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Die Dschih@disten in den Internetforen sind sich einig: Hamas ist das Übel. In Gaza tobt seit einiger Zeit eine Art Bruderkrieg. Enttäuschte ehemalige Hamas, Islamische Dschihad und PRC Kämpfe verschmolzen mit ultraradikalen, salafistischen Islamisten zu kleinen Gruppierungen, die den Machtanspruch der Hamas anfechten.
Als eine dieser Salafisten-Gruppen, die Jund Ansar Allah, vor knapp zwei Wochen ein islamisches Emirat im Gaza-Streifen ausrief, und erklärte Hamas habe das Sharia-Konzept und die Verpflichtung zum Dschihad verraten, reagierten die Herrscher von Gaza. Hamas-Einheiten umstellten die Moschee von Sheikh Abu Nour al Maqdisi im südlichen Rafah. Es kam zu schweren Feuergefechten, keiner weiß genau wie viele Menschen letztendlich bei dieser Säuberungsaktion starben.
Am Morgen danach war der fundamentalistische Sheikh tot, die meisten seiner Anhänger in Hamas-Kerkern verschwunden oder ebenfalls im Krieg mit den Machthabern gefallen. Im Internet feiert die dschihadistische Gemeinde die palästinensischen Bin Laden Unterstützer als heldenhafte Märtyrer. Die Hamas hingegen, im Westen als das Symbol für radikalislamischen Terror und Fundamentalismus bekannt, ist für die Online-Dschihadisten zum Feind geworden. Ihre Nähe zum verhassten schiitischen Iran und zum korrupten Regime Syriens versenkt die Organisation in der Schublade der islamischen Verräter. Zudem hat die Hamas aus Sicht der radikalsten Islamisten, den Dschihad gegen Israel verraten in dem sie auf Waffenstillstände setzt, Verhandlungen zustimmen würde und einen insgesamt gewaltloseren Kurs einzuschlagen bereit ist. Die Hamas-Regierung, so der jahrelange Vorwurf, setze die Sharia nicht in korrekter Form um, sie benutze den islamischen Deckmantel um einen nationalistischen, also antireligiösen Kurs zu fahren.
Dass die Hamas-Kämpfer jemals aus den eigenen, palästinensischen Reihen zu Ungläubigen erklärt werden könnten, hätte kaum ein Beobachter für möglich gehalten. Es ist ein eindeutiger Hinweis darauf dass auch in den Palästinensergebieten eine gefährliche Radikalisierung eingesetzt hat. Wo der patriotische Kurs der korrupten Fatah keine Besserun gebracht hat, und die Hamas immer mehr zum Lakaien Teherans mutiert, suchen viele Palästinenser ihre Hoffnung in noch radikaleren, unversöhnlichen Ideologien. Damit rückt ein Teil der palästinensischen Militanten immer näher an Al Qaida und den kompromisslosen Weg Osama Bin Ladens. Mehrere hundert Anhänger soll diese Bewegung mittlerweile zählen, Hamas tut alles um dieses Krebsgeschwür im eigenen Fleisch zu bekämpfen.
Wie dies versucht wird zeigt ein nun veröffentlichtes Video, aufgenommen mit einem Handy aus einem Haus gegenüber der Moschee der Jund Ansar Allah Islamisten. Es zeigt in verwackelten Bildern wie Hamas-Kämpfer die Salafisten an einer Mauer zusammentreiben und offensichtlich exekutieren.
Propaganda Neuer Lesestoff für westliche "home-grown Jihadis"
Nach einiger Pause tauchte vor wenigen Tage ein für nicht-arabisch sprechende Dschihad-Sympathisanten wichtiger Blog wieder auf. Gleich mit dem Wiederbetritt der Al Qaida Unterstützer-Website veröffentlichte der Betreiber die dritte Auflage des englischsprachigen Magazines ""Jihad Recollections". Über 82 Seiten äußern sich verschiedenen Autoren zu Themen wie "Chinas Krieg gegen den Islam", die Gefahren der Schweinegrippe bis hin zu der Frage ob 2012 eine Apokalypse der Welt bevorsteht. Wichtige Elemente des Online-Magazines sind aber in erster Linie die Übersetzungen verschiedener Transkipte der arabischsprachigen Al Qaida Videos. Titelstory der August-Ausgabe ist die Geschichte eines angeblichen US Soldaten der zum Überläufer geworden ist und nun auf Seiten der Dschihadisten kämpft. Gleich zu Anfang informieren die Publizisten die Leserschaft über eine Änderung, das Magazin soll ab sofort nur noch alle zwei Monate erscheinen.
"Jihad Recollections" ist weniger ein ideologisches Hetzblatt, ein Wegbereiter für den militanten Islamismus oder ein besonders intellektuelles Basispapier für den Dschihad, als vielmehr eine hoch professionell gestaltete Zusammenfassung wichtiger und teils weniger wichtiger Veröffentlichungen aus der Dschihad-Szene die für das nicht-arabische Publikum ihre Wirkung durch den Mangel an Übersetzung verfehlt haben. Mit diesem Online-Magazin bietet sich der Generation der sogenannten "home-grown" Dschihadisten aus Europa und Nordamerika, ein Einblick in die Propagandawelt die ihnen durch die Sprachhindernisse üblicherweise verschlossen bleibt. Aus Sicht von Sicherheitsdiensten geht von der englischsprachigen Propaganda von "Jihad Recollections" eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Selbstradikalisierung junger Muslime in westlichen Staaten aus. In wie weit direkte Kontakte zu den Machern des Dokuments und den Terrornetzwerken bestehen ist nicht bekannt, "Jihad Recollection" und der dazugehörige Blog überraschten bisher nicht mit unbekannten Informationen und Fakten zu Al Qaida.
Indonesien Jagd auf einen mörderischen Geist
Es begann mit der Verhaftung von zwei Terrorverdächtigen. Indonesiens Anti-Terroreinheit schlug nahe der Hauptstadt Jakarta zu, verhaftete zwei Mitglieder der Jemaah Islamiyah Splittergruppe "Al Qa´ida im Malayischen Archipel" und stellte bei der Razzia vor knapp zwei Wochen eine fertig präparierte Autobombe und einige Kilogramm Sprengstoff sicher. Was dort aufgeflogen war, war eine Aktion die die Ermittler "17.August-Vorhaben" nennen. Vermutet wird dass die Dschihadisten planten mit mehreren Autobomben am indonesischen Unabhängigkeitstag u.a. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono zu ermorden.
Die Aussagen der beiden Bombenbastler führten die Anti-Terror-Einheit "Detachment 88" schließlich zu einem kleinen Bauernhaus nahe Temanggung, in Zentral-Java. Hier hofften sie auf den Chefplaner und meistgesuchten Terroristen des Landes, Noordin Mohammed Top, zu treffen. Am 07.August begann ein fast 17stündiges Gefecht zwischen Soldaten der Spezialeinheit, das Haus umstellten, und dem sich darin verschanzten Terroristen. Als am Ende der bewaffnete Islamist tot war, gingen die Ermittler zunächst davon aus Top zur Strecke gebracht zu haben. Alle Hinweise und der Umstand dass die Person erbitterten Widerstand bis zum eigenen Tod geleistet hatte, deuteten darauf hin dass es tatsächlich der ehemalige Chef-Bombenbauer der Jemaah Islamiyah und mutmaßliche Hintermann der Jakarta-Bombenanschläge vom Juli war.
DNA Untersuchungen zeigten aber schnell, der getötete Terrorist ist nicht Noordin Mohammed Top, sondern Amir Ibrohim, Kampfname "Abdullah", ein ebenfalls gesuchtes Mitglied der islamistischen Gruppierung die für die Anschläge auf das Ritz Carlton und Hilton Hotel in Jakarta die Verantwortung übernommen hatte. Ibrohim soll die Attentäter unterstützt haben und auch auf einem Überwachungsvideo im Hotel zu sehen sein. Er selbst arbeitete als Florist dort und hatte so Zugang zu den Luxusherbergen.
Schon bevor die Polizei offiziell bekannt geben musste dass sich Top weiterhin auf der Flucht befindet, bestätigten Angehörige des Islamistenchefs, der erschossene Mann sei nicht Noordin Mohammed Top. Indonesiens Polizei hatte extra DNA Material der Kinder Tops genommen um es mit dem Leichnam zu vergleichen. Der Anführer des bisher wenig bekannten Al Qaida Flügels in Südost-Asien bleibt also weiter der meistgesuchte Mann des bevölkerungsreichsten, muslimischen Staates der Erde. Auch wenn seine ehemalige Basis-Organisation Jemaah Islamiyah inzwischen eher den politischen als den militanten Weg eingeschlagen hat, folgen Top einige Hardliner in die neue Gruppierung die weiterhin Anschläge auf Ausländer und den indonesischen Staat plant. Gespeist wird Top´s Gruppe auch durch die fundamentalistischen Islam-Schulen, in denen auch die Attentäter von Jakarta verkehrt haben sollen. Noch hat Indonesien seine Festtage zum 17.August nicht hinter sich, und noch befinden sich einige als extrem gefährlich geltende Sprengstoffexperten inklusive Noordin Mohammed Top, auf freiem Fuß. Anschläge könnte es jederzeit geben, genug westliche Ziele ließen sich finden zwischen Bali und Jakarta wohl finden.
Gaza Extrem vs Radikal
Was sich gestern im südlichen Gaza-Streifen abspielte lässt sich einordnen in die Kategorie: Bruderkampf oder Herrschaft der eisernen Hand. Eine außerhalb des kleinen Zipfels zwischen Israel und Ägypten kaum bekannte Gruppe ultraorthodoxer, militanter Salafisten hatte zum Freitagsgebet in der Masjid Ibn Tahmed gerufen. Ihr spiritueller Führer, Sheikh Abdel Latif Moussa alias "Abu Nour al Maqdisi" verkündete in einer feurigen Rede, eingerahmt von bewaffneten, schwarz gekleideten Kämpfern, seine Gruppe werde zunächst in Gaza, dann in ganz Palästina ein islamisches Emirat errichten. Dies sei eine Reaktion auf den Kurswechsel der Hamas, die immer mehr abweicht vom islamischen Weg des Dschihad und zu einer säkularen, nationalistischen Bewegung verkomme. Absofort werde in Rafah die Sharia nach Prophetentradition umgesetzt, sollte Hamas sich ebenfalls dazu bekennen werde man sich ihrer Führung unterordnen. Wohl wissend dass die Gründung eines Staates im Staate Gaza von den Machthabern der Hamas nicht akzeptiert werden würde, warnte Sheikh Al Maqdisi: "Diejenigen die unsere Kinder zu Waisen machen, deren Kinder machen wir zu waisen, diejenigen die unsere Frauen zu witwen machen, deren Frauen machen wir ebenfalls zu Witwen!"
Bereits während der Khutba hatten Einheiten der Hamas das Viertel umstellt. Etwa 100 Kämpfer der Jund Ansar Allah sicherten die Moschee zu diesem Zweck ab, einige mit Sprengstoffwesten um den Oberkörper geschnallt.
Die Führung der Hamas reagierte verärgert auf die Aktion der noch radikaleren Spalter, die offen bekennen dass sie sich nicht dem palästinensischen Kurs verpflichtet fühlen sondern einzig Osama Bin Laden und Mullah Omar als die Führer eines globalen Dschihad anerkennen. Ein Sprecher der Hamas nannte den salafistischen Sheikh und seine Gründung eines eigenen Emirats "geisteskrank".
Bei Worten sollte es nicht bleiben, denn die Einheiten der Izzadin al Qassam Brigade, des militärischen Flügels der Hamas, machten nach der Freitagspredigt kurzen Prozess mit den Al Qaida Sympathisanten. Es kam zu blutigen Gefechten bei denen bis Samstagmorgen 22 Menschen starben, darunter Zivilisten und wohl auch Sheikh Al Maqdisi selbst. Angeblich legte die Hamas in seinem Haus eine Bombe, tötete ihn und seine Leibwächter. Zuvor hatten sich die schwerbewaffneten Militanten in den Straßen von Rafah verlustreich niedergemetzelt. Einer der ranghöchsten Kommandeur der Qassam Brigaden, Abu Dschibril al Shimali, den Israel u.a. für die Entführung des Soldaten Gilat Shalit verantwortlich macht, kam dabei ums Leben. Auf der anderen Seite tötete Hamas auch den militärischen "Emir" der Jund Ansar Allah, Abu Abdullah al Suri.
Die Aktion war in den Augen der Hamas die notwendige Reaktion auf die Spaltungsversuche einer Gruppierung die in ihrem ideologischen und politsichen Kurs noch extremer Ansichten vertritt als Hamas selbst. Musik, Kino, Hochzeitsfeiern, Geburtstagspartys, CD und DVD Verkauf, Zigaretten, Fastfood, Internetcafes - all das will Jund Ansar Allah aus dem Leben der Menschen in Gaza verbannen, die härteste, talibanähnliche Form der Sharia durchsetzen und zum allgemein gültigen Strafrecht machen. Vor dieser Form der ultraorthodoxen Herrschaft erzittern sogar die Hardliner der Hamas. In ihren Augen sind die an Anhängerschaft zunehmenden Salafisten ein Krebsgeschwür im eigenen Land. Durch Hilfe aus dem Ausland, durch Kontakte zu ägyptischen, nordafrikanischen und jordanischen Extremisten, Al Qaida und anderer Gruppen, haben sich in Gaza diejenigen, die Hamas Verrat am Glauben und Kooperation mit dem schiitischen Teufel Iran verwerfen, zusammengeschlossen und werden zu lästigen Rivalen. Die salafistischen Zwerg-Organisation sind für Israel Anlass von der Präsenz des internationalen Terrorismus in Gaza zu sprechen, sie provozieren mit ihrem unterbitterlichen, selbstmörderischen Kurs neue israelische Militäroffensiven.
Absolut einmaliges geschah gestern, ein Kämpfer der Jund Ansar Allah soll sich direkt neben einer Hamas-Einheit in die Luft gesprengt haben. Ein palästinensischer Suizidbomber tötet palästinensische Militante, das ist eine erschreckende Premiere in "Hamastan" und schließt einen zukünftigen Bruderkrieg um Vorherrschaft nicht aus. Die weltweite Dschihad-Szene äußert sich in den Internetforen erzürnt über die gewaltsame "Aufräumaktion" der Hamas. Für die meisten Anhänger des gewaltsamen Islamismus ist die Massenbewegung zu einem Söldner Irans geworden, Jund Ansar Allah hingegen werden als die "wahren Mujaheddin" verehrt und ihre gefallenen Krieger als Märtyrer gepriesen.