Ein Al Qaida Video vor wenigen Wochen, zeigte in einer unscharfen Schlussszene einer Ramadan-Predigt von Abu Yahya al Libi, einen bärtigen Mann, der Osama Bin Laden verblüffend ähnlich sieht. Es stellte sich die Frage ob Al Qaida mit der absichtlich unscharf gefilmten Szene Verwirrung stiften wollte oder gar ein neues Videostatement des Terrorchefs ankündigte.

Inzwischen wurde ein weiteres Propagandavideo veröffentlicht, wieder zeigt es eine Eid al Fitr Predigt, diesmal nicht in den pakistanischen Stammesgebieten, sondern - laut Sprecher - in Afghanistan. Der kuwaitische Islamist und ehemalige Offizielle des Ministeriums für Religiöse Angelegenheiten, Sheikh Khalid Abdur Rahman al Husainan hält eine feurige Rede irgendwo in den afghanischen Bergen, im Publikum mehrere bärtige, junge Männer, einige von ihnen maskiert.

Auffällig ist vor allem eine Person, die in Kleidung und Körperbau dem Bonner Islamisten Bekkay Harrach ähnlich sieht. Vergleicht man die Aufnahme vom Januar mit diesem Video, stellt man fest dass es sich durchaus um den Deutsch-Marokkaner handeln könnte. Wieder verleitet die Art und Weise wie der Al Qaida Kamera die Predigt filmte, die Zuhörerschaft absichtlich unkenntlich macht, sobald die Kamera auf sie schwenkt, zur Frage: Soll eine "wichtige" Führungsperson der Al Qaida unerkannt bleiben? Soll der Feind verwirrt werden? Will Al Qaida mit der Ungewissheit Angst schüren?
In der Tat wäre es sehr verwunderlich Harrach auf dem Schlachtfeld, noch dazu in Afghanistan anzutreffen, undenkbar ist bei weitem nicht. Immerhin hat es jene Person des Harrach-Lookalikes sogar auf den Werbebanner des Videos der As Sahab Produktion geschafft. Das Gesicht bleibt unkenntlich, der maskierte Mann bleibt reiner Zuhörer, spricht kein Wort.
Geheimdienstler und Amateur-Analytiker werden das Stück auswerten. Von der Relevanz her, kann es sicherlich vernachlässigt werden. Faszinierend an der Person des Bonner Dschihadisten ist sicherlich seine Wandelbarkeit. Erst mit Sturmgewehr und Kampfmontur drohend, dann ruhig und sachlich warnend in Anzug mit Krawatte - einen solchen Wechsel im Erscheinungsbild vermochte bislang kein Al Qaida Darsteller, Bin Laden schaffte es gerademal bis zur Färbung seines Bartes.
Liebe Leserschaft,
bitte entschuldigt dass ich nicht mehr regelmäßig bloggen kann. Die Gründe dafür sind recht banal: das Studium und die Arbeit fressen Zeit. Dennoch möchte ich mich hier regelmäßig zu aktuellen Ereignissen in der Thematik äußern. Größere Berichte werden sicher maximal zweimal pro Woche erscheinen.
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Hier nun einen kurzen Überblick über die Ereignisse der vergangenen Tage.

Besonders interessant waren natürlich die beiden Veröffentlichungen von Bekkay Harrach alias "Abu Talha al Almani", einmal mit kurioser Aufmachung (Al Fajr Media, Titel: "Sicherheit - ein geteiltes Schicksal") als eine Art Mischung aus Mafiosi und Staatsmann, und dann die 40minütige Preisung des Märtyrertodes (As Sahab Media, Titel: "Oh Allah Ich Liebe Dich") und Harrachs theologische Interpretation sich durch den Dschihad von jeglicher Schuld freiwaschen zu können.
Weiter gab es pünktlich zum Ende des Ramadan eine große Produktion der Al Shabaab Miliz aus Somalia.
Unter dem Titel "Zu deinen Diensten, oh Osama" schwören die somalischen Dschihadisten dem Al Qaida Führer die Treue. Das Video zeigt, teilweise unterlegt mit englischen Untertiteln, Trainingslager in Somalia, einheimische und ausländische Kämpfer im Einsatz und die übliche Propaganda zu politischen Themen.
Mit diesem Videostatement dürfte Shabaab nun endgültig Teil des Al Qaida Franchise Systems sein, eine Reaktion von Seiten Zawahiris oder Bin Ladens (oder auch Al Libis) ist zu erwarten.
Ungewöhnlich aktiv ist dieser Tage auch die Medienabteilung der "Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" sprich des jemenitischen Ablegers der Organisation. Nach einem Video zum Angriff auf die US Botschaft von Sanaa 2008 und einer Produktion über einen Hinterhalt auf jemenitische Regierungstruppen im Sommer diesen Jahres, kündigte AQAP heute ein weiteres Video an.
Anders als viele erwarteten kam zum Abschluss des Ramadan keine neue Botschaft Bin Ladens. Der meistgesuchte Terrorist der Welt beließ es bei einer verspäteten "Ansprache an das amerikanische Volk", anlässlich des achten Jahrestages von 9/11. Es bleibt abzuwarten was die nächsten Tage bringen, Analysen zu Harrachs Videowelle und den möglichen Konsequenzen für die deutsche Sicherheitspolitik in den kommenden Tagen...