächlich aktueller Natur ist oder bereits vor Wochen aufgezeichnet wurde.
Konkret zum Obama-Besuch in Ägypten und Saudi-Arabien äußert sich der Terrorchef nicht, sehr wohl aber greift er den neuen amerikanischen Präsidenten an. Es sei der von ihm ausgeübte Druck auf die pakistanische Regierung gewesen, beteuert
Bin Laden, der zum “Morden, Kämpfen, Bombardierung und Zerstörung” im Swat-Tal geführt habe, die USA seien verantwortlich für den Tod von Muslimen und die Vertreibung Hunderttausender aus Nord-Pakistan und den Stammesgebieten. Obama habe eine neue Saat für Hass in der muslimischen Welt gesät, und damit bewiesen dass er den gleichen Weg einschlage wie sein Vorgänger Bush. Durch den direkten Verweis auf die pakistanische Militäroperation in Swat und die Flüchtlingswelle kann die Aufnahme unmöglich vor Anfang Mai gemacht worden sein. Höchstwahrscheinlich besitzt Al Jazeera das 25minütige Band schon seit längerer Zeit, entschied sich aber erst jetzt, kurz vor dem Eintreffen Obamas in Kairo, zur Veröffentlichung. Stimmanalysen werden zeigen dass es sich bei dem Sprecher tatsächlich um Bin Laden handeln, dessen Gesundheitszustand wohl heftig debattiert werden wird. Fakt ist dass der Al Qaida Gründer lebt, die Botschaft selbst ist weniger neu, sie enthält keine neuen Drohungen, richtete sich hauptsächlich an die Muslime von Pakistan, erläutert dass das Blutvergießen Teil eines amerikanischen Plans ist das Land zu destabilisieren und die islamische Nation zu zerstören.

Propaganda
Ankündingung: Exklusive Fotos und Videomaterial von Abu Mussab al Zarqawi

Aus der Dschih@d-Szene ist zu erfahren dass in naher Zukunft (höchstwahrscheinlich im Laufe der nächsten 48 Stunden) bisher unveröffentlichtes Foto- und Videomaterial des getöteten Al Qaida Führers im Irak, Abu Mussab al Zarqawi, zugänglich sein wird. Diese Nachricht ist nicht ungewöhnlich bedenkt man die vielen Gerüchte die im Internet seit der Ermordung des gefeierten Märtyrers kursieren. Immer wieder wurde berichtet die irakische Al Qaida Medienabteilung besäße bislang unbekannte Videoaufnahme von Zarqawi, darunter Szenen die den Islamistenführer während aktiver Kampfeinsätze zeigen. Nach dem ersten medialen Erscheinen Zarqawis ohne die übliche Maskierung blieben ihm nur wenige Wochen bis seine amerikanischen Jäger der geheimen Taskforce 145 Erfolg hatten und ihn in der Nähe von Baquba töteten.

Westafrika
Es zahlte niemand.


30.Mai 2009, 19:30 Ortszeit soll Edwin Dyers Todeszeitpunkt sein. Der nordafrikanische Zweig der Al Qaida “Al Qaida im Islamischen Maghreb” (AQIM) ließ in einem zweiseitigen Statement verlauten man habe die britische Geisel, Edwin Dyer, nach Ablauf eines Ultimatums hingerichtet “damit er und der britische Staat ein kleines Stückchen von dem spüren was unschuldige Muslime tagtäglich durch die Kreuzritter und Juden von Ost nach West erleiden müssen.” Dyer war im Januar 2009 zusammen mit zwei kanadischen Diplomaten, einer deutschen und zwei schweizer Touristen im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali entführt worden als sie von einer Reise ins Tuareg-Gebiet zurückkehrten. Sowohl die beiden Kanadier als auch die deutsche Geisel und eine Schweizerin wurden inzwischen von den Islamisten freigelassen. Angeblich, so hieß es aus Westafrika in den letzten Wochen, verlangten die Entführer 14 Millionen Dollar Lösegeld für Dyer und den Schweizer. Offiziell versuchte die Al Qaida in Nordafrika den in Großbritannien inhaftierten Hassprediger Abu Qatada freizupressen. Dieser Forderung war die britische Regierung nicht nachgekommen, Sicherheitskräfte in der Region hatten mehrfach versucht islamistische Kämpfer festzunehmen und zu töten, in Mauretanien und Libyen erlitt die Al Qaida schwere Verluste, so dass man nervös reagierte und anscheinend mehrfach den Aufenthaltsort wechselte. Das Dokument welches über das Internet veröffentlicht wurde enthält keine Fotos, also lässt sich der tatsächliche Tod von Edwin Dyer, der an einer organisierten Reise in Westafrika teilnahm und in Österreich beruflich tätig war, nicht bestätigen.

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Exportschlager




Wahhabitische und salafistische Auslegung des islamischen Glaubens verlangen nach einer Reinigung der Religion von allen modernen, fremden und äußeren Einflüssen. Angestrebt wird ein puritanischer Islam ohne westliche Beeinflussung, eine reine, erzkonservative Lehre deren einzige Grundlage Koran und Sunnah in ihrer wortwörtlichen Form sein sollen. Jede Form von Schmuck, von Überfluss, Luxus oder Ausdruck von Kreativität die einem anderen Zweck dient als der Liebe zu Allah und seinem Propheten sind untersagt. Solche Verbote führen dazu dass die Dschihad-Szene teilweise zu einer sehr kargen, schmucklosen Kultur geworden ist, in der man sich oft auf das nötigste beschränkt. Sichtbar wurde dies unter dem Regime der Taliban in Afghanistan als sowohl Filme als auch Musik, Tanz, Gesang, Malerei und Fotografie untersagt wurde. Interessanterweise findet dieser islamistische Puritanismus auch Ausdruck in der Wahl der Logos dschihadistischer Gruppierungen. Dem afghanischen Staat verliehen die Koranschüler eine simple Nationalflagge, das islamische Glaubensbekenntnis in schwarzer Kalligrafie auf weißem Grund, Saudi-Arabien besitzt heute noch eine ähnliche, grün-weiße Variante mit zusätzlich abgebildetem Säbel. Einst soll der Prophet selbst die sogenannte “Kalimah-Flagge” eingeführt haben, ein Banner das in zwei verschiedenen Versionen den Hoheitsanspruch des Islam repräsentieren soll. Die einfache Flagge mit dem Bekenntnis “Ich bezeuge dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Mohammed sein Prophet ist” (Shahada genannt) soll an der Spitze der islamischen Heerscharen getragen worden sein und zwar mit weißer Schrift auf schwarzem Grund, die sogenannte “Dar al-Harb”-Flagge. Dar al-Harb beschreibt das “Land des Krieges”, so wurden und werden Regionen bezeichnet in denen das islamische Recht der Sharia noch nicht eingeführt wurde, d.h. in denen der Islam noch nicht offiziell Staatsreligion ist sondern erst durch die Muslime zum Sieg gebracht werden muss. Anders symbolisiert die weiße Flagge mit schwarzer Schrift (Dar al-Salam = “Haus des Friedens”), wie in Afghanistan ab 1996 bis 2001, ein Land in dem der Islam bereits herrscht und nach Sharia-Recht regiert wird. In jüngster Zeit machten sich einige militante islamistische Bewegung diese Symbolik zu nutzen und verwenden sie als Logo und Erkennungszeichen. Bekannt wurde hier besonders das Logo des “Islamischen Staat im Irak” (kurz ISI). In einem weißen Kreis auf schwarzem Grund steht hier in schnörkellosen, extrem einfach gehaltenen Buchstaben das islamische Glaubensbekenntnis. Verwendet hat es die irakische Al Qaida nachdem die Organisation ihre Metamorphose von der “Al Qaida im Zweistromland” über den “Mujaheddin Shura Council” bis zum ISI durchmachte. Heute ist die Flagge Symbol für die verbliebene Al Qaida im Irak, tauchte jedoch seitdem in einer Reihe anderer Länder ebenfalls auf. Zunächst veröffentlichten im Internet islamistische Gruppen aus Gaza Statements und Fotos die die ISI-Flagge in den palästinensischen Gebieten zeigt, dann folgten die somalischen Mujaheddin der Shabaab und schließlich die im Jahr 2008 neu gegründete “Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel”, der jemenitisch-saudische Ableger des weltweiten Terrornetzwerks. Aber nicht nur in Somalia, dem Jemen, Irak und den Palästinensergebieten findet die ISI-Flagge Verwendung. Durch ihren universellen, nicht an eine Region oder einen Konflikt gebundenen Charakter, wird sie zu Propagandazwecken vor allem im Internet benutzt um Dschihad-Unterstützung per Mausklick und Photoshop zu ermöglichen. Banner, Werbeposter und Fanmaterial ziert sie tausendfach, in Indonesien sah man sie während der Prozesse gegen die Hintermänner der Bali-Bomber sogar vor den Gerichtssälen im November 2008.

Hier einige Beispiele für den Exportschlager des ISI Logos:



US Soldaten finden bei einer Razzia in der irakischen Al Qaida Hochburg Diyala eine professionell angefertigte Flagge des “Islamischen Staat im Irak”.


Der DVD-Stand eines palästinensischen Dschihad-Unterstützers in einem Laden in Gaza wird mit einer ISI-Flagge verziert. Und auch beim Verteilen von Flugblättern der Al Qaida in Palästina kommt die Flagge im Mini-Format zum Einsatz.


Indonesiens Islamistenführer und Hassprediger Abu Bashir spricht im November 2008 anlässlich des Bali-Bomber-Prozesses vor einem Gerichtsgebäude während einer seiner Anhänger die ISI-Flagge als Symbol für die Al Qaida Sympathie in die Kameras der Journalisten hält.



Kaum hatten die somalischen Extremisten der Shabaab Anfang Mai 2009 strategisch wichtige Städte wie Baidoa und Vororte von Mogadischu gewaltsam eingenommen, tauchte die Fahne des ISI in der somalischen Hauptstadt auf.


Anfang des Jahres gab der jemenitische Al Qaida Chef al Wahayshi einem einheimischen Journalisten ein Interview. Von diesem Treffen existiert nur ein einziges Foto das den Reporter und den Dschihadi vor der ISI-Flagge zeigt.

Aserbaidschan
Vergeltung vom Nil bis zum Kaukasus (?)



International wenig beachtet spielt sich im Nahen Osten eine diplomatische Krise ab, die ein Theater offenbart das sich zwischen Geheimdiensten, kulturellen und politischen Allianzen abspielt. Hauptakteure sind Hisbollah und die iranische Führung auf der einen, der ägyptische Staat, israelische und amerikanische Politik auf der anderen Seite. Anfang April nahm das Spiel seinen Lauf, als die ägyptischen Behörden mitteilten man habe eine Terrorzelle der Hisbollah auf der Sinai-Halbinsel gesprengt. Die mehr als 30köpfige Gruppe sei damit beauftragt worden Orte für mögliche Anschläge auf israelische Staatsbürger in Ägypten auszukundschaften. Aus Beirut folgte sofort das Dementi, es gäbe keine Pläne für Terroranschläge am Nil, es seien normale Verbindungsleute der Hisbollah festgenommen worden, keine geheimen Agenten. Ägyptens Präsident Mubarak reagierte verärgert und drohte man werde keinerlei terroristische Aktivität dulden und auf Anschläge werde Vergeltung folgen. Vergeltung, darum soll es der Hisbollah gegangen sein als sie ihre Männer nach Ägypten entsandte. Ihr Auftrag sollte angeblich eine Racheaktion für die Ermordung des Hisbollah-Chefplaners Mughniyeh gewesen sein, den der Mossad im Frühjahr 2008 in Damaskus tötete. Im Streit zwischen Ägypten und der libanesischen “Partei Gottes” ging es letztendlich um mehr als nur um die unschöne Tatsache dass hochprofessionelle Terroristen im Staate Mubarak aktiv sind und israelisches Leben bedrohen. Auf gar keinen Fall wollte Ägypten als arabischer Vorreiter und populationsmäßiger Riese in der sunnitischen Welt Opfer einer Terrorkampagne werden deren Fäden in Teheran gezogen werden. Hinter der Hisbollah steckt der Iran, daran hat kaum ein Araber Zweifel. Der Widerstand der libanesischen Gotteskrieger gegen die verhassten Israelis wird von einer Mehrheit der arabischen Bevölkerung von Marokko bis Damaskus, und sogar deren Führern unterstützt, Sheikh Hassan Nasrallah stieg im Ansehen der Muslime weltweit nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Invasion Israels 2006. Womit sich aber nur wenige abfinden können ist die Tatsache dass Hisbollah weniger eine arabische, mehr aber eine schiitische und persisch kontrollierte Organisation ist. Vom Mullahstaat aus kommen Geld und Waffen, damit auch Befehle und Richtlinien, Nasrallah folgt den Anweisungen aus Teheran, schiitische Söldner der Iraner, so sagen böse Zungen, hätten den Libanon als Geisel genommen, politisch wie militärisch. Seit dem Irakkrieg und dem dort köchelnden und immer wieder aufflammenden Bürgerkrieges zwischen den ethnischen Parteien, droht sich ein Flächenbrand auf die gesamte islamische Welt auszubreiten. Schiismus gegen den sunnitisch, arabischgeprägten Islam, so sieht der neue “Kalte Krieg” von Nordafrika bis Südostasien aus. Jahrhunderte nach der konfessionellen Spaltung bilden sich neue Fronten aus alten Konflikten und die Spirale von Gewalt, Rache und Vergeltung beginnt wieder. Diesmal jedoch mit weltpolitischen Strategien, mit Ländergrenzen, Geheimdiensten und neuen Mitspielern. Ägypten sieht sich zusammen mit dem saudischen Königreich als eine Front in dieser Auseinandersetzung, man möchte die arabische Welt vereinen gegen den aufstrebenden, immer stärker werdenden Iran. Auf der anderen Seite strebt die iranische Großmacht nach der ultimativen Waffe, möchte als Globalplayer ernst genommen werden, die politische Führung um Ahmadinejad reizt nicht nur die USA mit provokanten Aussagen, und ganz allgemein arbeitet man an der Expansion der Khomeini-Revolution. Dank der Beseitigung Saddam Husseins, bietet sich der chaotische Irak wie ein Lamm auf der Schlachtbank den iranischen Mullahs auf dem Silbertablett, der Libanon mit seiner schiitischen Mehrheit droht zu einer Art iranischen Kolonie zu werden und insgesamt fürchtet man in den arabischen Staaten einen zunehmenden schiitischen Einfluss. Diesen zu bekämpfen und sich gegen ihn zu wappnen schließt für einige Staaten, vor allem Ägypten, nicht aus sich mit historischen Erzfeinden wie Israel einzulassen. Nur enger israelischer-ägyptischer Zusammenarbeit ist es zu verdanken dass es Mubaraks Sicherheitskräften gelang die Hisbollah-Truppe ausfindig zu machen, die im Sinai bereits Einheimische angeworben hatte. Die nächste Runde in diesem Diplomatiekrieg, in dem niemand irgendetwas zugeben oder offen aussprechen will, findet weit entfernt vom Nil statt, zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer. Behörden in Aserbaidschan verhafteten im Mai 2008 mehrere Männer die beschuldigt wurden für ausländische Kräfte zu arbeiten und Anschläge im Land zu planen. Genaue Informationen hatte man wohl nicht, denn einige kamen sehr schnell wieder aus der Haft und verließen daraufhin Aserbaidschan in Richtung Iran, Türkei und Libanon. Einige kehrten zurück, bildeten zwei Terrorzellen die in der Hauptstadt Baku besonders das Botschaftsviertel ins Auge gefasst hatten. Am 27.Mai 2009 begann der Prozess gegen zwei Libanesen und vier Aserbaidschaner denen vorgeworfen wird für Hisbollah zu Anschläge geplant zu haben. Israels Vertretung in Aserbaidschan befindet sich in einem Buisness-Tower in Baku, zusammen mit verschiedenen anderen Botschaften, nahe einer militärischen Radarstation. Dort sollten laut der vermeintlichen Pläne der Zelle mehrere Autobomben zur Explosion gebracht werden, alles Teil einer weltweiten Rache-Kampagne für die Mughniyeh-Ermordung. Ali Karaki und Ali Najemeddin, zwei libanesische Staatsbürger seien von der iranischen Revolutionsgarde über die iranisch-aserbaidschanische Grenze geschleust worden um in Baku Kontaktmänner anzuwerben. Vier schiitische Aserbaidschaner hätten als Unterstützer Informationen, Sprengstoff und Fahrzeuge für Hisbollah besorgt. Bis zum 10.Juni soll das Gericht entschieden haben was mit den Angeklagten geschehen soll. Von der Hisbollah kam bislang kein Statement zum Status der Festgenommenen oder der Anschuldigungen.


Pakistan
Ein Gesicht der neuen Taliban-Generation



Osama Bin Laden, Ayman al Zawahiri, Mullah Omar - fallen diese Namen wissen die meisten um wen es sich in etwa handelt. Sie sind die international meist gesuchten Terroristen, die Gesichter des islamistischen Terrors im neuen Jahrtausend. Ihre amerikanischen Jäger zweifeln im achten Jahr nach 9/11 nicht mehr daran dass sich die drei hochkarätigsten Terrorführer in Pakistan aufhalten, eventuell in den unkontrollierten Stammesgebieten an der afghanischen Grenze, vielleicht in den Metropolen Quetta oder Peshawar oder in den Slums von Karachi. Fest steht: Sie halten sich nicht mehr in Afghanistan auf, Pakistan ist zu einem “Safehaven” für Dschihadis geworden. Anders aber als für die NATO-Truppen im Nachbarland und Amerika ganz allgemein stellen diese Männer keine reale Bedrohung für den pakistanischen Staat dar. Ihre Aktionen haben globalen Charakter, ihre Ambitionen kennen keine Ländergrenzen, sie schließen Allianzen und Bündnisse, solange es ihren Interessen dient. Gefährlich für Pakistans Führung werden andere Personen, die außerhalb des Landes kaum jemandem bekannt sind. Diese inner-pakistanische Liste der Top-Terroristen wird immer länger, seit Jahren wächst die Zahl der pakistanischen Taliban-Gruppierungen, ihre Netzwerke wechseln ständig Namen, junge, charismatische Führer rufen immer neue Kampfgruppen ins Leben, radikalere Islamisten übernehmen die Befehle über Terrorcamps oder ganze Distrikte. Nach der Offensive im Swat-Tal stand fest dass der Terror inzwischen 100%ig pakistanisch ist, junge Männer aus den Armenvierteln Islamabads, aus den Dörfern Waziristans werden in Madrassas entsandt, erhalten ihre islamistische Gehirnwäsche und werden in den Trainingslagern zu Suizidbombern. Dabei haben die Taliban die ursprünglichen Methoden und Taktiken der Al Qaida übernommen, eine neue, gefährlichere Generation der Koranschüler ist im Begriff den Terrorismus zu reformieren. Fida Ullah gehört zweifellos zu jener Taliban-Generation. Pakistanische Sicherheitskräfte verhafteten den auch als “Abdul Rahman, Sohn von Fazl Hadi” bekannten Kommandeur der “Tehrik e-Taliban” am 27.Mai 2009 zusammen mit einem ehemaligen Abgeordneten aus den Stammesgebieten. Ihm wird vorgeworfen ein Selbstmordattentäter-Camp geleitet zu haben und direkt verantwortlich zu sein für große Anschläge in Islamabad (04.April 2009, acht Paramilitärs getötet/ 23.März 2009 Anschlag auf Basis der Spezialkräfte der Polizei). Insider nennen Fida Ullah einen der Top-Kommandeure von Baitullah Mehsud. Nach seinem Vorschlag entsandte die “Tehrik e-Taliban” 20 Selbstmordattentäter in die pakistanische Hauptstadt um spektakuläre Operationen auszuüben. Erst im Sommer 2007 verhaftete man den jungen, bärtigen Pakistani während des Aufstandes rund um die Rote Moschee von Islamabad, später entließ man ihn mit anderen Aufständischen. Im Gedenken an den während der Auseinandersetzungen um die Moschee getöteten Predigers Ghazi Abdul Rashid, baute Fida Ullah im Hangu-Distrikt der Stammesgebiete die “Ghazi-Einheit” auf, deren Basiscamp inzwischen zur “Tehrik e-Taliban” gehört. Ullah, geboren in Buner, schloss eine Madrassa-Ausbildung ab und gelangte im Zuge eines religiösen Seminars nach Islamabad wo er sich Maulana Abdullah Aziz und Ghazi Abdul Rashid anschloss. Laut der pakistanischen Polizei spielte er eine entscheidenden Rolle bei er Übernahme von Buner durch die Taliban im Frühjahr 2009. Seine Biografie ist beispielhaft für die Taliban-Bewegung der post-9/11 Zeit. Vertrieben und in ihren Strukturen aufgelöst gelang es den Koranschülern in den letzten Jahren in Pakistan eine Basis zu errichten, die das Ergebnis eines umfassendes ideologischen und politischen Kampfes ist. Islamistische Gruppierungen von Belutschistan bis Kashmir schmieden seit geraumer Zeit Bündnisse und Allianzen die vorher nicht denkbar erschienen. Geeint im Kampf gegen die proamerikanische Regierung von Islamabad, zunächst unter General Musharraf, jetzt unter der Administration Zardari, bildete sich ein mächtiges Netzwerk, in dem die einzelnen pakistanischen Warlords und Taliban-Anführer ihre Differenzen beiseite gelegt haben, und das zu einer geopolitischen Herausforderung nicht nur für Pakistan selbst sondern auch für die NATO und die Anrainerstaaten wird. Die neuen Köpfe dieser Taliban-Fürsten erscheinen kaum in internationalen Medien, ihre Namen stehen für einen chaotischen Nuklearstaat am Rande des politischen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs.

Wednesday, April 15, 2009

Dschihad News VI

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Lebenszeichen der palästinensischen Al Qaida


Erstmals seit Monaten meldete sich letzte Woche die mysteriöse Gruppierung „Al Qaida in Gaza“ wieder über das Internet. Ein qualitativ minderwertiges Video wurde veröffentlicht welches den Abschuss zweier Kleinraketen vom Gaza-Streifen aus zeigt. Beide Geschosse sollen am 08.April 2009 nach Israel geschossen worden sein.
Die beiden im Video erscheinenden maskierten Militanten präsentieren neben den selbstgebauten Raketen die von der Bauart an die Qassams der Hamas erinnern die offizielle Flagge der irakischen Al Qaida „Islamischer Staat im Irak“. Die schlicht gehaltene, schwarz-weiße Fahne zeigt das islamische Glaubensbekenntnis und wurde vom „Islamischen Staat im Irak“ als Logo übernommen nachdem dieser aus dem „Mujaheddin Shura Council“, einem von Abu Mussab al Zarqawi als Dachorganisation gegründeten Netzwerk der Al Qaida im Irak.
Seit 2006 ist den Geheimdiensten in Israel bekannt dass es Al Qaida von Ägypten aus gelungen ist den Gaza-Streifen zu infiltrieren und zusammen mit lokalen salafistischen Gruppen, die in ihrer Ideologie noch extremere Ansichten als Hamas und der Dschihad al Islami vertreten, ein kleines Netzwerk aufzubauen dass seitdem versucht terroristische Aktivitäten gegen Israel durchzuführen. Aus Sicht der Al Qaida Hardliner hat sich die islamistische Hamas inzwischen von ihrem ursprünglichen orthodox-sunnitisch-islamischen Kurs abgewendet und durch ihre Zusammenarbeit mit der schiitischen Hisbollah und der iranischen Führung Verrat an der Gemeinschaft der Sunnah begangen die das Schiitentum als kerzerische und unislamisch ablehnt.
Geschätzt maximal 70 Personen gehören zur sogenannten „palästinensischen Al Qaida“ die sich in ihren offiziellen Statements und Videos „Al Qaidat al Dschihad fi Gaza“ nennt. Insbesondere der in Gaza ansässige Familienklan Dughmash gilt als Vertreter der Al Qaida Ideologie in den palästinensischen Gebieten. Über die vergangenen Monate kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen der regierenden Hamas und den salafistischen Extremisten die dabei mindestens 10 Opfer alleine zwischen Dezember und März 2009 zu verzeichnen haben. Immer häufiger gelangen über Internet-Foren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit die Hamas beschuldigen gezielt „sunnitische Mujaheddin“ zu exekutieren.
Bin Ladens verzweifelte Versuche den Erzfeind Israel durch ein palästinensischen Netzwerk in Gaza und Westbank angreifen zu können dürften weiterhin erfolglos verlaufen, die Präsenz der Al Qaida im Umland Israels, u.a. auch im südlichen Libanon und benachbarten Ägypten sowie in Syrien wird allerdings zu einer zunehmenden beunruhigenden Lage für israelische Sicherheitskräfte.




Großbritannien
-->Der Geist und sein Terrornetz

Selbst kleine Fehler im Anti-Terror-Krieg können fatale Folgen nach sich ziehen. Jüngst musste dies Bob Quick am eigenen Leib erfahren, als er am 08.April 2009 aus seinem Fahrzeug stieg um den britischen Premier Gordon Brown in seiner Residenz in London aufsuchte. Unter den Arm geklemmt hatte der oberste britische Anti-Terror-Polizist, Vater von fünf Kindern, mehrere Dokumente darunter eine schriftliche Planung für eine bevorstehende Anti-Terror-Operation. Unglücklicherweise hielt Quick dieses streng geheime Dokument nicht verdeckt sondern präsentierte es unabsichtlich den Kameras der anwesenden Paparazzi. „Operation Pathway“ hatten die Anti-Terror-Ermittler die geplante Razzia genannt bei der mutmaßliche Islamisten verhaftet werden sollten. Kaum kamen die Meldungen über den Patzer von Mr.Quick, der ihn schließlich den Posten kostete, an die Öffentlichkeit rotierten hinter den Kulissen die Zahnräder der Geheim- und Sicherheitsdienste.
Noch in der Nacht schlug die britische Polizei zu, die geplante Aktion musste vorverlegt werden da dringende Fluchtgefahr bestand.
Insgesamt nahmen die Ermittler 12 Verdächtige fest, die meisten rund um Manchester und an anderen Orten in Nordwest-England. Bei 11 der festgenommenen Männer handelt es sich um pakistanische Staatsbürger die sich mit Studentenvisa in Großbritannien aufhalten und unter Verdacht stehen mit Al Qaida Terroristen in Kontakt zu stehen und Anschläge geplant zu haben. Wie Premier Brown kurz nach den Festnahmen erklärte gebe es Verbindungen zwischen den Verdächtigen und terroristischen Elementen in Pakistan. Was genau die Männer geplant haben sollen und wer sich letztendlich beauftragt, angeworben oder ausgebildet hat wurde bisher nicht bekannt, nur dass die Terroraktionen am Osterwochenende stattfinden sollten und sich vermutlich gegen Einkaufszentren und verschiedene öffentliche Orte in Manchester und Umgebung richten sollten.
Die britische Polizei geht davon aus dass die ausgehobene Terrorzelle nicht unabhängig arbeitete sondern Instruktionen und Befehle aus dem Ausland bekam. Anführer der Gruppe soll der 22jährige Abid Nasir sein, ein Pakistani aus den Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze. Seine Wohnung in Cheetham Hill wurde genau wie Häuser in Liverpool, Manchester und Lancs und ein Internet-Cafe durchsucht.
Anders als bei den Attentätern vom 07.Juli 2005 scheinen die nun festgenommenen Islamisten keine „home-grown“ Terroristen zu sein sondern im Ausland aufgewachsene und radikalisierte junge Männer die aus dem Herzland des militanten Islamismus, den pakistanischen Stammesgebieten stammen. Mindestens einer von ihnen soll in Süd-Waziristan geboren worden sein und familiäre Kontakte in das Umfeld der lokalen Taliban-Kommandeure unter Kommando von Baitullah Mehsud haben.
Ob mit der „Operation Pathway“ des MI5 wirklich eine bevorstehende Serie von Al Qaida Anschläge in Großbritannien verhindert wurde werden erst die kommenden Wochen zeigen. Wie aus Medienquellen zu erfahren ist musste die britische Polizei zwei Verdächtige wieder aus der Untersuchungshaft entlassen, die Anschuldigungen gegenüber den übrigen zehn Studenten erscheinen kaum ausreichend für weitere Anklagen oder Festnahmen.
Vielleicht aber können die britischen Behörden diese Aktion doch als Erfolg verbuchen, denn Al Qaida´s pakistanische Führung gilt seit Monaten als absolut entschlossen große Anschläge in westlichen Staaten durchführen zu lassen. Spektakuläre Selbstmordattentate in Europa und den USA blieben in jüngster Vergangenheit aus, es mangelt dem Netzwerk weniger an Zielen oder Freiwilligen als viel mehr an Logistik und Planung. Aus Angst vor den westlichen Geheimdiensten hat man die präzise Strategie und Planungsphase von den Zielländern zurück nach Pakistan und Afghanistan verlegt. Ein kleiner Kreis erfahrener Al Qaida Kommandeure erhielt die Anweisung Ziele in Europa auszuwählen und Anschläge zu planen die besonders jene Staaten und deren Regierungen treffen sollen die einen Anteil am Anti-Terror-Krieg in Afghanistan haben. Hierbei rücken natürlich besonders das Vereinigte Königreich, die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich ins Visier der Fanatiker. Völlig unbeachtet bleiben aber auch Polen, Dänemark (das Heimatland des neuen NATO-Befehlshabers), Niederlande und Italien nicht.
Zum Planungsstab der Al Qaida gehört laut Informationen der Geheimdienste ein Mann den man letztes Jahr schon für tot gesagt hatte. Durch seine doppelte Staatsbürgerschaft (Pakistan/Großbritannien) gilt Rashid Rauf als Al Qaida´s Verantwortlicher für Aktionen in Großbritannien. Im August 2006 flog ein Al Qaida Plan auf Passagiermaschinen von England aus auf der Transatlantikstrecke zu entführen und zu sprengen. Nur einen Tag nachdem in mehreren britischen Orten mutmaßliche Terroristen verhaftet worden waren ging den pakistanischen Sicherheitskräfte der Chefplaner dieser Terroroperation Rashid Rauf ins Netz. Der 30jährige Bin Laden Anhänger wuchs als Kind pakistanischer Eltern in Birmingham auf, spricht fließend Englisch mit britischem Akzent und kennt beide Welten, die pakistanische Heimatregion der Familie im kaschmirischen Mirpur und die moderne europäische Gesellschaft. Verheiratet ist Rauf mit einer Verwandten des gesuchten pakistanischen Islamistenführers Maulana Masud Azhar, dem Gründer der in Kaschmir stationierten Jaish e-Mohammed Organisation. Nachdem ein Gericht in Pakistan keinerlei Beweise finden konnte die Rashid Rauf mit den geplanten Anschlägen von Großbritannien in Verbindung brachten wollte man freilassen, verlängerte seine Haft aber aufgrund des Drucks aus London. Mysteriöserweise gelang ihm im Dezember 2007 die Flucht aus dem Gefängnis in Islamabad. Von dort aus flüchtete Rauf in die Stammesgebiete wo er Schutz bei lokalen Taliban-Führern fand. Seinen vermeintlichen Tod fand der Islamist am 21.November 2008 durch einen US-Drohnenangriff auf ein Gebäude im nord-wazirischen Miramshah, bei dem neben Rauf und drei Pakistanis auch der ägyptische Al Qaida Kommandeur Abu Zubair ums Leben gekommen sein soll. US-Satellitenaufnahmen vom zerstörten Ziel kurz nach dem Angriff zeigten einen leblosen Körper zwischen den Trümmern bei dem es sich laut CIA um Rashid Rauf handelte. Entgegen dieser Meldungen behauptete seine Familie hartnäckig er habe den Luftschlag überlebt. Wie tatsächlich der aktuelle Status von Rauf aussieht ist nebulös. Nachdem in Belgien im letztem Dezember 14 Al Qaida Terroristen festgenommen wurden sagte einer der Festgenommenen aus er sei persönlich von Rauf in Pakistan ausgebildet und beauftragt worden ein Selbstmordattentat in Europa auszuführen. Zudem sei die belgische Zelle nur Teil eines Netzwerkes aus Suizid-Einheiten die in ganz Europa verstreut seien um eine geplante Anschlagsserie durchzuführen die von Al Qaida in Pakistan, u.a. von Rashid Rauf geplant wurde. Städte in Holland, Großbritannien, Frankreich und Belgien seien die Ziele gewesen. Mit diesem Hinweis aus Belgien gelang es jetzt den britischen Behörden die Manchester-Gruppe, wohl die „Nordwest-Zelle“ in Europa, festzusetzen. Während man in Pakistan mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgeht dass der gesuchte Rashid Rauf beim Drohnenangriff vom November 2008 in Nord-Waziristan ums Leben kam mussten amerikanische Geheimdienstler letzte Woche zugeben es gebe keine 100%ige Sicherheit, vielleicht werde es eine lange Zeit dauern bis man Gewissheit habe ob Rauf tot oder lebendig sei.
Bis dahin sieht man lediglich das Werk des Al Qaida Planers, der noch Monate vor dem Angriff auf seine Person, Selbstmordattentäter nach Europa sandte und ein erstaunlich umfangreiches Netzwerk errichten konnte, dass noch nicht vollkommen ausrottet zu sein scheint.












Propaganda
Die Brüder die den Tod suchen


Abu Adam und Abu Ibrahim – zwei Namen so ausdrucksstark wie nichtssagend. Wer in der Dschihad-Welt unterwegs ist legt vieles ab: Gewohnheiten, Laster, Charaktereigenschaften, vorherige Weltbilder, alte Überzeugungen, Moral und Ethik. Das erste aber was ein überzeugter Mujahed ablegt ist der Name der ihn an seine Vergangenheit, sein altes, „falsches“ Leben erinnert. Aus normalen Namen werden Kampfnamen, Pseudonyme die aus dem Zivilisten einen Krieger machen, die den Soldaten vom normalen Wesen unterscheiden. Jeder kennt Jossif Dschugaschwili nur unter seinem „nom de guerre“ Stalin, aus Nguyen Sinh Cung wurde der weltbekannte Ho Chi Minh.
In der islamistischen Szene wählen die Gotteskrieger Kampfnamen die meist in Tradition an eine bekannte Persönlichkeit der islamischen Geschichte erinnern soll, einen besonders mutigen, kämpferischen Mujahed oder einen erfolgreichen Kalifen. Meist bestehen die gewählten Namen aus zwei Teilen, wobei der erste ein freigewählter Rufname ist und aus dem letzten Teil oft ersichtlich wird woher der Kämpfer stammt. Beispielsweise lässt sich aus dem Namen „Abu Mohammed al Lubnani“ schließen dass es sich um „Abu Mohammed den Libanesen“ handelt.
Folglich müssten die Kampfnamen der Brüder Abu Adam und Abu Ibrahim vollständigkeitshalber auf „al Almani“ enden: der Deutsche. In ihrem alten Leben hießen die beiden Deutsch-Marokkoner Mounir (27) und Yassin (24) und stammen aus Bonn. Dort aber leben sie seit Jahren nicht mehr, ihre neue Heimat ist die Bergwelt Waziristans, wo sie seit geraumer Zeit an der Seite einer multi-ethnischen Dschihad-Truppe unter der Flagge der Islamischen Dschihad Union kämpfen und in regelmäßigen Abständen deutschsprachige Propaganda verbreiten.
Tauchten sie in ihrem ersten Video noch maskiert und verschleiert auf, predigen die Brüder heute unverhüllt vor laufender Kamera den Dschihad gegen die Ungläubigen und rufen die islamische Ummah auf den Tod für die „Sache Allahs“ auf. Bevor aus den gläubigen Muslimen, die als Musterbeispiele der Integration hätten dienen können, fanatische Extremisten wurden, beendeten beide erfolgreich die Schule in Deutschland, einer studierte Elektroingenieurtechnik an der Universität Koblenz, der andere begann eine Ausbildung beim Bundesamt für Statistik. Irgendwann setzte die Radikalisierung ein, der Einfluss extremistischer
Kräfte in der Moschee und im Freundeskreis wuchs, aus Mounir und Yassin wurden „Abu Adam“ und „Abu Ibrahim“, die Aushängeschilder der usbekischen Islamischen Dschihad Union und derzeit aktivisten deutschsprachigen Mujaheddin, die ihre Botschaften aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet per Internet in alle Welt schicken, wobei der Hauptadressat eindeutig die Bundesrepublik ist. Durch Besuche in einer Bonner Moschee sollen die Brüder mehrfach in Kontakt mit der mittlerweile bekannten deutschen Dschihad-Persönlichkeit Bekkay Harrach alias Abu Talha (Al Qaida Sprachrohr für Botschaften an Deutschland) gekommen sein.
Neustes Produkt der Propagandaabteilung der Islamischen Dschihad Union ist ein Video mit Titel „Sieg oder Märtyrertum“, bis auf arabische Gesänge komplett in deutscher Sprache gestaltet. Zu sehen sind Szenen der Mujaheddin-Ausbildung, Schieß- und Taekwondo-Übungen, Dschihad-Schulung von Kindern und Jugendlichen und Kampfszenen vom angeblichen Schlachtfeld in den Stammesgebieten Pakistans. Hauptteil des Videos ist jedoch eine Predigt von Abu Ibrahim, der im typischen Stil eines Imam gekleidet vor der weißen Shahada-Flagge des islamischen Kalifats berichtet welche Pflicht und zeitgleich Geschenk der Dschihad für die Muslime ist. Sein Bruder Abu Adam berichtet in seine kurzen, von Mujaheddin-Szenen untermalten Ansprache davon mit welcher Freunde man die Schlachten gegen die NATO Truppen erwarte und dass man als Mujahed den Tod ersehne und erstrebe.
Des Weiteren tauchen eine Reihe ausländischer Gotteskrieger auf die in verschiedenen Szenarien gefilmt wurden, u.a. ein 16jähriger Kämpfer der anscheinend eine Schussverletzung an der Hand erlitten hat und von seinen Kampfgefährten versorgt wird. Ein weiterer Kämpfer mit Namen Abdul Halim ist mit einem deutschen Gewehr des Modells „Blaser R 93 Offroad“ zu sehen, das als Scharfschützengewehr eingesetzt wird.

Ägypten/Libanon
Nasrallahs Racheengel


„Was er wirklich gemacht hat war die Unterstützung mit Material und Logistik für die Brüder des palästinensischen Widerstandes in Gaza zu sichern“ – mit dieser Aussage bestätigte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah letzten Freitag überraschend die Vermutung und Anschuldigung ägyptischer Behörden, die libanesische Organisation habe ein Netzwerk in Ägypten aufgebaut. Ägyptische Sicherheitskräfte hatten letzte Woche einen Libanesen namens Sami Shihab festgenommen der ein Agent der Hisbollah sein soll und für die Schiiten-Miliz Terrorzellen aufbauen sollte. Der Mann habe dem ägyptischen Geheimdienst im Verhör ausgesagt Hisbollah plane als Rache für die Ermordung ihres Kommandeurs Imad Mughniyeh im Februar 2008 israelische Ziele in Ägypten anzugreifen. Nasrallah hingegen erklärte Shihab sei bereits am 19.November 2008 inhaftiert worden und habe lediglich den palästinensischen Widerstand unterstützt, seine Gruppe plane keine Anschläge außerhalb des Libanon und schon gar nicht gegen ägyptische Einrichtungen.
Bei dem festgenommenen Libanesen handelt es sich nicht um irgendwen sondern um einen kampferfahrenen Logistiker der Hisbollah, der im Süd-Libanon gegen die israelische Armee gekämpft hat und dabei verwundet wurde. Seit März 2008 habe ihn die Hisbollah-Führung damit beauftragt ein Netzwerk aus kleinen Einsatztruppen aufzubauen und israelische und jüdische Ziele in Ägypten auszuwählen. Eingereist sein soll der schiitische Extremist mit gefälschtem Pass unter dem Decknamen Hassan al-Rol. Ausgewählt für die Mission haben soll ihn ein Mann namens Mohammed Qablan, ein Hisbollah-Nachrichtendienstmann der unter Anleitung des Organisationsvize Sheikh Naim Qassim steht und lange auf der Sinai gelebt hat und somit mit der ägyptischen Lage vertraut scheint. Shihab gehört zu einer 49köpfigen Gruppe schiitischer Hisbollah-Anhänger die sich derzeit in ägyptischer Haft befinden. Einige von ihnen gaben an über die letzten Wochen gefoltert und misshandelt worden zu sein. Nach mehrmonatiger Planung, so geht es angeblich aus den Aussagen Shihabs hervor, habe u.a. man die beliebten Touristenziele Dahab, Nuweiba und Taba als geeignete Ziele für Selbstmordanschläge und Attacken mit Autobomben ausgewählt und begonnen Sprengstoffe herzustellen.
Derzeit, so erklärten jüngst Sicherheitsdienste in Kairo, jage man 13 noch flüchtige Mitglieder des Hisbollah-Netzwerks die sich wohl in der Stadt Al Nakhl, auf der Sinai-Halbinsel aufhalten. Unter ihnen seien Libanesen, Palästinenser und Sudanesen, alle Teil einer Terroreinheit die Anschläge auf israelische Touristen geplant haben soll.
Zweifelsohne kann man den Anschuldigungen der ägyptischen Regierung Glauben schenken, soweit es die Aktivitäten der Hisbollah in den arabischen Staaten angeht. Lange schon ist bekannt dass die Organisation Teams im Nahen Osten verstreut hat, von Dubai bis Libyen. Keine dieser Einheiten wurde bis jetzt terroristisch aktiv, Hauptzweck dieser Truppen ist die Beschaffung von Informationen und das Auskundschaften von potentiellen Zielen. Unterstützt werden die ausländischen Agenten der Hisbollah dabei vom iranischen und syrischen Geheimdienst, lokale Unterstützer sorgen für den nötigen Schutz. Mubaraks Regime dürfte schon lange bekannt sein dass sich spätestens seit 2005 eine Zahl libanesischer Terroristen in Ägypten aufhält, immer dient die Sinai als Tor nach Gaza und somit in die palästinensischen Gebiete. Israelische Interessen zu treffen fällt am Nil auch nicht sehr schwer, immerhin reisen erheblich mehr israelische Staatsbürger in das Land der Pharaonen als in jeden anderen arabischen Staat.
Kurz nach der Ermordung Imad Mughniyehs in Damaskus, höchstwahrscheinlich ausgeführt vom Mossad, kündigte Hassan Nasrallah Vergeltung an. Israel habe, so der Hisbollah-Anführer damals, außerhalb des gewöhnlichen Schlachtfeldes (Libanon-Israel) zugeschlagen, daher werde auch Hisbollah den Radius ihres Kampfgebietes erweitern: „Ihr wollt diese Form des offenen Krieges, ihr sollt sie bekommen!“
Sowohl in Tel Aviv, wie in Beirut und Washington war klar dass auf Mughniyeh´s Tod Racheaktionen folgen würden. Experten gehen davon aus dass Hisbollah spektakuläre Anschläge im Ausland plant, sehr schmerzhafte Aktionen gegen israelische Bürger oder Interessen des jüdischen Staates durchführen wird. Dass Rache folgen würde war klar, nur wann lässt sich nicht sagen. Immer schon operierte Hisbollah nach dem Prinzip dass Vergeltung dann geübt wird wenn der Feind nicht damit rechnet. Auch während der Kriege gegen die israelischen Streitkräfte schlugen die libanesischen Gotteskrieger nie sofort dort zu wo ihnen Verluste beigebracht wurden. Sie zogen sich zurück und griffen die Israelis an einer völlig anderen, unerwarteten Stelle an. Nicht ohne Grund bezeichnen Geheimdienstler mit Nahost-Erfahrung Hisbollah als den gefährlichsten und kreativsten Gegner Israels. Nasrallahs Kronprinz Mughniyeh konnte ausgeschaltet werden, jetzt muss alles daran gesetzt werden dass der nächste Schachzug kein tödlicher Nadelstich für Israel wird.
Geopolitisch zeigen die Vorfälle in Ägypten wie weit inzwischen die politischen Differenzen zwischen dem iranischen Regime und den arabischen Staaten fortgeschritten sind. Die Führer und Despoten der arabischen Welt bekämpfen entschieden jeden iranischen Einfluss, Ägypten fürchtet um seine Machtstellung im Nahen Osten und sieht sich zusammen mit den Golfstaaten als Front gegen die „persische Bedrohung“. In der Hisbollah sehen inzwischen viele arabische Führer und weite Teile der Bevölkerungen zwischen Marokko und Syrien nicht mehr eine anti-israelische Widerstandsorganisation mit libanesischem Charakter sondern eine iranische Fremdenlegion die die Interessen Teherans nicht mehr nur gegen Israel sondern gegen die verhassten sunnitischen Regime vertritt. Netzwerke aus Hisbollah-Zellen sollen die Position der aufstrebenden iranischen Großmacht in der Region sichern und im aufkommenden, zukünftigen Konfessions-Krieg in der inner-islamischen Welt eine schlagkräftige Geheim-Einheit darstellen. Solche im Untergrund agierenden Gruppen zu infiltrieren und aufzuspüren ist seit mehreren Jahren hohe Priorität der arabischen Geheimdienste. Sicherlich mit Hinweis aus Israel ließen nun die Ägypter das bisher größte Hisbollah-Netzwerk außerhalb des Libanon auffliegen, Dementis von Seiten Hassan Nasrallahs werden in der arabischen Welt nicht wahrgenommen, zu offensichtlich erscheint mittlerweile die iranische Taktik der Unterwanderung und Expansion der iranischen Revolution auf die Staaten des Nahen Ostens. Als „Kriegsverbrecher“ brandmarkte die ägyptische Führung über ihre Presseabteilung jüngst Hisbollah-Chef Nasrallah und Präsident Mubarak schickte eine deutliche Warnung Richtung Beirut und Teheran, man werde es nicht dulden dass Ägyptens Grenzen und Souveränität verletzt würden.