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Für Meir Dagan dürften es schwierige Tage und Wochen werden, die ihm bevorstehen. Israel´s Geheimdienstchef ist heute bestimmendes Thema der israelischen Feuilletons. So scharf wie nie zuvor üben die Kommentatoren Kritik am Kopf des Mossad. Die gezielte Tötung eines Hamas-Funktionärs in einem 5-Sterne Hotel in Dubai droht trotz Erfolg der Mission zu einem Fiasko für den einst als besten Geheimdienst der Welt geltenden Mossad.
Mahmoud al-Mabhouh verlässt den Lift, hinter ihm seine Mörder
Alles in allem dürften die israelischen Agenten am 20.Januar frohlockt haben. Mahmoud al-Mabhouh, der in einem Videobekenntnis erst vor wenigen Wochen bestätigte im Jahr 1989 zwei israelische Soldaten entführt und hingerichtet zu haben, war ein Waffenhändler im Dienste der Hamas, Hisbollah und des Iran. Von Dubai aus soll der Palästinenser, der seine Heimat das letzte Mal vor 20 Jahren gesehen hatte, geplant haben in den Sudan und nach China weiter zu reisen. Er war der Mitbegründer des militärischen Hamas-Flügels der Qassam-Brigaden und hatte definitiv Blut an den Händen.
Dennoch verwundert es, dass der Mossad ein bis zu 17köpfiges Killer-Kommando in ein arabisches Emirat entsandt haben soll um späte Rache an einem Staatsfeind zu üben der noch dazu ohne Leibwächter reiste. Kaum jemand dürfte ernsthaft daran zweifeln dass Mahbouh Opfer einer Mossad-Operation wurde. Die Verweise darauf er habe in Kreisen von skrupellosen Waffenhändlern verkehrt und könnte Opfer eines geplatzten Deals sein, klingen geradezu lächerlich. Viel zu hoch war der Aufwand den Hamas-Mann ins Jenseits zu befördern. Dubai´s Polizei fahndet inzwischen nach sechs weiteren Verdächtigen, die am Mord beteiligt gewesen sein sollen. Ein Pärchen beispielsweise soll als Gast in der Eingangshalle des Hotels Observation der Zielperson betrieben haben. Die Frau trug einen großen Sonnenhut und eine Sonnenbrille. In Israel haben sich mittlerweile sechs Männer gemeldet, deren Identitäten von den Killern verwendet wurden. Die britischen, irischen, französischen und deutschen Pässe waren allesamt gefälscht, oftmals waren die Daten und Namen korrekt, die Unterschriften und Passbilder unterschieden sich.
Laut der Ermittler verwendeten die Mörder die gleichen Reisepässe auf Reisen in Südostasien und Europa bevor sie in unterschiedlichen Flugzeugen nach Dubai einreisten. Nur 19 Stunden dauerte die gesamte Aktion, dann lag Mahmoud al-Mabhouh tot in seinem Hotelzimmer und die verdächtigen Europäer hatten das Golfemirat wieder verlassen. Einer von ihnen, der angebliche Franzose Elvinger flog noch vor der Ermordung al-Mabhouhs über Qatar nach München.
Zwei Mitglieder des Killerkommandos in Tennis-Outfit
Einiges verwundert am Morfall Mahbouh. Zweifelsohne war die Aktion ein Erfolg, die Zielperson wurde ausgeschaltet, seine Mörder entkamen. Still und leise verlief die Tötung, nicht aber ihr Nachhall. Dem Mossad war ohne jeden Zweifel klar, dass Dubai mit Überwachungskameras verseucht ist. Jeder Winkel des winzigen Stadtstaates wird gefilmt und beobachtet, die Luxushotels verfügen über modernste Überwachungstechnik. Nur so gelang es den Ermittlern minutiös den Mord an Mabhouh zu rekonstruieren.
Von den Killern wird man sicher nichts mehr hören. Ihre Identitäten werden unerkannt bleiben, geschützt vom israelischen Staat. Weder in Deutschland, noch in Frankreich oder Irland werden sich die entsprechenden Personen finden lassen. Fingerabdrücke hat die Polizei längst ermittelt, doch auch diese sind im neuen Jahrtausend so schnell austauschbar wie Kontaktlinsen.
Warum ging der Mossad das Risiko ein vor dutzenden laufenden Kameras einen politischen Mord zu begehen? Entweder die Agenten waren unvorsichtig, schlecht vorbereitet und stümperhaft - eigentlich undenkbar aber nicht unmöglich.
In Jordanien klickten in den 1990er Jahren am Flughafen von Amman die Handschellen bei zwei Mossad-Killern, als diese versuchten nach einem Attentat auf Hamas-Auslandschef Khalid Mashaal Jahren das Land zu verlassen. Bei sich trugen sie gefälschte kanadische Pässe. Auch in diesem Fall hatte der Mossad Identitäten echter Personen gestohlen. Damals konnte nur ein Einknicken Israels verhelfen die beiden Geheimdienstler frei zu bekommen.
Im Jahr 2004 versuchte der israelische Nachrichtendienst an neuseeländische Pässe zu kommen und flog dabei auf. Neuseeland brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab.
Noch während des Kalten Krieges ließen unvorsichtige Mossad-Agenten mehrere gefälschte britische Pässe in einer Bonner Telefonzelle zurück.
Wie andere Geheimdienste auch, dürfte der Mossad aus Fehlern lernen. Ein Mord vor den Dubaier Kameras lässt sich also nur mit einer neuen, offensiven Strategie erklären. Dass seit geraumer Zeit eine aggressivere Vorgehensweise der israelischen Geheimdienste zu beobachten ist, bestätigen inzwischen politische Beobachter im Nahen Osten. Israel will seinen Feinden zeigen dass man vor nichts zurückschreckt um den Terrorismus zu bekämpfen. Sei es der Mord am Hisbollah-Militärchef Mughniyeh in der syrischen Hauptstadt oder die Tötung des Dschihad-Gründers Shikaki auf Malta, die Botschaft von Dubai scheint klar - der Mossad kann töten wo und wann immer er will.
Mahmoud al-Mabhouh musste sterben nicht nur weil er zwei israelische Soldaten auf dem Gewissen hatte oder für Hamas Waffen einkaufte. Enge Verbindungen zu Teheran und die Gefahr eines erstarkenden Netzwerkes zwischen Beirut, Teheran, Damaskus und Gaza ist die einzig plausible Erklärung weshalb 17 Männer und Frauen diplomatische Eiszeit zwischen europäischen Staaten, Dubai und Israel riskierten. Gerüchten zufolge soll Mabhouh den Konvoi organisiert haben, der im vergangenen Jahr eine Waffenlieferung vom Sudan aus, durch Ägypten nach Gaza bringen sollte. Die Lkws wurden in der sudanesischen Wüste von israelischen Kampfflugzeugen gleich zweimal bombardiert und die gesamte Landung vernichtet.
Die Feinde des jüdischen Staates dürften die recht unmissverständliche Botschaft wahrgenommen haben. Erst einmal aber frohlocken die Gegner Israels. Internationale Kritik lässt nicht lange auf sich warten, Kommentatoren warnen: "Mörder bleiben Mörder, egal ob Hamas oder Mossad".
Mahmoud al-Mabhouh war mehr als nur ein im Exil lebender Hamas-Funktionär. Er starb nicht zufällig am 20.Januar in einem Dubaier Hotelzimmer vermutlich durch Elektroschocks und einen Draht um seinen Hals.
Al-Mabhouh war, so zumindest erklärte jetzt ein anonymer israelischer Geheimdienstler, der wichtigste Waffenschmuggler der Hamas. Durch seine Arbeit wurden große Mengen Raketen, Sprengstoffe, Munition und Schusswaffen vom Iran aus über Land- und Seewege nach Gaza gebracht.
Für Hamas ist die Sache klar: Israel ließ al-Mabhouh ermorden. Der Führer der Organisation im Gaza-Streifen, Mahmoud az-Zahar erklärte vermutlich seien die Mörder in der Delegation eines israelischen Diplomaten in die Vereinigten Arabischen Emirate gekommen, der Dubai am 15. und 16.Januar besuchte.
Die Ermittler in den Vereinigten Arabischen Emiraten vermuten derweil eine "professionelle, europäische Gangsterbande" stecke hinter dem Mord an al-Mabhouh. Einige Namen seien bekannt und man habe einen Interpol Haftbefehl beantragt. Mittlerweile wurde auch bekannt dass sich keine Leibwächter in der Nähe befanden als der Hamas-Funktionär umgebracht wurde. Vermutlich seien Profikiller am Werk gewesen.
Israelische Medien zitieren ehemalige Mossad-Agenten, die berichten al-Mabhouh sei im internationalen Waffenhandel tätig gewesen. Dort verkehre man gewöhnlich auch mit sehr fragwürdigen und gefährlichen Personen, und Geschäfte könnten schnell lebensgefährlich enden. Wahrscheinlich sei auch der Palästinenser Opfer eines misslungenen Deals geworden.
Al-Mabhouhs Familie will derweil nichts von dessen dunklen Geschäften wissen. Sein Bruder, habe nie irgendeine Straftat begangen oder unrechtes getan, versicherte der jüngere Brüder al-Mabhouhs in Gaza. Die palästinensische Heimat hatte der Mitbegründer des militanten Hamas-Flügels bereits 1989 verlassen, nachdem er zusammen mit anderen Islamisten zwei israelische Soldaten entführt und ermordet hatte.
Khalid Mashal war am 25.September 1997 gerade auf dem Weg zu seinem Büro, als er auf zwei Männer traf, die beinahe zu seinen Mördern wurden. Der Chef des jordanischen Zweiges der Hamas hatte seine Heimat, das Westjordanland, bereits 1967 verlassen und lebte zunächst in Kuwait danach in Amman. Er hatte sich der Fatah angeschlossen bevor er 1987 nach Gründung der islamistischen Hamas Funktionär und im Jahr 2004 schließlich Politchef der Organisation wurde. An jenem Septembertag im Jahr 1997 bedrängte ihn auf offener Straße urplötzlich ein fremder Mann und stellte sich dem bulligen Palästinenser in den Weg. Von hinten trat eine zweite Person an ihn heran, packte seinen Kopf und stach ihm eine Spritze knapp hinter sein Ohr. Der Angreifer injizierte ein hochtoxisches Gift bevor er mit seinem Kollegen in einem Fluchtauto davon raste. Was die beiden Attentäter anscheinend nicht ahnten war, dass Khalid Mashal von zwei Leibwächtern observiert wurde, die auf dem Fußgängerweg einigen Abstand zu ihrer schutzbefohlenen Person gehalten hatten.
Mashal brach zusammen und fiel schließlich ins Koma. Herbeigerufene Notärzte brachten ihn in ein Krankenhaus, während die beiden Angreifer von jordanischen Sicherheitskräften gestellt werden konnten. Ihre Herkunft war unklar, aber man fand gefälschte kanadische Pässe mit denen die beiden Männer das Land verlassen wollten. Es bedurfte keiner großen Ermittlungswunder um herauszufinden dass die beiden überraschen stümperhaften Killer Agenten des israelischen Mossad waren.
Noch als Khalid Mashal im Krankenhaus mit dem Tod rang, fühlte sich Jordanien´s König Hussein durch die dreiste Aktion der Israelis direkt vor seiner Haustür derart beleidigt dass er erzürnt forderte, Israel solle auf der Stelle das Gegengift liefern. Anderenfalls würden die Mossad-Männer für ewig in den jordanischen Kerkern schmoren. Und König Hussein ging noch weiter. Er verlangte zudem hunderte Hamas-Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freizulassen.
Israels Premier Benjamin Netanyahu weigerte sich zunächst, gab dann jedoch auf Druck von US-Präsident Clinton nach, lieferte das Antiserum und entließ die Islamisten aus ihrer Haft, darunter den blinden Sheikh Ahmed Yassin. Jordanien ließ die Mossad-Agenten nach Israel zurückkehren und Khalid Mashal überlegte den Mordanschlag. Heute lebt er im syrischen Exil und leitet von Damaskus aus die politische Führung der Hamas.
Dreizehn Jahre nach dem misslungene und peinlichen Attentatsversuch des israelischen Geheimdienstes erschüttert ein Verbrechen das Golf-Emirat Dubai. Wieder scheint es ein politischer Mord gewesen zu sein, und wieder soll der Mossad seine Finger im Spiel gehabt haben. Opfer diesmal: ein guter Freund Khalid Mashals und Untergrundkämpfer der Hamas. Was ist passiert? Mahmud al Mabhouh wurde am 20.Januar tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Am Tag zuvor war der Palästinenser zu einem Treffen in Dubai angekommen. Seine Mörder beobachteten ihn anscheinend bereits zu diesem Zeitpunkt. Al-Mabhouh war nicht irgendwer, sondern ein Mitbegründer des militärischen Flügels der Hamas, der Izzaddin al Qassam Brigade, die verantwortlich ist für einen Großteils des Terrors innerhalb Israels und gegen israelische Soldaten.
Mediziner entnahmen Blutproben des getöteten Hamas-Funktionärs und ließen sie in einem französischen Labor untersuchen. Dies förderte das gleiche Ergebnis zu Tage wie die Untersuchungen der Obduktion. Al-Mabhouh starb durch einen heftigen Stromschlag im Kopf und Nackenbereich, und weißt zudem Würgemale am Hals auf. Die Familie des 50jährigen bestätigte dies inzwischen.
Bei der heutigen Beerdigung in einem palästinensischen Flüchtlingscamp außerhalb von Damaskus begleiteten tausende Syrer und Palästinser den Sarg des toten Hamas-Kommandeurs, der seit 1989 im Exil lebte. Laut Angaben der Familie war vor sechs Monaten einer von zwei Mordanschläge auf al-Mabhouh gescheitert. Bei einem Besuch im Libanon habe man ihn vergiftet, was dazu führte dass Mahmoud al-Mabhouh über 30 Stunden lang im Koma lag. Er überlebte.
Aus Angst vor israelischen Killern reiste der Palästinenser ständig umher und ließ meist größte Sorgfalt walten. Ehefrau und Kinder hatten zuletzt im Jahr 2007 den Gaza-Streifen besucht. Al-Mabhouh´s Bruder gab er habe ihn das letzt Mal im Mai 1989 gesehen.
Dubais Ermittler haben nach eigenen Angaben inzwischen die Mörder des Hamas-Funktionärs identifiziert. Sie verfügten "größtenteils über europäische Pässe" und seien Angehörige einer kriminellen Vereinigung, die auch Auftragsmorde übernehmen soll. Nach ihnen werde nun per Interpol-Haftbefehl gesucht.
Derweil hat Hamas längst die Hintermänner des Mordes ermittelt. Der "zionistische Mossad", so erklärten die Sprecher der Organisation habe al-Mabhouh umgebracht. Israel schweigt. Grund zur Tat hätte Israel allemal. Al-Mabhouh hatte israelisches Blut an seinen Händen. Er war 1989, vor seiner Flucht ins arabische Exil, an der Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten beteiligt. Aus Furcht vor der Rache Israels war al-Mabhouh damals untergetaucht.
Ein 98m langer Holzfrachter mit einer Maximalgeschwindigkeit von 23km/h verschwindet vor der skandinavischen Küste, taucht erst Wochen später vor Westafrika wieder auf, angeblich entführt von estnischen Piraten die der russischen Mafia nahestehen.Die Geschichte der “Arctic Sea” ist der Stoff für Gerüchte, Verschwörungstheorien und Spionage-Romane. Was hatte das Schiff tatsächlich geladen? Wurde es tatsächlich entführt oder deckten westliche Geheimdienste einen illegalen Waffenschmuggel auf?
Es beginnt Ende Juli im finnischen Jakobstad. Holz im Wert von 1,26 Millionen Euro wird auf den Frachter, der unter maltesischer Flagge fährt, verladen. 15 Crew-Mitglieder machen sich auf den geplanten Weg die Ware von Finnland an den algerischen Hafen Béjaia zu bringen. Was dann geschah weiß niemand so genau. Irgendwann am 24.Juli 2009 befand sich die “Arctic Sea” zwischen Ötland und Gotland, als angeblich unbekannte Entführer das Schiff kaperten. Zunächst kam keine Meldung über einen Piratenangriff, und die Rederei wurde erst aufmerksam als der Frachter nicht wie erwartet Anfang August in Algerien ankam. Der Kontakt zur Besatzung war abgebrochen, es gab weder Hinweise auf Piraterie noch ein mögliches Unglück.
Die britische Küstenwache lokalisierte das Schiff zuletzt am 28.Juli in der Straße von Dover. Bis zum 30.Juli sendete die “Arctic Sea” weiter das automatische Ortungssignal. Mittlerweile wurde bestätigt dass die schwedischen Behörden Telefonkontakt zu einem Crew-Mitglied hatte, jedoch keine weiteren Informationen darüber preisgab. Bei Brest in Frankreich tauchte das Schiff auf einem Radarbild auf, bevor es schließlich das letzte Mal von einem Flugzeug der portugiesischen Küstenwache geortet wurde. Am 03.August schließlich erhielt Interpol von der Rederei den Hinweis auf eine Entführung, woraufhin eine Suchaktion im westlichen Mittelmeerraum gestartet wurde. Kurioserweise gab es keinerlei Lösegeldforderungen, nichts was für eine gewöhnliche Kaperung sprach. Schon kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls spekulierten einige Stimmen über eine mögliche Entführung durch die Crew selbst. In Wahrheit hätte die “Arctic Sea” nicht nur Holz, sondern auch Drogen und Waffen geladen gehabt.
Es dauerte fast zwei Wochen bis der Frachter am 14.August nach seiner Geisterfahrt wieder auftauchte, vor den Kapverdischen Inseln. Die russische Marine setzte sich in Bewegung, erst drei Tage später jedoch wollte man bestätigen die “Arctic Sea” gefunden zu haben. Russland´s NATO-Botschaft erklärte man habe den Medien tagelang falsche Informationen geliefert um nicht die wahren Aktivitäten der russischen Suchmannschaften preiszugeben.
Quellen aus Brüssel und Moskau meldeten unterdes die zuständigen EU-Behörden hätten schon sehr viel länger gewusst wo sich das Schiff befindet und welchen Kurs es eingenommen hatte. Alle 15 Crewmitglieder konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden, am 18.August bestätigte das russische Außenministerium zudem dass man acht Piraten festgenommen habe, darunter zwei russische Staatsbürger, ein Este und zwei Letten. 11 der 15 Crew-Mitglieder, inklusiv des Kapitäns wurden in Untersuchungshaft verhört. Keiner der an Bord anwesenden Personen ist es erlaubt über die Ereignisse zu sprechen, unter Androhung von sieben Jahren Haftstrafe in Russland. "Nicht verdächtiges wurde gefunden", verkündete Russlands Außenministerium am 25.August nach Durchsuchung des Schiffes. Der Chef-Ermittler Alexander Bastrykin hingegen erklärte es sei möglich dass die "Arctic Sea" nicht nur Holz geladen hatte. Eine illegale Lieferung sei denkbar. Der Fall wirft dutzende Fragen auf: Wieso schickt Russland eine größere Marine-Suchmannschaft durch das Mittelmeer als für das somalische Piratenproblem aufgewendet wird? Warum dieser Aufwand für 1,26Millionen Euro finnisches Holz? Warum dürfen die Crew-Mitglieder nicht offen über das Erlebte sprechen? Wieso sprach der Kapitän davon sein Schiff sei “nordkoreanisch”?
Der Kreml schickte zwei große Militärtransportmaschinen auf die Kapverden, angeblich für den Heimtransport der Frachter-Besatzung. Einige von ihnen wurden sogar mehrere Tage in russischen Gefängnissen festgehalten, und das als angebliche Opfer einer Entführung. Es wird behauptet die Rederei habe eine Lösegeldforderung von 1,5 Millionen Euro erhalten, dies dementiert das Unternehmen. Lediglich eine russische Quelle zitiert das Versicherungsunternehmen welches angeblich die Zahlungsforderung von den Kidnappern erhalten haben will. Ganz allgemein scheint der Aufwand den Russland um den Fall betreibt auf mehr hinzudeuten als einen simplen Fall der Piraterie in nordeuropäischen Gewässern. Eine Spur führt nach Israel. Die Fracht der “Artic Sea” so heißt es aus journalistischen Quellen in Tel Aviv und Jerusalem, sei kein Holz gewesen sondern Rüstungsgut. Ehemalige russische Militärs sollen sich in die Dienste der Mafia gestellt haben und an einem Deal zwischen der russischen Unterwelt und dem Regime von Teheran beteiligt sein. Der Iran habe Waffen geordert, die er nicht von direkt von Moskau bekommen würde und habe sich deshalb an die kriminellen Elemente gewandt. Bei einem Reperatur-Zwischenstop der “Arctic Sea” im russischen Kaliningrad seien Raketen an Bord des Frachters gebracht worden. Der dortige Hafen gilt als einer der größten illegalen Umschlagplätze für Waffen und Militärausrüstung im europäisch-russischen Raum. Nach Auflösung der Sowjetunion verkauften die dortigen Ex-Generäle auch schweres Kriegsgerät an den Meistbietenden. Dadurch entstanden in Kaliningrad finanzstarke, mächtige Mafia-Strukturen die weiterhin am Milliardengeschäft des Waffenhandels beteiligt sind.
Glaubt man den von Jerusalem Post und Times zitierten Quellen, dann steckt hinter dem angeblichen Entführungsfall der “Arctic Sea” eine hochbrisante Waffenlieferung an die iranischen Mullahs. Das Schiff sei von der russischen Mafia als Transporter für Raketen benutzt worden, habe jedoch den ehemaligen Kurs fortsetzen wollen. Von Nordafrika aus sollten die Waffen dann ihren Weg über Syrien in den Iran finden. Dem zuvor kam angeblich der israelische Mossad. Ein Agententeam entführte den Frachter nachdem die Israelis den Waffendeal entdeckt hatten. So bot man Moskau eine ideale Möglichkeit alles nach einer gelungenen Piraten-Befreiung aussehen zu lassen und nicht das eigene Gesicht zu verlieren.
Für Russland wäre ein solcher Vorfall höchst peinlich und außenpolitisch äußerst problematisch. Einen Tag nach der Befreiung der “Arctic Sea” reiste Israels Präsident Perez nach Moskau, sprach mit Präsident Medwedew über die Beziehungen Russlands zum Iran, die jüngsten Waffenlieferungen in den Nahen Osten und wohl auch über die vermeintliche Frachter-Entführung. Das kriminelle Milieu verärgert durch seine Geschäfte mit dem iranischen Regime die russische Führung, bislang konnte Moskau bestimmen welche Ausrüstung und welche Form von Rüstungsgut Richtung Iran geliefert wird. Sollten die Mullahs diesen lästigen Mittelweg der immer vom aktuellen diplomatischen Weltklima abhängt umgangen haben, dürfte Russland ab sofort jede Lieferung doppelt und dreifach bedenken. Welche Waffen könnten Israel zu einem derart drastischen Schritt und Moskau zu einer so umfangreichen Aktion veranlasst haben? Gerüchte nennen die S-300. Dieses Luftabwehrsystem gehört zu den modernsten der Welt und ist der ganze Stolz der russischen Rüstungsindustrie. Stationiert auf fahrbaren Transportern kann dieses Waffensystem mit einem hochmodernen On-Board-Radar bis zu 100 Ziele gleichzeitig Orten und 12 feindliche Flugkörper zeitgleich bekämpfen. In den 1990er Jahren lieferte Russland bereits mehrere Versionen der S-300PMU I an den Iran, ein Luftabwehrsystem dass Kampfflugzeuge und feindliche Langstreckenraketen in bis zu 110km Entfernung bekämpfen kann. Irans Regime ist in jüngster Zeit an den neusten Versionen der S-300 interessiert, Systeme mit denen im Ernstfall amerikanische oder israelische Kampfflugzeuge auf bis zu 200km zerstört werden können. Auch gegen Israels Langstreckenraketen und Amerikas Cruise Missiles würden die neuen S-300 einen nie gekannten Schutz liefern. Im und mittleren Osten bedeutet diese Waffe eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zu Gunsten Irans. Aus israelischer Sicht entsteht dadurch ein Patt. Der iranische Luftraum wäre gegen einen möglichen Angriff auf die Nuklearanlagen geschützt, Israel müsste mit eigenen Verlusten im Fall eines großangelegten Luftschlages rechnen. Iran wäre nicht unverwundbar aber die israelische Luftwaffe müsste im schlimmsten Fall mit einem Verlust von 20% ihrer Maschinen rechnen. Militärexperten in Israel sind sich sicher: das Regime von Teheran will die S-300 um jeden Preis. Bislang zögerte Russland mit der Lieferung des Systems. US-Präsident Obama und die israelische Führung drängten Moskau immer wieder dazu die S-300 nicht zu liefern. 2007 schlossen Iran und Russland Verträge über den Kauf weiterer Luftabwehr-Raketen. In Jerusalem und Washington beobachtet man diese Entwicklung seit Jahren mit größter Sorge. Es liegt in russischen Händen ob Iran sich effektiv gegen Angriffe auf sein Atomprogramm schützen kann oder nicht. Möglicherweise setzte Teheran diesmal alles auf eine Karte und hoffte darauf niemand würde den alten russischen Frachter bemerken, der sich von Finnland aus auf den Weg nach Nordafrika gemacht hatte.
Natürlich rutscht Moskau durch diese Aktion in die Ecke der peinlichen Schlafmützen, die den eigenen Waffenmarkt nicht kontrollieren können und auf die Hilfe ausländischer Geheimdienste angewiesen sind. Für die iranische Führung ist der Fall der “Arctic Sea” schwerwiegender. Wer sich als Staat illegal Waffen beschaffen will, katapultiert sich diplomatisch in eine Eiszeit.
Nordkoreanische Schiffe mit Kurs auf die iranische Küste, ein Konvoi voller Waffen der vom Sudan Richtung Gaza unterwegs war, ein Passagierflugzeug mit einer Fracht für Hisbollah, das nördlich von Teheran am Boden zerschellte - die Liste der Peinlichkeiten für das Regime Ahmadinejad reißt nicht ab. Es wird eng für Teheran. Israels wachsame Augen und Ohren waren in den vergangenen Monaten effektiver denn je, das Regime hat innenpolitisch stark zu kämpfen und außenpolitisch spielt es wenig erfolgreich den persischen James-Bond, der sich immer öfter eine blutige Nase holt.
Die ersten Berichte über die vermutliche Entführung eines israelischen Soldaten nahe des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv kamen heute um 15 Uhr, wurden jedoch aufgrund einer Nachrichtensperre von den Medien wie Haaretz, zurückgezogen.Ab 18 Uhr meldeten dann mehrere israelische Zeitungen und Nachrichtenagenturen die DPA und Xinhua, eine Soldatin habe in der Nähe des Tel Aviver Flughafens Ben Gurion gesehen wie zwei Männer einen israelischen Soldaten in ein Auto gezogen und seien mit ihm davongefahren. Kurz nachdem die Polizei davon erfuhr, sperrte die israelische Armee die Grenzzugänge zum Westjordanland und Gaza-Streifen. Einige Autobahnen und Schnellstraßen rund um Tel Aviv wurden abgeriegelt, es kam zu Verkehrsstaus und Sicherheitskräfte durchsuchten Fahrzeuge.
Eine Gruppierung mit dem Namen "Jaish al Quds" schickte eine Email an die palästinensische Nachrichtenagentur Ma´an und übernahm die Verantwortung für die Entführung.
"Eine Einheit von Widerstandskämpfern hat den zionistischen Soldaten nahe des Ben Gurion Flughafens entführt und entkamen ohne Probleme mit ihm", hieß es im Bekennerschreiben.
Die "Armee von Jerusalem" ist bis jetzt noch nicht als palästinensische Terrororganisation erschienen, zwei ähnliche Namen sind jedoch bekannt. "Saraya al Quds", übersetzt Jerusalem-Brigade ist die Bezeichnung für den militärischen Flügel des Palästinensischen Islamischen Dschihad. "Al Quds Einheit" ist wiederum eine im Ausland agierenden Sondereinheit der iranischen Pasdaran. Ob es überhaupt eine Entführung gab und wenn ja wer Täter sein könnte, ist im Moment nicht zu sagen. Vermutet lässt sich einiges, auch die mögliche Täterschaft der Hisbollah, vor der israelische Geheimdienstler in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach warnten. Vom Mossad und Shin Bet kamen Meldungen man rechne mit Entführungsversuchen von israelischen Staatsbürgern, vor allem im nahen Ausland. Einen IDF Soldaten in der israelischen Hauptstadt zu kidnappen wäre ein gigantischer Propagandasieg für die palästinensischen Gruppierungen oder die libanesische Partei Gottes.
Israelische Quellen melden das Passagierflugzeug welches amen 15.Juli 2009 nördlich von Teheran abstürzte, hatte u.a. eine große Waffenlieferung für Hisbollah geladen. Unter den 168 Toten des Absturzes sollen Mitglieder der Al Quds Force, einer Sondereinheit der Revolutionsgarde gewesen sein. Angeblich transportierte die Tupolev vor allem Sprengsätze, Fernzünder und Raketenteile, was die Augenzeugenberichte von mehreren Explosionen erklären könnte. Die Maschine war auf dem Weg nach Armenien, wo die Waffenlieferung angeblich weiter nach Syrien, von dort aus in die Türkei und dann in den Libanon gebracht werden sollte. Kurz nach dem Absturz erschienen an der Unglücksstelle bereits iranische Sicherheitskräfte und riegelten den Ort ab. Normalerweise werden Lieferungen an die Hisbollah direkt über Syrien in den Süd-Libanon abgewickelt. Südlich des Litani-Flusses baute Hisbollah in den vergangenen Jahren mehrere Bunkersysteme und Waffenlager aus. Eines dieser Lager explodierte versehentlich am 14.Juli, weshalb die iranisch Führung angeblich beschloss die Lieferung in einem zivilen Passagierflugzeug über eine Route in das Zielgebiet nördlich des Litani zu bringen.
Iranische und libanesische Quellen spekulierten bereits kurz nach dem Absturz es könne es um ein gezieltes Attentat des israelischen Mossad gehandelt haben.
Der Tod Imad Mughniyeh – Protokoll einer Ermordung
Als am 12.Februar 2008 eine Autobombe im Viertel Kfar Suzeh von Damaskus explodierte dauerte es nicht lange bis der Name des prominenten Opfers durch die Medien ging.
Im brennenden Autowrack starb Imad Mughniyeh, einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, Militär-Chefstratege der Hisbollah und Kronjuwel der iranischen Geheimdienste. Von israelischer und amerikanischer Seite wurde Mughniyeh für etliche Anschläge und Entführungen verantwortlich gemacht, die meisten davon fanden im Libanon während der 1980er Jahre statt. Unter anderem soll der 45jährige Libanese für die Hisbollah-Anschläge auf die Militärkasernen und die US-Botschaft in Beirut 1983 verantwortlich gewesen sein, bei denen über 350 Menschen starben. Israel hatte mit Mughniyeh mehr als nur eine alte Rechnung offen. Als Rache für die Tötung des Hisbollah-Führers Mussawi soll Imad Mughniyeh die Selbstmordattentate auf israelische Ziele in Argentinien 1992 und 1993 geplant und organisiert haben.
Imad Fayez Mughniyeh alias Hajj Radwan soll insgesamt für mehr amerikanische und israelische Tote verantwortlich sein als jeder andere bekannte Terrorist. Grund genug für die USA eine Belohnung von 5 Millionen US-Dollar auf seinen Kopf auszusetzen. Trotz Jahrzehnte der Jagd gelang es weder CIA noch Mossad Mughniyeh zu fassen. Mehrfach wechselte er Identitäten, einige behaupten sogar er habe sein Aussehen operativ verändern lassen. In den Reihen der Hisbollah stieg das „Phantom“ zu einer legendären Helden-Figur auf, unsichtbar, nicht zu fassen, trotzdem im Untergrund aktiv und vor allem extrem gefährlich. In Teheran, Damaskus und bei der Hisbollah wusste man wo Mughniyeh war, schützte ihn vor den amerikanischen und israelischen Jägern, ließ ihn sogar weiter an militärischen Strategien und Terrorplänen arbeiten.
Im Februar 2008 kam die Karriere Mughniyehs zu einem plötzlichen und für die meisten unerwarteten Ende. Dass die Autobombe nur Werk des Mossad hat sein können wurde von niemandem ernsthaft angezweifelt. Von Seiten Israels gab es jedoch keine Bestätigung, man rühmte sich jedenfalls nicht offiziell mit der Ermordung des No1 Killers. Eine Verschwörungstheorie nach der anderen geisterte durch die arabische Welt, tauchte im Internet und in Zeitungensartikeln auf, während Hisbollah schon blutige Rache für den Tod ihres Militärstrategen schwor. Als der Leichnam Mughniyehs einen Tag nach seiner Ermordung in Beirut beigesetzt wurde erklärte Hisbollah-Führer Sheikh Nasrallah vor versammelter Trauergemeinde Israel müsse jetzt mit einem "offenen Krieg" rechnen der die Existenz des jüdischen Staates bedrohe.
Mit saudischen Geldern sei die Tötung Mughniyehs bezahlt worden hieß es aus verschiedenen Quellen, der amerikanische Geheimdienst hätte ihn ausfindig gemacht, israelische Spitzel in Damaskus hätten syrische Geheimdienstler bestochen den „Gast“ zu ermorden. Alles nur Theorien, Vermutungen über eine der wohl spektakulärsten Geheimdienstoperation der letzten Jahre. Ein Jahr danach sickert aus Kreisen der Geheim- und Nachrichtendienste immer mehr über den Tathergang durch. Wie sicher die jüngsten Information sind ist schwer zu sagen, sie zeichnen jedoch ein glaubwürdiges Bild dass es erst noch zu widerlegen gilt.
Die CIA habe im Januar 2007 einen hochrangigen Hisbollah-Agenten im Irak festgenommen, der dort die Schiiten-Miliz der „Jaish al Mahdi“ trainiert hatte und als Mittelsmann zwischen den irakischen Gotteskriegern und der Hisbollah eingesetzt wurde. Ali Moussa Daqdoud habe bei den Verhören durch die Amerikaner einige sehr kostbare Informationen über Imad Mughniyeh preisgegeben, u.a. Telefonnummern, Decknamen, Angewohnheiten und Informationen über den gesundheitlichen Zustand und Aufenthaltsort. Mit diesem Material ausgestattet begann der israelische Mossad eine Operation zu planen die Mughniyeh ausschalten sollte. Ein Team von Mossad-Agenten wurde in das nordirakische Kurdengebiet entsandt und reiste von dort aus in drei Zivilfahrzeugen nach Syrien ein. Der Aufenthaltsort der Zielperson wurde ausfindig gemacht und Mughniyeh Tage vor seiner Ermordung beobachtet. Am Abend des 12.Februar 2008 fand in Damaskus eine Feier zu Ehren des 29.Jahrestages der Islamischen Revolution im Iran statt, Gastgeber war der neue iranische Botschafter in Syrien.
Mughniyeh nahm an diesem Treffen überraschenderweise ohne Fahrer und ohne Leibwächter teil, ein tödlicher Fehler. Während er sich mit den besagten Personen traf, tauschten Mossad-Agenten die Kopfstütze am Fahrersitz seines Mitsubishi Pajero durch eine identische Kopie mit präpariertem Sprengsatz aus.
Sobald Imad Mughniyeh das Gebäude verließ und hinter dem Steuer seines Wagens Platz genommen hatte, zündeten die israelischen Agenten die Bombe per Fernsteuerung und töteten das „high-value“ Ziel.
Eine Geschichte für ein Drehbuch, auch wenn sie in Wahrheit noch viel spektakulärer gewesen sein dürfte.
Afghanistan,Pakistan:
Al Qaida´s Eliteeinheit ist zurück
Wenige haben jemals von der „Brigade 055“ gehört, selbst langjährigen Beobachtern der Dschihad-Szene ist dieser Begriff fremd. Unter dem Regime der Taliban welches aus dem afghanischen Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre nach dem Dschihad gegen die Sowjets hervorging konnte Osama bin Laden seinen Traum von einer internationalen Brigade der Gotteskrieger verwirklichen, Trainingslager aufbauen, Freiwillige aus aller Herren Länder im terroristischen Handwerk ausbilden und abseits der von Geheimdienst kontrollierten arabischen Königreiche und Staaten Anschläge planen und den weltweiten Dschihad gegen die Ungläubigen organisieren. Nach tausenden Mujaheddin die nach Afghanistan gekommen waren um gegen die Russen zu kämpfen, bildeten Bin Ladens Leute im Afghanistan der 1990er Jahre eine neue Generation der Gotteskrieger aus die für internationale Einsätze vorbereitet werden sollten.
Etwa 1,800 junge Männer, die meisten Araber, aber auch Muslime aus Zentralasien, Südostasien, Afrika und Europa, formten eine Al Qaida Einheit die „Brigade 055“ genannt wurde, und ab 1995 als Art „Fremdenlegion“ und arabische Sondereinheit in die regulären Taliban-Streitkräfte integriert war. Besser ausgerüstet, professioneller trainiert und hoch motiviert kämpfte diese Einheit nun Seite an Seite mit den Taliban gegen feindliche Stammesmilizen und Warlords, 2001 und 2002 dann auch gegen die Nordallianz und das US-Militär.
Seitdem gilt die Brigade als praktisch nicht mehr vorhanden. Sie wurde aufgesplittert und ihre Mitglieder verstreuten sich, flohen nach Pakistan, in die Stammesgebiete an der Grenze oder wurden von US-Einheiten getötet oder gefangen genommen.
Aus Geheimdienstkreisen in den USA heißt es jetzt die Brigade 055 existiere wieder, diesmal unter anderem Namen, neuer Führung und in größerem Ausmaß. „Lashkar al Zil“ („Schattenarmee“) nennt sich diese paramilitärische Gruppe nun und operiert im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet unter Führung ranghoher Al Qaida Kommandeure. Innerhalb Pakistan sei die Lashkar al Zil inzwischen in den Provinzen Nord- und Südwaziristan, in Bajaur, Peshawar, Khyber und im Swat-Tal aktiv. In Kooperation mit den Taliban haben Lashkar-Kämpfer in jüngster Zeit mehrere erfolgreiche Operationen gegen die pakistanische Armee, afghanisches Militär und US-Truppen durchgeführt. In Afghanistan sei es besonders in Kunar, Paktika, Kandahar, Ghazni, Nuristan, Logar, Nangahar und Khost zu Einsätzen der neuen Al Qaida Truppe gekommen. Überall in diesen Provinzen, auf pakistanischer wie auf afghanischer Seite, haben Taliban Gruppen des Haqqani- und des Mehsud-Netzwerks Kämpfer in die Brigade der Lashkar al Zil entsandt und so eine multiethnische Kampfeinheiten mit lokalen Strukturen gebildet, die von Ausrüstung und Training her alles übertrifft mit die Koalitionstruppen der NATO bisher zu kämpfen hatten. Mehrere schwere Anschläge gehen auf das Konto der Al Qaida Brigade, darunter ein komplexer Angriff auf einen US-Außenposten in Wanat in der Provinz Nuristan im Juli 2008, der mit neun toten US-Soldaten der schwerste Einzelanschlag auf die amerikanischen Truppen seit Beginn des Konflikts war. Ebenfalls Werk der Lashkar al Zil soll der Hinterhalt sein in den im August 2008 eine Einheit französischer Soldaten nahe Kabul geriet. Den Al Qaida Dschihadis gelang es die Franzosen in stundenlange Gefechte zu verwickeln in denen zehn Soldaten starben und ein Großteil der Ausrüstung in die Hände der Terroristen fiel.
Im pakistanischen Grenzgebiet lehrte die wiederauferstandene Brigade 055 mehrfach die pakistanische Armee das Fürchten, bezwang sie dort in tagelangen Kämpfen in Nord- und Südwaziristan. Letztes Jahr stießen pakistanische Einheiten in der Provinz Bajaur auf ein ausgeklügeltes Tunnel- und Bunkersystem dass die „Schattenarmee“ Al Qaidas dort angelegt hatte. Schützengräben, Wälle, Waffenlager und Versorgungstunnel zeugten hier von der neuen Qualität dieser terroristischen Bedrohung. „Sogar ihre Scharfschützengewehre“, so einer der pakistanischen Offiziere, „sind besser als unsere. Ihre Strategien sind unglaublich und sie haben Verteidigungsanlagen von denen wir nur träumen können.“
Schwierig für die Geheimdienste und Militärs gezielt Al Qaidas neue Elitetruppe zu jagen macht es eindeutig das Verschmelzen der arabischen und asiatischen Dschihadis mit Taliban-Elementen. Nur mehr oder weniger zufällig tauchen Indikatoren auf die die Präsenz der Lashkar al Zil beweisen. Anhand der Kleidung behaupten einigen Experten eindeutig Al Qaida Kämpfer in verschiedenen Regionen Afghanistans und Pakistans ausgemacht zu haben. Die Länge der Hosen beispielsweise kann Indiz dafür sein dass es sich nicht um einheimische, afghanischen Kämpfer handelt sondern um sogenannte „Al Muhjiroun“ (arabisch für „Immigranten“ und in der Dschihad-Sprache ein Begriff für ausländische Helfer). Die wahhabitischen Al Qaida Leute tragen Hosen mit einer bestimmten Beinlänge weil laut einer Aussage des Propheten Mohammed (Hadith) ein bis zum Boden reichendes Gewand ein Zeichen für „übertriebenen Stolz und Arroganz“ seien. Turnschuhe, moderne Militärrucksäcke, ausgestattet mit sogenannten „Camelbacks“ (Wasserbehältern), komplett schwarze, extrem verdeckende Gesichtsmasken und mit Henna gefärbte Bärte stellen zusätzliche Hinweise dar dass es sich um ausländische Kämpfer aus den arabischen Ländern, Pakistan oder zentralasiatischen Regionen handelt. Organisiert und strukturiert, so pakistanische und amerikanische Quellen, sei Lashkar al Zil wie ein Paramilitär, einheitliche Ausrüstung, Bewaffnung, Kleidung, klare Befehlsstrukturen, abgrenzte Einsatzgebiete und verschiedene Stufen der Ausbildung. Letztere findet in mindestens drei Camps in Nord- und Südwaziristan unter dem Kommando ranghoher Organisationsmitglieder statt.
Einer dieser Ausbilder war Khalid Habib, ein marokkanischer Al Qaida Militärstratege und inoffizielle Nr.4 oder Nr.5 in der Hierarchie des Netzwerks den im Oktober 2008 ein US-Drohnenangriff nahe Taparghai, im pakistanischen Nord-Waziristan tötete. Mehrere amerikanische Angriffe mit Predatordrohnen galten im letzten Jahr Al Qaida Kommandeuren in den Stammesgebieten die verantwortlich sind für den Aufbau der neuen Kampftruppe der „Schattenarmee“.
Pakistan:
Enthauptung vor laufender Kamera
Sieben Minuten dauert das Video. Die letzten sieben Minuten im Leben des Piotr Stanczak. Am 28.September 2008 hatte man den 42jährigen Geologen nahe der Grenze zu Afghanistan gekidnappt. Drei pakistanische Begleiter waren bei dem Überfall erschossen worden. Nun ermordeten Islamisten auch ihn bestialisch, köpften ihn vor laufender Kamera.
Kein Lebenszeichen von dem entführten Polen kam seit den vergangenen Monaten aus Pakistan. Wer ihn entführt hatte, was die Entführer wollten, alles blieb zunächst Spekulation. Als dann aber im November 2008 klar war dass es sich bei den Kidnappern nicht nur um gewöhnliche Kriminelle handelt die auf ein schnelles Lösegeld aus sind, war die polnische Regierung alarmiert und setzte alles an den pakistanischen Geheimdienst Stanczak freizubekommen. Der befand sich in den Händen Tehrik e-Taliban, dem pakistanischen Taliban-Netzwerk geführt von Baitullah Mehsud, Pakistan´s inoffizieller Staatsfeind Nr.1. Von seiner Basis in Nord-Waziristan aus kontrolliert Mehsuds Truppe ein riesiges Gebiet entlang der afghanischen Grenze. Tausende Kämpfer hat die Tehrik e-Taliban unter Waffen, Spitzel und Netzwerke in jeder größeren pakistanischen Stadt. Offen und ehrlich bezeichnen sie sich als Kampfgenossen Al Qaidas. Ein Aufenthalt in einem von Baitullah Mehsud kontrollierten Gebiet endet für Ausländer und unerwünschte Gäste meist mit dem Tod. Hinrichtungen und öffentliche Auspeitschungen sind in den Stammesgebieten Pakistans inzwischen Alltag, die Sharia regiert weite Teile des kargen Berglandes. Wer sich hier hin wagt ist entweder lebensmüde, extrem mutig oder will sich den Mujaheddin im Kampf gegen die US-Truppen in Afghanistan anschließen.
Piotr Stanczak wollte nur arbeiten. Ein in Krakow ansässiges Unternehmen hatte im letzten Jahr nach Pakistan geschickt um dort geologische Untersuchungen an möglichen Öl- und Gasfeldern durchzuführen. Vielleicht getrieben von einem höheren Lohn, vielleicht aber auch aus purer Unwissenheit oder gar Abenteuerlust ließ sich der zweifache Vater auf das Risiko ein.
Vor wenigen Tagen erreichte die Familie in Polen dann die Nachricht, die Taliban hätten ihre Geisel hingerichtet. Polens Regierung sei nicht auf die Forderungen der Islamisten eingegangen deshalb habe man Stanczak enthauptet.
Tatsächlich hatte die polnische Führung jegliche Zahlungen an Terroristen verweigert, Bedingungen der Taliban würden unter keinen Umständen erfüllt. Zuletzt hatte es geheißen die Forderung der Tehrik e-Taliban sei ein Abzug der polnischen NATO-Truppen aus Afghanistan gewesen. Sonntagabend dann gelangte ein polnischer Fernsehsender in den Besitz des Videos welches die Tötung der Geisel Piotr Stanczak zeigt. Zuvor hatten die Taliban einem Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP einen USB-Stick mit der besagten Videodatei übergeben. Längst war klar dass die Behauptung der Taliban nicht nur Propaganda war sondern bitterer ernst. Im Stich gelassen von den Verantwortlichen in Warschau und Islamabad musste sich die Geisel letztendlich dem Schicksal fügen. Ein Taliban-Sprecher erklärte heute, man habe den Polen enthauptet weil die pakistanische Regierung sich geweigert hatte 28 Gefangene, deren Namen man ihr genannt habe, aus dem Gefängnis freizulassen. Desweiteren sei man nicht auf die Forderung eingegangen die pakistanischen Truppen aus den Stammesgebieten abzuziehen.