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Sunday, May 30, 2010

Rohmaterial zeigt blutige Schlachten in Ost-Afghanistan


Danny Phillip Dietz Jr. hatte sich einen Traum erfüllt. Der 25jährige Amerikaner zog von Littleton, einem Vorort von Denver, in Colorado, in den Krieg. Im Jahr 1999 hatte er sich für beim US-Militär verpflichten lassen, 2001 bestand er die harten Aufnahmetests der Eliteeinheit "Navy Seals". Dietz heiratete 2003, und wurde nur zwei Jahre später nach Ost-Afghanistan entsandt, dem gefährlichsten Pflaster für westliche Truppen am Hindukusch.


Dietz und drei Kameraden befanden sich am 28.Juni 2005 auf einer Aufklärungsmission ("Operation Red Wing") in den Bergwäldern der ostafghanischen Provinz Kunar. Ausgestattet mit modernster Elektronik und Ausrüstung sollten die Elitekämpfer den lokalen Taliban-Kommandeur "Mohammed Ismail" aufspüren. So weit kam es nie, denn Danny Phillip Dietz und die anderen wurden von einer Gruppe Taliban-Kämpfer überrascht, die einen Hinterhalt vorbereitet hatte.

Die Islamisten attackierten den vierköpfigen Trupp von mehreren Seiten und zwangen die Elitesoldaten in eine schier aussichtslose Lage, aus der es kein Entkommen gab. Vier Soldaten lieferten sich stundenlange Schusswechsel mit mehreren dutzend feindlichen Kämpfern. Einzig die Vegetation, Felsen und Bäume boten Schutz.

Per Funk wurde Unterstützung angefordert. Ein Chinook-Transporthubschrauber mit 16 US-Soldaten der Navy Seals eilte herbei um Danny Dietz und seinen Kameraden Schützen-Hilfe zu leisten. Was dann geschah wurde nie im Detail öffentlich erläutert. Als der Hubschrauber versuchte in der umkämpften Gegend von Kunar zu landen, wurde er offenbar von einer RPG-Panzerfaust der islamistischen Kämpfer getroffen und stürzte ab. Alle 16 US-Elitesoldaten an Bord kamen ums Leben.

Das eingekesselte Navy-Seals Team um Danny Dietz war den Taliban hilflos ausgeliefert. Drei der vier Soldaten überlebten den Hinterhalt nicht, einer konnte sich in ein Dorf retten und wurde von Zivilisten aufgenommen und konnte Kontakt zu den US-Truppen herstellen. Danny Philip Dietz aus Colorado fand den Tod in den Bergen von Kunar. Seinen Leichnam fanden US-Einheiten am 04.Juli 2005.

Zwei Jahre nach dem blutigen Ende von "Operation Red Wing", im Juli 2007, errichteten Angehörige und Freunde in der Heimatstadt des Navy Seal-Soldaten, in Littleton, eine Statue zu seinen Ehren. Bereits 2006 verlieh das US-Militär Danny Phillip Dietz Jr. die zweithöchste Ehrenmedaille, das Navy Cross.


Taliban und al-Qaida brüsteten sich mit dem höchsten Verlust für die Eliteeinheit Navy Seals seit dem Vietnam-Krieg. In den Medien wurde spekuliert die US-Soldaten seien bei ihrer Operation Osama Bin Ladens versteck zu nahe gekommen und wären deshalb auf derart heftigen Widerstand gestoßen. Wahrscheinlicher ist, dass der Chinook-Hubschrauber der Unterstützungs-Einheit durch einen unglücklichen Zufalls-Treffer abstürzte.

Al-Qaida´s Medienabteilung As Sahab präsentierte die Juni-Schlacht von Kunar in einem zweiteiligen Propagandavideo, in dem suggeriert wurde, dass vor allem ausländische Dschihadisten für den Tod der US-Elitesoldaten verantwortlich waren. Abdel Hadi al-Iraqi, ein irakischer Islamistenkommandeur, wurde im Versteck der al-Qaida bei der Angriffsplanung gezeigt, an einer anderen Stelle des Videos traten englisch- und französischsprachige Islamisten auf.

Nur ein kurzer Ausschnitt aus dem As Sahab Video vom August 2005 zeigt tatsächlich jene Szene, in der wohl die Gefechte in den Wäldern von Kunar zu sehen sind. Die Islamisten posieren mit den Leichen der US-Soldaten, präsentieren die Tattoos auf den Körpern und hantieren stolz mit modernen US-Sturmgewehren und anderer erbeuteter Ausrüstung.



Erstmals taucht nun ein 40minütiges Video auf, das als Rohmaterial zeigt, was sich in Kunar am 28.Juni 2005 abspielte. Die Kameraufnahmen beweisen, es waren größtenteils einheimische Taliban, die den Hinterhalt auf Danny Dietz vorbereiten und ausführten. Teilweise verwackelte Szenen zeigen wie knapp zwei Wochen vor dem Zwischenfall von "Operation Red Wing", am 15.Juni 2005, ein Konvoi der US-Armee in Kunar unter Beschuss gerät.



Später dann folgen Aufnahmen vom 28.Juni 2005, aufgenommen in den Bergwäldern. Der Leichnam eines Soldaten wird gezeigt, ebenso Islamisten, die offenbar mit mehreren Kameras das Geschehen dokumentieren.
Ein großer Teil des Rohvideos beschäftigt sich mit dem erbeuteten Material und den Ausweisen der getöteten US-Soldaten. Ein Islamist, der offensichtlich Englisch spricht, liest Namen, Rang und Sozialversicherungsnummer von den ID-Cards ab, präsentiert Führerscheine und andere Dokumente.


In einer anderen Szene führt ein weiterer vermummter Dschihadist (der anscheinend nur Arabisch versteht) vor, wie der Granatwerfer des M-16 Maschinengewehrs der Navy-Seals funktioniert.

Durch die nun veröffentlichte Rohfassung wird ersichtlich: al-Qaida verkauft häufig fremdes Videomaterial als das eigene, verändert dabei den Fokus und liefert propagandistisch falsche Fakten.
Der Hinterhalt der "Operation Red Wing" war eine "Kunar-Taliban"-Aktion, an der eventuell einige wenige ausländische Dschihadisten beteiligt waren. Mit Nichten war es eine al-Qaida geplante und von der islamistischen Internationalen umgesetzte Operation.

Saturday, May 15, 2010

No-Go Zone Sahara - wieder Französische Geisel in der Hand von al-Qaida


Mit 77 Jahren dürfte Michel Germaneau eine der ältesten Geiseln sein, die jemals von Terroristen verschleppt wurde. Der Franzose befindet sich derzeit in der Hand der "al-Qaida im Islamischen Maghreb" und richtete sich in einer Audiobotschaft vor wenigen Tagen an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.


Al-Qaida entführte den französischen Ingenieur am 22.April im westafrikanischen Niger. Germaneau arbeitete für die algerische Öl-Industrie in der Sahara-Region.
Im Statement der Islamisten heißt es, Germaneau würde freigelassen werden, wenn al-Qaida Sympathisanten und Mitglieder aus französischen Gefängnissen entlassen würden.

Saturday, March 20, 2010

Taliban zeigen erstmals neuartige Sprengfalle


Z
unächst waren sie das Patent der libanesischen Hisbollah gegen israelische Panzer, dann tauchten sie ab 2005 vermehrt im Irak auf und zerfetzten dort Humvees und Truppentransporter der US-Armee, jetzt sind sie die tödlichste Waffe der Taliban im Kampf gegen die NATO in Afghanistan: EFPs.



EFP ist der Fachbegriff für eine neuartige Form von Sprengfalle, die speziell konzipiert wurde um dickste Panzerungen zu durchdringen. "Explosively Formed Projectile", wie die Bomben heißen, sind grob gesagt Röhren, die mit Sprengstoff gefüllt und mit einer Kupfer- oder Stahlplatte verschweißt werden. Sie werden in Richtung des Zieles, meist am Straßenrand vergraben oder platziert und per Fernzündung gezündet.
Durch die Explosion des Sprengstoffes entsteht im Bruchteil einer Sekunde ein gewaltiger Druck afu die aufgeschweißte Metallplatte, die durch die Druckwelle verformt wird und wie ein Geschoss in Richtung Ziel schießt.
Trifft diese Hütchenförmige Platte auf ein gepanzertes Militärfahrzeug durchschlägt sie diese mühelos und richtet im Inneren des Fahrzeugs gewaltigen Schaden an.


Im Irak beobachteten US-Truppen, wie EFPs selbst die Panzerung von M1A2 Abrams Panzern durchschlugen wie Butter. Humvees wurden von den recht primitiven aber wirkungsvollen Geschoss-IEDs regelrecht zerfetzt.


Die Vermutung der US-Geheimdienste lag nahe, dass diese neuartigen IEDs nicht in den Hinterhöfen von Falludscha oder Bagdad entstanden sondern aus militärischen Werkstätten beispielsweise im Iran oder Syrien stammten.
Tatsächlich gelang es der CIA wohl Waffentransporte aus dem Iran in den Irak abzufangen, die massenhaft vorgefertigte EFP-Bomben enthielten.

Dass die EFPs nun in Afghanistan immer häufiger zum Einsatz kommen belegt jedoch nicht dass die Mullahs von Teheran ihre Finger im Spiel haben und die schiiten-hassenden Taliban mit Waffen versorgen. Längst ist die Technik der EFPs bei verschiedenen Rebellen- und Terrorgruppen angelangt und die Sprengsätze können in Heimarbeit gebaut werden.



Inzwischen ist davon auszugehen dass die Bombenbauer der Taliban ihr Handwerk hauptsächlich von arabischen al-Qaida Kadern erlernen, die sich im pakistanischen Stammesgebiet niedergelassen haben. Wie in Dschihad-Internetforen zu lesen ist, glorifiziert al-Qaida selbst ihre Bombenexperten, wie den ägyptischer Abu Khabab al Misri oder jüngst den Jemeniten Ghazwan al Hussami, der vor gut einer Woche in Nord-Waziristan durch eine US-Drohne getötet wurde.
Nicht wenige der IED-Experten aus dem Nahen Osten dürften ihr Handwerk wiederum im Irak erlernt haben und so auch das Knowhow über EFPs und deren Schlagkraft an den Hindukusch exportiert haben.

Für die NATO bedeuten die neuen Sprengfallen ein zusätzliches Risiko, das sich nicht nur höhere Panzerung umgehen lässt. Fahrzeuge sind alleine schon aufgrund ihres Gewichtes an ein bestimmtes Panzerungs-Limit gebunden, die Durchschlagkraft der EFPs übersteigt dieses jedoch bei weitem. Die einzige Hoffnung bleiben Minensuchgeräte, sogenannte "IED-jammers", also elektronische Geräte die alle Funksignale in der Umgebung verhindern und so eine Fernzündung per Handy oder Funkgerät unmöglich machen sollen.

Wednesday, March 17, 2010

Al-Qaida Kommandeur getötet - Drohnenangriff auf Miranshah-Zelle


Schon vor wenigen Tagen erreichte die Meldung dschihadistische Internetforen, eine Gruppe Araber sei bei einem US-Drohnenangriff am 09.März nahe der Stadt Miranshah in Nord-Waziristan ums Leben gekommen. Letzte Woche hatten die unbemannten Flugzeuge Raketen auf einen Gebäudekomplex abgefeuert und laut Anwohner acht "Ausländer" getötet.


Miranshah (Nord-Waziristan) aus Drohnen-Sicht

Nach und nach sickerten die Namen der getöteten al-Qaida Kämpfer bis in die Dschih@d-Szene. Die Rede war dort allerdings nur von vier getöteten Dschihadisten. Ein Kuwaiter soll darunter sein, dessen Bruder in Guantanamo in Haft sitzt, ein Marokkaner, ein Pakistaner und ein jemenitischer "Märtyrer" namens "Ghazwan al-Yemeni" (auch Saddam Hussain al Hussami genannt).

Ein Bombenbastler weniger

CIA-Quellen erklärten heute, der Luftangriff in der letzten Woche habe erfolgreich einen Chefplaner al-Qaidas getötet. Hussain al-Hussami sei Hauptverantwortlicher für den Selbstmordanschlag auf die CIA-Basis im afghanischen Khost gewesen und habe auch weitere "Special Operations" von al-Qaida geplant.
Der 30jährige soll laut Dschihad-Insidern 2005 mehrere Monate in jemenitischer und saudischer Haft verbracht haben, bevor er an den Hindukusch reiste. Al-Hussami habe in Kontakt gestanden mit al-Qaida im Jemen und galt als ein Spezialist im Bau von Sprengstoff-Westen und Gürteln. Laut CIA habe er als erfahrener Bombenbauer auch Taliban-Zellen ausgebildet.

Noch bevor US-Geheimdienstler seinen Tod bestätigten, feierte die Dschihad-Szene al-Hussami bereits als Märtyrer. Die Araber die vergangene Woche in Waziristan ums Leben kam, sollen Schüler des legendären al-Qaida Bombenbauers Khabab al-Masri gewesen sein. Auch er starb durch eine CIA-Drohne.
Al-Hussamis Tod beweist, dass die massive Zunahme der Drohnenangriffe nicht ohen Wirkung auf das Terrornetzwerk bleibt.

CIA-Chef hält al-Qaida für geschwächt, warnt vor Einzeltätern

10 von 20 Top-al-Qaida Führern habe man durch diese Taktik bereits eliminieren können, erklärte CIA-Chef Leon Panetta im Washington Post Interview vom Mittwoch. Die Organisation sei geschwächt und zerrüttet. Eine abgefangene Nachricht eines Kommandeurs an Osama Bin Laden zeige wie hilfslos sich die Extremisten fühlten. Darin soll Bin Laden angefleht worden sein, die Führung der Gruppe in Waziristan zu übernehmen, denn die Dschihadisten seien demoralisiert und zermürbt durch die Drohnen.


Panetta warnte aber davor die Schlagkraft al-Qaidas zu unterschätzen. "Die USA sind im Krieg mit dieser Organisation", so der CIA-Chef, "al-Qaida ist weiterhin entschlossen so viele Amerikaner wie möglich zu töten."
Ausgebildete Terroristen wie Najibullah Zazi, der Terroranschläge in New York verüben wollte, habe man im vergangenen Jahr verhaften können. Jedoch sei Zazi genau wie andere al-Qaida Anhänger in den USA vorher nicht CIA bekannt gewesen. Er habe Angst, erklärte Panetta, dass sich noch mehr Schläfer in den Vereinigten Staaten befänden "von denen wir nichts wissen."

Nord-Waziristan im Raketenhagel - Zawahiri, Mustafa Abu Yazid oder Bin Laden getötet?


Die Dorfbewohner in Pakistans Grenzprovinz Nord-Waziristan verlassen nur noch sehr vereinzelt ihre Häuser. Gebiete wo Taliban und ihre ausländischen Dschihad-Söldner hausen, meiden Zivilisten, zu oft regnet es inzwischen amerikanische Hellfire-Raketen, abgeschossen von unbemannten CIA-Drohnen, auf die Dörfer, Höfe und Straßen Nord-Waziristans.

Alleine in den vergangenen drei Tagen, schlugen die US-Drohnen dreimal zu, töteten mehr als 20 Menschen.

16.03.10 - Datta Khel: 5 Raketen abgefeuert auf einen Gebäudekomplex töten mindestens 11 "Foreigners", vermutlich arabische al-Qaida Kämpfer

17.03.10 - 1. Hamzoni: 5 Raketen abgefeuert auf zwei Geländewagen töten mindestens 5 militante Islamisten

2. Datta Khel: 2 Raketen auf einen Gebäudekomplex töten mindestens 3 militante Islamisten

Bemerkenswert ist vor allem das Echo nach dem gestrigen Angriff im Dorf Datta Khel. Laut Angaben der Dorfbewohner starben durch die US-Raketen hauptsächlich "Gäste", was in der Regel heißt es handelt sich um ausländische, meist arabische, al-Qaida Mitglieder.
Um die Toten des Angriffs zu bergen und zu bestatten, so berichten Anwohner, seien arabische Islamisten nach Datta Khel gekommen und hätten einen bis zu 3km breiten Sperrgürtel rund um den Angriffsort errichtet. Kein Dorfbewohner dürfe dieses Areal betreten, hätten die Islamisten gewarnt.

Die Beerdigung von militanten Kämpfern geschah in der Vergangenheit wenige Stunden nach einem Drohnenangriff, und streng nach islamischer Sitte noch vor dem nächsten Sonnenaufgang.
Seit aber die Predator- und Reaper-Drohnen zielt auch jene ins Visier nehmen, die tote al-Qaida und Taliban Kämpfer zu Grabe tragen oder Beerdigungszeremonien abhalten, zögern die Islamisten mit der Bergung der Leichen.
Dass nun ein Sperrgebiet rund um den gestrigen Angriffsort errichtet wurde, deutet daraufhin dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ranghohes Mitglied al-Qaidas ums Leben kam.

Mehrheitlich dürfte es die al-Qaida Führung ohnehin aus den pakistanischen Stammesgebieten in größere Städte gezogen haben, seitdem es wöchentlich zu Drohnenangriffen von Waziristan bis Bajaur kommt.
Die neue Wahlheimt für die afghanischen Taliban ist inzwischen die größte islamische Stadt der Welt, die südpakistanische Hafenmetropole Karachi.

Friday, March 12, 2010

Geiselvideo aus Nordafrika zeigt Spanier in al-Qaida Hand


A
l-Qaida im Islamischen Maghreb ließ vor knapp einer halben Stunde ein Geiselvideo veröffentlichen, in dem drei spanische Entwicklungshelfer zu sehen sind, die Ende 2009 in Mauretanien verschleppt worden waren.


Während sich die beiden Männer weiterhin in der Hand der Islamisten befinden, wurde die Alicia Gámez vor wenigen Tagen freigelassen. Laut al-Qaida war die Frau zum Islam konvertiert und somit keine "Kuffar-Geisel" mehr.


Wahrscheinlicher ist, dass die Lösegeld-Summe für al-Qaida hoch genug war um die weibliche Geisel frei zu geben. Für die beiden noch entführten Spanier verlangen die Terroristen angeblich die stolze Summe von 5 Millionen EURO.

Sunday, January 24, 2010

Kurz und kompromisslos - Osama Bin Laden´s verbaler Rundumschlag


D
ie Zeiten langer Reden sind vorbei. Seine jüngste Ansprache ist dem al-Qaida Führer Osama Bin Laden gerade einmal eine Minute wert. Doch die Aussagen des meistgesuchten Mannes der Welt werden durch die Kürze nicht weniger brisant. Dem Propheten des Terrors gelingt ein Rundumschlag, er verkehrt Verluste in Siege und fegt Hoffnungen und Wünschträume davon.

Mit der neuen Tonbandaufnahme „Osama an Obama“, übernehme Bin Laden die Verantwortung für das gescheiterte Weihnachts-Attentat auf ein Flugzeug in Detroit, melden die Agenturen. Dies ist untertrieben. Ihm gelingt noch einiges mehr. Verteilt auf eine Minute schwingt Bin Laden das verbale Fallbeil für Präsident Obama und zementiert ein für alle Mal: al-Qaida macht keine Kompromisse.

Zunächst beweist Bin Laden durch die Erwähnung des gesheiterten Detroit-Anschlages dass er noch unter den Lebenden weilt, dann adelt er den verhinderten Attentäter Umar Farouk Abdulmutallab zum „heldenhaften Krieger“, er nennt ihn in einem Atemzug mit den 9/11-Flugzeugentführern und stilisiert den Nigerianer so zum Mohammed Atta der nächsten Generation. Vielleicht tat er dies weil Abdulmutallab, Sohn eines steinreichen Bankiers, ähnlich wie Bin Laden selbst, dem Luxus den Rücken kehrte und sich für den Kampf gegen den Westen entschied. Seelenverwandte?

Es ist außerdem das erste Mal dass Bin Laden sich im Namen seines Terror-Dachverbandes nach einem nicht geglückten Attentat alleine mit dem Versuch brüstet und so aus dem Scheitern propagandistisch Profit schlägt.
Als in Großbritannien im Jahr 2006 der so genannte „Airliner-Plot“ aufflog, schwieg al-Qaida. Ebenso bei den Festnahmen der US-Staatsbürger Najibullah Zazi und Bryant Vinas im vergangenen Jahr. Beide waren in al-Qaida Trainingslagern in Pakistan planten Anschläge in New York. Ihnen trauerte weder Bin Laden noch Zawahiri hinterher. Wer scheitert, der wird normalerweise verleugnet. Der Dschihad kennt nur zwei Arten von Siegern: die toten Märtyrer und die siegreichen Krieger auf dem Schlachtfeld.

Jetzt aber kommt der Ritterschlag vom Führer des Dschihad für einen Gotteskrieger den wahrscheinlich eine lebenslange Haftstrafe erwartet. Bin Laden nutzt den Fall Abdulmutallab um zu beweisen dass sein Franchise-System des Terrors funktioniert. Und er demütigt all jene die ein Ende oder auch nur die Schwäche al-Qaidas vorausgesagt haben. Eine eigenständige Terrorzelle al-Qaidas hat weit weg von den eigentlichen Schlachtfeldern gegen den Terrorismus, Irak und Afghanistan, einen komplexen Anschlag im Westen geplant und ist nur knapp gescheitert.

Die Kernaussage Bin Ladens allerdings geht über den Detroit-Anschlagsversuch hinaus, ist eigentlich alt aber ungebrochen aktuell. Sie richtet sich an den Westen generell und an Präsident Obama im Speziellen.
Seit dem 11.September, so betont der Saudi, habe sich seine Botschaft nicht verändert und trotzdem habe man ihn anscheinend nicht verstanden. Sicherheit für die USA und ihre Verbündeten kann es laut Bin Laden nur geben, wenn Muslime weltweit in Sicherheit leben können.

Dass Bin Laden dabei ausgerechnet das Beispiel Palästinas und die westliche Unterstützung für Israel anführt, ist keinesfalls zufällig. Warum nennt er nicht die pakistanische Militäroffensive in Süd-Waziristan, den Luftangriff von Kunduz oder die US-Bombardierungen im Jemen? In all diesen Fällen starben muslimische Zivilisten. Dennoch macht sich Bin Laden zum Anwalt der Palästinenser und präsentiert sich als islamistischer Robin-Hood. Die Sympathie vieler Muslime, und auch vieler Nicht-Muslime, ist ihm damit sicher.

Und er geht noch weiter. Präsident Obama wird durch die neuste Botschaft Bin Ladens zum Kriegspräsidenten deklariert. Aus der schwarzen Erlöserfigur macht der Terrorpate einen zweiten Bush, lässt kein gutes Haar an seiner Politik und schlägt damit in eine tiefe Wunde, die Obama ohnehin schon durch seine politischen Gegner trägt.

Obamas Bemühungen die Beziehungen der islamischen Welt zu verbessern, seine Rede in Kairo, die Ankündigung Guantanamo schließen zu wollen und nicht zuletzt seine muslimischen Wurzeln und die Zeit in Indonesien, bedeuten al-Qaida rein gar nichts. Nichts davon ändert Bin Ladens Agenda.

Alle Hoffnungen der neue Mann im Weißen Haus würde den Blutrausch der Dschihadisten schmälern waren umsonst. Israel genügt Bin Laden als Argument. Die Unterstützung Amerikas für den jüdischen Staat ist und bleibt al-Qaidas alte und neue Hauptrechtfertigung für weitere Anschläge im Westen.

Es spielt aus Sicht der Bin Laden Jünger keine Rolle wie viele Soldaten mehr oder weniger nach Afghanistan geschickt werden, ob die US-Armee aus dem Irak abzieht oder Folterverbote an die CIA erteilt werden – die Toten von Gaza sind Argument genug um in Detroit hunderte Zivilisten zu ermorden.

Seit dem Januar 2009 fehlt dem al-Qaida Führer sein amerikanischer Gegenspieler George W.Bush. Dessen Aufruf zum „Kreuzzug“ gegen den Terrorismus ist verstummt, das Personal in Washington wurde ausgewechselt in der Hoffnung auf weniger Krieg und weniger Terror.
Osama Bin Laden aber baut sich in seiner Rhetorik und Polemik ein neues Gesicht des alten Feindes auf. Obama wird keinen al-Qaida Terror verhindern, denn auch er hat nicht begriffen worum es in diesem Krieg geht – dies ist die eigentliche Botschaft Bin Ladens.

Friday, January 22, 2010

120 Islamisten bei Razzien in der Türkei festgenommen - Eric Breininger´s Chef ist dabei


Sie kamen in den Morgenstunden. Polizeieinheiten nahmen bei Razzien in 16 Provinzen der Türkei 120 al-Qaida Mitglieder und Sympathisanten fest.
Erst am Montag waren bei einem vorangegangenen Einsatz in der Küstenstadt Adana 30 Islamisten verhaftet worden, unter ihnen soll auch der angebliche "Türkei-Chef" al-Qaidas,
Serdar Elbaşa alias "Abu Zer" sein.


Bei ihm handelt es sich um einen türkischenVeteranen des Dschihads in Tschetschenien. Abu Zer hatte den Kaukasus Ende 2007 mit Ziel Türkei verlassen und in seiner Heimat Kämpfer angeworben und Spendengelder gesammelt. Danach zog es ihn zum Jahreswechsel 2008/2009 an den Hindukusch, wo er die türkisch-dominierte "Taifa tul Mansourah" ins Leben rief, eine Splittergruppe der usbekischen "Islamischen Dschihad Union".


"Abu Zer" - zweiter von links

Vor wenigen Monaten war Abu Zer in einem Propagandavideo an der Seite des deutschen Konvertiten Eric Breininger, zu sehen. Damals hatte der türkische Dschihadist erklärt er verbringe den Ramadan 2009 in Afghanistan, nachdem er die vorangegangenen Jahre im Kaukasus gewesen sei.


"Abu Zer" - links neben Eric Breininger in Propagandavideo

Türkische Medien berichten nun der angeblich 15fache Familienvater sei der al-Qaida Chef in der Türkei, hätte Terrorrekruten angeworben mit Hilfe eines Netzwerkes. Dazu gehörte u.a. ein Universitätsprofessor aus Van. Er soll Studenten für den Dschihad rekrutiert und nach Afghanistan und Pakistan in die Terrorlager geschickt haben.

Breininger scheint mit der Festnahme von
Serdar Elbaşa seinen Chef verloren zu haben. Ob von der Gruppe eine Bestätigung kommen wird, bleibt abzuwarten.

Saturday, January 16, 2010

Blutiger Sand - Ein Amateurvideo aus dem Jemen zeigt Mordschauplatz deutscher Geiseln


Der britische Fernsehsender Channel 4 News hat vor wenigen Tagen ein Amateurvideo aus der jemenitischen Provinz Sa´adah ausgestrahlt. Aufgenommen wurde der Film kurz nachdem zwei deutsche Bibel-Studentinnen und eine südkoreanische Krankenschwester mitten in der Wüste hingerichtet wurden.



Die drei Frauen waren zusammen mit einer fünfköpfen deutschen Familie und einem britischen Ingenieur, dem Ehemann der Koreanerin, zu einem Ausflug aufgebrochen und entführt worden.
Inzwischen heißt es die deutsche Familie und der Brite seien am Leben und würden noch in der gleichen Region als Geiseln festgehalten. Laut SPIEGEL gibt es eine Lösegeldforderung in Höhe von 2 Millionen US-Dollar.


Anita G. und Rita S wurden noch am Tag der Entführung erschossen

Wer aber die Kidnapper sind, welche Motive sie haben und wie genau die Verschleppung ablief, ist weiterhin unklar. Jemen Regierung behauptet schiitische Rebellen des Houthi-Klans in Zusammenarbeit mit al-Qaida seien in die Entführung verwickelt, die jedoch weisen jede Verantwortung von sich und führen an, dass die Region in der die Ausländer verschwanden komplett vom Militär regiert werde. Dort sei eine solche Aktion nur mit Wissen der Armee möglich.

Das Terrornetzwerk al-Qaida bekannte sich bislang zu keiner Entführung und Jemen wohl bester Kenner der islamistischen Szene, der Journalist Abdulelah al Shay´i erfuhr aus al-Qaida Kreisen, dass die Dschihadisten nicht hinter der Entführung stecken sollen.

Neben der Dauer der Geiselnahme (über sechs Monate), sorgt vor allem die Brutalität mit der die Entführer vorgingen, für Ratlosigkeit. In vergangenen Fällen waren nie Ausländer ermordet worden, viele berichteten gar von einer herausragenden Gastfreundlichkeit der lokalen Stämme, die meist durch Entführungen Forderungen gegenüber der Zentralregierung Nachdruck verleihen wollen.
Dass nun drei Menschen, noch dazu Frauen, regelrecht hingerichtet wurden, lässt Fragen aufkommen. Sind die Entführer am Ende doch skrupellose Verbrecher? Kriminelle und Drogenhändler die auf schnelles Geld aus sind? Haben sich die Frauen zur Wehr gesetzt und wurden deshalb ermordert? Hat man sie erschossen weil sie - anders als die deutsche Familie und der Brite - kein fließendes Arabisch sprachen?

Der missionarische Hintergrund der verschleppten Geiseln deutet darauf hin, dass islamistische Elemente im Nord-Jemen unbarmherzig kurzen Prozess mit den drei Christinnen machten. Kinder zu ermorden wäre aber auch für Dschihadisten ein Tabu was auf diese Weise nicht zu brechen wäre.

Im deutschen Krisenstab arbeitet man derweil intensiv an der Freilassung der noch lebenden Geiseln. Nur die Kinder seien auf zwei im September aufgenommenen Videos zu sehen, hieß es. Diese wurden der Bundesregierung zugespielt und gelten nicht als aktuelles Lebenszeichen.
Jemens Regierung aber ist sich sicher wo die Geiselnehmer die Ausländer festhalten. Sie würden von den Houthis benutzt um deren verwundete Kämpfer zu versorgen, heißt es. Entführt worden seien die Deutschen und der Brite in Zusammenarbeit mit al-Qaida. Dies wäre, historisch einmalig, eine Kooperation zwischen zwei Todfeinden, den extremistischen Salafisten und den Teheran-treuen Rebellen der Zaiditen-Sekte. Eine solche Behauptung, wohl mehr aus der Ratlosigkeit und Unwissenheit geboren, gehört eher ins Land der Märchen.

Mir plausibel scheint folgende Theorie:

islamistische Elemente mit starken Verbindungen zum örtlichen Militär entführten die Ausländer in der Hoffnung viel Geld erpressen zu können. Alleine der "Markenname" al-Qaida hätte den deutschen Lösegeldsack weiter geöffnet, da man es aus Sicht der Bundesregierung vor der Wahl 2009 nicht hätte riskieren können, die Enthauptung einer deutsche Familie in einem Video zu verfolgen.
Anscheinend ging dieser Plan nicht auf, denn der Bürgerkrieg zwischen Regierung und Houthi-Rebellen in der Region Sa´adah eskalierte im Herbst 2009. Sanaa schob die Schuld für die Verschleppung und den Mord an drei Geiseln auf die Schiiten-Rebellen und präsentierte diese damit als menschenverachtende Terroristen.

Nun scheinen jene, die diese Entführung organisiert und angeordnet hatten, die Kontrolle über die Situation verloren zu haben. al-Qaida veröffentlichte kein Video der Geiseln, es gab keinerlei offizielle politische Forderungen und anscheinend kommen erst jetzt Gespräche über Lösegeld ins Rollen.
Sanaa weiß sicher wer die Kidnapper sind, man weiß auch wo sie sich aufhalten. Kontrolle über die Situation hat man jedoch nicht mehr.

Thursday, January 7, 2010

Die Schattenkrieger von Khost - Al Qaida tötete Top-Terroristenjäger der CIA


Sie waren die Elite der Agency. Ein Team zusammengewürfelt aus ehemaligen Elitesoldaten, Akademikern und Fachleuten. Ihr Auftrag: Al-Qaida Führer finden und töten.
Die siebenköpfige Mannschaft der US-Terror-Experten war seit mehreren Monaten in Camp Chapman, ihrem Außenposten nahe Khost an der afghanisch-pakistanischen Grenze stationiert.

Jeremy Wise (35), Harold Brown Jr., Scott Robertson , Elizabeth Hanson (30) und Dane Clark Paresi (46) starben zusammen mit einem der Top CIA-Experten für Al Qaida und der Leiterin der Operationsbasis in Khost, einer Mutter von drei kleinen Kindern, als sich der Kuwaiter Humam Khalil al Balawi vergangene Woche in die Luft sprengte. Der angebliche Informant hatte die Geheimdienstler getäuscht und sich Zugang zur strengbewachten CIA-Anlage verschafft.

Mit dem Tod des Expertenteams gehen der CIA wertvolle Insiderinformationen über das Terrornetzwerk verloren. Al-Qaida frohlockt inzwischen, das Attentat sei die Rache für die Ermordung von Paksitans Taliban-Chef Baitullah Mehsud und zweier al-Qaida Kommandeure, die in den vergangenen Monaten Opfer der US-Drohnenangriffe wurden.

Sollte sich der Doppelagent al-Balawi tatsächlich als scheinbar wichtigste Quelle der CIA in ihrem Kampf gegen al-Qaida entpuppen, wäre dieser Umstand ein Desaster für den Geheimdienst. Die Jagd auf Osama Bin Laden und Ayman al Zawahiri verläuft seit Jahren erfolglos, die wirklich dicken Fische werden nur ganz allmählich und bei Inkaufnahme hoher Kollateralschäden durch die Predator- und Reaper-Drohnen liquidiert.

Zu Beginn des Jahres 2010, nachdem Umar Farouk Abdul Mutallab Militärsprengstoff in eine US-Passagiermaschine schmuggeln konnte und damit wohl den Einsatz sogenannter "Nacktscanner" an westlichen Flughäfen einleitet, und dem Mord an sieben fast unersetzbaren al-Qaida Jägern steht es 1:0 für Bin Laden und seine anscheinend weiterhin schlagkräftige Organisation.

Wednesday, January 6, 2010

Einmal al-Qaida, immer al-Qaida - der Fall al-Balawi


"I
hr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen" - ein Vers des Johannes-Evangeliums, prangt lesbar in den heiligen Hallen von Amerikas "Schattenkriegern", dem Eingangsbereich des CIA-Hauptquartiers in Langley.
Nicht für Freiheit sondern für Schock und Ensetzen sorgen hingegen neue Informationen über die Hintergründe des Selbstmordattentats, bei dem vergangene Woche im afghanischen Khost sieben CIA-Agenten, darunter zwei Mitarbeiter der Blackwater-Nachfolgefirma Xe Services, getötet wurden.


Der Attentäter Humam Khalil Abu Mulal al-Balawi konnte am 30.Dezember 2009 völlig ungehindert den Fitnessraum der CIA-Basis "Forward Operating Base Chapman" (Camp Chapman) betreten, weil die Geheimdienstler ihn für einen vertrauenswürdigen Informanten hielten.
Nur wenige Stunden vor seinem Anschlag in der amerikanischen Geheimdienstanlage war im pakistanischen Grenzland abgeholt worden. In einem Fahrzeug wurde der Araber zum Camp Chapman gebracht, in der Hoffnung er liefere entscheidende Informationen für einen Sieg im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida. Stattdessen brachte al-Balawi den Tod. Kaum hatte er den Raum voller CIA-Agenten betreten, zündete er seine Sprengstoffweste.

Schon kurze Zeit nach dem Anschlag, bekannten sich die afghanischen Taliban und ihr Pressesprecher erklärte, der Attentäter sei ein uniformierter afghanischer Soldat gewesen. Er habe sich als Informant ausgeben und so Zutritt zu Camp Chapman bekommen.
Hätte sich diese Behauptung als wahr erwiesen, wäre sie skandalös genug. Doch die Wahrheit, die erst jetzt langsam aus Geheimdienstkreisen zu erfahren ist, wirkt wie aus einem Agententhriller und bedeutet einen schweren Rückschlag in Amerikas Anti-Terror-Krieg.

Der Attentäter war kein Afghane, weder Polizist noch Soldat. Er erhielt auch nicht Zugang zur CIA-Basis weil er eine afghanische Uniform trug. Humam Khalil al-Balawi war ein Informant, ein Spitzel von dem die Amerikaner glaubten, er arbeite für sie und gegen al-Qaida.
In Wahrheit aber spielte der 32jährige Arzt monatelang ein falsches Spiel. Kein verärgerter afghanischer Guardist, sondern ein al-Qaida Doppelagent ermordete dieamerikanische Geheimdienstler und einen jordanischen Militäroffizier, sondern ein islamistischer Maulwurf.



Mittlerweile ist bekannt dass der Suizidbomber vor etwa einem Jahr vom jordanischen Geheimdienst GIP verhaftet und als al-Qaida Sympathisant drei Tage inhaftiert wurde.
Die Agenten des Königshauses waren auf ihn aufmerksam geworden, als er kurz nach der israelischen Offensive im Gaza-Streifen, in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Zarqa arbeitete.
Die ärmlichen Industriestadt ist der Geburtsort von Abu Mussab al Zarqawi, dem getötete irakische al-Qaida Chef. Ihn soll al-Balawi, den ein ehemaliger Schulkamerad als "tiefgläubig" und "unsozial" beschreibt, heldenhaft verehrt haben.

Der 1977 in Kuwait geborene Spross eines saudischen Beduinenstammes, floh 1990 vor Saddam Husseins Truppen nach Jordanien. Nach dem Abschluss an der High School von Amman ging Humam al-Balawi zum Medizinstudium in die Türkei, wo er seine spätere Frau, eine türkische Journalistin, kennenlernte.
In Dschihad-Kreisen war al-Balawi nur unter einem Decknamen eine feste Größe an der Internetfront des Dschihad.
Als "Abu Dujana al Khorasani“ betrieb er äußerst aktiv Propaganda über das Internet. Über Jahre hinweg etablierte er sich als einer der einflussreichsten Dschihad-Ideologen des Cyberspace. Jarret Brachman, Terrorismus-Experte am zählt ihn zu den "Top 5 Online-Dschihadisten".

Al-Balawi betrieb einen eigenen Blog, den er auf der britischen "Isle of Man" angemeldet hatte und auf dem er sein Idol Osama Bin Laden pries.
Dutzende Schriften, hunderte Einträge und Kommentare hinterlies der virtuelle Gotteskrieger in passwortgeschützten Internetforen. Sein Intellekt, die Wortwahl seiner Schriften und seine theologische Kompetenz beeindruckten viele Online-Islamisten und brachten al-Balawi wohl in Kontakt mit Vertretern von al-Qaida im Nahen Osten.

Junge Islamisten für den Krieg in Afghanistan, Irak und Palästina zu begeistern, war das Hauptanliegen al-Balawis. Muslime aus allen Schichten und Nationen rief er auf, sich den Mudschaheddin anzuschließen. Dabei, so machte er als "al-Khorasani" deutlich, seien die muslimischen Immigranten in Europa und allen anderen Erdteilen nicht ausgeschlossen.
Er selbst verließ Jordanien im März 2009 Richtung Afghanistan, mit dem Ziel endlich selbst in den Dschihad zu ziehen.
Der Familie hatte er erzählt, er reise in die Türkei, wolle dort seine Frau und die beiden gemeinsamen Töchter besuchen.

"Er hat uns reingelegt", berichtet ein Angehöriger al-Balawis, "er hat gesagt er wollte seine humanitäre Arbeit fortsetzen, stattdessen hat er eine Selbstmordaktion verübt."
In einem Interview, das die Taliban in einem Online-Magazin veröffentlichten, berichtete er im September 2009 unter seinem Pseudonym "Abu Dujana al-Khorasani", er habe den Schritt gewagt und sich persönlich dem Dschihad angeschlossen.
"Wenn die Liebe zum Dschihad das Herz eines Mannes erobert", schwärmte er, "wird ihn nichts davon abhalten, selbst wenn er dies wollte." Die Nachricht von einem Selbstmordanschlag im Irak oder eine neue Botschaft Bin Ladens würde jeden Dschihad-Willigen an seine Pflicht erinnern, so der Extremist.

Zu dieser Zeit war sich der jordanische Geheimdienst überzeugt, al-Balawi wäre erfolgreich "umgedreht" worden und einer von ihnen, der seine Rolle als Gotteskrieger perfekt spielte.
Kurz nach seiner Entlassung aus der Haft Anfang 2009, hatten die Geheimdienstler damit begonnen den gefeierten Dschihad-Blogger anzuwerben. Es gab zunächst regen Email-Austausch, bei dem al-Balawi brisante, teilweise sogar gefährliche Insider-Informationen lieferte und immer wertvoller für die Sicherheitsdienste zu werden schien.

"Wir blieben in Kontakt mit ihm, um weitere Informationen zu bekommen", berichtet eine anonyme, jordanische Geheimdienstquelle, "wir haben die Informationen mit anderen Geheimdiensten geteilt."
Humam al-Balawi, so der Plan der jordanischen Geheimdienstler sollte arabische al-Qaida Zellen in Afghanistan infiltrieren. Falls möglich sollte er an die Führungsspitze des Terrornetzwerkes, die sich im pakistanischen Grenzland aufhalten soll, herankommen.

Nachdem es al-Balawi gelungen war Kontakt zu al-Qaida Elementen in Pakistan herzustellen, boten die Jordanier ihren wertvollen Informanten den amerikanischen Kollegen an. Die nahmen das Angebot dankbar ihn an und setzten al-Balawi begeistert auf al-Qaidas Nr.2, Ayman al Zawahiri an. Ihn sollte der jordanische Informant in Waziristan aufspüren und an die CIA verraten.
Entgegen der Annahmen seiner jordanischen Anwerber, legte al-Balawi jedoch nie seine Sympathie für al-Qaida ab. Im Gegenteil.
Dem Terrornetzwerk und den pakistanischen Taliban bot er begeistert seine Dienste an und gab über Monate hinweg gezielt gesetzte Informationen über die Terroristen an den jordanischen GIP und die CIA weiter. Einiges erwies sich für die Antiterror-Einheiten sogar als korrekt und brauchbar. Keiner der westlichen Spione ahnte dabei, dass sie es mit einem Doppelagenten zutun hatten.

Wenige Tage vor dem blutigen Attentat in Khost, kontaktierte Humam al-Balawi seine jordanischen Mittelsmänner. Er habe "dringende Informationen über Zawahiri", erklärte er und müsse sie schnellstmöglich an die Amerikaner weitergeben.
Jordaniens Geheimdienst entsandte daraufhin Captain Sharif Ali Bin Zeid, einen Cousin des Königs und Vertrauten al-Balawis. Bin Zeid brachte den vermeintlichen Überläufer zur US-Basis, wo der Terrorist ohne Sicherheitscheck bis in die Sporträume der CIA-Mitarbeiter vordringen und seine Bluttat ausführen konnte.

Die pakistanischen Taliban (TTP) kündigten an, es werde bald einen Videobeweis geben, der zeige dass der Attentäter ein Jordanier war. Hakimullah Mehsud, Anführer der TTP prophezeite schon vor wenigen Tagen: "Dies werden bald die CIA und die jordanische Regierung zugeben." Gleichzeitig feiern die Islamisten das Attentat als Rache für die Ermordung von Baitullah Mehsud im August 2009.
Daheim in Jordanien erfuhr die Familie des Attentäters bereits am Tag nach der Tat von dessen Tod. Ein anonymen Anrufer, der behauptete im Namen der Taliban zu sprechen, gratulierte zum Märtyrertod al-Balawis.
Später kontaktierte Jordaniens Geheimdienst die Eltern und Verwandten und schärfte ihnen ein, mit niemandem über den Vorfall in Afghanistan zu sprechen. Selbst eine Beerdigungsfeier, so berichtet ein Angehöriger, sei ihnen verboten worden und der jüngere Brüder al-Balawis wurde laut Al Jazeera kurzzeitig verhaftet.

Der jordanische Geheimdienstler Captain Bin Zeid kam ebenfalls beim selbstmörderischen Anschlag seines Schützlings ums Leben. Das Königshaus ließ verlauten Bin Zeid sei "als Märtyrer im Dienst einer heiligen Pflicht für sein Land" gefallen. Bei der Trauerfeier des Agenten waren neben mehreren Mitgliedern der jordanischen Königsfamilie auch König Abdullah II. und dessen Ehefrau Königin Rania anwesend.