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Monday, February 15, 2010

Die Details zu Detroit - neues Magazin von al-Qaida im Jemen


Al-Qaidas Ableger auf der Arabischen Halbinsel hat ein neues Online-Magazin veröffentlicht. In der 12.Ausgabe des Monatsheftes ist Hauptthema der Anschlagsversuch von Detroit am Weihnachtstag 2009. Die Islamisten gratulieren sich selbst dazu, die Sicherheitsschranken an verschiedenen Flughafen überlistet zu haben und bestätigen dass es sich bei dem verwendeten Sprengstoff um PETN handelte.



Der Attentäter Umar Farouq Abdulmutallab wird als Held gepriesen und seine verhinderte Tat als Reaktiona auf die Verbrechen der USA gegen die Muslime präsentiert.
Amsterdam, so heißt es im Artikel zum Detroit-Anschlag, sei als Anschlussflughafen gewählt worden, da die Niederlande auch eine Kreuzritter-Nation seien, die den Propheten in Zeitungen beleidigt habe und Truppen nach Afghanistan entsendet hat.

Ein weiteres Kapitel des PDF-Dokuments beschäftigt sich mit dem Konflikt im Nord-Jemen. Hier macht al-Qaida klar, dass man die Ideologie und Bestrebungen der schiitischen und damit "abtrünnigen" Houthi-Rebellen nicht teile und eine eigene Agende verfolge, die weder der jemenitischen Regierung noch Teheran oder dem saudischen Königreich diene.

Monday, January 11, 2010

Die Märchen des Abdullah Ali Saleh - Von einem, der gern Opferlamm sein will


N
ur ein Staatsmann der arabischen Welt herrscht länger als Jemens Präsident Abdullah Ali Saleh, nämlich der libysche Diktator Muammar al Ghadafi.
Wie sein nordafrikanischer Kollege gehört auch Saleh zu einer sterbenden Generation arabischer Herrscher, die in Zeiten des Nationalismus, in Zeiten des Systemkampfes zur Macht aufstiegen und den Islamismus nicht als reine Bedrohung, sondern auch als brauchbares Werkzeug sehen - ein tödlicher Fehler.


Seit dem versuchten Bombenanschlag auf NWA Flug 453 in Detroit rückt der Jemen und seine politische Führung immer mehr ins Rampenlicht der internationalen Politik. Heute bereiste der neue deutsche Außenminister Guido Westerwelle das Bürgerkriegsland, dessen Alleinherrscher jüngst dankbar internationale Unterstützung im Kampf gegen al-Qaida angenommen hatte und versprach sein Land werde nicht zu einem "neuen Afghanistan" mutieren.

Auch wenn die Weltpresse sich erst seit ungefähr zwei Wochen auf den bitterarmen Süden der Arabischen Halbinsel stürzt, so sei hier doch darauf verwiesen, dass einige Quellen (beispielsweise dieser Blog) schon seit längerem auf das Monster verweisen, das im Jemen zu einer Bedrohung für die Sicherheit westlicher Staaten heranwächst.

Derzeit überschlagen sich die Reportagen, Berichte, Analysen und Kommentare in Sachen "Terrorland Jemen"und der "Neuen Front im Krieg gegen al-Qaida". Unter all jenen Schreiberlingen sind wenige, die ansprechen worum es eigentlich geht.
Der Fall des nigerianischen Terrorrekruten Abdul Mutallab war ein Schock für die USA und all jene die al-Qaida als zurückgedrängt, besiegt oder geschwächt empfunden haben. Für Jemen´s Staatsführung war der gescheiterte Attentäter ein echter Glücksfall.

Wie nie zuvor in den vergangenen Jahren gilt die Aufmerksamkeit der Außenpolitik von Washington bis Berlin dem arabischen Armenhaus. Präsident Saleh versteht es nur zu gut die Gust der Stunde zu nutzen und sich als Opferlamm zu präsentieren. Er inszeniert sich als Herr eines geschundenen Landes, bedroht durch einen Bürgerkrieg der vom Mullah-Regime Teherans finanziert wird, bedroht durch kommunistische Separatisten im Süden, durch islamistische Fanatiker die angeblich aus Afghanistan, Pakistan und nicht zuletzt auch Guantanamo seine Nation überschwemmen.

Dahinter stehen knallharte Interessen eines Staatsmannes, dessen Kassen leer, Wirtschaft am Boden und politische Zukunft ungewiss sind. Saleh bedient sich einer Methode, die schon in Islamabad erprobt wurde: ich bin das Opfer von al-Qaida, bitte helft mir!
Kaum hatte Abdul Mutallab am 25.Dezember den Ermittlern verraten dass er in einem jemenitischen Terrorlager ausgebildet wurde, da zückte Washington das Scheckbuch und erhöhte die Finanzhilfe für Präsident Saleh. Wer an vorderster Front gegen al-Qaida kämpft, kann sich Amerikas Unterstützung sicher sein. Präsidenten in Zeiten des Antiterrorkrieges werden ungern ausgetauscht, lieber hält man sie, so undemokratisch und menschenverachtend sie auch sein mögen. Einzige Bedingung: sie müssen Bollwerke gegen den Islamismus sein. Dies allerdings, ist bei der Person Abdullah Ali Salehs zu bezweifeln.

Im Fall Pakistan brauchte Washington Jahre um sich selbst einzugestehen dass es kontraproduktiv ist den, undurchsichtigen Militärdiktator Musharraf (von seinen Gegnern "Busharraf" genannt) weiter mit aller Macht, mit Geld und Unterstützung zu halten.
Präsident Saleh ist zum neuen Lieblingsallierten des Westens im Nahen Osten mutiert. Dass er dabei wenig von Menschenrechten, Demokratie oder Korruptionsbekämpfung hält wird leicht übersehen.
Jemens Präsident soll die Waffen erheben gegen al-Qaida, soll sein Land unter staatliche Kontrolle bringen und südlich des Öl-Imperiums Saudi-Arabien keine neue Bastion Bin Ladens zulassen.

Was aber wenn Sanaa nur ein geschicktes Spiel spielt? Urplötzlich sei al-Qaida ein Erzfeind, ein fremdes Geschwür, gepflanzt in den Jemen durch die verfehlte Außenpolitik des Westens. In Wahrheit jedoch, verdankt Präsident Saleh al-Qaida überhaupt seine Stellung als Machthaber des Landes und ging schon vor langer Zeit eine sehr unheilige Allianz mit den Islamisten ein.

Ein Blick in die Geschichte: Im Mai 1990 wurden nach dem Ende des Kalten Krieges die ehemals getrennten Staaten Jemen und die kommunistische "Volksrepublik Süd-Jemen" wiedervereint. Dies geschah nicht ohne Protest der Marxisten, die weiterhin Autonomie forderten und bis heute ihren Widerstand gegen die Zentralregierung von Sanaa nicht aufgaben.
Damals schon völlig verarmt fiel der Jemen in einen blutigen Bürgerkrieg, der tausenden Menschen das Leben kostete und die Südspitze der Arabischen Halbinsel in ein politisches Chaos stürzte.

Saleh und all jene, die den Süden gewaltsam an den Rest des Landes binden wollten, brauchten Hilfe. Bezahlen konnten sie dafür allerdings nicht und das Interesse Truppen in den Jemen zu entsenden war im Westen nicht übermäßig vorhanden.
Es fand sich jedoch jemand der bereit war, gegen die gottlosen Kommunisten im Süden in den Krieg zu ziehen. Jemand der es als religiöse Pflicht empfand die Arabische Halbinsel, heiligen Boden, von Abtrünnigen, Un- und Andersgläubigen zu säubern: al-Qaida.

Osama Bin Laden hatte dem jemenitischen Präsidenten sehr früh schon seine multiethnische Truppe von Gotteskriegern angeboten. Sie würden aus Afghanistan in den Jemen ziehen und dort den Dschihad gegen die Kommunisten ausrufen. Saleh lehnte zunächst ab, als der Bürgerkrieg dann 1994 eskalierte, schleuste er die ersten Islamisten ins Land, begann Jemeniten für den Heiligen Krieg anzuwerben und auszubilden. Entscheidend war in jener Phase der Halbbruder des Präsidenten, General Ali Mohsen al Ahmar, heute Militärchef im Nordosten. Ahmar, ein langjähriger Sympathisant der salafistischen Ideologie, war in den 1980er Jahren beauftragt Jemeniten für den antisowjetischen Dschihad in Afghanistan zu rekruten und nach AFghanistan zu schicken. Mit großen Erfolg: keine andere ausländische Nationalität war derart häufig auf dem afghanischen Schlachtfeld vertreten wie die Jemeniten.

Unter General Ahmar zogen die Dschihadisten Bin Ladens schließlich in den jemenitischen Dschihad gegen die Feinde der Zentralregierung. Die todeswilligen Fanatiker wurden zu dschihadistischen Söldnern. Günstiger konnte Saleh die sozialistischen Gegnerschaft im Süd-Jemen nicht bekämpfen.
Als der Bürgerkrieg schließlich beendet wurde, Sanaa den Süden unterwarf und seitdem eine offiziell geeinte Nation regiert, verschwanden die Mudschaheddin nicht einfach. Viele blieben, heirateten in die jemenitischen Stämme, knüpften Kontakte, bauten Netzwerke auf.
Saudi-Arabien und die Besatzung des US-Zerstörers USS Cole waren die ersten Opfer dieser Entwicklung.

Durch einen politischen Schachzug hatte sich Präsident Saleh die Brandstifter ins eigene Haus geholt, wohl wissentlich dass al-Qaida ihn, einen Schiiten und Nationalisten, wohl kaum als Freund oder Gleichgesinnten betrachtet. Der Präsident bot den Islamisten Freiheiten, die sie besänftigten und einen Dschihad gegen seine Regierung verhinderten.
Nach 9/11 drohten die al-Qaida Zellen im Jemen erneut zu erwachen und in alle Richtungen aktiv zu werden. Der Terror richtete sich zunächst gegen Saudi-Arabien, die Gefahr des Sturzes des Regimes von Sanaa aber blieb. Zuviele Islamisten befanden sich im Land, hatten Koranschulen gegründet und sie zu Kasernen für ihre jemenitischen Rekruten gemacht.

Den schiitischen Rebellen des Nordens verdankte es der Präsident, dass al-Qaida erneut missbraucht werden und so zumindest zeitweise gezähmt werden konnte. Inoffiziell soll der Deal folgendermaßen ausgesehen haben: Rückzugsorte, Trainingsstätten und Schutz vor den amerikanischen Terrorjägern als Gegenleistung für die Beteiligung am Kampf gegen die Houthi-Rebellion.

Al-Qaida willigte im Jahr 2004 zunächst ein und schickte Kämpfer an die Seite der Regierungstruppen in den Nordosten. Wieder hatten Sanaa und Bin Ladens Jünger einen gemeinsamen Todfeind gefunden: die Schiiten.
Für Sanaa ist es ein politischer Krieg gegen eine iranisch-unterstützte Rebellentruppe, al-Qaida jedoch konnte man es wieder als religiöse Pflicht, als Dschihad gegen eine abtrünnige Sekte, verkaufen.

Zweimal also benutzte der aktuelle Präsident des Jemen, die Islamisten für seine Zwecke, missbrauchte sie und ihren Kampfeifer im Glauben man könnte die Extremisten bändigen oder im Zaum halten. Hier und da ließ Saleh sogar durchblicken dass er die Zügel in der Hand hält, ließ hunderte Islamisten in seine Kerker werfen und in Razzien festnehmen.
Letztendlich aber blieb die Allianz bestehen. Absprachen zwischen ihm und Ayman al Zawahiri soll es gegeben haben. Terrorlager sollen mit Wissen und Finanzierung Salehs entstanden sein, alles um einen folgenschweren Pakt zu besiegeln.

Al-Qaida nahm jedesmal dankend an. Ihnen war klar, dass Saleh durch sein politisches Schachspiel in Wahrheit mit dem Teufel ins Bett ging. Wo al-Qaida einmal ist, verschwindet dieses Virus nicht. Es wächst durch Prediger wie Anwar al Awlaki und den "Roten Sheikh" al-Zidani, und lebt von den politischen Konflikten, den ungelösten sozialen Problemen und vor allem von all jenen Fehlern seiner Gegner, die jetzt gerade wieder begangen werden.

Ein Despot spielt im Jemen mit dem Feuer. Aufgebracht durch das gescheiterte Attentat von Detroit weiß er die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft hinter sich. Saudi-Arabien zerquetscht, zerbombt und erstickt die Houthi-Rebellion mittlerweile sogar bei Inkaufnahme eigener, hoher Verluste. Staatsmänner aus Europa und Militärs aus aller Welt gehen nun in Sanaa ein und aus, pumpen Geld ins Land und Stützen einen Mann, der sich in den vergangenen Jahren hervorgetan hat, vor allem durch seine verantwortungslose, undurchsichtige Antiterror-Politik.

Monday, August 17, 2009

Jemens vergessener Krieg


"Eiserne Faust" nennt Jemens Regierung die jüngste Militäroffensive gegen die schiitischen Rebellen des Al Houthi-Klans im Norden des ärmsten aller arabischen Länder.

Mit dem Einsatz des Militärs in der Provinz Saada, der am 12.August begann, startete aus Sicht der nordjemenitischen Aufständischen der "Sechste Krieg", nach bereits fünf teilweise mehrwöchigen Gefechten zwischen Armee und Houthi-Kämpfern seit 2004. Schon im Juni, als westliche Entwicklungshelfer aus Sa´ada, darunter eine deutsche Familie und zwei Krankenschwestern, entführt wurden, warnten die Rebellen ein erneuter Krieg im Norden stehe kurz bevor. Das Regime von Präsident Saleh macht die Houthis für die Entführung und Ermordung der Europäer und der Südkoreanerin verantwortlich, erklärte man werde keinen Staat im Staate akzeptieren und den Aufstand der Zaiditen-Sekte brechen.

Zu diesem zweck rollten nun vor wenigen Tagen Panzereinheiten in die Bergregion nördlich von Sa´ada, an der Grenze zu Saudi-Arabien. Jemens Luftwaffe bombardierte mit Kampfjets und Hubschraubern die Rebellenpositionen und ganze Dörfer im Einflussgebiet der Houthis. Dabei kamen dutzende Zivilisten ums Leben, Gebäude würden reiheweise in Schutt und Asche gebombt. Dies alles geschah und geschieht weiterhin ohne die Aufmerksamkeit der Medien. Einige wenige Aufnahmen aus dem Kriegsgebiet konnte Al Jazeera ausstrahlen, viele Berichte dringen ansonsten nicht nach draußen.
Während die Regierung sechs Bedingungen für das Ende der Kampfhandlungen äußerte, erklärten die Houthi-Rebellen man werde der Unterdrückung so lange Widerstand leisten bis sich die Armee zurückgezogen habe.

Präsident Saleh verlangt von seinen schiitischen Widersachern folgende Konditionen:

Withdrawal from all districts and removing all check points .Going down from mountains, and stopping blocking the roads and sabotages acts. Handing over all equipments, civil and military, they seized. Handing over the kidnapped people from Sa'ada. Non-interference in the affairs of the local authority.

Nachhaltig begründet dürften dabei fast alle Forderungen sein, bis auf die Annahme die Houthis würden hinter der Verschleppung der westlichen Ausländer stecken. Diese Auflage zu erfüllen ist unmöglich, da die Rebellen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verantwortlich für die Tat sind und kein Wissen über den Verbleib der Geiseln haben.
Präsident Saleh brauchte lediglich einen nachhaltigen Grund um erneut den Aufstand im Norden zu brechen.

Dass dies ohne Einspruch der USA geschehen kann, liegt primär an der Tatsache dass die Administration Obama angesichts der katastrophalen Situation im Irak, den Zuständen im benachbarten Somalia, einer immer stärker werdenden islamistischen Gefahr in Nordafrika und dem Drang des Iran auf die schiitischen Minderheiten in den arabischen Staaten Einfluss zu nehmen, keinen neuen "failed state" in der Region gebrauchen kann. Unterstützt durch amerikanische Militärausbilder, Informationen durch die CIA und durch finanzielle Mittel, versucht man das schwankende Regime von Sanaa am Leben zu halten. Gerade die nördliche Grenzregion zum saudischen Königreich wurde durch den Kontrollverlust der Zentralregierung zu einem unsicheren, gesetzesfreien Raum, in dem Drogenhandel, Schmuggel, das Entführungsbusiness und Waffenhandel blühen. Saleh will den Houthi unter keinen Umständen Autonomie gewähren und hat die Niederschlagung des Schiiten-Aufstandes zur Priorität gemacht. Dazu greift sein Militär sogar auf Pakte mit den Islamisten der Al Qaida zurück und setzt auf ein radikalislamisches, salafistisches Gegengewicht zur schiitischen Sekte der Zaiditen.



Opfer sind wieder einmal die Zivilisten, die in einem blutigen Streit zwischen dem rücksichtslosen jemenitischen Militär und den uneinsichtigen Houthi-Kämpfern zerrieben werden und schutzlos den Strafaktionen der Armee ausgesetzt sind während die Rebellen in den Bergen zur Partisanen-Taktik greifen.

Monday, June 15, 2009

Starben deutsche Geiseln durch Al Qaida?


BILD NEWS-TICKER:

Montag, 15. Juni 2009, 12:29 Uhr
Im Jemen sind die Leichen von drei Deutschen erschossen aufgefunden worden, die am vergangenen Freitag nördlich von Sanaa verschwunden waren. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben eines Sicherheitsbeamten in Sanaa um drei Frauen. Anderen Meldungen zufolge seien insgesamt sieben der neun im Jemen entführten Ausländer tot



15. Juni 2009, 12:30 Uhr

Im Jemen sind nach Angaben eines Sicherheitsbeamten die Leichen von drei Deutschen erschossen aufgefunden worden. Sie waren möglicherweise am Freitag verschleppt worden. Allerdings hatte es nie Lösegeldforderungen gegeben.

Unbekannte haben im Jemen drei deutsche Frauen getötet, die am vergangenen Freitag nördlich von Sanaa verschwunden waren. Das sagte ein hochrangiger Beamter des jemenitischen Innenministeriums. Die Leichen wurden seinen Angaben zufolge in der Provinz Saada gefunden. Die Frauen seien durch Schüsse getötet worden, hieß es. Vom Auswärtigen Amt liegt bisher keine Stellungnahme dazu vor.

http://www.welt.de/politik/article3928023/Drei-der-im-Jemen-entfuehrten-Deutschen-angeblich-tot.html


Der Jemen gehört auf der Liste der Länder in denen das Risiko als westlicher Tourist entführt zu werden, zu den Top 5. Nirgends sonst in der arabischen Welt werden so oft Ausländer als Geiseln verschleppt und dann in Stammeskonflikten und der Lösegeld-Maschinerie als Ware gehandelt.
Am Freitag entführten unbekannte eine Gruppe deutscher Staatsbürger nördlich der Hauptstadt Sanaa. Insgesamt sieben Deutsche, darunter ein Ehepaar und ihre drei Kinder sowieso eine Südkoreanerin und ein Brite sollen sich unter den neun verschwundenen Personen befinden.
Ort der mutmaßlichen Entführung ist die Provinz Amran, nördlich von Sanaa. Noch bevor irgendwelche Informationen über die eventuellen Geiselnehmer auftauchten teilte das jemenitische Innenministerium mit, die Deutschen seien von den zaiditischen Rebellen des Houthi-Stammes entführt wurden. Die Klans der schiitischen Sekte befinden sich seit Jahren im Aufstand gegen die Regierung von Präsident Abdullah Saleh und nutzen mehrfach europäische Geiseln um Stammesangehörige aus Gefängnissen freizupressen und den militärischen Druck auf ihre Heimatregion zu verringern.
Jemens Regierung führt immer wieder Krieg gegen die schiitischen Rebellen, deren Verbreitungsgebiet sich hauptsächlich auf den bergigen Norden des Landes beschränkt. In der Gegend in der heute einheimische Hirten die Leichen von drei deutschen Frauen fanden, befindet sich allerdings der Ort Al Nashour, ein Rückzugsgebiet und Aufenthaltsort saudischer, kuwaitischer und jemenitischer Al Qaida Kommandeure.



Anders als in den vorangegangenen Fällen dementierte die Führung der Rebellenorganisation sofort etwas mit einer Entführung zutun zu haben. Man sei nicht für das Verschwinden der Europäer verantwortlich.
Die Reihen der Verdächtigen lichten sich also zunehmend. Bewahrheitet sich die schlimmste Befürchtung, dann könnte sich am Ende Al Qaida als verantwortliches Element herausstellen. Im Zuge des weltweiten Franchising-Prinzips des Terrornetzwerkes wächst seit Jahren im Jemen die Organisation heran die sich seit letztem Jahr offiziell “Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel” nennt, und einen Dschihad vom Jemen aus, auch gegen das saudische Regime führen will. Experten zufolge ist der jemenitische Al Qaida Ableger inzwischen derart gefährlich und gewachsen, dass ausländische Kämpfer von Afghanistan aus in den Jemen reisen um dort im Heiligen Krieg zu kämpfen.

Ich berichtete über die wachsende Gefahr durch die jemenitischen Islamisten bereits im März.
Noch
gibt es keine Bestätigung dafür dass Al Qaida für den Tod der deutschen Staatsbürger verantwortlich sein könnte, Audiobotschaften und schriftliche Statements der Gruppe im Internet lassen allerdings darauf schließen dass eine Entführung in die Taktik zur Intensivierung des Dschihad in der Region passen würde. Geiseln ohne Forderung, ohne Videobotschaft oder auch nur Bestätigung zu erschießen passt trotz aller Verdachtsmomente nicht in das Schema der Bin Laden-Jünger.
Möglicherweise handelten die Terroristen aus Rache. Gestern erst meldete das Innenministerium jemenitische Sicherheitskräfte hätten am Freitag östlich der Hauptstadt einen gesuchten hochrangigen Al Qaida Finanzier verhaftet. Hassan Hussein Bin Alwan, ein saudischer Staatsbürger, soll Hauptverantwortlicher gewesen sein für globale und regionale Finanztransaktionen, die Versorgung der verschiedenen mit Al Qaida allierten Gruppierungen in der Region mit Geld und Material.
Es wäre nicht überraschend, sollte Al Qaida im Nachhinein ein Statement oder sogar Videomaterial liefern, in dem verdeutlicht die Deutschen wären aufgrund des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr hingerichtet worden.

Damit wird klar wovor Geheimdienstler warnten: Al Qaida wird versuchen durch gezielte Anschläge und Entführungen von deutschen Staatsbürgern die Bevölkerung der BRD im Wahljahr 2009 zu beeinflussen.