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this Blog was created to cover current, post and future events of Terrorism, Islamic Extremism & International Politics -
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Strohhütten, ein Pick-Up Truck, Rucksäcke, GPS Geräte, einige Dokumente, Maschinengewehre, verkohlte Leichen im Wüstensand - das ist alles was eine gemeinsame Militäroperation der mauretanischen Armee und französischer Spezialeinheiten von einem al-Qaida Lager in der Sahara übrig ließ.
Stattgefunden hat die geheime Anti-Terror-Operation am vergangenen Donnerstag in der Grenzregion zwischen Mali und Mauretanien. Das primäre Ziel war: die französische Geisel Michel Germaneau, 78 Jahre alt, aus den Händen der nordafrikanischen Islamisten zu befreien. Germaneau, ein Ingenieur und Hilfsaktivist war im April an der mauretanischen Grenze von al-Qaida Mitgliedern verschleppt worden. Die Islamisten forderten in der Vergangenheit ein Einlenken der französischen Regierung für die Freilassung Germaneaus.
In Agenturmeldungen hieß es zum Angriff auf das nordafrikanische al-Qaida Zeltlager:
(Reuters) - France and Mauritania said on Friday they carried out a military operation against al Qaeda's North African wing, believed to be holding a 78-year-old French hostage in the desert Sahel region.
Mauritania said six Islamists were killed in the attack, but French officials said they had no word on the fate of Michel Germaneau, a retired engineer kidnapped on April 22 and held by al Qaeda's North African wing, AQIM.
The dawn raid took place on Thursday amid calls for increased cooperation to tackle Islamists but it appears to have angered Mali, which was not involved, and Spain, which also has hostages held by another al Qaeda faction in the region.
The French Defence Ministry said the army gave technical and logistical support to Mauritanian forces in an operation to prevent an attack by AQIM against the West African state.
"The terrorist group targeted by the Mauritanian army is the one that executed a British hostage a year ago and has refused to give proof of life or engage in negotiations to release our compatriot Michel Germaneau," the French ministry said.
It did not say whether the hostage had been located or where the military operation took place. But it said Mauritania's action had "neutralised" the group.
Asked if France had any proof Germaneau was alive, Foreign Ministry spokesman Bernard Valero said: "We are working on it."
Paris sah sich in Zugzwang, nachdem al-Qaida vor kurzem erklärt hatte, die französische Geisel werde innerhalb von 14 Tagen hingerichtet, sollte die Regierung Sarkozy nicht auf die Forderungen eingehen. In Mauretanien weiß man inzwischen dass die französischen Elitesoldaten schon seit einigen Wochen im Land präsent sind. Sie hatten den Auftrag Jagd auf al-Qaida zu machen und Germaneaus Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Ein weiteres Ziel sollte die Liquidierung eines Hardliner- al-Qaida Kommandeurs namens "Abu Zeid" sein, genannt der "Emir der Sahara". Die Militäroperation der vergangenen Woche erreichte keines der Ziele. Sechs Islamisten starben im Kugelhagel, von Germaneau aber war keine Spur zu finden.
Videobotschaft der französischen Geisel Michel Germaneau
Gestern schließlich strahlte Al Jazeera eine Tonbandnachricht von Abu Wadood aus, dem Anführer der nordafrikanischen al-Qaida. Aufgrund der Aktion der Franzosen - gemeint ist die Militäraktion in Mali - sei Michel Germaneau am Samstag getötet worden, so der Islamistenführer. Präsident Nicolas Sarkozy sei damit direkt für den Tod der Geisel verantwortlich.
In einer Erklärung der französischen Regierung hieß es zudem heute, man gehe davon aus, dass Monsieur Germaneau nicht mehr am Leben sei. Sarkozy erklärte, Frankreich werde die al-Qaida Mörder jagen und bestrafen.
"Es war unsere Pflicht zu versuchen ihn zu befreien", so Sarkozy, unglücklicherweise war Michel Germaneau nicht dort." Französischen Staatsbürgern riet der Präsident die Sahel- und Sahara-Region zu meiden. Al-Qaida sei dort eine reale Gefahr und werde weiter versuchen westliche Zivilisten zu entführen.
Im vergangenen Jahr hatte "al-Qaida im Islamischen Maghreb" die britische Geisel Edwin Dyer enthauptet, nachdem die britische Regierung nicht auf die Islamisten und ihre Freilassungs-Bedingungen eingegangen war. Augenblicklich befinden sich noch zwei spanische Geiseln in der Hand der nordafrikanischen al-Qaida. Ihr Schicksal ist weiter ungewiss.
Interessanterweise veröffentlichte al-Qaida heute eine Liste mit neun Namen angeblicher französische Elitesoldaten, die während der Kommandooperation am vergangenen Donnerstag getötet worden sein sollen.
Mit 77 Jahren dürfte Michel Germaneau eine der ältesten Geiseln sein, die jemals von Terroristen verschleppt wurde. Der Franzose befindet sich derzeit in der Hand der "al-Qaida im Islamischen Maghreb" und richtete sich in einer Audiobotschaft vor wenigen Tagen an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.
Al-Qaida entführte den französischen Ingenieur am 22.April im westafrikanischen Niger. Germaneau arbeitete für die algerische Öl-Industrie in der Sahara-Region. Im Statement der Islamisten heißt es, Germaneau würde freigelassen werden, wenn al-Qaida Sympathisanten und Mitglieder aus französischen Gefängnissen entlassen würden.
Gerüchte und Spekulationen ranken sich um dieGeschichte des in Afghanistan entführten USSoldaten Bowe Bergdahl. Seitdem die Taliban einVideo aus seiner Geiselhaft veröffentlichtensprießen die Theorien darüber, ob der Abenteurerund Ballettänzer aus Idaho ein Deserteur ist oderseine Entführung sogar nur inszeniert.Tatsächlich gibt es Widersprüche im FallBergdahl, ausgelöst durch Aussagen vonVerwandten und Bekannten aber auch vomEntführten selbst.
Hailey, Idaho ist eine beschauliche 7,000 Seelen Gemeinde in den Bergen Zentral-Idahos. Bekannt war der kleine Ort bisher nur wenigen. Hier zieht es Einheimische und Touristen zum Wandern in die Wälder, es wird geangelt, geritten und im Winter Skigefahren. Der eigene kleine Flughafen ist Zielort für alle Winterurlauber die ihre Ferien im nahegelegenen Sun Valley verbringen wollen. Vormals berühmteste Einwohner Haileys waren Bruce Willis und Demi Moore, die hier gleich mehrere Anwesen besitzen sollen. Auch Arnold Schwarzenegger, Tom Hanks und andere Hollywood-Schauspieler sollen ab und an die Abgeschiedenheit und ursprüngliche Natur rund um die Ortschaft genießen.
Mitte Juli stürmten die Reporter der US Medien die idyllische Kleinstadt. Der Grund heißt Bowe Robert Bergdahl, ist ein 23jähriger Gefreiter der US Army und derzeit Geisel der Taliban in Afghanistan. Kurz nachdem die Identität des jungen Soldaten bekannt wurde, begann das Ringen um Informationen, Hintergründe über das Privatleben und die Familie des ersten entführten Militärangehörigen seit Beginn des Afghanistan- Krieges 2001.
Nachdem bereits Anhang des Monat von Seiten des Verteidigungsministeriums bestätigt worden war dass ein Soldat in Ost-Afghanistan vermisst werde, tauchte dann am 18.Juli der visuelle Beweis in Form eines Taliban-Videos auf. Über eine halbe Stunde wird Bergdahl von den afghanischen Islamisten beim Essen gefilmt, propagandagerecht ausgefragt.
Seitdem flattern an fast jedem Baum an Haileys Straßen gelbe Bänder und Schleifen, aufgehängt von Menschen die so ihr Mitgefühl für den Entführten und seine Familie ausdrücken wollen. An Tankstellen, beim Bäcker und in Supermärkten hängen Schilder auf denen gefordert wird, man solle für eine sichere Heimkehr von Bowe Bergdahl beten. Ein ganzer Ort hofft und bangt.
Am 22.Juli fand in “Zaney´s River Street Coffee House” eine Kerzenandacht statt, hunderte kamen. Dort hatte Bowe Bergdahl gearbeitet, einer von zwei Jobs als Barista, mit denen er bis 2008 sein Geld verdiente. “Er kam mit jedem gut zurecht. Er hatte eine sehr offene Art”, berichtet die Inhaberin von Zaney´s, Sue Martin.
Planlos suchte Bergdahl nach Jobs mit denen er Reisen finanzieren konnte. Einmal brach er mehrere Wochen zu einer Radtour durch Kalifornien auf dann heuerte er in Bristol Bay, Alaska, auf einem Fischkutter an, erzählt dem Kapitän es sei sein größter Traum mit dem Motorrad die Welt zu umrunden Später schuftete er monatelang auf Baustellen. Anwohner berichten man habe ihn nur auf seinem Mountainbike gesehen, denn Autos habe er verabscheut. Einmal bot der örtliche Sheriff dem Jungen an, ihn bei strömendem Regen nach Hause zu fahren, Bergdahl lehnte ab. Er wolle die Sitze nicht nass machen.
2007 stellte sich der spätere Soldat bei Dick Mandeville vom örtlichen Blaine County Gun Club vor und fragte nach einem Sommerjob. Dieser zögerte nicht lange und ließ den fleißigen 21jährigen Waffen reinigen, Zielscheiben aufstellen aber auch Schützen beim Einweisen der Gewehre und Pistolen helfen, “Er war in jeder Hinsicht gut.”
Wenn Bowe Bergdahl nicht gerade einem seiner Gelegenheitsjobs nachging, traf man ihn in der örtlichen Bibliothek, wo er oft stundenlang las. Seine größte Leidenschaft galt dem Fechtsport und dem Ballet. Auf die Frage warum ein offensichtlicher Outdoor-Fan wie Bergdahl ausgerechnet Tänzer in der “Sun Valley Ballet School” wurde, entgegnet seine ehemalige Chefin in der Kaffeebar: “er war doch nicht dumm. Da gibt es viele hübsche Mädchen.”
Sein damaliger Vermieter beschreibt Bergdahl als eine für sein Alter ungewöhnlich reife und höfliche Person, dennoch getrieben vom “Wunsch nach Abenteuer”. Dieser Freigeist und die Ehe seiner Schwester mit einem Soldaten, brachten ihn im Juni 2008 zum Militär. Er unterschrieb die Papiere mit dem freien Willen seinem Land zu dienen, sagen Freund der Familie. Bergdahls erste Station wurde Fort Benning, Georgie, ein Ausbildungscamp der US Army für neue Rekruten. Danach wird er Teil der 25.Infantriedivision, stationiert in Fort Richardson ,Alaska.
Etwas über ein halbes Jahr dauerte die Ausbildung, dann bekam Bergdahls Einheit den Marschbefehl nach Afghanistan. Im Februar 2009 bezog der 23jährige mit seinen Kameraden einen Außenposten in der Provinz Paktika, südlich von Kabul, nahe der pakistanischen Grenze. Die bergige Region gilt als extrem gefährlich und “talibanverseucht”. Hier kommen islamistische Kämpfer von Pakistan über die Grenze, greifen regelmäßig NATO Truppen an und ziehen sich wieder zurück. Dominierend ist dabei das Netzwerk des Haqqani-Klans, einer Talibangruppe deren Anführer, Jalahuddin und dessen Sohn Sirajuddin, erfahrene Kämpfer aus Zeiten des Krieges gegen die Sowjets sind.
In ihre Hände soll Bowe Bergdahl am 30.Juni 2009 durch eine Unachtsamkeit gefallen sein. Erstmals erklärte das US-Militär in einem Statement am 03.Juli, ein Soldat habe seinen Dienst nicht angetreten und werde seit Tagen vermisst. Vermutet wurde zu diesem Zeitpunkt bereits eine Entführung. Das wirklich Ungewöhnliche an dieser Meldung war die Tatsache dass sich der Soldat alleine und ohne Bewaffnung von seiner Position entfernt haben soll. “Feindliche Elemente niederen Rangs” hieß es vom amerikanischen Militär, hätten Bowe Bergdahl und drei afghanische Soldaten überwältigt und verschleppt.
Noch immer sind die Umstände seines Verschwindens mysteriös, teils widersprüchlich und der Anlass von Spekulationen. In einem Internetstatement brüsteten sich die Taliban drei Tage nachdem die US-Armee das Verschwinden bestätigte, den Soldaten im betrunkenen Zustand gekidnappt zu haben. Kein Wort von weiteren afghanischen Geiseln. Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahed bestätigte, Kämpfer des lokalen Kommandeurs Maulvi Sangin hätten den Amerikanern in die benachbarte Ghazni Provinz gebracht. Über sein Schicksal entscheide die Taliban-Führerung um Mullah Mohammed Omar.
Als Bergdahl dann in einem Video der Taliban erschien, auf dem Boden eines Gebäudes sitzend, essend und trinkend, fast eine halbe Stunde lang Fragen eines englischsprachigen Interviewers beantwortete, tauchten neue Informationen auf. Die Taliban hätten ihn gekidnappt weil er zu weit hinter seiner Patrouille zurückgeblieben sei, berichtet der Soldat. Diese Patrouille soll es nie gegeben haben. Bergdahl, so berichten Quellen aus dem Militär, habe den Stützpunkt nach seinem Wachdienst alleine verlassen. Seine Ausrüstung inklusive schusssicherer Weste und seiner Waffe hatte er zurückgelassen, nur eine Flasche Wasser, einen Kompass und ein Messer nahm er mit.
Die Widersprüche häufen sich als Bergdahl vor der Kamera der Taliban von einer Freundin spricht, die zuhause in Hailey auf ihn warte und die er heiraten wolle. “Das klingt alles nicht nach ihm”, erklärt Kim Dellacorva Harrison. Die Kunstlehrerin ist in Bergdahls Militärakte als Patentante vermerkt. Dass der junge Soldat sie als diejenige eintragen ließ, die im Fall des Todes benachrichtigt werden solle, ist ein ungewöhnlicher Umstand. Dellacorva und Bergdahl sind nicht blutsverwandt, aber mit ihrer Familie soll er seit seiner Jugend viel Zeit verbracht haben, sie wurden zu einer Art Ersatzeltern und hatten Einblick in sein Leben. Bowe habe keine fest Freundin, seine Aussagen über die Familie und der Wunsch zu heiraten klängen absolut nicht ihrem Patenkind, so Dellacorva. Sie wisse aber dass er zu diesem Zeitpunkt unter Stress stand.
Gestresst wirkt die kahlrasierte Person im Video nicht, eher ruhig, leicht eingeschüchtert. Insgesamt, so mutmaßen einige Kommentaroren im Internet, könne die Aufnahme auch inszeniert sein. Einige wollen das Getränk der Geisel als Fanta identifiziert haben. Seine Mahlzeit bestehe aus einem eingeschweißten Stück Gebäck, alles Lebensmittel die es in dieser Region der Welt in solcher Form nicht gebe. Im Hintergrund sind Kinderstimmen zu hören, eine Tatsache die Skeptiker vermuten lässt, das Video sei unmöglich in einer Kriegsregion gemacht worden wo es täglich amerikanische Angriffe gibt. Besonders misstrauisch aber macht die meist konservativen amerikanischen Hobby-Analytiker der Umstand dass der Soldat die Fragen seiner Entführer anscheinend so punktgenau und treffend beantwortet, wie diese es gerne hätten. Vom Kriegsgrund, über Anschuldigungen von Misshandlung und Folter bis zum Flehen Bergdahls an das amerikanische Volk die Truppen abzuziehen - alles klinge einfach propagandistisch zu perfekt für die gegnerische Seite.
Der Vorwurf, den mittlerweile sogar ehemalige Militärs im US Fernsehen erheben, ist hart und einmalig in der Geschichte des Antiterrorkrieges. Bergdahl sei ein “Deserteur und Lügner”, so Ralph Peters, Lt.Colonel im Ruhestand, die Taliban würden der US Armee einen Gerichtsprozess wegen Verrat ersparen, sollten sie den Gefreiten töten.
Trotz der zahllosen Hinweise auf eine echte Entführung durch Taliban-Kämpfer reißen die Spekulationen nicht ab. Mancher ein Blogger will von Kameraden Bergdahls erfahren haben, dass es eine Abschiedsnotiz gebe, in der er mitteile, er wolle “in die Berge ziehen und sich selbst finden”. Diesen Schritt habe er lange geplant und mehrere Tagesrationen Trinkwasser mitgenommen. Angeblich, so die anonymen Quellen weiter, soll es erst zur Entführung gekommen sein nachdem Bergdahl in einem afghanischen Dorf gefragt habe, ob es dort englischsprachige Einheimische gebe.
Bob und Jani Bergdahl, Bowes Eltern dürften sich für die Gerüchte, Mutmaßungen und Anschuldigungen der letzten Tage wenig interessieren. Sie wollen ihren verschleppten Sohn wieder in Sicherheit wissen. Vor 30 Jahren zogen sie in einen abgelegenen Canyon, außerhalb von Hailey. Die Abgeschiedenheit und friedliche Ruhe war wohl ausschlaggebend für die Wahl ihres Wohnortes. Bob, Fahrer bei einem Speditionsunternehmen, und seine Ehefrau unterrichteten Tochter Sky und Sohn Bowe zuhause, nur für den High School Abschluss mussten ihre Kinder für kurze Zeit eine staatliche Schule besuchen.
Bis jetzt hielt sich die öffentlichkeitsscheue Familie von den Kameras und Reportern fern. “Betet für Bowe und respektiert unser Bedürfnis nach Privatsphäre in dieser schwierigen Zeit”, ließen die Eltern verlauten. Sie seien überwältigt von den weltweiten Anteilnahme und Unterstützung. Sky Bergdahl, die Schwester des Entführten, richtete eine schriftliche Botschaft an ihren Bruder: “Bowe, ich denke du würdest lächeln wenn du sehen könntest wie viele Leute dich lieben.”
In einer Region in der ein neuer Tag Krieg bedeuten kann bekommt der Wert eines Lebens eine völlig andere Bedeutung. Israel stellt sich zurzeit die Frage weshalb die Politik nicht das Leben eines jungen Soldaten, eines Staatsdieners in Militäruniform, gegen 1,000 Palästinenser eintauscht. Diesen Preis ist die israelische Bevölkerung bereit zu zahlen um den verlorenen Sohn Gilad Shalit nach Hause zu holen, der vor 1,000 Tagen von der Hamas im Gazastreifen entführt wurde und seitdem Spielball und Faustpfand der Politik. Freiheit für einen israelischen Soldaten bedeutet vielleicht bald schon die Freiheit für hunderte, vielleicht tausend palästinensische Terroristen. Hier endet rationale Politik, hier endet interessengesteuerte Diplomatie, kommen Prinzipien zum erliegen. Niemand will Henker sein, ein Volk ist vereint in einem gemeinsamen Appell an Menschlichkeit und Vernunft.
Es geschah früh morgens, die Sonne war noch kaum zu erahnen, die Umgebung wirkte in den frühen Stunden ruhig und friedlich. Sie kamen durch einen selbst gegrabenen Tunnel, kaum schmal genug um sich durch ihn kriechend zu zwängen. Wie viele Angreifer es waren kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, aber sie waren schwer bewaffnet und hatten eine klare Mission: Kidnapping. Mehrere maskierte militante Palästinenser gelangten an jenem Morgen des 25.Juni 2006 vom südlichen Gaza-Streifen aus durch einen unterirdischen Gang auf die israelische Seite des Grenzzauns, nach Kerem Shalom, einem Grenzübergang direkt an der israelisch-ägyptischen Grenze.
Auf der anderen Seite waren israelische Soldaten in einem Außenposten stationiert. Sie ahnten nichts von der Gefahr, hatten keine Hinweise auf bevorstehende Anschläge erhalten und wähnten sich auf ihrem Terrain sicher. Einer der jungen Männer die an diesem Morgen ihren Dienst für die Israeli Defense Force taten war Gilad Shalit, damals 19 Jahre alt und frisch beim Militär, ein unerfahrener Soldat der sich ein Jahr zuvor freiwillig einer Kampfeinheit angeschlossen hatte um dem Beispiel seines älteren Bruder zu folgen der ebenfalls in der israelischen Armee diente.
Den palästinensischen Angreifer gelang es die Soldaten aus dem Hinterhalt anzugreifen, das Überraschungsmoment war auf ihrer Seite. Es kam zu einem Feuergefecht zwischen IDF Soldaten und Terroristen bei dem zwei Palästinenser und zwei Israelis ihr Leben ließen. Gilad Shalit erlitt Verletzungen am Rücken und brach sich die linke Hand. Als verwundeter war er für das palästinensische Terrorkommando ein leichtes Opfer die ihn nicht töten sondern lebend kidnappen wollten. Sie schleppten den jungen Soldat durch den Tunnel aus dem sie gekommen waren in den Gazastreifen, verschwanden mit ihm im Häusermeer und Gassengewirr der Flüchtlingslager jenseits des Grenzzauns.
Seit jenem Tag vor drei Jahren beschäftigt der Fall des entführten Armeeangehörigen nicht nur Israel sondern beeinflusst den gesamten Nahostkonflikt und zieht sogar weltweite diplomatische Kreise. Heute genau vor 1000.Tagen wurde Gilad Shalit Geisel der Hamas, seitdem wird um sein Schicksal verhandelt, Politiker bemühen sich um seine Freilassung, seine Familie kämpft entschlossen für seine Rückkehr.
Ganz Israel kennt das Gesicht des Entführten inzwischen, viele kennen seine Lebensgeschichte, wissen um den Schmerz seiner Eltern und das Versprechen der israelischen Armee keinen ihrer Soldaten jemals zurückzulassen, tot oder lebendig. Das letzte Mal geriet 1994 ein israelischer Soldat in die Gewalt palästinensischer Entführer, damals starb die Geisel beim Versuch der israelischen Armee ihn aus den Händen der Hamas zu befreien.
Bis jetzt hat Israel keinen Befreiungsversuch unternommen, kein Lösegeld ist geflossen, keine Forderung wurde erfüllt. Am Tag nach der Entführung bekannte sich die Hamas zusammen mit dem Popular Resistance Committee und der Jaish al Islam zu der Aktion und erklärte man habe erfolgreich einen zionistischen Soldat entführt der gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen ausgetauscht würde. Frauen und Minderjährige wolle man mit der Geiselnahme freipressen. Vorbild für diese Form der terroristischen Kriegsführung fand die Hamas eindeutig im Libanon. Vielfach versuchte Hisbollah in der Vergangenheit israelische Soldaten lebend zu entführen, ihr gelang es sogar Körperteile getöteter IDF Mitglieder gegen inhaftierte Hisbollah-Kämpfer auszutauschen. Nun versucht Hamas sich den Kodex der israelischen Armee zu nutze zu machen. Immer wieder beschwören die Kommandeure der IDF dass kein Soldat der auf dem Schlachtfeld getötet oder verwundet wird jemals im Stich gelassen werden kann, koste es was es wolle. Im Jahr 2004 war dem israelischen Staat eine Rückgabe von drei Soldaten-Leichnamen durch Hisbollah die Freilassung von insgesamt 450 palästinensischen und libanesischen Gefangenen wert. Ähnliches erhofft sich seit 2006 die Hamas.
Erste Reaktionen auf die Entführer Shalits bekam die radikalislamische Palästinenserbewegung schon drei Tage nach dem Überfall zu spüren. Mit der Operation „Sommerregen“ hofften die israelischen Militärs die Geisel so schnell wie möglich aus den Händen der Islamisten zu befreien. Luftschläge auf Einrichtungen der Hamas und die Infrastruktur in Gaza ebneten den Weg für eine Bodenoffensive in deren Verlauf Gilad Shalit jedoch nicht aufgespürt werden konnte. Für die Regierung Israels stand fest dass der Befehl für die Entführung israelischer Armeeangehöriger nicht von der Hamas-Führung in Gaza sondern von der ausländischen Exil-Leitung der Organisation in Damaskus kam. Hamasführer Khalid Mashaal habe, so hieß es aus israelischen Quellen, den bewaffneten Flügel in Gaza dazu aufgefordert nach Hisbollah-Vorbild Soldaten zu verwunden und danach lebend zu kidnappen. Wie Todesengel flogen deshalb am 28.Juni 2006 vier israelische F-16 Kampfjets über den Wohnsitz von Syriens Präsident Bashar al Assad. Israel warnte damit direkt den syrischen Herrscher davor weiterhin Terroristen zu unterstützen. Weiter sollte diese symbolische Aktion natürlich auch die Auslandsführung der Hamas einschüchtern und klar machen dass man auch bereit ist außerhalb der palästinensischen Gebiete zuzuschlagen.
Ägypten, als direkter Nachbar zum Gaza-Streifen schickte währenddessen 2,500 Polizisten an die Grenze um eine Verschleppung Gilad Shalits in den Sinai zu verhindern. Verhaftungen von palästinensischen Offiziellen, Bombardierung von Hamas-Infrastruktur, Tötung von gesuchten Terroristen, Druck auf die Palästinenserregierung von Mahmud Abbas, all das brachte den entführten Soldaten nicht zurück, Israel musste die Militäroperation beenden in der Einsicht dass nun wohl doch die Waffen schweigen und die Diplomatie einsetzen müsse.
Hamas war es gelungen während der gesamten Phase israelischer Angriffe und Razzien im Gaza-Streifen ihre Geisel zu verbergen. Zunächst hieß es Shalit werde in Rafah festgehalten, wenig später kamen Meldungen er sei von einem palästinensischen Arzt in Gaza-Stadt aufgrund seiner gebrochenen Hand behandelt worden.
Es folgte eine Zeit der Ungewissheit, der politischen Verhandlungen und der Geheimdienste.
Im westlichen Galiäa, im kleinen Siedlung Mitzpe Hila nahe der libanesischen Grenze, wartet Familie Shalit nun seit Jahren auf die Rückkehr ihres Sohnes. Hier wuchs Gilad auf, weit weg von den großen israelischen Städten, in einer Region in der man die Spannungen des Nahostkonflikts immer wieder hautnah erlebte. Sein älterer Bruder Yoel trat ebenfalls mit 18 der israelischen Armee bei und diente in einer kämpfenden Einheit in den Palästinensergebieten, Gilad trat in seine Fußstapfen, unterstützt von den Eltern und der jüngeren Schwester. Da sein Vater Noam Shalit mit der Großmutter aus Frankreich nach Israel immigrierte besitzt Gilad neben der israelischen auch eine französische Staatsbürgerschaft. Frankreichs Präsident Sarkozy ist deshalb höchst engagiert an der Freilassung des Verschleppten mitzuwirken. Inzwischen wurde der entführte Israeli sogar zum Ehrenbürger von Paris und Rom ernannt, die internationale Diplomatie bemüht sich mit größtem Einsatz für seine Rückkehr, bisher ohne Erfolg.
Wieder und wieder starteten verschiedene Seiten des Konflikts Gesprächsversuche, ägyptische, französische, britische, deutsche und jordanische Mittelsmänner versuchten zwischen der israelischen Regierung und der Hamas zu vermitteln. Monate nach seinem Verschwinden tauchte dann das erste Lebenszeichen auf, Indiz dafür dass Shalit die israelischen Militäraktionen in Gaza im Juni und Juli 2006 unbeschadet überstanden hat. Ägyptische Unterhändler übergaben der Familie des Entführen einen handgeschriebenen Brief, im Oktober dann soll es erstmals zu konkreten Verhandlungen gekommen sein die aber schnell scheiterten.
Aus Syrien kam dann von Hamas Führer Mashaal im November 2006 die Nachricht der israelischen Geisel gehe es gut, Gilad Shalit sei gesund und werde gut behandelt. Nur wenig später bot Hamas an ein Video an Israel zu übergeben wenn der jüdische Staat im Gegenzug alle palästinensischen Frauen und Minderjährigen aus den Gefängnissen entließe. Sowohl die Regierung als auch Gilads Vater lehnten dieses Angebot ab. „Ich möchte meinen Sohn wieder haben, nicht irgendein Video von ihm oder einen Brief“, so Noam Shalit im Januar 2007.
Monate vergingen ohne große Ergebnisse, dann meldete eine israelische Zeitung im März 2007 Hamas und Jerusalem seien sich einig über die Konditionen einer Freilassung, es gehe bei den Verhandlungen nur noch um einige wenige palästinensische Häftlinge deren Übergabe Hamas verlange. Eine Liste mit 1,300 Namen sei über Ägypten an die israelische Seite übergeben worden hieß es im April 2007, diese Inhaftierten wolle Hamas gegen Shalit austauschen. Israels politische Führung lehnte diese Forderung wohl ab, jedenfalls wurden die Gespräche kurze Zeit später auf Eis gelegt, wohl auch weil sich auf der Namensliste einige hochrangige Terroristen und mehrfache Mörder befanden die Israel unter keinen Umständen auf freien Fuß setzen wollte.
Zwei weitere Briefe schrieb Shalit im Jahr 2008 an seine Familie, Ex US-Präsident Jimmy Carter reiste in den Nahen Osten, traf den Vater des Entführten und versprach sich für ihn einzusetzen als er nach Damaskus reiste und die dortigen Hamas-Vertreter zum Gespräch lud. Wenig ergebnisreich verkündete Hamas am 12.August 2008 man werde die Verhandlungen über das Schicksal der Geisel so lange nicht fortführen bis Israel die Blockade des Gaza-Streifens aufhebe. Der Sicherheitsrat der UN schlug auf seiner Tagung eine Woche später vor Gilad Shalit für die Begnadigung von 200 palästinensischen Häftlingen freizulassen. Von Seiten der Hamas kam eine klare Absage, denn die 200 zu entlassenen Palästinenser waren überwiegend Anhänger der Fatah und somit würden die internen Kämpfe der palästinensischen Fraktionen nur verstärkt.
Über all die Jahre hat sich in Israel selbst eine Gruppe von Aktivisten zusammengetan die Druck auf die Politik ausüben möchte. Mit Anzeigen in Zeitungen, Auftritten in den Medien und Demonstrationen vor Regierungsgebäuden wollen die Anhänger der „Free Gilad Shalit“ Bewegung auf das Schicksal des inzwischen 22jährigen Israeli aufmerksam machen. Durch Fotos und ständige Appelle an die Politik bleibt Gilad Shalit im Gedächtnis der Israelis und ist sogar ein bestimmendes Thema der Innenpolitik geworden. Kaum ein Politik der nicht verspricht der Entführte müsse nach Hause zurückkehren selbst wenn dadurch Zugeständnisse an Terroristen nötig seien.
Fatalerweise musste Shalits Familie Ende 2008 erleben wie Israel mit seiner Operation „Gegossenes Blei“ einen noch nie zuvor erlebten Bomben- und Raketenregen über dem Gaza-Streifen niedergehen ließ. Die massiven Luftschläge forderten hunderte Tote am Boden, zerstörten unzählige Gebäude, Straßen, Tunnel, Waffenlager und Werkstätten der Hamas. Israels Armeeführung konnte noch so oft beteuern man habe die Ziele sorgfältig ausgewählt und gehe mit bis dahin ungeahnter Präzision gegen die terroristische Infrastruktur vor, die Gefahr bestand dass möglicherweise Gilad Shalit durch israelisches Feuer verletzt oder getötet wurde. Hunderte Ziele griff die IDF in den Wochen bis Ende Januar 2009 an, vom südlichen Gaza-Streifen bis in das nördliche Khan Younis. Wo genau Hamas den Israeli gefangen hielt ließ sich nur erahnen, vielleicht wussten die Quellen des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet genaueres über den Aufenthaltsort, alles andere wäre ein gefährliches Spiel mit dem Leben der Geisel gewesen.
Der Vize-Chef des Politibüros der Hamas Abu Marzuk sagte am 11.Januar 2009 der Londoner Zeitung Al Hayat Shalit sei eventuell verwundet worden, oder auch nicht. Es spiele keine Rolle mehr wie es ihm gehe, man habe kein Interesse mehr darin ihn gut zu behandeln denn er sei nicht mehr wert als eine Katze oder sogar weniger. Bei dieser Aussage spielte natürlich die Wut angesichts der über 1,400 palästinensischen Opfer der Militäroperation eine große Rolle, denn Hamas weiß sehr genau welchen Wert der gefangene Israeli hat. 1,000 Palästinenser sei man bereit für Gilad Shalit auszutauschen, bot Israel am 26.Januar 2009 an. Die für Hamas äußerst schmerzliche Operation „Gegossenes Blei“ hat sicherlich dazu beigetragen die palästinensische Organisation an den Verhandlungstisch zu bomben. Unter dem Druck des Militärs, der tagtäglichen Verluste und der sich abzeichnenden Hilflosigkeit gegenüber den israelischen Angriffen würde sich Hamas zu weitaus geringeren Konditionen auf einen Deal einlassen, soweit die Hoffnungen der Israelis. Dass nach den Waffen wieder die Diplomatie sprechen würde war klar, dass man sich über Gilad Shalit einig werden würde jedoch reine Utopie. Für die neue israelische Führung geht es jetzt nach dem Wahlkampf um neue Ansätze im Nahostkonflikt, erst jetzt kann man Verhandlungspartner wählen und ernsthafte Gespräche beginnen.
Hinter den Verhängen dürften diese bereits begonnen haben, immer wieder sickert nach außen es gebe ständig ein Thema bei dem sich beide Seiten nicht einigen können, die Frage der so genannten „hochkarätigen Häftlinge“, dabei handelt es sich meist um Terrorführer, Kommandeure bestimmter Hamas-Einheiten, Bombenbauer auf deren Konto dutzende tote Israelis gehen. Zudem inhaftierte Israeli im Laufe der letzten Jahre mehrfach palästinensische Politiker unter dem Verdacht der Terrorunterstützung, darunter viele Hamas-Funktionäre und Fatah-Offizielle. 450 dieser hochkarätigen Gefängnisinsassen möchte die Hamas nach Hause in den Gaza-Streifen und in die Westbank holen, nur ein Bruchteil der insgesamt 8,300 Palästinenser in israelischen Zellen. Ob Israel bereit ist diesen Preis für Gilad Shalit zu zahlen fragen sich dieser Tage viele Beobachter. Das Versprechen den jungen Soldaten heim zu bringen steht, die Forderungen der Hamas ändern sich zwar kreisen aber trotzdem immer wieder um diesen einen Punkt. Im Fall der Hisbollah war man nicht nur einmal bereit hunderte teilweise hochrangige Terroristen freizulassen nur um Körperteile getöteter IDF Soldaten wieder zu bekommen, anders verhält sich dies wenn die Verhandlungen mit dem direkten Nachbarn geführt werden und einer Gruppierung die anders als Hisbollah keine Gesetze des Krieges respektiert und sich kaum an offizielle Abmachungen hält.
Aus Sicht der palästinensischen Führung kann ein Gefangenenaustausch schwerwiegende Folgen haben. Etliche Personen auf der Wunschliste gehören zur Gruppe der ehemaligen Fatah-Mitglieder die zu Beginn der 2.Intifada einen radikaleren Kurs eingeschlagen haben als die Parteimehrheit. Der prominenteste Name dürfte Marwan Barghouti sein, der im Volksmund genannte „Vater der Intifada“. Israels Armee verhaftete den mittlerweile 49jährigen Hardliner im April 2002 in seinem Heimatort bei Ramallah. Im anschließenden Gerichtsverfahren wegen Beteiligung terroristischer Aktivitäten und Anklage wegen mehrfachen Mordes wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt. Barghouti gilt als Gründer und ranghöchster Führer der Al Aqsa-Brigaden, die als militärische Einheit der Fatah den nationalistischen Terror gegen Israel während der 2.Intifada intensivierte. Über die Jahre in Haft entfernte sich der ehemalige Vertraute Yassir Arafats mehr und mehr ideologisch von der Fatah und der PLO. Insider berichten er es mittlerweile zwar auf keinem Pro-Hamas-Kurs aber lehne dennoch die Politik von Mahmud Abbas ab. Wichtig bei der Diskussion um die Person Barghouti ist dass es sich bei ihm wohl um den bekanntesten und beliebtesten palästinensischen Politaktivisten in Israels Gewahrsam handelt. Sollte er frei kommen hat er gute Chancen aus den nächsten Wahlen als neuer palästinensischer Premier hervorzugehen. In der PLO hält sich die Freude über eine bevorstehende Freilassung Marwan Barghoutis in Grenzen, das „schwarze Schaf der Fatah-Familie“ könnte zur verhängnisvollen Konkurrenz für die Palästinenser-Regierung werden. Gerade Israel müsste besorgt sein dass eine neue Hardliner-Generation des patriotisch-palästinensischen Lagers nach Freilassung des charismatischen Führers Barghouti in der Westbank dominierende Kraft werden könnte.
Unabhängig davon unter welchen Konditionen ein Deal zu Stunde kommen wird stellt sich die Frage wie es der Hamas gelang über drei Jahre lang eine Person vor den israelischen Geheimdiensten, Aufklärungsflugzeugen, Drohnen, Spitzeln und Agenten zu verstecken. Vor zwei Jahren war zu erfahren dass zwar zwei weitere palästinensische Widerstandsgruppen an der Entführung beteiligt waren, der militante Flügel der Hamas, die Izzaddin al Qassam Brigaden allerdings diejenigen seien die Shalit in ihrer Gewalt haben. Dem straf organisierten militärischen Teil der Organisation scheint es gelungen zu sein einige Einheiten aufzubauen die exklusiv mit der Bewachung und Verwahrung der israelischen Geisel beauftragt sind. Im Gaza-Streifen, einem der dichtbesiedelsten Orte der Welt, einem Landstrich von der Größe Hessens, eine Nadel im Heuhaufen zu finden ist keine einfache Aufgabe, trotzdem für die allgegenwärtigen israelischen Geheimdienste kein Ding der Unmöglichkeit. Anscheinend verzweifeln diese an der Strategie der Hamas ihre wertvolle Beute ständig von einem Versteck zum anderen zu schaffen, keine Mobiltelefone und sonstige Elektronik in seiner Umgebung zu benutzen und den Kreis derer die den Aufenthaltsort kennen so klein wie möglich zu halten.
Hamas möchte so schnell wie möglich einen Gefangenenaustausch stattfinden lassen, dies lässt sich eindeutig an Aussagen und Reaktionen ihrer Vertreter ablesen. Lange wird man nicht mehr geheim halten können wo sich Gilad Shalit befindet und das ewige Geschacher um palästinensische Namenslisten dürfte langsam aber sicher zu Frustration führen denn die vorangegangenen Deals mit Hisbollah ließ Israel wesentlich zügiger über die Bühne gehen. Während Abu Marzuk, Vize von Exil-Führer Mashaal heute verlauten ließ man möchte so schnell wie möglich zu einem Ergebnis bei den Verhandlungen kommen, tönt sein ranghöherer Kampfgenosse sollte Israel sich nicht bereit erklären die Forderungen der Hamas zu erfüllen, werde man noch mehr Soldaten entführen.
Tagelang campen die Familie des Verschleppten und ihre Unterstützer nun vor dem Haus des israelischen Premiers Olmert in Jerusalem und verlangen eine finale Entscheidung von der Politik. Deren Gespräche mit Vertretern der Hamas in Kairo wurden diese Woche abgebrochen, weil man sich nicht sofort einigen konnte. Ehud Olmert entscheidet sich wohl nun eine Frist zu setzen bis zu der die neue israelische Regierung eine Unternehmung beschlossen haben soll. Solange muss sich die Familie Shalit noch gedulden, etwas was nach 1000.Tagen Geiselhaft noch zu verkraften wäre, gebe es denn auch nur das kleinste Anzeichen einer Bewegung, einen Hoffnungsfunken anstatt ständig nur negative Meldungen aus den dutzenden Verhandlungsrunden. Gilad Shalits Angehörige durchleben einen unvorstellbaren Albtraum der endlich zu einem guten Ende kommen muss. Zeit kann ein gefährlicher, tödlicher Gegner sein, das beweist das Schicksal von Ron Arad, dem israelischen Navigator der 1986 über dem Libanon mit seinem Kampfflugzeug abgeschossen wurde, sich mit dem Fallschirm retten konnte, dann aber von Hisbollah-Kämpfern verschleppt wurde und nicht mehr aufgetaucht ist. Briefe und Videoaufnahmen sind neben inzwischen freigetauschten Militäruniformen und Ausrüstung das einzige was die schiitische Miliz von ihrer ehemaligen Geisel übergeben kann. Arad sei, das behauptete Hisbollah im letzten Jahr, schon kurz nach seiner Entführung an iranische Geheimdienstler und Militärs übergeben worden die ihn über Syrien in den Iran gebracht hätten, dort verliert sich die Spur, wahrscheinlich verstarb die Geisel dort in Haft oder erlag erlittenen Verletzungen auf dem Weg dorthin.
Gleiches darf Israel im Fall Gilad Shalit nicht zulassen. Die ethische Kodex der IDF, so betonte es auch der Premierminister, kann nicht gebrochen werden, Israel lässt keinen Soldaten zurück.
Lehrreich dürfte der Ausgang dieser Entführung und des jahrelangen Martyriums wohl für die Palästinenser sein. Wieder einmal beweist Israel, dass jüdisches Leben mehr wert ist als arabisches, dass Prinzipien keine mehr sind wenn es um eigene Staatsbürger geht. Jerusalem wird einen hohen Preis zahlen um den verlorenen Sohn nach Hause zu holen, die terroristischen Feinde des Judenstaates haben längst ihre Lehren gezogen aus dieser Taktik.
Wie zu erwarten folgte auf die eher primitive Tonbandbotschaft des Al Qaida im islamischen Maghreb-Sprechers Salah Abu Mohammed, ein schriftliches Bekennerschreiben mit Fotos der europäischen Geiseln. Die Botschaft der AQIM wurde letzte Nacht im Internet veröffentlicht und ist im Prinzip die Textform der Tonbandaufzeichnung, mit zusätzlichen Fotobeweisen.
Alle vier verschleppten Personen sind auf den Fotos zu sehen, wobei die Gesichter der Frauen unkenntlich gemacht wurden, wie üblich im Fall salafistischer Geiselnehmer.
Im Hintergrund zu erkennen sind mehrere bewaffnete, teilweise vermummte Kämpfer der nordafrikanischen Al Qaida Gruppe, sowie ein wüstenähnliches Umfeld was auf einen Aufenthaltsort im malisch-nigrische Grenzgebiet schließen lässt.
Ziemlich wahrscheinlich ist dass die Entführer innerhalb der nächsten Tage eine weitere Botschaft veröffentlichen werden, eventuell sogar in Videoform, in der Forderungen genannt werden. Man behalte sich, so der Text des Bekennerschreibens, das Recht vor nach den Bedingungen der Sharia mit den gefangenen Ungläubigen, umzugehen. Dies schließt einen Tauschhandel oder materielle Forderungen an die Heimatländer der Geiseln nicht aus.
Gewissheit kann manchmal Erleichterung mit sich bringen, oder aber genau das Gegenteil. Im Fall der pensionierten Erdkundelehrerin Marianne P. dürfte eher letzteres der Fall sein.
Ende Januar 2008 war die 77jährige Hessin in einer Reisegruppe europäischer Touristen im Mali Richtung Niger unterwegs. Die Gruppe befand sich auf dem Rückweg von einem Tuareg-Volksfest als sie etwa 60 Kilometer hinter der Grenze, im Wüstengebiet des Niger, überfallen und entführt wurde. Aus dem Konvoi konnten die Angreifer einen Wagen stoppen, der andere konnte dem Überfall entkommen.
Marianne P. wurde zusammen mit den anderen Insassen des Fahrzeugs, einem Schweizer Pärchen und einem Briten, überwältigt und verschleppt. Zunächst vermuteten die nigerianischen und malischen Behörden eine Aktion krimineller Banden oder Tuareg-Stämme hinter der Entführung, schnell wurde aber klar dass die Lage weitaus ernster ist als ursprünglich angenommen.
Der elftägige Ausflug in die Sahara Westafrikas endete für die europäischen Touristen plötzlich und vollkommen unerwartet im Niemandsland zwischen Niger und Mali.
Erst Ende Dezember verschwanden zwei kanadische Diplomaten im Dienste der UN im Nordosten von Niamy, der Hauptstadt des Niger. Wer die beiden entführt hatte war vollkommen unklar bis aus geheimdienstlichen Quellen zu erfahren war dass inzwischen auch Islamisten ihre Hände im Spiel hatten. Oft werden die Verschleppungen und Überfälle selbst von gewöhnlichen Kriminellen ausgeführt, die Geiseln dann aber die politisch motivierten Gruppen übergeben die dann ihre Forderungen stellen. Bisher war in dieser Region Afrikas keine besonders akute Bedrohungslage durch islamistischen Terrorismus bekannt gewesen, obwohl die örtlichen Sicherheitsdienste vor Jahren schon warnten Al Qaida versuche Fuß zu fassen in der Sahara-Region und der angrenzenden Sahel-Zone.
Der jüngste Ableger des Terrornetzwerks, die „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (AQIM), hat sich seit 2007 zu einer ständig wachsenden, extrem gefährlichen islamistischen Bedrohung entwickelt. Ursprünglich ein Überbleibsel des algerischen Bürgerkrieges der 1990er Jahre wuchs im November 2006 aus der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC) die Al Qaida Filiale in Nordafrika, die sich ab Januar 2007 offiziell „Al Qaida im islamischen Maghreb“ nennt. Den offiziellen Treueschwur, mit dem islamistische Gruppierungen dem Al Qaida Netzwerk beitreten leistete der Salafistenführer Abu Mussab Abdel Wadoud, bis heute Emir der AQIM. Mit Spektakuläre Selbstmordanschläge, Überfälle und Hinterhalte auf Regierungssoldaten und Polizei, Anschläge auf westliche Vertretungen und Botschaften überzieht die algerische Al Qaida seitdem Nordafrika. Nachdem sich die Organisation offiziell unter die Schirmherrschaft von Osama bin Laden und Ayman al Zawahiri stellte erschlossen sich ihr neue Geldquellen über Spenden aus den Golfstaaten. Sichtbar werden die Aktivitäten der AQIM seitdem durch die massive Propagandaoffensive im Internet. Häufiger als die sogar der irakische Al Qaida Ableger veröffentlichen die nordafrikanischen Islamisten inzwischen hochprofessionelle Videos ihres Dschihads.
Algeriens Geheimdienst betont jedoch dass die Mitgliederzahl der AQIM ständig abnimmt, was vor allem mit dem vermeintlich erfolgreichen Anti-Terrorkampf der Regierung zusammenhängt. Ohne Zweifel gelang es den Sicherheitskräften 2008 eine Reihe hochkarätiger Anführer, Kommandeure, Bombenbauer und Ausbilder in den ländlichen Gegenden Algeriens auszuschalten und zu verhaften, sichtbar geschwächt wurde die Organisation dadurch nicht. Mittlerweile wissen auch die französische und afrikanische Geheimdienste dass die AQIM expandiert hat und inzwischen über ein Netzwerk verfügt was weit über Algerien hinaus geht und Zellen in Tunesien, Marokko, Libyen, Maurentanien, dem Tschad, Niger, Mali und Senegal aufgebaut hat. Längst ist die CIA dabei lokale Truppen in Westafrikas Sahel-Zone auszubilden um ein dortiges Auftreten der Al Qaida verhindern zu können. In wie weit hier Erfolge zu verzeichnen sind bleibt zunächst im Dunkeln. Dass Al Qaida aber längst in den islamisch geprägten Regionen südlich der Sahara existiert bestreitet dagegen niemand mehr. Hunderte junge Muslime wurden in den afrikanischen Staaten rekrutiert und in mauretanischen, algerischen und tschadischen Ausbildungslagern trainiert, einige in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet geschickt um dort spezielle Kurse im Bombenbau zu durchlaufen.
Umso sorgenvoller dürfte der Krisenstab der deutschen Bundesregierung nun darauf reagieren dass sich die AQIM zur Entführung der Deutschen Marianne P. bekannt hat. Al Jazeera erhielt gestern ein Videoband dass eine knapp einminütige Bekennerbotschaft beinhaltet. Ein Standbild zeigt den bekannten AQIM Medienoffizier Salah Abu Mohammed, der schon in einer Reihe anderer Videobotschaften auftauchte und dessen Gesicht unkenntlich gemacht worden ist. Ein Sprecher erklärt die AQIM könne von zwei erfolgreich durchgeführten Operationen im Niger berichten bei denen mehrere kanadische und europäische Geiseln genommen wurden. Mudschaheddin der Al Qaida im islamischen Maghreb sei es gelungen die Botschafters Kanadas in Gabun und im Niger zu entführen, sowie am 22.Januar 2009 vier weitere westliche Ungläubige in ihre Gewalt zu bringen.
Sicherlich hat über die Informationen über die Geiselnehmer beim BND längst verfügt, die Situation zu einem friedlichen Ende zu bringen wird dadurch nicht einfacher werden. Es befinden sich keine Israelis und keine Amerikaner unter den Geiseln, wohl aber ein Brite, zwei kanadische Diplomaten und eine Deutsche. Wie Al Qaida mit diesen wertvollen Personen aus Heimatländern die am Anti-Terrorkampf beteiligt sind, verfahren wird ist schwer einzuschätzen. Sollten sie sich tatsächlich in den Händen der Hardliner-Islamisten befinden, wie sie in der Sahel-Zone immer häufiger in Erscheinung treten schweben die Geisel in höchster Lebensgefahr.
Pakistan:
Obama lässt weiter jagen
Innerhalb von nur zwei Tagen schlugen sie zweimal zu. Niemand hört sie kommen, selten sieht man sie. Wie Raubvögel kreisen sie am Himmel, meist tagelang, in unerreichbarer Höhe über ihren Opfern. Zuerst observieren sie ihr Ziel, dann gehen sie zum Angriff über und töten mit hoher Präzision.
„Predator“ heißt das Lieblingsspielzeug der CIA und die derzeit von Terroristen am meisten gefürchtete Waffe der US-Airforce. Etwas über acht Meter lang und knapp eine Tonne schwer sind diese Drohnen, unbenannte Flugzeuge die über Satelliten gesteuert werden und mittlerweile nicht mehr nur zur Luftaufklärung oder Zielmarkierung genutzt werden sondern selbstständig angreifen und töten können. 1995 flog erstmals eine Predator-Drohne im Dienst der amerikanischen Luftwaffe, seitdem stehen geschätzte 120 dieser Fluggeräte mit stolzen 15m Tragflächenspannweite im Dienst des Militärs und sind im ständigen Einsatz über dem Irak, Afghanistan, Pakistan und sicherlich auch im Zuge geheimer Operationen im Luftraum über dem Iran und Syrien und anderer „Schurkenstaaten“. Ein Standarteinsatzteam für eine Predator-Mission besteht aus 50 Mann, zwei Piloten und zwei Obersevatoren. Gesteuert wird die Drohne über einen Joystick teilweise tausende Kilometer vom Einsatzort entfernt, von der Zentrale in einer US-Militärbasis aus. Hochauflösende Kameras und Sensoren ermöglichen eine Echtzeit-Beobachtung von Ereignissen auf dem Boden, während die Drohne in bis zu 7,500m Höhe über der Erde fliegt. Laut offiziellen Angaben soll die maximale Flugdauer 30 Stunden betragen, Experten gehen davon aus dass die modernsten Versionen der „Predator“ aber weit mehr, teilweise mehrere Tage in der Luft verbringen können ohne landen und tanken zu müssen. Ausgestattet mit zwei „AGM-114 Hellfire“ Raketen wird das ehemalige reine Aufklärungsflugzeug zur tödlichen Waffe, mit der Objekte und Personen ohne das Risiko eigener Verluste vom US-Militär ausgeschaltet werden können.
Der Anti-Terror-Kampf der letzten Jahre hat den Einsatz der Kampfdrohnen immens intensiviert. Immer dann wenn es zu gefährlich wird bemannte Kampfjets oder Einsatztrupps per Hubschrauber einzusetzen, werden die ca.50 Millionen Dollar teuren Predators ins Zielgebiet gesteuert. Alleine im Jahr 2008 griff die US-Luftwaffe mit Predator-Drohnen 38mal im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet Terrorziele an. Mehrere ranghohe Al Qaida Kommandeure kamen durch Raketenangriffe im pakistanischen Stammesgebiet ums Leben, hunderte weitere Al Qaida und Talibankämpfer starben und wurden verwundet. Prominentestes Opfer dieser Search-and-Destroy-Kampagne ist wohl Abu Laith al Libi, einer der führenden militärischen Köpfe des Al Qaida Netzwerks und Ausbilder in mehreren Trainingscamps in Süd- und Nord-Waziristan. Im Januar 2008 tötete eine US-Drohne ihn und weitere Islamisten in einem nordwazirischen Gebäude.
Jüngste Angriffe von Predator-Drohnen fanden vor wenigen Tagen, am 14. und am 16.Februar 2009 statt. Zuerst traf es ein Haus im Dorf Malik Khel, im Westen der Provinz Süd-Waziristan, nahe der Grenze zu Afghanistan, das durch zwei Hellfire-Raketen komplett zerstört wurde. In den Trümmern fanden Anwohner die Leichen von mindestens 25 Männern, die meisten davon anscheinend usbekischer Herkunft. Nach Angaben aus der Region befanden sich in dem Gebäude ein Taliban Kommandeur und mehrere pakistanische und ausländische Kämpfer.
Zwei Tage später feuerten mindestens vier Predator-Drohnen Raketen auf ein terroristisches Ausbildungslager des Taliban-Kommandeurs Bahram Khan Kochi in der Region Sarpal, im zentralen Teil der pakistanischen Stammesgebiete. Erstmals griff die US-Airforce damit ein Ziel außerhalb Waziristans an, in der Provinz Kurram. Ob dieser Schlag dem dortigen Taliban Kommandeur Hakimullah Mehsud, einem Cousin des pakistanischen Talibanführers Baitullah Mehsud, galt weiß wohl niemand. Laut der Taliban kam keiner ihrer Kommandeure oder Ausbilder bei dem Angriff ums Leben, wohl aber 30 islamistische Kämpfer.
Da den Extremisten keinerlei Möglichkeit geboten wird aktiv gegen die Drohneneinsätze vorzugehen, bleibt ihnen nur der Rückzug in den Untergrund. Hochrangige Führer der Taliban und der Al Qaida fürchten die Angriffe aus heiterem Himmel zunehmend.
Präsident Obama hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar die CIA angeordnet die Taktik der Drohnen-Angriffe fortzusetzen und weiterhin Al Qaida und Taliban Ziele vom pakistanischen Luftraum aus zu attackieren und auszuschalten wann immer es nötig sei. Die Jagd geht also weiter.
Jetzt also offiziell Sharia
Pakistans „Tal des Todes“ ist keine menschenfeindliche Wüste voller Sanddünen und karger Felsformationen, sondern eine grüne Hochebene von der aus man die schneebedeckten Gipfel des kashmirisches Bergmassivs sehen kann. Swat heißt diese nördliche Provinz Pakistans und galt einst als die „Schweiz“ des islamischen Landes. Bewaldete Hügel und Berge, durchzogen von Flüssen, hier und da ein Dorf, das ist Swat. Früher war das Gebiet ein Fürstentum mit langer buddhistischer und dann islamischer Tradition, heute ist Swat ein Symbol des politischen Versagens.
Angefangen hat alles im Juli 2007. Damals übernahmen die pakistanischen Taliban innerhalb weniger Wochen quasi die komplette Kontrolle über den Distrikt Swat, besetzten alle die örtlichen Vertretungen der Regierung, vertrieben und töteten lokale Autoritäten und installierten ihr System der Sharia-Herrschaft. Angeführt wurde diese Bewegung vom 30jährigen Maulana Qazi Fazlullah, dem Schwiegersohn des Anführers der „Bewegung für die Errichtung von Mohammed´s Sharia“ (Tehrik e Nifaz e Shariat e Mohammadi kurz TNSM) Maulana Sufi Mohammed, einem geistigen Oberhaupt der Taliban-Bewegung für den Demokratie inakzeptabel, das Afghanistan der 1990er Jahre ein „ideales Vorbild für andere islamische Länder“ darstellt und einzig und allein der Koran und die Sunnah als gesellschaftliche Norm gelten.
Schon vor der Machtübernahme durch die Gotteskrieger erklärte die pakistanische Regierung unter dem scheidenden Präsident Musharraf das Swat-Tal sei zum Tummelplatz für Terroristen geworden. Al Qaida und Taliban aus Waziristan würden dort Unterschlupf finden und sich organisieren. Die Realität war noch weitaus verheerender. Swat wurde offiziell dem Einflussgebiet der Koranschüler einverleibt, und ähnlich wie die Stammesgebiete an der afghanischen Grenze zum Teil von „Talibanistan“. Versuche mit den Islamisten über einen Waffenstillstand und eine gemeinsame Kontrolle über Swat zu finden scheiterten, das pakistanische Militär entschied sich die Situation zunächst zu akzeptieren. Erst im Dezember 2008 verlangte die Lage nach einer Entscheidung. Internationale Medien berichteten über eine Schreckensherrschaft der Taliban mitten im pakistanischen Territorium. Das Swat galt als „verloren“, bis die Regierung in Islamabad zum Gegenschlag ausholte und am 01.Februar 2009 nach einer sechstägigen Offensive die Kontrolle über die Provinz gewann. Bis dahin waren 200,000 der geschätzten 1,2 Millionen Einwohner vor den Kämpfen und der ultraorthodoxen Sharia der Taliban geflohen.
Diesen „status-quo“ zu halten war nur schmerzlich möglich, denn die Taliban kündigten eine Terroroffensive und eine Ausweitung des Guerilla-Kampfes in Pakistan an. Längst fanden im Geheimen Gespräche zwischen der Führung der Islamisten und dem pakistanischen Militär statt. Es ging darum sich zu einigen wie beide Seiten das Problem in der Region lösen können ohne ihr Gesicht dabei zu verlieren. Schließlich kamen die Verhandlungen zwischen Vertretern der pakistanischen Regierung und der TNSM-Führung unter Maulana Sufi Mohammed am 16.Februar 2009 zum Abschluss. Taliban-Führer Fazlullah und sein Schwiegervater hatten sich durchgesetzt und ein Ende der Militäroffensive erreicht. Zudem stimmte das pakistanische Militär zu, das Gesetz der Sharia im Gebiet „Malakand“ einzuführen und von örtlichen Statthalter ausführen zu lassen.
Nicht anders als eine Kapitulation vor den Taliban und ihren religiösen Dachverbänden stellt dieses Ergebnisse der Verhandlungsrunde dar. Pakistans Armee wird Swat verlassen und sich nur noch am zivilen Wiederaufbau beteiligen, die Taliban dürfen im Gegenzug die Umsetzung der koranischen Rechtssprechung ausführen und überwachen. Solche Übereinkünfte stellen zwar in der stammesorientierten Gesellschaft Pakistans keine Ausnahme dar, angesichts der politischen Lage jedoch empört man sich in den USA und Europa über die Schwäche der pakistanischen Regierung die somit ein Taliban-Regime im eigenen Land legitimiert. Der Taliban-Vertreter Maulana Fazlullah hatte sich zu einem 10tätigen Waffenstillstand bereit erklärt und über seinen eigenen, illegal betriebenen Radiosender verkündet in Swat sei Allahs Gesetz das einzig gültige, und die pakistanische Regierung habe dies nun akzeptiert. Jahrelang hatte der Stellvertreter des gefürchteten Taliban-Führers Baitullah Mehsud eine Terrorkampagne in der Region rund um Swat betrieben, Gegner hingerichtet, Sprengstoff- und Selbstmordattentate gegen Soldaten, Polizei, Gouverneure und Mädchenschulen betrieben. Nun akzeptiert man ihn als Verhandlungspartner. Große Unterschiede zu früheren Deals zwischen Regierung und Taliban bestehen dennoch nicht. Es ist die übliche Strategie des Appeasements, der Taktik „Ich lass dich in Ruhe, lass du uns in Ruhe“. Auf fatale Weise war man in der Vergangenheit damit eine Strategie des Scheiterns gefahren. Zu oft brachen die Gotteskrieger jegliche Versprechen, starteten Terror gegen Zivilbevölkerung und Militär. Eine schwache Zentralregierung und ein mangelnder Wille tatsächlich einen effektiven Anti-Terrorkampf zu führen, sorgen letztendlich dafür dass eine pakistanische Provinz nach der anderen unter die Kontrolle fanatischer Islamisten fällt.
Sharia im Swat, Sharia in Waziristan, in Bajaur, in Malakand, in Khyber, in Dir, in Mohmand…bald vielleicht in Islamabad?
Afghanistan:
Mullah Dastighir – Talibangouverneur von Badghis ist tot
Mullah Dastighir war ein lebender Beweis für die neue Stärke der Taliban in Afghanistan, knapp acht Jahre nach dem Sturz des islamistischen Regimes. Der erfahrene Kämpfer war der inoffizielle Gouverneur der nordwestafghanischen Provinz Badghis, Teil einer Schattenregierung, die im Untergrund an die Macht in den verschiedenen Regionen des Landes drängt. Offiziell regieren die Vertreter der Zentralregierung von Hamid Karzai, die Taliban aber ernennen ihre eigenen Provinzkommandeure, Gouverneure, Generäle, Bürgermeister und Richter. Dastighir unterstanden geschätzte 600 Taliban-Kämpfer die in den vergangenen Monaten eine neue Offensive im Nordwesten in Gang setzten. An der Grenze zu Turkmenistan kommt es in der multiethnischen Bevölkerung häufig zu Machtkämpfen und Rivalitäten örtlicher Machthaber. Karzai´s Kabulistan-Regierung konnte diesen politischen Spannungen nichts wirksamen entgegensetzen. Gerade rund um den Jahreswechsel 2008/09 verstärkten sich die Kämpfe zwischen den Fraktionen in Badghis, es kam zu Gefechten und Anschlägen die Tote auf Seiten der turkmenischen, der tadschikischen und der puschtunischen Rivalen sorgten. Den Taliban gelang es dabei unter eigenen Verlusten nicht die Oberhand zu gewinnen. Von der Taliban-Führung aus Pakistan kamen deshalb die Befehle die Kampagne zur Machtübernahme in der Provinz zu verstärken.
Letzten Sonntag dann tötete ein US-Luftangriff Mullah Dastighir, den selbsternannten Gouverneur von Badghis und einige seine Begleiter, die sich in einem Haus in Balamurghab, direkt an der turkmenischen Grenze aufhielten. Die US-Armee und afghanische Truppen hatten tags zuvor das Gebiet eingekreist und die Luftwaffe geordert die dortige Führungsriege der Taliban auszuschalten.
Kurioserweise war Dastighir erst im September 2008 auf Order von Präsident Karzai aus dem Gefängnis des afghanischen Geheimdienstes entlassen worden. Örtliche Stammesälteste, die anscheinend von den Taliban eingeschüchtert und beeinflusst wurden, hatten Karzai im Zuge von Verhandlungen um die Provinz, dazu überredet den Feldkommandeur der Gotteskrieger zu begnadigen.
Dieser Fehler wurde nun korrigiert.
Saudi-Arabien:
„Wo kann ich mich ergeben?“
Wie der saudische Fernsehsender Al Arabiya am Dienstag berichtete stellte sich der gesuchte saudische Al Qaida Terrorist Mohammed al Qufi und ehemalige Guantanamo-Häftling (Nr.333) den saudischen Behörden. Drei Tage zuvor hatte er die Sicherheitskräfte in Saudi-Arabien kontaktiert bevor er sich im benachbarten Jemen stellte.
Erst vor wenigen Wochen tauchte der Al Qaida Kommandeur in einem Video des jemenitisch-saudischen Ablegers des Terrornetzwerkes auf und drohte mit neuen Anschlägen auf der arabischen Halbinsel. Warum sich Al-Qufi, der auf einer Liste von 85 gesuchten Terroristen in Saudi-Arabien einen der oberen Plätze einnahm, jetzt ergab kann nur vermutet werden. Saudische Geheimdienste starteten in jüngster Vergangenheit eine umfangreiche Jagd um bekannte Al Qaida Mitglieder in Gewahrsam zu bringen und Terrorangriffe zu verhindern.