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In Afghanistan wird unter den Augen der westlichen Truppen eine totgeschwiegene Form des Kindesmissbrauchs praktiziert. Minderjährige Jungen werden von mächtigen Männern als Sexsklaven ausgebeutet, und alles scheint gesellschaftlich akzeptiert.
Eine Hütte irgendwo in Afghanistan. Es herrscht Partystimmung, die anwesenden Männer sitzen auf dem Boden, einige spielen Instrumente, andere singen. In ihrer Mitte springt und wirbelt ein kleiner Junge. Er trägt seidene Frauenkleidung, um seine Handgelenke sind Glöckchen gebunden. In femininen Bewegungen tanzt der Junge zum Rhythmus des Tamburins. Das Publikum ist begeistert, es kann die Blicke kaum abwenden vom Knaben-Tänzer.
Die hier beschriebene Szene ist keine harmlose, afghanische Dorftradition, denn der Kindertänzer wird nach seinem Auftritt mindestens einen der Herren aus dem Publikum sexuell befriedigen müssen. Er ist ein Sexsklave und wird als solcher regelmäßig missbraucht.
Was sich nach einem schockierendem Einzelfall anhört, handelt sich um eine im Westen kaum wahrgenommene, in Afghanistan aber weit verbreitete Form der Kinderprostitution. Sie ist tief verwurzelt in der afghanischen Gesellschaft und weitestgehend akzeptiert.
Baccha Baazi (Jungen-Tanz) heißt dieser schockierende Ritus und wird angeblich seit Jahrhunderten in Afghanistan praktiziert. Kleine Jungen bis zum Alter der Pubertät werden versklavt, und zu Tänzern für Sexpartys ausgebildet. Meist stammen sie aus ärmlichen Familien auf dem Land, werden als Waisen von der Straße geholt oder schlichtweg entführt. Die "Bacchis", so der Name der tanzenden Jungen, werden zum Eigentum mächtiger Kriegsfürsten, lokaler Polizeichef und reicher Geschäftsmänner.
In Frauenkleidung, mit Glöckchen an Hand- und Fußgelenken vollführen sie vor ausschließlich männlichem Publikum ihre einstudierten Tänze. Dazu wird Musik gespielt, oft werden Lieder über unerwiderte Liebe und Begierde angestimmt. Teilweise finden regelrechte Wettbewerbe zwischen den Tanzjungen verschiedener "Besitzer" statt. Nach der offiziellen Ende der Tanz-Darbietung werden die minderjährigen "Bacchis" dann von ihrem Herren und oft auch dessen Gäste sexuell missbraucht. Sie sind gleichzeitig Unterhaltungskünstler und Zwangsprostituierte.
Zur Zeiten der Taliban-Herrschaft waren die Jungentänze zumindest offiziell verboten, mittlerweile fluoriert diese Unterhaltungsindustrie. Händler bieten DVDs an, auf denen Baccha Baazi-Abende zu sehen sind, einige Zuhälter haben sich auf das Tanz-Training der Jungen spezialisiert und lassen die Kinder danach anschaffen...
"Bin Laden Zentralasiens", ein "usbekisches Monster", der "brutalste Taliban-Söldner" - Tahir Yuldashev, der Anführer der "Islamischen Bewegung Usbekistans" hatte viele Namen. Für seine Anhängerschaft war er nur der "Emir", ihr ranghöchster Kommandant, mit Kampfnamen "Mohammad Faruq".
Yuldashev, so bestätigte es nun die IBU, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Die IBU feiert ihren Emir als "Märtyrer" und veröffentlicht Fotos seiner Leiche. Wie und wann genau der usbekische Dschihad-Führer ums Leben kam, bleibt unklar. Erste Mutmaßungen deuten jedoch darauf hin, dass die Todesmeldung lediglich eine Bestätigung sein könnte für erste Gerüchte aus dem Herbst 2009.
Über einen usbekischen Radiosender hatte ein angeblicher Leibwächter Yuldashevs im September 2009 erklärt, der bullige Islamist sei kurz nach dem tödlichen Raketenangriff auf den pakistanischen Talibanchef Baitullah Mehsud, ebenfalls durch eine US-Drohne getötet worden. Amerikanische wie pakistanische Geheimdienste bestätigten wenig später, nach ihrer Erkenntnis sei Tahir Yuldashev am 27.August 2009 in Süd-Waziristan von einer amerikanischen Rakete schwer verletzt worden. Er soll ein Bein und einen Arm verloren haben und wurde schwerst verwundet in ein Krankenhaus in der südpakistanischen Provinz Belutschistan gebracht, wo man nur noch seinen Tod feststellen konnte.
Von der IBU gab es zu diesen Meldungen keinerlei Kommentar. In der andauernden Propagandaflut gab es keine Anzeichen dafür, dass der charismatische Anführer nicht mehr am Leben sein könnte. Weiter wurden Ansprachen und Kampfszenen von Yuldashev in die Propagandavideos eingebaut, anderen Märtyern wurde gehuldigt - doch vom Tod Yuldashevs kein Wort.
Jetzt ist es offiziell, hinterlässt jedoch einige Fragen, primär jene nach dem wo und wie. Nur aus den Fotos seiner Leiche lässt sich nicht sagen unter welchen Umständen Yuldashev starb. Für die NATO und für Pakistans Sicherheitskräfte ist der Tod des Usbeken ein Segen. Yuldashev, geboren 1967 im südusbekischen Fergana, galt als entscheidender Machtfaktor am Hindukusch. Er hatte die IBU Anfang der 1990er Jahre in Usbekistan gegründet hatte, mit dem Ziel die zentralasiatischen Regime der GUS zu stürzen und ein islamisches Kalifat zu gründen, das die Territorien von Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisien, Kasachstan und Turkmenistan einschließt.
Zu diesem Zweck rekrutierte er als junger Prediger die verzweifelten, perspektivlosen Jugendlichen in den muslimischen Gemeinden der zerfallenen Sowjetunion. Hunderte Zentralasiaten schlossen sich ihm an und bildeten eine multiethnische, aber usbekisch und turkstämmig dominierte Kampftruppe, die zunächst in Afghanistan unter den Taliban Ausbildungscamp betrieben und nach 9/11 ins benachbarte Pakistan flohen.
Kämpfer der IBU - Usbeken, Tadschiken, Russen, Tschetschenen, Uiguren, Tartaren Araber, Europäer - sind seit den 1990er Jahren an den verschiedenen Fronten in und um Afghanistan vertreten. Yuldashev selbst soll in Tadschikistan in den Dschihad gegen das kommunistische Regime gezogen sein, ebenso in Kirgisien und als Kommandeur der Mudschaheddin während der US-Operation "Anaconda" in den Bergen von Paktika im Jahr 2002.
Pakistan ist heute das Hauptaktionsfeld der IBU, die sich in den Stammesgebieten eingenistet hat und als loyale Söldnertruppe für verschiedene Taliban-Fürsten einsteht. Unter Baitullah Mehsud´s Herrschaft in Süd-Waziristan sollen Yuldashevs Kämpfer als Leibwächter und "Männer fürs Grobe" agiert haben. In Gefechten fürchteten die pakistanischen Soldaten besonders sie - die Brutalität und Kampfeshärte der Usbeken gilt in Waziristan als legendär. Mit al-Qaida dürfte die IBU auch erhebliche Schnittmengen haben. Ihre Nähe suchte besonders Yuldashev, von dem einige Quellen behaupten er säße in der "Shura" al-Qaidas, dem Führungsgremium. Videos zeigen ihn auch tatsächlich an der Seite von Bin Laden Vize Ayman az-Zawahiri.
Unter dem Oberbefehl der Taliban sickerte die IBU in den vergangenen Jahren ins nördliche Afghanistan und hat inzwischen in der Provinz Kunduz eine Machtbasis errichtet. Bis zu 80 IBU Kämpfer terrorisieren dort ISAF-Truppen wie afghanische Verbündete. Einen "Unter-Kommandeur" der IBU namens "Abu Bakir" wurde am vergangenen Wochenende durch einen US-Luftangriff auf ein Gehöft in Kunduz getötet. Zu diesem Zeitpunkt soll der Dschihadist vier Selbstmordattentäter in seinem Haus beherbergt und auf Anschläge vorbereitet haben.
Der neue Emir der IBU - Usman Odil
Ob Tahir Yuldashev in Afghanistan oder Pakistan starb, wird sicherlich demnächst von Seiten der IBU bekannt gegeben werden. Ein Video soll bald erscheinen, die Nachfolge von Yuldashev aber ist schon geklärt: Osmon Odil, ein vergleichsweise junger, fast bartloser aber kampferprobter Kämpfer wird der neue Emir der IBU.
Im vergangenen September schockten die Aufnahmen ausgebrannter Lastwagen in einem Flussbett nahe Kunduz die Bundesrepublik. Sie waren der visuale Beweis, dass sich Deutschland am Hindukusch im Krieg befindet und dass Krieg Menschenleben kostet, sowohl militärisches, als auch ziviles.
Mit nun veröffentlichten Aufnahmen der Taliban, posierend mit einem ausgebrannten Wrack eines deutschen "ATF Dingo" im Char Darah Distrikt von Kunduz, nimmt der Einsatz der Bundeswehr einen nächsten, traurigen Etappensieg.
Die Islamisten präsentieren erstmals ein zerstörtes deutsches Militärfahrzeug wie eine Trophäe. Ähnlich wie Steinzeitkrieger das Erlegen eines Mammuts feiern, tanzen und beglückwünschen sich die Taliban rund um das Fahrzeug, das wohl durch eine Sprengfalle zerstört und somit zum rollenden Sarg für deutsche Soldaten wurde.
Es sind die traurigen Zeugnisse des wohl härtesten Gefechts, dass deutsche Truppen jemals seit ihrer Stationierung in Afghanistan führten. Drei deutsche Soldaten überlebten ihre schweren Verletzungen nicht, die sie erlitten, als Taliban einen Minenräumtrupp des Kunduz-Kontingents im Unruhedistrikt Char Darah angriffen. Laut Medienberichten verstarben die Soldaten während des Abtransportes per Hubschrauber. Fünf weitere Soldaten wurden schwer verletzt, vier weitere sollen leicht verwundet worden sein.
Internet-Statement der Taliban - "3 Panzer zerstört, 15 deutsche Soldaten getötet"
Im Internet brüsten sich die Taliban wie so häufig mit einer weit höheren Zahl gefallener deutscher Soldaten. Von 15 toten Bundeswehrsoldaten und drei zerstörten Panzern ist da die Rede. Außerdem sei in einem anderem Teil Char Darahs noch ein zusätzliches deutsches Militärfahrzeug durch eine Sprengfalle unter einer Brücke zerstört worden. Auch dabei habe es Tote gegeben, so die Taliban.
Rückblickend wirkt es wie eine Prophezeiung: am Tag nachdem al-Qaidas Medienschmiede As-Sahab ein Propagandavideo veröffentlichte, in dem die Zerstörung eines deutschen Bundeswehrfahrzeuges durch eine Sprengfalle im nordafghanischen Kunduz zu sehen sein soll, griff eine Hundertschaft der Taliban am Karfreitag einen Konvoi der Bundeswehr an. Drei deutsche Soldaten starben und mindestens fünf weitere wurden bei den schwersten Gefechten seit Beginn des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr verletzt.
Ausschnitt aus al-Qaida Propagandavideo "Zerstörung eines Militärfahrzeuges der deutschen Truppen in der Provinz Kunduz"
Gestern überraschte das Terrornetzwerk al-Qaida mit einem knapp zweiminütigen Video, das angeblich einen IED-Anschlag auf ein Fahrzeug der deutschen Truppen in der Provinz Kunduz zeigen soll. Von Seiten des Bundesverteidigungsministeriums hieß es dazu, der Propagandafilm zeige auf keinen Fall einen Anschlag auf ein deutsches Militärfahrzeug des Typs "Dingo". Deutsche "Dingos" verfügen laut Bundeswehr, über eine andere Lackierung. Auszuschließen sei allerdings nicht dass es sich um ein Fahrzeug einer anderen ISAF-Nation, beispielsweise Tschechien oder Belgien, handeln könnte, das tatsächlich in Afghanistan Opfer einer Sprengfalle wurde.
Warum al-Qaidas Medienabteilung ausgerechnet der deutschen Armee ein eigenes Anschlags-Video widmete bleibt fraglich. Zweifelsfrei wurde es derart visuell aufgearbeitet, z.B. durch ein Standbild deutscher Soldaten die den Sarg eines getöteten Soldaten tragen, dass der Adressat Deutschland zweifelsfrei auszumachen ist. Gefilmt worden sein soll der Anschlag aber nicht vor kurzem sondern bereits im Islamischen Jahr 1430 Hijra sprich 2009. Als wolle man der Drohung Nachdruck verleihen oder die Propagandabotschaft in blutige Taten umsetzen, griffen heute knapp 200 Taliban-Kämpfer einen Konvoi der Bundeswehr im Char Darah-Distrikt von Kunduz an. Der Hinterhalt begann nach Angaben eines Bundeswehrsprechers gegen 11:30 Uhr deutscher Zeit und dauerte mehrere Stunden. Nach Angaben des Provinzgoverneurs war die deutsche Militäreinheit ausgerückt um ein Brückenbauprojekt zu überwachen und eine Minenräumung vorzunehmen.
Dabei seien die Soldaten aus mehreren Richtungen von Taliban-Kämpfern beschossen worden. Als sich der Konvoi zurückziehen wollte, fuhr ein Fahrzeug, nach Agenturmeldungen wahrscheinlich ein "Dingo" auf eine versteckte Sprengfalle auf. Insgesamt drei Soldaten kamen ums Leben, fünf weitere wurden schwerverletzt in die Bundeswehrlager nach Kunduz und Mazar i-Sharif abtransportiert.
Afghanische Quellen berichten es seien lediglich zwei oder drei Taliban getötet worden, einer der örtlichen Rebellenkommandeure, Mullah Habib habe den Angriff angeführt und sei verwundet worden.
Ob Oberst Klein in der Nacht des 05.September bereits wusste, dass die Bomben, die im nordafghanischen Kunduz fielen, in Berlin für ein Erdbeben sorgen werden?
Angeblich mit "besten Wissen und Gewissen", so Verteidigungsminister Guttenberg, handelte der Militär als ihn die Meldung erreichte Taliban hätten zwei Tanklaster entführt und seien mit ihrer Beute in einem Flussbett stecken geblieben. Das traurige Ergebnis der militärischen Entscheidung, einen amerikanischen Jet die beiden Fahrzeuge - inklusive den umstehenden Personen- bombardieren zu lassen, ist mittlerweile bekannt.
Obwohl, so wirklich bekannt ist es immer noch nicht. Wie viele zivile Opfer forderte der Luftangriff? 70? 120? 149? 170? Starben Taliban-Führer? Waren gar alle Personen Sympathisanten, Helfers-Helfer oder Angehörige der Islamisten? Die Nacht der Nächte von Kunduz wird demn„chst einen Untersuchungsausschuss besch„ftigen.
Noch bevor analysiert, untersucht, ausgesagt und entschieden wird, rollten Köpfe. Verteidigungsminister Jung, nach der Bundestagswahl Ende September zum Arbeitsminister degradiert, legte in Rekordzeit sein Amt nieder. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Schneiderhahn, und wurden gegangen.
Als dann durch das von BILD veröffentlichte Video des Luftangriffs bekannt wurde, dass die Bundeswehr anscheinend entschlossener und rücksichtsloser agierte, als bisher angenommen, kam der Fall erneut ins Rollen. Die politische Opferzahl droht zu steigen, während Bundeskanzlerin Merkel weiter schweigt und Parteipartner Karl Theodor zu Guttenberg verkünden lässt: es wird Blutgeld geben um Blutrache zu verhindern.
Talkshows von Anne Will bis Maybritt Illner und die gesamte Couleur der Tagespresse hat sich inzwischen zum Untersuchungsausschuss formiert. ™ffentlichkeitswirksam wird kommentiert, gerichtet, bewertet, beschwichtigt und gelogen. Ist Oberst Klein ein schiesswütiger Rambo? War die Aussage, man habe verhindern wollen dass die Taliban aus den Tanklastern Autobomben basteln, gelogen? War die Entscheidung letztendlich eine Frage von ?Wenn dort unten Taliban-Führer sind, dann will ich sie kriegen??
Die Diskussion erhält nun einen ekelerregenden Charakter, eine Form, die es einer freien Demokratie und einer parlamentarischen Armee nicht würdig ist.
Fakt ist: zum ersten Mal seit dem 2.Weltkriegen starben auf Anordnung eines deutschen Milit„rs Zivilisten einer fremden Nation. Wie dringend dies Aufkläung, Erklärung, Entschuldigung und Konsequenzen bedarf, muss nicht betont werden. All das wird es geben. Da wird Oberst Klein jedoch bereits Mörder sein, Kriegsverbrecher, abgestempelt von Presse, Pseudo-Experten, Intellektuellen und pazifistischen Utopisten.
Dabei hätte es so einfach sein können. Ein einziges Wort h„tte den Blickwinkel ver„ndert, h„tte die Diskussion in eine andere Richtung geführt, h„tte ihr vor allem einen ehrlicheren Charakter verliehen.
"Krieg" heißt dieses Zauberwort. Durch die Vermeidung dieses Begriffs stellt sich die Bundesregierung eine juristische Falle, in der sie sich selbst unweigerlich stoáen musste, bzw. gestoáen wurde. Deutschland führt keinen Krieg, sondern baut auf, schafft und sichert Frieden. Der Gegner schieát, bombt, tötet und wird getötet, aber Krieg sei es noch lange nicht. Aus Sicht der Truppe, deren Fahrzeuge von Kugeln durchsiebt, Panzerf„usten getroffen oder von Sprengfallen zerfetzt nach den Partouillen in die Lager zurückkehren, würde dies zu Gelächter führen. Wäre die Situation nicht todernst.
Die NATO führt in Afghanistan Krieg, alles andere ist Lüge, Wunschdenken, Träumerei und juristisches Geschwafel. Den Frieden den es im Zuge von ISAF zu sichern gilt, hat das Land am Hindukusch seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Groábritannien trauert um seinen 100.Soldaten, der seit Jahresbeginn in Afghanistan starb, die Zahl der Bombenanschläge erreicht die einstige Hochzeit des Irakkrieges, von den Opfern der Zivilbevölkerung ganz zu schweigen.
"Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges" - diese Weisheit ist allgemein gütig, allseits bekannt, überdauert Zeit und Ort. Wäre das Wort als Beschreibung des deutschen Afghanistan-Einsatzes schon vor Jahren gefallen, wärde Kunduz jetzt nicht zum Fallbeil der Vernunft in der deutschen Afghanistan-Politik. Weil wir es nicht Krieg nennen, stirbt die Wahrheit auch nicht. Sie muss irgendwo sein, sie muss gesagt werden und sie wird verlangt. All das wird unmöglich für die Kunduz-Verantwortlichen wenn sie um einen Begriff eiern, der so schwammig wie unsinnig ist.
In Zeiten des Krieges sterben Menschen, der Feind genauso wie die eigenen Soldaten. Dieses eine Wort ändert vieles, nicht aber die Verantwortung und die Frage der Schuld. Für den Oberst aber hätte es bedeutet, er entscheide in einem Kriegseinsatz, er kalkuliere das mögliche und schlimmstmögliche und hat Recht und Pflicht den Feind zu treffen, sollte es ihm möglich sein.
Was passiert jetzt, wo Krieg weiterhin Tabu ist, wo zwei Tanklaster Nazi-Rufe auslösen und von Kriegsverbrechen die Rede ist? Ein Soldat ist, egal welche Ideale ihm eine Partei aufdrückt, kein THW-Helfer in Uniform, kein NGO mit Waffe im Anschlag. Militärische Aufgaben lassen sich nur militäisch lösen. Dass dabei Menschen sterben, ist das Fundament dieses Handelns.
Jeder deutsche Soldat muss fürchten, beim Bet„tigen des Abzugs vor dem Staatsanwalt zu laden, als Verbrecher und M”rder abgestempelt zu werden. Selbst dann, wenn ihm die Taliban-Kugeln und Raketen um die Ohren fliegen und Kameraden in hinterhältigen Anschlägen sterben.
Es ist eine Schande, dass eine Regierung seine "Bürger in Uniform" in einen wahrhaftigen, mörderischen Guerilla-Krieg schickt, die Läufe ihrer Gewehre aber mit juristischen Phrasen verstopft und ihnen die Möglichkeit nicht nur der Reaktion sondern auch der Aktion zur Prävention, verwehrt.
US-Armee und britisches Militör töten seit Jahren, weil sie es in ihrer Situation müssen. Sie unternehmen Razzien, sie jagen und töten Taliban-Führer. Deutschland hat sich entschieden, dies nicht zu tun. Sie wollen in einem Wespennest sitzen in der Hoffnung, die Imagepflege durch das Nichtstun würde deutsches Leben retten.
Handlungen, die zweifelsfrei kriegerisch sind, müssen dabei zwangsläufig erscheinen wie "unangemessene" Brutalität, Willkür, Schießwütigkeit. Das Verständnis, nicht einmal die Akzeptanz, wäre in der deutschen Bevölkerung und auch Politik, schneller und umfassender Vorhanden, wäre Afghanistan aus dem Mund von Frau Merkel, Herrn Jung oder zu Guttenberg endlich das, was es ist: Krieg.
Ich bin noch nicht dazu gekommen den kompletten ISAF-Bericht zum Luftangriff von Kunduz zu lesen, kann aber bereits jetzt sagen, dass das geheime Dokument ("nur für den Dienstgebrauch") für neuen Zündstoff in der Debatte um den Luftangriff vom September sorgen dürfte.
Eine nächtliche Befreiungsaktion amerikanischer und britischer Spezialeinheiten befreite den britischen New York Times-Journalisten Stephen Farrell im nordafghanischen Kunduz. Sein afghanischer Dolmetscher, der bis August in Deutschland lebte, kam dabei neben einem britischen Soldaten ums Leben. Auch auf Seiten der Entführer gab es Tote. Taliban hatten ihn am vergangenen Samstag verschleppt als er das "Nachbeben" des NATO-Luftangriffs auf zwei entführte Tanklaster untersuchen wollte. Der lokale Kunduz-Kommandeur Mullah Salam sei verantwortlich hieß es.Die NYT hatte eine Nachrichtensperre über den Fall verhängt um das Leben des Mitarbeiters nicht zu riskieren.
Der folgende Text entstand in den vergangenen Tagen, wurde jedoch auf Rücksichtnahme auf Stephen Farrells Situation noch nicht veröffentlicht:
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Ein britischer Journalist wollte den Hergang und die Folgen des NATO-Luftangriffs im afghanischen Kundus untersuchen, und wurde Opfer einer Entführung. Zum ersten Mal wurde damit in der Sicherheitszone der deutschen ISAF-Truppen ein westlicher Journalist von den Taliban verschleppt. Dessen Arbeitgeber, die New York Times, will die Medien Stillschweigen bewahren. Die Geschichte tragisch, denn es handelt sich um einen erfahrenen Kriegskorrespondenten und dies ist bereits die zweite Geiselnahme seiner Karriere.
Im Frühjahr 2004 wurde der Brite Stephen Farrell Reporter der “Times”, zum ersten Mal Opfer einer Entführung. Zusammen mit einer freischaffenden US-Journalistin war er von Jordanien unterwegs Richtung Bagdad. Bei der damaligen Rebellenhochburg Falludscha zerschossen bewaffnete Angreifer die Reifen ihres Wagen und verschleppten Farrell und seine Kollegin. Nachdem man ihn ausgeraubt hatte, so beschrieb Farrell später in einem CNN Interview, habe man ihn “zehn Stunden lang mit Fragen bombardiert.” Seine weibliche Begleitung wolle man verschonen, erklärten die Entführer, aber ihn werde man töten. Der Chef der irakischen Entführergruppe sah es aufgrund von Farrells Glatze als erwiesen an, dass seine Geisel kein Zivilist sei. “Du bist Soldat, du hast kurze Haare, du bist von der CIA, du bist ein amerikanischer Spion”, zitiert Stephen Farrell später den Kidnapper. Ein älteres Foto auf dem der Journalist mit langen Haaren zu sehen ist, überzeugte die Aufständischen schließlich und nach Stunden der Ungewissheit und permantentem Beteuern ein “Sahafi” (arab. Journalist) zu sein, ließ man Stephen Farrell und seinen Begleitung frei.
Der Fall des britischen Reportes war eine der ersten Entführungen von westlichen Ausländern im Irak. Stephen Farrell überlebte seine kurze Geiselhaft im Gegensatz zu anderen Europäern wie Kenneth Bigley oder dem italienischen Fotografen Santoro, die noch im selben Jahr ermordet wurden. Farrell war bereits 48 Stunden nach seiner Entführung wieder bei der Arbeit. Er verfasste einen Artikel über das Erlebte, berichtete später er habe beschlossen: “Wenn ich mich nicht wieder aufs Pferd schwinge, werde ich es nie wieder tun.” Im April 2003 hatte er den Fall des Saddam-Regimes miterlebt und darüber berichtet. Fortan reiste er als Nahostkorrespondent der Times von Israel aus mehrfach in den Irak.
Dort wechselte er im Juli 2007 ins Bagdad-Büro der “New York Times”, verfasste zahlreiche Artikel und Videotagebüchern über den politischen Wiederaufbau, die irakischen Aufständischen und den einsetzenden Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten. Nach der langjährigen Arbeit im Irak berichtete Farrell seit August 2009 über die Präsidentschaftswahlen in Afghanistan und die immer gravierendere Sicherheitslage. Auf dem “At War”-Blog der NYT informierte er fast täglich aus Kabul über aktuelle Ereignisse.
Als es am vergangenen Freitag zum wahrscheinlich schwersten Luftangriff der NATO gegen die Taliban im Norden Afghanistan kam, fuhr Stephen Farrell nach Kundus um direkt vor Ort zu berichten. Er schrieb, “Kundus war einst ruhig, aber weite Teile fielen in jüngster Zeit unter die Kontrolle der Aufständischen.” Trotz dieser Erkenntnis zog es ihn in den Unruhe-Distrikt Char Darah um mit Dorfbewohnern von Omarkhel über das ISAF-Bombardement zu sprechen.
Am Samstag dann die Meldung, ein britischer Journalist sei in Kundus von den Taliban verschleppt worden. “Dem Journalist und seinem Übersetzer wurden von den Aufständischen die Augen verbunden”, berichtete der Provinzgouverneur Mohammed Omar, “man hat sie zu einem unbekannten Ort gebracht.” Afghanische Sicherheitskräfte starteten eine Suchaktion, gefunden werden konnte bislang nur das zurückgelassene Fahrzeug.
Die New York Times hüllt sich in Schweigen, es gibt keine offizielle Bestätigung dass es sich bei dem entführten Reporter um John Stephen Farrell handelt. Es scheint als wolle man die gleiche Vorgehensweise einhalten wie im Fall von David Rohde. Der amerikanische Mitarbeiter der NYT war im November 2008 von Taliban des Haqqani-Netzwerkes in Ost-Afghanistan entführt und in die pakistanischen Stammesgebiete gebracht worden. In Zusammenarbeit mit mehreren Medienvertretern wurde Stillschweigen über das Schicksal Rohdes bewahrt. Sogar das Online-Lexikon Wikipedia änderte auf Bitte der New York Times Redaktion den Eintrag über den entführten Journalisten. Man wollte Rohdes Leben nicht unnötig in Gefahr bringen, hieß es, und habe deshalb öffentliches Interesse vermeiden wollen. David Rohdes konnte sich im Juni selbst aus der Taliban-Haft befreien und befindet sich seitdem in Sicherheit.
Stephen Farrells zweite Entführung in seiner Karriere als Kriegsreporter dauert fast eine Woche an. Damit befindet sich der Brite schon wesentlich in der Gewalt der Taliban von Kundus als in den Händen der Rebellen von Falludscha vor fünf Jahren. Gefragt nach seinen damaligen Erfahrungen und der psychologischen Nachwirkung, sagte Farrell, er habe das Gefühl gehabt durch Antworten und Aussagen eine gewisse Kontrolle ausüben zu können. “Ich sage jedoch nicht dass ich möchte dass es wieder passiert.”
Um Selbstmordanschläge mit den gekaperten Benzin-Lastern zu verhindern, so heißt es vom Bundeswehr-Oberkommando, habe man nach der Entführung der Fahrzeuge letzte Woche reagieren müssen. Es sei zur Entscheidung eines Luftangriffs gekommen weil man vermuteten musste die Taliban würden die Tanklaster als Autobomben gegen das Bundeswehrlager von Kunduz einsetzen.
Die beiden Laster und etwa 125 Menschen, wie die Washington Post heute berichtet, verbrannten durch die beiden amerikanischen 500-Pfund Bomben die nach Anordnung der Bundeswehr auf die Entführer geworfen wurden. Zum Anschlag kam es trotzdem, oder vielleicht genau deswegen. Am Samstagmorgen gegen 09:00 Uhr deutscher Zeit drängte sich auf einer Straße nahe Kunduz Stadt ein Toyota Corolla Geländewagen neben einen Bundeswehr-Konvoi und der Fahrer, ein junger Mann aus dem Distrikt Char Darah, zündete seine Bombe. Fünf deutsche Soldaten und ein afghanischer Dolmetscher wurden verletzt, ihr DINGO-Panzerfahrzeug schwer beschädigt.
In einem Taliban-Statement heißt: "Märtyrer-Operation tötet 12 deutsche Soldaten". Möglicherweise übten die Taliban mit diesem Angriff Rache an der Bundeswehr für den blutigen Luftangriff auf die Tanklaster, vielleicht war der Anschlag aber auch schon länger geplant.
Al Jazeera interviewte nach dem NATO-Angriff mit der bislang höchsten zivilen Opferzahl des Krieges, den Gouverneur von Kunduz, Mohammed Omar. Die Taliban, so berichtete er, verhielten sich in Kunduz so offen und frei, weil die deutschen Soldaten von ihrer Kabinetts-Regierung vom Kämpfen abgehalten werden und daher als leicht zu bekämpfende Feinde gelten. Aus diesem Grund seien die Islamisten immer aktiver in der Provinz, wagen selbst riskante Aktionen wie die Laster-Entführung und weiten ihren Einfluss aus.
Das Szenario ist bezeichnet für das afghanische Chaos:
Taliban-Kämpfer, unterstützt von ausländischen Dschihadisten, entführen zwei Tanklastwagen die Sprit für die Bundeswehr aus Tadschikistan in das nordafghanische Kunduz transportieren sollten. Die beiden Fahrer werden geköpft, die Islamisten fahren in Richtung Chara Darah, dem Unruheherd der Provinz. Als die Lastwagen in der Nähe eines Dorfes an einer Brücke halt machen rufen sie der lokalen Bevölkerung zu: "Nehmt euch was ihr wollt!" Daraufhin strömen dutzende Afghanen heran um kostenlos Benzin zu bekommen. In diesem Moment schlägt die NATO zu, ein von der Bundeswehr angeforderter US-Kampfjet der ISAF bombardiert die beiden entführten Fahrzeuge.
Wahrscheinlich knapp 100 Menschen sterben bei diesem Luftanschlag, wieviele davon Taliban und wieviele Zivilisten waren lässt sich wohl kaum ermitteln.
KUNDUZCITY (PAN):Ninety-five people were killed and many others injured when an oil tanker exploded in Chahar Dara district of northern Kunduz province, the governor said on Friday.
Engineer Mohammad Omar told Pajhwok Afghan News Taliban commander Mullah Abdul Rahman was among 45 insurgents killed in the overnight explosion that occurred in Haji Aman village of the district.
He added the Taliban hijacked two tankers carrying aircraft fuel for NATO forces from the Kunduz-Baghlan Highway. The militants were distributing the fuel when the blast took place, the governor said.
But a security official, seeking anonymity, said the death toll was more than 200. He claimed NATO warplanes struck the people who had gathered to receive the oil. The official would not give further details.
A dweller of the village, Noorullah, said one of relatives was killed and another injured in the air strike. He claimed the bombardment left 400 dead and wounded.
Meanwhile, Taliban spokesman Zabihullah Mujahid rejected the gubernatorial assertion as false. He insisted the fighters suffered no casualties in the air raid
Director of KunduzCivilHospital, Humayun Khamosh said 15 wounded people were brought to hospital. (Detailed story to follow)
myn/mud
Für die Bundeswehr bedeutet dieser Vorfall in der Provinz die in ihrem Verantwortungsbereich liegt, einen absoluten Supergau. Aus Mangel an eigenem kampffähigen Fluggerät ist die deutsche Truppe auf die Unterstützung der amerikanischen und britischen Luftwaffe angewiesen. Dass jene allerdings mehr nach der Taktik des Breitschwertes und nicht wie mit einem Skalpell vorgehen, bewiesen sie in den letzten Jahren häufig. Zivile Opfer durch NATO Luftangriffe wolle man vermeiden, so hieß es immer wieder in den letzten Jahren. Zu diesem Zweck habe die Bundesregierung letztendlich auch die Tornado-Aufklärer nach Afghanistan geschickt, um genau zu ermitteln wen die Bomben der NATO letztendlich am Boden treffen werden. Mit dem heutigen Tag klebt viel Blut an dieser Taktik, die Rufe nach Rache werden laut sein und die Bundeswehr wird erneut Ziel von Anschlägen werden.
Sollte unter den Toten auch 90% Taliban sein, werden die Islamisten das Ereignis dennoch nicht als Niederlage werten sondern propagandistisch ausschlachten und den Spieß geschickt umdrehen.
Die Bundesregierung will nicht von Krieg sprechen, der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr sei weiterhin Friedenssicherung und Wiederaufbau. Längst zeigt die Realität dass sich die deutsche Truppe in einem bewaffneten Konflikt, zeitweise auch in schweren Feuergefechten mit den Taliban befindet. Rund um Kunduz wird aus der einstigen Ruhe ein Kriegszustand. Wiederaufbau und humanitäre Projekte waren einmal, die Sicherheitslage hat sich seit 2008 immens verschärft. Deutsche Politiker die angesichts dieser Bilder noch immer nicht von "Krieg" sprechen wollen, leiden nicht nur unter Realitätsverlust sondern unter naiven Vorstellungen über den katastrophalen Verlauf der gesamten NATO-Mission.
Auf ihrer neu online geschalteten Website veröffentlichten die afghanischen Taliban heute morgen ein Statement, in dem wieder einmal behauptet wird man hätte "10 deutsche Soldaten" bei einem Selbstmordanschlag in Kunduz getötet. Der Attentäter "Muhibullah" stamme aus der Provinz Kunduz und hätte bei seiner Tat zwei Fahrzeuge aus einem Bundeswehrkonvoi zerstört und zehn Soldaten getötet.
Offiziellen Angaben afghanischer Behörden aus der Region zufolge habe es am Montagmorgen ein Suizidattentat auf einen Bundeswehr-Konvoi im Zentrum von Kunduz gegeben. Dabei seien weder Soldaten, noch Zivilisten zu Schaden gekommen.
Am Sonntag brüsteten sich die Islamisten bereits damit bei einem Hinterhalt "4 deutsche Besatzer" getötet zu haben als deren Konvoi mit Panzerfäusten und Maschinengewehren nahe Kunduz angegriffen wurde.
"To gain ground, defend it and hold it" - diese Strategie bestimmt die jüngste US-Offensive "Khanjar" im Süden Afghanistans. Seit dem 02.Juli versuchen 4,000 US Marines unterstützt durch 650 afghanische Soldaten in der Unruhe-Provinz Helmand einen vernichtenden Schlag gegen die Taliban zu führen. Es gehe darum, so ein Armeesprecher, die Region von der Herrschaft der Koranschüler zu befreien, die Aufständischen gefangen zu nehmen oder zu töten und die staatliche Kontrolle in Helmand wieder einzuführen. Jahrelang hatte sich dort der islamistische Widerstand gegen die NATO Truppen festgesetzt. Nun ist davon nichts mehr zu sehen oder zu spüren. Helmand ist von Taliban-Geistern bewohnt, es gibt kaum Gefechte, die Gotteskrieger haben den strategischen Rückzug angetreten und wissen sehr genau um ihren Schwächen.
Beobachter sprachen schnell von Obamas erster Bewährungsprobe in seiner neuen Afghanistan-Strategie. Militärisch gesehen ist die Offensive eine der größten seit dem Ende des Vietnamkrieges. Auf viel Widerstand trafen die US Einheiten bisher nicht. Lediglich ein US Marine und ein afghanischer Kollege sind bisher durch ferngezündete Sprengfallen getötet worden. Die Taliban, von denen angeblich bis zu 1,500 in der Region gewesen sein sollen, fehlt jede Spur. Dorfbewohner berichten die Islamisten hätten bereits Tage vor Beginn der Offensive die Flucht Richtung Nordosten angetreten. Teilweise verkleidet unter Burqas und mit Kindern an der Hand hätten sich die Taliban im Flüchtlingsstrom in die Provinzen im Osten und Norden Afghanistans abgesetzt. Baghran und der östliche Teil von Farah sollen als ihre Rückzugsgebiete dienen. Ersteres steht unter der Kontrolle von Bundeswehreinheiten, Farah ist Teil der italienischen NATO-Engagements. Wie zu erwarten halten die fanatischen Glaubenskrieger an der Guerilla-Taktik fest. Man will dem Feind keine Angriffsfläche geben, klare Fronten dürfen nicht entstehen weil sonst der asymmetrische Krieg zu einem offenen Kampf wird den die Islamisten in jedem Fall gegen die Übermacht der US Armee verlieren würden. Rückzug, den Gegner ins Leere laufen lassen, und dann an anderen Stellen angreifen, so verläuft derzeit die Taliban-Strategie. Anders als die amerikanische Militärführung erwartet hatte fliehen die Taliban nicht über die pakistanische Grenze ins schützende Nachbarland wo bereits die Regierungstruppen von Islamabad Anti-Terror-Einsätze vorbereiten und unterstützt durch US-Drohnen durchführen. Sie bleiben in Afghanistan und wandern in die Provinzen in denen die NATO-Verbündeten Deutschland und Italien nur wenige Soldaten stationiert haben, die keine erfolgreichen Search-and-Destroy-Einsätze durchführen können.Mit der Zunahme der Taliban-Population in den genannten Regionen steigt dort natürlich in jedem Fall die Gefahr von Anschlägen. In Kunduz tötete vor wenigen Tagen bereits ein Sprengsatz vier amerikanische Polizeiausbilder. Auch für die Bundeswehr wird es gefährlicher je mehr Islamisten durch Operation "Khanjar" Richtung Norden gedrängt werden.
Zum ersten Mal meldeten die Taliban heute über ihre Propagandaabteilung im Internet die Tötung von insgesamt 29 deutschen Bundeswehrsoldaten im nordafghanischen Kunduz. Ein Konvoi der Bundeswehr sei am Abend des 05.04.2009 in der Region Chahr Dara mit Panzerfäusten und Raketen angegriffen worden, dabei hätten die Mujaheddin zwei deutsche Panzerfahrzeuge zerstört und mindestens acht Soldaten getötet worden.
Tags zuvor hätten die islamistischen Gotteskrieger in einem Hinterhalt, ebenfalls in der Provinz Kunduz 21 Soldaten der deutschen Truppe getötet.
Von Seiten des Verteidigungsministeriums hieß es lediglich es habe gestern eine Angriff mit zwei Raketen auf das Bundeswehrlager in Kunduz kurz nach dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel gegeben. Für diesen Anschlag übernahmen die Taliban ebenfalls Verantwortung und brüsten sich damit gezielt die deutsche "Premierministerin" und den "Verteidigungsminister" attackiert zu haben. Bei einem weiteren Vorfall schossen vermutlich Taliban-Kämpfer auf eine Patrouille deutscher Soldaten, verletzten oder töteten aber niemanden.