Der US-Fernsehsender ABC wartete vor wenigen Wochen mit einem Stück islamistischer Propaganda auf, das zumindest in den amerikanischen Medien für Aufsehen sorgte. Ein Video der jemenitischen al-Qaida zeigte den nigerianischen Flugzeugbomber Umar Farouq Abdulmutallab, der am Weihnachtstag 2009 versuchte eine US-Passagiermaschine über Detroit mit einem Sprengsatz in seiner Unterwäsche, in die Luft zu sprengen.

Gestern veröffentlichte die "al-Qaida der Arabischen Halbinsel" das volle, 53minütige Propagandavideo, das ABC über einen jemenitischen Kontakt erhalten haben will. Neben Abdulmutallabs Aufenthalt in einem al-Qaida Trainingslager in der jemenitischen Wüste, sind im aktuellen Video mit dem Titel "Amerika und die letzte Falle" auch mehrere Anführer der Terrororganisation zu sehen, darunter zwei neue Gesichter.


Ein langhaariger, 36jähriger Jemenit namens Uthman al-Ghamdi entpuppt sich als ehemaliger Guantánamo-Häftling, der erst im Jahre 2006 freigelassen und nach Saudi-Arabien abgeschoben wurden. Das Königreich führt den in der jemenitischen Provinz Shabwa geborenen al-Qaida Mann auf der "Most-Wanted" Liste.
Uthman al-Ghamdi - 2006 aus Guantánamo entlassen
Überraschend erscheint auch ein vom FBI gesuchter Terrorist namens Fahd al-Ouso vor der Propaganda-Kamera der jemenitischen al-Qaida. Al-Ouso war von einem New Yorker Gericht wegen Mittäterschaft am Anschlag auf den US-Zerstörer USS Cole im Hafen von Aden am 12.Oktober 2000, verurteilt worden. Der 36jährige Jemenit soll im Januar 2000 am sogenannten "Malaysia-Meeting" der al-Qaida teilgenommen haben. Anwesend waren damals u.a. zwei 9/11 Attentäter und die Chefplaner des Terrornetzwerkes.
Fahd al-Ouso - Hintermann des Cole-Anschlages im Oktober 2000
Al-Ouso stammt aus Aden und ist ein Mitglied des mächtigen Awlaki-Stammes, dem auch der US-Prediger Anwar al-Awlaki angehört.
Vom nigerianischen Möchtegern-Flugzeugbomber Abdulmutallab zeigen die Islamisten neben einer kurzen Szene aus einem Terrorcamp irgendwo in der jemenitischen Wüste, nur eine kurze Abschiedsbotschaft. Der Bankierssohn und selbsternannte Gotteskrieger stottert in Arabisch seine Märtyrer-Rede herunter und ist sichtlich bemüht die Koran-Stelle fehlerfrei zu rezitieren.
Einst vegetierte er in einer Zelle des US-Gefangenenlagers Guantanamo vor sich hin, inzwischen ist Said al Shihri alias "Abu Sufiyan" einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Al-Shihri fungiert derzeit als militärischer Chef der jemenitischen al-Qaida und meldete sich heute in einer neuen Tonbandbotschaft zu Wort.
Said Ali al-Shihri
Hauptthema der Propagandanachricht ist ein Aufruf zum Dschihad auf der Arabischen Halbinsel gegen amerikanische Interessen. Der Dschihad sei Pflicht und müsse gegen Christen und Juden geführt werden. "Amerikanische und Kreuzritter-Interessen und ihre Agenten finden sich überall", erklärt der Ex-Guantanamo-Häftling. Wo immer sie zu finden seien müssten die Gotteskrieger "so viele Feinde wie möglich vernichten."
Umar Farouq Abdulmutallab bei seiner Verhaftung 25.Dezember 2009
An "die Führer des Dschihad in Khorasan" gerichtet erwähnt al-Shihri den gescheiterten Detroit-Attentäter Umar Farouq Abdulmutallab: "Wir gratulieren den Führern des Dschihad (Osama Bin Laden) und der Ummah zur gesegneten Operation des Helden Umar Farouq".
Amerika, so heißt es am Ende der Audiobotschaft in einem Bin Laden Zitat, werde "niemals Sicherheit erleben bis wir in einem freien Palästina leben".
Im Jemen rufe er die Stämme auf al-Qaida und den Dschihad gegen die korrupten Regime, Marionetten und Sklaven Amerikas zu unterstützen. Die Bombardierung von Zivilisten zeige das wahre Gesicht der jemenitischen Regierung.
Lange rätselten Terrorexperten, Geheimdienstler und Journalisten. Hatte der gescheiterte Flugzeugbomber von Detroit, Umar Farouk Abdulmutallab Kontakt zum jemenitischen Prediger und US-Staatsbürger Anwar al-Awlaki?
Der scheue Imam äußerte sich jetzt erstmals selbst und gewährte dem jemenitischen Journalisten Abdulelah Shay´a ein seltenes Interview.
Anwar al-Awlaki, US-Staatsbürger und al-Qaida Sympathisant
Awlaki lebt seit Jahren mit seiner Familie im jemenitischen Exil und gilt als unauffindbar und von Angehörigen seines Stammes geschützt. Durch den E-Mail Kontakt zwischen ihm und dem Amokschützen von Fort Hood, Major Nidal Hasan, gilt Anwar al Awlaki den US-Behörden als gefährlicher Anwerber im Auftrag al-Qaidas. Seine Sympathie für die militanten Islamisten verschwieg Awlaki nie, nannte Hasan nach seiner Bltutat einen "Helden" und erklärte der Dschihad gegen amerikanische Soldaten sei nicht nur erlaubt sondern eine Pflicht.
Der aus New Mexico stammende Sohn eines ehemaligen jemenitischen Ministers soll mittlerweile zum Kern der al Qaida auf der arabischen Halbinsel gehören und als einer ihrer spirituellen Köpfe agieren.
Dass auch der nigerianische Attentäter von Detroit mit Awlaki in Verbindung stand bestätigten zunächst US-Geheimdienstler, später dann auch jemenitische Quellen. Abdulmutallab soll zweimal im Zuge eines Sprachstudiums in den Jemen gereist sein, das letzte Mal im Herbst 2009. Damals verbrachte er mehrere Monate im Land, und besuchte u.a. das Sanaa Language Institute in der Hauptstadt und das Al-Eman Islamzentrum des mächtigen Sheikhs al Zindani.
Mit-Studenten Abdulmutallabs erinnern sich an den Bankierssohn als einen unauffälligen und freundlichen jungen Mann. Erst kürzlich meldete der britische TV Sender Channel 4 News, ihr jemenitischer Korrespondent habe Abdulmutallab persönlich in einem Kaffee in Sanaa zum Interview getroffen. Das Gespräch habe im Rahmen eines Beitrages über die ausländischen Studenten im Jemen stattgefunden und Abdulmutallab habe nichts von seiner radikalen Überzeugung durchblicken lassen.
Jetzt meldete der wohl kenntnisreichste Experte zum Thema der al-Qaida im Jemen, Abdulelah al-Shay´a zu Wort. Der u.a. für Al Jazeera tätige Journalist traf bisher als einziger außenstehender den Anführer der jemenitischen al-Qaida, Nasir al-Wuhayshi alias "Abu Basir" im März 2009 zum Interview. Shay´a, der einem der einflussreichsten Sunniten-Stämme des Jemen angehört, verfügt über sehr gute Kontakt in die islamistische Szene seiner Heimat und spürte im Dezember 2009, kurz nach US-Luftangriffen auf mehrere al-Qaida Trainingslager den Prediger Anwar al-Awlaki auf.
Journalist Abdulelah al-Shay´a
und al-Qaida Führer Nasir al-Wuhayshi
Zum ersten Mal äußerte sich der Imam damals gegenüber al-Shay´a zu den Vorwürfen, er habe den Fort Hood Schützen Major Hasan zu seiner Tat getrieben. Er habe in der Tat über 80 E-Mails mit Hasan ausgetauscht, gab Awlaki zu, in einigen habe der Major ihn gefragt ob es erlaubt sei US-Soldaten zu töten und ob Muslime in einem "ungläubigen Militär" dienen dürften. Awlaki beteuerte aber er habe von den Plänen Hasans nichts gewusst und ihn auch nicht angestiftet. Hasans Tat zu verurteilen liege ihm allerdings fern, denn er habe nach besten islamischem Gewissen gehandelt.
Nun gelang es Abdulelah al-Shay´a erneut den verstecklebenden Prediger eine Stellungnahme zu entlocken. In einem auf Tonband aufgezeichneten Interview erklärte Awlaki vergangene Woche: "Umar Farouq ist einer meiner Studenten, ich stand in Kontakt mit ihm." Der Salafist ging sogar noch weiter: "Ich unterstütze was er getan hat, weil Amerika Israel im Töten der Palästinenser unterstützt und in Afghanistan und im Irak selbst Zivilisten ermordet."
Umar Farouq Abdulmutallab in al-Qaida Propaganda-Montage Der 38jährige US-Jemenit wies jedes Mitwissen um Abdulmutallabs geplanten Anschlag zurück: "Ich habe ihm nicht gesagt dass er diese Tat ausführen soll, aber ich unterstütze sie...Ich bin stolz auf Umar Farouq."
Darüber hinaus dementierte Awlaki Berichte wonach die jemenitische Regierung mit seinem Stamm über seine Auslieferung verhandeln soll. Laut Awlaki gäbe es keine derartigen Verhandlungen und niemand im Jemen wolle ihn ausliefern.
Nach wochenlangen blutigen Unruhen im Norden Nigerias, bei denen hunderte Muslime und Christen ums Leben kamen, äußert sich nun der nordafrikanische Ableger Al Qaidas, die "al Qaida im Islamischen Maghreb" in einem Internetstatement zu den Vorfällen.
Der Anführer der nordafrikanischen al Qaida, Sheikh Abu Mus´ab Abdul Wadood erklärt, die Unruhen seien Massaker an nigerianischen Muslimen ähnlich wie sie bereits in der spanischen Inquisition oder in Bosnien verübt wurden. Er macht den Hass der Christen auf den Islam und die Muslime als Ursache aus und stellt klar das Blut der nigerianischen Muslime sei genauso wertvoll wie jenes der Palästinser, Iraker und Afghanen.
In Nigeria müsse ein Dschihad zur Verteidigung der Muslime geführt werden und daher stehe al Qaida den Nigerianern bei. Die Organisation sei bereit die "Söhne Nigerias auszubilden und zu bewaffnen" heißt es. Nigeria sei Teil des Dschihad und immerhin auch das Geburtsland des "Helden Umar Farouk Abdulmutallab", schreibt der Islamistenführer.