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Thursday, August 5, 2010

Faszination Somalia - Der Traum eines Amerikaners vom Dschihad


UPDATE:


Während ich den folgenden Blog-Eintrag verfasste, meldeten US-Fernsehsender dass insgesamt 14 Terrorverdächtige in den USA angeklagt würden, Al Shabaab zu unterstützen oder der Gruppierung beitreten zu wollen.

Auf einer Pressekonferenz erklärte US-Justizminister Eric Holder, dass in den vergangenen Tagen 12 Personen in Minnesota, und jeweils eine Person in Alabama und in Kalifornien festgenommen wurden. Ihnen würde vorgeworfen unter dem Deckmantel einer Wohltätigkeitsorganisation Gelder für Al Shabaab gesammelt und nach Somalia transferiert zu haben. Unter den Verdächtigen befinden auch zwei Frauen (eine von ihnen 63 Jahre alt), denen vorgeworfen wird, Spendenveranstaltungen organisiert zu haben, bei denen in Videokonferenz verschiedener Moscheen aufgerufen wurde für "die somalische Sache" und den "Dschihad" zu spenden. Fünf der festgenommenen

Erstmals klagen die USA in den neuen Terrorverdachtsfällen auch zwei amerikanische Staatsbürger an, die sich allerdings nicht in Haft befinden, da sie sich nach Erkenntnissen der US-Behörden in Somalia aufhalten.
Bei ihnen handelt es sich um Omar Hammami, besser bekannt unter dem Kampfnamen "Abu Mansour al Amrikki", und Jihad Mustafa alias "Amir Anwar"

Hammami, der in mehreren Propagandavideos der somalischen Islamistan auftauchte, ist Anführer der "Al Muhajiroun-Brigade" von Al Shabaab, den ausländischen Kämpfern, die sich dem somalischen Dschihad angeschlossen haben. Er kämpft bereits seit zwei Jahren am Horn von Afrika und wirbt mit englischsprachiger Propaganda, teilweise in Form von Dschihad-Raps, um westlicher Rekruten. US-Behörden sehen in ihm eine Schlüsselfigur für Al Shabaab´s Verbindung in die USA.

Ein weiterer US-Amerikaner, Jihad Serwan Mustafa (28) aus San Diego, Kalifornien, soll sich ebenfalls in Somalia aufhalten und dort inzwischen in die Führungsriege von Al Shabaab aufgestiegen sein. Mustafa war ein enger Berater des kenianischen al Qaida Kommandeurs Saleh Ali Nabhan, der 2009 bei einer Operation von US-Spezialeinheiten in Somalia getötet worden war. In einer San Diegoer Moschee hatte Mustafa vor Jahren den us-jemenitischen Prediger Anwar al-Awlaki kennengelernt und sich durch ihn massiv radikalisiert. Noch heute sollen die beiden Islamisten in Kontakt stehen.

Die jüngsten Ereignisse im Bezug auf die "home-grown" Terrorgefahr in den USA zeigen, welche Bedeutung Somalia inzwischen für die dschihad-willigen Muslime aus westlichen Staaten hat. Ein blutiger, 20 Jahre andauernder Bürgerkrieg, unterbrochen von ausländischer Besatzung, hat sich zu einem Magnet für Terrorrekruten aus Europa und Nordamerika entwickelt. Reihenweise pilgern junge Exil-Somalis, arabisch- und pakistanischstämmige Jugendliche und weiße wie schwarze Konvertiten ans Horn von Afrika und machen Somalia zu einem neuen Afghanistan. Diese Entwicklung ist definitiv eine weitere Blog-Analyse wert.

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Der Terrorist von heute hat´s nicht einfach. Noch vor 30 Jahren waren Sicherheitskontrollen an Flughäfen Science Fiction, an Nacktscanner wagten nichtmal die treuesten George Orwell Anhänger zu denken. Nichts erschien einfacher als eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine zu schmuggeln. Mit Ausnahme israelischer Fluggesellschaften.



Von derlei Freiheiten können islamistische Terroristen im neuen Millenium nur träumen. Geheimdienste, Sicherheitskräfte und auch ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft hat sich auf den "Moslem-Terror" eingeschossen. Alles wird gescannt, gespeichert, jeder ist verdächtig, und alles eine potenzielle Gefahr. Mögliche Spione und Spitzel der Geheimdienste lauern an jeder Ecke, infiltrieren jede Moschee.
Dies treibt die wirklich gefährlichen Individuen in die Enge. Terrorpläne zu schmieden ist schwierig geworden, zumindest wenn man teils transkontinentale Strecken mittels sich dabei elektronischer Kommunikation überbrücken muss. CIA, NSA, MI5, BND & Co. hören und lesen mit. Bin Ladens moderne Gotteskrieger müssen Codewörter erfinden, um selbst die einfachsten Absprachen per Telefon unverdächtig erscheinen zu lassen.

Teilweise führt diese Anpassung an den gewaltigen Anti-Terror-Sicherheitsapparat zu kuriosen Vorfällen. So geschehen am 28.Juli diesen Jahres. Ein junger Mann aus dem Großraum Chicago, Illinois, tätig einen nächtlichen Anruf (01:15 Uhr) ins britische London. Seine Gesprächspartnerin scheint noch vor dem Telefonat online kontaktiert worden zu sein. Daher beginnt der junge Mann das Gespräch mit: "Ich werde dir alles erklären." Was folgt ist ein Dialog, in dem der Anrufer der jungen Frau seine mehrfach seine Liebe beteuert, aber auch erklärt er wolle sich seinen Traum erfüllen. Er möchte sie über seinen Wunsch informieren in den Dschihad zu ziehen. Nur die Details, gehen durch die Paranoia des Möchtegern-Gotteskriegers und den Codewörter-Fetish irgendwie verloren.

"Willst du immer noch nach Saudi-Arabien reisen?", fragt die Dame in London den Amerikaner. Dieser antwortet, er wolle "lieber nach Merca, anstatt nach Medina" gehen. Die Gesprächspartnerin kann nicht folgen: "Mekka und Medina liegen beide in Saudi-Arabien. Du verwirrst mich."
"Merca. Merca liegt südlich, südlich von Saudi-Arabien", erklärt der Mann in den USA. "Okay", entgegnet die Frau am anderen Ende der Leitung, "also sprechen wir von zwei verschiedenen Orten im gleichen Land?" Genervt reagiert der amerikanische Anrufer: "Nein. Gleiche Welt, verschiedene Länder, kapierst du?"

Sie kapierte nicht. Deshalb begann sie eine Erklärung, warum und weshalb sie durch die ganzen Aussagen und Ortnamen vollkommen "verloren" sei. "Islamische Herrschaft. Islamische Herrschaft", zürnt der Amerikaner, "Verstehst du? Alles klar? Islamische Herrschaft." Es wird deutlich, dass er nicht offen über jenen Ort reden will, in den er plante zu reisen. "Ah, okay, okay", bestätigt die Frau am Telefon schließlich. Offenbar hatte sie nun verstanden, dass der Anrufer, ein 26jähriger Islamist namens Shaker Masri, die somalische Stadt Merca meinte, als er von einem ("wahrhaft") islamisch regierten Ort sprach, der südlich vom saudischen Königreich liegt.

Der Dialog dieses Telefonats entstammt den FBI Protokollen der Anklageschrift des US-Staatsbürgers Shaker Masri, der am vergangenen Dienstag in Chicago verhaftet wurde. Masri soll geplant haben, nach Somalia zu reisen um eine paramilitärische Ausbildung in den Terrorcamps der Al Shabaab Miliz zu erhalten. Diesen Wunsch äußerste er mehrfach gegenüber einem vermeintlichen Freund, der in Wahrheit ein FBI-Informant war und der Masri auf Geheiß der US-Ermittler im Herbst 2008 erstmals kontaktiert hatte. Von da an schmiedete der Islamist Masri mit dem oft verkabelten Informanten ("Source" in US-Ermittlersprache), Pläne in den Dschihad zu ziehen. Etwa 10.000 US-Dollar bräuchten die beiden, so Masri, um in den Heiligen Krieg ziehen zu können.



Bilder aus dem neuesten Propaganda-Video der Al Shabaab - ein amerikanischer Dschihad ist der Kommentator

Shaker Masri erklärte "Source", dass er im somalischen Bürgerkrieg kämpfen wolle, und auch die Intention habe, als Selbstmordattentäter zu sterben. Mehrere Reiserouten hatte Masri zu diesem Zweck bereits ausgewählt.
Zunächst plante er sich in Jordanien einen syrischen Pass zu besorgen, um damit zum Vorwand einer Pilgerreise oder als angeblicher Gold-Händler nach Saudi-Arabien und dann nach Somalia zu reisen. Weil Jordanien aber den "USA im Kampf gegen den Terror hilft", sei es besser mit einer Coverstory (beispielsweise ein Schmuck-Händler zu sein) von Chicago nach Los Angeles zu fliegen und von dort aus per Auto nach Mexiko zu fahren. In Mexiko wollte Masri einige Tage bleiben, das Schießen mit verschiedenen Waffen üben und dann weiter über Venezuela oder Panama, unbeobachtet von amerikanischen Geheimdiensten, in den Nahen Osten oder nach Tansania bzw. Zanzibar zu fliegen.

Der "Source" erzählte Masri, er habe einen Kontakt in Großbritannien, der ihnen die Reise nach Somalia ermöglichen könne. Damit meinte der US-Amerikaner augenscheinlich jene Frau mit Wohnsitz London, mit der er am 28.Juli telefonierte. In welcher Beziehung die beiden Personen stehen, ist den US-Ermittlern noch nicht recht klar. Offenbar hatte Masri die Absicht die Frau zu heiraten. Tatsache ist, dass der Islamist ihr mehrfach in Telefonaten, die vom FBI mitgeschnitten wurden, seine Liebe versicherte. Nur sein Wunsch in den Heiligen Krieg zu ziehen, hielt ihn ab, nach England zu fliegen. Er solle sie noch vor seiner Reise nach Somalia heiraten und mit ihr ein Kind zeugen, bevor er seine Pflicht gegenüber Allah erfülle, bat die Londonerin.

Masri aber wollte so schnell wie möglich ein Mujahid werden und schwärmte gegenüber dem FBI-Informanten von den al-Qaida Kämpfern in Somalia und vom Kampf für den Glauben gegen die Feinde Gottes. Er sei ein glühender Anhänger vom us-jemenitischen Sheikh Anwar al Awlaki, gab Masri gegenüber "Source" zu, und hoffe dass al Awlaki bald zum al-Qaida Führer aufsteige.

In den vergangenen Monaten waren FBI-Ermittler Masri längst auf der Spur. Sie hatten den US-Amerikaner ägyptischer Abstammung als potenziellen al-Qaida Rekruten ausgemacht und ihn mit Hilfe des verkabelten Informanten bei der Planung seiner Terror-Reise begleiten können. Insgesamt "40.000-45.000 US-Dollar" habe man dem Informanten für seine Dienste bezahlt, so heißt es in den FBI-Protokollen. Nach Einschätzung der US-Behörde war es diese Summe wert einen der zukünftigen amerikanischen Dschihad-Kämpfer noch vor seiner Ausreise aufzuspüren.

Shaker Masri war entschlossen ein Gotteskrieger zu werden. In Mexiko wolle er Märtyrer-Videos drehen, verriet er dem Informanten, er habe Kontakt zu Ausländern innerhalb der Al Shabaab. Außerdem bräuche er einen neuen Laptop, und seinen alten müsse er zerstören. Was darauf sei, könne ihn "hinter Gitter bringen." Dem vermeintlichen Mitstreiter gab er zu bedenken, dass man sie international suchen werde, sobald sie sich auf den Weg gemacht hätten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sie nicht mehr in die USA zurückkehren.

Als er an einem Nachmittag per Zufall eine vierköpfige Gruppe amerikanischer Soldaten in Uniform saß, erklärte Masri, er wünsche er könne zu ihnen gehen und sich in die Luft sprengen. Warum er dies für nur vier tote Soldaten tun würde, fragte ihn der FBI-Informant. "Du hast recht, es wäre besser wenn man gleich einen ganzen Bus voller Soldaten bomben könnte", so die Antwort des in Alabama geborenen Islamisten.

Am Abend des 29.Juli traf sich Masri erneut mit "Source" und buchte online zwei One-Way-Tickets vom Chicagoer Flughafen O´Hare nach Los Angeles am 04.August mit Southwest-Airlines. Masri wollte seinen Plan in die Tat umsetzen, über Mexiko irgendwie nach Nahost zu kommen und dann weiter ans Horn von Afrika.
Auf dem Weg zum Flughafen klickten schließlich die Handschellen. FBI-Beamte setzten dem Traum von Shaker Masri ein abruptes Ende.

Masri wird nun kein weiterer amerikanischer Söldner im Dienste der Al Shabaab werden. Bis zu 15 Jahre Haft drohen ihm für die Unterstützung ausländischer Terror-Organisationen und die Planung von Anschlägen gegen US-Bürger.

Saturday, March 13, 2010

Zweite US-Konvertitin verhaftet in Lars Vilks-Mordplan


Jamie Paulin-Ramirez, 31, Mutter mit einem 30.000 US Doller Job als medizinische Assistentin, erklärte ihrer Familie vor knapp einem Jahr, an Ostern 2009, dass sie zum Islam konvertiert sei.
Ramirez begann Niqab zu tragen, sie suchte Informationen über ihren neuen Glauben hauptsächlich über das Internet und meldete sich bei islamischen Partnerbörsen an, um einen passenden Mann zu finden.





















Am 11.September 2009 verschwand Jamie Ramirez aus ihrem Heimatort Leadville, in den Rocky Mountains von Colorado. Die Konvertitin flog von Denver aus nach New York um einen Mann zu treffen, den sie per Chat kennengelernt hatte.
Nur kurze Zeit später klingelte das Telefon bei ihren Eltern. Ramirez, geboren in Kansas City, gab ihnen ihre neue Anschrift, eine Adresse im irischen Waterford.

Jamie Ramirez war offenbar eine Beziehung mit einem Algerier eingegangen, der in Irland lebte. Beide wurden zusammen mit fünf weiteren Personen vor knapp einer Woche von der irischen Polizei festgenommen. Sie sollen geplant haben den schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks zu ermorden. Die irische Gruppe, vier Männer und drei Frauen, setzt sich zusammen aus Algeriern, Libyern, Palästinensern und einer Amerikanerin - Jamie Paulin-Ramirez.

Ein weiteres Mitglied der Verschwörung, die US-Amerikanerin Colleen LaRose alias "JihadJane" war im Oktober bereits von US-Behörden festgenommen worden, als sie aus Schweden wieder in die Vereinigten Staaten einreisen wollte. LaRose hatte in E-Mail Konversationen erklärt sie empfinde es als Ehre Vilks zu töten und würde nicht von ihrem Plan abweichen bis sie selbst sterbe oder ihr Ziel erreicht habe.

Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes soll sich bereits im Jahr 2008 intensiv für den Islam interessiert haben. Ihr Stiefvater ist selbst Konvertit.
Bis zu vier Mal soll Jamie Ramirez schon verheiratet gewesen sein, erinnern sich Personen in ihrem Umfeld. Der Vater ihres Kindes, ein Mexikaner, hat den gemeinsamen Sohn jahrelang nicht mehr gesehen.

Bereits kurz nach ihrem Übertritt zum Islam begann die Blondine aus Colorado die islamische Ganzkörperverschleierung zu tragen. Auf die Bitte ihrer Familie hin, erschien sie allerdings ohne Kopftuch bei der Beerdigung ihres leiblichen Vaters im Frühjahr 2009.

Ramirez Familie reagierte entsetzt als sich die Tochter vor wenigen Tagen aus irischer Untersuchungshaft meldete.

Thursday, March 11, 2010

Rächerin für den Propheten - Das Doppelleben der "JihadJane"


Colleen R. LaRose wäre keinem Sicherheitsmann an irgendeinem Flughafen der Welt als verdächtig erschienen. Blondes Haar, strahlend blaue Augen, Mitte 40, texanischer Slang - sie hätte eine 1980 Ex-Miss Florida sein können, aber sicherlich keine Dschihadistin im Blutrausch.
Doch Ms.LaRose ist alles andere als harmlos. Sie war bereit zu sterben, wollte eine "Shahida" werden und im Namen Allahs Rache üben für die Beleidigung des Propheten Muhammad.


Die inzwischen gelöschte MySpace-Seite von "JihadJane"

Vorgestern erhob die US-Justiz anklage gegen die amerikanische Konvertiten, die geplant haben soll den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks zu ermorden. Die Vorwürfe an die gebürtige Texanerin sind eindeutig wie erschreckend:

- Unterstützung von Terrorismus
- Verschwörung zum Mord an einer Person außerhalb der USA
- Falschaussage gegenüber der Bundespolizei
- Identitäts-Diebstahl


LaRose alias "JihadJane" war monatelang fester Bestandteil der Online Dschihad-Gemeinde. Unter ihrem Usernamen kommentierte sie Videos bei Youtube, betrieb ein MySpace Profil, veröffentlichte Spendenaufrufe, klagte über das Leid der Muslime in Nahost und ihren Wunsch eine Märtyrerin werden zu wollen.

Was wenige ihrer Chat-Partner wussten: Colleen LaRose führte ein Doppelleben. Zusammen mit ihrem Lebenspartner (schwedischer Herkunft), der nichts vom Vorhaben und den Aktivitäten seiner Freundin ahnte, bewohnte sie eine Wohnung im zweiten Stock eines Hauses der Ortschaft Pennsburg, etwa eine Autostunde nördlich von Philadelphia gelegen.
Sie veranstaltete Halloween-Partys zu denen sie Nachbarskinder einlud, war freundlich gegenüber Mitmenschen und wirkte ganz und gar nicht wie eine fanatische Islamistin, die vor der Webcam nur Kopftuch und Niqab trägt.

Erst die Kontakte ins Ausland, nach West- und Osteuropa und besonders nach Pakistan, machten aus der Internet-Gotteskriegerin eine todeswillige Mörderin, die einen Rachefeldzug gegen jenen Mann planten, der den Propheten Allahs mit einem Hunde-Körper gezeichnet hatte.

Mehr in Kürze...

Saturday, February 13, 2010

Die Headley-Connection - Anschlag auf deutsche Bäckerei al-Qaida Terror?


Am 16.März 2009 um 06:15 Uhr checkte er ein im Surya Villa Hotel von Puna, in West-Indien. David Coleman Headley bezog Zimmer 202 und checkte am 17.März gegen 08:00 Uhr morgens wieder aus.
Das Surya Villa Hotel liegt im Koregaon Park von Puna, einer Anlage die u.a. ein sogenanntes Ashram beherbergt, eine Lehreinrichtung eines Gurus. Der Guru von Puna, Bhagwan Shree Rajneesh alias "Osho" war in den 1970er Jahren ein beliebter Lehrer für tausende westliche Erleuchtungs-Suchender. Viele verbrachten mehrere Monate, manche Jahre in der hinduistischen Sektengemeinde, vor allem Deutsche.


Ebenfalls in der Nähe des Hotels, dass der US-Amerikaner Headley im Frühjahr 2009 und noch mindestens ein weiteres Mal seit November 2008 besuchte, liegt eine deutsche Bäckerei und das jüdische Kulturzentrum "Chabad House Puna". Hier lebt Rabbi Alter Btzalel mit seiner Familie und leitet das Missionszentrum der ultraorthodoxen Bewegung der Chabad-Lubavitch-Gemeinde.

Nach Angaben der indischen Geheimdienstler besuchte David Headley, Sohn eines pakistanischen Diplomaten und einer Amerikanerin, die indischen Provinzmetropole Puna im Auftrag der pakistanischen Terrorgruppe Lashkar e-Toiba. Er hielt sich nur kurz in der Hippie-Hochburg auf und ließ sich angeblich auf HIV untersuchen.
Auf der Suche nach potentiellen Terrorzielen reiste Headley anschließend weiter nach Mumbai und kundschaftete u.a. die späteren Orte der Attentate vom November 2008 aus.

Angeblich soll auch das Chabad-House in Puna als mögliches Terrorziel für die pakistanischen Dschihadisten ausgewählt worden sein. Die Region ist beliebt bei westlichen Ausländern und wöchentlich von tausenden Touristen frequentiert.

Inzwischen steht Headley in den USA zusammen mit seinem pakistanisch-kanadischen Komplizen Tahhawur Hussein vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen Anschläge auf die dänische Zeitung Jyllands-Posten in Kopenhagen geplant und zu diesem Zweck mit der Lashkar e-Toiba und al-Qaida Elementen in Verbindung gestanden zu haben. Headley erhielt von Husseins Firma ein Alibi und reiste nach Pakistan, Indien und Europa. Jedesmal kundschaftete er Terrorziele aus und lieferte Video- und Bildmaterial an die Lashkar e-Toiba Kontaktleute.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit stehen terroristische Elemente hinter dem heutigen Bombenattentat auf die "German Bakery" in Puna. Da sich der Laden in unmittelbarer Nähe zum jüdischen Chabad-House befindet wird ein islamistischer Hintergrund immer wahrscheinlicher.

Monday, February 1, 2010

"Umar Farouk Abdulmutallab ist mein Schüler" - Anwar al Awlaki und der Detroit-Attentäter


Lange rätselten Terrorexperten, Geheimdienstler und Journalisten. Hatte der gescheiterte Flugzeugbomber von Detroit, Umar Farouk Abdulmutallab Kontakt zum jemenitischen Prediger und US-Staatsbürger Anwar al-Awlaki?
Der scheue Imam äußerte sich jetzt erstmals selbst und gewährte dem jemenitischen Journalisten Abdulelah Shay´a ein seltenes Interview.


Anwar al-Awlaki, US-Staatsbürger und al-Qaida Sympathisant

Awlaki lebt seit Jahren mit seiner Familie im jemenitischen Exil und gilt als unauffindbar und von Angehörigen seines Stammes geschützt. Durch den E-Mail Kontakt zwischen ihm und dem Amokschützen von Fort Hood, Major Nidal Hasan, gilt Anwar al Awlaki den US-Behörden als gefährlicher Anwerber im Auftrag al-Qaidas. Seine Sympathie für die militanten Islamisten verschwieg Awlaki nie, nannte Hasan nach seiner Bltutat einen "Helden" und erklärte der Dschihad gegen amerikanische Soldaten sei nicht nur erlaubt sondern eine Pflicht.

Der aus New Mexico stammende Sohn eines ehemaligen jemenitischen Ministers soll mittlerweile zum Kern der al Qaida auf der arabischen Halbinsel gehören und als einer ihrer spirituellen Köpfe agieren.
Dass auch der nigerianische Attentäter von Detroit mit Awlaki in Verbindung stand bestätigten zunächst US-Geheimdienstler, später dann auch jemenitische Quellen. Abdulmutallab soll zweimal im Zuge eines Sprachstudiums in den Jemen gereist sein, das letzte Mal im Herbst 2009. Damals verbrachte er mehrere Monate im Land, und besuchte u.a. das Sanaa Language Institute in der Hauptstadt und das Al-Eman Islamzentrum des mächtigen Sheikhs al Zindani.

Mit-Studenten Abdulmutallabs erinnern sich an den Bankierssohn als einen unauffälligen und freundlichen jungen Mann. Erst kürzlich meldete der britische TV Sender Channel 4 News, ihr jemenitischer Korrespondent habe Abdulmutallab persönlich in einem Kaffee in Sanaa zum Interview getroffen. Das Gespräch habe im Rahmen eines Beitrages über die ausländischen Studenten im Jemen stattgefunden und Abdulmutallab habe nichts von seiner radikalen Überzeugung durchblicken lassen.

Jetzt meldete der wohl kenntnisreichste Experte zum Thema der al-Qaida im Jemen, Abdulelah al-Shay´a zu Wort. Der u.a. für Al Jazeera tätige Journalist traf bisher als einziger außenstehender den Anführer der jemenitischen al-Qaida, Nasir al-Wuhayshi alias "Abu Basir" im März 2009 zum Interview. Shay´a, der einem der einflussreichsten Sunniten-Stämme des Jemen angehört, verfügt über sehr gute Kontakt in die islamistische Szene seiner Heimat und spürte im Dezember 2009, kurz nach US-Luftangriffen auf mehrere al-Qaida Trainingslager den Prediger Anwar al-Awlaki auf.


Journalist Abdulelah al-Shay´a
und al-Qaida Führer Nasir al-Wuhayshi


Zum ersten Mal äußerte sich der Imam damals gegenüber al-Shay´a zu den Vorwürfen, er habe den Fort Hood Schützen Major Hasan zu seiner Tat getrieben. Er habe in der Tat über 80 E-Mails mit Hasan ausgetauscht, gab Awlaki zu, in einigen habe der Major ihn gefragt ob es erlaubt sei US-Soldaten zu töten und ob Muslime in einem "ungläubigen Militär" dienen dürften. Awlaki beteuerte aber er habe von den Plänen Hasans nichts gewusst und ihn auch nicht angestiftet. Hasans Tat zu verurteilen liege ihm allerdings fern, denn er habe nach besten islamischem Gewissen gehandelt.

Nun gelang es Abdulelah al-Shay´a erneut den verstecklebenden Prediger eine Stellungnahme zu entlocken. In einem auf Tonband aufgezeichneten Interview erklärte Awlaki vergangene Woche: "Umar Farouq ist einer meiner Studenten, ich stand in Kontakt mit ihm." Der Salafist ging sogar noch weiter: "Ich unterstütze was er getan hat, weil Amerika Israel im Töten der Palästinenser unterstützt und in Afghanistan und im Irak selbst Zivilisten ermordet."

Umar Farouq Abdulmutallab in al-Qaida Propaganda-Montage

Der 38jährige US-Jemenit wies jedes Mitwissen um Abdulmutallabs geplanten Anschlag zurück: "Ich habe ihm nicht gesagt dass er diese Tat ausführen soll, aber ich unterstütze sie...Ich bin stolz auf Umar Farouq."

Darüber hinaus dementierte Awlaki Berichte wonach die jemenitische Regierung mit seinem Stamm über seine Auslieferung verhandeln soll. Laut Awlaki gäbe es keine derartigen Verhandlungen und niemand im Jemen wolle ihn ausliefern.

Wednesday, December 9, 2009

"Missing Boys" in Pakistan festgenommen


Über Facebook und Twitter suchten Freunde die fünf American Muslims aus dem Großraum Washington D.C. Am 29.November waren sie das letzte Mal gesehen worden, seitdem fehlte von ihnen jede Spur.

Heute dann meldete AP in Pakistans Punjab Provinz seien bei einer Razzia fünf Amerikaner festgenommen worden. Die Personen, alle zwischen 18 und 25 Jahren alt, seien jemenitischer, ägyptischer und schwedischer Abstammung und einige von ihnen hätten sowohl amerikanische als auch pakistanische Reisepässe.

Man prüfe den Verdacht auf Terrorismus, hieß es aus Pakistan. Derweil entdeckte das FBI in Washington wohl ein Abschiedsvideo, in dem die Verdächtigen erklären Muslime müssten weltweit verteidigt werden.

Sunday, September 20, 2009

In eigener Sache...


Liebe Leserschaft,

bitte entschuldigt dass ich nicht mehr regelmäßig bloggen kann. Die Gründe dafür sind recht banal: das Studium und die Arbeit fressen Zeit.
Dennoch möchte ich mich hier regelmäßig zu aktuellen Ereignissen in der Thematik äußern. Größere Berichte werden sicher maximal zweimal pro Woche erscheinen.
Wer ein kleines Newsupdate zum Thema islamistische Propaganda und Dschihad-News bekommen möchte, sei bitte auf meinen Twitter Account verwiesen. Dort findet ihr täglich aktuelle, informative Kurznachrichten, meist schneller als über die Nachrichtenagenturen.


Hier nun einen kurzen Überblick über die Ereignisse der vergangenen Tage.


Besonders interessant waren natürlich die beiden Veröffentlichungen von Bekkay Harrach alias "Abu Talha al Almani", einmal mit kurioser Aufmachung (Al Fajr Media, Titel: "Sicherheit - ein geteiltes Schicksal") als eine Art Mischung aus Mafiosi und Staatsmann, und dann die 40minütige Preisung des Märtyrertodes (As Sahab Media, Titel: "Oh Allah Ich Liebe Dich") und Harrachs theologische Interpretation sich durch den Dschihad von jeglicher Schuld freiwaschen zu können.

Weiter gab es pünktlich zum Ende des Ramadan eine große Produktion der Al Shabaab Miliz aus Somalia.

Unter dem Titel "Zu deinen Diensten, oh Osama" schwören die somalischen Dschihadisten dem Al Qaida Führer die Treue. Das Video zeigt, teilweise unterlegt mit englischen Untertiteln, Trainingslager in Somalia, einheimische und ausländische Kämpfer im Einsatz und die übliche Propaganda zu politischen Themen.
Mit diesem Videostatement dürfte Shabaab nun endgültig Teil des Al Qaida Franchise Systems sein, eine Reaktion von Seiten Zawahiris oder Bin Ladens (oder auch Al Libis) ist zu erwarten.


Ungewöhnlich aktiv ist dieser Tage auch die Medienabteilung der "Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" sprich des jemenitischen Ablegers der Organisation. Nach einem Video zum Angriff auf die US Botschaft von Sanaa 2008 und einer Produktion über einen Hinterhalt auf jemenitische Regierungstruppen im Sommer diesen Jahres, kündigte AQAP heute ein weiteres Video an.

Anders als viele erwarteten kam zum Abschluss des Ramadan keine neue Botschaft Bin Ladens. Der meistgesuchte Terrorist der Welt beließ es bei einer verspäteten "Ansprache an das amerikanische Volk", anlässlich des achten Jahrestages von 9/11. Es bleibt abzuwarten was die nächsten Tage bringen, Analysen zu Harrachs Videowelle und den möglichen Konsequenzen für die deutsche Sicherheitspolitik in den kommenden Tagen...

Sunday, September 13, 2009

"An das amerikanische Volk"- Neue Audiobotschaft von Osama Bin Laden


Heute tauchte mit einiger Verspätung eine Audiobotschaft von Osama Bin Laden zum Jahrestag von 9/11 auf. Unter dem Titel "An das amerikanische Volk" richtet sich der Al Qaida Führer an die aktuelle amerikanische Außenpolitik.


Ich habe die Datei gerade erst bekommen und kann noch nicht im Detail sagen über was Bin Laden sich äußert.

Tuesday, September 8, 2009

Arabische Al Qaida kündigt neues Video an


Worum wird es gehen? Ein Propagandabeitrag zum Angriff auf die US Botschaft im jemenitischen Sanaa. Das Video kommt fast genau ein Jahr nach dem Anschlagsversuch auf die amerikanische Vertretung im Jemen.


Am 17.September 2008 griff Al Qaida mit zwei Autobomben und mehreren "Fußsoldaten" das Gebäude der US-Botschaft an. Zunächst zündete ein Attentäter sein Fahrzeug am Eingangstor, um so den Weg für einen zweiten Suizidbomber frei zu machen. Zeitgleich eröffneten Islamisten mit Sturmgewehren und RPGs das Feuer.
Der Angriff schlug fehl, 17 Wachmänner und Zivilisten starben, es gelang den Angreifern nicht bis zur Botschaft vorzudringen. Unter den Toten befand sich eine 18jährige US-Amerikanerin aus New York, die im Jemen heiraten sollte.

Dem Ankündigungs-Banner der "Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" ist zu entnehmen dass wohl die Abschiedsvideos der Attentäter sowie einige Szenen des Angriffs selbst gezeigt werden.

Friday, August 21, 2009

"Ihr Blut wird nicht umsonst geflossen sein" - Al Qaidas Racheruf nach Massaker in Nigeria


Al Qaida im Islamischen Maghreb hat in einem Internet-Statement die Massaker an den nigerianischen "Brüdern und Schwestern im Dschihad" verurteilt. Das Blut von Boko Haram Führer "Sheikh Mohammed Yusuf und seiner 800 Kämpfer sei nicht umsonst geflossen, heißt es, man werde Rache üben für die Verbrechen der "christlichen Armee Nigerias".

Friday, July 31, 2009

Zorionak zuri!


- ist Baskisch und heißt: Alles Gute! (zum Geburtstag)

Heute vor 50 Jahren entschieden sich einige baskische Studenten in der spanischen Diktatur ihre eigene kleine Revolution zu starten. Nationalismus gepaart mit marxistischer Ideologie für die Unabhängigkeit ihrer Heimat und das Ende einer despotischen Herrschaft die ihre Kultur, Sprache und Traditionen bedrohte.

"Das Baskenland und seine Freiheit" übersetzt Euskadi Ta Askatasuna (ETA) sollte diese Bewegung heißen die sich dank der Arbeitslosigkeit, dem historisch traditionellen Misstrauen gegenüber der Zentralregierung von Madrid und dank mafiöser Strukturen über Jahrzehnte behaupten konnte. ETA setzte auf einen Kampf der weitaus unblutiger war und ist als der ihrer nordirischen Terrorkollegen oder der palästinensischen Unabhängigkeitskämpfer.
Während die Ziele immer klar schienen, stritt die Führung der Gruppe stets über die Vorgehensweise. Polizisten, Richter und Soldaten zu töten erschien legitim, Bomben in zivilen Gegenden zu zünden war umstritten und sollte nur geschehen wenn die Bevölkerung gewarnt würde. Hohe Opferzahlen ihrer Attentate, das realisierte ETA schnell, würden sie als Organisation absterben lassen, denn sie war darauf angewiesen im Baskenland wie "ein Fisch im Wasser" zu existieren. Unterstützer und Helfer durften nicht vergrault werden indem man nur noch zum Massenmörder wird.

Diese Strategie scheint ausgedient zu haben nachdem Spaniens Behörden ihren Anti-Terror-Kampf verstärkt hatten. Unzählige Verhaftungen ließen ETA schrumpfen, politisch wollten die Basken längst einen anderen weg gehen, die Zustimmung zu den Militanten betrug jüngst maximal 10-12%. Die Unzufriedenheit im Baskenland ist nicht verschwunden, die Eigenständigkeit der Region durch Gewalt und Terror zu erhalten, halten die wenigsten noch für den richtigen Weg.

Nicht nur Spanien wartet gespannt, ob es zum Jahrestag heute einen weiteren Anschlag geben wird.
Vorgestern im baskischen Burgos, gestern im Süden Mallorcas, wo die nächste Bombe hochgehen wird weiß niemand. Angeblich seien noch mindestens zwei Autobomben (Mercedes Minivans) in Spanien unterwegs, eine hatte bereits in Burgos 65 Menschen verletzt.

Ein Anschlag im Norden, ein Anschlag im Süd-Osten, logischerweise müsste nun ein Attentat im westlichen Landesinneren folgen: Madrid könnte Ziel werden, oder Valencia, vielleicht sogar Sevilla.

Interessanterweise gibt es bis jetzt keine offiziellen Bekennerstatements. Weder Anrufe, noch schriftliche Hinweise, keine Internetbotschaft, kein Video, kein Tonband - nur Vermutungen dass der Terror-Dinosaurier wieder zugeschlagen hat.
Zum 50.Geburtstag versetzen die baskischen Extremisten Spanien in Angst und Schrecken. Gezielt attackieren sie Tourismus und Sicherheitskräfte, paralysieren Urlauber und Einheimische gleichermaßen. Madrid steht schwach und hilflos dar, alle Maßnahmen zur Terrorbekämfung scheinen zwecklos gewesen zu sein. Jetzt heißt es den nächsten Anschlag verhindern und die Opferzahl möglichst gering zu halten.

Thursday, July 30, 2009

ETA bombt sich in den Geburtstag


Der 31.Juli 1959 markiert in der Geschichte Spanien ein entscheidendes Datum.
An jenem Tag vor fast genau 50 Jahren gründeten marxistisch orientierte Studenten der Universität Bilbao eine Gruppierung, deren erklärtes Ziel eine bewaffnete Revolution zur Befreiung des Baskenlandes von Francos Diktatur war.cVon dieser Gründung einer
ideologischen Untergrundbewegung als Splittergruppe der bereits vorhandenen aber als zu moderat eingestuften baskischen Nationalistenpartei, bis zum ersten Toten durch den Terror der "Euskadi Ta Askatasuna" dauerte es fast 10 Jahre. Erstmals im Juni 1968 übernahmen ETA Mitglieder die Täterschaft für den Mord einem Guard Civil Beamten. Seitdem sollen durch die Bomben und Kugeln der baskischen Extremisten über 800 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter viele Polizisten, Soldaten, Richter, Offizielle der Regierung, baskische Regime-Sympathisanten und immer wieder Zivilisten.

ETA stieg durch die zumindest offiziell akzeptierte Entwaffnung der IRA, das Ende der RAF und der Roten Brigaden zur ältesten aktiven Terrorgruppe Europas auf. Für Spaniens Regierung ist sie ein Erzfeind, ein lästiges Überbleibsel der Geschichte das schon oft totgesagt aber anscheinend nicht tot zu kriegen ist.
Angeblich, so hieß es noch 2007, verfüge ETA nur noch über 80-100 Mitglieder und maximal 200-300 Unterstützer, die meisten in Nord-Spanien, aber auch in Frankreich und Belgien. Die meisten ihrer ideologischen und militärischen Anführer konnten spanische Sicherheitskräfte in den vergangenen Jahren verhaften, etliche Bombenbastler wurden im Ausland geschnappt, die politische Führung der Organisation schien gezähmt.

Was ETA neben sämtlichen sicherheitspolitischen Aspekten den Todesstoß versetzt haben soll, war jedoch das Wegbrechen der zivilen Unterstützer. Man konnte sich nicht mehr auf eine Basis in der baskischen Bevölkerung stützen, der Ruf nach Unabhängigkeit und Freiheit erschien in einem geeinten, globalisierten Europa wie eine Farce und die Revolution eingeholt von der Historie selbst. Spätestens seit den Anschlägen auf die Madrider Pendlerzüge, verübt von Al Qaida Zellen, stellt sich Spanien geschlossen gegen den Terror und das Morden, egal in welcher Form, für welche Ziele und Ideen.

Dann kam der 29.Juli 2009. Gerade als die Sonne im nordspanischen Burgos aufging erschütterte eine gewaltige Explosion einen Wohnkomplex nahe einer Station der Guardia Civil. Eine Autobombe (200kg Sprengstoff) zerriss die Fassade eines mehrstöckigen Gebäudes, ließ Fensterscheiben noch in weiter Entfernung zerbersten. Bewohnt war das Ziel der Terroristen von Polizeibeamten und ihren Familien. Wie durch ein Wunder wurden nur 65 Menschen verletzt, die meisten davon durch Glassplitter.
Was schockierte an diesem Anschlag waren nicht so sehr die Bilder, die tatsächlich mehr dem Irak oder Afghanistan glichen als West-Europa, sondern vielmehr die Tatsache dass es keine Warnung gegeben hatte. Üblicherweise meldete sich ETA immer bis zu Stunden vor einem geplanten Attentat und nennt den Ort an dem die Bombe platziert ist. So sollen zivile Opfer minimiert werden, aber die mediale und psychologische Wirkung erhalten bleiben.
Diesmal gab es keine Warnung, keinen Anruf bei den üblichen baskischen Zeitungsredaktionen, Radio- oder Fernsehstationen. Die Bombe kam überraschend und sie kam um zu töten, wie der verantwortliche Polizeichef von Burgos mitteilte.

Nun vor wenigen Minuten die Meldung aus Mallorca. Westlich von Palma, in der Ortschaft Palmanova hat es eine Explosion vor einer Polizeistation gegeben, mindestens zwei Polizisten kamen dabei ums Leben, es soll Verletzte geben. Die Behörden entschieden die Baleareninsel abzuriegeln um den Bombenlegern, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch auf Mallorca aufhalten, eine Flucht nicht zu ermöglichen.

Der Terror kommt zurück nach Spanien, er kommt in einer nie dagewesenen Form und er ist wahrscheinlich noch nicht zu Ende. Geheimdienste in der Region hatten Informationen in den letzten Wochen erhalten: drei Mercedes-Vans seien von ETA zu Autobomben präpariert worden und auf dem Weg zu Anschlagszielen. Nun schlug ETA innerhalb von zwei Tagen zweimal zu. Wieder trifft es Sicherheitskräfte, diesmal weit entfernt vom Baskenland, auf der Touristeninsel Mallorca, ganz in der Nähe des Feriensitzes der spanischen Königsfamilie.

ETA will beweisen dass sie lebendig sind, dass die Anti-Terror-Maßnahmen der letzten Jahre nichts nützen um die Hardliner der Gruppe davon abzubringen weiter zu bomben. Einerseits will man Rache üben für die dutzenden Verhaftungen ranghoher Mitglieder, zuletzt in Süd-Frankreich, dann möchte man das 50.Jubiläum der Gruppe nicht verstreichen lassen ohne zu zeigen wie aktiv man trotz der Jahrzehnte des mühsamen Kampfes noch ist. Guardia Civil, Terrorermittler, die Regierung in Madrid, alle sollen als machtlose, hilflose Versagen dargestellt werden, die unfähig sind dem baskischen Terror ein Ende zu setzen.

Morgen erst feiert ETA Geburtstag, stimmen die Berichte über drei gefertigte Autobomben dann darf man auf das morgige Finale gespannt sein.

Wednesday, July 8, 2009

Schuss ins Leere


"To gain ground, defend it and hold it" - diese Strategie bestimmt die jüngste US-Offensive "Khanjar" im Süden Afghanistans. Seit dem 02.Juli versuchen 4,000 US Marines unterstützt durch 650 afghanische Soldaten in der Unruhe-Provinz Helmand einen vernichtenden Schlag gegen die Taliban zu führen. Es gehe darum, so ein Armeesprecher, die Region von der Herrschaft der Koranschüler zu befreien, die Aufständischen gefangen zu nehmen oder zu töten und die staatliche Kontrolle in Helmand wieder einzuführen. Jahrelang hatte sich dort der islamistische Widerstand gegen die NATO Truppen festgesetzt. Nun ist davon nichts mehr zu sehen oder zu spüren. Helmand ist von Taliban-Geistern bewohnt, es gibt kaum Gefechte, die Gotteskrieger haben den strategischen Rückzug angetreten und wissen sehr genau um ihren Schwächen.


Beobachter sprachen schnell von Obamas erster Bewährungsprobe in seiner neuen Afghanistan-Strategie. Militärisch gesehen ist die Offensive eine der größten seit dem Ende des Vietnamkrieges. Auf viel Widerstand trafen die US Einheiten bisher nicht. Lediglich ein US Marine und ein afghanischer Kollege sind bisher durch ferngezündete Sprengfallen getötet worden. Die Taliban, von denen angeblich bis zu 1,500 in der Region gewesen sein sollen, fehlt jede Spur. Dorfbewohner berichten die Islamisten hätten bereits Tage vor Beginn der Offensive die Flucht Richtung Nordosten angetreten. Teilweise verkleidet unter Burqas und mit Kindern an der Hand hätten sich die Taliban im Flüchtlingsstrom in die Provinzen im Osten und Norden Afghanistans abgesetzt. Baghran und der östliche Teil von Farah sollen als ihre Rückzugsgebiete dienen.
Ersteres steht unter der Kontrolle von Bundeswehreinheiten, Farah ist Teil der italienischen NATO-Engagements. Wie zu erwarten halten die fanatischen Glaubenskrieger an der Guerilla-Taktik fest. Man will dem Feind keine Angriffsfläche geben, klare Fronten dürfen nicht entstehen weil sonst der asymmetrische Krieg zu einem offenen Kampf wird den die Islamisten in jedem Fall gegen die Übermacht der US Armee verlieren würden. Rückzug, den Gegner ins Leere laufen lassen, und dann an anderen Stellen angreifen, so verläuft derzeit die Taliban-Strategie. Anders als die amerikanische Militärführung erwartet hatte fliehen die Taliban nicht über die pakistanische Grenze ins schützende Nachbarland wo bereits die Regierungstruppen von Islamabad Anti-Terror-Einsätze vorbereiten und unterstützt durch US-Drohnen durchführen. Sie bleiben in Afghanistan und wandern in die Provinzen in denen die NATO-Verbündeten Deutschland und Italien nur wenige Soldaten stationiert haben, die keine erfolgreichen Search-and-Destroy-Einsätze durchführen können. Mit der Zunahme der Taliban-Population in den genannten Regionen steigt dort natürlich in jedem Fall die Gefahr von Anschlägen. In Kunduz tötete vor wenigen Tagen bereits ein Sprengsatz vier amerikanische Polizeiausbilder. Auch für die Bundeswehr wird es gefährlicher je mehr Islamisten durch Operation "Khanjar" Richtung Norden gedrängt werden.

Sunday, June 21, 2009

Es ist Krieg im Reiche Mehsuds


Nach Bajaur kam Swat, darauf folgte Buner, nun stößt die pakistanische Armee in das Herzland des islamitischen Terrors, die Stammesgebiete an der afghanische Grenze, vor. Von den USA und den westlichen Verbündeten langer ersehnt begann gestern Pakistans Militäroffensive in Süd-Waziristan, einem der Rückzugsgebiete von Taliban und Al Qaida.


Mehr als 20,000 pakistanische Soldaten sollen nach tagelanger Vorarbeit der Luftwaffe und Artillerieeinheiten Stück für Stück der Unruhe-Provinz zurückerobern. Noch nie in der Geschichte des Landes waren die als FATA bekannten Stammesgebiete der paschtunischen und wazirischen Stämme und Klans unter der Kontrolle der Zentralregierung von Islamabad. Taliban-Fürsten regieren hier ungehindert, verdienen Millionen mit dem Schmuggel über die afghanische Grenze und Beherbergen nicht nur tausende eigene Kämpfer sondern in ihren Trainingslagern findet auch die Ausbildung ausländischer Terroristen der Al Qaida statt. Die größten Anschläge die Pakistan in der jüngsten Zeit erschütterten sollen hier geplant und organisiert worden sein, die Befehle sollen jeweils von den ranghöchsten Islamisten-Führern der Region an die Suizid-Kommandos gegangen sein.
Dem mächtigsten Taliban-Kommandeur Pakistans, Baitullah Mehsud, gilt die nun gestartete Militäroperation. Wenige Tage nachdem die Armee im Auftrag der Regierung Zardari das Swat-Tal im Mai diesen Jahres von der Taliban-Herrschaft gewaltsam befreite, reagierte die Führung der “Tehrik e-Taliban”-Bewegung unter Leitung von Baitullah Mehsud mit einer Anschlagsserie in den größten Städten den Landes. Mit spektakulären Selbstmordattentaten gegen Armeeeinrichtungen und Hotels wollten die Islamisten beweisen dass ihre Schlagkraft weit über die von ihnen kontrollierten Gebiete hinaus reicht. Rache geübt wurde außerhalb von Swat, ein Machtkampf entwickelte zwischen den Taliban und der pro-westlichen Regierung Islamabads.
Im nächsten Kapitel soll nun der größte innenpolitische Feind, der Kopf der “Tehrik e-Taliban” entmachtet werden. Mehsuds Reich erstreckt sich über Süd-und Nord-Waziristan, über 30,000 Mann soll der kamerascheue Staatsfeind Nr1 inzwischen unter Waffen haben, eine Privatarmee zu der auch Teams von todeswilligen Selbstmordbombern gehören. Pakistans Luftwaffe griff in den vergangenen Tagen mehrere Ziele rund um den Heimatort Mehsuds, Makeen, an. Ausbildungslager für Dschihadisten, Bombenwerkstätten, Waffenlager und Verstecke der Taliban sollen getroffen worden sein, einige von Mehsuds Männern starben bereits während den ersten Gefechten in Süd-Waziristan.
Monatelang drängte Washington die pakistanische Regierung darauf den wahren Kern des Taliban-Problems anzugehen, und der befindet sich eben nicht in den von den Gotteskriegern eroberten Gebieten Swat, Dir, Buner oder Malakand, sondern im Grenzland zwischen Afghanistan und Pakistan.

Was sich nun abzeichnet ist eine Schlacht deren Ausgang Washington vielleicht besänftigen wird, der sich aber jenseits der internationalen Kameras und Beobachter abzeichnet. Am Ende wird die Armeeführung mit den lokalen Machthabern Übereinkünfte treffen die einen schrittweise Rückzug des Militärs aus Waziristan vorsehen, gleichzeitig aber die Macht der Islamisten einschränken. Möglicherweise wird Baitullah Mehsud den erneuten Vorstoß der pakistanischen Regierungstruppen nicht überleben, seine Kämpfer werden erbitterten Widerstand leisten und die umkämpften Provinzen in ein Schlachtfeld verwandeln, aus denen - ähnlich wie bereits im nördlichen Swat - tausende Zivilisten fliehen werden.
Für Al Qaida geht mit einer erfolgreichen Offensive ein wichtiger Rückzugsort für den globalen Terrorismus verloren, ein Schlag den das Netzwerk nur schwer wird kompensieren können. Hunderte kleine Camps bilden seit dem 11.September in den Stammesgebieten die nächste Al Qaida Generation aus, hier wird aus der Dschihad-Ideologie tödliche Praxis. Gerüchteweise ist aus der Region zu vernehmen dass Al Qaida Abgeordnete sich in Süd-Waziristan erst vor kurzem mit Baitullah Mehsud und dem Kommandeur Süd-Waziristans, Mullah Nazir getroffen haben. Der Grund für die Krisensitzung liegt auf der Hand: Mehsuds Rache-Reaktionen auf die Swat-Offensive provozierten die Regierung nun auch in die Stammesgebiete einzumarschieren, ein Supergau für alle dort aktiven Islamisten-Gruppen.
Abu Yahya al Libi, Al Qaidas Ideologie-Propagandist soll zusammen mit dem Anführer der chinesischen Islamisten Abdul Haq al Turkestani vom Terrornetzwerk Osama Bin Ladens geschickt worden sein. Daneben sollen ein weiterer Taliban-Kommandeur und ehemaliger Konkurrent Mehsuds, Sirajuddin-Haqqani, sowie zwei Mitarbeiter von Mullah Abdullah Zakir, dem Ex-Guantanamo-Häftling und ranghöchsten Militärführer der Taliban in Süd-Afghanistan, als Teil der 11köpfigen Gesandtschaft am Treffen teilgenommen haben. Baitullah Mehsud sollte umgestimmt werden seinen Terrorkrieg weniger auf den pakistanischen Staat und seine Anführer als vielmehr auf Afghanistan und die dortigen NATO-Truppen zu konzentrieren. Die “Tehrik e-Taliban” hätte sich schon viel früher auf die ausländischen Feinde im Nachbarland stürzen sollen, als einen innerstaatlichen Konflikt mit der Regierung in Islamabad ausufern zu lassen.
Dass die Vermittlungs- und Überzeugungsversuche wohl wenig hilfreich waren eine drohende Offensive in FATA abzuwenden zeigen die Ergebnisse der letzten 24 Stunden.

Wednesday, June 17, 2009

Die Zukunft Al Qaidas


Zwei deutsche Bibel-Studentinnen, weitere europäische Geiseln werden im Jemen vermisst. Mörder und Geiselnehmer bleiben unbekannt, niemand übernahm Verantwortung für die schreckliche Bluttat vom Montag, keine Terrororganisation bekannte sich zur Entführung, Hinweise auf kriminelle Täter bleiben Theorien.


Ob nun Al Qaida´s saudisch-jemenitischer Ableger hinter der Ermordung und dem Kidnapping der Ausländer-Gruppe im Jemen verantwortlich ist oder nicht. Diese Ereignis, genau wie andere in jüngster Vergangenheit sind symbolisch für eine Entwicklung des Terrornetzwerkes die Sorge bereitet.
Die Al Qaida des 11.Septembers 2001 war bereits eine andere als die Organisation es in den späten 1990er Jahren war. Im Laufe des Antiterrorkrieges der USA und ihrer Verbündeter entstand aus dem globalen Dschihad-Netzwerk von Osama Bin Laden ein völlig neues Wesen, eine Bewegung der radikalsten Islamisten, deren Ideologie in einer Art Franchise-System mehrere Länder und Krisenherde infizierte.

Die Zeiten in denen jene Extremisten die in den Heiligen Krieg ziehen wollten in die Lager in Afghanistan reisten, dort monatelang unter Taliban-Herrschaft in einem Sharia-Paradies, trainierten und danach nach Tschetschenien, Bosnien oder ihre europäischen und arabischen Heimatländer zurückkehrten, sind längst vorbei.
Veranlasst sich durch den Sturz des Taliban-Regimes neue Trainingsgebiete zu suchen, schlugen die Bin Laden Anhänger ihre Camps in den pakistanischen Stammesgebieten auf. Wer auf den Schlachtfeldern Afghanistan gegen die NATO kämpfen will, lässt sich seit 2003 in den dortigen Terrorschulen ausbilden. Dutzende, vielleicht hunderte solcher Einrichtungen finden sich in den Herrschaftsgebieten der örtlichen Taliban-Kommandeure zwischen Swat und Belutschistan.
Die Mehrheit der derzeit aktiven Dschihadisten, inklusive europäischer und auch deutscher Islamisten, hat hier den terroristischen Schliff erhalten und wurde ideologisch weiter radikalisiert. Die Attentäter der Anschläge von London, viele in Europa verhaftete Terroristen und eine Reihe der islamistischen Kämpfer die im Irak starb, haben Lager in Waziristan besucht.

Inzwischen gehört aber auch dieses Al Qaida System langsam aber sicher der Vergangenheit an. Der militärische Druck, in erster Linie durch die Drohnenangriffe der US-Armee und des pakistanischen Militärs, auf die Gotteskrieger in den Stammesgebieten wächst, in einigen Teilen des Landes finden blutige Machtkämpfe zwischen Pakistans Armee und den Taliban-Fürsten statt, die Islamisten büßen gerade im Norden mehr und mehr Einflussgebiet ein.

Tausende Kilometer entfernt aber funktioniert das System der ideologischen und organisatorischen Expansion in erstaunlich guter Weise. Al Qaidas bisher erfolgreichster Spross fern des Hindukusch war der Ableger der Organisation im Irak. Von Abu Mussab al Zarqawi zusammengeführt entwickelte sich die “Al Qaida im Zweistromland” zum schlagkräftigsten Terrornetzwerk im Nahen Osten. Hunderte Selbstmordanschläge, spektakuläre Angriffe auf US-Basen, Gefängnisse, Hotels mitten in Bagdad, Entführungen und Enthauptungen vor laufender Kamera - alles was Zarqawis Gruppe innerhalb weniger Jahre auf furchtbarste Weise vollbrachte wies die bisherigen Terroristen der Region, Hamas, Hisbollah und PKK, in den Schatten der Al Qaida zurück.
Unterstützt von einem Strom Freiwilliger aus der arabischen Welt etablierte sich der irakische Zweig von Bin Ladens Gruppierung, als gefährlichste Kraft im Post-Saddam-Irak. Abu Mussab al Zarqawi wuchs zu einem Helden der Dschihad-Szene heran, sein Charisma, seine maßlose Brutalität und Rücksichtslosigkeit, brachten ihn mit Osama Bin Laden auf ein Popularitätslevel. Getötet von amerikanischen Bomben im Juni 2006 verschwand mit Zarqawi die wohl charismatischste und karrieremäßig erfolgreichste Führungsperson des modernen Dschihad. Für seine Anhänger stieg er zum verehrten Märtyrer auf, die Realität auf dem Boden aber ließ sein Lebenswerk, die Al Qaida im Irak, zusammenbrechen. Große Anschläge gegen schiitische Zivilisten sollten einen Bürgerkrieg entfachen der sich wie ein Buschfeuer über das ganze Land ausbreitete, die irakische Gesellschaft durchzog und für eine katastrophale Sicherheitslage sorgte. Problematisch wurde es als die sunnitische Bevölkerung, die Basis für den Erfolg der irakischen Terrorgruppen, der Gewalt durch racheübende, schiitische Milizen ausgesetzt waren, nur noch durch brutale Maßnahmen zur Unterstützung der Dschihadisten gebracht werden konnte. Iraks Sunniten wendeten sich, auch gesponsert durch amerikanische Bezahlung, gegen die islamistischen Kämpfer. Woche für Woche melden seitdem die irakischen Sicherheitskräfte Erfolge im Kampf gegen Al Qaida, die seit zwei Jahren den Namen “Islamischer Staat im Irak” trägt und an Mitgliederschwund leidet. Führungsfehler, strategische Unfähigkeit, ein Mangel an Rekruten, Finanzen und Unterstützung durch örtliche Bevölkerung lassen die Organisation seit gut anderthalb Jahren einen schrittweisen Tod sterben. Militärisch gilt Al Qaida im Irak als besiegt, terroristisch sollte man die Gotteskrieger und ihren kamerascheuen Anführer Abu Hamza al Muhajir nicht. Immer noch sind die verbleibenden Zellen in der Lage Selbstmordanschläge zu verüben, die Gefahr eines ausufernden Bürgerkrieges zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden scheint noch lange nicht gebannt.

Im achten Jahr nach dem 11.September stellt Afghanistans Al Qaida ein Monster dar, dessen viele Köpfe über den Globus verteilt sind und längst nicht mehr auf eine zentrale Führung angewiesen sind. Osama Bin Laden und sein Vize Ayman al Zawahiri dienen heute nur noch als ideologische Wegbereiter, äußern sich regelmäßig in Video-und Audiobotschaften aus ihren Verstecken heraus zu aktuellen Themen der Weltpolitik. Zusammen mit dem inoffiziellen religiösen Schirmherr, Abu Yahya al Libi, verfehlen die Propagandaproduktionen jedoch nicht.
Al Qaida hat Metastasen gebildet, die derzeit aufstrebendste in Nordafrika. Die ursprünglich in Algerien ansässige “Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf” hat sich zur “Al Qaida im Islamischen Maghreb” gewandelt, wächst seitdem und lässt durch Videos und Nachrichtenmeldungen die ganze Welt wissen dass sich in Algerien, Tunesien, Marokko, Libyen, Mauretanien, Tschad, Niger und Mali ab sofort kampfbereite Gotteskrieger nach den Befehlen Bin Ladens richten, europäische Touristen entführen, jüngst eine britische Geisel ermordeten, Suizidbomber gegen westliche Ziele und nordafrikanische Sicherheitskräfte einsetzen. In manchen Gegenden der Maghreb-Region herrschen tatsächlich schon “afghanische Zustände”, Geheimdienste von Washington bis Paris sprechen von einer wachsenden terroristischen Gefahr für Europa.
Nicht nur die “Al Qaida der Maghreb” macht im Jahr 2009 den Anti-Terror-Kämpfern große Sorgen. Gruppen im Libanon, in den palästinensischen Gebieten, in Somalia und dem Jemen haben sich dem Terrornetzwerk angeschlossen. Vorgestern erst schworen die Anführer der somalischen Shabaab-Miliz den Treueseid auf Bin Laden und traten damit in die Al Qaida-Familie ein.
Unter dem Namen “Fateh al Islam” kämpfen seit Jahren radikale Sunniten im multi-religiösen Zedernstaat Libanon den Dschihad. Aus den palästinensischen Flüchtlingslagern wie Nahr el Bared und Ain al Hilweh rekrutieren die Islamisten mehr und mehr Kämpfer, liefern sich immer wieder heftige Gefechte mit der libanesischen Armee die um die wachsende Terrorgefahr in den Palästinenser-Slums weiß. Bald schon wird die Gruppe ihren Namen ändern, unter Al Qaida Flagge kämpfen und eine Zweigstelle des Dschihad in unmittelbarer Nähe zum verhassten Zionisten-Staat Israel darstellen. Erste Bekennerschreiben nach Raketenangriffen aus dem Südlibanon auf israelische Dörfer enthielten bereits die Unterschrift der “Al Qaida in Levant”.
Erste Befürchtungen die Ideologie des weltweiten Dschihad könnte auf die Palästinensergebiete übergreifen bewahrheiten sich zunehmend. Noch nicht in der Westbank, wohl aber im Gaza-Streifen verzeichnen die israelischen Geheimdienste wachsende islamistische Aktivitäten außerhalb der Hamas-Bewegung. Ideologisch gesehen ist die in Gaza aktive “Jund Ansar Allah”, eine Weiterentwicklung der ehemaligen “Jaish al Islam”, viel radikaler, viel weniger kompromissbereit als die Islamisten der Hamas. Talibanähnliche Ansichten warben den großen palästinensischen Widerstandsfraktionen frustrierte, ultrareligiöse Mitglieder ab. Gesponsert durch ausländische Geldgeber findet man heute im Gaza-Streifen einen offizielle palästinensische Al Qaida Filiale, deren Anführer “Abu Abdullah al Muhajir” sogar ein ausländischer Extremist sein soll, der zusammen mit mehreren internationalen Terroristen über die ägyptische Grenze nach Gaza gelangt sein soll als diese in der Vergangenheit mehrfach freien Personenverkehr zuließ.
In den Salafisten der “Jund Ansar Allah” sieht die Hamas-Regierung einen lästigen Konkurrenten, der das internationale Bild vom islamistischen Terror der Palästinenser nährt, den Israelis Argumente liefert von einer direkten Al Qaida Gefahr vor der eigenen Haustür zu sprechen.
Während der letzten Militäroffensive Israels, der Operation “Gegossenes Blei” Anfang des Jahres, sollen gar Mitglieder des bewaffneten Hamas-Flügels stadtbekannte Anhänger der salafistischen Gruppen gezielt ermordet haben, Fotos der exekutierten, langbärtigen Islamisten fanden sich später auf etlichen Al Qaida-nahen Internetseiten.

Längst angekommen sind die Ableger des Terrornetzwerkes im ärmlichen Süden der arabischen Halbinsel. Traditionell von einem konservativen, wahhabitisch beeinflussten Islam geprägt schlossen sich einheimische und ausländische Fundamentalisten unter der Führung des ehemaligen Bin Laden Sekretärs “Abu Basir” im Jemen zusammen, formten die “Al Qaida auf der arabischen Halbinsel” und erreichten somit eine Art Wiederbelebung der ursprünglichen saudischen Bewegung der Al Qaida verbündeten “Al Haramain-Brigade”, die durch den Anti-Terror-Kampf des saudischen Königshauses in den letzten Jahren ihren Todesstoß erhielt und sich in das südliche Nachbarland ohne wirkliche Regierungskontrolle über die nördlichen Provinzen zurückziehen musste.
Hier errichtet Al Qaida seit Jahren nun schon eine feste Bastion, ohne große Kenntnisnahme der Geheimdienste, ungehindert von den jemenitischen Sicherheitskräften, teilweise sogar mit der Duldung der Regierung von Präsident Saleh. Terrorlager in den Bergen außerhalb der Hauptstadt Sanaa sollen mehrere hundert Islamisten aus der ganzen arabischen Welt ausbilden, die dortigen Kommandeure schickte die Al Qaida Führung aus Pakistan, Afghanistan und dem Irak an den Persischen Golf um in Reichweite der strategisch extrem empfindlichen saudischen Öl-Industrie einen Dschihad fortzusetzen der wahrscheinlich jüngst zwei deutschen Bibel-Studentinnen und einer südkoreanischen Lehrerin das Leben kostete.

Beobachter gehen davon aus dass die Expansion der von Osama Bin Laden in eine Form gebrachten Ideologie längst nicht abgeschlossen ist. Wandelbar und anpassungsfähig verfolgt Al Qaida die Strategie vom Feind unbemerkt Rückzugsgebiete zu erschließen, Kämpfer auszubilden und dann dort zuzuschlagen wo es am wenigsten erwartet wird. Regionen wie Westafrika, die muslimischen Landesteile Nigerias, Malis, des Senegals, Nigers und des Tschad hat Al Qaida seit geraumer Zeit ins Auge gefasst, von Somalia aus drohen die Islamisten nach Kenia einzusickern, es gibt Berichte über erste Trainingscamps in der von Uiguren bewohnten chinesischen Provinz Xinjiang, Sprecher der “Islamischen Partei Turkestans” tauchten in Propagandavideos auf, beschworen ihre Treue zu Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Omar. Bombenanschläge und Attentate in Usbekistan, Tadschikstan und Turkmenistan weisen auf Aktivitäten der Dschihadisten in Zentralasien hin.
Auf den Philippinen scheint der Konflikt zwischen der Regierung den islamischen Kampfgruppen der “Moro Befreiungsfront” und der kriminell agierenden “Abu Sayyaf” längst nicht beendet zu sein. Vermehrt kam es auch hier zu Gefechten mit Islamisten im Dschungel des Inselreiches.
Al Qaida´s Appell an die türkischen Unterstützer Geld für den Dschihad bereit zu stellen könnte Hinweis darauf sein dass der europäischste aller muslimischen Staaten neues Rekrutierungsfeld des Terroristen sein könnte. Die Zahl der in Afghanistan und Pakistan getöteten türkischen Kämpfer jedenfalls würde dies untermauern.

Sehen den weltweit gefährlichsten Zusammenschluss gewaltbereiter islamischer Extremisten acht Jahre nach 9/11 geschwächt, in einigen Teilen des Globus gar auf der Flucht oder zumindest in der Defensive, so sprechen die weltpolitischen Ereignisse der jüngsten Zeit eine andere Sprache. Al Qaida´s Zukunft wird gerade erst geschrieben, von Vernichtung ist noch nichts in Sicht, temporäre Siege über die militanten Islamisten täuschen über das Gesamtbild hinweg. Weder Osama Bin Laden, noch Ayman al Zawahiri wurden getötet oder verhaftet, Ex-Präsident Bush musste vor seinem Erzfeind von der Weltbühne verschwinden und Europas Geheimdienste kämpfen fieberhaft gegen eine Flucht von Drohungen und Anschlagsplanungen. Wie so oft, leben tot Geglaubte eben doch länger.

Monday, June 15, 2009

Starben deutsche Geiseln durch Al Qaida?


BILD NEWS-TICKER:

Montag, 15. Juni 2009, 12:29 Uhr
Im Jemen sind die Leichen von drei Deutschen erschossen aufgefunden worden, die am vergangenen Freitag nördlich von Sanaa verschwunden waren. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben eines Sicherheitsbeamten in Sanaa um drei Frauen. Anderen Meldungen zufolge seien insgesamt sieben der neun im Jemen entführten Ausländer tot



15. Juni 2009, 12:30 Uhr

Im Jemen sind nach Angaben eines Sicherheitsbeamten die Leichen von drei Deutschen erschossen aufgefunden worden. Sie waren möglicherweise am Freitag verschleppt worden. Allerdings hatte es nie Lösegeldforderungen gegeben.

Unbekannte haben im Jemen drei deutsche Frauen getötet, die am vergangenen Freitag nördlich von Sanaa verschwunden waren. Das sagte ein hochrangiger Beamter des jemenitischen Innenministeriums. Die Leichen wurden seinen Angaben zufolge in der Provinz Saada gefunden. Die Frauen seien durch Schüsse getötet worden, hieß es. Vom Auswärtigen Amt liegt bisher keine Stellungnahme dazu vor.

http://www.welt.de/politik/article3928023/Drei-der-im-Jemen-entfuehrten-Deutschen-angeblich-tot.html


Der Jemen gehört auf der Liste der Länder in denen das Risiko als westlicher Tourist entführt zu werden, zu den Top 5. Nirgends sonst in der arabischen Welt werden so oft Ausländer als Geiseln verschleppt und dann in Stammeskonflikten und der Lösegeld-Maschinerie als Ware gehandelt.
Am Freitag entführten unbekannte eine Gruppe deutscher Staatsbürger nördlich der Hauptstadt Sanaa. Insgesamt sieben Deutsche, darunter ein Ehepaar und ihre drei Kinder sowieso eine Südkoreanerin und ein Brite sollen sich unter den neun verschwundenen Personen befinden.
Ort der mutmaßlichen Entführung ist die Provinz Amran, nördlich von Sanaa. Noch bevor irgendwelche Informationen über die eventuellen Geiselnehmer auftauchten teilte das jemenitische Innenministerium mit, die Deutschen seien von den zaiditischen Rebellen des Houthi-Stammes entführt wurden. Die Klans der schiitischen Sekte befinden sich seit Jahren im Aufstand gegen die Regierung von Präsident Abdullah Saleh und nutzen mehrfach europäische Geiseln um Stammesangehörige aus Gefängnissen freizupressen und den militärischen Druck auf ihre Heimatregion zu verringern.
Jemens Regierung führt immer wieder Krieg gegen die schiitischen Rebellen, deren Verbreitungsgebiet sich hauptsächlich auf den bergigen Norden des Landes beschränkt. In der Gegend in der heute einheimische Hirten die Leichen von drei deutschen Frauen fanden, befindet sich allerdings der Ort Al Nashour, ein Rückzugsgebiet und Aufenthaltsort saudischer, kuwaitischer und jemenitischer Al Qaida Kommandeure.



Anders als in den vorangegangenen Fällen dementierte die Führung der Rebellenorganisation sofort etwas mit einer Entführung zutun zu haben. Man sei nicht für das Verschwinden der Europäer verantwortlich.
Die Reihen der Verdächtigen lichten sich also zunehmend. Bewahrheitet sich die schlimmste Befürchtung, dann könnte sich am Ende Al Qaida als verantwortliches Element herausstellen. Im Zuge des weltweiten Franchising-Prinzips des Terrornetzwerkes wächst seit Jahren im Jemen die Organisation heran die sich seit letztem Jahr offiziell “Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel” nennt, und einen Dschihad vom Jemen aus, auch gegen das saudische Regime führen will. Experten zufolge ist der jemenitische Al Qaida Ableger inzwischen derart gefährlich und gewachsen, dass ausländische Kämpfer von Afghanistan aus in den Jemen reisen um dort im Heiligen Krieg zu kämpfen.

Ich berichtete über die wachsende Gefahr durch die jemenitischen Islamisten bereits im März.
Noch
gibt es keine Bestätigung dafür dass Al Qaida für den Tod der deutschen Staatsbürger verantwortlich sein könnte, Audiobotschaften und schriftliche Statements der Gruppe im Internet lassen allerdings darauf schließen dass eine Entführung in die Taktik zur Intensivierung des Dschihad in der Region passen würde. Geiseln ohne Forderung, ohne Videobotschaft oder auch nur Bestätigung zu erschießen passt trotz aller Verdachtsmomente nicht in das Schema der Bin Laden-Jünger.
Möglicherweise handelten die Terroristen aus Rache. Gestern erst meldete das Innenministerium jemenitische Sicherheitskräfte hätten am Freitag östlich der Hauptstadt einen gesuchten hochrangigen Al Qaida Finanzier verhaftet. Hassan Hussein Bin Alwan, ein saudischer Staatsbürger, soll Hauptverantwortlicher gewesen sein für globale und regionale Finanztransaktionen, die Versorgung der verschiedenen mit Al Qaida allierten Gruppierungen in der Region mit Geld und Material.
Es wäre nicht überraschend, sollte Al Qaida im Nachhinein ein Statement oder sogar Videomaterial liefern, in dem verdeutlicht die Deutschen wären aufgrund des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr hingerichtet worden.

Damit wird klar wovor Geheimdienstler warnten: Al Qaida wird versuchen durch gezielte Anschläge und Entführungen von deutschen Staatsbürgern die Bevölkerung der BRD im Wahljahr 2009 zu beeinflussen.

Friday, April 24, 2009

Trotz Medieninteresse: Nur einer unter vielen



Stürzt sich die Presse auf reale, faktenbezogene, relevante Meldungen wenn es beispielsweise um die Sicherheitslage in der BRD geht oder die Herausforderungen durch den islamistischen Terrorismus? Eher weniger, wie sich heute wieder zeigte. Begonnen hatten die Berichte über ein angeblich neues Terrorvideo mit Bezug auf Deutschland im Nachrichtenticker von BILD.de am späten Nachmittag. Dem ARD-Hauptstadt Studio liege ein Video vor welches man der Al Qaida zuordne, in dem ein maskierter Mann mit Namen „Abu Hamza der Deutsche“ Anschläge in Europa ankündige.

Schnell folgten Artikel auf WELT.de und SPIEGEL Online die alle auf die Sensationsmache aufsprangen und trotz der wenigen wirklich gelieferten Informationen, auch ohne Bild- oder Videomaterial, wieder einmal das terroristische Schreckgespenst an die Wand malten:


"Die Mudschahidin sind unterwegs zu euch": In einem Propaganda-Video des Terrornetzwerks al-Qaida tritt ein bisher nicht identifizierter deutschsprachiger Mann auf. Er nennt sich "Abu Hamza" und droht mit Terroranschlägen in Europa - als Vergeltung für die dänischen Mohammed-Karikaturen.

Berlin - Das Video, in dem "Abu Hamza, der Deutsche" auftritt, ist fast anderthalb Stunden lang. Doch der junge Mann, der im Kreise ebenfalls vermummter Kämpfer gezeigt wird, ist nur für ganze zehn Sekunden zu hören. "An die Europäische Union und alle ihre Verbündeten, die die Amerikaner unterstützen", richtet er seine Worte. "Die Mudschahidin sind unterwegs zu euch und wir werden euch alle vernichten. Und an erster Stelle natürlich Dänemark und Holland, die unseren Propheten beschimpfen."

Außer seinem Kampfnamen werden keinerlei Details über "Abu Hamza, den Deutschen" präsentiert. Deutsch scheint nicht seine Muttersprache zu sein, trotzdem spricht er es flüssig."(SPIEGEL ONLINE)


Ganz real betrachtet ist das besagte Video bei dem es sich um eine Produktion von As Sahab handelt nicht um neues Material. Seit über einer Woche besitze ich das gut anderhalbstündige Video, ein qualitativ herausragende Aufnahme die professionell bearbeitet wurde und DVD Bild- und Tonqualität aufweist. Es ist eine der längsten As Sahab Produktionen überhaupt, ein propagandistischer Mix aus Pseudo-Geschichtsstunde, islamistischer Aufklärung, Predigten, Aufzählung der Dschihad-Erfolge und gefilmten Anschlägen, Feuergefechten und Waffenschau. Erst im letzten Drittel des Videos, nach dem Auftauchen von Al Qaida Größen wie dem Amerikaner Adam Gadahn („Abu Azzam al Amriki“), Abu Yayha al Libi, Mustafa Abu al Yazid, Audiobotschaften von Osama Bin Laden und seinem Vize Ayman al Zawahiri, erscheint eine Gruppe von vermummten Mujaheddin, die nachts, auf dem Boden sitzend gefilmt wurden. Vermutlich sind sie Teil der Al Qaida Kampfeinheiten die aus der ehemaligen „Brigade 055“ entstanden sind und inzwischen vereinzelt im Kampfgebiet Afghanistan und Pakistan zum Einsatz kommen, oft unterstützend an der Seite der Taliban, meist jedoch in schwierigeren, gefährlichen „Spezialmissionen“.

Afghanische und pakistanische Geheimdienste machten die Truppe vor etwa zwei Jahren als neu gegründete „Lashkar al Zil“ (Schattenarmee) aus, eine internationale Söldnereinheit von todeswilligen Dschihadis aus aller Welt die direkt dem militärischen Al Qaida Kommando unterstellt sind. Glaubt man den Berichten über die Schattenarmee handelt es sich dabei um die fähigsten, fanatischsten und best trainierten Gotteskrieger im Krisengebiet.

Als einer ihrer Kämpfer kommt im besagten Video eine maskierte Person vor, die als „Abu Hamza al Almani“ identifiziert wird und nur gut 10 Sekunden lang der europäischen Union, besonders Dänemark und den Niederlanden droht. Sein Deutsch scheint fließend zu sein, nicht jedoch ohne ausländischen Einfluss.

Anders als der bisher in As Sahab Videos als Sprecher fungierende Abu Talha (Bekkay H.) ist Abu Hamza Teil der kämpfenden Einheit, wird daher nicht propagandistisch ausgeschlachtet und zum Werkzeug von Al Qaida um neue Rekruten zu werden.

Dass ein europäischer Mujahed auf dem Schlachtfeld des Dschihad physisch kämpft, kein Propagandawerkzeug ist und anscheinend auch nicht als wertvoller Kandidat für internationale Anschläge ausgebildet wird kann nur ein Anzeichen dafür sein dass das Terrornetzwerk nicht unter einem Rekrutenmangel leidet. Vom Verfassungsschutz heißt es man beobachte eine stetige Zahl von deutschen Staatsbürgern die in die Ausbildungscamp in den pakistanischen Stammesgebieten reisen. Etwa 40 Islamisten seien bekannt die sich derzeit in dieser Region der Welt aufhalten, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Problematisch werden nicht diejenigen die sich filmen lassen, teilweise sogar ihre Identität preisgeben und dann eventuell ihren erhoffen „Märtyrertod“ in den Kugeln und Bomben der NATO und pakistanischen Armee sterben, sondern diejenigen die in keinem Video auftauchen, die in ihre Heimatländer zurückkehren mit dem Ziel dort Terror im Herzen der Anti-Terror-Allianz zu entfachen. Sie bleiben gesichts- und namenlos für die Geheimdienste und Sicherheitskräfte Europas bis ihre Bomben explodiert sind.