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Monday, August 16, 2010

Der "20.Attentäter" - Fotos von Ramzi Bin al-Shaibah aus Guantánamo


Ramzi Bin al-Shaibah war Osama Bin Ladens Kontaktmann in Hamburg. Er formierte die „Hamburger Zelle“ und zog im Hintergrund die Fäden für die 9/11-Anschläge. Jahrelang gab es keine aktuellen Foto-Aufnahmen des Guantánamo-Häftling –bis jetzt.




Der freundlich dreinblickende Mann sollte eigentlich längst tot sein. Er wollte einen Massenmord an Amerikanern begehen und dabei als Märtyrer sterben. Doch Ramzi Bin al-Shaibahs Plan ein Todespilot der Anschläge vom 11.September 2001 zu werden, scheiterte an der Bürokratie. Die US-Behörden verweigerten dem Jemeniten ein Einreise-Visum.

Jetzt sind Fotoaufnahmen des sogenannten „20.Attentäters“ von 9/11 aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo aufgetauchte. Es sind die ersten Bilder Ramzi Bin al-Shaibahs seit seiner Festnahme in Pakistan im September 2002. Sie zeigen einen gealterten, fröhlich wirkenden Mann mit Bart, gekleidet in ein weißes Gewand. Um den Kopf gewickelt trägt er ein schwarz-weißes Palästinensertuch, eingestickt darin die Worte „Super Deluxe“.



Die Fotostrecke des 9/11-Organisators Bin al-Shaibahs wurde vermutlich von Mitarbeitern des Internationalen Roten Kreuzes aufgenommen, die Guantánamo regelmäßig besuchen und Häftlinge auf gesundheitliche Unversehrtheit untersuchen dürfen.
Pünktlich zum Ramadan werden die Fotos der Terrorhäftlinge den Familien übergeben, sie stehen aber in der Regel nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Ein Sprecher des Internationalen Roten Kreuzes erklärte mir inzwischen, dass im Jahr 2009 alle Häftlinge, die sich einverstanden erklärte, fotografiert wurden:

"Each detainee was allowed to choose two pictures and five colour prints were made of each. These were incluced with Red Cross Messages from the detainees and transmitted to the families by the Red Cross."

Fraglich bleibt, weshalb dann nicht zwei ausgewählte Fotos von Bin al-Shaibah auftauchten, sondern insgesamt mindestens fünf verschiedene.

Ähnliche Aufnahmen, wie sie nun von Ramzi Bin al-Shaibah auftauchten, wurden bereits im vergangenen Jahr von Khalid Sheikh Mohammed verbreitet (siehe hier).

Der heute 38jährige Jemenit Ramzi Mohammed Abdullah Bin al-Shaibah gilt als einer der wichtigsten al-Qaida Drahtzieher. Er soll die Anschläge vom 11.September 2001 von Hamburg aus koordiniert haben.
Geboren wurde Bin al-Shaibah im Dorf Ghayl Bawazir, in der südjemenitischen Provinz Hadramaut, studierte Wirtschaftswissenschaften und war acht Jahre bei der International Bank of Yemen tätig. 1995 versuchte er zum ersten Mal in den Westen auszuwandern und beantragte ein Visum für die USA. Sein Plan scheiterte und Bin al-Shaibah reiste stattdessen nach Europa.

In Hamburg nannte sich der Jemenit „Ramzi Omar“ und gab an, ein sudanesischer Asylbewerber zu sein. Er schrieb sich am Studienkolleg der Hamburger Universität ein, angeblich mit der Absicht Deutsch zu lernen. Seine Leistungen waren schwach und er fälschte Studienbescheinigungen. Zwei Jahre später, 1997, lehnte ein Hamburger Gericht Bin al-Shaibahs Asylantrag ab und er kehrte kurzfristig in den Jemen zurück.


Überraschenderweise erhielt Ramzi Bin al-Shaibah kurz darauf ein deutsches Visum unter seinem richtigen Namen. Er zog nach Hamburg und besuchte regelmäßig die „Al-Quds-Moschee“ am Steindamm, in der jahrelang Hass gegen den Westen und Ungläubige gepredigt wurde.

Dort lernte er den Ägypter Mohammed Atta und den Saudi Marwan al-Shehri kennen, die seine radikalen Glaubensansichten teilten. Während Atta der eher schweigsame des Freundeskreises war, galt Ramzi Bin al-Shaibah als charismatischer Wortführer.
Auf einem Video, das auf der Hochzeit des bis heute weltweit gesuchten Gesinnungsgenossen Said Bahaji im Oktober 1999 gedreht wurde, ist Bin al-Shaibah zu sehen, wie er zum Kampf gegen die Juden aufruft und Dschihad-Lieder anstimmt. Aufgenommen wurde es in den Räumen der Hamburger „Al-Quds Moschee“.

1998 zogen Bin al-Shaibah, Atta und al-Shehri in eine WG, zunächst in die Harburger Chaussee 115, dann in die Marienstraße 54. Es entstand die sogenannte „Hamburger Zelle“.
Getrennt reisten die drei Männer im November und Dezember 1999 nach Afghanistan und erhielten eine Ausbildung in einem al-Qaida-Lager.
Sie leisteten den Treueschwur auf Osama Bin Laden und Bin al-Shaibah gab, so berichtet er später, an einer Selbstmordmission teilnehmen zu wollen. Al-Qaidas Militärchef Mohammed Attef traf sich persönlich mit Bin al-Shaibah (Kampfname „Abu Ubaida“) und verriet ihm, er und seine Hamburger Mitstreiter seien für eine „sehr geheime Operation“ ausgewählt worden. Zu diesem Zweck müssten jedoch weitere vertrauenswürdige Männer rekrutiert werden. Diese Aufgabe fiel Bin al-Shaibah zu.


Die Planung von 9/11 - Ramzi Bin al-Shaiba mit Osama Bin Laden


Al-Qaida´s Militärchef Mohammad Atef und der Hamburger Kontaktmann Bin al-Shaiba


Dieser reiste im Februar 2000 zurück nach Hamburg und begann mit den Vorbereitungen für die 9/11-Anschläge in den USA. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der „Hamburger Zelle“ erhielt al-Shaibah jedoch nach viermaligem Antrag kein Visum für die Vereinigten Staaten. Für Bin al-Shaibah endete somit der Traum, der 20.Märtyrer der „Operation Heiliger Dienstag“ zu werden.

Sein Plan B, eine heiratswillige Frau in den USA zu finden, scheiterte, und auch an einer niederländischen Flugschule wollte man ihn nicht zum Piloten ausbilden.
Letztendlich wurde Bin al-Shaibah zum Mittelsmann zwischen Bin Laden und der „Hamburger Zelle“ auserkoren. Er erledigte fortan alle Geldgeschäfte für die späteren Attentäter und stand in ständigem Kontakt mit der al-Qaida Führung in Afghanistan.

Kurz vor den Terroranschlägen von New York und Washington, am 05.September 2001, setzte sich Bin al-Shaibah über Düsseldorf und Madrid ab. Der Jemenit floh nach Pakistan.
Einem Journalisten des arabischen Fernsehsender Al Jazeera bewährten der 9/11-Chefplaner Khalid Sheikh Mohammed und seine rechte Hand, Ramzi Bin al-Shaibah, im Juni 2002 ein Interview. Darin erläuterten sie ihre Beteiligung an den Anschlägen vom 11.September. Ramzi Bin al-Shaibah, so erklärte es Sheikh Mohammed, sei der „Chef-Koordinator der Anschläge“.

Am 11.September 2002, pünktlich zum Jahrestag der Anschläge in den USA, ging der Terrorhelfer Bin al-Shaibah den pakistanischen Sicherheitskräften ins Netz. Nach einem stundenlangen Feuergefecht in Karachi, wurde er festgenommen, mit einem Sack über dem Kopf abtransportiert und drei Tage später an die USA übergeben.


Anhörung in Guantánamo - Ramzi Bin al-Shaiba vor Gericht

Wo genau die US-Geheimdienste den 9/11-Mitverschwörer in den folgenen Jahren festhielten ist nicht vollständig geklärt. Sein Anwalt spricht von Misshandlungen durch die CIA und das US-Militär. Bin al-Shaibah sei gefoltert und so zu Geständnissen gezwungen worden.
In das US-Gefangenenlager Guantánamo kam der Top-Terrorist erst 2006, zusammen mit 14 weiteren al-Qaida Mitgliedern, darunter sein Mentor Khalid Sheikh Mohammed. Angst vor der Haft in Guantánamo hatte Bin al-Shaibah wohl nicht. In einem Verhör erklärte er, es sei wohl die letzte sichere Gegend auf der Welt, „wo 500 Mudschaheddin an einem Ort sein könnten.“

Bald soll Ramzi Bin al-Shaibah und weiteren 9/11-Drahtziehern vor einem New Yorker Zivilgericht der Prozess gemacht werden.

Monday, January 25, 2010

Folter in Guantanamo - Der Dschihadist im goldenen Käfig


Mohammed al-Awfi galt als hoffnungsloser Fall. Er war in Bagram, Guantanamo, dann in einer saudischen Besserungsanstalt und schloss sie dennoch wieder al-Qaida an. In einem Interview berichtet der Ex-Terrorist jetzt von Folter in US-Haft und was ihn bewog dem Dschihad abzuschwören.
Ein nackter Mann wird auf einen Stuhl gesetzt. In der Sitzfläche befindet sich ein Loch: „Dann ziehen sie die Genitalien dort durch und schlagen auf sie ein mit einem Eisenstab.“
Die Beschreibung der Folterszene klingt nach einer Sequenz aus dem vorletzten James Bond Hollywood-Streifen „Casino Royal“. Agent 007, gespielt von Daniel Craig, wird darin vom Bösewicht auf genau diese Art bis zur Bewusstlosigkeit gequält.
Beschrieben aber hat die obige Szene kein Kinobesucher, sondern ein ehemalige saudischer Guantanamo-Häftling im Interview mit der britischen BBC. Peter Taylor, Journalist und Terrorexperte, besuchte den inzwischen reuigen Islamisten in einem ungewöhnlichen Gefängnis, in der saudischen Hauptstadt.
Im Internet erzählt der ehemalige al-Qaida Kämpfer von seiner Zeit in US-Gefangenschaft und erhebt erschreckenden Vorwürfe der Misshandlungen und Folter.
Mohammed al-Awfi gehörte noch vor knapp einem Jahr zur Führungsriege der jemenitischen al-Qaida. Damals galt er als einer der vielen rückfälligen Guantanamo-Insassen, die sich nach ihrer Entlassung wieder dem Terrorismus verschrieben.
Al-Awfis Geschichte beginnt in Pakistan, wo er Ende 2001 festgenommen wurde. In seinem Gepäck fand die Polizei große Summen von Geld und verdächtige Dokumente. Später dann warf die US-Regierung al-Awfi vor in einem al-Qaida Camp trainiert. Sein Name sei auf einer Rekrutenliste in einem von Osama Bin Ladens Häusern in Kabul gefunden worden.
Der saudische Terrorverdächtige kam zunächst auf die US-Basis Bagram in Afghanistan. Dort, so berichtet al-Awfi jetzt, habe öffentlich Folter stattgefunden.
„Sie schnüren deinen Penis zu“, erzählte der Ex-Qaida-Mann jüngst der BBC, „und dann lassen sie dich Salzwasser trinken damit du urinieren musst aber es nicht kannst. Bis du irgendwann schreist.“ Außerdem hätten die amerikanischen Verhörexperten Elektroschocks benutzt, um Geständnisse der Häftlinge zu erpressen.
Von Bagram aus brachte das US-Militär Mohammed al-Awfi in das US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba, wo er als Häftling Nr.333 ingesamt sechs Jahre inhaftiert war. Auch hier sei er Demütigungen und Misshandlung ausgesetzt gewesen.

„Das schlimmste ist, dass sie deine Religion beleidigen“, beschreibt al-Awfi die Behandlung durch die Amerikaner, „Sie bringen dich in einen Raum auf dessen Boden überall Koran-Ausgaben liegen. Dann läuft einer der Wachen über die Bücher.“ Eine Frau habe zudem vor den Augen der Häftlinge auf den Koran menstruiert, beteuert der Saudi.
Vor seiner Rückkehr nach Saudi-Arabien habe man ihn gewarnt, so al-Awfi: „Die Amerikaner haben uns gesagt dass wir in unseren Heimatländern grausam gefoltert würden. Deshalb wollte sie uns einen Ausweg aufzeigen.“ Im Falle eines Geständnisses würden die USA versuchen Asyl für die Häftlinge in Großbritannien zu ersuchen.
Letztendlich aber brachte Ende 2007 eine saudische Boing 747 Mohammed al-Awfi und weitere Terrorhäftling aus Kuba zurück in ihre Heimat.
Dort empfingen sie die Behörden primär nicht als Terroristen sondern als Opfer, die zunächst einer teuflichen Ideologie erlagen und danach vom US-Militär gequält und misshandelt wurden.
Das Innenministerium organisierte wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Riad ein Rehabilitationsprogramm für die 120 Guantanamo-Rückkehrer. In Gruppenarbeit, Kunsttherapie und Gespräche mit religiösen Gelehrten sollten sie hier vom al-Qaida Gedankengut geheilt werden. Nach Angaben der saudischen Behörden geschah dies mit beachtlichem Erfolg. 111 Terrorhäftlinge haben das Programm bislang durchlaufen, bei einer Erfolgsrate von 90%, so heißt es.
Al-Awfi absolvierte das Anti-Dschihad-Programm, weigerte sich aber die extremistischen Ansichten abzulegen.
„Ich persönlich habe das Rehabitilationsprogramm abgelehnt“, sagt al-Awfi, „es gab einen psychologischen Konflikt zwischen Mohammed al-Awfi und dem Programm.“ Das kurzweilige Therapieprogramm sei nicht ausreichend gewesen, um die jahrelang Haft in Bagram und Guantanamo vergessen zu machen: „Dort hat man meine Ehre und meinen Stolz verletzt“.
Zusammen mit seinem Guantanamo-Zellengenossen Said Ali al-Shihri (Häftling Nr.374), der ebenfalls die Besserungsanstalt in Saudi-Arabien durchlief, zog es al-Awfi erneut in den Dschihad.
Er floh in den Jemen und tauchte erst wieder im Januar 2009 auf. Diesmal in einem al-Qaida Propagandavideo in dem die Terroristen die Wiederbelebung ihres Netzwerkes auf der Arabischen Halbinsel zelebrierte.
„Ich wollte nicht in dem Video auftauchten, aber die al-Qaida Führung dort hat es mir befohlen“, erzählt al-Awfi jetzt. Letztendlich habe doch er eingewilligt und einen für ihn vorbereiteten Text verlesen. Die Aufnahme des Videos habe über sechs Stunden gedauert.
Von Gewissensbissen geplagt habe er jedoch schon im folgenden Monat seine Familie in Saudi-Arabien kontaktiert, berichtet der reuige Dschihadist. „Ich habe die Wahrheit gesehen. Ich habe gesehen das mein Weg weit weg war von den Lehren des Propheten.“
Tatsächlich reiste Mohammed al-Awfi im Februar 2009 nach Saudi-Arabien und stellte sich den Behörden.
Seitdem verbüßt er eine Haftstrafe unter geradezu luxuriösen Umständen in einem Gefängnis in der Hauptstadt Riad. Die Einrichtung dieser Unterkunft erinnert eher an an Luxushotel, als an eine Haftanstalt. Wände und Möbel sind mit Gold verziert, es gibt Kronleuchter, Fernsehen und Internet.
Al-Awfis ehemaliger Kampfgefährte, Said al Shihri, genießt keinen Luxus, sondern ruft im Jemen regelmäßig zum Dschihad auf. Er gilt als einer der Hintermänner des versuchten Flugzeuganschlages von Detroit.

Monday, September 14, 2009

Ex-Guantanamo Häftling in Pakistan verhaftet



Mehdi Mohammed Ghezali, ein schwedischer Staatsbürger und ehemaliger Guantanamo-Häftling wurde vor knapp zwei Wochen mit einer Gruppe von sieben Türken, einem Russen und einem Iraner im Süden Pakistan festgenommen.


Ghezali und seine Mitreisenden sollen auf dem Weg vom Iran nach Waziristan gewesen sein um dort in den Al Qaida Trainingslagern ausgebildet zu werden.

Mehr Informationen in Kürze.

Monday, January 26, 2009

Einmal Guantanamo und zurück


Al Qaida hat zwei neue Helden. Helden nicht wegen ihrer Taten, sondern weil sie der lebende Beweis sind dass Amerikas Anti-Terrorkriege gescheitert sind. Ihr Erscheinen aber führt gerade jetzt vor Augen welche Probleme der Fall "Guantanamo" aufwirft.


Kein Richter sieht es gerne wenn der von ihm verurteilte wieder auf freien Fuß kommt, und wenn er ihm dann auch auf irgendeine Weise wieder über den Weg läuft sorgt das verständlicherweise für Wut und Zorn.

In Camp X-Ray (später Camp Delta), dem weltbekannten Gefangenenlager der US-Army auf Guantanamo gibt es keine offiziellen Gerichte, lediglich Militärtribunale. Die Einrichtung wurde auch, das muss fairerweise gesagt werden, nicht zur juristischen Abhandlung von Verbrechen errichtet sondern eher als eine Art Gulag, ein extrem gesicherter Ort. Wenige Gebäude, Zellen,

Verhörräume, Militärbaracken für das Personal, Überwachungskameras, Zäune und wieder Zäune und vor allem Drahtkäfige – das ist Guantanamo im Wesentlichen.

Niemand gelingt hier die Flucht, sicherer als Alcatraz, berüchtigter und sagenumwobener als jedes andere Gefängnis der Welt. Keiner der anfänglich ca.1000 Insassen konnte entkommen, keiner konnte der Welt auch nur in irgendeiner Art Botschaften zukommen lassen. Weggeschlossen, gefesselt, eingepfercht, ohne Gerichtsverfahren, ohne Anklage, ohne internationale Beobachter und ohne Einhaltung von Menschenrechten und Rechtsgrundlagen für Strafgefangene fristeten seit Errichtung des Lagers im Jahr 2002 sogenannte „feindliche Kombattanten“ ihr Dasein, Gefangene der amerikanischen Kriege gegen den Terror, im Irak und Afghanistan, aber auch von der CI

A entführte Verdächtige aus dutzenden anderen Ländern. Aus 40 Nationen stammten die Muslime als das Lager die höchste Zahl an Insassen hatte, darunter einige Minderjährige (der jüngste 13 Jahre alt).

Die Administration von George W. Bush betrachtete alle in Guantanamo sitzenden Personen als Islamisten der radikalsten Sorte, Hardliner der Al Qaida, extrem-gefährliche Fanatiker, jeder von ihnen eine Bedrohung für die Bürger der Vereinigten Staaten und der freien Welt.

Was mag wohl in den Soldaten und Geheimdienstler, generell in den Verantwortlichen, vorgegangen sein als sie vor wenigen Tagen zwei ehemalige Guantanamo-Häftlinge wieder zu sehen bekamen, fröhlich grinsend, mit Patronengürtel um die Brust gebunden, Kalaschnikow in der Hand, posierend vor der Flagge des Dschihad? Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigt die Szene die im Moment Politiker und besonders Geheimdienstler Magenschmerzen bereiten dürfte: Vier Männer sitzen auf dem Boden eines hel

len Raumes, irgendwo in einem arabischen Land. In der Dschihad-Szene dürfte keiner von ihnen große Popularität genießen, anders als die üblichen Video-Prediger Osama bin Laden, Ayman al Zawahiri, Abu Yayha al Libi oder Mustafa Abu al Yazid. Interessant wird die Videobotschaft erst wenn einem klar wird wer dort zu sehen ist. Rechts im Bild sitzt, eine Panzerfaust geschultert, Guantanamo-Häftling Nr.333, Name: Abu Hareth Mohammed al-Oufi, zweiter von links ist Häftling Nr.372, Abu Sufyan Said al-Shahri, beide sind saudische Staatsbürger.

Bei den anderen beiden militanten Islamisten handelt es sich um Abu Baseer Nasir al-Wahayshri und Abu Hureira Qassim al-Raimi, Anführer des jemenitisch-saudischen Al Qaida-Flügels. In fröhlicher Runde erscheinen diese gesuchten Terroristen nun vor der Kamera und erklären man werde absofort eine gemeinsame Organisation mit dem Namen „Al Qaida der Arabische Halbinsel“ (Tanzim al-Qaidat fil Jazeera tul Arab), eine Vereinigung zwischen der Al Qaida in Saudi-Arabien und Jemen, anführen im Dschihad gegen die Ungläubigen die weiterhin islamischen Boden besetzt halten. „Hier beginnen wir…und wir treffen uns in Al Aqsa wieder“, lautet der kämpferische, selbstbewusste Titel der Videobotschaft.

Zwei hochrangige saudische Al Qaida Mitglieder schafften anscheinend den Weg aus Amerikas Terrorknast zurück in die Heimat, in die Reihen der alten Kampfkameraden. Al-Shahri wird inzwischen von amerikanischen Quellen als der neue Führer der jemenitisch-saudischen Al Qaida gesucht, sein Ex-Mithäftling al-Qufi fungiert als Kommandeur der Truppe und soll maßgeblich in die Planung von Anschlägen gegen westliche Ziele auf der arabischen Halbinsel beteiligt sein. Wie konnten diese beiden Hardliner des internationalen Dschihad in die eigenen Reihen zurückkehren und ihren heiligen Krieg gegen Amerika und seine Verbündeten wieder aufnehmen? Ein formaler juristischer Fehler dürfte ausgeschlossen werden. Eher ist davon auszugehen dass das US-Militär gewillt war die beiden in ihre Heimat abzuschieben, da man davon ausging dort werde man sie weiterhin in Haft behalten oder sogar wegen terroristischer Aktivitäten v

erurteilen. Falsch gedacht. Al-Shahri und Al-Qufi wurden tatsächlich von Guantanamo aus vor etwa einem Jahr in das Königreich Saudi-Arabien abgeschoben und dort in eine Rehabitilationsstätte, eine Art Umerziehungscamp für Dschihadis gesteckt. Diese mehrwöchige psychologische Wäsche soll aus überzeugten Islamisten lammfromme, gesetzestreue und brave muslimische Mitbürger machen. Eine Erfolgquote lässt sich nicht ermitteln, nur eines steht fest: viele derjenigen jungen Männer die durch diese Seminare gingen fanden sich danach wieder auf den Schlachtfeldern des Irak, Afghanistan oder sonst wo auf dem Globus wo ein Dschihad im Gange ist.

Im Fall der beiden Guantanamo-Häftlinge half die Therapie offensichtlich nicht mal ansatzweise, aus den Gefangenen Nr.373 und 333 wurden wieder gefährliche Terroristen die eine Gefahr nicht nur für amerikanische und israel

ische Interessen im Nahen Osten darstellen. Nacheinander reisten die beiden im Jahr 2008 aus der saudischen Heimat in das südliche Jemen, einem Land in dem die Zahl der Al Qaida Kämpfer nach Geheimdienstangaben nicht ermittelbar hoch ist. Von den heute in Guantanamo einsitzenden Häftlingen (etwa 300), machen jemenitische Staatsbürger mit 100 Insassen die größte Volksgruppe aus. Wie viele bereits entlassen wurden und nun wieder ihrer „Berufung zum Gotteskrieger“ nachgehen kann nur geschätzt werden. Vom US-Verteidigungsministerium heißt es zehn ehemalige Guantanamo-Häftlinge seien in Afghanistan und im Irak wieder gefasst und inhaftiert worden - die Zahl der getöteten dürfte mindestens genauso groß sein.

Dass das Video der arabischen Al Qaida genau jetzt auftauchte kann entweder als purer Zufall oder als beabsichtigte Tat der Organisation gewertet werden. Immerhin verkündete der neu gewählte US-Präsident Barak Obama wenige Tage zuvor man werde Guantanamo, ein Schandfleck in Amerikas Geschichte, innerhalb eines Jahres schließen. Nur was soll mit den noch Inhaftieren pas

sieren? Zurück in die Heimatländer? Abschieben in Staaten wie Syrien, Libyen, China oder Tschad bedeutet für solche erklärten Feinde der dortigen „unislamischen“ Regime die Todesstrafe oder zumindest Folter und Qualen in dunklen Kellerverliesen. Was also tun mit ihnen? Barak Obama und seine Regierung muss schnellst möglich eine Antwort auf diese und andere Fragen finden, denn einfach laufen lassen oder es riskieren dass einige dieser absolut fanatischen Extremisten jemals wieder die Gelegenheit bekommen menschliches Leben abgesehen von ihrem eigenen zu vernichten, kann keine Option sein, erst recht nicht nach dem je

tzt aufgetauchten Video der beiden Ex-Guantanamo-Häftlinge die inzwischen wohl wieder an neuen Anschlägen planen.

Heute nun ließ das US-Außenministerium eine Warnung für die US-Botschaft und alle US-Bürger im Jemen herausgeben. Man habe Hinweise auf einen geplanten Anschlag in naher Zukunft hieß es. Wenige Stunden später kam es tatsächlich an einem Checkpoint in der Nähe der amerikanischen Botschaft in Sanaa zu einem Feuergefecht mit unbekannten Militanten, die daraufhin flüchten konnten.

Guantanamo bleibt ein schwieriger Fall. Das Ziel scheint klar, eine Schließung des Lagers. Das Schicksal der Insassen allerdings bleibt ungewiss. W

elche Staaten sind bereit islamistische Terroristen aufzunehmen? Und selbst wenn man sich in der EU darauf einigt einige der verbleibenden Jemeniten, Saudis, Kuwaitis, Uiguren, Afghanen, Tschetschenen, Iraker, Algerier oder Ägypter aufzunehmen, muss geklärt werden ob und wenn ja unter welchen Bedingungen, nach welchen Maßstäben ihnen ein Prozess gemacht werden kann. Dies alles ist die Herausforderung einer neuen Form des Krieges die zu Beginn dieses Jahrtausends zur dominierenden geworden ist, der asymmetrische Krieg. In den Anfängen der Kriege gegen Partisanen, Rebellen und Guerillas machten sich die überlegenen Kriegsparteien keinerlei Gedanken über Militärgerichte und den Status der gefangenen genommenen Kämpfer. Im Polen und Frankreich der 1940er Jahre, im Vietnam-Krieg, im Afghanistanabenteuer der Sowjets, im Libanonfeldzug der Israelis und in den zahllosen Buschkriegen Afrikas und des südamerikanischen Kontinents exekutierte man aufgegriffene „Kämpfer ohne Uniform“ (amerikan

isch = „feindliche Kombatanten) meist an Ort und Stelle, übte oft sogar noch Rache an den umliegenden Dörfern, an Familienangehörigen und Mitwissern. Unter den Augen der heutigen globalen Medienfront kann eine solche systematische Partisanen-Bekämpfung im Irak und Afghanistan ausgeschlossen werden.


Die Inhaftierung in Guantanamo scheint, und dies dürfte zu denken geben, trotz aller Horrorgeschichten über Folter und Misshandlung, nicht den Kampfeswillen der überzeugten Mujaheddin gebrochen zu haben. Jahre der Haft konnten das ideologische Rückgrat nicht bre

chen, im Gegenteil, eher noch stärken. Die Beweise hierfür grinsen quicklebendig vor einer Kamera - man wird von ihnen hören.





Abu Sufyan Said al-Shahri (Nr.372) Abu al-Hareth Mohammed al-Qufi (Nr.333)