Showing posts with label USA. Show all posts
Showing posts with label USA. Show all posts

Monday, August 23, 2010

Der Fall Boudlal - Kulturkampf in Disney-Land




Im "Storyteller´s Café" des Grand Californian Hotel & Spa von Disney Land Anaheim bei Los Angeles erinnert nichts an Streit und Kulturkampf. Eine friedliche, heile Welt, in der Familien beim Frühstück oder Lunch in die zauberhafte Welt von Walt Disney abtauchen sollen. Mitarbeiter in Skinktier-, Hasen- oder Micky-Mouse Kostümen treiben ihre Späße mit den kleinsten Gästen, während die Eltern ihr Essen genießen können. "Happiest Place on Earth" - so die Selbstdeklaration des Disney-Konzerns.

Vor einer Woche war Schluss mit happy im "Storyteller´s Café". Imane Boudlal, eine junge Frau, die seit zwei Jahren als Empfangsdame im Disney-Restaurant arbeitet, kam am vorvergangenen Sonntagmorgen wie gewöhnlich zur Arbeit. Irgendetwas aber war anders an ihr. Sie trug ein Kopftuch.

Die junge Marokkanerin, die erst vor kurzem US-Staatsbürgerin wurde, hatte sich im Laufe des aktuellen Ramadan entschieden, die religiöse Kopfbedeckung anzulegen. Schon im Juni hatte sie ihre Vorgesetzten informiert, sie wolle ab sofort den Hijab tragen. Dies müsse erst mit der Geschäftsleitung abgeklärt werden, hieß es damals. Auf eine Erlaubnis oder Absage wartete Boudlal vergeblich. Also entschied sich die amerikanische Muslima den Schleier anzulegen.

Noch am selben Tag als sie mit Kopfbedeckung zur Arbeit im Disney´s Grand Californian Hotel erschien, erklärten ihr die Vorgesetzten, sie müsse das Kopftuch ablegen oder eine Tätigkeit hinter den Kulissen, ohne Kundenkontakt, ausüben. Imane Boudlal weigerte sich den Hijab abzunehmen und verließ das Restaurant.

Drei Tage später, am vergangenen Mittwoch reichte Boudlal eine Beschwerde der Diskriminierung am Arbeitsplatz bei der "U.S. Equal Employment Opportunity Commission" ein. Kurz darauf startete sie einen neuen Versuch mit Kopftuch ihrer Arbeit nachzugehen.
Umringend von Journalisten, Fotografen und muslimischen Freunden und Unterstützern zog sie zum Disney-Hotel und erklärte, sie sei gewillt hier zu arbeiten, werde jedoch weiter ihr Kopftuch tragen

Obwohl sie bis auf den Hijab in ihrer regulären Arbeitsuniform erschien, forderte man Boudlal erneut auf den Schleier abzulegen oder im Hintergrund zu arbeiten. "Schickt mich nicht nach hinten", entgegnete die Muslima.

"Ich wurde nach Hause geschickt", sagte Boudlal als sie das Restaurant verließ, "Ich dachte heute wäre ein Glückstag, weil ich meine Freunde und Unterstützer bei mir habe."
Disney reagierte inzwischen auf den Vorfall und ließ verlauten, es sei keine Frage der religiösen Symbolik. Einige Mitarbeiter trügen ebenfalls religiöse Kleidung, aber nicht in einem Arbeitsbereich mit Kundenkontakt.
"Mrs.Boudlal darf bei uns arbeiten"
, sagte eine Sprecherin des Konzerns, "Wir haben ihr eine Stelle hinter den Kulissen angeboten, als sie die letzten Male zur Arbeit erschien."
Ganz allgemein gehe es darum, dass in den Disney-Einrichtungen eine gewisse Kleiderordnung vorliege. Mitarbeiter müssten Kostüme tragen, und dazu passe nunmal kein Kopftuch. Die Personalabteilung schlug Imane Boudlal daher vor, beispielsweise einen Hut als Kopfbedeckung zu tragen.

Leigh Shelton, die Gewerkschaftssprecherin, die Imane Boudlal in ihrem Streit mit Disney vertritt erklärte: "Wir wussten dass Disney sehr sensibel reagiert, wenn es um das öffentliche Image geht. Deshalb haben wir gesagt: Geh an die Öffentlichkeit damit."

Saturday, August 21, 2010

"Blackwater"-Gründer Erik Prince flieht aus den USA



Jahrelang stand er im Dienst der USA, als loyaler Helfer, der überall dort zum Einsatz kam, wo das Kriegsgeschäft zu schmutzig wurde für die eigenen Truppen. Er galt als Profiteur sowohl des Irak- als auch des Afghanistankrieges, als Branchen-Revoluzzer, der es als erster verstand, Konflikte in Übersee zu einem multimillionendollar Geschäftsmodell zu machen.
Vor juristischen Folgen seines Handels fühlte sich der selbsternannte Patriot Erik Prince sicher, die Nähe zum Ex-US-Präsidenten George W.Bush, seine evangelikalen Ansichten, die er mit dem Großteil der Neo-Cons in Washington teilte, waren Garanten dafür dass sein Söldner-Imperium "Blackwater" weitestgehend verschont blieb von Anklagen wegen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen.

Nun kehrt Erik Prince seinem größten Auftraggeber den Rücken. Wie die "New York Times" berichtet, zog der "Blackwater"-Gründer vor kurzem samt Ehefrau und den drei Kindern aus den USA nach Abu Dhabi. Kollegen berichten, Prince wolle von dort aus sein neues Sicherheitsunternehmen, die Blackwater-Nachfolgefirma "Xe Services", in den Dienst verschiedener Regierungen in Afrika und Nahost stellen und so die Privatisierung von Kriegen vorantreiben. "Er braucht eine Pause von Amerika", so erklärt es ein enger Freund.

Im Mai hatte Prince, der gebürtiger Niederländer ist, während einer Rede beim Tulip Time Festival erklärt, er stehe immer für Werte wie Loyalität, hartes Arbeiten und Aufopferung ein. "Dies ist der holländische Weg und es ist jetzt der einzige Weg", so der 41jährige, "und jetzt liegt es am mir diese Werte an meine Kinder weiterzugeben." Holland, so Prince, werde dabei immer seine wahre Heimat bleiben.

Die US-Anwältin Susan Burke sieht in Princes Auswanderung an den arabischen Golf eine Flucht vor der Justiz. Sie hat insgesamt sieben Anklagen gegen Erik Prince und seine Mitarbeiter eingereicht und möchte ihn vor Gericht sehen, notfalls in dem sie ihn bis ins Ausland verfolgt.
Prince habe erklärt, er müsse bis zum 15.August in Abu Dhabi sein, weil dann das Schuljahr für seine Kinder beginne. Dabei scheint unklar, welche englischsprachige Schule der Vereinigten Arabischen Emirate tatsächlich im August den Lehrbetrieb wieder aufnimmt.

Burka ließ wissen, dass sie Prince in jedem Fall verfolgen und juristisch anprangern werde, egal wo er sich versteckt halte. "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen", so Burges Ehemann Jamison Koehler.

Erik Prince hatte das Sicherheitsunternehmen "Blackwater" 1997 ins Leben gerufen und damit die Privatisierung des Krieges in die Tat umgesetzt. Milliardenschwere Verträge mit der US-Regierung während der Anti-Terror-Kriege ließen seine Firma, die primär Ex-Militärs als Sicherheitsdienstleister ("contractors") anheuerte, zu einem Söldner-Imperium heranwachsen.
Ein gewaltiges Trainingsgelände in North Carolina diente zur Ausbildung der Männer und Frauen, die Prince als hochbezahlte Miet-Soldaten in den Irak und nach Afghanistan schickte.

Aus Washington erhielt "Blackwater" für seine Arbeit offenbar Freifahrtsscheine, die ihnen erlaubten in einer Art rechtsfreien Zone zu agieren. Misshandlungen von Gefangenen, Entführungen bis hin zum blutigen Zwischenfall im Jahr 2007, bei dem "Blackwater"-Mitarbeiter auf einem Marktplatz im Irak 17 unbewaffnete Zivilisten erschossen.

Um ein positives Image für seine Tätigkeit war Prince nie bemüht. Er hielt sich im Hintergrund und mied die Öffentlichkeit. Für die Bush-Administration war der religiöse Fundamentalist, der an eine Endschlacht zwischen Gut und Böse, zwischen Christentum und Islam glaubt, deshalb der Mann für´s Grobe, eine nützliche Marionette, die leider schmutzige, blutige Flecken hinterließ.
Bislang verurteilten US-Gerichte lediglich fünf Mitarbeiter von "Blackwater" zu Haftstrafen für ihr unrechtes Vorgehen im Irak. Ihr ehemaliger Chef allerdings blieb unbehelligt.

Prince löste "Blackwater" auf und meldete sein neues Unternehmen unter dem Namen "Xe Services" an. Die Trainingsfarm in North Carolina verkaufte er im Juni, da er bereit länger mit dem Gedanken spielte, die USA zu verlassen. Diesen Schritt vollzog er nun. Sicherlich auch, weil er sich verraten fühlt von dem Land für dessen Kriege seine Söldner starben und kämpften. Dabei ist Prince sehr wohl bewusst, dass Amerikas Kriege mehr denn je auf Schattenkrieger angewiesen sind, die außerhalb des Scheinwerferlichts der Medien agieren. Wer glaubt der Boom der Söldnerbranche hätte ein Ende, täuscht sich. Gescheiterte oder im Zerfall begriffene Staaten wie Somalia, Jemen, Pakistan oder Kirgisien, speisen die Mühlen von "Xe Services & Co.".

Die Privatisierung des Krieges hat auch unter Präsident Obama kein Ende, im Gegenteil. Will der neue Mann im Weißen Haus sein Versprechen einlösen, und die eigenen Truppen nach Hause holen, dann bedeutet dies keineswegs ein Ende amerikanischer Präsenz. Soldaten ohne Uniform füllen die Lücken, die US-Truppen hinterlassen. Und ein weiteres Geschäftsfeld des Erik Prince wurde noch nicht einmal richtig erschlossen: Die Privatisierung der Geheimdienste steht erst noch bevor.

Thursday, August 5, 2010

Faszination Somalia - Der Traum eines Amerikaners vom Dschihad


UPDATE:


Während ich den folgenden Blog-Eintrag verfasste, meldeten US-Fernsehsender dass insgesamt 14 Terrorverdächtige in den USA angeklagt würden, Al Shabaab zu unterstützen oder der Gruppierung beitreten zu wollen.

Auf einer Pressekonferenz erklärte US-Justizminister Eric Holder, dass in den vergangenen Tagen 12 Personen in Minnesota, und jeweils eine Person in Alabama und in Kalifornien festgenommen wurden. Ihnen würde vorgeworfen unter dem Deckmantel einer Wohltätigkeitsorganisation Gelder für Al Shabaab gesammelt und nach Somalia transferiert zu haben. Unter den Verdächtigen befinden auch zwei Frauen (eine von ihnen 63 Jahre alt), denen vorgeworfen wird, Spendenveranstaltungen organisiert zu haben, bei denen in Videokonferenz verschiedener Moscheen aufgerufen wurde für "die somalische Sache" und den "Dschihad" zu spenden. Fünf der festgenommenen

Erstmals klagen die USA in den neuen Terrorverdachtsfällen auch zwei amerikanische Staatsbürger an, die sich allerdings nicht in Haft befinden, da sie sich nach Erkenntnissen der US-Behörden in Somalia aufhalten.
Bei ihnen handelt es sich um Omar Hammami, besser bekannt unter dem Kampfnamen "Abu Mansour al Amrikki", und Jihad Mustafa alias "Amir Anwar"

Hammami, der in mehreren Propagandavideos der somalischen Islamistan auftauchte, ist Anführer der "Al Muhajiroun-Brigade" von Al Shabaab, den ausländischen Kämpfern, die sich dem somalischen Dschihad angeschlossen haben. Er kämpft bereits seit zwei Jahren am Horn von Afrika und wirbt mit englischsprachiger Propaganda, teilweise in Form von Dschihad-Raps, um westlicher Rekruten. US-Behörden sehen in ihm eine Schlüsselfigur für Al Shabaab´s Verbindung in die USA.

Ein weiterer US-Amerikaner, Jihad Serwan Mustafa (28) aus San Diego, Kalifornien, soll sich ebenfalls in Somalia aufhalten und dort inzwischen in die Führungsriege von Al Shabaab aufgestiegen sein. Mustafa war ein enger Berater des kenianischen al Qaida Kommandeurs Saleh Ali Nabhan, der 2009 bei einer Operation von US-Spezialeinheiten in Somalia getötet worden war. In einer San Diegoer Moschee hatte Mustafa vor Jahren den us-jemenitischen Prediger Anwar al-Awlaki kennengelernt und sich durch ihn massiv radikalisiert. Noch heute sollen die beiden Islamisten in Kontakt stehen.

Die jüngsten Ereignisse im Bezug auf die "home-grown" Terrorgefahr in den USA zeigen, welche Bedeutung Somalia inzwischen für die dschihad-willigen Muslime aus westlichen Staaten hat. Ein blutiger, 20 Jahre andauernder Bürgerkrieg, unterbrochen von ausländischer Besatzung, hat sich zu einem Magnet für Terrorrekruten aus Europa und Nordamerika entwickelt. Reihenweise pilgern junge Exil-Somalis, arabisch- und pakistanischstämmige Jugendliche und weiße wie schwarze Konvertiten ans Horn von Afrika und machen Somalia zu einem neuen Afghanistan. Diese Entwicklung ist definitiv eine weitere Blog-Analyse wert.

______________________________________


Der Terrorist von heute hat´s nicht einfach. Noch vor 30 Jahren waren Sicherheitskontrollen an Flughäfen Science Fiction, an Nacktscanner wagten nichtmal die treuesten George Orwell Anhänger zu denken. Nichts erschien einfacher als eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine zu schmuggeln. Mit Ausnahme israelischer Fluggesellschaften.



Von derlei Freiheiten können islamistische Terroristen im neuen Millenium nur träumen. Geheimdienste, Sicherheitskräfte und auch ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft hat sich auf den "Moslem-Terror" eingeschossen. Alles wird gescannt, gespeichert, jeder ist verdächtig, und alles eine potenzielle Gefahr. Mögliche Spione und Spitzel der Geheimdienste lauern an jeder Ecke, infiltrieren jede Moschee.
Dies treibt die wirklich gefährlichen Individuen in die Enge. Terrorpläne zu schmieden ist schwierig geworden, zumindest wenn man teils transkontinentale Strecken mittels sich dabei elektronischer Kommunikation überbrücken muss. CIA, NSA, MI5, BND & Co. hören und lesen mit. Bin Ladens moderne Gotteskrieger müssen Codewörter erfinden, um selbst die einfachsten Absprachen per Telefon unverdächtig erscheinen zu lassen.

Teilweise führt diese Anpassung an den gewaltigen Anti-Terror-Sicherheitsapparat zu kuriosen Vorfällen. So geschehen am 28.Juli diesen Jahres. Ein junger Mann aus dem Großraum Chicago, Illinois, tätig einen nächtlichen Anruf (01:15 Uhr) ins britische London. Seine Gesprächspartnerin scheint noch vor dem Telefonat online kontaktiert worden zu sein. Daher beginnt der junge Mann das Gespräch mit: "Ich werde dir alles erklären." Was folgt ist ein Dialog, in dem der Anrufer der jungen Frau seine mehrfach seine Liebe beteuert, aber auch erklärt er wolle sich seinen Traum erfüllen. Er möchte sie über seinen Wunsch informieren in den Dschihad zu ziehen. Nur die Details, gehen durch die Paranoia des Möchtegern-Gotteskriegers und den Codewörter-Fetish irgendwie verloren.

"Willst du immer noch nach Saudi-Arabien reisen?", fragt die Dame in London den Amerikaner. Dieser antwortet, er wolle "lieber nach Merca, anstatt nach Medina" gehen. Die Gesprächspartnerin kann nicht folgen: "Mekka und Medina liegen beide in Saudi-Arabien. Du verwirrst mich."
"Merca. Merca liegt südlich, südlich von Saudi-Arabien", erklärt der Mann in den USA. "Okay", entgegnet die Frau am anderen Ende der Leitung, "also sprechen wir von zwei verschiedenen Orten im gleichen Land?" Genervt reagiert der amerikanische Anrufer: "Nein. Gleiche Welt, verschiedene Länder, kapierst du?"

Sie kapierte nicht. Deshalb begann sie eine Erklärung, warum und weshalb sie durch die ganzen Aussagen und Ortnamen vollkommen "verloren" sei. "Islamische Herrschaft. Islamische Herrschaft", zürnt der Amerikaner, "Verstehst du? Alles klar? Islamische Herrschaft." Es wird deutlich, dass er nicht offen über jenen Ort reden will, in den er plante zu reisen. "Ah, okay, okay", bestätigt die Frau am Telefon schließlich. Offenbar hatte sie nun verstanden, dass der Anrufer, ein 26jähriger Islamist namens Shaker Masri, die somalische Stadt Merca meinte, als er von einem ("wahrhaft") islamisch regierten Ort sprach, der südlich vom saudischen Königreich liegt.

Der Dialog dieses Telefonats entstammt den FBI Protokollen der Anklageschrift des US-Staatsbürgers Shaker Masri, der am vergangenen Dienstag in Chicago verhaftet wurde. Masri soll geplant haben, nach Somalia zu reisen um eine paramilitärische Ausbildung in den Terrorcamps der Al Shabaab Miliz zu erhalten. Diesen Wunsch äußerste er mehrfach gegenüber einem vermeintlichen Freund, der in Wahrheit ein FBI-Informant war und der Masri auf Geheiß der US-Ermittler im Herbst 2008 erstmals kontaktiert hatte. Von da an schmiedete der Islamist Masri mit dem oft verkabelten Informanten ("Source" in US-Ermittlersprache), Pläne in den Dschihad zu ziehen. Etwa 10.000 US-Dollar bräuchten die beiden, so Masri, um in den Heiligen Krieg ziehen zu können.



Bilder aus dem neuesten Propaganda-Video der Al Shabaab - ein amerikanischer Dschihad ist der Kommentator

Shaker Masri erklärte "Source", dass er im somalischen Bürgerkrieg kämpfen wolle, und auch die Intention habe, als Selbstmordattentäter zu sterben. Mehrere Reiserouten hatte Masri zu diesem Zweck bereits ausgewählt.
Zunächst plante er sich in Jordanien einen syrischen Pass zu besorgen, um damit zum Vorwand einer Pilgerreise oder als angeblicher Gold-Händler nach Saudi-Arabien und dann nach Somalia zu reisen. Weil Jordanien aber den "USA im Kampf gegen den Terror hilft", sei es besser mit einer Coverstory (beispielsweise ein Schmuck-Händler zu sein) von Chicago nach Los Angeles zu fliegen und von dort aus per Auto nach Mexiko zu fahren. In Mexiko wollte Masri einige Tage bleiben, das Schießen mit verschiedenen Waffen üben und dann weiter über Venezuela oder Panama, unbeobachtet von amerikanischen Geheimdiensten, in den Nahen Osten oder nach Tansania bzw. Zanzibar zu fliegen.

Der "Source" erzählte Masri, er habe einen Kontakt in Großbritannien, der ihnen die Reise nach Somalia ermöglichen könne. Damit meinte der US-Amerikaner augenscheinlich jene Frau mit Wohnsitz London, mit der er am 28.Juli telefonierte. In welcher Beziehung die beiden Personen stehen, ist den US-Ermittlern noch nicht recht klar. Offenbar hatte Masri die Absicht die Frau zu heiraten. Tatsache ist, dass der Islamist ihr mehrfach in Telefonaten, die vom FBI mitgeschnitten wurden, seine Liebe versicherte. Nur sein Wunsch in den Heiligen Krieg zu ziehen, hielt ihn ab, nach England zu fliegen. Er solle sie noch vor seiner Reise nach Somalia heiraten und mit ihr ein Kind zeugen, bevor er seine Pflicht gegenüber Allah erfülle, bat die Londonerin.

Masri aber wollte so schnell wie möglich ein Mujahid werden und schwärmte gegenüber dem FBI-Informanten von den al-Qaida Kämpfern in Somalia und vom Kampf für den Glauben gegen die Feinde Gottes. Er sei ein glühender Anhänger vom us-jemenitischen Sheikh Anwar al Awlaki, gab Masri gegenüber "Source" zu, und hoffe dass al Awlaki bald zum al-Qaida Führer aufsteige.

In den vergangenen Monaten waren FBI-Ermittler Masri längst auf der Spur. Sie hatten den US-Amerikaner ägyptischer Abstammung als potenziellen al-Qaida Rekruten ausgemacht und ihn mit Hilfe des verkabelten Informanten bei der Planung seiner Terror-Reise begleiten können. Insgesamt "40.000-45.000 US-Dollar" habe man dem Informanten für seine Dienste bezahlt, so heißt es in den FBI-Protokollen. Nach Einschätzung der US-Behörde war es diese Summe wert einen der zukünftigen amerikanischen Dschihad-Kämpfer noch vor seiner Ausreise aufzuspüren.

Shaker Masri war entschlossen ein Gotteskrieger zu werden. In Mexiko wolle er Märtyrer-Videos drehen, verriet er dem Informanten, er habe Kontakt zu Ausländern innerhalb der Al Shabaab. Außerdem bräuche er einen neuen Laptop, und seinen alten müsse er zerstören. Was darauf sei, könne ihn "hinter Gitter bringen." Dem vermeintlichen Mitstreiter gab er zu bedenken, dass man sie international suchen werde, sobald sie sich auf den Weg gemacht hätten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sie nicht mehr in die USA zurückkehren.

Als er an einem Nachmittag per Zufall eine vierköpfige Gruppe amerikanischer Soldaten in Uniform saß, erklärte Masri, er wünsche er könne zu ihnen gehen und sich in die Luft sprengen. Warum er dies für nur vier tote Soldaten tun würde, fragte ihn der FBI-Informant. "Du hast recht, es wäre besser wenn man gleich einen ganzen Bus voller Soldaten bomben könnte", so die Antwort des in Alabama geborenen Islamisten.

Am Abend des 29.Juli traf sich Masri erneut mit "Source" und buchte online zwei One-Way-Tickets vom Chicagoer Flughafen O´Hare nach Los Angeles am 04.August mit Southwest-Airlines. Masri wollte seinen Plan in die Tat umsetzen, über Mexiko irgendwie nach Nahost zu kommen und dann weiter ans Horn von Afrika.
Auf dem Weg zum Flughafen klickten schließlich die Handschellen. FBI-Beamte setzten dem Traum von Shaker Masri ein abruptes Ende.

Masri wird nun kein weiterer amerikanischer Söldner im Dienste der Al Shabaab werden. Bis zu 15 Jahre Haft drohen ihm für die Unterstützung ausländischer Terror-Organisationen und die Planung von Anschlägen gegen US-Bürger.

Thursday, June 3, 2010

US-Amerikaner unter den Toten des Angriffs auf die Gaza-Flotte


F
urkan D. besaß zwei Staatsbürgerschaften und entschied sich für das palästinensische Volk zu einem riskanten Schritt. Der 19jährige US-Türke, der mit zwei Jahren in die türkische Heimat seiner Eltern zurückging, war an Bord eines jener Schiffe einer türkischen Hilfsorganisation, das am vergangenen Montag Kurs auf den Gaza-Streifen nahm und von einem israelischen Sonderkommando gestoppt wurde.


Die Aktivisten attackierten offenbar die israelischen Soldaten als diese die Schiffe betraten. Schüsse vielen, am Ende waren 9 Menschen tot, darunter acht Türken und - wie jetzt bekannt wurde - auch ein amerikanischer Staatsbürger, Furkan D.

Von Seiten türkischer Behörden hieß es, der 19jährige Aktivist und Student der Sozialwissenschaft habe vier Schüsse in den Kopf und einen in die Brust erhalten. Sein Leichnam war, genau wie jener der acht anderen toten Aktivisten und hunderter von Israel festgehaltener Aktivisten in die Türkei geflogen worden.

Monday, May 3, 2010

"Unsere Kämpfer haben Amerika infiltriert um es zu terrorisieren" - Taliban-Führer droht mit Anschlägen in USA


Eigentlich sollte Hakimullah Mehsud längst tot sein. Nun beweist er mit zwei neuen Videobotschaften, die vom 04.April bzw, vom 19.April stammen soll, dass er einen Drohnenangriff Anfang des Jahres offenbar überlebte.
Mehsud nutzt die Gelegenheit nicht nur seinen Tod zu dementieren, sondern den USA mit Anschlägen in "großen amerikanischen Städten" in den "kommenden Tagen und Monaten" zu drohen. Die "Kämpfer haben die USA infiltriert um sie zu terrorisieren", so Mehsud. Dies geschehe aufgrund der amerikanischen Verbrechen gegen Muslime in Pakistan, Afghanistan, Iraq und dem Jemen.



Der Taliban-Führer erwähnt den Tod seines Vorgängers Baitullah Mehsud, aber auch die erst kürzlich gemeldete Tötung der al-Qaida Chefs im Irak, als Gründe für kommende Angriffe gegen die USA.



Friday, March 19, 2010

"Two-Face of Terror" - Der Fall David C. Headley


Wohl kaum ein Terrorverdächtiger seit dem 11.September 2001 war derart kurios und mysteriös wie David Coleman Headley.
Der 49jährige US-Amerikaner mit den verschiedenfarbigen Augen steht derzeit vor einem amerikanischen Gericht, ihm wird vorgeworfen in Dänemark und Indien Ziele für Terroranschläge ausgespäht zu haben. Im indischen Mumbai habe Headley im Auftrag einer pakistanischen Terrorgruppe jene Ziele ausgekundschaftet, auf die im November 2008 Attentate verübt wurden, bei denen auch mehrere Ausländer starben.

Gestern dann bekannte sich David C. Headley erstmals schuldig, tatsächlich als Terror-Handlanger gearbeitet zu haben. Die US-Bundespolizei FBI hatte ihn bereits im Oktober 2009 festgenommen als er zu ein Flugzeug in Richtung Pakistan besteigen wollte.

Rache für Mohammed-Karikaturen

In den Jahren und Monaten vor seiner Festnahme war Headley so etwas wie ein Globetrotter im Auftrag des Dschihad. Er reiste nach Europa, besuchte in Kopenhagen die Verlagshäuser jener dänischen Zeitung, die mit den Mohammed-Karikaturen vor wenigen Jahren weltweiten Protest von Muslimen ausgelöst hatte.
Headley wollte einen Rache-Anschlag vorbereiten, so die US-Ermittler, er filmte potenzielle Ziele und brachte die Filme nach Pakistan, in die Stammesgebiete von Waziristan.

Hier soll sich der Drahtzieher und Hintermann der Terrorpläne, der Pakistaner Iylas al-Kashmiri versteckt halten. Der Anführer der islamistischen Harakat ul-Dschihad al Islami ist ein ehemaliger Elite-Soldat der pakistanischen Armee und gilt als enger Verbündeter des Geheimdienstes ISI.

David Headley soll von den USA aus per Internet Kontakt zu pakistanischen Islamisten aufgenommen haben. Diese hätten ihn schließlich an Kashmiri vermittelt, der den Amerikaner beauftragte mögliche Anschlagsorte im verhassten Nachbarland Indien und in Europa auszuwählen. "Mickey Mouse Plan" nannten die Verschwörer die Attentatsvorbereitungen auf die dänische "Jyllands-Posten".

Seine Reisen rund um den Globus organisierte Headley offenbar durch die Hilfe des kanadisch-pakistanischen Geschäftsmannes Tahawur Hussain, der eine Art Reisebüro für Immigranten betrieb. Auch Hussain, der einen Firmensitz nahe Chicago besaß, befindet sich inzwischen in US-Gewahrsam, plädiert allerdings auf unschuldig.

Ein Doppelleben

David C. Headley führte ein Doppelleben. Familie und Bekannte sind überrascht von der islamistischen Überzeugung und den Terrorambitionen des 49jährigen.
Wie wurde aus dem Sohn eines pakistanischen Diplomaten ein Vielflieger im Auftrag des Terrors? Wann setzte im Leben des ehemaligen Drogendealers und Lebemannes die Radikalisierung ein, die ihn schließlich zum Wegbereiter für den Massenmord werden ließ?


Die Geschichte des David C. Headley beginnt in Washington D.C.. Hier erblickte er am 30.Juni 1960 als Daoud Gilani das Licht der Welt. Sein Vater, ein pakistanischer Diplomat hatte eine Amerikanerin aus Philadelphia geheiratet, eine Society-Frau mit Karriereplänen und feministischem Touch.

Ende der 1960er Jahre zogen die Gilanis nach Pakistan, Daoud besuchte fortan eine einheimische Schule, später dann eine Militärakademie. Die Eltern trennten sich wenige Jahre nach ihrem Umzug in Pakistan.

Headleys Mutter verließ ihren Ex-Mann und ließ auch den Sohn zurück. Sie zog nach Philadelphia und eröffnete eine hunder Jahre alte Kneipe, die sie in Anlehnung an ihre Liebe zu Pakistan "Khyber-Pass Bar" nannte. Im Jahr 1977 erhielt sie das Sorgerecht für Daoud und holte den 17jährigen in die USA.
Zusammen mit seiner Mutter lebte Daoud in einem kleinen Appartment über der Kneipe, verbrachte seine späten Teenager-Jahre an der US-Ostküste.


Er galt als Lebemann, feierte Partys, heiratete eine Blondine, von der er sich kurze Zeit später wieder scheiden ließ. Seinen Vater und die Großeltern in Pakistan besuchte der Amerikaner zwischendurch immer wieder.
Irgendwann in den 1980ern kam der Amerikaner mit Drogen in Kontakt. Aus Daoud Gilani dem Diplomatensohn wurde Daoud Gilani der Heroin-Dealer.


In New York eröffnete er einen Videoverleih, verdiente wohl aber mehr Geld mit dem Drogenhandel als mit den Filmen. Unbeobachtet blieben die Aktivitäten Gilanis nicht.
Am 07.Februar 1997 stellte ihm das FBI eine Falle. Die Drogenermittler täuschten einen Deal vor, bestellte Daoud Gilani in das Zimmer 909 eines New Yorker Hotels.
Als er dort mit mehreren Kilo Heroin aus dem Mittleren Osten auftauchte, klickten die Handschellen. Ein Fluchtversuch Gilanis aus dem Hotel scheiterte.

Während er in Untersuchungshaft saß, so berichtet ein Onkel, habe er sich geschworen sein Leben Allah zu widmen sollte er diese schwierige Zeit der Kriminatlität überstehen.
Ein Mitkomplize wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt, Gilani aber wurde nach 15 Monaten auf freien Fuß gesetzt. Verwandte und Freunde vermuten, das FBI habe ihn als Informanten angeworben und fortan nach Pakistan und Afghanistan geschickt, um den Heroin-Verkehr zu unterwandern.

Auf einer jener Reisen soll Gilani Kontakte geknüft haben zu einem Ex-Militär namens Abdur Rehman, der mittlerweile die Seiten gewechselt hatte und für islamistische Gruppierungen wie Lashkar e-Toiba arbeitete.
Deneben verkehrte der US-Amerikaner aber auch weiterhin in den Kreisen seines Vaters, besuchte High-Society Veranstaltungen in Islamabad, traf indisch-pakistanische Schauspielgrößen und Politiker.

Aus Daoud dem Pakistaner wird David der Amerikaner

Langsam aber sicher baute sich Daoud Gilani ein unauffälliges Profil auf. Den letzten Schritt zum unauffälligen Terrorschläfer vollzog er im September 2006. Er änderte seinen Namen und ließ das christlich-jüdisch anmutende "David Coleman Headley" in seinen Pass eintragen. Von diesem Zeitpunkt an war Daoud Gilani zu einem Agenten pakistanischer Islamisten geworden. Mühelos erhielt er mit seinem amerikanischen Namen ein Visa für einen Besuch in Indien, reiste u.a. in die Hippie-Hochburg Pune, nächtigte nur unweit jener "German Bakery" die im Februar Ziel eines Anschlages wurde.


Dank Internet- und Telefonüberwachung stießen amerikanische Ermittler auf verdächtige Konversationen zwischen den USA und Pakistan, beobachteten wie Headley in islamistischen Internetforen von seinen Reisen in die pakistanischen Stammesgebiete berichtete und lasen mit, als er verkündete er fühle sich zur Gewalt gegen die Mohammed-Karikaturisten hingezogen.

Egal was er sei, schrieb Headley Ende Dezember 2009 aus dem Gefängnis an seinen Onkel, "ob nun 50% Amerikaner, 50% Deutsch oder 25% Pakistaner", er sei immer und jederzeit "100% Muslim".

Saturday, March 13, 2010

Und wieder Awlaki...US-Dschihadist Sharif Mobley im Jemen auch angeworben


Immer neue Informationen werden bekannt über den Fall des amerikanischen Islamisten Sharif Mobley aus Buena, New Jersey.
Mobley hatte vor einer Woche bei einem Fluchtversuch in einem jemenitischen Krankenhaus einen Wachmann erschossen. Ermittler vermuten der Ostküsten-Konvertit, Sohn einer somalischen Mutter, habe sich 2008 al-Qaida im Jemen angeschlossen. Zuvor hatte sich Mobley ein Visa für den arabischen Staat besorgt, unter Angabe er wolle dort ein Arabisch-Studium beginnen.


Mittlerweile ist bekannt, dass Sharif Mobley von 2002 bis 2008 in bis zu fünf verschiedenen Atomkraftwerken in und um New Jersey arbeitete.
Weitaus beunruhigender ist die Tatsache dass eine anonyme Quelle aus US-Sicherheitsbehörden erklärte, ein us-jemenitischer Prediger spiele auch im Fall Sharif Mobley eine entscheidende Rolle.

Auf die Frage ob Mobley in Kontakt mit Anwar al-Awlaki stand, erklärte ein "US Official":
"Jeder hat Kontakt zu ihm..."

Damit wird immer deutlicher, dass der in New Mexico geborene Prediger Awlaki per Internet gezielt westliche Muslime anwirbt. In seine Fänge gerieten bereits der US Major Nidal Malik Hasan, der ein Massaker auf der US-Base in Fort Hood, Texas, verübte und der Nigerianer Umar Abdulmutallab, der am 25.Dezember 2009 versuchte eine Passagiermaschine über Detroit zu sprengen.

Thursday, March 11, 2010

Rächerin für den Propheten - Das Doppelleben der "JihadJane"


Colleen R. LaRose wäre keinem Sicherheitsmann an irgendeinem Flughafen der Welt als verdächtig erschienen. Blondes Haar, strahlend blaue Augen, Mitte 40, texanischer Slang - sie hätte eine 1980 Ex-Miss Florida sein können, aber sicherlich keine Dschihadistin im Blutrausch.
Doch Ms.LaRose ist alles andere als harmlos. Sie war bereit zu sterben, wollte eine "Shahida" werden und im Namen Allahs Rache üben für die Beleidigung des Propheten Muhammad.


Die inzwischen gelöschte MySpace-Seite von "JihadJane"

Vorgestern erhob die US-Justiz anklage gegen die amerikanische Konvertiten, die geplant haben soll den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks zu ermorden. Die Vorwürfe an die gebürtige Texanerin sind eindeutig wie erschreckend:

- Unterstützung von Terrorismus
- Verschwörung zum Mord an einer Person außerhalb der USA
- Falschaussage gegenüber der Bundespolizei
- Identitäts-Diebstahl


LaRose alias "JihadJane" war monatelang fester Bestandteil der Online Dschihad-Gemeinde. Unter ihrem Usernamen kommentierte sie Videos bei Youtube, betrieb ein MySpace Profil, veröffentlichte Spendenaufrufe, klagte über das Leid der Muslime in Nahost und ihren Wunsch eine Märtyrerin werden zu wollen.

Was wenige ihrer Chat-Partner wussten: Colleen LaRose führte ein Doppelleben. Zusammen mit ihrem Lebenspartner (schwedischer Herkunft), der nichts vom Vorhaben und den Aktivitäten seiner Freundin ahnte, bewohnte sie eine Wohnung im zweiten Stock eines Hauses der Ortschaft Pennsburg, etwa eine Autostunde nördlich von Philadelphia gelegen.
Sie veranstaltete Halloween-Partys zu denen sie Nachbarskinder einlud, war freundlich gegenüber Mitmenschen und wirkte ganz und gar nicht wie eine fanatische Islamistin, die vor der Webcam nur Kopftuch und Niqab trägt.

Erst die Kontakte ins Ausland, nach West- und Osteuropa und besonders nach Pakistan, machten aus der Internet-Gotteskriegerin eine todeswillige Mörderin, die einen Rachefeldzug gegen jenen Mann planten, der den Propheten Allahs mit einem Hunde-Körper gezeichnet hatte.

Mehr in Kürze...

Monday, February 8, 2010

"Ihre Interessen sind überall" - Kampfansage von Jemen´s Al Qaida


Einst vegetierte er in einer Zelle des US-Gefangenenlagers Guantanamo vor sich hin, inzwischen ist Said al Shihri alias "Abu Sufiyan" einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Al-Shihri fungiert derzeit als militärischer Chef der jemenitischen al-Qaida und meldete sich heute in einer neuen Tonbandbotschaft zu Wort.


Said Ali al-Shihri

Hauptthema der Propagandanachricht ist ein Aufruf zum Dschihad auf der Arabischen Halbinsel gegen amerikanische Interessen. Der Dschihad sei Pflicht und müsse gegen Christen und Juden geführt werden. "
Amerikanische und Kreuzritter-Interessen und ihre Agenten finden sich überall", erklärt der Ex-Guantanamo-Häftling. Wo immer sie zu finden seien müssten die Gotteskrieger "so viele Feinde wie möglich vernichten."


Umar Farouq Abdulmutallab bei seiner Verhaftung 25.Dezember 2009

An "die Führer des Dschihad in Khorasan" gerichtet erwähnt al-Shihri den gescheiterten Detroit-Attentäter Umar Farouq Abdulmutallab: "Wir gratulieren den Führern des Dschihad (Osama Bin Laden) und der Ummah zur gesegneten Operation des Helden Umar Farouq".
Amerika, so heißt es am Ende der Audiobotschaft in einem Bin Laden Zitat, werde "niemals Sicherheit erleben bis wir in einem freien Palästina leben".

Im Jemen rufe er die Stämme auf al-Qaida und den Dschihad gegen die korrupten Regime, Marionetten und Sklaven Amerikas zu unterstützen. Die Bombardierung von Zivilisten zeige das wahre Gesicht der jemenitischen Regierung.

Monday, January 11, 2010

Die Märchen des Abdullah Ali Saleh - Von einem, der gern Opferlamm sein will


N
ur ein Staatsmann der arabischen Welt herrscht länger als Jemens Präsident Abdullah Ali Saleh, nämlich der libysche Diktator Muammar al Ghadafi.
Wie sein nordafrikanischer Kollege gehört auch Saleh zu einer sterbenden Generation arabischer Herrscher, die in Zeiten des Nationalismus, in Zeiten des Systemkampfes zur Macht aufstiegen und den Islamismus nicht als reine Bedrohung, sondern auch als brauchbares Werkzeug sehen - ein tödlicher Fehler.


Seit dem versuchten Bombenanschlag auf NWA Flug 453 in Detroit rückt der Jemen und seine politische Führung immer mehr ins Rampenlicht der internationalen Politik. Heute bereiste der neue deutsche Außenminister Guido Westerwelle das Bürgerkriegsland, dessen Alleinherrscher jüngst dankbar internationale Unterstützung im Kampf gegen al-Qaida angenommen hatte und versprach sein Land werde nicht zu einem "neuen Afghanistan" mutieren.

Auch wenn die Weltpresse sich erst seit ungefähr zwei Wochen auf den bitterarmen Süden der Arabischen Halbinsel stürzt, so sei hier doch darauf verwiesen, dass einige Quellen (beispielsweise dieser Blog) schon seit längerem auf das Monster verweisen, das im Jemen zu einer Bedrohung für die Sicherheit westlicher Staaten heranwächst.

Derzeit überschlagen sich die Reportagen, Berichte, Analysen und Kommentare in Sachen "Terrorland Jemen"und der "Neuen Front im Krieg gegen al-Qaida". Unter all jenen Schreiberlingen sind wenige, die ansprechen worum es eigentlich geht.
Der Fall des nigerianischen Terrorrekruten Abdul Mutallab war ein Schock für die USA und all jene die al-Qaida als zurückgedrängt, besiegt oder geschwächt empfunden haben. Für Jemen´s Staatsführung war der gescheiterte Attentäter ein echter Glücksfall.

Wie nie zuvor in den vergangenen Jahren gilt die Aufmerksamkeit der Außenpolitik von Washington bis Berlin dem arabischen Armenhaus. Präsident Saleh versteht es nur zu gut die Gust der Stunde zu nutzen und sich als Opferlamm zu präsentieren. Er inszeniert sich als Herr eines geschundenen Landes, bedroht durch einen Bürgerkrieg der vom Mullah-Regime Teherans finanziert wird, bedroht durch kommunistische Separatisten im Süden, durch islamistische Fanatiker die angeblich aus Afghanistan, Pakistan und nicht zuletzt auch Guantanamo seine Nation überschwemmen.

Dahinter stehen knallharte Interessen eines Staatsmannes, dessen Kassen leer, Wirtschaft am Boden und politische Zukunft ungewiss sind. Saleh bedient sich einer Methode, die schon in Islamabad erprobt wurde: ich bin das Opfer von al-Qaida, bitte helft mir!
Kaum hatte Abdul Mutallab am 25.Dezember den Ermittlern verraten dass er in einem jemenitischen Terrorlager ausgebildet wurde, da zückte Washington das Scheckbuch und erhöhte die Finanzhilfe für Präsident Saleh. Wer an vorderster Front gegen al-Qaida kämpft, kann sich Amerikas Unterstützung sicher sein. Präsidenten in Zeiten des Antiterrorkrieges werden ungern ausgetauscht, lieber hält man sie, so undemokratisch und menschenverachtend sie auch sein mögen. Einzige Bedingung: sie müssen Bollwerke gegen den Islamismus sein. Dies allerdings, ist bei der Person Abdullah Ali Salehs zu bezweifeln.

Im Fall Pakistan brauchte Washington Jahre um sich selbst einzugestehen dass es kontraproduktiv ist den, undurchsichtigen Militärdiktator Musharraf (von seinen Gegnern "Busharraf" genannt) weiter mit aller Macht, mit Geld und Unterstützung zu halten.
Präsident Saleh ist zum neuen Lieblingsallierten des Westens im Nahen Osten mutiert. Dass er dabei wenig von Menschenrechten, Demokratie oder Korruptionsbekämpfung hält wird leicht übersehen.
Jemens Präsident soll die Waffen erheben gegen al-Qaida, soll sein Land unter staatliche Kontrolle bringen und südlich des Öl-Imperiums Saudi-Arabien keine neue Bastion Bin Ladens zulassen.

Was aber wenn Sanaa nur ein geschicktes Spiel spielt? Urplötzlich sei al-Qaida ein Erzfeind, ein fremdes Geschwür, gepflanzt in den Jemen durch die verfehlte Außenpolitik des Westens. In Wahrheit jedoch, verdankt Präsident Saleh al-Qaida überhaupt seine Stellung als Machthaber des Landes und ging schon vor langer Zeit eine sehr unheilige Allianz mit den Islamisten ein.

Ein Blick in die Geschichte: Im Mai 1990 wurden nach dem Ende des Kalten Krieges die ehemals getrennten Staaten Jemen und die kommunistische "Volksrepublik Süd-Jemen" wiedervereint. Dies geschah nicht ohne Protest der Marxisten, die weiterhin Autonomie forderten und bis heute ihren Widerstand gegen die Zentralregierung von Sanaa nicht aufgaben.
Damals schon völlig verarmt fiel der Jemen in einen blutigen Bürgerkrieg, der tausenden Menschen das Leben kostete und die Südspitze der Arabischen Halbinsel in ein politisches Chaos stürzte.

Saleh und all jene, die den Süden gewaltsam an den Rest des Landes binden wollten, brauchten Hilfe. Bezahlen konnten sie dafür allerdings nicht und das Interesse Truppen in den Jemen zu entsenden war im Westen nicht übermäßig vorhanden.
Es fand sich jedoch jemand der bereit war, gegen die gottlosen Kommunisten im Süden in den Krieg zu ziehen. Jemand der es als religiöse Pflicht empfand die Arabische Halbinsel, heiligen Boden, von Abtrünnigen, Un- und Andersgläubigen zu säubern: al-Qaida.

Osama Bin Laden hatte dem jemenitischen Präsidenten sehr früh schon seine multiethnische Truppe von Gotteskriegern angeboten. Sie würden aus Afghanistan in den Jemen ziehen und dort den Dschihad gegen die Kommunisten ausrufen. Saleh lehnte zunächst ab, als der Bürgerkrieg dann 1994 eskalierte, schleuste er die ersten Islamisten ins Land, begann Jemeniten für den Heiligen Krieg anzuwerben und auszubilden. Entscheidend war in jener Phase der Halbbruder des Präsidenten, General Ali Mohsen al Ahmar, heute Militärchef im Nordosten. Ahmar, ein langjähriger Sympathisant der salafistischen Ideologie, war in den 1980er Jahren beauftragt Jemeniten für den antisowjetischen Dschihad in Afghanistan zu rekruten und nach AFghanistan zu schicken. Mit großen Erfolg: keine andere ausländische Nationalität war derart häufig auf dem afghanischen Schlachtfeld vertreten wie die Jemeniten.

Unter General Ahmar zogen die Dschihadisten Bin Ladens schließlich in den jemenitischen Dschihad gegen die Feinde der Zentralregierung. Die todeswilligen Fanatiker wurden zu dschihadistischen Söldnern. Günstiger konnte Saleh die sozialistischen Gegnerschaft im Süd-Jemen nicht bekämpfen.
Als der Bürgerkrieg schließlich beendet wurde, Sanaa den Süden unterwarf und seitdem eine offiziell geeinte Nation regiert, verschwanden die Mudschaheddin nicht einfach. Viele blieben, heirateten in die jemenitischen Stämme, knüpften Kontakte, bauten Netzwerke auf.
Saudi-Arabien und die Besatzung des US-Zerstörers USS Cole waren die ersten Opfer dieser Entwicklung.

Durch einen politischen Schachzug hatte sich Präsident Saleh die Brandstifter ins eigene Haus geholt, wohl wissentlich dass al-Qaida ihn, einen Schiiten und Nationalisten, wohl kaum als Freund oder Gleichgesinnten betrachtet. Der Präsident bot den Islamisten Freiheiten, die sie besänftigten und einen Dschihad gegen seine Regierung verhinderten.
Nach 9/11 drohten die al-Qaida Zellen im Jemen erneut zu erwachen und in alle Richtungen aktiv zu werden. Der Terror richtete sich zunächst gegen Saudi-Arabien, die Gefahr des Sturzes des Regimes von Sanaa aber blieb. Zuviele Islamisten befanden sich im Land, hatten Koranschulen gegründet und sie zu Kasernen für ihre jemenitischen Rekruten gemacht.

Den schiitischen Rebellen des Nordens verdankte es der Präsident, dass al-Qaida erneut missbraucht werden und so zumindest zeitweise gezähmt werden konnte. Inoffiziell soll der Deal folgendermaßen ausgesehen haben: Rückzugsorte, Trainingsstätten und Schutz vor den amerikanischen Terrorjägern als Gegenleistung für die Beteiligung am Kampf gegen die Houthi-Rebellion.

Al-Qaida willigte im Jahr 2004 zunächst ein und schickte Kämpfer an die Seite der Regierungstruppen in den Nordosten. Wieder hatten Sanaa und Bin Ladens Jünger einen gemeinsamen Todfeind gefunden: die Schiiten.
Für Sanaa ist es ein politischer Krieg gegen eine iranisch-unterstützte Rebellentruppe, al-Qaida jedoch konnte man es wieder als religiöse Pflicht, als Dschihad gegen eine abtrünnige Sekte, verkaufen.

Zweimal also benutzte der aktuelle Präsident des Jemen, die Islamisten für seine Zwecke, missbrauchte sie und ihren Kampfeifer im Glauben man könnte die Extremisten bändigen oder im Zaum halten. Hier und da ließ Saleh sogar durchblicken dass er die Zügel in der Hand hält, ließ hunderte Islamisten in seine Kerker werfen und in Razzien festnehmen.
Letztendlich aber blieb die Allianz bestehen. Absprachen zwischen ihm und Ayman al Zawahiri soll es gegeben haben. Terrorlager sollen mit Wissen und Finanzierung Salehs entstanden sein, alles um einen folgenschweren Pakt zu besiegeln.

Al-Qaida nahm jedesmal dankend an. Ihnen war klar, dass Saleh durch sein politisches Schachspiel in Wahrheit mit dem Teufel ins Bett ging. Wo al-Qaida einmal ist, verschwindet dieses Virus nicht. Es wächst durch Prediger wie Anwar al Awlaki und den "Roten Sheikh" al-Zidani, und lebt von den politischen Konflikten, den ungelösten sozialen Problemen und vor allem von all jenen Fehlern seiner Gegner, die jetzt gerade wieder begangen werden.

Ein Despot spielt im Jemen mit dem Feuer. Aufgebracht durch das gescheiterte Attentat von Detroit weiß er die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft hinter sich. Saudi-Arabien zerquetscht, zerbombt und erstickt die Houthi-Rebellion mittlerweile sogar bei Inkaufnahme eigener, hoher Verluste. Staatsmänner aus Europa und Militärs aus aller Welt gehen nun in Sanaa ein und aus, pumpen Geld ins Land und Stützen einen Mann, der sich in den vergangenen Jahren hervorgetan hat, vor allem durch seine verantwortungslose, undurchsichtige Antiterror-Politik.

Sunday, December 27, 2009

"Bombe ihre Flugzeuge..." - al Qaida im Jemen warnte die USA


Im Rückblick wird die Brisanz der Warnung deutlich: im Oktober veröffentlichte al Qaidas jemenitischer Flügel ein Online-Magazin, das eine deutliche Warnung ihres Anführers Abu Nasir al Wuhayshi enthielt. Unter der Überschrift "Krieg ist ein Trick" schrieb der ehemalige Sekretär Osama Bin Ladens was zu tun sei um den Feind erfolgreich zu treffen.



"Es bedarf keines grossen Aufwands oder viel Geld um 10 Gramm Sprengstoff herzustellen (...) präpariere es in Form einer Granate (...) oder als Sprengstoffgürtel (...) und greife damit die Kreuzritter an, wo immer du sie findest."

Weiter rief al-Wuhayshi zu Anschlägen im Westen auf:

"Bombe auch die Flughäfen der westlichen Kreuzritter Nationen, die sich am Krieg gegen die Muslime beteiligen"

Die Propagandaschrift war eine direkte Reaktion auf ein gescheitertes Attentat auf den saudischen Prinzen und Sicherheitschef Saudi-Arabiens, Mohammed Bin Nayef, im August. Ein junger Saudi war im Jemen zum Selbstmordattentäter ausgebildet worden und hatte mit einer PETN-Bombe mehrere Sicherheitsschranken durchlaufen ohne das der Sprengstoff entdeckt worden war. Im Anwesen des Prinzen sprengte sich der angeblich reuige Terrorist schliesslich in die Luft, verletzte die Zielperson und starb bei dem Attentat. Es war ein Weckruf für die saudischen Sicherheitskräfte, und hätte auch im Westen grösste Bedenken auslösen sollen.

Acht Jahre nach 9/11 gelang es am Freitag dem 23jährigen nigerianischen Bankierssohn Umar Farouk Abdul Mutallab eine amerikanische Passagiermaschine mit mindestens 80 Gramm PETN Militärsprengstoff in der Unterwäsche zu besteigen. Nur einem fehlerhaften Zünder ist es zu verdanken, dass die Bombe den Northwest Airlines Flug 453 nicht kurz vor der Landung in Detroit zerriss und 280 Menschen tötete. Ohne Zweifel legte die jemenitische al-Qaida mit dem Anschlagsversuch vom Weihnachtstag nach. Der Fall des Prinz Nayef, trotz der Tatsache dass der überlebte, liess die Islamisten frohlocken. Ihnen war es gelungen höchste Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen, die Taktik erschien simpel wie wertvoll für die Zwecke der Dschihadisten.

Anschläge im Westen sind weiter erklärtes Ziel al-Qaidas, die Besessenheit den zivilen Luftverkehr zu treffen ein kurioses Faktum. Wollte das Terrornetzwerk im Jahr 2009 erfolgreich zuschlagen, dann mit der in Saudi-Arabien erprobten Taktik. Die jemenitischen Bombenbauer und kreativen Köpfe al-Qaidas wählten den Millionärssohn und Kosmopoliten aus Nigeria und zogen ihn in einem abgelegenen Dorf nördlich von Sanaa zu einem umschätzbar wertvollen Selbstmordbomber heran.

Eine Lehre des 11.Septembers erscheint aktueller denn je. Die Kreativität des Terrors ist schier grenzenlos und der Wille Tod und Vernichtung zu bringen ungebrochen. Für das Sicherheitspersonal, Geheimdienste, Grenzschützer und andere bedeuten Vorfälle wie Flug 453 von Amsterdam nach Detroit zwar einen feiernswerten Erfolg, letztendlich aber zeigt er die Grenzen auf, die im Bereich der Personenkontrolle immer weiter verschoben wird.

"Wir müssen jeden Tag Glück haben" - warnte einst ein westlicher Sicherheitsbeauftragter - "die Terroristen nur ein einziges Mal."

Monday, November 9, 2009

Der Krieg in der Heimat - der Fall Nidal Malik Hassan


Die Seite ist dicht. Bis heute Nachmittag fand sich auf dem Blog des jemenitischen Predigers Imam Anwar al Awlaki noch ein Eintrag, der im texanischen Fort Hood, und nicht nur dort, die Gemüter erregen dürfte. "Nidal Hassan hat das Richtige getan" - titelte der Sheikh, der lange Jahre an der US-Ostküste gelebt hat und anscheinend trotz seines Hasses auf Amerika, der englischen Sprache weiterhin zugeneigt ist.

"Nidal Hassan ist ein Held. Er ist ein Mann mit Gewissen, der es nicht ertragen konnte den Widerspruch zu leben, ein Muslim zu sein und in einer Armee zu dienen, die sein eigenes Volk bekämpft", heißt es in Sheikh Awlakis Blogeintrag. Gefolgt von weiteren pseudoreligiösen Rechtfertigungen, mit denen erklärt werden soll wieso der 39jährige American-Muslim Nidal Malik Hassan am vergangenen Donnerstag zu den Waffen griff.

13 Menschenleben hat der freundlich dreinblickende, kahlköpfige Armee-Psychiater auf dem Gewissen. Bewaffnet mit halbautomatischen Waffen begann er in der letzten Woche ein Massaker auf dem US-Stützpunkt Fort Hood, Texas.
Gelebt hat der Sohn palästinensischer Einwanderer dort erst wenige Monate. Zuvor war die Ost-Küste der USA seine Heimat. Seine Eltern kamen aus einem kleinen Dorf im damaligen jordanischen Mandatsgebiet Ost-Jerusalem, sich selsbt nannte Hassan oft einen "Palästinenser".

Geboren und aufgewachsen in Virginia, im Großraum Washington D.C. führte ihn seine berufliche Laufbahn in die Reihen des US-Militärs. Er wurde Psychologe, besaß aber weniger als 12 Monate Praxiserfahrung. Hassans Patienten, Heimkehrer aus den Kriegen in Afghanistan und Irak, viele mit "Post-Traumatic-Stress-Disorder", schilderten ihm ihre Erlebnisse, jene die sie in ihren Albträumen plagten, jene die ihnen ein normales Leben in der friedlichen Heimat unmöglich machen.

In Hassan wuchs eine Furcht davor selbst in jene Gegenden der Welt entsandt zu werden aus denen tausende psychische Wracks zurückkehren, obdachlos werden, gewaltätig gegenüber der eigenen Familie, der Freundin, Mitmenschen in der Bar oder im Restaurant. Vor wenigen Wochen dann erhielt Hassan seinen Marschbefehl - Afghanistan.
Was sich nun in der Psyche des Psychiaters abspielte lässt sich nur erahnen. Ein Glaubenskonflikt? Eine persönliche, völlig unreligiöse Todesangst? Die Befürchtung im Einsatz von eigenen Kameraden behandelt zu werden wie ein Feind? Nidal Hassan, ein gläubiger Muslim, sollte in Afghanistan für den amerikanischen Sieg kämpfen. Das Bild verstört andere Militärangehörige, tagsüber gegen bärtige, turbantragende Islamisten zu kämpfen und abends dem eigenen Kameraden beim Gebet zu sehen.

Über Diskriminierung soll Hassan Verwandten und Kollegen berichtet haben, ein Gefühl dass er seit dem 11.September 2001 empfand. Ob er sich gerade deshalb intensiver in den Glauben stürzte ist unklar.
Er ging regelmäßig in die Moschee, manchmal in die "Dar ul Hijrah" nahe Washington. Dort predigte ein charismatischer Jemenit, schlank, dunkelhäutig, mit Brille und freundlichem Lächeln. Anwar al Awlaki floh aus seiner Heimat in die USA. Zuhause im Jemen verfolgt die Regierung Imame die seine religiösen Ansichten teilen. Awlaki ist ein Salafist, ein ultraorthodoxer Theologe, der den Glauben nicht von der Politik trennen kann.

Zwei Besucher der "Dar ul Hijrah" Moschee beteten hier im Frühjahr 2001 regelmäßig. Nawaf al Hazmi und Khalid al Mindhar sollten nur wenige Monate später Teil der Weltgeschichte werden, sie waren an 9/11 unter den Attentätern der al-Qaida. Ob Hassan Kontakt zu den beiden hatte kann man bisher nur vermuten. Jedenfalls nährten sich den Terroranschlägen die Hinweise darauf, dass Hassan mit dschihadistischem Gedankengut sympathisierte.

Eine Nachbarin beschrieb den fülligen Militär-Psychiater als immer freundlich und höflich. An der Ostküste wohnte er wohl noch mit seinem Bruder zusammen, einem Koch. Oft hing ein arabisches Schild an ihrer Wohnungstür: "Bitte nicht stören - Gebet".
Nach der Versetzung nach Texas, behielt sich Hassan seinen strengen Glauben. In Killeen, dem Wohnort nicht weit von der Militärbasis Fort Hood, gibt es eine Moschee, die Hassan jeden Freitag aufsuchte, manchmal auch öfter. Außerhalb des Dienstes trug er öfter lange weiße Gewänder und ein weißes Strickmützchen.

Unter der Woche fuhr er mit seinem Honda mit Virginia-Kennzeichen jeden Morgen zu einem 7-Eleven Store vor den Toren des Armeestützpunktes. Hier kaufte Hassan sein Frühstück, Kaffee und Brownies. Auch am Tag seines Amoklaufs war er hier, eine Überwachungskamera filmte ihn, gekleidet in traditionelle Tracht, lachend, scherzend.
Der Ladenbesitzer, selbst Araber, unterhielt sich oft mit "Major Hassan", wie er ihn nannte. Dabei stellte er fest dass Hassans Arabisch sehr schlecht war, er konnte kaum mehrere Sätze im Dialog durchhalten. Häufig stellte der Major Fragen mit Bezug auf den Glauben. Warum der Ladenbesitzer nicht zur Moschee geht, was er am Freitag zutun habe. Er sei zu beschäftigt, entgegnete dieser dann meist um nicht zu sagen dass er den Islam nicht besonders ernst praktizierte.

Manchmal beklagte sich Hassan wie schwer es sei eine Ehefrau zu finden. Über Partnervermittlungsprogramme in der Moschee versuchte der Psychiater sein Glück. Angeblich stellte er hohe religiöse Anforderungen, verlangte von seiner zukünftigen Gattin Vollverschleierung zu tragen, 5mal täglich zu beten und sich an die Gesetze des Koran und der Sunnah zu halten.
Es ist denkbar dass der gebürtige Amerikaner ein Gefühl empfand was zunächst in Angst, dann in Ablehnung, dann zu Isolation und dann vielleicht sogar in Hass umschlägt: fremd im eigenen Land.

Amerika führt Krieg in muslimischen Staaten, Afghanistan und Irak, schickt Soldaten nach Kuwait und Saudi-Arabien, liefert Waffen nach Israel und Pakistan, unterstützt die arabischen Despoten und Regime. All diese Gedanken müssen Hassan bewegt haben. Vielleicht erkannte er immer stärker einen Widerspruch, empfand sich als Verräter am Glauben und der Ummah und identifizierte sich mit jenen, die sich mit Waffengewalt gegen Amerikas Außenpolitik wehren.

Gerüchten zu Folge soll Nidal Hassan begeistert gewesen sein, als Barak Obama Präsident wurde, er hoffte auf einen Neubeginn der Beziehungen zwischen Amerika und der islamischen Welt. Dann die Enttäuchung: Afghanistan wird zu Obamas Irak. Der schwarze Präsident antwortet auf steigende Gewalt der Taliban mit der Entsendung von mehr Truppen, er gießt Öl in das Feuer des Dschihad. Plötzlich sieht Hassan seine Hoffnungen enttäuscht, und, noch viel mehr, befürchtet Teil weiterer Aggression gegen Muslime zu sein.

"Wenn ein Selbstmordattentäter 100 Soldaten tötet weil diese unachtsam sind, ist das ein strategischer Sieg", schrieb eine Person, von der Ermittler glauben dass es sich um Hassan handelt, im Mai 2009 in einem Internetforum. Es ging um die Diskussion ob Selbstmordanschläge nach koranischer Auffassung feiger Suizid sind oder glorreiches Märtyrertum.

In Hassan schien bereits jene Saat Früchte zu tragen die man als das Virus der dschihadistischen Ideologie bezeichnen kann. Als das was er ist, fühlte er Ablehnung, als Muslim und als Privatperson. Dann wächst der unerträgliche moralische Widerspruch zu wachsen, Teil einer antimuslimischen Armee zu sein, Verrat zu üben an Glaubensbrüdern in Übersee. Rückbesinnung auf die Wurzeln, auf den Stolz der Palästinenser, eines Volkes das mit voller Härte jene Weltpolitik zu spüren bekommt, die Bin Laden als größtes Verbrechen des Westens bezeichnet.

Als wenige Tage nach seiner Bluttat erste Aussagen aufkamen, Hassan habe vor dem 13fachen Mord an Soldatinnen und Soldaten der US-Army, den islamischen Monotheismus-Schlachtruf "Allahu akbar!" geschrien, dürfte das den Beobachter kaum überrachen. Für die USA und ihre muslimische Gemeinde war jener Donnerstag der wahrgewordene Albtraum. Was Sicherheitskreise "home-grown" nennen, ist Nidal Malik Hassan sicher nicht. Der Psychiater aus Virginia ist mehr, er ist der gescheiterte amerikanische Traum. Mit 39 Jahren fühlte er sich ausgegrenzt, abgelehnt und gefangen zwischen zwei Welten, zerfressen von moralischen Gewissensfragen, getrieben von Gottesfurcht und Bildern aus dem Fernsehen und Internet.

"Er ist ein Muslim" - begann US-TV Talker Bill O´Reilly seine Show bei Fox News am Donnerstagabend. Jeder Tag fördert mehr Details zu Nidal Hassan zutage. Letztendlich bleibt es ein Verbrechen wie andere auch, vielleicht motiviert durch Koran, Bin Laden und Al Jazeera, trotzdem "nur" ein schreckliches Verbrechen. Das Bild des Mannes der heute aus seinem Koma erwachte, nachdem ihn eine junge Polizisten mehrfach angeschossen hatte, ist längst gezeichnet. Nidal Hassan der Dschihadist in US-Uniform ist für die Medien längst existent. Jede Beziehung zum Feld des islamistischen Terrorismus wird gesucht und vielleicht sogar gefunden. Seine Tat selbst bleibt nicht exklusiv für die Muslime reserviert, seine Sorgen und Bedenken betreffen viele Männer und Frauen im Militär.

Hassan war nie im Kriegseinsatz, sein Leben als Muslim in Amerika war für ihn jedoch mit ähnlichen Auswirkungen verbunden. So grausam und unfassbar seine Tat erscheint, soll niemand verschweigen wieviele Menschen Jahr für Jahr durch die psychischen Traumata, die Geisteskrankheiten und ungezähmten Aggressionen der Kriegsheimkehrer sterben und verletzt werden. Die häusliche Gewalt unter Soldaten, die in Afghanistan und im Irak dienten, ist ein weitverbreitetes Phänomen. Familien bekommen einen anderen Vater und Ehemann wieder den sie einst in den Kriegseinsatz verabschiedet hatten. Psychiater wie Nidal Hassan sollen glätten was die Politik angerichtet hat und kämpfen dabei gegen Windmühlen. Amerikas Anti-Terror-Kriege produzieren Mörder, nicht nur in den Strassen von Haditha, in den Zellen von Abu Ghraib und Guantanamo oder der Wüste Helmands, sondern auch in der Heimat. Der Guerillakrieg macht vor keiner Grenze halt, er geht in den Köpfen weiter, er verstört und zerstört menschliche Psyche oft auf Jahrzehnte. Viele US-Soldaten sterben jede Nacht einen neuen Tod, werden durch die Erinnerungen an den Einsatz zu Mördern und Verbrechern.

So gesehen ist Afghanistan längst das neue Vietnam. Die Folgen für die amerikanische Gesellschaft sind noch nicht absehbar. Der Fall von Major Hassan ist ein trauriger Hinweis auf zukünftige Taten. Dass er zu Allah betete und Palästina im Herzen trug, lässt Amerika das eigentliche Problem verdrängen. Die wahre Botschaft der Tat findet sich in den Opfern, weniger im Täter.

Monday, September 7, 2009

Fünfter US--Dschihadi in Somalia getötet


Zu Beginn des vergangenen Wochenendes kam es in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zu heftigen Kämpfen zwischen African Union-Truppen und den islamistischen Shabaab-Kämpfern. Mörserangriffe der Armee töteten mehrere Dutzend Dschihad-Kämpfer.
Unter den Toten soll sich auch der 21jährige Mohammed Hassan
aus Minneapolis (Minnesota) befinden.

Der junge Exil-Somali war im vergangenen Jahr ans Horn von Afrika gereist, genau wie eine Reihe weiterer amerikanischer Dschihad-Rekruten. Im September 2008 war sein Bruder im Kampf zwischen Straßengangs der Metropole Minneapolis erschossen worden. Daraufhin habe sich Mohammed entschieden die USA zu verlassen und im somalischen Bürgerkrieg an der Seite der Al Qaida-verbündeten Al Shabaab zu kämpfen.

Über einen weiteren US-Amerikaner der in Mogadischu als Gotteskrieger kämpft, hat Hassans Familie am Wochenende vom Tod ihres Sohnes erfahren. Angeblich war er mit Kampfgenossen gerade Essen für das abendliche Fastenbrechen kaufen als er auf dem Rückweg von African Union-Soldaten getötet wurde.
Mohammed Hassan reiht sich damit ein in die Liste von bereits vier bekannten Fällen amerikanischer Somali-Teenager die im Heimatland ihrer Eltern ihr Leben ließen. Hassan Burhan, Jamal Bana, Ahmed Shirwa und ein weiterer junger Mann aus dem Raum Minneapolis wurden bereits zu "Märtyrern" im somalischen Dschihad.

Thursday, September 3, 2009

Amerikanische Dschihadisten sterben in Somalia


Am 12.Juli 2009 richtete sich der somalische Präsident Sheikh Sharif Ahmed mit einer außergewöhnlichen Bitte an die Exil-Bevölkerung seines Landes, die in den USA eine neue Heimat gefunden hat. “Ich bitte die somalisch-amerikanische Gemeinde ihre Jugend nicht nach Somalia zu schicken um dort mit der Al Shabaab Miliz zu kämpfen!” Der Aufruf kam nur einen Tag nachdem eine somalische Familie im amerikanischen Minneapolis über das Internet erfuhr dass ihr Sohn in Somalia als Dschihad-Kämpfer starb. Er ist nicht der erste Exil-Somali der am Horn von Afrika getötet wurde, und er wird wohl nicht der letzte bleiben.

Als Jamal Sheikh Bana seine Heimat verließ war er gerade ein Jahr alt. Seine Eltern flohen 1990 kurz nach Beginn des Bürgerkrieges in Somalia.
In einem kenianischen Flüchtlingslager überlegte der junge Jamal nur knapp eine Malaria-Erkrankung, bevor die Familie schließlich 1996 dank der Hilfe der amerikanischen Lutheran Church in die USA immigrieren durfte. Später zog es die somalischen Flüchtlingsfamilie in die Metropole Minneapolis (Minnesota).
Im Stadtviertel St.Paul wuchs im Laufe der 1990er Jahre mit heute etwa 50,000 Mitgliedern die größte somalische Diaspora Nordamerikas heran.

Jamal wuchs als typischer amerikanischer Teenager auf, schloss die High School ab und begann ein Studium der Elektrotechnik am Normandale Community College in Bloomington, Minnesota. Um seine Eltern und seine Geschwister, darunter zwei gehörlose Kinder, finanziell zu unterstützen arbeitete der junge Exil-Somali beim US-Kaufhaus Macy´s und als Wachmann einer Sicherheitsfirma.
Anders als viele somalische Jugendliche in seinem Umfeld hielt sich der 20jährige zur Freude der Eltern fern von kriminellen Aktivitäten, Drogen oder Gangs. Regelmäßig besuchte er die örtliche Moschee und folgte den islamischen Bräuchen und Gesetzen.
Als die Familie am 04.November letzten Jahres gespannt die amerikanische Präsidentschaftswahl verfolgte verschwand der älteste Sohn urplötzlich ohne Hinweis auf seinen Verbleib.
Wenige Tage später klingelte das Telefon im Haus der Eltern. “Ich bin in Somalia” - mehr sagte Jamal nicht, dann legte er auf. Seine Mutter brach in Tränen aus, Familie und Freunde standen unter Schock.

Monate nachdem ihr Sohn ohne Erklärung verschwand kam die Schreckensmeldung. Ein Freund der Familie meldete sich am 11.Juli und erklärte ein Foto von Jamal sei im Internet aufgetaucht.

Somalias Militär hatte Journalisten trophäengleich die Leichen getöteter Islamisten in Mogadischu präsentiert. Auf einigen der Fotos identifizierten die Eltern einen Leichnam als ihren Sohn Jamal. Bärtig und ausgemergelt lag er fast nackt auf einem Tuch, getötet durch einen Schuss in den Hinterkopf.

Das FBI fand heraus dass Jamal Bana nur einer von mindestens sechs somalischen Jugendlichen aus dem Raum Minneapolis war die in jenen Novembertagen die Vereinigten Staaten verließen und sich im tausende Kilometer entfernten Somalia der islamistischen Shabaab-Miliz angeschlossen hatten. Aus Sicht der amerikanischen Ermittler habe man es mit einem ganzen Netzwerk zutun dass gezielt junge Männer radikalisiere, Propagandamaterial verteile, sie für terroristische Zwecke anwerbe und ans Horn von Afrika schleuse.
Angeworben von militanten Islamisten zogen dutzende Somalis aus den Exil-Gemeinden der USA in den Dschihad gegen die äthiopischen Besatzungstruppen und die Soldaten der African Union.

Begonnen hat die Ausreisewelle der selbsternannten Gotteskrieger bereits Ende 2007, als etwa 20 junge Männer aus St.Paul, Minneapolis verschwanden, wenig später ihre Familien kontaktierten und ihnen mitteilten sie seien in Somalia.
Mittlerweile sprechen die amerikanischen Behörden von der sogenannten “ersten Welle” somalischer Rekruten.

Zu diesen ersten “home grown” Dschihadisten gehörte auch Shirwa Ahmed, der im Alter von 13 Jahren als Bürgerkriegsflüchtling zunächst nach Portland, dann nach Minneapolis kam.
Nach seinem High School Abschluss arbeitete er als Medikamentenkurier und als Behindertenbetreuer am Flughafen. Im Jahr 2003, kurz nach Beginn des Irakkriegs, setzte eine religiöse Erweckung in Shirwas Leben ein, berichten Freunde. Der junge Somali besuchte häufiger die Moschee, ließ sich einen Vollbart stehen und engagiert sich in der Gemeinde der Abubakr Moschee. Sehr zur Freude der Familie rief er Gleichaltrige auf Alkohol und Drogen fern zu bleiben und studierte religiöse Schriften. Ende 2007 war Shirwa Ahmed verschwunden, er reiste über Saudi-Arabien nach Kenia und von dort aus ins benachbarte Somalia.

Aus dem vollintegrierten amerikanischen Staatsbürger wurde ein Gotteskrieger der Al Qaida verbündeten Shabaab-Miliz. Noch im Oktober 2008 meldete sich Shirwa telefonisch bei seiner Schwester in den USA. Er befinde sich im Jemen und wolle nach Hause. Tage später kam ein zweiter Anruf, diesmal eine unbekannte Stimme: “Dein Bruder ist ein Märtyrer. Er ist im Paradies.”
Shirwa Ahmed hatte sich am 29.Oktober 2008 im Norden Somalias in die Luft gesprengt, 29 Menschen mit in den Tod gerissen und war zum ersten amerikanischen Selbstmordattentäter geworden.

Wie der 27jährige Shirwa machten sich gegen Ende 2007 eine ganze Reihe junger Somalis auf in ihren Heiligen Krieg.
Einige, wie der rapbegeisterte Salah Osman Ahmed (26), kehrten enttäuscht in die USA zurück. “Es war einfach nichts für ihn. Er hatte das Gefühl er gehörte nicht so recht dort hin”, berichtete ein Freund nachdem Salah im Sommer 2008 wieder in Amerika auftauchte.

Zakaria Maruf blieb. Ihn macht das FBI verantwortlich die zweite Ausreisewelle vorangetrieben zu haben. 1993 als junger Teenager von Somalia nach Minneapolis geflohen schloss sich der heute 30jährige der Straßengang “Hot Boyz” an, einer kriminellen Jugendorganisation die einst als Musikgruppe auf somalischen Hochzeiten auftrat. Zakaria qualifizierte sich für das Basketballteam seiner Schule, der Edison High School, tourte mit seiner Mannschaft durch Kanada und die USA. Aufgrund der kriminellen Vergangenheit verlief die Jobsuche zunächst erfolglos, dann stellte Wal-Mart den jungen Exil-Somali als Lagerarbeiter ein. In seiner Freizeit besuchte Maruf oft die Moschee. Ein von ihm dort aufgenommener Gebetsruf soll bis heute einer der beliebtesten Handyklingeltöne der Somali-Jugend im Stadtteil St.Paul sein.
Irgendwann verschwand Zakaria Maruf in Richtung Afrika. Heute soll er als Anwerber der Shabaab-Organisation tätig sein und junge Männer aus den amerikanischen Somali-Gemeinden für den Dschihad rekrutieren.

Über diese Kontakte im Umfeld der Abubakr-Moschee und dem dazugehörigen islamischen Gemeindezentrum traten die Extremisten an Jamal Bana und andere Jugendlichen der “zweiten Welle” heran.
Neben Bana verschwanden rund um den 04.November 2008 mindestens fünf weitere Männer aus Minneapolis. Die Teenager haben sich gekannt, so fand das FBI heraus, und organisierten gemeinsam ihre Ausreise.

Für etwa 1,800 USDollar kaufte angeblich jeder der Terrorrekruten Flugtickets von Minnesota nach Nairobi (Kenia) oder nach Dubai (VAE), um dann von dort aus mit der somalischen Fluglinie Daallo Airlines nach Mogadischu zu reisen. Aufgefallen war diese Vorgehensweise weil ein örtliches Reisebüro angab einige jugendliche Kunden hätten beinahe zeitgleich ihre Tickets in bar bezahlt, meist ohne Rückreise.
Da es sich bei den Terror-Teenagern um US-Staatsbürger handelt wächst die Angst bei den Behörden dass die Möglichkeit frei zu reisen zu einer terroristischen Gefahr werden könnte.

Neben Jamal Sheikh Bana und Shirwa Ahmed fand im Juni auch der 17jährige Burhan Hassan in Somalia den Tod. Von seinen Freunden “Little Bashir” genannt, begeisterte sich das Mathegenie und Basketballtalent in seiner Freizeit besonders für den Islam. In seiner Moschee erhielt er eine Auszeichnung für das Auswendiglernen des Koran. Dort, erklärte sein Onkel Abdirizak Bihi in einem Interview, habe man ihn “mental gekidnappt” und ihm “eine Gehirnwäsche verpasst”. Burhans Angehörige bekamen am 05.Juni die Nachricht der Junge sei bei einem Gefecht erschossen worden.

Für die amerikanischen Terrorermittler steht fest dass die derzeit in Somalia aktiven amerikanischen Islamisten Verbindungen über die Schule, Universitäten und die Moschee hatten. Das AbuBakr as Saddique Islamic Center scheint Knotenpunkt des Netzwerkes zu sein. Hier beteten die späteren Gotteskrieger, hier hörten sie vom Dschihad in der Heimat ihrer Vorfahren und der Pflicht muslimisches Land zu verteidigen.
Derlei Aktivitäten bestreitet der Imam der Einrichtungen Sheikh Abdirahman Sheikh Omar entschieden: “Man kann nicht kontrollieren was im Kopf anderer Leute vor sich geht, welche Ideologie und Überzeugung sie vertreten.”

Vom Virus des islamistischen Fanatismus befallen scheinen weit mehr us-somalische Teenager zu sein als Experten bisher vermuteten. Ein Krankenwagenfahrer, ein ehemaliges Gang-Mitglied, ein weißer Konvertit namens Troy Matthew, ein Präsident einer somalischen Schüler-Vertretung, ein 17jähriger Lebemann dessen Facebook-Profilbild das Portrait Osama Bin Ladens zierte - sie alle verließen das Land in das ihre Familien vor fast zwei Jahrzehnten geflohen waren um ein besseres, sicheres Leben zu führen.

Die meisten von ihnen dürften inzwischen in den ausländischen Kampfeinheiten der Shabaab-Islamisten dienen. Mehrere hundert nicht-somalische Dschihadisten sollen sich in Somalia derzeit tummeln, darunter nicht nur die “Boys” aus Minneapolis sondern auch somalische Immigrantenkinder aus Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Australien und Kanada.
Ende Juli erst nahm die kenianische Polizei im Grenzgebiet zu Somalia vier niederländische Staatsbürger, alle 21 Jahre alte Exil-Somalis, fest. Anschließend brachte man die Gruppe unter Verdacht Terrorrekruten zu sein nach Nairobi für weitere Verhöre.

Kommandiert und ausgebildet werden die ausländischen Exil-Somalis angeblich von einem gesuchten Al Qaida Terroristen namens Abu Saleh al Nabhani, ein Mann der seine Befehle vom neuen Superstar des Terrornetzwerkes, Abu Yahya al Libi, direkt aus Pakistan bekommen soll.
Somalias Präsident Sharif Ahmed erklärte Ende Juli in einem Zeitungsinterview, er wisse dass Osama Bin Laden persönlich den libyschen Islamisten Abu Yahya damit beauftragt habe, den Dschihad in Somalia zu koordinieren. Direkter Verbindungsmann am Horn von Afrika ist ein Somali namens Ahmed Abdi Godane, der in den 1990er Jahren in afghanischen Al Qaida Camps seine Ausbildung genossen hat.

Propagandastar des somalischen Dschihads wurde über die letzten Monate ein hellhäutiger Amerikaner namens "Abu Mansour al Amriki". Es soll sich um einen Sohn einer arabischen Mutter und eines amerikanischen Vaters handeln, der als US-Soldat in Bosnien und dem Kosovo stationiert war bevor er zum radikalen Islamismus konvertierte.

Tuesday, July 28, 2009

"Home grown"-Terroristen in North Carolina?


Heute Morgen europäischer Zeit berichten US Medien im Bundesstaat North Carolina seien sieben islamistische Terrorverdächtige, darunter ein Vater und seine beiden Söhne verhaftete worden. Die Gruppe habe "militärisches Training" in den USA absolviert und plane "Terroranschläge in Übersee", speziell in Israel.
Anführer der Truppe bestehens aus sechs amerikanischen und einem
kosovarischen Staatsbürger soll der 39jährige Daniel Patrick Boyd sein, ein Konvertit der von 1989-1992 in Afghanistan an der Seite der Mujaheddin von Hizb e Islami gegen die Sowjets gekämpft hat und danach in die Staaten zurückkehrte. Er habe die anderen jungen Männer zwischen 20 und 33 Jahren angeworben und auch seine eigenen Söhne überzeugt den militanten Dschihad zu praktizieren. Erst im Jahr 2007 sei Boyd nach Israel gereist um dort terroristische Aktivitäten durchzuführen. Sein Plan scheiterte und er kehrte nach North Carolina zurück, wo er zuhause eine eigene kleine Privatmoschee einrichtete weil er die örtliche muslimische Gemeinde als unislamisch erachtete.

Authorities: 7 in U.S. Participated in 'Violent Jihad'

Monday, July 27, 2009

WASHINGTON — A father, his two sons and four other men living in North Carolina are accused of mililtary-style training at home and plotting "violent jihad" abroad, federal authorities said Monday.

Officials said the men were led by Daniel Patrick Boyd, a married 39-year-old who lived in an unassuming lakeside home in a rural area south of Raleigh, where he and his family walked their dog and operated a drywall business.

But court records indicate Boyd was a veteran of terrorist training camps in Pakistan and Afghanistan who fought against the Soviet Union.

"These charges hammer home the point that terrorists and their supporters are not confined to the remote regions of some far away land but can grow and fester right here at home," U.S. Attorney George E.B. Holding said.

The seven men made their first court appearances in Raleigh on Monday, charged with providing material support to terrorism. If convicted, they could face life in prison.

The indictment said Boyd, a U.S. citizen, trained in Afghanistan and fought there between 1989 and 1992 before returning to the United States. Court documents charged that Boyd, also known as 'Saifullah,' encouraged others to engage in jihad.

Boyd's faith was so brash that, this year, he stopped attending worship services in the Raleigh area and instead began meeting for Friday prayers in his home.

"This is not an indictment of the entire Muslim community," Holding said. "These people had broken away because their local mosque did not follow their vision of being a good Muslim."

In 1991, Boyd and his brother were convicted of bank robbery in Pakistan — accused of carrying identification showing they belonged to the radical Afghan guerrilla group, Hezb-e-Islami, or Party of Islam. They were each sentenced to have a foot and a hand cut off for the robbery, but the sentenced was later overturned.

The wives of the men told The Associated Press in an interview at the time they were glad the truth about their husbands had finally become known. The wives said the couples had U.S. roots but the United States was a country of "kafirs" — Arabic for heathens.

Jim Stephenson, a neighbor of Patrick Boyd in Willow Spring, said he saw the Boyd family walking their dog in the neighborhood. He said the indictment shocked the residents.

"We never saw anything to give any clues that something like that could be going on in their family," Stephenson said.

Two of the suspects are Boyd's sons: Zakariya Boyd, 20 and Dylan Boyd, 22. The others are Anes Subasic, 33; Mohammad Omar Aly Hassan, 22; and Ziyad Yaghi, 21.

Hysen Sherifi, 24, a native of Kosovo and a U.S. legal permanent was also charged in the case. He was the only person arrested who was not a U.S. citizen.

All were residents of North Carolina. No attorneys for the men were listed in court records.

Reached at her home in Silver Spring, Md., Boyd's mother said she had not heard of their arrests and knew nothing about the current case.

"It certainly sounds weird to me," Pat Saddler said. "That's news to me."

Hassan's father declined to comment Monday night while others did not have listed numbers or did not return calls.

It's unclear how authorities learned of the activities, although court documents indicate that prosecutors will introduce evidence gathered under the Foreign Intelligence Surveillance Act.

The indictment claims Boyd traveled to Israel in 2007 with several of the defendants, hoping to engage in "violent jihad." The attempt was unsuccessful, though, and the men returned home, officials said.

Boyd was also accused of trying to raise money last year to fund others' travel overseas to fight. One of the men, Hysen Sharifi, allegedly went to Kosovo to engage in violent jihad, according to the indictment, but it's unclear if he did any actual fighting.

Several of the defendants, including Boyd, were also charged with practicing military tactics on a private property in Caswell County in June and July of this year.

Wieder einmal stellt sich die Frage: Hat man es hier wirklich mit überzeugten, fähigen Terroristen und gefährlichen Dschihadisten zutun oder ist die Aktion ein Ergebnis vorschneller Polizeiarbeit, sicherheitstechnischer Bedenken ohne konkrete Hinweise und schlicht und einfach Panikmache?
Unumstritten scheint zu sein dass Mr. Boyd in Afghanistan unter dem Kommando von Hizb e Islami Führer Hekmatyar gegen die russische Armee gekämpft hat. Anders als viele vom Westen und den arabischen Öl-Emiraten damals finanzierten Kampfgruppe galt die Hizb e Islami nie als wahhabitisch beeinflusst, radikal fanatisiert oder auch nur als annähernd so extremistisch wie das heutige Al Qaida Phänomen. In der Regel kämpften die Mujaheddin des heute talibanfeindlichen Hekmatyar für Allah UND Vaterland, der salafistische Fundamentalismus war ihnen weitestgehend fremd.
Sollte es sich bei Mr.Boyd um einen Vollblut-Dschihadisten handeln, wie US Medien derzeit behaupten, lässt die Tatsache stutzig werden dass er mit seiner Frau regelmäßig "den Hund in der Nachbarschaft ausführte". Dschihadisten gehen nicht Gassi denn Dschihadisten besitzen keinen Hunde.

Aus religiöser Sicht ist der Hund in etwa gleichzusetzen mit dem Schwein, also ein unreines Tier dessen Berührung schon verpönt ist unter gläubigen Muslimen. Die ultraorthodoxen Islamisten a la Al Qaida stürzen sich fanatisch in die Glaubensvorschriften des Koran und der Sunnah, machen jede noch so kleine von Allah aufgestellte Regel zu einer heiligen Pflicht im Alltag. Hunde lehnen diese Leute strikt ab, Al Qaida waren sie in Afghanistan gerade gut genug um sie für Giftgas-Versuche zu benutzen, im Irak versteckten die Dschihadisten Sprengfallen in Hundekadavern am Straßenrand. Niemals würde ein überzeugte Islamist einen Hund als Haustier halten.

Selbsternannte Experten werden sagen: Das ist Teil der Strategie, Tarnung in einer westlichen Umgebung und Vorspiel eines modernen Lebensstils.
Könnte richtig sein, aber ist dazu ein Hund nötig? Baseball zu spielen, sich keinen Bart wachsen zu lassen, ab und zu bei McDonald´s vorbeizuschauen und jeden Sonntag den Grill anzuschmeißen würde als vermeintliche Tranung in den USA ausreichen.

Die Geschichte wirft einige Fragen auf. Für mich klingt es nach paramilitärischen Hobby-Söldnern, die ihre eigene kleine Dschihad-Gruppe aufbauen wollen, amateurhaft und ohne große Unterstützung aus dem Ausland.