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Thursday, August 19, 2010

Israels kleine Abu Ghraibs



Israelische Soldaten posieren für ein "Trophäenfoto"

E
den Abargils Fotoalbum auf ihrer Facebook-Seite klang zunächst recht harmlos: "Army...the best time of my life". Die junge Israeli wollte Freunden und Bekannten zeigen, wie sehr sie ihren 22monatigen Wehrdienst in den "Israeli Defense Forces" (IDF) genossen hat. Viele Fotos zeigen Abargil in komischen Posen, bei neckischen Spielen mit Kameraden und beim Grimassenschneiden.
Doch mindestens zwei Fotos erregten vor wenigen Tagen das Interesse der israelischen Medien. Sie zeigen IDF Lieutenant Eden Abargil posierend neben gefesselten Palästinensern, denen die Augen verbunden wurden.

Von einem Einzelfall spricht nun das israelische Militär. Eine junge Soldatin, die verantwortungslos, geschmacklose Dokumente ihrer Armee-Zeit öffentlich machte. Alltäglich seien solche Aktionen innerhalb der israelischen Streitkräfte keinesfalls, betonen die IDF-Sprecher. Anders sieht das die Menschenrechtsorganisation "Breaking the Silence", die 2004 über 700 israelische Soldaten und Veteren zu ihren Einsätzen in den Palästinenser-Gebieten befragt hat. Die Interviews dokumentieren auf erschreckende Weise, welche moralischen Abgründe sich stellenweise auch in Israels Militär auftun.

"Breaking the Silence" errang im Frühjahr 2009 einige Aufmerksamkeit, als die Gruppe israelischen Soldaten Erfahrungsberichte und Geschichten von angeblichen Kriegsverbrechen während der Gaza-Offensive "Operation Cast Lead" entlockte. Damals sollen Zivilisten als Schutzschilder gegen Hamas-Kämpfer eingesetzt worden sein. Israelische Soldaten hätten Teenager in verminte Häuser geschickt, so ein Vorwurf von "Breaking the Silence". Zudem hätten Scharfschützen berichtet, sie seien gezielt darauf gedrillt worden Zivilisten in Gaza zu erschießen.



Nach der Veröffentlichung von Eden Abargils Fotos am Wochenende, verschafft sich "Breaking the Silence" nun erneut Gehör. Die Facebook-Fotos der jungen Soldaten, die grinsend vor gefesselten greisen Palästinensern posiert, seien nur "die Spitze des Eisberges", so die Mitarbeiter von "Breaking the Silence".
Sie sei geschockt gewesen, so ein Sprecher der Menschenrechtsgruppe, als die IDF behauptete, Abargils Fotos seien "isolierte Einzelfälle". "Wir haben solche Fotos seit sechs Jahren immer wieder präsentiert", so Yehuda Shaul.

Gleichzeitig veröffentlichte "Breaking the Silence" weitere Aufnahmen der vergangenen Jahre, in denen zu sehen ist, wie israelische Soldaten vor palästinensischen Gefangenen, und offenbar auch vor schwerverletzten und toten Palästinensern posieren. Ein Bild erinnert an ein Trophäenfoto - drei bewaffnete israelische Soldaten knien stolz hinter der Leiche eines palästinensischen Mannes.

Mindestens eintausend solcher Aufnahmen will "Breaking the Silence" besitzen. "Die Reaktionen der letzten Tage zeigen, dass sich niemand über die Realitäten der Besatzung im Klaren ist", erklärte BtS-Sprecher Shaul. Seine Gruppe habe bereits vor Jahren in Tel Aviv ähnliche Fotos ausgestellt, damals, in der Phase der palästinensischen Selbstmordanschläge, habe jedoch kaum jemand davon Notiz genommen.

Die Tatsache, dass die IDF ein sehr junges Militär sind, so sagen Beobachter sei wohl ausschlaggebend für das unverantwortliche Handeln der Soldaten und Soldatinnen. Israelische Männer dienen ab ihrem 18 Lebensjahr mindestens drei Jahre in der Armee, Frauen sind zu einem 22monatigem Wehrdienst verpflichtet. Den jungen IDF-Soldaten scheint die Tragweite ihrer lustig gemeinten Fotodokumente nicht klar zu sein. In Zeiten von Facebook, Twitter und MySpace werden die Momentaufnahmen einer langen Zeit im Dienste und zur Verteidigung eines ständig bedrohten Staates, wie Lauffeuer verbreitet.

In Israel hat die Diskussion über Moralverfall und Menschenverachtung innerhalb der Streitkräfte gerade erst begonnen. Von einem echten "Abu Ghraib" möchte niemand sprechen. Was auf den Fotos zu sehen sei, seien vielmehr Kinder, denen jeglicher Respekt und auch die oft innerhalb der IDF so hochgelobte Disziplin fehle.
Unweigerlich stellt sich dennoch die Frage: Findet durch die Besetzung palästinensischer Gebiete, durch die jahrelange Terrorangst und die andauernden Feindseligkeiten nicht eine Abstumpfung statt? Wird der palästinensische Gefangene nicht entmenschlicht durch die Order von Oben Terror gegen den israelischen Staat um jeden Preis zu unterbinden?

"Was soll daran falsch sein? Ich versteh das nicht", fragte Lieutenant Abargil vorgestern im israelischen Armee-Radio, "Es ist keine Gewalt auf den Bildern zu sehen." Was nicht bedeutet, dass es keine Gewalt gab.

Die Soldatin deren Facebook-Fotos den medialen Sturm der Entrüstung losgetreten haben, hat eine eigene Erklärung: "Die Leute werden immer irgendetwas finden, was sie gegen Eretz Israel sagen können - wir sind kein Volk mit vielen Freunden und die Leute werden uns bei kleinster Gelegenheit angreifen."

Tuesday, August 3, 2010

Trommeln des Krieges in Galiläa



Vielen Beobachter hatten es kommen sehen, geradezu heraufbeschworen. Es lag in der Luft über dem Heiligen Land, eine Stimmung am Siedepunkt, ein Fass das nur auf den letzten Tropfen wartete. Heute nun kam er - in Form eines Baumes.
Ein Grenzgefecht zwischen israelischen und libanesischen Soldaten verlief blutig und forderte Tote und Verletzte. Innerhalb weniger Minuten war die ohnehin zerbrechliche Ruhe in den Hügeln und Tälern Nord-Galiläas beendet, es dröhnten Schüsse und Sirenen, Hubschrauber evakuierten die Verletzten, Rettungskräfte löschten brennende Militärfahrzeuge.

Was war passiert? Für eine routinemäßige Kontrolle der Überwachungssysteme, die Israel direkt an der Grenze zum Süd-Libanon platziert hat, hatten am Vormittag israelische Soldaten eine Patrouillenfahrt entlang des Grenzzauns absolviert. Dabei bemerkten sie offenbar, dass eine kleinen Zeder das Sichtfeld einer israelischen Überwachungskamera verdeckte. Die Soldaten riefen ein Kranfahrtzeug heran und beschlossen, das Gestrüpp, dass sich jenseits des Grenzzauns befand, zu stutzen.
Nach israelischer Darstellung informierte die IDF zuvor die UNIFEL-Friedenstruppen, die im Süden des Libanon stationiert sind und den Frieden zwischen dem von der Hisbollah kontrollierten Teil der Zedernrepublik und Nord-Israel wahren sollen.

Mit Hilfe eines Krans machten sich die israelischen Militärs nun auf, den Baum zu beseitigen, der nach israelischen Angaben noch auf Territorium des Judenstaates wuchs. Der Grenzzaun, der an manchen Stellen lediglich ein einfacher Maschendrahtzaun ist, repräsentiere nicht überall zwangsläufig auch den korrekten Verlauf der israelisch-libanesischen Grenze. Der Baum soll also ein israelischer gewesen sein, kein libanesischer.

Die Einheiten der libanesischen Armee sahen dies wohl anders, und eröffneten ersten Berichten zufolge während der Baum-Beseitigungsaktion das Feuer auf die israelischen Soldaten. Dabei wurde der 45jährige Battalionskommandeur Lt.Col. Dov Harari getötet. Der Platoon commander Cpt. Ezra Lakia (30) erlitt schwerer Verletzungen.

Blitzschnell reagierten die IDF auf den Beschuss aus dem Libanon und schossen zunächst mit Artillerie zurück. Die explosiven Geschosse schlugen neben einem libanesischen Truppentransporter ein, dieser brannte vollständig aus. Zwei libanesische Soldaten starben sofort, ein weiterer erlag wenig später seinen Verletzungen.

Kurz darauf attackierten israelische Kampfhubschrauber einen Außenposten der libanesischen Streitkräfte im Dorf Al-Taybeh mit Raketen. Mehrere Militärfahrzeuge wurden bei dieser Vergeltungsaktion zerstört.

Ebenfalls tot sein soll nach dem heutigen Scharmützel, ein arabischer Journalist der libanesischen Zeitung "Al Akhbar", der sich augenscheinlich in der Nähe der libanesischen Truppen aufgehalten hatte.

Israel erkennt im heutigen Zwischenfall eine klare Verletzung der UN Resolution 1701, die seit dem Libanon-Krieg 2006 für den Frieden zwischen den beiden Nachbarstaaten sorgen soll. Man habe die UN vor der Beseitigung des Baumes über die Arbeiten am Grenzzaun informiert, so ein Sprecher des israelischen Militärs. Der Angriff von libanesischer Seite habe ohne Provokation stattgefunden.

Interessanterweise spielte Hisbollah im jüngsten Schusswechsel keine Rolle. Die schiitischen Extremisten hatten in den vergangenen Monaten mehrfach mit scharfer Rhetorik auf die Berichte aus Israel reagiert, die libanesische Miliz sei mit iranischer und syrischer Hilfe massiv aufgerüstet worden. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah beschwor, ein neuer Krieg mit Israel würde für die "Zionisten-Feinde" äußerst verlustreich enden. Seine Gruppe sei jederzeit bereit für einen erneuten Schlagabtausch.

Nasrallah erklärte jüngst bei einer Rede am 25.Juli, der Krieg im Jahr 2006 sei Teil einer Verschwörung gewesen, eine von Israel dominierte Region zu schaffen. "Mit dem Blut dieser glorreichen Märtyrer ist es uns gelungen, diesen Plan zunichte zu machen", so Nasrallah. Der libanesische Widerstand habe damals einen Sieg errungen und den Respekt von Schiiten und Sunniten, aber auch von Christen, sowohl im Libanon als auch anderswo gewonnen.



Nach dem blutigen Zwischenfall verhält sich Hisbollah noch überraschend ruhig. Beobachter hatten eine weitere Konfrontation zwischen ihr und Israel in den kommenden Monaten vorausgesagt. Ein Säbelrasseln auf politischer Ebene war schon seit langem zu hören gewesen, nun musste nur noch ein passendes Ereignis den Kriegstreibern auf beiden Seiten die Gelegenheit bieten, den Abzug zu drücken.

Bislang regnete es keine Raketen auf Nord-Israel. Der Tod dreier libanesischer Soldaten ist für Hisbollah wohl noch kein ausreichender Grund einen ausgewachsenen Krieg vom Zaun zu brechen. Sie wartet ab, und genießt offenbar, wie nervös und sensibel Israel auf die Ereignisse an seiner Nord-Grenze reagiert.

Tuesday, June 8, 2010

Tod auf hoher See - Die Frage nach der Wahrheit vor Gaza


David gegen Goliath - das alte Spiel vom schwachen Zwerg gegen den übermächtigen Riesen wiederholte sich jüngst vor der Küste des Gaza-Streifens. Der Konvoi der türkischen Organisation IHH planten mit mehreren Booten die von Israel 2007 verhängt Blockade des dichtbesiedelsten Flecken der Erde zu durchbrechen und Hilfslieferungen in Gaza abzuliefern. Die eigentlich Intention jedoch lag in der Symbol der provozierenden Aktion.

Sich der Sympathie der Israel-Kritiker wie Gegner im Rücken sicher zu fühlen, steuerte der Trupp Friedensaktivisten, darunter auch ein Friedensnobelpreisträger und deutsche Politiker der Linkspartei, auf den Hamas-Staat Gaza zu. Noch auf hoher See, wohlgemerkt in internationalen Gewässern, wurde der Trupp ("Flotilla" genannt) von israelischen Marinesoldaten aufgebracht. Per Hubschrauber und Boot enterten die Soldaten die Schiffe der IHH, die zuvor die Warnung Israels ignoriert hatten und sich weigerten den Hafen von Ashkelon anzusteuern.

Was dann an Bord der türkischen Schiffe geschah ist weiterhin unklar wie umstritten. Eine Propagandaschlacht entbrennt seitdem zwischen Israel und seinen Kritikern/Feinden. Fakt ist: acht türkische und amerikanische Aktivisten kamen durch israelische Kugeln ums Leben, alle Opfer weisen Schussverletzungen im Rücken und Kopf auf.



In der Türkei feierten zehntausende Unterstützer in der vergangenen Woche die Toten des Gaza-Konvoi-Zwischenfalls als Märtyrer für die palästinensische Sache und als Opfer der jüdischen Killer. Durch die Pro-Palästina-Lobby Europas ging ein Aufschrei der Entrüstung. Von einem Kriegsverbrechen, von einem Massaker, kaltblütigem Mord und maßloser Brutalität war die Rede. Aus Washington kamen harsche Forderungen nach einer Untersuchung des Vorfalls, aus Ankara hingegen folgte Säbelrasseln und Kriegsgebrüll in Richtung Jerusalem.

Israel konterte mit der Freigabe eines Teils der von der israelischen Marine aufgenommenen Videos, die zeigen, wie Friedensaktivisten mit Eisen- und Holzstangen auf die israelischen Soldaten einprügelten, als diese die Schiffe enterten. Soldaten wurden von den Aktivisten über Bord geworfen, einige gingen mit Messern und Dolchen auf die Israelis los.

Zuvor hatte bereits der arabische TV-Sender Al-Jazeera Tonbandaufnahmen von Bord der Schiffe gesendet. Was die angeblichen Friedensaktivisten dort sangen, klang alles andere als friedlich. "Khaibar, Khaibar ya Yehud" - ein Slogan zur Erinnerung der Juden an die Schlacht von Khaiber, bei der eine islamische Armee unter Befehl des Propheten Mohammed einen jüdischen Stamm angriffen und töteten.

Inzwischen hat Israel eine internationale Untersuchung der Ereignisse an Bord der türkischen Schiffe abgelehnt und hat eine eigene Analyse der Geschehnisse eingeleitet. Innerhalb des israelischen Militärs wird die Frage zu klären sein, weshalb martialisch uniformierte Soldaten sich per Hubschrauber hollywoodreif auf Boote verhältnismäßig leichtbewaffneter Aktivisten abseilen mussten, und weshalb Schüsse fielen die zum Tod mehrerer Menschen führten.

Mehr als 400 palästinensische und ausländische Flotten-Aktivisten, darunter auch Deutsche, hielt Israel tagelang fest, soll Berichten zufolge Foto- und Videoaufnahmen von Kameras gelöscht haben. Was die türkische Organisation IHH nun vor wenigen Tagen veröffentlichte, sind die wohl einzigen dokumentierten Aufnahmen, die offensichtlich verletzte, am Boden liegende und blutende israelische Soldaten zeigen.
Verängstigt, entstellt durch Platzwunden und von gleich einem Trupp Männer am Boden gehalten, wirken die israelische Soldaten geradezu hilflos und vollkommen überrumpelt. Wie Trophäen präsentiert die IHH-Mannschaft die bloßgestellten Militärs.
Reuters verbreitete einige der Aufnahmen, die von der türkischen Zeitung Hürriyet als erstes öffentlich gemacht wurden. Anders jedoch als auf den Original-Fotos zeigt die Reuters-Variante in einigen Fällen nicht, was sich in eben jenen Szenen abspielte. Am Bildrand der Originale sind Messer zu sehen, die den außer Gefecht gesetzten Soldaten entgegen gehalten werden.

Von Manipulation und Fälschung spricht man in Israel. Die Nachrichtenagentur habe wissentlich Bildmaterial verändert und dadurch die IHH-Flotte verharmlost. Tatsächlich seien viele der Aktivisten mit Messern auf die Soldaten losgegangen, hätten teilweise von Kameraden sogar davon abgehalten werden müssen ihnen schlimmere Verletzungen anzutun oder sie zu ermorden.

Aus Sicht der türkischen Organisatoren der Gaza-Flotte stellt sich die Frage nach der Bewaffnung nicht. Es habe sich um eine Aktion in internationalen Gewässern gehandelt, Israel habe sich damit der Piraterie schuldig gemacht und die Waffen seien nur zur Verteidigung eingesetzt worden.

Wie so oft starb auch an Bord der "Mavi Marmara" die Wahrheit zuerst. Diejenigen die jetzt nach ihr rufen, haben die Geschehnisse durch Propaganda, Fehlinformation oder blanke Lügen selbst derart beeinflusst, dass eine schwarz-weiß Beurteilung unmöglich ist.

In Zeiten der modernen Medien sprangen nur kurz nach dem Vorfall vor Gaza, Sympathisanten beider Seiten in die Presche. Ein israelisches Satire-Team produzierte ein Video, in dem Schauspieler Friedensaktivisten nachstellen und aus Michael Jacksons "We are the World" eine Comedy-Version namens "We con the World" (Wir verarschen die Welt) machen.



Auf Facebook, über Twitter und diverse Blogs und Internetforen rührt die Gegenseite die Märtyrertrommel. Unterstützt vom iranischen Präsidenten und weiterer populistischer Stimmen aus der islamischen Welt, werden die Rufe nach neuen Hilfskonvois für Gaza laut.

Iran versichert, man werde die Freunde Palästinas auf dem See- und Luftweg eskortieren und sogar eigene Boote nach Gaza schicken. Tausende Iraner schrieben sich dafür bereits in Freiwilligenlisten ein - mehr Wunschtraum als Realität.

Dass in Israel heftig über den Einsatz auf der Mavi Marmara diskutiert wird zeigt, dass die Aktion wohl vollkommen aus dem Ruder lief und von Seiten der Soldaten überreagiert wurde. Ohne Zweifel werden innerhalb der IDF Kopfe rollen müssen für den Tod der türkischen Aktivisten.

Das eigentliche Fazit aber ist ein altes. Israel ging ein weiteres Mal auf eine bewusste Provokation ein und tötete im Namen der Selbstverteidigung. Damit verliert die einzige Demokratie im Nahen Osten Freunde und kreiert zweifelsohne neue Feinde. Die Gleichgültigkeit mit der Israels Streitkräfte agieren macht Angst und beweist: die Roadmap ist tot.
Wann immer Israel auf das Recht auf Selbstverteidigung pocht und in den Krieg zieht, werden die IDF-Soldaten zu Mördern abgestempelt und der Araber-Hass des Judenstaates beschworen. In einer Situation in der Israel, egal wie es agiert, nur verlieren kann, setzt eine kompromisslose Politik ein. Der Schutz jüdischen, israelischen Lebens steht an erster Stelle, ein Einlenken gegenüber den Palästinensern erscheint sinnlos.

Spätestens seit der Januar 2009-Offensive in Gaza, ist Israels Image als eigentlich friedenssuchende Nation begraben und vergessen. Und weil keine Meinung mehr zählt und der schwarze Mann im Weißen Haus trotz der Lippenbekenntnisse kein verlässlicher Partner ist, wartet Israel ab. Ohne Rücksicht auf weiteren Imageschaden und weitere diplomatische Krisen morden Mossad und IDF, ob in einem Hotelzimmer in Dubai, in den Straßen von Damaskus oder vor der Küste Gazas. "Wir haben nichts zu verlieren, deshalb erledigen wir die Drecksarbeit" - diesem Credo scheint man in Jerusalem derzeit zu folgen.
Ob man letztendlich einsieht, dass Hamas die einzige Partei auf palästinensischer Seite sein wird, mit der man irgendwann Verhandlungen aufnehmen muss (alle anderen reden ja bereits), hängt jedoch mehr von den Ereignissen in Washington ab als von jenen vor und in Gaza.

Obama hat kaum Chancen auf eine Wiederwahl, im eigenen Land verteufelt ein Teil der Bevölkerung ihn als muslimischen Kommunisten, der die Wirtschaft verstaatlichen und Immigration Tür und Tor öffnen will. Auf wen also sollte Israel hören, wenn die Rufe nach einem Siedlungs-Stop an die Tore der Knesset dröhnen? "Israel first" - dies gilt im Jahr 2010 mehr als jemals zuvor.

Thursday, June 3, 2010

US-Amerikaner unter den Toten des Angriffs auf die Gaza-Flotte


F
urkan D. besaß zwei Staatsbürgerschaften und entschied sich für das palästinensische Volk zu einem riskanten Schritt. Der 19jährige US-Türke, der mit zwei Jahren in die türkische Heimat seiner Eltern zurückging, war an Bord eines jener Schiffe einer türkischen Hilfsorganisation, das am vergangenen Montag Kurs auf den Gaza-Streifen nahm und von einem israelischen Sonderkommando gestoppt wurde.


Die Aktivisten attackierten offenbar die israelischen Soldaten als diese die Schiffe betraten. Schüsse vielen, am Ende waren 9 Menschen tot, darunter acht Türken und - wie jetzt bekannt wurde - auch ein amerikanischer Staatsbürger, Furkan D.

Von Seiten türkischer Behörden hieß es, der 19jährige Aktivist und Student der Sozialwissenschaft habe vier Schüsse in den Kopf und einen in die Brust erhalten. Sein Leichnam war, genau wie jener der acht anderen toten Aktivisten und hunderter von Israel festgehaltener Aktivisten in die Türkei geflogen worden.

Wednesday, February 17, 2010

Ein Oscar für den Mossad - Mord vor laufenden Kameras


F
ür Meir Dagan dürften es schwierige Tage und Wochen werden, die ihm bevorstehen. Israel´s Geheimdienstchef ist heute bestimmendes Thema der israelischen Feuilletons. So scharf wie nie zuvor üben die Kommentatoren Kritik am Kopf des Mossad. Die gezielte Tötung eines Hamas-Funktionärs in einem 5-Sterne Hotel in Dubai droht trotz Erfolg der Mission zu einem Fiasko für den einst als besten Geheimdienst der Welt geltenden Mossad.


Mahmoud al-Mabhouh verlässt den Lift, hinter ihm seine Mörder

Alles in allem dürften die israelischen Agenten am 20.Januar frohlockt haben. Mahmoud al-Mabhouh, der in einem Videobekenntnis erst vor wenigen Wochen bestätigte im Jahr 1989 zwei israelische Soldaten entführt und hingerichtet zu haben, war ein Waffenhändler im Dienste der Hamas, Hisbollah und des Iran. Von Dubai aus soll der Palästinenser, der seine Heimat das letzte Mal vor 20 Jahren gesehen hatte, geplant haben in den Sudan und nach China weiter zu reisen. Er war der Mitbegründer des militärischen Hamas-Flügels der Qassam-Brigaden und hatte definitiv Blut an den Händen.

Dennoch verwundert es, dass der Mossad ein bis zu 17köpfiges Killer-Kommando in ein arabisches Emirat entsandt haben soll um späte Rache an einem Staatsfeind zu üben der noch dazu ohne Leibwächter reiste.
Kaum jemand dürfte ernsthaft daran zweifeln dass Mahbouh Opfer einer Mossad-Operation wurde. Die Verweise darauf er habe in Kreisen von skrupellosen Waffenhändlern verkehrt und könnte Opfer eines geplatzten Deals sein, klingen geradezu lächerlich. Viel zu hoch war der Aufwand den Hamas-Mann ins Jenseits zu befördern.

Dubai´s Polizei fahndet inzwischen nach sechs weiteren Verdächtigen, die am Mord beteiligt gewesen sein sollen. Ein Pärchen beispielsweise soll als Gast in der Eingangshalle des Hotels Observation der Zielperson betrieben haben. Die Frau trug einen großen Sonnenhut und eine Sonnenbrille.
In Israel haben sich mittlerweile sechs Männer gemeldet, deren Identitäten von den Killern verwendet wurden. Die britischen, irischen, französischen und deutschen Pässe waren allesamt gefälscht, oftmals waren die Daten und Namen korrekt, die Unterschriften und Passbilder unterschieden sich.

Laut der Ermittler verwendeten die Mörder die gleichen Reisepässe auf Reisen in Südostasien und Europa bevor sie in unterschiedlichen Flugzeugen nach Dubai einreisten.
Nur 19 Stunden dauerte die gesamte Aktion, dann lag Mahmoud al-Mabhouh tot in seinem Hotelzimmer und die verdächtigen Europäer hatten das Golfemirat wieder verlassen. Einer von ihnen, der angebliche Franzose Elvinger flog noch vor der Ermordung al-Mabhouhs über Qatar nach München.


Zwei Mitglieder des Killerkommandos in Tennis-Outfit

Einiges verwundert am Morfall Mahbouh. Zweifelsohne war die Aktion ein Erfolg, die Zielperson wurde ausgeschaltet, seine Mörder entkamen. Still und leise verlief die Tötung, nicht aber ihr Nachhall. Dem Mossad war ohne jeden Zweifel klar, dass Dubai mit Überwachungskameras verseucht ist. Jeder Winkel des winzigen Stadtstaates wird gefilmt und beobachtet, die Luxushotels verfügen über modernste Überwachungstechnik. Nur so gelang es den Ermittlern minutiös den Mord an Mabhouh zu rekonstruieren.

Von den Killern wird man sicher nichts mehr hören. Ihre Identitäten werden unerkannt bleiben, geschützt vom israelischen Staat. Weder in Deutschland, noch in Frankreich oder Irland werden sich die entsprechenden Personen finden lassen. Fingerabdrücke hat die Polizei längst ermittelt, doch auch diese sind im neuen Jahrtausend so schnell austauschbar wie Kontaktlinsen.

Warum ging der Mossad das Risiko ein vor dutzenden laufenden Kameras einen politischen Mord zu begehen? Entweder die Agenten waren unvorsichtig, schlecht vorbereitet und stümperhaft - eigentlich undenkbar aber nicht unmöglich.

In Jordanien klickten in den 1990er Jahren am Flughafen von Amman die Handschellen bei zwei Mossad-Killern, als diese versuchten nach einem Attentat auf Hamas-Auslandschef Khalid Mashaal Jahren das Land zu verlassen. Bei sich trugen sie gefälschte kanadische Pässe. Auch in diesem Fall hatte der Mossad Identitäten echter Personen gestohlen. Damals konnte nur ein Einknicken Israels verhelfen die beiden Geheimdienstler frei zu bekommen.

Im Jahr 2004 versuchte der israelische Nachrichtendienst an neuseeländische Pässe zu kommen und flog dabei auf. Neuseeland brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab.

Noch während des Kalten Krieges ließen unvorsichtige Mossad-Agenten mehrere gefälschte britische Pässe in einer Bonner Telefonzelle zurück.

Wie andere Geheimdienste auch, dürfte der Mossad aus Fehlern lernen. Ein Mord vor den Dubaier Kameras lässt sich also nur mit einer neuen, offensiven Strategie erklären. Dass seit geraumer Zeit eine aggressivere Vorgehensweise der israelischen Geheimdienste zu beobachten ist, bestätigen inzwischen politische Beobachter im Nahen Osten.
Israel will seinen Feinden zeigen dass man vor nichts zurückschreckt um den Terrorismus zu bekämpfen. Sei es der Mord am Hisbollah-Militärchef Mughniyeh in der syrischen Hauptstadt oder die Tötung des Dschihad-Gründers Shikaki auf Malta, die Botschaft von Dubai scheint klar - der Mossad kann töten wo und wann immer er will.


Mahmoud al-Mabhouh musste sterben nicht nur weil er zwei israelische Soldaten auf dem Gewissen hatte oder für Hamas Waffen einkaufte. Enge Verbindungen zu Teheran und die Gefahr eines erstarkenden Netzwerkes zwischen Beirut, Teheran, Damaskus und Gaza ist die einzig plausible Erklärung weshalb 17 Männer und Frauen diplomatische Eiszeit zwischen europäischen Staaten, Dubai und Israel riskierten. Gerüchten zufolge soll Mabhouh den Konvoi organisiert haben, der im vergangenen Jahr eine Waffenlieferung vom Sudan aus, durch Ägypten nach Gaza bringen sollte. Die Lkws wurden in der sudanesischen Wüste von israelischen Kampfflugzeugen gleich zweimal bombardiert und die gesamte Landung vernichtet.

Die Feinde des jüdischen Staates dürften die recht unmissverständliche Botschaft wahrgenommen haben. Erst einmal aber frohlocken die Gegner Israels. Internationale Kritik lässt nicht lange auf sich warten, Kommentatoren warnen: "Mörder bleiben Mörder, egal ob Hamas oder Mossad".

Sunday, January 31, 2010

Getöterer Hamas-Funktionär war Waffenschmuggler


Mahmoud al-Mabhouh war mehr als nur ein im Exil lebender Hamas-Funktionär. Er starb nicht zufällig am 20.Januar in einem Dubaier Hotelzimmer vermutlich durch Elektroschocks und einen Draht um seinen Hals.


Al-Mabhouh war, so zumindest erklärte jetzt ein anonymer israelischer Geheimdienstler, der wichtigste Waffenschmuggler der Hamas. Durch seine Arbeit wurden große Mengen Raketen, Sprengstoffe, Munition und Schusswaffen vom Iran aus über Land- und Seewege nach Gaza gebracht.

Für Hamas ist die Sache klar: Israel ließ al-Mabhouh ermorden. Der Führer der Organisation im Gaza-Streifen, Mahmoud az-Zahar erklärte vermutlich seien die Mörder in der Delegation eines israelischen Diplomaten in die Vereinigten Arabischen Emirate gekommen, der Dubai am 15. und 16.Januar besuchte.

Die Ermittler in den Vereinigten Arabischen Emiraten vermuten derweil eine "professionelle, europäische Gangsterbande" stecke hinter dem Mord an al-Mabhouh. Einige Namen seien bekannt und man habe einen Interpol Haftbefehl beantragt.
Mittlerweile wurde auch bekannt dass sich keine Leibwächter in der Nähe befanden als der Hamas-Funktionär umgebracht wurde. Vermutlich seien Profikiller am Werk gewesen.

Israelische Medien zitieren ehemalige Mossad-Agenten, die berichten al-Mabhouh sei im internationalen Waffenhandel tätig gewesen. Dort verkehre man gewöhnlich auch mit sehr fragwürdigen und gefährlichen Personen, und Geschäfte könnten schnell lebensgefährlich enden. Wahrscheinlich sei auch der Palästinenser Opfer eines misslungenen Deals geworden.

Al-Mabhouhs Familie will derweil nichts von dessen dunklen Geschäften wissen. Sein Bruder, habe nie irgendeine Straftat begangen oder unrechtes getan, versicherte der jüngere Brüder al-Mabhouhs in Gaza.
Die palästinensische Heimat hatte der Mitbegründer des militanten Hamas-Flügels bereits 1989 verlassen, nachdem er zusammen mit anderen Islamisten zwei israelische Soldaten entführt und ermordet hatte.

Friday, January 29, 2010

Die Hamas-Leiche im Dubaier Hotelzimmer - Mossad´s späte Rache


K
halid Mashal war am 25.September 1997 gerade auf dem Weg zu seinem Büro, als er auf zwei Männer traf, die beinahe zu seinen Mördern wurden.
Der Chef des jordanischen Zweiges der Hamas hatte seine Heimat, das Westjordanland, bereits 1967 verlassen und lebte zunächst in Kuwait danach in Amman. Er hatte sich der Fatah angeschlossen bevor er 1987 nach Gründung der islamistischen Hamas Funktionär und im Jahr 2004 schließlich Politchef der Organisation wurde.

An jenem Septembertag im Jahr 1997 bedrängte ihn auf offener Straße urplötzlich ein fremder Mann und stellte sich dem bulligen Palästinenser in den Weg. Von hinten trat eine zweite Person an ihn heran, packte seinen Kopf und stach ihm eine Spritze knapp hinter sein Ohr. Der Angreifer injizierte ein hochtoxisches Gift bevor er mit seinem Kollegen in einem Fluchtauto davon raste.
Was die beiden Attentäter anscheinend nicht ahnten war, dass Khalid Mashal von zwei Leibwächtern observiert wurde, die auf dem Fußgängerweg einigen Abstand zu ihrer schutzbefohlenen Person gehalten hatten.

Mashal brach zusammen und fiel schließlich ins Koma. Herbeigerufene Notärzte brachten ihn in ein Krankenhaus, während die beiden Angreifer von jordanischen Sicherheitskräften gestellt werden konnten. Ihre Herkunft war unklar, aber man fand gefälschte kanadische Pässe mit denen die beiden Männer das Land verlassen wollten.
Es bedurfte keiner großen Ermittlungswunder um herauszufinden dass die beiden überraschen stümperhaften Killer Agenten des israelischen Mossad waren.

Noch als Khalid Mashal im Krankenhaus mit dem Tod rang, fühlte sich Jordanien´s König Hussein durch die dreiste Aktion der Israelis direkt vor seiner Haustür derart beleidigt dass er erzürnt forderte, Israel solle auf der Stelle das Gegengift liefern. Anderenfalls würden die Mossad-Männer für ewig in den jordanischen Kerkern schmoren. Und König Hussein ging noch weiter. Er verlangte zudem hunderte Hamas-Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freizulassen.

Israels Premier Benjamin Netanyahu weigerte sich zunächst, gab dann jedoch auf Druck von US-Präsident Clinton nach, lieferte das Antiserum und entließ die Islamisten aus ihrer Haft, darunter den blinden Sheikh Ahmed Yassin.
Jordanien ließ die Mossad-Agenten nach Israel zurückkehren und Khalid Mashal überlegte den Mordanschlag. Heute lebt er im syrischen Exil und leitet von Damaskus aus die politische Führung der Hamas.

Dreizehn Jahre nach dem misslungene und peinlichen Attentatsversuch des israelischen Geheimdienstes erschüttert ein Verbrechen das Golf-Emirat Dubai. Wieder scheint es ein politischer Mord gewesen zu sein, und wieder soll der Mossad seine Finger im Spiel gehabt haben. Opfer diesmal: ein guter Freund Khalid Mashals und Untergrundkämpfer der Hamas.

Was ist passiert? Mahmud al Mabhouh wurde am 20.Januar tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Am Tag zuvor war der Palästinenser zu einem Treffen in Dubai angekommen. Seine Mörder beobachteten ihn anscheinend bereits zu diesem Zeitpunkt.
Al-Mabhouh war nicht irgendwer, sondern ein Mitbegründer des militärischen Flügels der Hamas, der Izzaddin al Qassam Brigade, die verantwortlich ist für einen Großteils des Terrors innerhalb Israels und gegen israelische Soldaten.

Mediziner entnahmen Blutproben des getöteten Hamas-Funktionärs und ließen sie in einem französischen Labor untersuchen. Dies förderte das gleiche Ergebnis zu Tage wie die Untersuchungen der Obduktion. Al-Mabhouh starb durch einen heftigen Stromschlag im Kopf und Nackenbereich, und weißt zudem Würgemale am Hals auf. Die Familie des 50jährigen bestätigte dies inzwischen.

Bei der heutigen Beerdigung in einem palästinensischen Flüchtlingscamp außerhalb von Damaskus begleiteten tausende Syrer und Palästinser den Sarg des toten Hamas-Kommandeurs, der seit 1989 im Exil lebte.
Laut Angaben der Familie war vor sechs Monaten einer von zwei Mordanschläge auf al-Mabhouh gescheitert. Bei einem Besuch im Libanon habe man ihn vergiftet, was dazu führte dass Mahmoud al-Mabhouh über 30 Stunden lang im Koma lag. Er überlebte.

Aus Angst vor israelischen Killern reiste der Palästinenser ständig umher und ließ meist größte Sorgfalt walten. Ehefrau und Kinder hatten zuletzt im Jahr 2007 den Gaza-Streifen besucht. Al-Mabhouh´s Bruder gab er habe ihn das letzt Mal im Mai 1989 gesehen.

Dubais Ermittler haben nach eigenen Angaben inzwischen die Mörder des Hamas-Funktionärs identifiziert. Sie verfügten "größtenteils über europäische Pässe" und seien Angehörige einer kriminellen Vereinigung, die auch Auftragsmorde übernehmen soll. Nach ihnen werde nun per Interpol-Haftbefehl gesucht.

Derweil hat Hamas längst die Hintermänner des Mordes ermittelt. Der "zionistische Mossad", so erklärten die Sprecher der Organisation habe al-Mabhouh umgebracht. Israel schweigt.
Grund zur Tat hätte Israel allemal.
Al-Mabhouh hatte israelisches Blut an seinen Händen. Er war 1989, vor seiner Flucht ins arabische Exil, an der Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten beteiligt. Aus Furcht vor der Rache Israels war al-Mabhouh damals untergetaucht.

Tuesday, November 10, 2009

Wetten werden angenommen... Wann kommt der nächste Krieg?


Die Säbel rasseln lauter denn je, und zwar auf beiden Seiten des Atlantik.
Im Nahen Osten herrscht immer eine gewisse Ruhe vor dem Sturm. Beobachter warten nur darauf bis sich eine neue Runde im Kampf zwischen Israel und den Palästinensern ankündigt, eine zweite Runde Gaza vielleicht oder eine neue Intifada aus der Westbank.
Doch dort scheint erstmal Ruhe eingekehrt zu sein, Hamas bekämpft salafistische Gegner in Gaza, die Fatah versucht sich neu zu ordnen und alles wartet gespannt auf eine Geste Obamas die wieder frischen Wind in die Segel des Nahost-Friedensplan bringt.


Im Norden aber brodelt es. Vor einer Woche erst brachten Spezialeinheiten der israelischen Navy einen Frachter auf, der aus dem Iran tonnenweise Kriegsmaterial an Hisbollah liefern wollte. Noch auf hoher See stürmten die Israelis das Schiff und brachten es nach Israel, wo in geradezu demütigender Weise Waffen und Munition vorgeführt wurden, die das Mullah-Regime von Teheran an ihre libanesische Fremdenlegion geschickt hatte.
Dass Hisbollah aufrüstet ist längst bekannt, offiziell geht Israels Geheimdienst sogar davon aus dass die Schiiten-Miliz wieder alte Stärke gewonnen und neue Kraft getankt hat, genug um den nächsten Krieg mit dem verhassten Judenstaat zu überstehen.

Beinahe wöchentlich dringen neue Aussagen israelischer Geheimdienstler an die Öffentlichkeit. Von zehntausenden neuer Kurzstreckenraketen in den Hisbollah-Arsenalen ist da die Rede, von ganzen Raketenbatterien, die mehrere hundert Kilometer Reichweite besitzen, damit auch Tel Aviv und den Nuklearrektor von Dimona in der Negev erreichen könnten.
Innenpolitisch hat sich Hisbollah mit den Wahlsiegern der Hariri-Partei geeinigt, zwei Hisbollah-Minister wird es zukünftig im libanesischen Kabinett geben, trotz der herben Niederlage bei der Parlamentswahl im Frühjahr.
Kam dieser überraschend schnelle Schritt, die Einwilligung das Angebot des Hariri-Sohns anzunehmen, weil man die innenpolitschen Wogen geglättet haben möchte, bevor der nächste Krieg mit Israel droht? Fest steht bis jetzt nur, Hisbollah will nichts dem Zufall überlassen. Seit dem blutigen Schlagabtausch 2006 hat die "Partei Gottes" ihre Wunden geleckt, der Ziehvater Iran hat kräftige Unterstützung geleistet um Bunkeranlagen neu aufzubauen und Waffenlager wieder zu füllen.

In der Zedernrepublik will man nichts dem Zufall überlassen. Man rechnet immer mit dem Schlimmsten, hofft dabei das beste. Hisbollahs Chef Nasrallah hat noch die Mughniyeh-Rechnung mit Israel offen. Der Mord am ehemaligen Militärchef der Hisbollah ist noch nicht gerächt, alle Versuche der Organisation Israel Schaden zuzufügen verliefen in den vergangenen Jahren erfolglos. Ein israelisches Luftwaffenkommando zerstörte einen Konvoi voller Waffen für Hamas, als dieser sich auf dem Weg durch die sudanesische Wüste befand. In Syrien attackierte Israel eine geheime Nuklearanlage völlig überraschend und stellte damit Assads Atompläne bloß. Hinzu kommt ein mysteriöser Flugzeugabsturz nahe Teheran, bei dem ungewöhnlich viele Angehörige der iranischen Revolutionswächter starben, möglicherweise transportierte das Flugzeug auch Material für Hisbollah.

Derzeit jedenfalls stehen die Zeichen in Galiläa auf Krieg. Keiner scheint ihn zu wollen, alle tun ihr möglichstes um ihn herbeizureden. Schuld an einem Ausbruch der Gewalt wird sowieso immer die Gegenseite haben, was spielt es dann für eine Rolle wer tatsächlich den ersten Schuss abfeuert? Hisbollah ist nicht dumm und wird keine Provokation durchführen und den Konflikt eskalieren lassen.

Für Israel geht es um mehr. Der Süd-Libanon ist trotz UN-Stationierung von Blauhelmsoldaten, trotz der internationalen Truppe in den Gewässern vor der libanesischen Küste, ein Staat im Staat. Hier existiert der Iran im Miniatur-Format. Was dort in den Bunkern liegt, was auch zum Einsatz kommt, findet sich auch im tausende Kilometer entfernten Mullah-Staat wieder. Israel will dass Hisbollah die Karten auf den Tisch legt, und es will die Schmach des verlorenen Krieges von 2006 wieder wettmachen.

Damals regierten noch die Neocons der Bush-Ära im Weißen Haus, heute ist es ein schwarzer Demokrat. Wie Barak Obama auf eine neue Auseinandersetzung zwischen Israel und Hisbollah reagiert, ist eine äußerst spannende Frage. Die Solidarität mit Israel wird standhalten, auch wenn der jüdische Staat wieder einmal über die Grenzen seines Rechts auf Selbstverteidigung hinausschießt.

Egal welche Argumente das Ausland hervorbringt, egal welche Strategie Washington, London, Paris und Berlin zwischen Jerusalem und Beirut spielen, der Libanon ist und bleibt das permanente Opfer der israelischen Aggression - so jedenfalls die arabisch-muslimische Sicht. Niemand soll glauben Hisbollah rechne nicht mit einer Auseinandersetzung. Es dürfte Nasrallahs Jünger eher wundern weshalb es solange dauert bis Israel die Glocke zur Runde 2 schlägt. Kurz dem Rückzug aus dem Süd-Libanon 2006 hätte Israel der Hisbollah den Todesstoß versetzen können, stattdessen kam das Warten, die innenpolitischen Stürme der Entrüstung über die Fehler von Militär und Regierung.

Mit der Zurückhaltung gewann Hisbollah mindestens die alte Stärke zurück. Der Kampfeswille ist ungebrochen, der Säbelrasseln wird in Nahost nur zu gern mit Säbelrasseln beantwortet. Armer Libanon, wieder wirst du bluten müssen.

Sunday, September 6, 2009

Israels verschollene Söhne


In Israel sind ihre Gesichter so bekannt wie sonst nur Popstars. Gemäß einer inoffiziellen, fast schon heiligen Regelung verpflichtet sich das Oberkommando der israelischen Streitkräfte keinen Soldaten des jüdischen Staates jemals, tot oder lebendig, auf dem Schlachtfeld zurück zu lassen.

Aus diesem Grund wiegen die Schicksale von drei IDF Soldaten besonders schwer in der jungen aber turbulenten militärischen Geschichte Israels
Jeweils im Abstand von fast genau einem Jahrzehnt verschwanden drei israelische Armeeangehörige. Ihre Rückkehr zu sichern oder im Falle ihres Todes die Umstände ihres Schicksals aufzuklären, hat für die israelischen Regierung seit den frühen 1990er Jahren höchste Priorität. Hinter den Kulissen finden diplomatische Deals statt, es wird geschachert um Zettel, Briefe, Verhörprotokolle, Fotos, Videoaufnahmen oder nur kleinste Fetzen Stoff die auf den Verbleib der Personen Aufschluss geben könnten.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet kommt nun zumindest in den ältesten Fall von Israels verlorenen Söhnen ein wenig mehr Licht ins Dunkle:

Ron Arad


Der 1958 geborene Waffensystemoffizier der israelischen Luftwaffe wurde am 16.Oktober 1986, während des Libanonkrieges nahe der Stadt Sidon abgeschossen. Während der Pilot gerettet werden konnte, gelangte Arad in die Hände der schiitischen AMAL-Miliz. Sie nahmen den verletzten israelischen Soldaten gefangen und forderten Lösegeld von Israel. Mustafa al Dirani entführte Arad in einer Nacht und Nebel-Aktion aus den Händen der AMAL und lief zur proiranischen, neugegründeten Hisbollah über.
Im Jahr 1987 drehen die schiitischen Gotteskrieger in ihrem Versteck, irgendwo in der Bekaa-Ebene des Zentrallibanon, ein Video welches ihre wertvolle Geisel zeigt, bärtig und ausgemergelt. Zu jener Zeit entstehen wohl auch die Briefe an seine Familie, die Hisbollah später an Israel im Zuge eines Gefangenenaustausches übergeben wird.

Nabi Shith, ein kleines Dorf in der Bekaa wurde zum Gefängnis für Ron Arad. Hisbollah-Leute des dortigen Schukur-Familienklans halten den Israeli gefangen. Es herrschte noch Krieg zu jener Zeit, die israelische Luftwaffe bombardierte Hisbollah-Ziele im Süd-Libanon, u.a. das Dorf Nabi Shith. Aus Angst flohen die Wachen Ron Arads, der in einem Verließ zurückgelassen wurde. Als sie am nächsten Tag nach ihrer Geisel sehen wollte war Arad verschwunden.

Mustafa al Dirani wurde 1994 Opfer einer israelischen Spezialeinheit. Sie entführten den ranghohen Hisbollah-Kommandeur aus seinem Dorf und verhörten ihn jahrelang. Dirani sagte den Israelis er habe mit iranischen Pasdaran-Vertretern (Revolutionsgarden) über den gefangenen Israeli gesprochen. Diese, so vermutet Dirani, hätten Ron Arad aus dem Libanon in den Iran gebracht. Quellen aus der Hisbollah bestätigen dies.
Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht der israelischen Ermittler heißt es jedoch Arad sei höchstwahrscheinlich krank geworden und die Pasdaran hätten ihn auf halber Strecke wieder in den Libanon zurück geschafft. Im Bekaa-Tal soll er irgendwann zwischen 1994 und 1997 verstorben sein, vermutlich 1995. Kämpfer der Hisbollah hätten seinen Leichnam verscharrt und Stillschweigen darüber bewahrt um den Fall “heiß” zu halten. Arad sollte als Verhandlungsmasse weiterhin zur Verfügung stehen, obwohl er längst tot war.

Selbst Hisbollah-Chef Nasrallah betonte stets er wisse nichts genaues über das Schicksal von Ron Arad, seine Organisation habe schon sehr früh nicht mehr die Verantwortung über die israelische Geisel gehabt.

Noch fehlen die DNA Beweise aus dem Libanon, Knochen die Hisbollah 2004 präsentierte erwiesen sich nicht als jene von Ron Arad. Iranische Geheimdienstler konnten keinerlei sichere Beweise für den Tod des israelischen Navigators liefern. Ausrüstungsgegenstände, Teile seiner Uniform und persönliche Notizen übergab die "Partei Gottes" in den letzten Jahres an Israel, jüngst gelangte dann auch die Videoaufnahme aus den späten 1980er Jahren an die Öffentlichkeit.
Der Abschlussbericht des Untersuchungskomitees besagt nun, Ron Arad sei bereits Mitte der 1990er Jahre gestorben, und zwar nicht durch die Hände der Hisbollah, wohl aber in ihrem Einflussgebiet.

Guy Hever
Vor 12 Jahren, am 17.August 1997 gegen 09:30 Uhr verließ der IDF Soldat Guy Hever seine Basis an den Golanhöhen nahe der syrischen Grenze. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört. Er gilt als MIA, “missing in action”.
Als er verschwand trug Hever seine Militäruniform und hatte sein Sturmgewehr bei sich. Familie und Freunde rätseln seit jenem Tag genauso wie Geheimdienste und die israelische Bevölkerung über das Schicksal des 1977 geborenen Soldaten.

Eine Theorie besagt Hever habe nach einem Streit mit dem Kommandeur der Artillerieeinheit, in deren Reihen er stationiert war, die Basis aus Zorn und Verärgerung verlassen und sei eine Klippe hinunter gestürzt und tödlich verunglückt. Manche sagen es sei Selbstmord gewesen, andere Kameraden sprechen von Leichtsinn. Ein Leichnam wurde jedoch bis heute nicht gefunden.
Guy Hevers Familie glaubt der Vermisste habe die Grenze zu Syrien übertreten und sei von den Syrern gefangen genommen worden. In einem Kerker irgendwo in Damaskus, so glauben die Hevers, sitzt der Soldat seitdem als Geisel des Assad-Regimes.
Im April 2008 überbrachte Ex-US Präsident Jimmy Carter dem syrischen Machthaber ein Foto von Guy Hever und bat um Aufklärung. Syrien bestreitet irgendetwas mit dem verschwinden des damals 20jährigen zutun zu haben.
Das “Widerstandskomitee für die Befreiung der Golan-Höhen”, veröffentlichte im Februar 2007 ein Statement in dem es behauptet Hever entführt zu haben. Für seine Freilassung fordere man die Herausgabe von mehreren drusischen Gefangenen in israelischer Haft. Nie zuvor war diese Gruppe aufgetreten, es gibt keinerlei Hinweise der Behauptung glauben zu schenken. Israels Geheimdienste verwerfen das Statement als Wichtigtuerei.

Russlands Nahost-Vermittler soll für mehr Aufklärung sorgen. Auf Bitten der Mutter von Guy Hever, Rina Hever, übergab er dem syrischen Außenminister Walid Moallem vor knapp zwei Wochen eine Anfrage Israels. Syrien antwortete man werde das möglichste tun Licht ins Dunkle zu bringen, aber man habe nichts mit dem Verschwinden von Guy Hever zutun.

Insgesamt 10 Millionen Dollar bietet die israelische “Born for Freedom”-Foundation für brauchbare Informationen über die Schicksale von Ron Arad und Guy Hever. Bislang konnte kein abschließender Durchbruch erreicht werden.

Gilad Shalit
Der jüngste Fall ist der des entführten Gilad Shalit. Palästinensische Militanten der Hamas verschleppten den 19jährigen am 25.Juni 2006 am Kerem Shalom Grenzposten am Gaza-Streifen. Shalit ist seitdem Gefangener der Hamas und ständiges Thema von mal geheimen, mal offiziellen Verhandlungen.

Seine Familie übt Druck auf Israels Regierung aus den Sohn endlich nach Hause zu holen. Hamas möchte im Gegenzug Mitglieder aus israelischen Gefängnissen freipressen, und zwar gleich hunderte, inklusive verurteilter Terroristen, Mörder und Bombenbauer. In Israel sorgt der Fall regelmäßig für Schlagzeilen weil kurioserweise feststeht wo sich Shalit befindet. Er hat Gaza nie verlassen, Hamas hält ihn irgendwo in den Kellerräumen ihrer Verstecke gefangen und dies erfolgreich seit drei Jahren. Trotz der Offensive “Gegossenes Blei” im vergangenen Januar und mehrerer Luftangriffe auf den Gaza-Streifen scheint Hamas den israelischen Soldaten erfolgreich von Geheimdiensten und Militär abzuschirmen.

Der Fall "Arctic Sea"


Ein 98m langer Holzfrachter mit einer Maximalgeschwindigkeit von 23km/h verschwindet vor der skandinavischen Küste, taucht erst Wochen später vor Westafrika wieder auf, angeblich entführt von estnischen Piraten die der russischen Mafia nahestehen.
Die Geschichte der “Arctic Sea” ist der Stoff für Gerüchte, Verschwörungstheorien und Spionage-Romane. Was hatte das Schiff tatsächlich geladen? Wurde es tatsächlich entführt oder deckten westliche Geheimdienste einen illegalen Waffenschmuggel auf?


Es beginnt Ende Juli im finnischen Jakobstad. Holz im Wert von 1,26 Millionen Euro wird auf den Frachter, der unter maltesischer Flagge fährt, verladen. 15 Crew-Mitglieder machen sich auf den geplanten Weg die Ware von Finnland an den algerischen Hafen Béjaia zu bringen.
Was dann geschah weiß niemand so genau. Irgendwann am 24.Juli 2009 befand sich die “Arctic Sea” zwischen Ötland und Gotland, als angeblich unbekannte Entführer das Schiff kaperten. Zunächst kam keine Meldung über einen Piratenangriff, und die Rederei wurde erst aufmerksam als der Frachter nicht wie erwartet Anfang August in Algerien ankam. Der Kontakt zur Besatzung war abgebrochen, es gab weder Hinweise auf Piraterie noch ein mögliches Unglück.

Die britische Küstenwache lokalisierte das Schiff zuletzt am 28.Juli in der Straße von Dover. Bis zum 30.Juli sendete die “Arctic Sea” weiter das automatische Ortungssignal. Mittlerweile wurde bestätigt dass die schwedischen Behörden Telefonkontakt zu einem Crew-Mitglied hatte, jedoch keine weiteren Informationen darüber preisgab. Bei Brest in Frankreich tauchte das Schiff auf einem Radarbild auf, bevor es schließlich das letzte Mal von einem Flugzeug der portugiesischen Küstenwache geortet wurde.
Am 03.August schließlich erhielt Interpol von der Rederei den Hinweis auf eine Entführung, woraufhin eine Suchaktion im westlichen Mittelmeerraum gestartet wurde. Kurioserweise gab es keinerlei Lösegeldforderungen, nichts was für eine gewöhnliche Kaperung sprach. Schon kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls spekulierten einige Stimmen über eine mögliche Entführung durch die Crew selbst. In Wahrheit hätte die “Arctic Sea” nicht nur Holz, sondern auch Drogen und Waffen geladen gehabt.

Es dauerte fast zwei Wochen bis der Frachter am 14.August nach seiner Geisterfahrt wieder auftauchte, vor den Kapverdischen Inseln. Die russische Marine setzte sich in Bewegung, erst drei Tage später jedoch wollte man bestätigen die “Arctic Sea” gefunden zu haben. Russland´s NATO-Botschaft erklärte man habe den Medien tagelang falsche Informationen geliefert um nicht die wahren Aktivitäten der russischen Suchmannschaften preiszugeben.

Quellen aus Brüssel und Moskau meldeten unterdes die zuständigen EU-Behörden hätten schon sehr viel länger gewusst wo sich das Schiff befindet und welchen Kurs es eingenommen hatte.
Alle 15 Crewmitglieder konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden, am 18.August bestätigte das russische Außenministerium zudem dass man acht Piraten festgenommen habe, darunter zwei russische Staatsbürger, ein Este und zwei Letten.
11 der 15 Crew-Mitglieder, inklusiv des Kapitäns wurden in Untersuchungshaft verhört. Keiner der an Bord anwesenden Personen ist es erlaubt über die Ereignisse zu sprechen, unter Androhung von sieben Jahren Haftstrafe in Russland. "Nicht verdächtiges wurde gefunden", verkündete Russlands Außenministerium am 25.August nach Durchsuchung des Schiffes. Der Chef-Ermittler Alexander Bastrykin hingegen erklärte es sei möglich dass die "Arctic Sea" nicht nur Holz geladen hatte. Eine illegale Lieferung sei denkbar.

Der Fall wirft dutzende Fragen auf: Wieso schickt Russland eine größere Marine-Suchmannschaft durch das Mittelmeer als für das somalische Piratenproblem aufgewendet wird? Warum dieser Aufwand für 1,26Millionen Euro finnisches Holz?
Warum dürfen die Crew-Mitglieder nicht offen über das Erlebte sprechen? Wieso sprach der Kapitän davon sein Schiff sei “nordkoreanisch”?

Der Kreml schickte zwei große Militärtransportmaschinen auf die Kapverden, angeblich für den Heimtransport der Frachter-Besatzung. Einige von ihnen wurden sogar mehrere Tage in russischen Gefängnissen festgehalten, und das als angebliche Opfer einer Entführung. Es wird behauptet die Rederei habe eine Lösegeldforderung von 1,5 Millionen Euro erhalten, dies dementiert das Unternehmen. Lediglich eine russische Quelle zitiert das Versicherungsunternehmen welches angeblich die Zahlungsforderung von den Kidnappern erhalten haben will.
Ganz allgemein scheint der Aufwand den Russland um den Fall betreibt auf mehr hinzudeuten als einen simplen Fall der Piraterie in nordeuropäischen Gewässern.
Eine Spur führt nach Israel. Die Fracht der “Artic Sea” so heißt es aus journalistischen Quellen in Tel Aviv und Jerusalem, sei kein Holz gewesen sondern Rüstungsgut. Ehemalige russische Militärs sollen sich in die Dienste der Mafia gestellt haben und an einem Deal zwischen der russischen Unterwelt und dem Regime von Teheran beteiligt sein. Der Iran habe Waffen geordert, die er nicht von direkt von Moskau bekommen würde und habe sich deshalb an die kriminellen Elemente gewandt. Bei einem Reperatur-Zwischenstop der “Arctic Sea” im russischen Kaliningrad seien Raketen an Bord des Frachters gebracht worden. Der dortige Hafen gilt als einer der größten illegalen Umschlagplätze für Waffen und Militärausrüstung im europäisch-russischen Raum. Nach Auflösung der Sowjetunion verkauften die dortigen Ex-Generäle auch schweres Kriegsgerät an den Meistbietenden. Dadurch entstanden in Kaliningrad finanzstarke, mächtige Mafia-Strukturen die weiterhin am Milliardengeschäft des Waffenhandels beteiligt sind.

Glaubt man den von Jerusalem Post und Times zitierten Quellen, dann steckt hinter dem angeblichen Entführungsfall der “Arctic Sea” eine hochbrisante Waffenlieferung an die iranischen Mullahs.
Das Schiff sei von der russischen Mafia als Transporter für Raketen benutzt worden, habe jedoch den ehemaligen Kurs fortsetzen wollen. Von Nordafrika aus sollten die Waffen dann ihren Weg über Syrien in den Iran finden.
Dem zuvor kam angeblich der israelische Mossad. Ein Agententeam entführte den Frachter nachdem die Israelis den Waffendeal entdeckt hatten. So bot man Moskau eine ideale Möglichkeit alles nach einer gelungenen Piraten-Befreiung aussehen zu lassen und nicht das eigene Gesicht zu verlieren.

Für Russland wäre ein solcher Vorfall höchst peinlich und außenpolitisch äußerst problematisch. Einen Tag nach der Befreiung der “Arctic Sea” reiste Israels Präsident Perez nach Moskau, sprach mit Präsident Medwedew über die Beziehungen Russlands zum Iran, die jüngsten Waffenlieferungen in den Nahen Osten und wohl auch über die vermeintliche Frachter-Entführung.
Das kriminelle Milieu verärgert durch seine Geschäfte mit dem iranischen Regime die russische Führung, bislang konnte Moskau bestimmen welche Ausrüstung und welche Form von Rüstungsgut Richtung Iran geliefert wird. Sollten die Mullahs diesen lästigen Mittelweg der immer vom aktuellen diplomatischen Weltklima abhängt umgangen haben, dürfte Russland ab sofort jede Lieferung doppelt und dreifach bedenken.
Welche Waffen könnten Israel zu einem derart drastischen Schritt und Moskau zu einer so umfangreichen Aktion veranlasst haben? Gerüchte nennen die S-300. Dieses Luftabwehrsystem gehört zu den modernsten der Welt und ist der ganze Stolz der russischen Rüstungsindustrie. Stationiert auf fahrbaren Transportern kann dieses Waffensystem mit einem hochmodernen On-Board-Radar bis zu 100 Ziele gleichzeitig Orten und 12 feindliche Flugkörper zeitgleich bekämpfen. In den 1990er Jahren lieferte Russland bereits mehrere Versionen der S-300PMU I an den Iran, ein Luftabwehrsystem dass Kampfflugzeuge und feindliche Langstreckenraketen in bis zu 110km Entfernung bekämpfen kann.
Irans Regime ist in jüngster Zeit an den neusten Versionen der S-300 interessiert, Systeme mit denen im Ernstfall amerikanische oder israelische Kampfflugzeuge auf bis zu 200km zerstört werden können. Auch gegen Israels Langstreckenraketen und Amerikas Cruise Missiles würden die neuen S-300 einen nie gekannten Schutz liefern. Im und mittleren Osten bedeutet diese Waffe eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zu Gunsten Irans. Aus israelischer Sicht entsteht dadurch ein Patt. Der iranische Luftraum wäre gegen einen möglichen Angriff auf die Nuklearanlagen geschützt, Israel müsste mit eigenen Verlusten im Fall eines großangelegten Luftschlages rechnen.
Iran wäre nicht unverwundbar aber die israelische Luftwaffe müsste im schlimmsten Fall mit einem Verlust von 20% ihrer Maschinen rechnen. Militärexperten in Israel sind sich sicher: das Regime von Teheran will die S-300 um jeden Preis.
Bislang zögerte Russland mit der Lieferung des Systems. US-Präsident Obama und die israelische Führung drängten Moskau immer wieder dazu die S-300 nicht zu liefern. 2007 schlossen Iran und Russland Verträge über den Kauf weiterer Luftabwehr-Raketen. In Jerusalem und Washington beobachtet man diese Entwicklung seit Jahren mit größter Sorge. Es liegt in russischen Händen ob Iran sich effektiv gegen Angriffe auf sein Atomprogramm schützen kann oder nicht.
Möglicherweise setzte Teheran diesmal alles auf eine Karte und hoffte darauf niemand würde den alten russischen Frachter bemerken, der sich von Finnland aus auf den Weg nach Nordafrika gemacht hatte.

Natürlich rutscht Moskau durch diese Aktion in die Ecke der peinlichen Schlafmützen, die den eigenen Waffenmarkt nicht kontrollieren können und auf die Hilfe ausländischer Geheimdienste angewiesen sind. Für die iranische Führung ist der Fall der “Arctic Sea” schwerwiegender. Wer sich als Staat illegal Waffen beschaffen will, katapultiert sich diplomatisch in eine Eiszeit.

Nordkoreanische Schiffe mit Kurs auf die iranische Küste, ein Konvoi voller Waffen der vom Sudan Richtung Gaza unterwegs war, ein Passagierflugzeug mit einer Fracht für Hisbollah, das nördlich von Teheran am Boden zerschellte - die Liste der Peinlichkeiten für das Regime Ahmadinejad reißt nicht ab. Es wird eng für Teheran. Israels wachsame Augen und Ohren waren in den vergangenen Monaten effektiver denn je, das Regime hat innenpolitisch stark zu kämpfen und außenpolitisch spielt es wenig erfolgreich den persischen James-Bond, der sich immer öfter eine blutige Nase holt.

Friday, August 14, 2009

Al Qaida Anhänger gründen "Islamisches Emirat"...in Gaza


Israelische Geheimdienstler nenne sie "Hardcore-Islamisten mit Verbindungen zu internationalen Terrornetzwerkes", die palästinensische Autonomiebehörde sieht in ihnen "Ultraradikale Salafisten", für die Hamas in Gaza sind sie lästige Bin Laden-Verehrer die es durch ihren äußerst extremistischen Kurs äußerst schwer machen das Bild legitimer Widerstandskämpfer im Gaza-Streifen zu vermitteln.

Ob sie sich nun "Jaish al Islam" oder "Jund Ansar Allah" nennt spielt keine Rolle, diese islamistische Gruppierung grenzt sich klar von den politischen und militanten Fraktionen in den Palästinensergebieten ab, bekennt sich offen zur ideologischen Bruderschaft mit Al Qaida und handelt nach eigenen Aussagen im Auftrag Osama Bin Ladens. Von einem direkten Ableger der Al Qaida in den Palästinensergebieten zu sprechen wäre zuviel gesagt, noch basiert die Gruppe, die fast ausschließlich in Gaza aktiv ist, auf wenigen dutzend bis hundert Anhängern, darunter ehemalige Hamas-Kämpfer die der Massenbewegung den Rücken gekehrt haben. Grund dafür ist meist die Nähe der Hamas zur verhassten Schiiten-Großmacht Iran.

Heute nun ruft die "Jund Ansar Allah" im Internet das "Islamische Emirate Jerusalem" aus, ein islamischer Phantasiestaat der alle realen politischen wie geografischen Barrieren überwindet und eine utopische Herrschaft der Sharia in den Palästinensergebieten suggeriert. Ähnliches war bereits vor über zwei Jahren im Irak geschehen als Al Qaida den "Islamischen Staat Irak" ausrief.
Verkündet hat die Errichtung des palästinensischen Al Qaida Staates das spirituelle Oberhaupt der Islamisten, Sheikh Abu Nour al Maqdisi, ein salafistischer Imam und Gegner der Fatah und Hamas, während einer Freitagspredigt in Rafah nahe der ägyptischen Grenze.
Hier werde man zuerst die Sharia nach der Prophetentradition umsetzen und dann die islamische Herrschaft auf ganz Palästina ausdehnen.

Thursday, August 13, 2009

Augenzeugin: Israelischer Soldat am Flughafen Tel Aviv entführt


Die ersten Berichte über die vermutliche Entführung eines israelischen Soldaten nahe des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv kamen heute um 15
Uhr, wurden jedoch aufgrund einer Nachrichtensperre von den Medien wie Haaretz, zurückgezogen. Ab 18 Uhr meldeten dann mehrere israelische Zeitungen und Nachrichtenagenturen die DPA und Xinhua, eine Soldatin habe in der Nähe des Tel Aviver Flughafens Ben Gurion gesehen wie zwei Männer einen israelischen Soldaten in ein Auto gezogen und seien mit ihm davongefahren. Kurz nachdem die Polizei davon erfuhr, sperrte die israelische Armee die Grenzzugänge zum Westjordanland und Gaza-Streifen. Einige Autobahnen und Schnellstraßen rund um Tel Aviv wurden abgeriegelt, es kam zu Verkehrsstaus und Sicherheitskräfte durchsuchten Fahrzeuge.

Eine Gruppierung mit dem Namen "Jaish al Quds" schickte eine Email an die palästinensische Nachrichtenagentur Ma´an und übernahm die Verantwortung für die Entführung.

"Eine Einheit von Widerstandskämpfern hat den zionistischen Soldaten nahe des Ben Gurion Flughafens entführt und entkamen ohne Probleme mit ihm", hieß es im Bekennerschreiben.

Die "Armee von Jerusalem" ist bis jetzt noch nicht als palästinensische Terrororganisation erschienen, zwei ähnliche Namen sind jedoch bekannt. "Saraya al Quds", übersetzt Jerusalem-Brigade ist die Bezeichnung für den militärischen Flügel des Palästinensischen Islamischen Dschihad. "Al Quds Einheit" ist wiederum eine im Ausland agierenden Sondereinheit der iranischen Pasdaran.
Ob es überhaupt eine Entführung gab und wenn ja wer Täter sein könnte, ist im Moment nicht zu sagen. Vermutet lässt sich einiges, auch die mögliche Täterschaft der Hisbollah, vor der israelische Geheimdienstler in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach warnten. Vom Mossad und Shin Bet kamen Meldungen man rechne mit Entführungsversuchen von israelischen Staatsbürgern, vor allem im nahen Ausland. Einen IDF Soldaten in der israelischen Hauptstadt zu kidnappen wäre ein gigantischer Propagandasieg für die palästinensischen Gruppierungen oder die libanesische Partei Gottes.

Monday, August 10, 2009

Im Wortgefecht mit der Partei Gottes


Am 14.Juli explodierte urplötzlich ein augenscheinlich verlassenes Gebäude im kleinen südlibanesischen Dorf Hirbit Salim. Die Ruine erschien unbewohnt und ungenutzt, in Wahrheit befand sich unter ihr ein Waffen- und Munitionslager der Hisbollah.
Laut der UN-Resolution 1701 ist es Hibsollah nicht erlaubt Militärgerät südlich des Litani-Flusses zu lagern. Angeblich ausgelöst durch ein Feuer soll der unterirdische Bunker in einer Explosion zerstört worden sein.

Für Hisbollah, so vermuten die Israelis, sei dieser Vorfall ein beschämendes Ereignis dass die Nicht-Einhaltung der UN-Bestimmungen beweist und gleichzeitig die Schwäche der Partei Gottes offenbart. Eine spektakuläre Aktion gegen israelische Ziele könnte nun nötig sein um das Bild der unbesiegbaren Guerilla-Streitmacht wieder zurecht zu rücken, dies befürchtet zumindest der israelische Mossad.
Immer noch ist es Hisbollah nicht gelungen Rache zu üben für ihren 2008 getöteten militärischen Chef Imad Mugniyeh. Letztes Jahr vereitelten wohl Sicherheitskräfte in Aserbaidschan einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Baku, ägyptische Ermittler sprengten eine Hisbollah Zelle auf der Sinai-Halbinsel die versucht haben soll Attentate auf israelische Touristen zu verüben. Jüngst erst stießen die Ägypter dann auf Pläne der Hisbollah den israelischen Botschafter in Kairo zu ermorden.

Israelis im Urlaub sind das Ziel

330,000 Israelis machten sich bereits in der ersten Augustwoche auf in den Sommerurlaub, weitere hunderttausend folgen noch bis Oktober. Die meisten Urlauber zieht es nach Ägypten oder in die Türkei, viele auch nach Frankreich, Deutschland, Italien, England, die USA und Thailand. Alleine durch den israelischen Grenzübergang Taba nach Ägypten reisten seit Anfang August 40,000 Israelis.
Die Sicherheitskräfte in den Urlaubsorten sind besonders wachsam, da der israelische Geheimdienst vermutet Hisbollah wolle genau dort zuschlagen wo es viele weiche israelische Ziele treffen könnte. Touristen werden besonders abgeschottet, Spezial-Shuttles bringen sie vom Flughafen in die Hotels.

Krieg der Worte

Israels Premier Netanyahu erklärte man hoffe in nächster Zeit nicht mit einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Hisbollah rechnen zu müssen. Er schickte aber auch harsche Worte gen Beirut. Man werde die libanesische Regierung "zur Verantwortung ziehen für jede Aggression die aus diesem Territorium kommt". Sollte Hisbollah Teil der neuen Regierung in Beirut werden müssten alle Parteien und Politiker wissen dass jede Handlung Hisbollah´s zu Konsquenzen für den gesamten Libanon führen wird.

Die Warnung kommt nur knapp eine Woche nachdem ein ranghoher Kommandeur der IDF Nordfront einer britischen Zeitung sagte der Konflikt im nördlichen Israel könnte "jederzeit explodieren". Über 40,000 Raketen, davon geht inzwischen auch der Mossad aus, befinden sich aktuell im Arsenal der Hisbollah, die Organisation hat nach dem Krieg 2006 mindestens wieder zur alten Stärke zurückgewonnen. Einige ihrer iranischen Geschosse sollen eine Reichweite bis Tel Aviv besitzen, neue Boden-Luft-Raketensysteme könnten für Israels Luftwaffe gefährlich werden.

Gestern ließ ein Hisbollah Sprecher verlauten, sollte Israel den Libanon erneut angreifen, würde die schiitische Guerillaorganisation in einem Maße reagieren welches den Krieg vor drei Jahren "wie einen Scherz" aussehen lassen würde.
Daniel Ayalon, stellvertretender Außenminister Israels reagierte prompt: "Wir auch nur ein Haar auf dem Kopf eines israelischen Repräsentanten oder Touristen gekrümmt werden wir Hisbollah in vollen Ausmaß verantwortlich machen!"

Vor wenigen Stunden dann die Meldung Augenzeugen berichten von israelischen Militärfahrzeugen die in der Nähe der umstrittenen Shabaa-Farmen nahe der libanesischen Grenze Stellung beziehen würden. Die libanesischen Streitkräfte seien daraufhin in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, meldete die Haaretz.

Runde 2 im Spiel "Hisbollah vs Israel"?

Israel rechnet fest damit dass Hisbollah Rache üben wird für Imad Mughniyeh´s Ermordung. Wo und wann diese Racheaktion stattfindet kann nur vermutet werden, dass sie aber demnächst kommen wird steht für den Mossad außer Frage. Gerade unter dem Druck die Schmach des vernichteten, illegalen Waffenlagers wieder gut zu machen, muss Hisbollah reagieren und Schlagkraft beweisen.

Im Moment ist es ein Schlagabtausch der Worte. Hisbollah ist auf die uneingeschränkte Unterstützung des Iran und Syriens angewiesen. Mit der protestierenden Opposition, dem Druck aus dem Ausland, den Gerichtsprozessen gegen westliche Botschaftsangehörige und verirrte Touristen könnte sich das Mullah-Regime eine mediale Ablenkung nur wünschen. Allerdings käme eine zweite Runde im Kampf David gegen Goliath, nur in vertauschten Rollen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Iran´s wirtschaftliche Lage entwickelt sich schlecht, Millionen für das libanesische Kriegsspiel aufzubringen fällt Teheran schwer.
Da Hisbollah nur als verlängerter Arm Ahmadinejads in der Region erachtet wird, geht es Israel bei einem Kampf gegen Partei Gottes um mehr als nur um territoriale Sicherheit, es geht um die Bewahrung vor weiterem, größeren Übel.
Die Kriegswochen des Jahres 2006 waren eine politische Niederlage für den jüdischen Staat, Soldaten wie Zivilisten verloren ihr Leben, Hisbollah hat die Raketenbatterien längst wieder aufgefüllt und ihren Staat im Staate mit aller Macht aufrecht erhalten. Nur alleine um dieses Bild aus israelischer Sicht wieder zurecht zu rücken würde man keinen zweiten Krieg wagen.

Alte Rechnungen und neue Schwäche

Viel gewichtiger ist Hisbollahs Situation in der libanesischen Politik. Anders als erwartet wurde sie bei der Wahl im Juni abgestraft. Rafik Hariri´s Sohn übernimmt das Erbe seines Vaters und bringt somit die Syrien-Gegner an die Macht im Zedernstaat. Hisbollah ist auf den zweiten Platz verwiesen worden, abhängig auch von der Gunst der Machthaber die immer weniger gewillt sind eine iranische Söldnerarmee im eigenen Land zu akzeptieren. Um die Unterstützung der nicht-schiitischen Libanesen, der Mittel- und Oberschicht nicht zu verlieren und Macht einzubüßen muss Hisbollah beweisen dass nur sie den Libanon vor der israelischen Bedrohung schützen kann. Dass sie gleichzeitig Auslöser und Bewahrer spielen wird ist den meisten Libanesen längst klar. Ihre Provokationen an der südlichen Grenze tragen dazu bei dass Israels Interesse am nördlichen Nachbarn nicht schwindet. Die schiitischen Gotteskrieger, bis an die Zähne bewaffnet und blind Teheran gehorchend, sind ein schmerzender Dorn im Auge Israels. Nur zähneknirschend konnte man die Kriegshandlungen beenden und das Gebiet bis zum Litani wieder den Partisanen überlassen.
Hassan Nasrallah schwor einst: "Gäbe es Hisbollah nicht, wäre Israel morgen wieder vor Beirut!" - gäbe es Hisbollah nicht müssten die Israelis nicht bis nach Beirut.

Monday, August 3, 2009

Iranisches Flugzeug soll Hisbollah-Waffen transportiert haben


Israelische Quellen melden das Passagierflugzeug welches amen 15.Juli 2009 nördlich von Teheran abstürzte, hatte u.a. eine große
Waffenlieferung für Hisbollah geladen. Unter den 168 Toten des Absturzes sollen Mitglieder der Al Quds Force, einer Sondereinheit der Revolutionsgarde gewesen sein.
Angeblich transportierte die Tupolev vor allem Sprengsätze, Fernzünder und Raketenteile, was die Augenzeugenberichte von mehreren Explosionen erklären könnte.
Die Maschine war auf dem Weg nach Armenien, wo die Waffenlieferung angeblich weiter nach Syrien, von dort aus in die Türkei und dann in den Libanon gebracht werden sollte.
Kurz nach dem Absturz erschienen an der Unglücksstelle bereits iranische Sicherheitskräfte und riegelten den Ort ab.
Normalerweise werden Lieferungen an die Hisbollah direkt über Syrien in den Süd-Libanon abgewickelt. Südlich des Litani-Flusses baute Hisbollah in den vergangenen Jahren mehrere Bunkersysteme und Waffenlager aus. Eines dieser Lager explodierte versehentlich am 14.Juli, weshalb die iranisch Führung angeblich beschloss die Lieferung in einem zivilen Passagierflugzeug über eine Route in das Zielgebiet nördlich des Litani zu bringen.

Iranische und libanesische Quellen spekulierten bereits kurz nach dem Absturz es könne es um ein gezieltes Attentat des israelischen Mossad gehandelt haben.

Tuesday, July 28, 2009

"Home grown"-Terroristen in North Carolina?


Heute Morgen europäischer Zeit berichten US Medien im Bundesstaat North Carolina seien sieben islamistische Terrorverdächtige, darunter ein Vater und seine beiden Söhne verhaftete worden. Die Gruppe habe "militärisches Training" in den USA absolviert und plane "Terroranschläge in Übersee", speziell in Israel.
Anführer der Truppe bestehens aus sechs amerikanischen und einem
kosovarischen Staatsbürger soll der 39jährige Daniel Patrick Boyd sein, ein Konvertit der von 1989-1992 in Afghanistan an der Seite der Mujaheddin von Hizb e Islami gegen die Sowjets gekämpft hat und danach in die Staaten zurückkehrte. Er habe die anderen jungen Männer zwischen 20 und 33 Jahren angeworben und auch seine eigenen Söhne überzeugt den militanten Dschihad zu praktizieren. Erst im Jahr 2007 sei Boyd nach Israel gereist um dort terroristische Aktivitäten durchzuführen. Sein Plan scheiterte und er kehrte nach North Carolina zurück, wo er zuhause eine eigene kleine Privatmoschee einrichtete weil er die örtliche muslimische Gemeinde als unislamisch erachtete.

Authorities: 7 in U.S. Participated in 'Violent Jihad'

Monday, July 27, 2009

WASHINGTON — A father, his two sons and four other men living in North Carolina are accused of mililtary-style training at home and plotting "violent jihad" abroad, federal authorities said Monday.

Officials said the men were led by Daniel Patrick Boyd, a married 39-year-old who lived in an unassuming lakeside home in a rural area south of Raleigh, where he and his family walked their dog and operated a drywall business.

But court records indicate Boyd was a veteran of terrorist training camps in Pakistan and Afghanistan who fought against the Soviet Union.

"These charges hammer home the point that terrorists and their supporters are not confined to the remote regions of some far away land but can grow and fester right here at home," U.S. Attorney George E.B. Holding said.

The seven men made their first court appearances in Raleigh on Monday, charged with providing material support to terrorism. If convicted, they could face life in prison.

The indictment said Boyd, a U.S. citizen, trained in Afghanistan and fought there between 1989 and 1992 before returning to the United States. Court documents charged that Boyd, also known as 'Saifullah,' encouraged others to engage in jihad.

Boyd's faith was so brash that, this year, he stopped attending worship services in the Raleigh area and instead began meeting for Friday prayers in his home.

"This is not an indictment of the entire Muslim community," Holding said. "These people had broken away because their local mosque did not follow their vision of being a good Muslim."

In 1991, Boyd and his brother were convicted of bank robbery in Pakistan — accused of carrying identification showing they belonged to the radical Afghan guerrilla group, Hezb-e-Islami, or Party of Islam. They were each sentenced to have a foot and a hand cut off for the robbery, but the sentenced was later overturned.

The wives of the men told The Associated Press in an interview at the time they were glad the truth about their husbands had finally become known. The wives said the couples had U.S. roots but the United States was a country of "kafirs" — Arabic for heathens.

Jim Stephenson, a neighbor of Patrick Boyd in Willow Spring, said he saw the Boyd family walking their dog in the neighborhood. He said the indictment shocked the residents.

"We never saw anything to give any clues that something like that could be going on in their family," Stephenson said.

Two of the suspects are Boyd's sons: Zakariya Boyd, 20 and Dylan Boyd, 22. The others are Anes Subasic, 33; Mohammad Omar Aly Hassan, 22; and Ziyad Yaghi, 21.

Hysen Sherifi, 24, a native of Kosovo and a U.S. legal permanent was also charged in the case. He was the only person arrested who was not a U.S. citizen.

All were residents of North Carolina. No attorneys for the men were listed in court records.

Reached at her home in Silver Spring, Md., Boyd's mother said she had not heard of their arrests and knew nothing about the current case.

"It certainly sounds weird to me," Pat Saddler said. "That's news to me."

Hassan's father declined to comment Monday night while others did not have listed numbers or did not return calls.

It's unclear how authorities learned of the activities, although court documents indicate that prosecutors will introduce evidence gathered under the Foreign Intelligence Surveillance Act.

The indictment claims Boyd traveled to Israel in 2007 with several of the defendants, hoping to engage in "violent jihad." The attempt was unsuccessful, though, and the men returned home, officials said.

Boyd was also accused of trying to raise money last year to fund others' travel overseas to fight. One of the men, Hysen Sharifi, allegedly went to Kosovo to engage in violent jihad, according to the indictment, but it's unclear if he did any actual fighting.

Several of the defendants, including Boyd, were also charged with practicing military tactics on a private property in Caswell County in June and July of this year.

Wieder einmal stellt sich die Frage: Hat man es hier wirklich mit überzeugten, fähigen Terroristen und gefährlichen Dschihadisten zutun oder ist die Aktion ein Ergebnis vorschneller Polizeiarbeit, sicherheitstechnischer Bedenken ohne konkrete Hinweise und schlicht und einfach Panikmache?
Unumstritten scheint zu sein dass Mr. Boyd in Afghanistan unter dem Kommando von Hizb e Islami Führer Hekmatyar gegen die russische Armee gekämpft hat. Anders als viele vom Westen und den arabischen Öl-Emiraten damals finanzierten Kampfgruppe galt die Hizb e Islami nie als wahhabitisch beeinflusst, radikal fanatisiert oder auch nur als annähernd so extremistisch wie das heutige Al Qaida Phänomen. In der Regel kämpften die Mujaheddin des heute talibanfeindlichen Hekmatyar für Allah UND Vaterland, der salafistische Fundamentalismus war ihnen weitestgehend fremd.
Sollte es sich bei Mr.Boyd um einen Vollblut-Dschihadisten handeln, wie US Medien derzeit behaupten, lässt die Tatsache stutzig werden dass er mit seiner Frau regelmäßig "den Hund in der Nachbarschaft ausführte". Dschihadisten gehen nicht Gassi denn Dschihadisten besitzen keinen Hunde.

Aus religiöser Sicht ist der Hund in etwa gleichzusetzen mit dem Schwein, also ein unreines Tier dessen Berührung schon verpönt ist unter gläubigen Muslimen. Die ultraorthodoxen Islamisten a la Al Qaida stürzen sich fanatisch in die Glaubensvorschriften des Koran und der Sunnah, machen jede noch so kleine von Allah aufgestellte Regel zu einer heiligen Pflicht im Alltag. Hunde lehnen diese Leute strikt ab, Al Qaida waren sie in Afghanistan gerade gut genug um sie für Giftgas-Versuche zu benutzen, im Irak versteckten die Dschihadisten Sprengfallen in Hundekadavern am Straßenrand. Niemals würde ein überzeugte Islamist einen Hund als Haustier halten.

Selbsternannte Experten werden sagen: Das ist Teil der Strategie, Tarnung in einer westlichen Umgebung und Vorspiel eines modernen Lebensstils.
Könnte richtig sein, aber ist dazu ein Hund nötig? Baseball zu spielen, sich keinen Bart wachsen zu lassen, ab und zu bei McDonald´s vorbeizuschauen und jeden Sonntag den Grill anzuschmeißen würde als vermeintliche Tranung in den USA ausreichen.

Die Geschichte wirft einige Fragen auf. Für mich klingt es nach paramilitärischen Hobby-Söldnern, die ihre eigene kleine Dschihad-Gruppe aufbauen wollen, amateurhaft und ohne große Unterstützung aus dem Ausland.

Wednesday, July 22, 2009

Dschihad News IX


Somalia
EXKLUSIV: Kriegsschiffe und Kampfhubschrauber vor Somalias Küste gesichtet

Die Website der somalischen Al Shabaab-Miliz meldete am Abend es seien Kampfschiffe und Hubschrauber an verschiedenen Küstenorten Somalias aufgetaucht. Augenzeugen berichten von kreisenden Helikoptern über der Hauptstadt Mogadischu und Schlachtschiffen vor der etwa 100km südlich gelegenen Stadt Merka.

Sollten sich die Berichte bewahrheiten könnte es sich um den Beginn einer französischen Militäroperation sein um zwei am 14.Juli entführte französische Sicherheitsbeamte zu befreien. Nachdem die beiden Regierungsangestellten in Mogadischu von Hizb e-Islami Milizen gekidnappt worden waren hatten diese sie an die größere islamistische Organisation Al Shabaab übergeben, die erst vor wenigen Wochen den Treueschwur auf Bin Laden leistete und so offiziell Vertretung der Al Qaida am Horn von Afrika wurde.
Französische Offizielle hatten eine sofortige Freilassung gefordert und eine militärische Befreiungsaktion nicht ausgeschlossen.


Israel
Im Schatten der Hamas

Am Wochenende fand hinter verschlossenen Türen eine Informationskonferenz des israelischen Inland-Geheimdienstes ShinBet statt. Der israelischen Regierung wurden dabei die jüngsten Erkenntnisse der Sicherheitsdienste im Bezug auf die palästinesische Terrorbedrohung und die Entwicklung des jüdischen Extremisten im eigenen Land unterbreitet.

Zur Sprache kam u.a. dass laut Informationen des ShinBet in Gaza inzwischen ein Netzwerk ausländischer Islamisten existiere die Verbindungen zu nordafrikanischen, syrischen und irakischen Terrorgruppen haben. ShinBet geht davon aus dass mehrere dutzend arabische Extremisten aus den Nachbarländern in den Gaza-Streifen gelangt sind, die meisten davon während der temporären und von Hamas durchgeführten Grenzöffnung zu Ägypten Ende 2008.
Basis für die ausländischen Dschihad-Kämpfer sei das Netzwerk der "Jaish al Islam", einer salafistischen Gruppe die sich selbst als Stellvertreter Al Qaidas in den Palästinensergebieten sieht und getrennt von Hamas und den militanten Flügeln der Fatah agiert. Ihre Anhänger sind teils ehemalige Kämpfer der Hamas, des Islamischen Dschihad oder des Popular Resistance Commitees die aus hauptsächlich ideologischen Gründen mit ihren Organisationen gebrochen haben. Gazas regierende Fraktion sieht in den ultraradikalen Hardlinern eine Konkurrenz und eigene Bedrohung. Unterstützer der Jaish al Islam beschuldigen Hamas nicht den "wahren Islam" zu praktizieren, mit dem Feind Bündnisse und Abkommen einzugehen und für eine nationalistische und daher nicht religiöse Überzeugung zu kämpfen. Im Gegensatz zur Massenbewegung Hamas sieht sich die wenige Dutzend zählende Untergrundorganisation als die "wahren Mujaheddin Palästinas" und Vertreter des globalen Dschihad. Von israelischer Seite kamen keine Informationen über die in der Dschihad-Szene von Gaza vertretenen Nationalitäten aber aus Expertenkreisen heißt es bei den palästinesischen Salafisten hätten Glaubensbrüder aus dem Jemen, Ägypten, Saudi-Arabien, Syrien, Jordanien und Algerien Unterschlupf gefunden. Deren Aktivitäten betrachtet der ShinBet mit größter Sorge da man in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen die Versuche Abu Mussab al Zarqawis gearbeitet hatte außerhalb des Irak, in den palästinensischen Gebieten oder im israelischen Nachbarland Terrorzellen aufzubauen. Der Einzug fanatischer Dschihadisten der Al Qaida könnte sicherheitspolitische zur Herausforderung werden, nicht so sehr für Israel, vielmehr für die palästinensischen Gruppierungen die in den Fanatikern eine unberechenbare Kraft sehen. Während des letzten Gaza-Feldzuges "Operation Gegossenes Blei" kam es bereits zu Exekutionen von Jaish al Islam Kämpfern durch Hamas-Einheiten. Im Chaos jener Kriegstage am Jahresanfang wollte man sich einiger unbeliebter Konkurrenten erledigen.

Propaganda
"Oh Abu Yahya" - Huldigung an Al Qaidas neuen Propaganda-Star


Letzten Samstag meldete sich die nordafrikanische Al Qaida Abteilung über das Internet zu Wort. Abu Anas al Shanqiti, ein Mitglied der Organisations Shura, richtete seine Audiobotschaft direkt an Abu Yahya al Libi, den propagandistischen Chef-Ideologen der Al Qaida. Unter dem Titel "Oh Abu Yahya, ich bin bereit deinen Befehlen zu folgen!" erklärte der Sprecher der Al Qaida im Islamischen Maghreb seine Gruppe werde dem Aufruf Al Libis vom Juni folgen und den Dschihad in ganz Nordafrika ausdehnen. Die Feinde, die unislamischen Regime und Marionetten Amerikas, die Sicherheitskräfte und Armeen der Maghreb-Staaten, würden von den Mujaheddin angegriffen bis der Banner des Islam über Nordafrika herrsche.

Erstmals richtete damit eine Al Qaida Abteilung außerhalb der Region AfPakistan einen Treueschwur auf den libyischen Militärführer des Netzwerkes. Abu Yahya al Libi ist in den vergangenen
Jahren zum wichtigsten Propagandakopf Al Qaidas aufgestiegen, erschien in dutzenden Videos und gilt als "Schlachtfeld-Prediger" dessen religiöse Weisungen maßgebend sind für die Gotteskrieger vom Hindukusch bis nach Marokko.
Nordafrikas Islamisten werden versuchen Zeichen zu setzen um der obersten Führung rund um Bin Laden zu beweisen dass Al Qaida südlich des Mittelmeers die schlagkräftigste Truppe außerhalb Pakistans darstellt. Selbstmordanschläge, Entführungen, Großangriffe auf algerische, marokkanische oder tunesische Sicherheitskräfte werden als Ausführung der Befehle vom Hindukusch folgen.


Libanon

Al Qaidas Krieger vor Israels Haustür


Wie ein Sprecher des libanesischen Militärs am Dienstag mitteilte konnten Sicherheitskräfte nach wochenlanger Geheimdienst-Observierung insgesamt zehn Personen festnehmen die Anschläge auf die UNIFIL-Truppe im Süden des Landes geplant hatte.
Bei den Festgenommenen soll es sich um neun Ausländer arabischer Herkunft und einen Libanesen handeln. Sie waren bei libanesischen Firmen in Beiruter Christenviertel angestellt, gehörten einer Zelle der Al Qaida nahen "Fatah al Islam" an.
Die Gruppe habe in den letzten Monaten mehrere gesuchte Terroristen aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Ain al Hilweh geschmuggelt und mit Hilfe der Fatah al Islam ein Netzwerk aus Zellen aufgebaut die damit beauftragt waren die Bewegungen der UN-Truppe im Süd-Libanon zu beobachten. Angeblich habe es konkrete Pläne für Hinterhalte und Selbstmordattentate gegen die ausländische Friedenstruppe gegeben.

Erst im Juni 2007 waren bei einem Autobombenanschlag auf eine Einheit des insgesamt 12,500 Mann starken UN Kontingents drei spanische und drei kolumbianische Soldaten getötet worden. Libanesische Sicherheitsdienste verdächtigten Mitglieder der islamistischen Fatah al Islam die Attentäter zu sein.
Über drei Monate hinweg lieferte sich die libanesische Armee im berüchtigten Ain al Hilweh Flüchtlingslager in dem über 45,000 palästinensische, syrische und libanesische Flüchtlinge, meist sunnitischen Glaubens, leben Gefechte mit den militanten Islamisten. 160 libanesische Soldaten und 400 Bewohner des Flüchtlingscamps kamen dabei ums Leben.

Fatah al Islam etablierte sich im Schatten der schiitischen Hisbollah als gefährlichste sunnitische Extremistenbewegung mit mehreren hundert Mitgliedern. Ihre Ideologie ist geprägt vom militanten Salafismus und ihre Ziele werden mit denen Al Qaidas gleichgesetzt. Israelische und libanesische Quellen sehen direkte Kontakte der Gruppe zum internationalen Dschihad, Kämpfer der Fatah al Islam starben im Irak an der Seite von Al Qaida Mitgliedern und im Libanon selbst tötete die Armee bei den Kämpfen um Ain al Hilweh mehrere ausländische Islamisten.

Aus heutiger Sicht ist Fatah al Islam zu einer Filiale der Al Qaida in Israels Hinterhof aufgestiegen. Ähnlich wie die Ableger
des Netzwerkes in Nordafrika, Jemen, Somalia oder Irak fungiert die Gruppe als Zweigstelle der Al Qaida Ideologie im Nahen Osten.
Es gibt Hinweise darauf dass die ursprüngliche Organisation geprägt von salafistischen palästinensischen Hardlinern inzwischen ganz offiziell zur "Al Qaidat al Jihad fi Sham"
(Al Qaida der Levante") geworden ist und direkte Befehle, Finanzen und Personal vom Terrornetzwerk Osama Bin Ladens erhält. Raketenangriffe aus dem Süd-Libanon auf israelische Ortschaften, Angriffe auf libanesische Sicherheitskräfte und UN-Einheiten sind dunkle Vorboten der Zukunft Al Qaidas. Längst hat die Expansion der Ideologie stattgefunden und Netzwerke entstehen die sich oft noch dem Griff der amerikanischen Geheimdienste und Terrorfahnder der Region entziehen.

Die Befreiung Palästinas von "zionistischer Herrschaft" bleibt eines der Hauptziele Al Qaidas, immer wieder beschworen durch Bin Laden selbst oder Al Zawahiri und Abu Yahya al Libi. Um dies zu verwirklichen bedarf es Fußsoldaten direkt an Israels Grenzen, eine Horrorvorstellung für den jüdischen Staat und seine Beschützer. Mit Fatah al Islam hat der globale Dschihad eine Front mit Blick auf Jerusalem errichtet.

Mali
In der Sub-Sahara ist Krieg


Alles begann Mitte Juni. Malis Regierung entschied eine Offensive gegen die militanten Islamisten, die über die letzten Monaten mehr und mehr in das westafrikanische Land von Norden her eingesickert waren, vorzugehen. Selbsternannte Gotteskrieger der Maghrebinischen Al Qaida nisten sich seit Anfang 2008 im nördlichen Mali ein, nutzen die kaum kontrollierte Wüstenregion als Rückzugsort und Unterschlupf, verschleppten Geiseln und planten Angriffe u.a. in der Hauptstadt gegen amerikanische und andere westliche Ziele.

Im äußersten Norden des Landes drängten malische Armeeeinheiten die Islamisten nun in die Offensive. Tagelange Kämpfe führten am 17.Juni schließlich dazu dass das Militär angab 26 islamistische Kämpfer getötet zu haben.
Was folgte waren Racheaktionen der Extremisten. Gehäuft gerieten Soldaten in Hinterhalte, Sprengfallen attackierten Konvois der Armee. Anfang Juli schickte die Regierung erneut hundert Soldaten in die umkämpfte Gegend nahe Timbuktu. Heftige Gefechte töteten dutzende Menschen auf beiden Seiten. Wie hoch die Verluste der Armee waren wurde nicht bekannt, Al Qaida vermeldete über ein Internet-Statement man habe über 20 malische Soldaten getötet und einige lebend als Geiseln genommen.

Am letzten Montag besuchte Spaniens Innenminister Alfredo Rubalcaba die Stadt Bamako und sicherte dem malischem Präsidenten Toure zu, die ehemalige Kolonialmacht werde Mali logistische, geheimdienstliche und militärische Unterstützung im Kampf gegen Al Qaida liefern. Sicherheitspolitisch werde man enger Zusammenarbeiten und neue Technologien einsetzen, außerdem weitere Polizei- und Anti-Terror-Einheiten der Armee ausbilden, um der islamistischen Gefahr zu begegnen. Spanien wird demnächst also eine Polizeiakademie speziell für Terrorjäger finanzieren.
US-Einheiten trainieren seit geraumter Zeit bereits in verschiedenen westafrikanischen Staaten südlich der Sahara Militärkommandos im Anti-Terror-Kampf. Die Befürchtungen Al Qaida könnte Algerien und die übrigen Gebiete der Maghreb als Sprungbrett nutzen um den Rest des schwarzen Kontinents zu infiltrieren sind groß.