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Sunday, February 28, 2010

"Ein Traum wurde wahr" - Al Qaida´s Interview mit CIA-Attentäter Dujana


E
in Fehler kann der letzte sein in der Schattenwelt der Geheimdienste. Die amerikanische CIA und die jordanischen Anti-Terror-Jäger mussten dies im vergangenen Dezember auf blutige Weise lernen, als sich ein vermeintlicher Informant als Doppelagent der al-Qaida entpuppte.
Humam Khalil al Balawi alias "Abu Dujana al Khorasani", ein feuriger Internet-Propagandist, hatte sich nicht kaufen lassen sondern folgte dem Ruf al-Qaidas die Geheimdienstler in ihrem Stützpunkt im ostafghanischen Khost anzugreifen.

Sieben hochrangige CIA-Experten und ein Mitglied des jordanischen Königshauses waren beim Selbstmordanschlag al-Balawis ums Leben gekommen.



Lange Zeit rätselten Geheimdienste was falsch lief im Deal mit dem jordanischen Extremisten. War es die Überzeugung der Jordanier den Dschihadisten "umgedreht" zu haben? War es die Verlockung einen der großen Fische, sprich Ayman al Zawahiri oder Osama Bin Laden, durch die vermeintlichen Insider-Informationen zu bekommen? Vielleicht aber lag es schlichtweg daran dass "human intelligence" genauso wichtig wie selten ist im Kampf gegen al-Qaida, Taliban & Co. Al-Balawi war eine wertvolle, eventuell sogar die einzige Quelle, die einen Schlag gegen die Führung des Terrornetzwerkes ermöglichen konnte.

Al-Qaida lässt es sich nicht nehmen den jordanischen Selbstmordbomber propagandistisch auszuschlachten.
Heute veröffentlichte die Medienabteilung des Netzwerkes ein 43minütiges Video-Interview al-Balawis.
Befragt von einem maskierten Interviewer erzählt al-Balawi alias "Abu Dujana" die Geschichte seines Dschihadi-Lebens, berichtet von seiner Motivation, von den Geschehnissen in Jordanien, der Reise nach Pakistan und seinem Attentat.

Vieles war bereits vorher bekannt: als "Abu Dujana al-Khorasani" war al-Balawi ein charismatischer Propagandist und eine feste Größe in der Welt des Online-Dschihad. Im neuen Interview gibt er preis dass er gar als Administrator des inzwischen geschlossenen Al-Hesbah-Forums agierte.

Angeblich durch einen Traum beflügelt versuchte er laut eigener Aussage mehrfach in das "Land des Dschihad" zu reisen. Im Irak gegen die US-Truppen zu kämpfen blieb ihm aus nicht näher erläuterten Gründen erspart, nach Afghanistan schaffte er es wohl aus eigener Kraft auch nicht.
Paradoxerweise kam der mit Kriegslust brennende Jordanier erst durch seine Verhaftung seinem Traum ein Gotteskrieger zu werden, ein Stück näher. Jordaniens Geheimdienst stürmte sein Haus und verhörte al-Balawi. Der Grund: Internet-Propaganda für al-Qaida.

Die Agenten des Königshauses machten ihm ein verlockendes Angebot. Er sollte ihn ihrem Auftrag nach Waziristan ziehen und dort al-Qaida & Co. ausspionieren.
Da er nie einen Muslim verraten würde, so al-Balawi, wuchs in ihm der Wunsch den Spieß umzudrehen und nur augenscheinlich für die proamerikanischen Geheimdienstler (al-Balawi nennt sie "Idioten") zu arbeiten. In Wahrheit wollte er Rache üben an König Abdullah und seiner amerika- und israelfreundlichen Haltung und seinem "Nichtstun" gegenüber den Verbrechen in Palästina. Während der Phase seiner Anwerbung habe er sich mehrfach mit seinen jordanischen Kontaktleuten getroffen.
Sie seien Essen gegangen oder in ein Cafe, und jedesmal habe sein Mittelsmann (Abu Zaid, der später getötete Geheimdienstler und Cousin des Königs), die Rechnung an seine Vorgesetzten geschickt. Korrupt und falsch sei diese Person gewesen und dazu noch dumm, da er geglaubt habe ein überzeugter Muslim sei bereit die Führer des Dschihad zu verraten.


Glaubt man dem Attentäter al-Balawi, so ist eine Karriere innerhalb des jordanischen Geheimdienstes vor allem durch die Ermordung von islamistischen Terroristen möglich. Der "Chief of Counter Terrorism" in Amman, sei verantwortlich für die Tötung des legendären palästinensischen Predigers Abdullah Azzam in Peshawar, Pakistan, Anfang der 1990er Jahre. Damals hatte eine Autobombe den ideologischen Ziehvater Bin Ladens getötet. Vermutet wurde stets seine Mörder seien russische Geheimdienstler die Rache für die Niederlage der Sowjets in Afghanistan wollten.
Auch Hisbollahs Militärchef Imad Mughniyeh und Al-Qaidas Führer im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, seien Opfer des jordanischen Geheimdienstes geworden, so al-Balawi.

Von Peshawar aus habe er die Mudschaheddin kontaktiert und sich in deren Dienst gestellt. Al-Qaida habe sogar eine kleine Shura gebildet um sein geplantes Attentat abzustimmen. Die Finanzen die al-Balawi durch die jordanischen Agenten habe er an die Mudschaheddin weitergeleitet. Um die amerikanischen und jordanischen Geheimdienstler von seinem Wert und seinem Insider-Wissen zu überzeugen, habe er Videos von Treffen mit "Dschihad-Führern" (vermutlich Zawahiri und Abu Yahya al Libi) weitergegeben und so eine "Fall für die CIA" aufgebaut.

Zunächst habe al-Qaida geplant den jordanischen Geheimdienstler Abu Zaid in Pakistan zu entführen oder zu töten. Letztendlich habe man sich dann doch entschieden ein Treffen mit den CIA-Agenten arrangieren zu lassen und ein Selbstmordattentat auszuführen.
Al-Balawi erklärt er hätte es nie für möglich gehalten, dass CIA und der jordanische Geheimdienst ein Treffen mit ihm vereinbaren würden. Anscheinend ließen sich die Spione jedoch derart täuschen dass Abu Zaid ein Treffen mit seinen amerikanischen Kollegen veranlasste.
Das Treffen fand auf einer CIA-Basis im afghanischen Khost statt. Per Auto habe man ihn dorthin gebracht, so al-Balawi, wo er schließlich direkt vor den Amerikanern und dem jordanischen Kontaktmann seinen Sprengstoffgürtel zündete.

Thursday, January 14, 2010

Die Jagd auf Mehsud II. beginnt


Er ist so ganz anders als sein Vorgänger. Baitullah Mehsud, getötet im August 2009 von einer CIA gesteuerten Drohne in Süd-Waziristan, hat es zu Lebzeiten verabscheut vor die Kameras zu treten. Ähnlich einer Mafia-Größe war der angehörige eines mächtigen Paschtunen-Stammes der pakistanischen Grenzregion, zu einer mysteriösen Führerfigur aufgestanden. Tausende Kämpfer unterstanden ihm, der kein Gesicht zu haben schien. Aus Angst vor Spionen und vor allem den lautlosen Killerdrohnen der Amerikaner, hielt er sich fern von Journalisten und auch Propagandakameras. Letztendlich nützte ihm die Geheimniskrämerei nicht viel, denn aus seinen Reihen kam wohl der Verrat, der die amerikanischen Raketen schließlich ins Ziel führte.


Baitullahs Nachfolger ist ebenfalls ein Mehsud, stammt aus dem nördlich gelegenen Bezirk Arakzai und gilt als "Herrscher des Khyber-Passes". Bis zum August stand Hakimullah Mehsud stets im Schatten des Taliban-Fürsten von Waziristan. Mit dem Tod von Baitullah aber kletterte der schmächtige Islamist die Karriereleiter nach oben und die pakistanischen Tehrik e-Taliban ernannten ihn zu ihrem neuen Anführer.

Hakimullah Mehsud steht gern im Rampenlicht. Er lud schon vor seiner "Amtszeit" gerne die Presse in die von ihm beherrschten Regionen der Stammesgebiete ein, führte erbeutete amerikanische Humvee-Fahrzeuge vor, die eigentlich als NATO-Nachschub in Konvois über den Khyber-Pass nach Afghanistan gebracht werden sollte. Stolz setzte sich der Taliban-Chef selbst ans Steuer und ließ keinen Zweifel dass er weder die Amerikaner noch die pakistanische Armee fürchtet.

Selbst als die CIA-Raketen seinen Vorgänger zerfetzten, scheute Hakimullah Mehsud nicht davor zurück Journalisten zu kontaktieren. Als Tage später Gerüchte gestreut wurden die Taliban-Fürsten Pakistans hätten sich bei einem Treffen gestritten und seien im gegenseitigen Kugelhagel gestorben, griff Hakimullah erneut zum Telefon und ließ die Welt wissen dass er am Leben war.

Pakistanische Beobachter bezweifelten dass der jüngere Mehsud tatsächlich in der Lage sein würde, die zerstrittenen Taliban-Führer zu einen. Dieses Meisterstück gelang einst Baitullah Mehsud, der so die Tehrik e-Taliban schuf, den wohl größten Gegner des pakistanischen Staates.
Wie Schakale würden die Islamisten übereinander herfallen, frohlockten Geheimdienstkreise nach dem Tod Baitullahs. Nichts davon trat ein.
Erstaunlich gelassen und organisiert übernahm Hakimullah zusammen mit seinem Stellvertreter, Wali ur-Rahman, das Oberkommando und seine Gruppe überstand im Oktober und November 2009 sogar die Militäroffensive Islamabads in Süd-Waziristan.

Zum letzten Mal mediengerecht inszenieren konnte sich der Taliban-Chef vergangene Woche, als das Abschiedsvideo des Khost-Selbstmordattentäters Humam al Balawi veröffentlicht wurde. Der Jordanier, dessen Bombe sieben CIA Mitarbeiter tötete und der als Doppelagent agiert haben soll, ist darin in einem verdunkelten Raum an der Seite Hakimullahs zu sehen.
Der Talibanführer schweigt, lässt den Attentäter seine feurige Rede halten. Was das Video beweisen sollte war, dass es der Taliban-Führung selbst gelang eine lebende Bombe in die CIA einzuschleusen und die Amerikaner hart zu treffen. Die Racheschwüre für Baitullah Mehsud sollten nicht ohne Taten bleiben, das war die Botschaft des Balawi-Videos.

Seitdem sich der jordanische Arzt vor seiner Tat an der Seite des Taliban-Chefs präsentierte und die Islamisten voller stolz, zusammen mit al-Qaida, die Verantwortung für das Attentat übernahmen, dürfte sich die CIA in ihren Anti-Terror-Operationen auf Hakimullah Mehsud konzentrieren.
Acht Mal schlugen die Predatordrohnen seit Jahresbeginn in Pakistan zu, zum letzten Mal am heutigen Morgen. In Süd-Waziristan trafen die Raketen ein Gebäude das als ehemalige Koranschule der Ausbildung von Taliban-Kämpfern dient. Angeblich sei Mehsud vor Ort gewesen.

Während der pakistanische Geheimdienst die Vermutung äußerte, Hakimullah könnte getötet worden sein, dementierten die Taliban zügig und unmissverständlich. Ihr Anführer lebe und sei nicht einmal verletzt.
Dass die Schläge heftiger werden und in kürzeren Abständen kommen, dürfte in Waziristan niemanden verwundern. Hatte die CIA doch kurz nach Weihnachten ein komplettes Einsatzteam und unersetzliches Wissen über al-Qaida & Co im Anschlag von Khost verloren. Die Agency will Rache für diese Schmach, Rache in Form von Blut und rollenden Köpfen.

Nord-Waziristan trafen die meisten Hellfire-Raketen der vergangenen 14 Tage. Hier, so vermuten die Geheimdienstler seit Monaten, verstecken sich die höchsten Kader von al-Qaida. Abdullah Said al-Libi, al-Qaidas Militärchef in Afghanistan, schaltete die CIA bereits aus, kurz darauf starb auch der Jordanier Sheikh Mansour al-Shami in einem Drohnenangriff.
Doch das ist nicht genug, die Amerikaner wollen Mehsud II., besser heute als morgen. Sein Auftreten im Märtyrervideo des Khost-Angreifers war aus Sicht der CIA Hakimullahs Todesurteil. Er wollte Amerika demütigen und hat sich damit ins Visier von Dutzenden Drohnen geschoben.

Heute war Allah dem Taliban-Führer wohlgesonnen, die nächsten Wochen aber dürften für die Menschen der pakistanischen Grenzregion unangenehm werden. Die Predators und Reapers werden neu bewaffnet und ziehen schon bald wieder ihre Bahnen am Himmel über Waziristan. Mit über 180 Drohnenangriffen müssen die Pakistaner im Jahr 2010 rechnen, so ermittelte jüngst ein findiger Beobachter, falls die CIA im gleichen Takt zuschlagen wird, wie sie es in seit dem 1.Januar tat.

Sunday, January 10, 2010

"Unser James Bond"


Dr.Dujana al Khorasani, jahrelang nur bekannt unter diesem Alias als eine der einflussreichsten Online-Intellektuellen des Dschihad, wird nach seinem Selbstmordanschlag auf einer CIA-Basis in Ost-Afghanistan, im Cyberspace zum "shahid ul akbar", zum größten Märtyrer seit Mohammed Atta erklärt.


In den dschihadistischen Foren überschlagen sich die Einträge zu al Khorasani und seiner "heldenhaften" Tat. Die Online-Gotteskrieger feiern den Jordanier als "unseren James Bond", weisen daraufhin dass die Androhung der Rache nach Baitullah Mehsuds Tod, wahr wurde und weiteres folgen wird.

Posthum veröffentlichte eine unbekannte Quelle einen letzten philosophischen Beitrag des äußerst aktiven Schreiberlings im Namen Bin Ladens. Darin erklärt al Khorasani er wolle nichts sehnlicher als den Märtyrertod zu sterben. Die Tatsache dass seine Propagandaschriften andere Islamisten verleitet hätten auf dem Schlachtfeld des Dschihad zu sterben und er selbst bleibe an der Tastatur im sicheren Zuhause hätten ihm schlaflose Nächte bereitet und den Drang geweckt dem "Geruch des Paradieses" zu folgen.

Nicht nur seine Anhängerschaft jubelt seitdem bekannt wurde, dass al Khorasanis Bombe am 30.Dezember 2009 das wohl hochkarätigste Al-Qaida-Jäger-Team der CIA tötete. Die britische "Times of London" adelte das Attentat jüngst gar zum "bedeutendsten Terroranschlag seit 9/11".

In den Reihen des amerikanischen Geheimdienstes wird die Trauer um das gefallene Expertenteam bald überwunden sein. Spätestens wenn symbolisch für jene fünf Agenten (es waren unter den sieben Toten auch zwei Blackwater-Sicherheitsleute) Sterne in die Erinnerungswand des CIA-Hauptquartiers gemeißelt wurden, wird die Rache diskutiert werden. Sieben Mal schlugen die amerikanischen Drohnen in den vergangenen 10 Tagen alleine in Nord-Waziristan zu und eventuell schon Teil der Vergeltung.

Al-Khorasani, den mittlerweile sogar seine Frau (Autorin eines Buches mit dem Titel: "Bin Laden: Ein muslimischer Che Guevara"), als ehrenhaften Märtyrer betrauert, gelang ein gewaltiger Schlag gegen jene, die versuchten der Hydra al-Qaida beizukommen.
Doch er weckte auch einen Tiger, der nun mit weniger Rücksicht Hellfire-Raketen auf Waziristan regnen lassen wird.

Obama muss ob er will oder nicht, den Tod seiner Terrorjäger rächen. Die amerikanische Bevölkerung, die eigenen Reihen und vor allem jene der Republikaner, erträgt es nur schwer wenn amerikanisches Blut, noch dazu derart wertvolles, vergossen wird.
Die Form der Vergeltung wird entscheidend sein. Fliegen bald amerikanische Kampfjets Einsätze über pakistanischem Territorium? Falls ja dürfte die Stimme im pakistanischen Volk vollends hochkochen, die Regierung Zardari zum wanken bringen und den Staat weiter in Richtung Chaos stürzen.

Mehr Drohnen? Die Entwicklung der letzten Tage lässt erahnen, dass die unbemannten Flugzeuge die wohl größte Rolle in der Bekämpfung al-Qaidas und der Taliban spielen, zumal, wie der Fall von al-Khorasani beweist, die beste "human intelligence" oder "on the ground" Quellen der CIA aus sehr zweifelhaften Gestalten besteht.
In der nächsten Zeit wird jeder, der mit einer Kalaschnikow um die Schulter eine Lehmhütte in Waziristan damit rechnen, dass ein CIA-Team aus Nevada per Fernsteuerung und Drohne sein Leben beendet. Ohne Rücksicht auf Kollateralschäden werden die Geheimdienstler den Tod ihrer Kollegen sühnen, und sei es nur um mittlere oder untere Dschihadisten-Kader auszuschalten.

Saturday, January 9, 2010

Video des Khost-Attentäters Al-Balawi veröffentlicht - "Botschaft an die Feinde der Umma"

"Vergeltung für den Tod von Mehsud innerhalb und außerhalb der USA auszuüben bleibt eine Pflicht für alle Muhajirun, denen Baitullah Mehsud Schutz gewährte" - die Worte Humam Khalil al Balawis in einem jüngst veröffentlichten Märtyrervideo.


Zu sehen ist der Jordanier an der Seite des aktuellen pakistanischen Taliban-Chefs Hakimullah Mehsud. "Wir werden niemals das Blut unseres Emirs Baitullah Mehsud vergessen!", erklärt al-Balawi, der sein Attentat, bei dem am 30.Dezember 2009 sieben CIA-Mitarbeiter ums Leben kamen, aus Rache für die Ermordung Mehsuds durch den amerikansichen Geheimdienst ausführte.

Wednesday, January 6, 2010

Einmal al-Qaida, immer al-Qaida - der Fall al-Balawi


"I
hr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen" - ein Vers des Johannes-Evangeliums, prangt lesbar in den heiligen Hallen von Amerikas "Schattenkriegern", dem Eingangsbereich des CIA-Hauptquartiers in Langley.
Nicht für Freiheit sondern für Schock und Ensetzen sorgen hingegen neue Informationen über die Hintergründe des Selbstmordattentats, bei dem vergangene Woche im afghanischen Khost sieben CIA-Agenten, darunter zwei Mitarbeiter der Blackwater-Nachfolgefirma Xe Services, getötet wurden.


Der Attentäter Humam Khalil Abu Mulal al-Balawi konnte am 30.Dezember 2009 völlig ungehindert den Fitnessraum der CIA-Basis "Forward Operating Base Chapman" (Camp Chapman) betreten, weil die Geheimdienstler ihn für einen vertrauenswürdigen Informanten hielten.
Nur wenige Stunden vor seinem Anschlag in der amerikanischen Geheimdienstanlage war im pakistanischen Grenzland abgeholt worden. In einem Fahrzeug wurde der Araber zum Camp Chapman gebracht, in der Hoffnung er liefere entscheidende Informationen für einen Sieg im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida. Stattdessen brachte al-Balawi den Tod. Kaum hatte er den Raum voller CIA-Agenten betreten, zündete er seine Sprengstoffweste.

Schon kurze Zeit nach dem Anschlag, bekannten sich die afghanischen Taliban und ihr Pressesprecher erklärte, der Attentäter sei ein uniformierter afghanischer Soldat gewesen. Er habe sich als Informant ausgeben und so Zutritt zu Camp Chapman bekommen.
Hätte sich diese Behauptung als wahr erwiesen, wäre sie skandalös genug. Doch die Wahrheit, die erst jetzt langsam aus Geheimdienstkreisen zu erfahren ist, wirkt wie aus einem Agententhriller und bedeutet einen schweren Rückschlag in Amerikas Anti-Terror-Krieg.

Der Attentäter war kein Afghane, weder Polizist noch Soldat. Er erhielt auch nicht Zugang zur CIA-Basis weil er eine afghanische Uniform trug. Humam Khalil al-Balawi war ein Informant, ein Spitzel von dem die Amerikaner glaubten, er arbeite für sie und gegen al-Qaida.
In Wahrheit aber spielte der 32jährige Arzt monatelang ein falsches Spiel. Kein verärgerter afghanischer Guardist, sondern ein al-Qaida Doppelagent ermordete dieamerikanische Geheimdienstler und einen jordanischen Militäroffizier, sondern ein islamistischer Maulwurf.



Mittlerweile ist bekannt dass der Suizidbomber vor etwa einem Jahr vom jordanischen Geheimdienst GIP verhaftet und als al-Qaida Sympathisant drei Tage inhaftiert wurde.
Die Agenten des Königshauses waren auf ihn aufmerksam geworden, als er kurz nach der israelischen Offensive im Gaza-Streifen, in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Zarqa arbeitete.
Die ärmlichen Industriestadt ist der Geburtsort von Abu Mussab al Zarqawi, dem getötete irakische al-Qaida Chef. Ihn soll al-Balawi, den ein ehemaliger Schulkamerad als "tiefgläubig" und "unsozial" beschreibt, heldenhaft verehrt haben.

Der 1977 in Kuwait geborene Spross eines saudischen Beduinenstammes, floh 1990 vor Saddam Husseins Truppen nach Jordanien. Nach dem Abschluss an der High School von Amman ging Humam al-Balawi zum Medizinstudium in die Türkei, wo er seine spätere Frau, eine türkische Journalistin, kennenlernte.
In Dschihad-Kreisen war al-Balawi nur unter einem Decknamen eine feste Größe an der Internetfront des Dschihad.
Als "Abu Dujana al Khorasani“ betrieb er äußerst aktiv Propaganda über das Internet. Über Jahre hinweg etablierte er sich als einer der einflussreichsten Dschihad-Ideologen des Cyberspace. Jarret Brachman, Terrorismus-Experte am zählt ihn zu den "Top 5 Online-Dschihadisten".

Al-Balawi betrieb einen eigenen Blog, den er auf der britischen "Isle of Man" angemeldet hatte und auf dem er sein Idol Osama Bin Laden pries.
Dutzende Schriften, hunderte Einträge und Kommentare hinterlies der virtuelle Gotteskrieger in passwortgeschützten Internetforen. Sein Intellekt, die Wortwahl seiner Schriften und seine theologische Kompetenz beeindruckten viele Online-Islamisten und brachten al-Balawi wohl in Kontakt mit Vertretern von al-Qaida im Nahen Osten.

Junge Islamisten für den Krieg in Afghanistan, Irak und Palästina zu begeistern, war das Hauptanliegen al-Balawis. Muslime aus allen Schichten und Nationen rief er auf, sich den Mudschaheddin anzuschließen. Dabei, so machte er als "al-Khorasani" deutlich, seien die muslimischen Immigranten in Europa und allen anderen Erdteilen nicht ausgeschlossen.
Er selbst verließ Jordanien im März 2009 Richtung Afghanistan, mit dem Ziel endlich selbst in den Dschihad zu ziehen.
Der Familie hatte er erzählt, er reise in die Türkei, wolle dort seine Frau und die beiden gemeinsamen Töchter besuchen.

"Er hat uns reingelegt", berichtet ein Angehöriger al-Balawis, "er hat gesagt er wollte seine humanitäre Arbeit fortsetzen, stattdessen hat er eine Selbstmordaktion verübt."
In einem Interview, das die Taliban in einem Online-Magazin veröffentlichten, berichtete er im September 2009 unter seinem Pseudonym "Abu Dujana al-Khorasani", er habe den Schritt gewagt und sich persönlich dem Dschihad angeschlossen.
"Wenn die Liebe zum Dschihad das Herz eines Mannes erobert", schwärmte er, "wird ihn nichts davon abhalten, selbst wenn er dies wollte." Die Nachricht von einem Selbstmordanschlag im Irak oder eine neue Botschaft Bin Ladens würde jeden Dschihad-Willigen an seine Pflicht erinnern, so der Extremist.

Zu dieser Zeit war sich der jordanische Geheimdienst überzeugt, al-Balawi wäre erfolgreich "umgedreht" worden und einer von ihnen, der seine Rolle als Gotteskrieger perfekt spielte.
Kurz nach seiner Entlassung aus der Haft Anfang 2009, hatten die Geheimdienstler damit begonnen den gefeierten Dschihad-Blogger anzuwerben. Es gab zunächst regen Email-Austausch, bei dem al-Balawi brisante, teilweise sogar gefährliche Insider-Informationen lieferte und immer wertvoller für die Sicherheitsdienste zu werden schien.

"Wir blieben in Kontakt mit ihm, um weitere Informationen zu bekommen", berichtet eine anonyme, jordanische Geheimdienstquelle, "wir haben die Informationen mit anderen Geheimdiensten geteilt."
Humam al-Balawi, so der Plan der jordanischen Geheimdienstler sollte arabische al-Qaida Zellen in Afghanistan infiltrieren. Falls möglich sollte er an die Führungsspitze des Terrornetzwerkes, die sich im pakistanischen Grenzland aufhalten soll, herankommen.

Nachdem es al-Balawi gelungen war Kontakt zu al-Qaida Elementen in Pakistan herzustellen, boten die Jordanier ihren wertvollen Informanten den amerikanischen Kollegen an. Die nahmen das Angebot dankbar ihn an und setzten al-Balawi begeistert auf al-Qaidas Nr.2, Ayman al Zawahiri an. Ihn sollte der jordanische Informant in Waziristan aufspüren und an die CIA verraten.
Entgegen der Annahmen seiner jordanischen Anwerber, legte al-Balawi jedoch nie seine Sympathie für al-Qaida ab. Im Gegenteil.
Dem Terrornetzwerk und den pakistanischen Taliban bot er begeistert seine Dienste an und gab über Monate hinweg gezielt gesetzte Informationen über die Terroristen an den jordanischen GIP und die CIA weiter. Einiges erwies sich für die Antiterror-Einheiten sogar als korrekt und brauchbar. Keiner der westlichen Spione ahnte dabei, dass sie es mit einem Doppelagenten zutun hatten.

Wenige Tage vor dem blutigen Attentat in Khost, kontaktierte Humam al-Balawi seine jordanischen Mittelsmänner. Er habe "dringende Informationen über Zawahiri", erklärte er und müsse sie schnellstmöglich an die Amerikaner weitergeben.
Jordaniens Geheimdienst entsandte daraufhin Captain Sharif Ali Bin Zeid, einen Cousin des Königs und Vertrauten al-Balawis. Bin Zeid brachte den vermeintlichen Überläufer zur US-Basis, wo der Terrorist ohne Sicherheitscheck bis in die Sporträume der CIA-Mitarbeiter vordringen und seine Bluttat ausführen konnte.

Die pakistanischen Taliban (TTP) kündigten an, es werde bald einen Videobeweis geben, der zeige dass der Attentäter ein Jordanier war. Hakimullah Mehsud, Anführer der TTP prophezeite schon vor wenigen Tagen: "Dies werden bald die CIA und die jordanische Regierung zugeben." Gleichzeitig feiern die Islamisten das Attentat als Rache für die Ermordung von Baitullah Mehsud im August 2009.
Daheim in Jordanien erfuhr die Familie des Attentäters bereits am Tag nach der Tat von dessen Tod. Ein anonymen Anrufer, der behauptete im Namen der Taliban zu sprechen, gratulierte zum Märtyrertod al-Balawis.
Später kontaktierte Jordaniens Geheimdienst die Eltern und Verwandten und schärfte ihnen ein, mit niemandem über den Vorfall in Afghanistan zu sprechen. Selbst eine Beerdigungsfeier, so berichtet ein Angehöriger, sei ihnen verboten worden und der jüngere Brüder al-Balawis wurde laut Al Jazeera kurzzeitig verhaftet.

Der jordanische Geheimdienstler Captain Bin Zeid kam ebenfalls beim selbstmörderischen Anschlag seines Schützlings ums Leben. Das Königshaus ließ verlauten Bin Zeid sei "als Märtyrer im Dienst einer heiligen Pflicht für sein Land" gefallen. Bei der Trauerfeier des Agenten waren neben mehreren Mitgliedern der jordanischen Königsfamilie auch König Abdullah II. und dessen Ehefrau Königin Rania anwesend.