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Monday, September 6, 2010

Irakische al-Qaida entdeckt das iPhone


Werbe-Banner gehören zum Alltag des Online-Dschihad. Sie sind kitschig, bunt, meist animiert und oftmals schon als Vorgeschmack auf das bald erscheinende Propaganda-Video gedacht.


Die irakische al-Qaida Filiale, der "Islamische Staat im Irak", veröffentlichte heute ein neues Propagandawerk mit dem Titel "Die Schlacht der Gefangenen 2". Es ist der zweite Teil einer Videoserie, die Großanschläge in Bagdad dokumentieren, die al-Qaida in regelmäßigen Abständen im Jahr 2009 verübte.

Das Video an sich ist wenig interessant, beinhaltet die letzten Botschaften verschiedener irakischer und ausländischer Selbstmordattentäter, zeigt aber in erster Linie die politischen Verhältnisse im Irak aus Sicht der al-Qaida. Wie erwartet spielt sich das Terrornetzwerk als Beschützer des sunnitischen Volkes im Irak auf, das den blutrünstige schiitische Machthabern von Bagdad die Stirn bietet, Exekution entführter irakischer Soldaten vor laufender Kamera inklusive.

Ungewöhnlich beim jüngsten Video der irakischen al-Qaida war die Ankündigung per Werbe-Banner im Internet. Dieser hatte das Format eines iPhones (sogar die neueste Variante iPhone 4). Warum die Propaganda-Programmierer aus dem Zweistromland dieses Bild wählte, kann man nur vermuten. Al-Qaida folgt den Entwicklungen auf dem Handymarkt, der auch im Nahen Osten nicht stillsteht. Smartphones sind von Beirut bis Cassablanca die Zukunft für junge Araber der Mittelschicht - und die soll natürlich möglichst leicht auf den Geschmack der Dschihad-Videos kommen.

UPDATE

Beim vollständiger Sichtung des jüngsten al-Qaida Videos aus dem Irak, viel mir letztendlich doch noch ein interessanter Aspekt auf. Gezeigt wird für wenige Sekunden ein Mann, der sein Gesicht sonst von den Propaganda-Kameras fern hielt - Abu Hamza al-Muhajir, der inzwischen getötete Anführer der irakischen al-Qaida.


Al-Muhajir, mit richtigem Namen Abdul Mounim al-Badawi, übernahm die Führung des Terrornetzwerkes im Irak nachdem Abu Mussab az-Zarqawi im Juni 2006 bei einem US-Luftangriff getötet worden war. Der Ägypter al-Muhajir, auch bekannt unter dem Kampfnamen "Abu Ayyub al-Masri" galt als Experte im Bau von großen Autobomben und hatte in einem al-Qaida Lager in Afghanistan in den 1990er Jahren sein Handwerk erlernt.
Im April diesen Jahres kam er bei einem Feuergefecht mit US-Soldaten im nordirakischen Tikrit ums Leben.


Das neueste Propagandavideo der irakischen al-Qaida zeigt al-Muhajir in einem fensterlosen Raum, wo er - mit einer Keffiyeh auf dem Kopf - offenbar einen Selbstmordattentäter verabschiedet und umarmt.


Monday, April 19, 2010

Tod zweier Unbekannter - Irak verkündet Tötung von al-Qaida Führern


I
raks Premier Nouri al Maliki präsentierte die Fotos geradezu trophäengleich. Aufnahmen zweier Männer, einmal als Konterfeis noch lebender Personen, daneben die blutüberströmten Leichname der beiden gesuchten Terroristen.
Jahrelang jagten irakische und vor allem amerikanische Anti-Terror-Einheiten die Anführer der al-Qaida im Zweistromland. Im Juni 2006 schlugen sie dem Terrornetzwerk mit der Tötung von Abu Mussab az-Zarqawi den charismatischen Kopf ab und schwächten die lokale al-Qaida-Filiale damit wohl mehr, als es sich das Pentagon je hätte vorstellen können.


Abu Ayyub al-Masri alias "Abu Hamza al-Muhajir" in einem Video, das US-Truppen sicherstellten. Darin präpariert der Ägypter einen Tanklaster zu einer Autobombe

Seitdem Zarqawi aus dem Rennen war, hatten es die Terrorjäger auf seinen Nachfolger abgesehen. Der soll Ägypter oder Saudi sein, hieß es wenige Wochen nach Zarqawis Ermordung. Genaueres wusste niemand. Dann irgendwann tauchte ein Passfoto auf, das gleichzeitig zu einem Fahndungsfoto für den neuen Chef der irakischen al-Qaida werden sollte. "Abu Ayyub al Masri", so hieß Zarqawis wenig charismatischer, kamerascheuer Nachfolger. Er trat nie in Propagandavideos unverhüllt auf, erreichte nicht einmal annähernd jenen dschihadistischen Kult-Status wie der "Schlächter von Bagdad" und wurde damit zum wenig schillernden Kopf des irakischen Terrors.

Im April wurde al-Masri, der sich "Abu Hamza al-Muhajir" nannte, zum Verteidigungsminister des dschihadistischen Fantasie-Staates "Islamischer Staat im Irak" erkoren. Hinter diesem Decknamen eines vermeintlichen Dachverbandes der salafistisch-dschihadistischen Gruppen des irakischen Bürgerkrieges, verbirgt sich bis heute schlichtweg jenes al-Qaida Element des irakischen Widerstandes, das von ausländischen Islamisten dominiert und kontrolliert wurde.

Um einen Image-Wechsel zu vollziehen, und all jene Lügen zu strafen die behaupten ausländische al-Qaida Fanatiker hätten die irakischen Aufständischen quasi unterwandert und deren Kampf gegen die US-Truppen zu ihrem in erster Linie anti-schiitischen Dschihad verkehrt, wurde demonstrativ ein Iraker zum Anführer des "Islamischen Staates Irak" ernannt - "Abu Omar al-Baghdadi".

US-Geheimdienstler vermuteten hinter diesem Kampfnamen nichts anderes als eine künstliche Propagandafigur, erschaffen um dem Dschihad der al-Qaida im Irak ein irakisches Gesicht oder zumindest einen irakischen Namen zu verpassen. Letztendlich soll doch Zarqawis ägyptischer Nachfolger al-Masri weiterhin die Kontrolle über das Netzwerk behalten haben.
Angeblich ernannte ihn der ebenfalls aus Ägypten stammende Ayman az-Zawahiri persönlich zum Nachfolger des Jordaniers Zarqawi und damit zum "Emir der al-Qaida im Irak".


Ein Video in Rohfassung zeigt Abu Ayyub al-Masri
mit seinem Sohn in einem Versteck im Irak

In Audiobotschaften und schriftlichen Statements meldeten sich die beiden Anführer al-Baghdadi und al-Muhajir ( = al-Masri) regelmäßig zu Wort, wiederholten dabei gebetsmühlenartig jene Phrasen und Racheschwüre, die auch schon Zarqawi vor Jahren verbreitete. Die Anführer der irakischen al-Qaida konnten das Netzwerk nicht wiederbeleben und mussten beinahe machtlos mit ansehen wie irakische und amerikanische Spezialeinheiten Nacht für Nacht erfolgreich Razzien gegen die Dschihadisten durchführten. Überall wurden Regionalkommandeure verhaftet, Autobomben-Zellen ausgehoben, rekrutierte Selbstmordattentäter vor ihrem Einsatz erschossen.

Die Strategie des Terrornetzwerkes veränderte sich in den vergangenen Jahren zusehens. Weg von kleinen Anschlägen auf US-Basen, Checkpoints, irakische Polizeistationen und schiitische Heiligtümer, hin zu Großanschlägen und Serien von Autobomben-Attentaten im Herzen von Bagdad. Mehrmals schlugen die al-Qaida Attentäter bereits nach diesem Muster zu, attackierten Gebäude der irakischen Regierung und Orte, die regelmäßig von Ausländern frequentiert werden.

Geheimdienstkreise gehen davon aus, dass al-Qaida eine unheilige Allianz mit Baath-Elementen des alten Saddam-Regimes eingegangen ist, um zu alter Stärke zurück zu finden. Al-Qaida liefert todeswillige Attentäter, oft junge Saudis und Nordafrikaner, und die im syrischen Exil lebenden Baathisten liefern das Geld und die Logistik um Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad zu umgehen. Die Motivation ist simpel und fatal: Chaos.

Sowohl die ehemaligen Regime-Anhänger als auch die fanatischen Islamisten wollen dass der neue Irak unter schiitischer Dominanz nicht zur Ruhe kommt. Regelmäßiger Terror dort, wo sich die Iraker am sichersten fühlen, ein Blutzoll zum Preis den Irak auf keinen Fall zur iranischen Kolonie werden zu lassen.


Am vergangenen Sonntag dann war auch die Jagd auf die Spitze des Terrornetzwerkes im Irak nach Jahren der Fehlmeldungen von Erfolg gekrönt. Durch eine Verhaftung einiger ranghoher al-Qaida Leute wenige Tage zuvor waren irakische Geheimdienstler auf ein sogenanntes "Safehouse" in der westirakischen Region Al-Anbar aufgemerksam geworden. Eine gemeinsame amerikanisch-irakische Anti-Terror-Operation wurde gestartet und schließlich konnten nach einem Feuergefecht und dem Einsatz von Kampfjets eine ganze Reihe al-Qaida Führer zur Strecke gebracht werden. In den Trümmern eines Hauses der Region Thar Thar fanden die Terrorjäger die Leichen von al-Baghdadi und al-Masri.

DNA-Tests bestätigten ihre Identität am Montag und Iraks Premier verkündete die Nachricht vom Tod der al-Qaida Chefs bei einer Pressekonferenz in Bagdad. US-Vizepräsident Joe Biden nannte die Tötung der beiden Terroristen einen großen Schritt für die Iraker.
Ohne Zweifel versetzt der Tod der beiden wenig bis kaum bekannten Islamisten-Führer das Terrornetzwerk im Irak in eine Art Schockzustand. Nachfolge-Kämpfe werden einsetzen, Terrorzellen wissen nicht ob und wie weit Kommunikation untereinander jetzt noch sicher stattfinden kann, mögliche Anschlagspläne wurden zunichte gemacht.


Der "Präsident" des "Islamischen Staates Irak" - Abu Omar al-Baghdadi

Nichtsdestotrotz gilt auch in der Hierarchie des Terrors - niemand ist unersetzlich. Der Nachfolger von "Abu Ayyub al Masri" wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnlich oder noch weniger charismatisch sein als der Ägypter, der als Fachmann für Autobomben galt. Aus Afghanistan und Pakistan soll die irakische al-Qaida zum Jahreswechsel hin verstärkt worden sein. Sheikh Issa heißt eine der mysteriösen Figuren die Bin Laden nach Syrien entsandt haben soll um dem Dschihad im Irak neuen Aufwind zu verleihen. Die Ergebnisse werden bald folgen.

Sunday, April 4, 2010

Der Rambo aus dem Jenseits - Neues Foto zeigt jungen Zarqawi

Ihm wurde eine beispiellose Karriere als Islamistenführer vorhergesagt, er galt zeitweise als populärste Figur des internationalen Dschihad und als möglicher Rivale oder Nachfolger von Osama Bin Laden - bis ihn amerikanische Kampfjets mit der Wucht mehrere hundert Kilogramm schwerer Bomben vor einigen Jahren töteten.


Aus Abu Musab al Zarqawi war binne kurze Zeit der wohl am meisten gefürchtete islamistische Terrorist der Gegenwart geworden. Im Irak hinterließ der gebürtige Jordanier eine Spur des Terrors, der Zerstörung und Gewalt. Eigenhändig enthauptete Zarqawi westliche Geiseln vor laufender Kamera, stilisierte sich zu al-Qaidas "Prinz im Irak" und "Emir der Schlachter".


Nach seinem Tod durch amerikanische Bomben in einem irakischen Provinzhaus nahe Baquba, geistert der al-Qaida Chef des Irak nur noch als unsterbliche Märtyrerfigur durch die dschihadistischen Internetforen. Seine Hasspredigten gegen Schiiten, Juden, Christen und alle, die seinem Wunsch eines Islamischen Kalifats zwischen Euphrat und Tigris nicht teilten, werden weiterhin in al-Qaida Propagandavideos von Algerien bis Pakistan eingespielt.



Der junge Abu Musab al Zarqawi - vermutlich noch in Jordanien fotografiert

Jetzt beglückte ein Mitglied eines Dschihad-Forums die Fan-Gemeinde des jordanischen Massenmörders im Namen des Islam, mit einem Jugendfoto Zarqawis. Darauf zu sehen ist der spätere Gotteskrieger in einem Hinterhof stehend, mit einer Kalaschnikow posierend. Wie Rambo in der Pubertät wirkt Zarqawi, ein Fanatiker dessen physisches Erscheinungsbild seinem Ego und seinem radikalen Gewaltphantasien nicht so recht gerecht werden will.


Wo die Aufnahme entstand, ist nicht bekannt. Vermutlich knipste ein Kampfgefährte oder Zellengenosse den ehemaligen Häftling Zarqawi in dessen Heimat Jordanien. Erst Ende der 1980er Jahre, als der Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan schon beinahe zu Ende war, reiste Ahmed, so Zarqawis bürgerlicher Name, an den Hindukusch und schloss sich den arabischen Dschihadisten an. Auch dort könnte die bislang unbekannte Fotoaufnahme entstanden sein.

Friday, January 22, 2010

Aus dem Jemen ferngesteuert - Der Fall von Little Rock war die Warnung


William Long (23) und sein Kamerad Quinton Ezeagwula (18) machten gerade eine Zigarettenpause. Die beiden Soldaten schoben Dienst im Rekrutierungsbüro der US-Army, direkt am Einkaufszentrum von Little Rock, einer Kleinstadt in Arkansas.
Es war der 01.Juni 2009 und die jungen Soldaten konnten nicht damit rechnen in der amerikanischen Provinz, weit weg vom Irak und Afghanistan, Opfer einer Attack eines islamistischen Gotteskriegers zu werden.

Aus heiterem Himmel zog ein Afroamerikaner ein halbautomatisches Sturmgewehr und eröffnete das Feuer auf die Long und Ezeagwula. Der 23jährige Private Long war sofort tot, sein Kamerad überlebte den Angriff schwer verletzt.
Der Täter, den die Polizei wenig später verhaften konnte war genauso alt wie seine Opfer. Geboren wurde der aus Tennessee stammende Schütze als Bledsoe in Memphis. Vor einigen Jahren war er zum Islam konvertiert und nannte sich Abdul Hakim Muhammad.

Noch als die Polizei Muhammad verhaftete, gab er an, er habe "im Namen Allahs" gehandelt und als "Rache am US Militär". Er habe die Tat begangen um die Entehrung des Koran durch US-Soldaten in Afghanistan und den Mord und die Vergewaltigung von Muslimen zu rächen. "US Soldaten töten unschuldige muslimische Männer und Frauen. Wir glauben dass wir zurückschlagen müssen", erklärte Muhammad, "Wir glauben an Auge für Auge. Wir glauben nicht daran die andere Wange hinzuhalten."

Vor Gericht plädierte der Konvertit "unschuldig", übernahm jedoch die volle Verantwortung für seine Tat. Muhammad´s Anwalt berichtete sein Mandat sei im Jemen inhaftiert gewesen, und habe durch die dortige Folterung eine Radikalisierung durchlebt. Abdul Hakim Muhammad wies dies nur wenig später zurück und gab an, im Jemen gut und respektvoll behandelt worden zu sein. Erst sechs Monate vor seiner Tat in Little Rock, war Muhammad aus dem Jemen in die USA zurückgekehrt, das Außenministerium hatte auf eine Auslieferung gedrängt.

Fakt ist, Muhammad war im Herbst 2007 in den Jemen gereist und hatte dort Englisch unterrichtet, und im Gegenzug Arabischunterricht erhalten. Außerdem, so erklärte er, habe er die Religion studieren wollen. Entscheident ist, wo Muhammad die 16 Monate an der Südspitze der Arabischen Halbinsel verbrachte. Einen großen Teil der Zeit soll der junge Amerikaner in Dammaj verbracht haben, jenem Salafisten-Dorf im Nordwesten des Landes, in das hunderte Konvertiten aus aller Welt ziehen um eine puritanische Interpretation des Islam im strengen, abgeschirmten Selbststudium zu finden.

In Dammaj, genauer im dortigen Schulungszentrum Dar ul-Hadith werde der Grundstein gelegt für die spätere terroristische Laufbahn, so formulieren es Geheimdienstler oft. Al-Qaidas Ideologie werde dort in intellektueller Art und Weise vermittelt, in einer Umgebung, die mehr an das Mittelalter erinnert als an das neue Jahrtausend. Einige der 3000 permanent dort lebenden Studenten zog es später tatsächlich in den Dschihad nach Afghanistan oder in den Irak. Mindestens sechs ehemalige Dammaj-Schüler saßen und sitzen derzeit in Guantanamo, andere, wie der "American Taliban" John Walker Lindh, wurden zwangweise von ihrer Dschihad-Karriere abgebracht.

Ohne Zweifel hinterließ Dammaj Spuren bei Abdul Hakim Muhammad. Der ultraorthodoxe Salafismus geht einher mit der Einstellung, dass ein Leben in einer anderen Umgebung als einer islamischen, nicht mehr denkbar bzw. nicht mehr ideal ist. Eine Rückkehr in die westliche Gesellschaft mit all ihren Versuchungen und ihren Sünden, fällt schwer für jene die Monate oder Jahre im jemenitischen Exil lebten und für die der Islam in Fleisch und Blut übergangen ist.

Der Fall des Abdul Hakim Muhammad wurde von der Presse beinahe unbeachtet ignoriert. Er erschien wie ein gewöhnlicher Amoklauf, einer von vielen die es in den USA jedes Jahr gibt. Major Nidal Hasan und seine Bluttat von Fort Hood, Texas, änderte alles. Der US-Muslim palästinensischer Herkunft soll im Internet ein Zweitleben geführt haben, im regelmäßigen E-Mail-Austausch mit dem amerikanisch-jemenitischen Prediger Anwar al Awlaki, der sich seit 2004 im Jemen versteckt hält. Hasan, so vermuten die Ermittler, habe durch Awlaki die religiöse Rechtfertigung für den Mord an 13 amerikanischen Soldaten, seinen eigenen Kameraden, erhalten. Durch Gehirnwäsche und massive Ideologierung könnte Awlaki den psychisch labilen, sozial ausgegrenzten Hasan ferngesteuert haben.

Awlaki wiederum ist für viele Experten mittlerweile fester Kern der jemenitischen al-Qaida. Anders als Sheikh Zindani ("der Rote Sheikh"), der durch seine antiwestlichen Predigen im Al Eman Insitute von Sanaa bereits in der Presse bekannt wurde, hat sich Awlaki auf das Internet spezialisiert. Dort fängt er mit muttersprachlich-englischen Predigten auf Youtube vor allem islamistische Sympathisanten unter den Muslimen Europas und Nordamerikas. Sein eigener Blog wird zum Sprachrohr eines al-Qaida Sympathisanten der am Ufer des Rio Grande, in New Mexico zur Welt kam.

Als am Weihnachtstag 2009 der Nigerianer Umar Abdulmutallab versuchte mit einem Sprengsatz in der Unterwäsche eine US-Passagiermaschine in die Luft zu sprengen, kam wieder der Name Awlaki auf. Zu ihm soll Abdulmutallab sogar direkten Kontakt gehabt haben, während seiner Zeit im Jemen habe er dem Imam predigen gehört, und später habe Awlaki als al-Qaida Kontaktmann den nigerianischen Bankierssohn auch persönlich getroffen.

Ob auch der Schütze von Little Rock Kontakt zum charismatischen Imam Awlaki hatte, wurde bislang nicht klar. Abdul Hakim Muhammad war im Jemen, er besuchte mehrere Monate lang die Schulungseinrichtung Dar ul-Hadith in Dammaj und er lehrte in Sanaa Englisch. Viele Indikatoren die ihn zu einem möglichen Anhänger Awlakis machen.
Dazu kommt seine Zeit in einem jemenitischen Gefängnis, die in der Regel nicht ohne Folter und Misshandlung einher geht. Zu verbüßen hatte Muhammad die Haftstrafe weil sein Visum abgelaufen war und er sich eine somalische Aufenthaltsgenehmigung besorgt hatte.

Völlig überraschend schickte Muhammad jetzt einen handschriftlichen Brief an seinen Anwalt. Darin fordert der inzwischen 24jährige das Gericht auf, seine ursprüngliche Aussage zu ändern. Er bekenne sich nun "schuldig" und protzt seine Tat sein ein "dschihadistischer Angriff" gewesen. "Ich war nicht geisteskrank, oder traumatisiert", schreibt Muhammad, "noch wurde ich zu dieser Tat gezwungen." Der Mord an Private Long sei "nach Islamischer Rechtsordnung gerechtfertigt", und die praktische Umsetzung des "Dschihad - gegen jene zu kämpfen, die Krieg gegen den Islam und die Muslime führen."


Mord wollte Muhammad seine Tat schon im Juni 2009 nicht nennen. "Es ist kein Mord, es ist Krieg!", verkündete er stolz. Nun möchte Muhammad mehr sein als nur ein islamistisch-inspirierter Amokläufer. In seinem neusten Brief nennt er sich selbst einen "Soldaten der Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel". Er habe Kontakt zur al-Qaida im Jemen gehabt und sei ein Mitglied von "Abu Basir´s Armee". Dies ist eindeutig eine Anspielung auf "Abu Basir", den Kampfnamen des jemenitischen al-Qaida Chefs, Nasir al Wuhayshi.

War Abdul Hakim "Muhajed" Muhammad tatsächlich in den al-Qaida Trainingscamps? Was macht ihn zu einem al-Qaida "Mitglied"?
Mit seiner neuen Aussage, in der er sich selbst zum Gotteskrieger stilisiert macht sich Muhammad zum "Märtyrer". Da ihn wahrscheinlich eine lebenslange Haftstrafe erwartet, will er sich im Nachhinein zum Helden des Dschihad profilieren und liefert damit al-Qaida eine propagandistische Vorlage.

Nach Major Hasan und nach Abdulmuttalb nun auch noch hinter dem geglückten Angriff des afroamerikanischen Konvertiten Muhammad zu stecken, wäre zuviel der Ehre für Jemen´s al-Qaida. Denkbar ist aber durchaus dass es diese Verbindungen gab, dass Muhammad im Jemen Kontakte zu den militanten Islamisten knüpfte, vielleicht sogar Awlakis Predigten besuchte.

Kurz nach 9/11 befürchteten Geheimdienste einheimische Terrorzellen könnten losschlagen und auf die amerikanischen Aggressionen in Afghanistan und dem Irak reagieren. Dies blieb aus. Amerikas Muslime verhielten sich friedlich, betonten die gelungene Integration, protestierten zwar, aber legten keine Bomben.

Beinahe 10 Jahre nach dem 11.September scheint nun das einzutreten vor dem Geheimdienstler vor Jahren bereits Angst hatten. Amerikanische Muslime verüben in den USA Anschläge gegen ihre "fellow Americans". Der Trend ist beunruhigend, aber weniger dramatisch als die Gegenseite es darstellen möchte. Nidal Hasan war nicht jene "islamistische Drohne", wie die Online-Dschihadisten kurz nach seiner Tat frohlockten, und der nigerianische "Unterhosen-Bomber" war zwar entschlossen, aber unfähig seine Tat auszuführen. Radikalisierung alleine, auch ohne Terrorlager, Auftraggeber und Abschiedsvideos, kann verheerend sein. Durch das Internet kann der moderne Dschihadist jederzeit wieder in eine Welt eintauchen, die er vielleicht selbst nie erlebt hat.

Abdul Hakim Muhammad kannte das "Leben wie in 1001 Nacht" aus Dammaj, er kannte ein islamisches Bürgerkriegsland in dem offen Dschihad in Moscheen gepredigt werden kann, in dem es mehr Waffen als Menschen gibt und in dem junge Männer zu lebenden Bomben werden. Diese Welt wieder gegen den modernen Westen einzutauschen fällt schwer, sie haftet und nagt am eigenen Gewissen. Aus Sicht dieser jungen Menschen kann Ungerechtigkeit nicht ungesühnt bleiben und so entstehen unlogische, irrationale Verbindungen und Schuldzuweisungen. Sie fühlen sich in die Rolle jenes "Robin Hood" versetzt, der durch die Staatsbürgerschaft die Möglichkeit hat, jene, die für all das Leid der Muslime weltweit angeblich die Verantwortung tragen, mitten im Herz zu treffen.

Die Fälle Hasan, Abdulmutallab und Muhammad verliefen so und die Gefahr besteht dass weitere folgen werden. al-Qaida wird das Angebot des Todesschützen von Little Rock nicht ablehnen und ihn zu einem weiteren, in Kuffar-Hand inhaftierten Helden erklären.

Thursday, April 23, 2009

Der Mann mit 20 Leben - jetzt gefangen?


Über die letzten Jahre, seit der Tötung des Al Qaida Prinzen im Irak, Abu Mussab al Zarqawi, rätseln Geheimdienste über die Führungsstrukturen des irakischen Terrornetzwerks. Laut der Organisation selbst ist die Al Qaida im Irak mittlerweile in einem Dachverband mit anderen islamistischen Gruppierungen aufgegangen. Jene Über-Organisation namens „Islamischer Staat im Irak“ (ISI) steht unter der Führung einer Shura, einem Zirkel von Mujaheddin-Kommandeuren die sich aus den verschiedenen Untergruppen zusammensetzen. Nach Zarqawis „Märtyrertod“ im Jahr 2006 ernannten die Islamisten im Irak einen gewissen „Abu Hamza al Muhajir“, einer von vielen Kampfnamen des ägyptischen Al Qaida Funktionärs Abu Ayyub al Masri, zum Anführer der Al Qaida im Zweistromland. Damit unterstand Zarqawis Nachfolger allerdings dem Oberkommandierenden, dem Chef des „Islamischen Staates im Irak“ Sheikh Abu Omar al Bagdadi.

US Sondereinheiten machen in Zusammenarbeit mit der CIA und irakischen Geheimdiensten seitdem Jagd auf die Spitze irakischen der Al Qaida. Seit dem Bekanntwerden der neuen Organisation ISI meldeten irakischen Sicherheitskräfte mehrfach, insgesamt über 15 Mal die Verhaftung von Al Bagdadi und etwa fünf mal die Tötung von Abu Hamza al Muhajir. Jedes Mal dementierte Al Qaida über das Internet, es tauchten Audiobotschaften der Islamsitenführer die, die bewiesen dass sie noch unter den Lebenden weilen.

Heute meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Sprecher der Iraqi National Army dass Abu Omar al Bagdadi heute Vormittag in einem östlichen Vorort von Bagdad verhaftet worden sei. Nach einem Hinweis hätten irakische Sicherheitskräfte einen Gebäudekomplex umstellt und eine Razzia gestartet bei der es zu einem Schusswechsel zwischen Al Qaida Kämpfern und Soldaten kam. Anschließend sei unter den festgenommenen Personen Hamid Dawoud Mohammed Khalil al Zawi identifiziert worden, bei dem es sich um Abu Omar al Bagdadi handeln soll. Vor über einem Jahr schon vermuteten Geheimdienstler dass es sich bei Al Zawi, einem ehemaligen Mitglied von Saddams „General Security Directorate“, einer Mischung aus Geheimdienst und Spezialeinheit, um einen aus der Anbar Provinz stammenden Al Qaida Führer handeln soll. Warum sich der Terrorist aber trotz seiner Herkunft (vermutlich in der Region rund um Haditha und Anah) „al Bagdadi“ („der aus Bagdad stammende“) nennt war immer zweifelhaft. Vielleicht versuchte der Islamische Staat im Irak damit den Eindruck zu erwecken er sei 100% irakisch.

Amerikanische Militärs konnten und wollten heute nicht bestätigen dass der Anführer des ISI verhaftet wurde, verschiedene arabische und europäische Medien berichten jedoch schon über die Festnahme des „Al Qaida Führers im Irak“. Diese Bezeichnung, so lässt es sich auch aus den Diskussionen in islamistischen Internetforen entnehmen, ist und bleibt falsch. Sowohl von Seiten der Terrorgruppe selbst, wie von US Geheimdiensten und Experten, geht man davon aus dass Abu Ayyub al Masri alias Abu Hamza al Muhajir weiterhin Befehlshaber der Al Qaida Zellen ist und bleibt.

Bleibt abzuwarten was in den kommenden Tagen aus der Dschihadi-Szene zu erfahren sein wird.