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Thursday, August 5, 2010

Faszination Somalia - Der Traum eines Amerikaners vom Dschihad


UPDATE:


Während ich den folgenden Blog-Eintrag verfasste, meldeten US-Fernsehsender dass insgesamt 14 Terrorverdächtige in den USA angeklagt würden, Al Shabaab zu unterstützen oder der Gruppierung beitreten zu wollen.

Auf einer Pressekonferenz erklärte US-Justizminister Eric Holder, dass in den vergangenen Tagen 12 Personen in Minnesota, und jeweils eine Person in Alabama und in Kalifornien festgenommen wurden. Ihnen würde vorgeworfen unter dem Deckmantel einer Wohltätigkeitsorganisation Gelder für Al Shabaab gesammelt und nach Somalia transferiert zu haben. Unter den Verdächtigen befinden auch zwei Frauen (eine von ihnen 63 Jahre alt), denen vorgeworfen wird, Spendenveranstaltungen organisiert zu haben, bei denen in Videokonferenz verschiedener Moscheen aufgerufen wurde für "die somalische Sache" und den "Dschihad" zu spenden. Fünf der festgenommenen

Erstmals klagen die USA in den neuen Terrorverdachtsfällen auch zwei amerikanische Staatsbürger an, die sich allerdings nicht in Haft befinden, da sie sich nach Erkenntnissen der US-Behörden in Somalia aufhalten.
Bei ihnen handelt es sich um Omar Hammami, besser bekannt unter dem Kampfnamen "Abu Mansour al Amrikki", und Jihad Mustafa alias "Amir Anwar"

Hammami, der in mehreren Propagandavideos der somalischen Islamistan auftauchte, ist Anführer der "Al Muhajiroun-Brigade" von Al Shabaab, den ausländischen Kämpfern, die sich dem somalischen Dschihad angeschlossen haben. Er kämpft bereits seit zwei Jahren am Horn von Afrika und wirbt mit englischsprachiger Propaganda, teilweise in Form von Dschihad-Raps, um westlicher Rekruten. US-Behörden sehen in ihm eine Schlüsselfigur für Al Shabaab´s Verbindung in die USA.

Ein weiterer US-Amerikaner, Jihad Serwan Mustafa (28) aus San Diego, Kalifornien, soll sich ebenfalls in Somalia aufhalten und dort inzwischen in die Führungsriege von Al Shabaab aufgestiegen sein. Mustafa war ein enger Berater des kenianischen al Qaida Kommandeurs Saleh Ali Nabhan, der 2009 bei einer Operation von US-Spezialeinheiten in Somalia getötet worden war. In einer San Diegoer Moschee hatte Mustafa vor Jahren den us-jemenitischen Prediger Anwar al-Awlaki kennengelernt und sich durch ihn massiv radikalisiert. Noch heute sollen die beiden Islamisten in Kontakt stehen.

Die jüngsten Ereignisse im Bezug auf die "home-grown" Terrorgefahr in den USA zeigen, welche Bedeutung Somalia inzwischen für die dschihad-willigen Muslime aus westlichen Staaten hat. Ein blutiger, 20 Jahre andauernder Bürgerkrieg, unterbrochen von ausländischer Besatzung, hat sich zu einem Magnet für Terrorrekruten aus Europa und Nordamerika entwickelt. Reihenweise pilgern junge Exil-Somalis, arabisch- und pakistanischstämmige Jugendliche und weiße wie schwarze Konvertiten ans Horn von Afrika und machen Somalia zu einem neuen Afghanistan. Diese Entwicklung ist definitiv eine weitere Blog-Analyse wert.

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Der Terrorist von heute hat´s nicht einfach. Noch vor 30 Jahren waren Sicherheitskontrollen an Flughäfen Science Fiction, an Nacktscanner wagten nichtmal die treuesten George Orwell Anhänger zu denken. Nichts erschien einfacher als eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine zu schmuggeln. Mit Ausnahme israelischer Fluggesellschaften.



Von derlei Freiheiten können islamistische Terroristen im neuen Millenium nur träumen. Geheimdienste, Sicherheitskräfte und auch ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft hat sich auf den "Moslem-Terror" eingeschossen. Alles wird gescannt, gespeichert, jeder ist verdächtig, und alles eine potenzielle Gefahr. Mögliche Spione und Spitzel der Geheimdienste lauern an jeder Ecke, infiltrieren jede Moschee.
Dies treibt die wirklich gefährlichen Individuen in die Enge. Terrorpläne zu schmieden ist schwierig geworden, zumindest wenn man teils transkontinentale Strecken mittels sich dabei elektronischer Kommunikation überbrücken muss. CIA, NSA, MI5, BND & Co. hören und lesen mit. Bin Ladens moderne Gotteskrieger müssen Codewörter erfinden, um selbst die einfachsten Absprachen per Telefon unverdächtig erscheinen zu lassen.

Teilweise führt diese Anpassung an den gewaltigen Anti-Terror-Sicherheitsapparat zu kuriosen Vorfällen. So geschehen am 28.Juli diesen Jahres. Ein junger Mann aus dem Großraum Chicago, Illinois, tätig einen nächtlichen Anruf (01:15 Uhr) ins britische London. Seine Gesprächspartnerin scheint noch vor dem Telefonat online kontaktiert worden zu sein. Daher beginnt der junge Mann das Gespräch mit: "Ich werde dir alles erklären." Was folgt ist ein Dialog, in dem der Anrufer der jungen Frau seine mehrfach seine Liebe beteuert, aber auch erklärt er wolle sich seinen Traum erfüllen. Er möchte sie über seinen Wunsch informieren in den Dschihad zu ziehen. Nur die Details, gehen durch die Paranoia des Möchtegern-Gotteskriegers und den Codewörter-Fetish irgendwie verloren.

"Willst du immer noch nach Saudi-Arabien reisen?", fragt die Dame in London den Amerikaner. Dieser antwortet, er wolle "lieber nach Merca, anstatt nach Medina" gehen. Die Gesprächspartnerin kann nicht folgen: "Mekka und Medina liegen beide in Saudi-Arabien. Du verwirrst mich."
"Merca. Merca liegt südlich, südlich von Saudi-Arabien", erklärt der Mann in den USA. "Okay", entgegnet die Frau am anderen Ende der Leitung, "also sprechen wir von zwei verschiedenen Orten im gleichen Land?" Genervt reagiert der amerikanische Anrufer: "Nein. Gleiche Welt, verschiedene Länder, kapierst du?"

Sie kapierte nicht. Deshalb begann sie eine Erklärung, warum und weshalb sie durch die ganzen Aussagen und Ortnamen vollkommen "verloren" sei. "Islamische Herrschaft. Islamische Herrschaft", zürnt der Amerikaner, "Verstehst du? Alles klar? Islamische Herrschaft." Es wird deutlich, dass er nicht offen über jenen Ort reden will, in den er plante zu reisen. "Ah, okay, okay", bestätigt die Frau am Telefon schließlich. Offenbar hatte sie nun verstanden, dass der Anrufer, ein 26jähriger Islamist namens Shaker Masri, die somalische Stadt Merca meinte, als er von einem ("wahrhaft") islamisch regierten Ort sprach, der südlich vom saudischen Königreich liegt.

Der Dialog dieses Telefonats entstammt den FBI Protokollen der Anklageschrift des US-Staatsbürgers Shaker Masri, der am vergangenen Dienstag in Chicago verhaftet wurde. Masri soll geplant haben, nach Somalia zu reisen um eine paramilitärische Ausbildung in den Terrorcamps der Al Shabaab Miliz zu erhalten. Diesen Wunsch äußerste er mehrfach gegenüber einem vermeintlichen Freund, der in Wahrheit ein FBI-Informant war und der Masri auf Geheiß der US-Ermittler im Herbst 2008 erstmals kontaktiert hatte. Von da an schmiedete der Islamist Masri mit dem oft verkabelten Informanten ("Source" in US-Ermittlersprache), Pläne in den Dschihad zu ziehen. Etwa 10.000 US-Dollar bräuchten die beiden, so Masri, um in den Heiligen Krieg ziehen zu können.



Bilder aus dem neuesten Propaganda-Video der Al Shabaab - ein amerikanischer Dschihad ist der Kommentator

Shaker Masri erklärte "Source", dass er im somalischen Bürgerkrieg kämpfen wolle, und auch die Intention habe, als Selbstmordattentäter zu sterben. Mehrere Reiserouten hatte Masri zu diesem Zweck bereits ausgewählt.
Zunächst plante er sich in Jordanien einen syrischen Pass zu besorgen, um damit zum Vorwand einer Pilgerreise oder als angeblicher Gold-Händler nach Saudi-Arabien und dann nach Somalia zu reisen. Weil Jordanien aber den "USA im Kampf gegen den Terror hilft", sei es besser mit einer Coverstory (beispielsweise ein Schmuck-Händler zu sein) von Chicago nach Los Angeles zu fliegen und von dort aus per Auto nach Mexiko zu fahren. In Mexiko wollte Masri einige Tage bleiben, das Schießen mit verschiedenen Waffen üben und dann weiter über Venezuela oder Panama, unbeobachtet von amerikanischen Geheimdiensten, in den Nahen Osten oder nach Tansania bzw. Zanzibar zu fliegen.

Der "Source" erzählte Masri, er habe einen Kontakt in Großbritannien, der ihnen die Reise nach Somalia ermöglichen könne. Damit meinte der US-Amerikaner augenscheinlich jene Frau mit Wohnsitz London, mit der er am 28.Juli telefonierte. In welcher Beziehung die beiden Personen stehen, ist den US-Ermittlern noch nicht recht klar. Offenbar hatte Masri die Absicht die Frau zu heiraten. Tatsache ist, dass der Islamist ihr mehrfach in Telefonaten, die vom FBI mitgeschnitten wurden, seine Liebe versicherte. Nur sein Wunsch in den Heiligen Krieg zu ziehen, hielt ihn ab, nach England zu fliegen. Er solle sie noch vor seiner Reise nach Somalia heiraten und mit ihr ein Kind zeugen, bevor er seine Pflicht gegenüber Allah erfülle, bat die Londonerin.

Masri aber wollte so schnell wie möglich ein Mujahid werden und schwärmte gegenüber dem FBI-Informanten von den al-Qaida Kämpfern in Somalia und vom Kampf für den Glauben gegen die Feinde Gottes. Er sei ein glühender Anhänger vom us-jemenitischen Sheikh Anwar al Awlaki, gab Masri gegenüber "Source" zu, und hoffe dass al Awlaki bald zum al-Qaida Führer aufsteige.

In den vergangenen Monaten waren FBI-Ermittler Masri längst auf der Spur. Sie hatten den US-Amerikaner ägyptischer Abstammung als potenziellen al-Qaida Rekruten ausgemacht und ihn mit Hilfe des verkabelten Informanten bei der Planung seiner Terror-Reise begleiten können. Insgesamt "40.000-45.000 US-Dollar" habe man dem Informanten für seine Dienste bezahlt, so heißt es in den FBI-Protokollen. Nach Einschätzung der US-Behörde war es diese Summe wert einen der zukünftigen amerikanischen Dschihad-Kämpfer noch vor seiner Ausreise aufzuspüren.

Shaker Masri war entschlossen ein Gotteskrieger zu werden. In Mexiko wolle er Märtyrer-Videos drehen, verriet er dem Informanten, er habe Kontakt zu Ausländern innerhalb der Al Shabaab. Außerdem bräuche er einen neuen Laptop, und seinen alten müsse er zerstören. Was darauf sei, könne ihn "hinter Gitter bringen." Dem vermeintlichen Mitstreiter gab er zu bedenken, dass man sie international suchen werde, sobald sie sich auf den Weg gemacht hätten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sie nicht mehr in die USA zurückkehren.

Als er an einem Nachmittag per Zufall eine vierköpfige Gruppe amerikanischer Soldaten in Uniform saß, erklärte Masri, er wünsche er könne zu ihnen gehen und sich in die Luft sprengen. Warum er dies für nur vier tote Soldaten tun würde, fragte ihn der FBI-Informant. "Du hast recht, es wäre besser wenn man gleich einen ganzen Bus voller Soldaten bomben könnte", so die Antwort des in Alabama geborenen Islamisten.

Am Abend des 29.Juli traf sich Masri erneut mit "Source" und buchte online zwei One-Way-Tickets vom Chicagoer Flughafen O´Hare nach Los Angeles am 04.August mit Southwest-Airlines. Masri wollte seinen Plan in die Tat umsetzen, über Mexiko irgendwie nach Nahost zu kommen und dann weiter ans Horn von Afrika.
Auf dem Weg zum Flughafen klickten schließlich die Handschellen. FBI-Beamte setzten dem Traum von Shaker Masri ein abruptes Ende.

Masri wird nun kein weiterer amerikanischer Söldner im Dienste der Al Shabaab werden. Bis zu 15 Jahre Haft drohen ihm für die Unterstützung ausländischer Terror-Organisationen und die Planung von Anschlägen gegen US-Bürger.

Wednesday, March 17, 2010

Nach den "US Boys" jetzt die "Canadian Boys" - Dschihad in Somalia zieht kanadische Teenager an


UPDATE:


"Kann mir jemand eine Fatwa zeigen, in der gezeigt wird dass man einer Frau die Hand schütteln darf?", fragte der junge Kanadier im November 2007 in einem Internetforum. Offenbar sorgte sich der Sohn somalischer Einwanderer um sein muslimisches Verhalten. Auf einem eigenen Blog ließ sich der junge Mann über seinen Glauben, den Pflichten, Verboten und Aufforderungen aus. Im Mai 2009 gab es keine Einträge mehr.

Mittlerweile ist die Identität des jungen Mannes aus North York, Toronto, geklärt. Sein richtiger Name lautet Mohammed Elmi Ibrahim, geboren und aufgewachsen in der kanadischen Metropole.
Er schloss seinen Major in Englisch an der University of Toronto ab, und brach vor etwa 18 Monaten mit einigen Freunden zu einer Pilgerfahrt nach Mekka auf. Von dort sei er nie zurückgekehrt berichtet die Familie.


Wann genau der Somali-Kanadier in das Bürgerkriegsland reiste, steht nicht fest. Irgendwie aber reiste er an das Horn von Afrika und schloss sich den islamistischen Shabaab an. Ein Video das die Islamisten jetzt verbreiten ließen, zeigt "Abu Hamza al Muhajir" noch bei einer Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien. Mit Blick auf die historische Schlacht von Uhud zitiert der kanadische Terrorrekrut voller Stolz den Koran: "Deshalb sagt Allah im Quran: wahrlich die Märtyrer sind nicht tot, sondern sie sind lebendig im Paradies und bei Ihrem Herrn".

Wo, wann und wie der Kanadier starb ist unklar, fest steht dass Shabaab ihn als Märtyer feiert und weitere Kanadier anruft sich dem Dschihad in Somalia anzuschließen. Gerüchten zufolge soll der englischsprachige Islamist am 14.September 2009 getötet worden sein, als African-Union-Soldaten eine Shabaab-Gruppe angriffen, die gerade auf dem Weg zurück in ihr Lager war um das Ramadan-Fasten zu brechen. "Dann aber brach er das Fasten im Paradies", erklärte ein Online-Islamist, der die Todesumstände kennen will.


In Kanada steht fest, dass die Propagandaausschlachtung des toten jungen Kanadiers mit dem jüngst verhängten Verbot der Al Shabaab Organisation in Kanada zusammenhängt.
Anfang März hatte Ottawa die somalische Bewegung als Terrororganisation gebrandmarkt und verboten. Spenden und Unterstützungsaufrufe für Al-Shabaab sind damit seither verboten.



Die Moschee in der eine Gruppe Somali-Boys betete, die Masjid Abu Hurairah im nordöstlichen Toronto, soll ein Ort sein, an dem man auch den Kampf der Shabaab Miliz gegen deren Feinde in Somalia unterstützt. Junge Männer aus dem Stadtviertel North York sollen angeworben und schließlich nach Afrika gereist sein. Der kanadische Geheimdienst nimmt an, dass sie in den Reihen der Shabaab kämpfen, eventuell auch bereits gestorben sind.
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Abu Hamza Muhammad al-Muhajir nannte sich der junge Kanadier. Auf einer Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien, erklärte er vor der Kamera eines Freundes die "Schlacht von Uhud" die im Jahr 625 n.Chr. nahe Mekka stattfand. Beeindruckt von den Leistungen des damaligen Feldherrn der Muslime, Khalid Ibn al-Wahid, erläutert der kanadische Teenager in muttersprachlichem Englisch, wie die Muslime die 3,000 Abtrünnigen der feindlichen Armee mit militärischen Tricks besiegten.

"Abu Hamza Muhammad al-Muhajir" aus North York, Toronto

Wann die Aufnahme entstanden ist nicht klar. "Al-Muhajir" jedenfalls ist seit September 2009 nicht mehr am Leben. Der junge Islamist aus North York, einem nördlichen Stadtteil der ostkanadischen Metropole Toronto starb in seinem "Heiligen Krieg" gegen die Ungläubige, im Bürgerkrieg von Somalia auf der Seite der islamistischen Al-Shabaab Miliz.
Als er sich auf dem Rückweg in das Camp der Islamisten außerhalb von Mogadischu befand, so heißt es in einer Audiobotschaft seiner Kampfgefährten, wurde die Gruppe von African Union-Truppen angegriffen. Abu Hamza Muhammad al-Muhajir starb.
Es ist der erste bekanntgewordene Fall eines kanadischen Dschihadisten, der in Somalia getötet wurde.

"Abu Hamza" (mit richtigem Namen vermutlich Mustafa Mohammed" gehörte mutmaßlich zu einer fünfköpfigen Gruppe somalischer-kanadischer Teenager, die im vergangenen Jahr aus North York, einem Industrieviertel im Nordosten Torontos verschwanden. Zur Gruppe gehörten neben vier jungen Männern vom Alter zwischen 20 und 25, auch ein Sohn afghanischer Einwanderer, der ebenfalls als vermisst gemeldet wurde.
Sie alle besuchten regelmäßig die Masjid Abu Hurairah von North York, trafen sich in einem somalischen Restaurant namens "Little Mogadishu".

Dutzende us-amerikanische Somali-Teenager waren bereits seit 2007 an das Horn von Afrika gereist um gegen die äthiopischen Besatzungstruppen und später die Friedenstruppen der Afrikanischen Union zu kämpfen.

Das Phänomen der radikalisierten Somali-Jugend aus westlichen Großstädten wie Minneapolis, London, Amsterdam und Toronto scheint anzuhalten. Somalische Einwandererfamilien aus Europa, Australien und Nordamerika berichten vom Verschwinden junger Männer in Richtung Ostafrika. Einige von ihnen, darunter auch weiße amerikanische Konvertiten, starben bereits. Ein US-Amerikaner verübte 2008 einen Selbstmordanschlag gegen African-Union-Soldaten im Norden Somalias und ein junger Mann aus Kopenhagen tötete bei einem Suizidattentat in einem Hotel von Mogadischu im Dezember 2009 ein Massaker unter Medizin-Studenten.

Tuesday, March 2, 2010

Somalische Islamisten verbieten UN-Nahrungsmittelprogramm


Somalia´s Shabaab, die de-facto Herrscher des seit Jahrzehnten zerrütteten Bürgerkriegslandes am Horn von Afrika, haben in ihrem Einflussbereich (von der kenianischen Grenze bis nach Mogadischu) ein Verbot des UN World Food Programme ausgesprochen.

In einem Statement der Islamisten heißt es, man verbiete die kostenlose Verteilung der UN-Lebensmittel, da so der Markt für die somalischen Bauern zerstört würde. Zudem seien viele der Nahrungsmittel in den Depots der UN verdorben und der Auslöser von Krankheiten.



Erst an vierter Stelle nennen die Shabaab, mittlerweile offizieller Arm der al-Qaida in Ostafrika, den Verdacht die UN diene als Schutzschirm für die Feinde Somalias im Land zu operieren.

Wednesday, December 16, 2009

Die "Afghanisierung" Somalias


Angesichts dieser Bilder vom vergangenen Sonntag, aufgenommen außerhalb der somalischen Hauptstadt Mogadischu, stellt sich die Frage, ob das NATO-Bündnis zwanghaft eine Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes betreibt und vor der "Afghanisierung" anderer Staaten die Augen verschließt.

Bilder wie diese aus dem Afghanistan der 1990er Jahre werden als Argumente angeführt, weshalb deutsche Soldaten am Hindukusch Aufbau und Friedenssicherung leisten sollen. Verteidigung von Menschenrechten, Moral und Freiheit werden zum Hohn, wenn klar wird, dass die NATO mit zweierlei Maß misst.

Seit Ende der 1980er Jahre ist Somalia das klassische Beispiel eines "failed state", ein einziges, blutiges Chaos, in dem islamistische Kräfte trotz Bemühen der USA und der Nachbarstaaten Äthiopien und Kenia, die Oberhaupt zu gewinnen scheinen. Eine Einführung der Talibaninterpretation der Sharia hat auf lokaler Ebene durch die islamistischen Milizen der Shabaab und Hizb Islami längst stattgefunden.

Der Westen sollte sich im Jahr 2010 an weitere Aufnahmen wie diese gewöhnen. Am vergangenen Sonntag vollstreckten die Hizb Islami Kämpfer vor dem schaulustigen Mob die Urteile gegen zwei Männer und eine Frau.
Die verschleierte Somalierin erhielt 100 Stockhiebe, ein 48jähriger Ehebrecher wurde gesteinigt, ein weiterer per Kopfschuss hingerichtet.







Sunday, September 20, 2009

In eigener Sache...


Liebe Leserschaft,

bitte entschuldigt dass ich nicht mehr regelmäßig bloggen kann. Die Gründe dafür sind recht banal: das Studium und die Arbeit fressen Zeit.
Dennoch möchte ich mich hier regelmäßig zu aktuellen Ereignissen in der Thematik äußern. Größere Berichte werden sicher maximal zweimal pro Woche erscheinen.
Wer ein kleines Newsupdate zum Thema islamistische Propaganda und Dschihad-News bekommen möchte, sei bitte auf meinen Twitter Account verwiesen. Dort findet ihr täglich aktuelle, informative Kurznachrichten, meist schneller als über die Nachrichtenagenturen.


Hier nun einen kurzen Überblick über die Ereignisse der vergangenen Tage.


Besonders interessant waren natürlich die beiden Veröffentlichungen von Bekkay Harrach alias "Abu Talha al Almani", einmal mit kurioser Aufmachung (Al Fajr Media, Titel: "Sicherheit - ein geteiltes Schicksal") als eine Art Mischung aus Mafiosi und Staatsmann, und dann die 40minütige Preisung des Märtyrertodes (As Sahab Media, Titel: "Oh Allah Ich Liebe Dich") und Harrachs theologische Interpretation sich durch den Dschihad von jeglicher Schuld freiwaschen zu können.

Weiter gab es pünktlich zum Ende des Ramadan eine große Produktion der Al Shabaab Miliz aus Somalia.

Unter dem Titel "Zu deinen Diensten, oh Osama" schwören die somalischen Dschihadisten dem Al Qaida Führer die Treue. Das Video zeigt, teilweise unterlegt mit englischen Untertiteln, Trainingslager in Somalia, einheimische und ausländische Kämpfer im Einsatz und die übliche Propaganda zu politischen Themen.
Mit diesem Videostatement dürfte Shabaab nun endgültig Teil des Al Qaida Franchise Systems sein, eine Reaktion von Seiten Zawahiris oder Bin Ladens (oder auch Al Libis) ist zu erwarten.


Ungewöhnlich aktiv ist dieser Tage auch die Medienabteilung der "Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" sprich des jemenitischen Ablegers der Organisation. Nach einem Video zum Angriff auf die US Botschaft von Sanaa 2008 und einer Produktion über einen Hinterhalt auf jemenitische Regierungstruppen im Sommer diesen Jahres, kündigte AQAP heute ein weiteres Video an.

Anders als viele erwarteten kam zum Abschluss des Ramadan keine neue Botschaft Bin Ladens. Der meistgesuchte Terrorist der Welt beließ es bei einer verspäteten "Ansprache an das amerikanische Volk", anlässlich des achten Jahrestages von 9/11. Es bleibt abzuwarten was die nächsten Tage bringen, Analysen zu Harrachs Videowelle und den möglichen Konsequenzen für die deutsche Sicherheitspolitik in den kommenden Tagen...

Monday, September 14, 2009

US Angriff tötet Al Qaida Kommandeur in Somalia


Gegen 10:00 Ortszeit führte eine US-Spezialeinheit nahe dem Dorf Ermil, in der Barawe Region, im Süden Somalias eine Operation gegen einen gesuchten Al Qaida Extremisten aus.
Von einem Schiff der US Marine vor der Küste Somalias aus griffen Kampfhubschrauber einen Konvoi an, zerstörten ein Fahrzeug komplett und töteten die Insassen.


Ziel der Militäraktion war Saleh Ali al Nabhan, ein keniascher Al Qaida Kommandeur, der in den vergangenen Jahren in den Reihen der somalischen Shabaab-Miliz Kämpfer trainierte und Anschläge in Ostafrika plante. Er soll Drahtzieher der Mombasa-Attentate im November 2002 gewesen sein. Al Qaida Kämpfer griffen damals ein israelisch geführtes Hotel mit drei Autobomben an. 20 Minuten vor den Explosionen versuchten Islamisten mit zwei SA-7 Luftabwehrraketen eine israelische Passagiermaschine am Flughafen von Mombasa abzuschießen.

In beiden Fällen soll Nabhan Planer und Organisator gewesen sein. Angeblich mietete er die Wohnungen für die späteren Selbstmordattentäter und kaufte die Autos die zu Bomben umgebaut wurden. Gerüchten zufolge soll Nabhan persönlich eine der SA-7 Raketen auf das israelische Flugzug abgefeuert haben.
Amerikanische Versuche den Dschihadisten und seinen komorischen Kampfgenossen, Fazul Abdullah, zu töten schlugen in den letzten Jahren mehrfach fehl. Luftangriffe und von Schiffen gestartete Cruise missiles trafen Al Qaida Trainingslager in Somalia, verfehlten aber jedes Mal die hochkarätigen Ziele. Geheimdienste und kenianische Sicherheitsbehörden vermuteten Nabhan im Grenzgebiet zwischen Somalia und Kenia. Dorthin floh er nach den amerikanischen Luftangriffen 2007 und 2008, reiste jedoch immer wieder zurück in das Bürgerkriegsland um den Kontakt mit der Al Shabaab Miliz aufrecht zu erhalten.

Nun starb Saleh Ali Nabhan mutmaßlich beim US-Angriff. Zum ersten mal seit ihrem Rückzug 1994 setzten damit US Soldaten wieder einen Fuß auf somalisches Festland. Augenzeugen zufolge sollen die Eliteeinheiten nach Zerstörung von Nabhans Fahrzeug gelandet sein und hätten den Leichnam mitgenommen.
Fox und ABC berichten US-Offizielle würden inzwischen bestätigen dass sich Nabhans Leiche im Besitz des US-Militärs befindet.



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Sunday, September 13, 2009

"White Muslim" aus Minnesota stirbt in Somalia


Troy Mattthew Kastigar (28) war hellhäutig, auch wenn seine Mutter steht´s behauptete sie seien indianischer Abstammung. Sie zog ihn und einen jüngeren Brüder alleine in Minneaplos groß, ging mit ihnen zum Karatetraining. Troy bekam den schwarzen Gürtel verliehen, war ein sportbegeisterter Jugendlicher in dem irgendwann eine Art der Sinnsuche einsetzte. Inspiriert durch die amerikanische HipHop-Szene entwickelte Kastigar eine Leidenschaft fürs Rappen. Sein Umfeld wandelte sich zum kriminellen Millieu der Straßengangs. Mehrfach landete er auf dem Polizeirevier, ein Foto zeigt ihn mit Hals-Tattoo Verhörraum des Sheriffs.

Nach seinem Schulabschluss 1999 gehörten zu seinem Freundeskreis fast nur noch die Einwandererkinder der somalischen Exil-Familien. Irgendwann um diese Zeit entschied sich Troy Kastigar zum Islam zu konvertieren und den Glauben seiner Freunde aktiv zu praktizieren. Er trug lange, traditionell pakistanische Kleidung wie sie für Salafisten üblich ist, besuchte die Moschee und traf sich regelmäßig mit somalischen Freunden.
Im vergangenen November verschwand Kastigar. Noch wusste das FBI nichts von der sogenannten "zweiten Welle" somalischer Teenager die sich aus der Region Minneapolis etwa alle zeitgleich in Richtung Ost-Afrika absetzten. Kastigar gehörte zu jenen die sich entschlossen hatten in Somalia in den Heiligen Krieg zu ziehen.
Seine Familie kontakte der Konvertit aus Kenia, kein Wort davon dass er ein Gotteskrieger werden wollte. Bis zuletzt dementierten Angehörige die Meldungen Kastigar sei ein Kämpfer der Al Shabaab Miliz geworden.

Letzte Woche dann die traurige Gewissheit. Freunde der Familie bestätigten gegenüber Medien dass Troy Kastigar anscheinend vor kurzem in Somalias Hauptstadt Mogadischu gestorben sei. Möglicherweise starb er zusammen mit Mohammed Hassan, einem weiteren jungen Mann aus Minneapolis der ebenfalls in der letzten Woche getötet wurde.
Der tätowierte Ex-Kriminelle und Amateur-Rapper Kastigar wurden damit zum sechsten amerikanischen Staatsbürger der als Dschihadist in Somalia sein Leben ließ. Er ist bis jetzt der einzig bekannte weiße "Märtyrer", wird aber sicher nicht der letzte bleiben.

Monday, September 7, 2009

Fünfter US--Dschihadi in Somalia getötet


Zu Beginn des vergangenen Wochenendes kam es in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zu heftigen Kämpfen zwischen African Union-Truppen und den islamistischen Shabaab-Kämpfern. Mörserangriffe der Armee töteten mehrere Dutzend Dschihad-Kämpfer.
Unter den Toten soll sich auch der 21jährige Mohammed Hassan
aus Minneapolis (Minnesota) befinden.

Der junge Exil-Somali war im vergangenen Jahr ans Horn von Afrika gereist, genau wie eine Reihe weiterer amerikanischer Dschihad-Rekruten. Im September 2008 war sein Bruder im Kampf zwischen Straßengangs der Metropole Minneapolis erschossen worden. Daraufhin habe sich Mohammed entschieden die USA zu verlassen und im somalischen Bürgerkrieg an der Seite der Al Qaida-verbündeten Al Shabaab zu kämpfen.

Über einen weiteren US-Amerikaner der in Mogadischu als Gotteskrieger kämpft, hat Hassans Familie am Wochenende vom Tod ihres Sohnes erfahren. Angeblich war er mit Kampfgenossen gerade Essen für das abendliche Fastenbrechen kaufen als er auf dem Rückweg von African Union-Soldaten getötet wurde.
Mohammed Hassan reiht sich damit ein in die Liste von bereits vier bekannten Fällen amerikanischer Somali-Teenager die im Heimatland ihrer Eltern ihr Leben ließen. Hassan Burhan, Jamal Bana, Ahmed Shirwa und ein weiterer junger Mann aus dem Raum Minneapolis wurden bereits zu "Märtyrern" im somalischen Dschihad.

Thursday, September 3, 2009

Amerikanische Dschihadisten sterben in Somalia


Am 12.Juli 2009 richtete sich der somalische Präsident Sheikh Sharif Ahmed mit einer außergewöhnlichen Bitte an die Exil-Bevölkerung seines Landes, die in den USA eine neue Heimat gefunden hat. “Ich bitte die somalisch-amerikanische Gemeinde ihre Jugend nicht nach Somalia zu schicken um dort mit der Al Shabaab Miliz zu kämpfen!” Der Aufruf kam nur einen Tag nachdem eine somalische Familie im amerikanischen Minneapolis über das Internet erfuhr dass ihr Sohn in Somalia als Dschihad-Kämpfer starb. Er ist nicht der erste Exil-Somali der am Horn von Afrika getötet wurde, und er wird wohl nicht der letzte bleiben.

Als Jamal Sheikh Bana seine Heimat verließ war er gerade ein Jahr alt. Seine Eltern flohen 1990 kurz nach Beginn des Bürgerkrieges in Somalia.
In einem kenianischen Flüchtlingslager überlegte der junge Jamal nur knapp eine Malaria-Erkrankung, bevor die Familie schließlich 1996 dank der Hilfe der amerikanischen Lutheran Church in die USA immigrieren durfte. Später zog es die somalischen Flüchtlingsfamilie in die Metropole Minneapolis (Minnesota).
Im Stadtviertel St.Paul wuchs im Laufe der 1990er Jahre mit heute etwa 50,000 Mitgliedern die größte somalische Diaspora Nordamerikas heran.

Jamal wuchs als typischer amerikanischer Teenager auf, schloss die High School ab und begann ein Studium der Elektrotechnik am Normandale Community College in Bloomington, Minnesota. Um seine Eltern und seine Geschwister, darunter zwei gehörlose Kinder, finanziell zu unterstützen arbeitete der junge Exil-Somali beim US-Kaufhaus Macy´s und als Wachmann einer Sicherheitsfirma.
Anders als viele somalische Jugendliche in seinem Umfeld hielt sich der 20jährige zur Freude der Eltern fern von kriminellen Aktivitäten, Drogen oder Gangs. Regelmäßig besuchte er die örtliche Moschee und folgte den islamischen Bräuchen und Gesetzen.
Als die Familie am 04.November letzten Jahres gespannt die amerikanische Präsidentschaftswahl verfolgte verschwand der älteste Sohn urplötzlich ohne Hinweis auf seinen Verbleib.
Wenige Tage später klingelte das Telefon im Haus der Eltern. “Ich bin in Somalia” - mehr sagte Jamal nicht, dann legte er auf. Seine Mutter brach in Tränen aus, Familie und Freunde standen unter Schock.

Monate nachdem ihr Sohn ohne Erklärung verschwand kam die Schreckensmeldung. Ein Freund der Familie meldete sich am 11.Juli und erklärte ein Foto von Jamal sei im Internet aufgetaucht.

Somalias Militär hatte Journalisten trophäengleich die Leichen getöteter Islamisten in Mogadischu präsentiert. Auf einigen der Fotos identifizierten die Eltern einen Leichnam als ihren Sohn Jamal. Bärtig und ausgemergelt lag er fast nackt auf einem Tuch, getötet durch einen Schuss in den Hinterkopf.

Das FBI fand heraus dass Jamal Bana nur einer von mindestens sechs somalischen Jugendlichen aus dem Raum Minneapolis war die in jenen Novembertagen die Vereinigten Staaten verließen und sich im tausende Kilometer entfernten Somalia der islamistischen Shabaab-Miliz angeschlossen hatten. Aus Sicht der amerikanischen Ermittler habe man es mit einem ganzen Netzwerk zutun dass gezielt junge Männer radikalisiere, Propagandamaterial verteile, sie für terroristische Zwecke anwerbe und ans Horn von Afrika schleuse.
Angeworben von militanten Islamisten zogen dutzende Somalis aus den Exil-Gemeinden der USA in den Dschihad gegen die äthiopischen Besatzungstruppen und die Soldaten der African Union.

Begonnen hat die Ausreisewelle der selbsternannten Gotteskrieger bereits Ende 2007, als etwa 20 junge Männer aus St.Paul, Minneapolis verschwanden, wenig später ihre Familien kontaktierten und ihnen mitteilten sie seien in Somalia.
Mittlerweile sprechen die amerikanischen Behörden von der sogenannten “ersten Welle” somalischer Rekruten.

Zu diesen ersten “home grown” Dschihadisten gehörte auch Shirwa Ahmed, der im Alter von 13 Jahren als Bürgerkriegsflüchtling zunächst nach Portland, dann nach Minneapolis kam.
Nach seinem High School Abschluss arbeitete er als Medikamentenkurier und als Behindertenbetreuer am Flughafen. Im Jahr 2003, kurz nach Beginn des Irakkriegs, setzte eine religiöse Erweckung in Shirwas Leben ein, berichten Freunde. Der junge Somali besuchte häufiger die Moschee, ließ sich einen Vollbart stehen und engagiert sich in der Gemeinde der Abubakr Moschee. Sehr zur Freude der Familie rief er Gleichaltrige auf Alkohol und Drogen fern zu bleiben und studierte religiöse Schriften. Ende 2007 war Shirwa Ahmed verschwunden, er reiste über Saudi-Arabien nach Kenia und von dort aus ins benachbarte Somalia.

Aus dem vollintegrierten amerikanischen Staatsbürger wurde ein Gotteskrieger der Al Qaida verbündeten Shabaab-Miliz. Noch im Oktober 2008 meldete sich Shirwa telefonisch bei seiner Schwester in den USA. Er befinde sich im Jemen und wolle nach Hause. Tage später kam ein zweiter Anruf, diesmal eine unbekannte Stimme: “Dein Bruder ist ein Märtyrer. Er ist im Paradies.”
Shirwa Ahmed hatte sich am 29.Oktober 2008 im Norden Somalias in die Luft gesprengt, 29 Menschen mit in den Tod gerissen und war zum ersten amerikanischen Selbstmordattentäter geworden.

Wie der 27jährige Shirwa machten sich gegen Ende 2007 eine ganze Reihe junger Somalis auf in ihren Heiligen Krieg.
Einige, wie der rapbegeisterte Salah Osman Ahmed (26), kehrten enttäuscht in die USA zurück. “Es war einfach nichts für ihn. Er hatte das Gefühl er gehörte nicht so recht dort hin”, berichtete ein Freund nachdem Salah im Sommer 2008 wieder in Amerika auftauchte.

Zakaria Maruf blieb. Ihn macht das FBI verantwortlich die zweite Ausreisewelle vorangetrieben zu haben. 1993 als junger Teenager von Somalia nach Minneapolis geflohen schloss sich der heute 30jährige der Straßengang “Hot Boyz” an, einer kriminellen Jugendorganisation die einst als Musikgruppe auf somalischen Hochzeiten auftrat. Zakaria qualifizierte sich für das Basketballteam seiner Schule, der Edison High School, tourte mit seiner Mannschaft durch Kanada und die USA. Aufgrund der kriminellen Vergangenheit verlief die Jobsuche zunächst erfolglos, dann stellte Wal-Mart den jungen Exil-Somali als Lagerarbeiter ein. In seiner Freizeit besuchte Maruf oft die Moschee. Ein von ihm dort aufgenommener Gebetsruf soll bis heute einer der beliebtesten Handyklingeltöne der Somali-Jugend im Stadtteil St.Paul sein.
Irgendwann verschwand Zakaria Maruf in Richtung Afrika. Heute soll er als Anwerber der Shabaab-Organisation tätig sein und junge Männer aus den amerikanischen Somali-Gemeinden für den Dschihad rekrutieren.

Über diese Kontakte im Umfeld der Abubakr-Moschee und dem dazugehörigen islamischen Gemeindezentrum traten die Extremisten an Jamal Bana und andere Jugendlichen der “zweiten Welle” heran.
Neben Bana verschwanden rund um den 04.November 2008 mindestens fünf weitere Männer aus Minneapolis. Die Teenager haben sich gekannt, so fand das FBI heraus, und organisierten gemeinsam ihre Ausreise.

Für etwa 1,800 USDollar kaufte angeblich jeder der Terrorrekruten Flugtickets von Minnesota nach Nairobi (Kenia) oder nach Dubai (VAE), um dann von dort aus mit der somalischen Fluglinie Daallo Airlines nach Mogadischu zu reisen. Aufgefallen war diese Vorgehensweise weil ein örtliches Reisebüro angab einige jugendliche Kunden hätten beinahe zeitgleich ihre Tickets in bar bezahlt, meist ohne Rückreise.
Da es sich bei den Terror-Teenagern um US-Staatsbürger handelt wächst die Angst bei den Behörden dass die Möglichkeit frei zu reisen zu einer terroristischen Gefahr werden könnte.

Neben Jamal Sheikh Bana und Shirwa Ahmed fand im Juni auch der 17jährige Burhan Hassan in Somalia den Tod. Von seinen Freunden “Little Bashir” genannt, begeisterte sich das Mathegenie und Basketballtalent in seiner Freizeit besonders für den Islam. In seiner Moschee erhielt er eine Auszeichnung für das Auswendiglernen des Koran. Dort, erklärte sein Onkel Abdirizak Bihi in einem Interview, habe man ihn “mental gekidnappt” und ihm “eine Gehirnwäsche verpasst”. Burhans Angehörige bekamen am 05.Juni die Nachricht der Junge sei bei einem Gefecht erschossen worden.

Für die amerikanischen Terrorermittler steht fest dass die derzeit in Somalia aktiven amerikanischen Islamisten Verbindungen über die Schule, Universitäten und die Moschee hatten. Das AbuBakr as Saddique Islamic Center scheint Knotenpunkt des Netzwerkes zu sein. Hier beteten die späteren Gotteskrieger, hier hörten sie vom Dschihad in der Heimat ihrer Vorfahren und der Pflicht muslimisches Land zu verteidigen.
Derlei Aktivitäten bestreitet der Imam der Einrichtungen Sheikh Abdirahman Sheikh Omar entschieden: “Man kann nicht kontrollieren was im Kopf anderer Leute vor sich geht, welche Ideologie und Überzeugung sie vertreten.”

Vom Virus des islamistischen Fanatismus befallen scheinen weit mehr us-somalische Teenager zu sein als Experten bisher vermuteten. Ein Krankenwagenfahrer, ein ehemaliges Gang-Mitglied, ein weißer Konvertit namens Troy Matthew, ein Präsident einer somalischen Schüler-Vertretung, ein 17jähriger Lebemann dessen Facebook-Profilbild das Portrait Osama Bin Ladens zierte - sie alle verließen das Land in das ihre Familien vor fast zwei Jahrzehnten geflohen waren um ein besseres, sicheres Leben zu führen.

Die meisten von ihnen dürften inzwischen in den ausländischen Kampfeinheiten der Shabaab-Islamisten dienen. Mehrere hundert nicht-somalische Dschihadisten sollen sich in Somalia derzeit tummeln, darunter nicht nur die “Boys” aus Minneapolis sondern auch somalische Immigrantenkinder aus Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Australien und Kanada.
Ende Juli erst nahm die kenianische Polizei im Grenzgebiet zu Somalia vier niederländische Staatsbürger, alle 21 Jahre alte Exil-Somalis, fest. Anschließend brachte man die Gruppe unter Verdacht Terrorrekruten zu sein nach Nairobi für weitere Verhöre.

Kommandiert und ausgebildet werden die ausländischen Exil-Somalis angeblich von einem gesuchten Al Qaida Terroristen namens Abu Saleh al Nabhani, ein Mann der seine Befehle vom neuen Superstar des Terrornetzwerkes, Abu Yahya al Libi, direkt aus Pakistan bekommen soll.
Somalias Präsident Sharif Ahmed erklärte Ende Juli in einem Zeitungsinterview, er wisse dass Osama Bin Laden persönlich den libyschen Islamisten Abu Yahya damit beauftragt habe, den Dschihad in Somalia zu koordinieren. Direkter Verbindungsmann am Horn von Afrika ist ein Somali namens Ahmed Abdi Godane, der in den 1990er Jahren in afghanischen Al Qaida Camps seine Ausbildung genossen hat.

Propagandastar des somalischen Dschihads wurde über die letzten Monate ein hellhäutiger Amerikaner namens "Abu Mansour al Amriki". Es soll sich um einen Sohn einer arabischen Mutter und eines amerikanischen Vaters handeln, der als US-Soldat in Bosnien und dem Kosovo stationiert war bevor er zum radikalen Islamismus konvertierte.

Friday, August 21, 2009

Europäische Reisepässe werden in Somalia verkauft


Der Bakara-Markt von Mogadischu ist vielen aus den Kampfszenen des Hollywood-Streifens "Black Hawk Down" bekannt. Ein typisch arabisch-afrikanischer Souk, ein Gedrängel von Händlern und Käufern, tagtägliches Feilschen um Preise und Mengen. Neben Lebensmitteln und Haushaltswaren bietet der "Souk Bakaro" aber auch alles was das Terroristen- und Widerstandskämpfer-Herz begehrt: Sturmgewehre, Handgranaten, Panzerfäuste, Minen, Munition aller Kaliber, Pistolen, amerikanische Revolver, Uniformen, kugelsichere Westen, Ferngläser...in Mogadischu´s unkontrollierten, chaotischen Straßenbasar findet sich fast alles.


Größere Kartenansicht

Besonders beunruhigen dürfte westliche Sicherheitsdienste dass inzwischen sogar europäische Reisepässe, Ausweise und sogar gefälschte Flugtickets angeboten werden. Fälscherwerkstätten haben sich darauf spezialisiert die Dokumente innerhalb weniger Stunden zu fertigen. Ein Kamerateam des arabischen Senders Al Arabiya hat sich im Bakara-Markt auf die Suche gemacht und ist fündig geworden. Somalis können in bei einem professionellen Passfälscher einen somalischen Ausweiß für 20$ erwerben, Ausländer müssen 100$ zahlen. Für dänische und britische Pässe werden zwischen 1500$ und 3000$ verlangt, sogar Flugtickets können dazugekauft werden. Jemenitische Reisedokumente erfreuen sich großer beliebtheit, da man vom Bürgerkriegsland Somalia schnell und einfach in das benachbarte arabische Armenhaus Jemen reisen kann.

Schade nur dass einige der gefälschten Pässe schon lange nicht mehr den echten Ausweisen entsprechen. Die gezeigten dänischen Reisepässe beispielsweise ähneln den aktuellen in keinster Weise.
Dennoch sollte diese Entwicklung in einem Land, wo in den Reihen der Al Qaida alliierten Al Shabaab Miliz hellhäutige, westliche Terrorrekruten kämpfen, beunruhigen.


Sunday, August 9, 2009

Ogaden - das nächste Darfur


Ein Völkermord geschieht selten über Nacht. Gewaltausbrüche, Mord, Vergewaltigung und Vertreibung können innerhalb weniger Tage oder Wochen stattfinden - siehe Ruanda - aber auch hier finden sich im Vorfeld Anzeichen die auf die bevorstehende Katastrophe hindeuten. Der Weg in den Genozid beginnt in der Regel mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit vom Geschehen. Wird eine Region von internationalen Beobachtern und den Medien abgeschottet kann dies als ein erstes Indiz für Kriegsverbrechen in großem Maßstab gewertet werden.


Im Juli 2007 erhielt das Internationale Rote Kreuz von der äthiopischen Regierung ein Ultimatum von einer Woche um alle Projekte zu beenden und alle Mitarbeiter aus Ogaden abzuziehen. Bis zum September 2007 mussten alle Hilfsorganisationen inklusive der UN-Vertretungen die Region verlassen. Internationalen Medien wurde mit sofortiger Wirkung der Zugang verwehrt.

Seitdem findet am Horn von Afrika, fast unbemerkt und konsequenzlos, ein Konflikt statt der in seiner Form mehr und mehr den Geschehnissen im sudanesischen Darfur gleicht. Der Unterschied ist, die Weltgemeinschaft hat sich Darfur zur moralischen Prüfung gemacht, in Ogaden scheint sie blind zu sein.
Dabei sollte man dieser Krisenregion am Horn von Afrika nicht nur aus humanitärer Sicht mehr Aufmerksamkeit schenken, sondern deshalb weil sie zu einem Sicherheitsrisiko für eine ganze Region und zur geopolitischen Herausforderung für die neuen Wirtschaftsgroßmächte zu werden droht.

Ogaden ist ein umkämpften Territorium zwischen der Republik Somalia, im Osten, und Äthiopien im Westen. Es hat in etwa die Größe der Bundesrepublik Deutschland und ist als
sogenannte “Somali-Region” offiziell Teil des äthiopischen Staaten. Im Norden grenzt das Gebiet an Dschibouti, im Süden an Kenia. Die knapp 5 Millionen Menschen, die derzeit in Ogaden leben, gehören ethnisch mehrheitlich zum Volk der Somali, leben von der Viehzucht und betreiben ein nomadisches Leben in einer wasserarmen, unwirklichen Gegend. Anders als der gesamtäthiopische Staat leben in Ogaden sunnitische Muslime.

Bereits seit dem 15.Jahrhundert bestehen die Bestrebungen der Menschen in Ogaden, sich von der Herrschaft Äthiopiens zu lösen. Verschiedene muslimische Sultanate leisteten über Jahrhunderte den christlichen Kaiserreichen Äthiopiens Widerstand. Nach der Kolonialzeit und der Einführung des Kommunismus in Äthiopien teilten die Herrscher von Addis Abeba die östlichste Provinz Ogaden in zunächst zwei dann in sechs
Sektoren auf um die abtrünnige Region besser kontrollieren zu können. Somalias ehemaliger Diktator Siad Barre beanspruchte das Territorium als Teil “Groß-Somalias” und unterstütze deshalb seit den 1970er Jahren bis zu seinem Sturz 1991 die Unabhängigkeitsbestrebungen in Ogaden. Dort schlossen sich nomadische Stämme zur “Western Somali Liberation Front”
(WSLF) zusammen und führten einen bewaffneten Kampf gegen die äthiopische Vorherrschaft.
Provoziert durch Angriffe der WSLF, unterstützt durch somalische Einheiten, kam es 1977 zum offenen Krieg zwischen der Provinz und Äthiopien. Ogadenische Rebellen eroberten die strategisch wichtigen Städte Harar und Jijiga an der Grenze zu Äthiopien und zwangen die äthiopischen Truppen zunächst zum Rückzug. Zur Unterstützung der kommunistischen Diktatur von Addis Abeba entsandten die Sowjetunion, Kuba und die Volksrepublik Süd-Jemen Soldaten und Material nach Äthiopien.
Die arabischen Golfstaaten ihrerseits griffen den Rebellen durch finanzielle Unterstützung Somalias unter die Arme. Panzer, Kampfflugzeuge und schwere Artillerie kam zum Einsatz.
Am Horn von Afrika entbrannte ein Stellvertreterkrieg in Miniatur-Form.

1978 schließlich eroberte Äthiopien die besetzten Städte und schließlich die komplette Region Ogaden zurück. Insgesamt 6,000 Soldaten und Kämpfer auf beiden Seiten soll diese bewaffnete Auseinandersetzung letztendlich das Leben gekostet haben, darunter auf äthiopischer Seite auch 400 kubanische und 33 russische Söldner.
Seit jener Zeit kommt es immer wieder zum Aufflammen des Widerstandes in Ogaden, den Äthiopien regelmäßig blutig niedergeschlagen hat. Ein offizieller Friedensvertrag 1988 verpflichtete die Rebellen der 1984 neu gegründeten “Ogaden National Liberation Front”
(ONLF) zur Einhaltung einer Waffenruhe und das Nachbarland Somalia zur Beendigung der Unterstützung für die Unabhängigkeitskämpfer.
Nach Ende des äthiopischen Bürgerkrieges erlangte die ONLF weitgehende Kontrolle über die wichtigsten Gebiete Ogadens.

Der jüngste Konflikt in der Krisenprovinz brach 2007 aus. Im Jahr zuvor war Äthiopien auf Druck Amerikas in Somalia einmarschiert um das dortige Bürgerkriegs-Chaos zu beenden.
Die Besatzung durch die christlichen Truppen der äthiopischen Armee führte jedoch zu einem größeren Aufflammen der Gewalt und einer islamistischen Widerstandsbewegung, angeführt von den “Islamic Courts” und ihrem militärischen Armee, der Al Qaida verbündeten Al Shabaab Miliz. Ogadens Rebellen erklärten bereits vor dem Einmarsch Äthiopiens in Somalia man werde das somalische Brudervolk unterstützen und das Militärangreifen.
Als Äthiopiens Armee im Frühjahr 2007 in schwere Gefechte mit den somalischen Islamisten verwickelt war, griffen in Ogaden Kämpfer der ONLF am 24.April eine Öl-Förderanlage in Abola an. 65 Äthiopier und neun chinesische Arbeiter kamen bei den Angriffen ums Leben.

Diktator Meles Zenawi nahm diesen Vorfall zum Einlass für eine großangelegte Militäroffensive gegen die Aufständischen in Ogaden. Deklariert als “Anti-Terror”-Einsatz riegelte das Militär die Provinz ab, ließ keine humanitären Organisationen oder Vertreter der
Medien nach Ogaden. Es drangen dennoch Berichte nach draußen, äthiopische Truppen verübten Racheaktionen und Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung. Unbeachtet von westlichen Medien griff die
Luftwaffe Dörfer an, raubte den Bauern ihr Vieh, erpresste Schutzgelder, verschleppte wahllose Personen, verprügelte, folterte und vergewaltigte mutmaßliche Unterstützer der ONLF. Bis zum Jahresende 2007 berichteten Augenzeugen aus der Region, Regierungsflugzeuge hätten dutzende Zivilisten bei Teppich-Bombardements auf Dörfer getötet, es gebe Sammellager und Gefängnisse in denen die Armee auch Minderjährige
festhalte und foltere. Zu dieser Zeit nannte der UN-Menschenrechtsbeauftragte John Holmes die Situation “ernst, aber noch nicht katastrophal”.

Human Rights Watch jedoch warnte vor chaotischen Zuständen die an Völkermord gleichen. Beobachter sehen im Handeln der äthiopischen Armee eindeutig eine Form von ethnischer Säuberung. Man betreibe gezielt eine Vertreibung von Zivilisten, terrorisiere gezielt die
Bevölkerung um sie zur Flucht zu bewegen. In Korahe, Werder und Degehabur, Gebieten in denen die ONLF keine Anhängerschaft hat, griffen Truppen Dörfer und Siedlungen an, zwangen die Menschen dazu Richtung Süden zu fliehen.

Äthiopiens starker Mann Zenawi erklärte eine humanitäre Krise “hat es nicht gegeben, gibt
es nicht und wird es nicht geben”, während Untersuchungen von Human Rights Watch
ergaben dass unter der äthiopischen Besatzung nicht nur Menschenrechtsverletzungen geduldet sondern angeordnet werden. Mädchen ab dem Alter von 13 Jahren würden von ganzen Gruppen von Soldaten vergewaltigt, es gebe Berichte über verschleppte und ermordete Familienväter und männliche Teenager, Prügelstrafen und Diskriminierung an Checkpoints und in Auffanglagern des Militärs seien Alltag.
Militärisch sei das Vorgehen gegen die Rebellen erfolgreich heißt es aus Addis Abeba, man habe mehrere hundert “Terroristen” der ONLF zur Strecke bringen können. Die Aufständischen wiederum brüsten sich damit bis zu 1,000 äthiopische “Besatzer” getötet zu haben.

Was genau geschieht in Ogaden?

In seiner Form, so betonen Menschenrechts-Beobachter, sei die Region ein "Mini-Darfur". Ziel der äthiopischen Intervention sei es die Aufstandsbewegung der Nomadenstämme niederzuschlagen, Teile Ogadens ethnisch zu säubern und die Kontrolle der Zentralregierung auf die rohstoffreiche Region auszudehnen. Dazu begehen die Soldaten von Premierminister Zenawi offensichtlich Kriegsverbrechen.
Es sind glaubhafte Berichte über Diskriminierung, Vertreibung, Folter, Verschleppung, Vergewaltigungen und Morde. Ähnlich wie in Darfur setze die Regierung die Luftwaffe ein um die ogadenischen Dörfer und Zeltstätten zu vernichten. Flüchtlinge berichten zudem von Sammelstätten, sogenannten "Ogaden-Prisons", in denen völlig willkürlich ausgewählte Personen inhaftiert und misshandelt werden würden.

Warum reagiert Äthiopien in Ogaden so brutal?

Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckte man am Horn von Afrika große Öl- und Gas-Vorkommen. Diese fast ungenutzen Rohstoffreserven befinden sich neben den Offshore-Feldern besonders in der Region Ogaden. Bereits 2004 hatte ein chinesischer Konzern Förderrechte von der äthiopischen Regierung erworben, im April 2007 kam es zum Vertrag (in nicht genannter Höhe) mit dem malaysischen Öl- und Gas-Riesen Petronas.
Im 350,000 km² großen"Ogaden Becken" vermuten Geologen riesige Vorkommen vor allem an Erdgas, diese möchte Äthiopiens Regime so schnell wie möglich zu Geld machen, dafür muss das Gebiet sicher für ausländische Arbeiter sein und die Förderanlagen müssen vor Rebellenangriffen geschützt werden. Aus diesem Grund wollte die Regierung im Jahr 2007 die ONLF vernichtend schlagen, ganz Ogaden unter Kontrolle bringen und militärischen Schutz für die asiatischen Vertragspartner leisten.

Was will die ONLF?

Die ONLF kämpft nach eigener Aussage für ein autonomes Ogaden als Teil von "Großsomalia", dies bedeutet eine Loslösung von Äthiopien und eine Angliederung an Somalia. Politisch fühlen sich die Stämme von Ogaden nicht in Äthiopien vertreten, sie sehen sich als ausgegrenzte, verfolgte Minderheit die gezielt durch die christlichen Äthiopier diskriminiert wird.

Wer unterstützt die Konfliktparteien?

Auf der einen Seite erhält Äthiopien als wichtiger Verbündeter Amerikas am Horn von Afrika jährlich Millionen an Finanzhilfe, logistischer und materieller Unterstützung. Der Einmarsch 2006 im Bürgerkriegsland Somalia wurde von der Bush-Administration durch Satellitenaufklärung, dem Einsatz von Drohnen und sicher auch finanziell unterstützt. Im äthiopischen Regime sah Washington lange ein wirksames Werkzeug gegen die islamistische Bedrohung aus Somalia. Dadurch dass Äthiopien in die Konflikte mit muslimischen Rebellengruppen verwickelt wird, wird zudem ein Übergreifen der somalischen Gewalt Richtung Süden auf Kenia verhindert.

Die ogadenischen Parteien der ONLF und anderer Gruppierungen wiederum erhalten Schützenhilfe, Gelder, Waffen und diplomatische Unterstützung von Seiten der Erzfeinde Äthiopiens - Somalia und Eritrea.
Somalias Übergangsregierung sieht sich im eigenen Land einer islamistischen Opposition gegenüber deren Aktivitäten sie lieber in Richtung Norden gen Äthiopien gerichtet sehen würde. Diejenigen Kräfte in Somalia die bereits das Eingreifen der Äthiopier in den Bürgerkrieg als Angriff sahen, verlangen nach einem freien, unabhängigen islamischen Staat Ogaden, eventuell als Teil Großsomalias.
Eritreas Interessen liegen ebenfalls darin Ogaden dem äthiopischen Einfluss zu entziehen, dafür fungiert man als Übermittler von Waffen, Militärgerät und Munition. Glaubt man Gerüchten aus der Region so trainieren die Kämpfer der ONLF seit Jahren auf eritreischem Territorium und werden von Offizieren der somalischen Milizen und Eritrean Army militärisch gedrillt.

Auch wenn das Schlagwort des Dschihadismus mit Bezug auf die nomadischen Stammeskämpfe der Ogaden vermieden werden sollte, darf nicht außer Acht gelassen werden dass auch die radikale Islamisten von Somalia, über den Jemen bis nach AfPakistan im Kampf der ogadenischen Rebellen einen Dschihad gegen die verhassten äthiopischen
Kreuzritter sehen. Sowohl in Botschaften Ayman al Zawahiris als auch in Aussagen anderer Al Qaida Größen fand Ogaden bereits Erwähnung. Sollte sich in Somalia eine islamistische Basis für das Terrornetzwerk etablieren würden die Shabaab-Mujaheddin ihren "Heiligen Krieg" auch in das nördliche Ogaden tragen und eine rohstoffreiche Region ernsthaft destabilisieren.

Afrika wird in den kommenden Jahren eine führende Rolle in der US-Außenpolitik zukommen und auch Europa kann nicht länger die Augen davor verschließen dass der schwarze Kontinent ein wichtiger Rohstofflieferant, potentieller Absatzmarkt und wirtschaftlich stetig wichtiger werden wird. Selten bleiben die Regionen in denen Öl, Gas und Edelmetalle gefunden werden von Bürgerkrieg, Diktatur und Gewalt verschont.
Im Fall Ogaden hat die Weltgemeinschaft noch nicht realisiert dass es dort wiedereinmal zu einem Genozid kommen wird, vom dem man bei der Gründung der UN hoffte ihn nie wieder thematisieren zu müssen. Amerika wiegt am Horn von Afrika ab, lässt sich mit zwielichtigen Verbündeten ein, die Menschenrechte mit Füßen treten. Vor allem aber scheint man sich von den chinesischen Ambitionen ausstechen zu lassen Afrika zur wirtschaftlichen Goldgrunde zu machen. Der Volksrepublik China bietet sich angesichts der blutigen Niederschlagung des Ogaden-Widerstandes kein Grund zum Protest, es geht um knallharte ökonomische Interessen. In Darfur entschied sich Washington, wenn auch halbherzig, den Fall des pro-chinesischen Öl-Förderers Sudan zum Präzidenzfall für Völkermord im 21.Jahrhundert zu machen, Ogaden ist noch nicht auf der Agenda. Der Konflikt betrifft 5 Millionen Afrikaner in einer bitterarmen Region der Erde die nur durch den somalischen Bürgerkrieg und Piraterie Schlagzeilen macht. Noch einen "failed-state" kann sich dieser Teil der Welt nicht leisten, vielleicht auch deshalb lässt man die Kriegsverbrechen und Brutalität des äthiopischen Regimes geschehen.
Noch will niemand sehen dass daraus mehr erwachsen könnte als nur ein neuer Stellvertreterkrieg zwischen Eritrea, Somalia auf der einen und Äthiopien auf der anderen Seite. Äthiopien als einer der ärmsten Staaten der Erde ist auf Ogaden als Rohstoffquelle dringend angewiesen und wird das Gebiet nicht kampflos in die Unabhängigkeit entlassen.
Die Menschen von Ogaden werden zerrieben zwischen dem Rohstoffhunger der Weltmächte und den Machtspielen der Armenhäuser Afrikas.


Monday, August 3, 2009

Somalischer Terror Downunder?


UPDATE: Wie die australische Polizei mitteilte wurden bei der Großrazzia am Morgen vier männliche Personen im Alter von 22 - 26 Jahren festgenommen. Noch heute sollen sie einem Haftrichter vorgeführt werden. Vermutet wird dass die Gruppe einen Angriff auf eine oder mehrere Militärkasernen nahe Melbourne verüben wollte. Monatelange Überwachung und Beschattung durch den Geheimdienst und die Polizei habe die Planung für derarte Anschläge offen gelegt, hieß es. Angeblich seien die muslimischen Männer, australische Staatsbürger somalischer und libanesischer Herkunft, verärgert gewesen darüber dass ihr eigentlicher Wunsch, nach Somalia zu reisen, nicht Realität wurde. Sie hätten sich dann entschieden Terroranschläge in Australien selbst zu verüben.


Am frühen Morgen des 04.August stürmten 400 Polizisten im Zuge einer Anti-Terror-Einheit mehrere Häuser und Wohnungen in Melbourne.

19 Objekte wurden im Zuge der "Operation Neath" durchsucht, es gab Haftbefehle gegen mehrere mutmaßliche Islamisten. Festgenommen wurden Personen somalischer und libanesischer Herkunft, einige australische Staatsbürger.

Eine Terrorzelle mit Verbindungen zur somalischen Al Shabaab Miliz soll einen Großangriff auf eine australische Militärbasis nahe Melbourne geplant haben. Zum Einsatz sollten u.a. mehrere Selbstmordattentäter kommen. Jüngst waren aus der Gegend um Melbourne zwei Männer nach Somalia gereist um dort im Dschihad zu kämpfen. Einer der Terrorrekruten sei inzwischen zurückgekehrt und gehöre zu den Anführern der Terrorzelle.

Saturday, August 1, 2009

4 Niederländer an somalisch-kenianischer Grenze festgenommen


In Kenia wurden am Donnerstag vier Personen mit niederländischer Staatsbürgerschaft festgenommen. Sie werden verdächtigt sich den somalischen Islamisten der Al Shabaab anschließen zu wollen. Die Verhafteten, alle 21 Jahre alt, erklärten sie seien lediglich "Touristen".

Mittlerweile trafen die Terrorverdächtigen in Brüssel ein und wurden festgenommen. Drei Verhafteten sollen Marokkaner sein, einer sei geborener Somali. Alle bis auf eine marokkanische Person sollen niederländische Staatsbürger sein.

Donnerstagmorgen durchsuchte die Polizei zudem die Wohnungen von drei der Verdächtigen im niederländischen Den Haag.
Einer von ihnen, mit Vornamen Driss, soll 2005 versucht haben sich in Aserbaidschan einer lokalen Dschihad-Organisation anzuschließen. Sein damaliger Reisegefährte Ramazan Keskin erklärte nach der Verhaftung und Abschiebung in die Niederlande, sie seien lediglich unvorsichtige Touristen gewesen deren Visas abgelaufen seien.

Keskin gab zu ein regelmäßiger Besucher der Den Haager As Sunnah Moschee zu sein, einer Einrichtung in der niederländische Ermittler islamistische Aktivitäten vermuten.

Thursday, July 30, 2009

Abu Yahya x 3


Die Auftritte vom neuen Superstar des Dschihadismus, Abu Yahya al Libi, kommen wie am Fließband. Al Qaidas Chef-Propagandist meldete sich innerhalb von nur einer Woche gleich dreimal mit Videobotschaften zu Wort. Dabei vollführte der Libyer auf dessen Kopf das US-Verteidigungsministrium 5 Millionen Dollar ausgesetzt hat eine Weltreise, von den Foltergefängnissen seiner Heimat, über Somalia am Horn von Afrika bis in das nordpakistanische Swat-Tal.

1. Sieg oder Märtyrertum im Swat


In gewohner Manier präsentiert sich Abu Yahya al Libi als Polit-Prediger, erläutert untermauernd mit religiösen Phrasen der Konflikt in Swat sei wie der Gazakrieg für die Palästinenser, eine Tragödie herbeigerufen durch die Marionetten der Amerikas und Israels. Pakistans Armee haben den Taliban durch die Offensive nicht geschadet, sondern lediglich das eigene Volk in Leid gestürzt.

2. In Erinnerung an ein Folteropfer


Ali Mohammed al Fakheri, so soll der richtige Name jenes Mannes sein, den Abu Yahya in diesem Video huldigt. Unter seinem Kampfnamen "Ibn Sheikh al Libi" agierte der libysche Landsmann als Trainer in einem Al Qaida Lager in Afghanistan vor 9/11. Im November 2001 griffen ihn pakistanische Sicherheitskräfte auf als er aus Afghanistan floh. Das US-Militär schickte ihn nach Guantanamo, er soll gefoltert worden sein bevor man ihn 2006 den Behörden in Libyen übergab. In einem dortigen Gefängnis soll das Regime ihn derart gefoltert haben dass er Selbstmord in seiner Zelle beging.

Natürlich kommt für Al Qaida der religiös verbotene Suizid nicht als Todesursache in Frage. Für Abu Yahya steht fest sein Landsmann und ehemalig ranhoher Dschihad-Ausbilder wurde von den Folterknechten Gaddafis ermordet. Damit wird er trotz achtjähriger Abwesenheit vom Schlachtfeld posthum zum Märtyrer und Held verklärt.

3. Ein Sommer des Sieges in Somalia


Heute erschien das jüngste Werk der As Sahab mit Abu Yahya al Libi in der Hauptrolle. Das Video-Statement beschäftigt sich mit den Erfolgen des Dschihad in Somalia, mit dem Sieg des wahren Islam über die Korrupten, Ungläubigen, Marionetten und Verräter. Abu Yahya lobt die militärischen Siege der Al Shabaab Miliz, würdigt deren Treueschwur auf Al Qaida und Osama Bin Laden und ruft die Gotteskrieger am Horn von Afrika auf den Dschihad fortzuführen.

In einem Interview bestätigte am Montag erst Somalias Präsident Sharif Ahmed er wisse dass Abu Yahya al Libi von Osama Bin Laden persönlich mit der Überwachung des Dschihad in Somalia beauftragt wurde. Der libysche Extremist und ehemalige Bagram-Häftling übernehme direkt die Steuerung der Al Qaida verbündeten Gruppen auf dem afrikanischen Kontinent.
Al Qaida im Maghreb unterwarf sich bereits dem Befehl Al Libis.

Wednesday, June 17, 2009

Die Zukunft Al Qaidas


Zwei deutsche Bibel-Studentinnen, weitere europäische Geiseln werden im Jemen vermisst. Mörder und Geiselnehmer bleiben unbekannt, niemand übernahm Verantwortung für die schreckliche Bluttat vom Montag, keine Terrororganisation bekannte sich zur Entführung, Hinweise auf kriminelle Täter bleiben Theorien.


Ob nun Al Qaida´s saudisch-jemenitischer Ableger hinter der Ermordung und dem Kidnapping der Ausländer-Gruppe im Jemen verantwortlich ist oder nicht. Diese Ereignis, genau wie andere in jüngster Vergangenheit sind symbolisch für eine Entwicklung des Terrornetzwerkes die Sorge bereitet.
Die Al Qaida des 11.Septembers 2001 war bereits eine andere als die Organisation es in den späten 1990er Jahren war. Im Laufe des Antiterrorkrieges der USA und ihrer Verbündeter entstand aus dem globalen Dschihad-Netzwerk von Osama Bin Laden ein völlig neues Wesen, eine Bewegung der radikalsten Islamisten, deren Ideologie in einer Art Franchise-System mehrere Länder und Krisenherde infizierte.

Die Zeiten in denen jene Extremisten die in den Heiligen Krieg ziehen wollten in die Lager in Afghanistan reisten, dort monatelang unter Taliban-Herrschaft in einem Sharia-Paradies, trainierten und danach nach Tschetschenien, Bosnien oder ihre europäischen und arabischen Heimatländer zurückkehrten, sind längst vorbei.
Veranlasst sich durch den Sturz des Taliban-Regimes neue Trainingsgebiete zu suchen, schlugen die Bin Laden Anhänger ihre Camps in den pakistanischen Stammesgebieten auf. Wer auf den Schlachtfeldern Afghanistan gegen die NATO kämpfen will, lässt sich seit 2003 in den dortigen Terrorschulen ausbilden. Dutzende, vielleicht hunderte solcher Einrichtungen finden sich in den Herrschaftsgebieten der örtlichen Taliban-Kommandeure zwischen Swat und Belutschistan.
Die Mehrheit der derzeit aktiven Dschihadisten, inklusive europäischer und auch deutscher Islamisten, hat hier den terroristischen Schliff erhalten und wurde ideologisch weiter radikalisiert. Die Attentäter der Anschläge von London, viele in Europa verhaftete Terroristen und eine Reihe der islamistischen Kämpfer die im Irak starb, haben Lager in Waziristan besucht.

Inzwischen gehört aber auch dieses Al Qaida System langsam aber sicher der Vergangenheit an. Der militärische Druck, in erster Linie durch die Drohnenangriffe der US-Armee und des pakistanischen Militärs, auf die Gotteskrieger in den Stammesgebieten wächst, in einigen Teilen des Landes finden blutige Machtkämpfe zwischen Pakistans Armee und den Taliban-Fürsten statt, die Islamisten büßen gerade im Norden mehr und mehr Einflussgebiet ein.

Tausende Kilometer entfernt aber funktioniert das System der ideologischen und organisatorischen Expansion in erstaunlich guter Weise. Al Qaidas bisher erfolgreichster Spross fern des Hindukusch war der Ableger der Organisation im Irak. Von Abu Mussab al Zarqawi zusammengeführt entwickelte sich die “Al Qaida im Zweistromland” zum schlagkräftigsten Terrornetzwerk im Nahen Osten. Hunderte Selbstmordanschläge, spektakuläre Angriffe auf US-Basen, Gefängnisse, Hotels mitten in Bagdad, Entführungen und Enthauptungen vor laufender Kamera - alles was Zarqawis Gruppe innerhalb weniger Jahre auf furchtbarste Weise vollbrachte wies die bisherigen Terroristen der Region, Hamas, Hisbollah und PKK, in den Schatten der Al Qaida zurück.
Unterstützt von einem Strom Freiwilliger aus der arabischen Welt etablierte sich der irakische Zweig von Bin Ladens Gruppierung, als gefährlichste Kraft im Post-Saddam-Irak. Abu Mussab al Zarqawi wuchs zu einem Helden der Dschihad-Szene heran, sein Charisma, seine maßlose Brutalität und Rücksichtslosigkeit, brachten ihn mit Osama Bin Laden auf ein Popularitätslevel. Getötet von amerikanischen Bomben im Juni 2006 verschwand mit Zarqawi die wohl charismatischste und karrieremäßig erfolgreichste Führungsperson des modernen Dschihad. Für seine Anhänger stieg er zum verehrten Märtyrer auf, die Realität auf dem Boden aber ließ sein Lebenswerk, die Al Qaida im Irak, zusammenbrechen. Große Anschläge gegen schiitische Zivilisten sollten einen Bürgerkrieg entfachen der sich wie ein Buschfeuer über das ganze Land ausbreitete, die irakische Gesellschaft durchzog und für eine katastrophale Sicherheitslage sorgte. Problematisch wurde es als die sunnitische Bevölkerung, die Basis für den Erfolg der irakischen Terrorgruppen, der Gewalt durch racheübende, schiitische Milizen ausgesetzt waren, nur noch durch brutale Maßnahmen zur Unterstützung der Dschihadisten gebracht werden konnte. Iraks Sunniten wendeten sich, auch gesponsert durch amerikanische Bezahlung, gegen die islamistischen Kämpfer. Woche für Woche melden seitdem die irakischen Sicherheitskräfte Erfolge im Kampf gegen Al Qaida, die seit zwei Jahren den Namen “Islamischer Staat im Irak” trägt und an Mitgliederschwund leidet. Führungsfehler, strategische Unfähigkeit, ein Mangel an Rekruten, Finanzen und Unterstützung durch örtliche Bevölkerung lassen die Organisation seit gut anderthalb Jahren einen schrittweisen Tod sterben. Militärisch gilt Al Qaida im Irak als besiegt, terroristisch sollte man die Gotteskrieger und ihren kamerascheuen Anführer Abu Hamza al Muhajir nicht. Immer noch sind die verbleibenden Zellen in der Lage Selbstmordanschläge zu verüben, die Gefahr eines ausufernden Bürgerkrieges zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden scheint noch lange nicht gebannt.

Im achten Jahr nach dem 11.September stellt Afghanistans Al Qaida ein Monster dar, dessen viele Köpfe über den Globus verteilt sind und längst nicht mehr auf eine zentrale Führung angewiesen sind. Osama Bin Laden und sein Vize Ayman al Zawahiri dienen heute nur noch als ideologische Wegbereiter, äußern sich regelmäßig in Video-und Audiobotschaften aus ihren Verstecken heraus zu aktuellen Themen der Weltpolitik. Zusammen mit dem inoffiziellen religiösen Schirmherr, Abu Yahya al Libi, verfehlen die Propagandaproduktionen jedoch nicht.
Al Qaida hat Metastasen gebildet, die derzeit aufstrebendste in Nordafrika. Die ursprünglich in Algerien ansässige “Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf” hat sich zur “Al Qaida im Islamischen Maghreb” gewandelt, wächst seitdem und lässt durch Videos und Nachrichtenmeldungen die ganze Welt wissen dass sich in Algerien, Tunesien, Marokko, Libyen, Mauretanien, Tschad, Niger und Mali ab sofort kampfbereite Gotteskrieger nach den Befehlen Bin Ladens richten, europäische Touristen entführen, jüngst eine britische Geisel ermordeten, Suizidbomber gegen westliche Ziele und nordafrikanische Sicherheitskräfte einsetzen. In manchen Gegenden der Maghreb-Region herrschen tatsächlich schon “afghanische Zustände”, Geheimdienste von Washington bis Paris sprechen von einer wachsenden terroristischen Gefahr für Europa.
Nicht nur die “Al Qaida der Maghreb” macht im Jahr 2009 den Anti-Terror-Kämpfern große Sorgen. Gruppen im Libanon, in den palästinensischen Gebieten, in Somalia und dem Jemen haben sich dem Terrornetzwerk angeschlossen. Vorgestern erst schworen die Anführer der somalischen Shabaab-Miliz den Treueseid auf Bin Laden und traten damit in die Al Qaida-Familie ein.
Unter dem Namen “Fateh al Islam” kämpfen seit Jahren radikale Sunniten im multi-religiösen Zedernstaat Libanon den Dschihad. Aus den palästinensischen Flüchtlingslagern wie Nahr el Bared und Ain al Hilweh rekrutieren die Islamisten mehr und mehr Kämpfer, liefern sich immer wieder heftige Gefechte mit der libanesischen Armee die um die wachsende Terrorgefahr in den Palästinenser-Slums weiß. Bald schon wird die Gruppe ihren Namen ändern, unter Al Qaida Flagge kämpfen und eine Zweigstelle des Dschihad in unmittelbarer Nähe zum verhassten Zionisten-Staat Israel darstellen. Erste Bekennerschreiben nach Raketenangriffen aus dem Südlibanon auf israelische Dörfer enthielten bereits die Unterschrift der “Al Qaida in Levant”.
Erste Befürchtungen die Ideologie des weltweiten Dschihad könnte auf die Palästinensergebiete übergreifen bewahrheiten sich zunehmend. Noch nicht in der Westbank, wohl aber im Gaza-Streifen verzeichnen die israelischen Geheimdienste wachsende islamistische Aktivitäten außerhalb der Hamas-Bewegung. Ideologisch gesehen ist die in Gaza aktive “Jund Ansar Allah”, eine Weiterentwicklung der ehemaligen “Jaish al Islam”, viel radikaler, viel weniger kompromissbereit als die Islamisten der Hamas. Talibanähnliche Ansichten warben den großen palästinensischen Widerstandsfraktionen frustrierte, ultrareligiöse Mitglieder ab. Gesponsert durch ausländische Geldgeber findet man heute im Gaza-Streifen einen offizielle palästinensische Al Qaida Filiale, deren Anführer “Abu Abdullah al Muhajir” sogar ein ausländischer Extremist sein soll, der zusammen mit mehreren internationalen Terroristen über die ägyptische Grenze nach Gaza gelangt sein soll als diese in der Vergangenheit mehrfach freien Personenverkehr zuließ.
In den Salafisten der “Jund Ansar Allah” sieht die Hamas-Regierung einen lästigen Konkurrenten, der das internationale Bild vom islamistischen Terror der Palästinenser nährt, den Israelis Argumente liefert von einer direkten Al Qaida Gefahr vor der eigenen Haustür zu sprechen.
Während der letzten Militäroffensive Israels, der Operation “Gegossenes Blei” Anfang des Jahres, sollen gar Mitglieder des bewaffneten Hamas-Flügels stadtbekannte Anhänger der salafistischen Gruppen gezielt ermordet haben, Fotos der exekutierten, langbärtigen Islamisten fanden sich später auf etlichen Al Qaida-nahen Internetseiten.

Längst angekommen sind die Ableger des Terrornetzwerkes im ärmlichen Süden der arabischen Halbinsel. Traditionell von einem konservativen, wahhabitisch beeinflussten Islam geprägt schlossen sich einheimische und ausländische Fundamentalisten unter der Führung des ehemaligen Bin Laden Sekretärs “Abu Basir” im Jemen zusammen, formten die “Al Qaida auf der arabischen Halbinsel” und erreichten somit eine Art Wiederbelebung der ursprünglichen saudischen Bewegung der Al Qaida verbündeten “Al Haramain-Brigade”, die durch den Anti-Terror-Kampf des saudischen Königshauses in den letzten Jahren ihren Todesstoß erhielt und sich in das südliche Nachbarland ohne wirkliche Regierungskontrolle über die nördlichen Provinzen zurückziehen musste.
Hier errichtet Al Qaida seit Jahren nun schon eine feste Bastion, ohne große Kenntnisnahme der Geheimdienste, ungehindert von den jemenitischen Sicherheitskräften, teilweise sogar mit der Duldung der Regierung von Präsident Saleh. Terrorlager in den Bergen außerhalb der Hauptstadt Sanaa sollen mehrere hundert Islamisten aus der ganzen arabischen Welt ausbilden, die dortigen Kommandeure schickte die Al Qaida Führung aus Pakistan, Afghanistan und dem Irak an den Persischen Golf um in Reichweite der strategisch extrem empfindlichen saudischen Öl-Industrie einen Dschihad fortzusetzen der wahrscheinlich jüngst zwei deutschen Bibel-Studentinnen und einer südkoreanischen Lehrerin das Leben kostete.

Beobachter gehen davon aus dass die Expansion der von Osama Bin Laden in eine Form gebrachten Ideologie längst nicht abgeschlossen ist. Wandelbar und anpassungsfähig verfolgt Al Qaida die Strategie vom Feind unbemerkt Rückzugsgebiete zu erschließen, Kämpfer auszubilden und dann dort zuzuschlagen wo es am wenigsten erwartet wird. Regionen wie Westafrika, die muslimischen Landesteile Nigerias, Malis, des Senegals, Nigers und des Tschad hat Al Qaida seit geraumer Zeit ins Auge gefasst, von Somalia aus drohen die Islamisten nach Kenia einzusickern, es gibt Berichte über erste Trainingscamps in der von Uiguren bewohnten chinesischen Provinz Xinjiang, Sprecher der “Islamischen Partei Turkestans” tauchten in Propagandavideos auf, beschworen ihre Treue zu Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Omar. Bombenanschläge und Attentate in Usbekistan, Tadschikstan und Turkmenistan weisen auf Aktivitäten der Dschihadisten in Zentralasien hin.
Auf den Philippinen scheint der Konflikt zwischen der Regierung den islamischen Kampfgruppen der “Moro Befreiungsfront” und der kriminell agierenden “Abu Sayyaf” längst nicht beendet zu sein. Vermehrt kam es auch hier zu Gefechten mit Islamisten im Dschungel des Inselreiches.
Al Qaida´s Appell an die türkischen Unterstützer Geld für den Dschihad bereit zu stellen könnte Hinweis darauf sein dass der europäischste aller muslimischen Staaten neues Rekrutierungsfeld des Terroristen sein könnte. Die Zahl der in Afghanistan und Pakistan getöteten türkischen Kämpfer jedenfalls würde dies untermauern.

Sehen den weltweit gefährlichsten Zusammenschluss gewaltbereiter islamischer Extremisten acht Jahre nach 9/11 geschwächt, in einigen Teilen des Globus gar auf der Flucht oder zumindest in der Defensive, so sprechen die weltpolitischen Ereignisse der jüngsten Zeit eine andere Sprache. Al Qaida´s Zukunft wird gerade erst geschrieben, von Vernichtung ist noch nichts in Sicht, temporäre Siege über die militanten Islamisten täuschen über das Gesamtbild hinweg. Weder Osama Bin Laden, noch Ayman al Zawahiri wurden getötet oder verhaftet, Ex-Präsident Bush musste vor seinem Erzfeind von der Weltbühne verschwinden und Europas Geheimdienste kämpfen fieberhaft gegen eine Flucht von Drohungen und Anschlagsplanungen. Wie so oft, leben tot Geglaubte eben doch länger.